Klimawandel

mayer.jana60

Klimawandel

Wirtschaftsland

Magazin für Wissenschaft,

Wirtschaft und Technologie

in Schleswig-Holstein

Juli_2007

Top-Thema:

Traum-Start in die

Urlaubs-Saison

Unternehmen SH:

Logistikbranche

auf Wachstumskurs

Reportage:

Erst die Arbeit,

dann der Sport

Chance

Klimawandel

als

für Schleswig-Holstein

www.wirtschaftsland.de


Top-Thema

Traum-Start

in die Urlaubs-Saison

Selten zuvor ist Schleswig-Holstein so gut

in die Tourismus-Saison gestartet wie in

diesem Jahr. Das warme Frühjahr hat für

ein sattes Plus von 13,7 Prozent bei den

Übernachtungszahlen gesorgt. Damit kamen allein

in den ersten drei Monaten 2,4 Millionen Urlauber

in den Norden. „Wir rechnen in diesem Jahr mit

einem Zuwachs von drei bis vier Prozent an Gästen

und Übernachtungen und liegen im Bundesvergleich

ganz weit vorne“, erklärt der Geschäftsführer

der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH),

Armin Dellnitz, gegenüber dem „Wirtschaftsland“.

Allein das Ostseeheilbad Travemünde registrierte

in den ersten vier Monaten fast 80.000 Übernachtungen.

Das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Dieser Traumstart liegt allerdings nicht

nur an den ungewöhnlich vielen Sonnentagen, die

Schleswig-Holstein bislang hatte. Die Diskussion

über den Klimawandel sorgt nach Worten von Dellnitz

auch dafür, dass der Urlaub im eigenen Land

wieder voll im Trend liegt. „Nicht nur die Strände in

Schleswig-Holstein können sich mit denen der südlichen

Länder messen, es wurde in den vergangenen

Jahren auch stark in die touristische Infrastruktur investiert“,

stellt Dellnitz fest. Gute Beispiele sind der

Neubau des TUI-Dorfhotels für 25 Millionen Euro in

Rantum auf Sylt, das in diesen Tagen eröffnet wird,

und das Arosa Hotel in Travemünde. Hinzu kommt,

dass die bei den Deutschen beliebtesten Urlaubsziele

im Ausland, Spanien und Griechenland, unter einer

Hitzewelle leiden. Die Gäste dort kämpfen in diesen

Wochen mit Temperaturen von über 40 Grad. (mal)

Foto: Stefan Polte/ Strande bei Kiel


Wirtschaftsland

S. 6 Klimawandel

als Chance für

Schleswig-Holstein

S. 16 Erst

die Arbeit, dann

der Sport

S. 34 Die

Energie des

Meeres

Dietrich Austermann

Minister für Wissenschaft,

Wirtschaft und Verkehr des

Landes Schleswig-Holstein

Editorial

Inhalt

Liebe Leserinnen und Leser,

Schleswig-Holsteins Wirtschaft befindet sich

im Aufbruch und ist gut für die Zukunft gerüstet.

In keinem anderen Flächenland ging die

Arbeitslosigkeit 2006 so stark zurück und stieg

zugleich die Zahl neuer sozialversicherungspflichtiger

Jobs. Auch bei den Wachstumszahlen

für die gewerbliche Wirtschaft oder dem Tourismus

liegen wir im bundesweiten Vergleich an

der Spitze. Nur Bayern konnte im vergangenen

Jahr mehr Firmen-Neugründungen vermelden.

Zu diesem Erfolg hat auch die Landesregierung

mit wichtigen Impulsen wie beschleunigter Planung,

dem Schleswig-Holstein-Fonds und dem

verbesserten Technologietransfer beigetragen.

Den wesentlichen Beitrag zu diesem Erfolg

haben jedoch die rund 115.000 Unternehmen

mit ihren über 790.000 Beschäftigten im Land

geleistet. Die Aufbruch-Stimmung ist in allen

Branchen spürbar und das Vertrauen in die

Arbeit der großen Koalition wächst. Das neue

„Wirtschaftsland“ wird die Chancen des wachsenden

Wirtschaftsstandortes Schleswig-Holstein

noch aktueller, spannender und informativer

als bisher aufbereiten. Die Titelgeschichte

dieser Ausgabe „Klimawandel als Chance für

Schleswig-Holstein“ zeigt mit ihren Hintergründen,

Fakten und Info-Grafiken: Das nördlichste

Bundesland nimmt bei regenerativen Energien

und Ideen aus der Wissenschaft zum Schutz des

Klimas eine führende Rolle in Europa ein. Neue

Rubriken wie Junge Wirtschaft und Service bieten

zudem künftig mehr Übersicht und einen

tiefen Einblick in die Vielfalt der schleswig-holsteinischen

Wirtschaft.

Top-Thema

02 Traum-Start in die Urlaubs-Saison

Schwerpunkt

Klimawandel als Chance

für Schleswig-Holstein

06 Klimawandel als Chance

für Schleswig-Holstein

08 Ideen und Technologien

für ein besseres Klima

10 „2 Grad –

Deutsche Unternehmer für Klimaschutz“

13 Umfrage unter den größten

Unternehmen im Land:

Umweltschutz ganz oben auf der Agenda

News

14 Brücke über Fehmarn-Belt

Reportage

16 Erst die Arbeit, dann der Sport

Unternehmen SH

18 Logistikbranche auf Wachstumskurs

22 Starke Brise für den Norden

24 Im Interview

Hanno Fecke, Vorsitzender

des neuen Vereins Messe & Event Nord

38 Messekalender 2008

39 Golf als Wirtschaftsfaktor

Neu in SH

32 Doppelter Mut zum Aufbruch

34 Die Energie des Meeres

Junge Wirtschaft

28 Vernetzte Jung-Manager

Wirtschaft auf Kurs

30 Kursziel: Marktführer

TimberTec mischt Holzmarkt auf

Service

36 Förderprogramme einfach erklärt

1. Teil: Außenwirtschaftsförderung

Kurzportrait

40 Die Nordzentren –

Ideenräume in Schleswig-Holstein

1. Teil: Von der Wissenschaft in die Wirtschaft

Rubriken

04 Editorial

26 Schleswig-Holstein in Zahlen

44 Veranstaltungen

45 Impressum

45 Personen- & Firmen-Index

47 Trends

Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

5


http://visibleearth.nasa.gov/

Schwerpunkt

Klimawandel

als Chance für Schleswig-Holstein

Diese Nachtaufnahme der NASA zeigt

die hell erleuchteten Industriestaaten

Europas und Afrika, das weitgehend im

Dunkeln liegt. 25 Prozent der Weltbevölkerung

verbrauchen 75 Prozent der

Welt-Energie.

Der Klimawandel bedroht das globale

Gleichgewicht – die Weltwirtschaft

muss umdenken und investieren, um

gegenzusteuern. Schleswig-Holstein ist

einen Schritt weiter: Es wird bereits

2020 deutlich mehr Strom aus erneuerbaren

Energiequellen produzieren, als

es selbst verbrauchen wird. Experten

aus Schleswig-Holsteins Wirtschaft und

Wissenschaft sind in Sachen Erderwärmung

weltweit gefragt. Der Klimawandel

– für Schleswig-Holstein bietet er

der Wirtschaft und Wissenschaft mehrfache

Chancen.

Wer sie von Weitem sieht, könnte enttäuscht sein. Aus

der Ferne betrachtet sieht die Windkraftanlage REpower

5M in Brunsbüttel aus wie all die anderen Windräder in

Schleswig-Holstein. Doch je

näher man ihr kommt, desto

deutlicher erfasst man ihre

wahren Ausmaße: 180 Meter

ragt sie in den Himmel. 126

Meter ist der Durchmesser

ihres Rotors. Mit einer einzigen

Umdrehung durchschneidet

er die Fläche von

zwei Fußballfeldern. Läuft er

auf vollen Touren, liefert er

für fünf Megawatt Strom. Der

Strom daraus reicht rechnerisch

übers Jahr für 4.500

Haushalte. Die REpower 5M

ist eine der größten Windkraftanlagen

der Welt.

Aus der Distanz betrachtet

ist es mit der 5M wie

mit Schleswig-Holsteins

Know-how in Sachen Klimaschutz. Je näher man

sich mit Wirtschaft und Wissenschaft beschäftigt,

desto deutlicher wird das Ausmaß ihres Könnens.

Die REpower 5M ist nur ein Superlativ, mit dem

das Land zwischen Nord- und Ostsee sich beweist.

Schleswig-Holstein gilt als wahre Ideenschmiede

in Sachen Klimawandel. Es ist tonangebend im Bereich

regenerativer Energien. Nicht zuletzt beraten

Wissenschaftler von Flensburg bis Geesthacht die

führenden Umweltkommissionen unseres Globus.

„Wir haben uns schon mit Klimawandel befasst und

Ideen im Bereich regenerativer Energien entwickelt,

bevor anderen überhaupt bewusst war, dass wir ein

„Wir haben uns schon

mit Klimawandel

befasst und Ideen im

Bereich regenerativer

Energien entwickelt,

bevor anderen überhaupt

bewusst war,

dass wir ein Problem

haben.“

Olav Hohmeyer

Problem haben“, sagt Olav Hohmeyer (53), Professor

für Energie und Ressourcenmanagement an der

Universität Flensburg.

„Dieses weltweit gefragte Know-how kommt ja nicht

von ungefähr“, erklärt Schleswig-Holsteins Wirtschaftsund

Wissenschaftsminister Dietrich Austermann. Er erinnert

daran, dass die Landesregierung seit Jahren ihre

Verantwortung zur Bewahrung von Natur und Umwelt

übernimmt. „Die erneuerbaren Energien – insbesondere

die Windenergie – haben bei der Stromversorgung in

Schleswig-Holstein pro Kopf im Vergleich zu den anderen

Bundesländern den höchsten Anteil“. Und der Ausbau

der alternativen Energien ist im nördlichsten Bundesland

noch nicht zu Ende. „Weitere Riesenschritte

stehen durch die geplanten Offshore-Windparks und

ein verstärktes Repowering an, also den Ersatz von

vielen kleinen alten Windmühlen

durch wenige große

neue Anlagen – wie etwa der

5M. Ich werde mich deshalb

für eine befristete Erhöhung

der Offshore-Vergütung (auf

12 Cent pro Kilowattstunde)

einsetzen“, betont Austermann.

Biomasse, Sonnenenergie

und Geothermie ergänzen

diese breite Palette.

Ziel sei es, in absehbarer Zeit

mehr Strom durch erneuerbare

Energien zu erzeugen

als im Land tatsächlich verbraucht

werde. „Darüber hinaus

achten wir bei der Qualität

der großen Kraftwerke

darauf, dass unsere Energie

umweltfreundlich produziert

wird“, so der Minister. Es

werde in Schleswig-Holstein neue Kohlewerke geben,

die den größtmöglichen Wirkungsgrad und damit den

niedrigsten Kohlendioxid-Ausstoß haben. Damit wird

sich allerdings die Kohlendioxid-Bilanz verschlechtern.

Auch in Zukunft wird die Energiepolitik im Land zwischen

den Meeren auf mehr Wettbewerb durch neue

Anbieter setzen, um damit sinkende Strompreise für

Haushalte und Betriebe zu erzielen, ohne Abstriche bei

der Versorgung machen zu müssen. Die immer bessere

Umwelt-Technologie sorge gleichzeitig dafür, dass

„Schleswig-Holstein auch bei stärkerer Energieproduktion

Reinluft-Gebiet bleibt“, stellt Austermann fest.

Wirtschaftsland Juli_2007 7


Schwerpunkt

Ideen und Technologien für ein besseres Klima

Offshore-Windparks

Vor der schleswig-holsteinischen

Nordseeküste werden

in den nächsten Jahren mindestens

drei Offshore-Windparks

entstehen. Am weitesten fortgeschritten

ist der Bürgerpark

Butendiek, der 34 km westlich

vor Sylt liegt. 2009 sollen dort

80 Anlagen mit einer Gesamtleistung

von 300 Megawatt ans

Netz gehen.

Energiemix

Schleswig-Holstein

74,0 % Kernenergie

13,0 % Kohle

11,6 % Windenergie

1,4 % Biomasse und andere

Seit Veröffentlichung des UN-Klimaberichtes Anfang

des Jahres ist die Bedeutung erfolgreicher Klimapolitik

unumstritten. Um 1,8 (Äquator) bis 6 Grad (Pole)

dürfte sich die Erde im Durchschnitt bis zum Jahr

2100 erwärmen. Zugleich sagen die Forscher einen

mittleren Meeresspiegelanstieg von mindestens

einem halben Meter weltweit voraus, für die Nordsee

bedeutet dies: plus einen Meter. Schleswig-Holstein

ist als Land zwischen den Meeren besonders

betroffen. Hauptursache: der fossile Brennstoffverbrauch,

Ausstoß von Treibhausgasen und geänderte

Landnutzung. Katastrophenszenarien: Hitzetote,

Missernten, Überschwemmungen, neue Krankheiten.

HUSUMwind

Die HUSUMwind

(18.–22.9.2007) ist

die globale Leitmesse

für alle Technologien

rund um die Windkraft.

5M in Brunsbüttel

Die 5M von REpower gehört

mit einer Leistung von

5 Megawatt zu den größten

Windkraftanlagen der Welt

und ist für den Offshore-

Einsatz konzipiert.

Die Lösung: Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes

durch verstärkte Umstellung auf erneuerbare Energien.

Um Schlimmeres zu verhindern, müssen die globalen

Emissionen bis 2050 gegenüber dem Stand von 1990

mindestens halbiert werden.

„Mir kann keiner erzählen, dass das nicht möglich

ist“, sagte der Kieler Klimaforscher Mojib Latif (52)

jüngst auf einer Tagung. „Ich kann nicht verstehen,

dass man sagt, dass die heutige Technologie nicht

ausreicht, um den Klimawandel zu stoppen.“ Latif ist

Professor für Ozeanographie am Kieler Leibniz-Institut

für Meereswisschaften (IFM Geomar). Das IFM

Foto: REpower Systems AG

Windpark Eggebek

REpower plant in Eggebek

den Bau von drei

5 bis 6 Megawatt Windkraft-Anlagen

Geomar spielt dabei in der Weltliga der Meeresforschung.

Latif gilt als unermüdlicher Botschafter für

eine lebenswerte Zukunft. Und in diesem Fall hat er

leichtes Reden. So hat das Wirtschaftsministerium im

so genannten Grünbuch die Energieproduktion des

Landes samt Kohlendioxid-Emissionen analysieren

Universität Flensburg

Die Universität Flensburg bildet

seit 16 Jahren Energieexperten

aus Asien, vor allem China, aus.

Insgesamt 95 Fachleute aus 14

Ländern qualifizierten sich bereits

zu Energiemanagern. Sie

arbeiten heute in bedeutenden

Positionen von Regierungen

und Unternehmen.

IFM-Geomar, Kiel

Wissenschaftler des IFM-Geomar

sind führend in der Erforschung

von Methanhydrat.

Es gilt als Energiequelle der

Zukunft. Mit dem neuen Projekt

„Sugar“ suchen die Kieler

nach Wegen, wie sich das

Methan ohne Risiken für Klima

und Umwelt nutzen lässt.

Methanhydrat

Gasmoleküle

Wassermoleküle

Institut für Weltwirtschaft, Kiel

Das Institut für Weltwirtschaft

in Kiel (IfW) gehört zu den

weltweit führenden Konjunktur-Forschungseinrichtungen

und untersucht seit Jahren die

wirtschaftlichen Folgen den

Klimawandels.

Earth Institute, Kiel

Schleswig-Holstein erhält ein europaweit einzigartiges

Institut zur Erforschung des Klimawandels. Wissenschaftler

des Instituts für Weltwirtschaft und des IFM-Geomar

sollen unter dem neuen Dach des Earth-Institutes Strategien

zum Schutz der Küsten entwickeln sowie Folgen des

Klimawandels für die Wirtschaft untersuchen.

GKSS Geesthacht

Keine Debatte über Klimawandel ohne die Forscher des

GKSS: Professor Hans von Storch gilt als weltweit führender

Klimaexperte. Er war u.a. an der Auswertung der

Modelle zur globalen Erderwärmung beteiligt.

8 Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

9


Schwerpunkt

lassen. Demnach wird Schleswig-Holstein bereits

2020 deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen

produzieren, als es selbst verbraucht. Es

wäre das erste Bundesland, das seinen Strom rechnerisch

zu mehr als 100 Prozent aus erneuerbaren

Energiequellen produziert. Den Prognosen zufolge

sollen zwölf Terawattstunden durch Offshore-

Windkraft gewonnen werden, 8,5 Terawattstunden

durch Windräder an Land.

Eine Erfolgsprognose, die schleswig-holsteinischen

Unternehmern zu verdanken ist. Menschen, die Visionen

haben. Die investieren, expandieren und nicht

umkehren, wenn sie mal vor einem Problem stehen.

So waren es zwei schleswig-holsteinische Firmen,

die zwei der größten Windkraftanlagen der Welt entwickelt

haben. Die Rendsburger Firma Aerodyn hat

den Spargel Multibird konstruiert. Die REpower AG

hat noch vor Aerodyn den Riesenpropeller 5M an

den Start geschickt. Beide Anlagen liefern jeweils

fünf Megawatt Strom.

„Schleswig-Holstein ist ein Windenergieland. Die Politik

unterstützt uns. Das meerumschlungene Land ist

die Basis für unsere Offshore-Expedition“, sagt der Vorstandsvorsitzende

der REpower AG, Professor Fritz Vahrenholt

(58). „Gelingt es uns, schnellstmöglich die ersten

Offshore-Anlagen zu realisieren, werden Tausende

Arbeitsplätze in diesem Land entstehen.“ Die Vision des

Unternehmens: eine führende Rolle im Windenergiemarkt.

„Wir wollen sowohl konkurrenzfähige Produkte

anbieten als auch die Windenergie gegenüber fossilen

Energieträgern wettbewerbsfähig machen.“ Erst 2001

wurde die REpower AG aus drei mittelständischen Unternehmen

gegründet. 2006 setzte das Unternehmen

mit seinen 940 Mitarbeitern bereits 458,8 Millionen

Euro um. Es gilt aktuell als drittgrößter deutscher Hersteller

von Windenergieanlagen. Die Kompetenz der

Schleswig-Holsteiner in der Windkraft-Technologie

ist so begehrt, dass sich alle zwei Jahre die führenden

Kräfte der Branche in Nordfriesland zur weltweit wichtigsten

Windenergiemesse treffen – der HUSUMwind.

Das Ministerium

für Wissenschaft,

Wirtschaft und

Verkehr hat

Ende Juni ein

Grünbuch veröffentlicht

(www.

mwv.schleswigholstein.de

unter

Service/Broschüren/Broschüren

der Landesregierung/Wirtschaft).

Es dient als Diskussionsgrundlage

für einen

nachfolgenden

Meinungsbildungsprozess.

Mehr Biomasse

Foto: md

Viöl im Kreis Nordfriesland betreibt eine der größten Biogasanlagen

Deutschlands. Landwirt August Hansen ist Geschäftsführer der

Anlage, die 90 Häuser, die Schule und ein Freibad beheizt.

Foto: md

Um die Biogasanlage zu betreiben, wird neben Gülle auch Silage als

Füllstoff benötigt.

Auch in Sachen Biomasse ist Schleswig-Holstein mit

110 Biogasanlagen, 23 Holzheizkraftwerken und drei

Strohheizkraftwerken sowie einem Blockheizkraftwerk

führend. Und auch in diesem Sektor machen norddeutsche

Visionäre von sich reden. Kai Lippert (43) ist

so einer. Er gilt als einer der Pioniere der Solarbranche.

Unter dem Eindruck der Tschernobyl-Katastrophe

gründete Lippert 1986 seine Firma Energie aus Wind

und Sonne (EWS). Schon damals prophezeite er die

hohen Kosten der Folgeschäden aus der Verschwendung

fossiler Brennstoffe. „Dagegen“, so Lippert, „seien

erneuerbare Energien schon lange wirtschaftlich.“ Eine

Maxime, die ihn in zwei Jahrzehnten zum Marktführer

im Norden machte. Auch in Skandinavien hat Lippert

inzwischen Kunden. Sein unschlagbarer Vorteil: „In

den 20 Jahren, die wir jetzt am Markt sind, haben wir

uns als kompetenter Systemanbieter für regenerative

Energiesysteme etabliert und können unseren Kunden

mehr Erfahrung, mehr Systemkompetenz und letztlich

einen umfangreicheren Service als eine Vielzahl

unserer Mitbewerber bieten.“

prognostiziert beispielsweise, dass sich das Marktvolumen

bis 2020 auf jährlich bis zu 250 Millionen

Euro erhöhen könnte. Die Allianz geht davon

aus, dass die Umwelttechnologie bis 2030 mehr als

700.000 Arbeitsplätze in Deutschland schaffen wird.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang

der von Roland Berger erstellte „Umwelttechnologie-Atlas

für Deutschland“. Dieser Atlas geht davon

aus, dass die Umwelttechnologie 2020 den Fahrzeug-

„2 Grad – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz“

Repräsentanten führender deutscher Unternehmen haben im Frühjahr die Initiative „2 Grad – Deutsche

Unternehmer für Klimaschutz“ gegründet. Wie das „Wirtschaftsland“ jetzt erfuhr, übernehmen Schleswig-Holsteiner

eine tragende Rolle dabei. Dank des Engagements des Rendsburger Unternehmers Dietmar Hartmann

sollen auf dem in Selent (Kreis Plön) angesiedelten Technologiezentrum Blomenburg Venture Park regelmäßige

Tagungen von Topmanagern, Kulturschaffenden, Verwaltungsexperten, Politikern und anderen Entscheidungsträgern

stattfinden. Das Ziel: energiewirtschaftliche Perspektiven diskutieren und die Regierung bei

der Entwicklung einer effektiven, aber marktwirtschaftlich orientierten Klimapolitik unterstützen. „Die Initiative

‚2 Grad‘ ist nur dann erfolgreich, wenn man in den einzelnen Bundesländern, also vor Ort aktiv wird“,

sagt Hartmann, zu dessen Unternehmensgruppe die Blomenburg gehört. Neben Expertenrunden plant der

Venturepark Ausstellungen, Zukunftswerkstätten und diverse andere Veranstaltungen. Einer der Schwerpunkte

des Technologieparks ist die ökologisch sinnvolle Erzeugung von Energie sowie ihre ökonomische Nutzung.

Mehr Infos: www.initiative2grad.de

Die Erfolgsgeschichten von Aerodyn, REpower und

EWS haben wirtschaftliche Zugkraft. Nach Angaben

der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer

Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) ist das nördlichste

Bundesland mit 500 Betrieben, einem Umsatz von

1,9 Milliarden Euro und 32.000 Beschäftigten bereits

heute ein führender Standort für Umwelttechnologien.

Darunter befinden sich eine ganze Reihe weiterer

„hidden champions“.

Neue Umwelttechnologien

Zudem rechnen Banken und Versicherungen mit

Blick auf den Klimawandel mit einem wahren

Boom der Umwelttechnologie. Die Dresdner Bank

Foto: REpower Systems AG

Die REpower 5M

wurde speziell

für den Einsatz

in Offshore-

Windparks

entwickelt.

10 Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

11


Schwerpunkt

und Maschinenbau als Leitindustrie ablösen wird.

Zudem verglich Berger Beschäftigungssituation und

Forschungsausgaben der einzelnen Bundesländer.

Schleswig-Holstein kann sich bei diesem aktuellen

Ranking sehen lassen. In Bezug auf die Beschäftigungssituation

liegt es im bundesweiten Vergleich

mit etwa 5.000 unmittelbaren Arbeitsplätzen bereits

jetzt im Mittelfeld. Im Vergleich der Ausgaben für Forschung

und Entwicklung bilden die Kreise Rendsburg-

Eckernförde und Segeberg sowie Stormarn, Steinburg

und Dithmarschen eine Hochburg in Deutschland.

In Bergers Studie steht „Nachhaltige Energieerzeugung“

an erster Stelle, gefolgt von den Leitmärkten

„Kreislaufwirtschaft“ und „Nachhaltige Mobilität“.

Auch „Energieeffizienz“, „Rohstoff- und Materialeffizienz“

sowie „Nachhaltige Wasserwirtschaft“ sind von

großer Bedeutung.

Nicht nur der „Umwelttechnologie-Atlas für Deutschland“

zeigt, dass sich schleswig-holsteinische Unternehmen

auch auf diesen Märkten längst einen Namen

gemacht haben: So hat sich beispielsweise das mittelständische,

international agierende Unternehmen

Bran+Lübbe aus Norderstedt auf Prozessoptimierung

und damit auf Energieeffizienz spezialisiert. Die

Itzehoer Condias GmbH entwickelte diamantbeschichtete

Elektroden für die Wasseraufbereitung. Ebenfalls

in Itzehoe sitzt das Unternehmen Greencar, das sich

– europaweit beinahe einmalig – auf die Lkw-Umrüstung

von Diesel auf Flüssiggas spezialisiert hat.

Ideen für ein besseres Klima

Wie die Wirtschaft, so die Wissenschaft: Forscher aus

Schleswig-Holstein sind weltweit gefragt. So sitzt der

Flensburger Professor Olav Hohmeyer seit vier Jahren

als Europa-Vertreter im UN-Weltklimarat. Aktuell ist

der Volkswirt damit beauftragt, einen neuen Sonderbericht

für die UN zu koordinieren. Bis 2010 sollen

Vorschläge erarbeitet werden, wie erneuerbare Energien

den Klimawandel weltweit stoppen können.

Der Leiter des Instituts für Küstenforschung am GKSS

in Geesthacht, Professor Hans von Storch, war an

der Auswertung der Computermodelle zur globalen

Erderwärmung beteiligt. Zudem ist beim GKSS das

Norddeutsche Klimabüro angesiedelt.

Anfang April wurde zudem bekannt, dass Schleswig-Holstein

ein europaweit einzigartiges Institut

zur Erforschung des Klimawandels aufbauen wird.

Wissenschaftler des federführenden Leibniz-Instituts

für Weltwirtschaft und des IFM-Geomar sollen

unter dem Dach des Earth-Instituts unter anderem

Folgen des Klimawandels für Tourismus und

IFM-GEOMAR führend bei

Methanhydratforschung

Methanhydrat gilt als mögliche Energiequelle

der Zukunft. Die Vorkommen an den Kontinentalrändern

und im Permafrost enthalten

mehr Gas als alle bekannten Erdgasreservoirs

zusammen. Methan entsteht am Meeresboden

ab einer Tiefe von 500 Metern bei Temperaturen

von zwei bis vier Grad Celsius. Es ist

von einem Eiskäfig aus Wassermolekühlen

umschlossen. Der Abbau birgt jedoch einige

Risiken für Klima und Umwelt. Zum einen halten

die Gashydrate die Sedimente am Meeresgrund

zusammen. Schon geringe Änderungen

könnten Hangrutschungen und Tsunamis

auslösen. Zum anderen ist Methan als Treibhausgas

27 mal wirksamer als Kohlendioxid.

Wissenschaftler des IFM-GEOMAR spielen in

der Gashydratforschung eine führende Rolle.

Mit ihrem neuen Projekt SUGAR werden sie

nach Wegen forschen, das Methan zu nutzen,

das Kohlendioxid gleichzeitig in dem Käfig aus

Wassermolekülen zu binden und den Meeresboden

dabei stabil zu halten.

Methanhydrat, das sogenannte „Brennende Eis“ an Deck

eines Forschungsschiffes; Foto & Copyright: Leibniz-Institut

für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR)

Mehr Infos: www.ifm-geomar.de

Wirtschaft untersuchen. Für weitere Schlagzeilen

wird das vom IFM-Geomar in Planung befindliche

Forschungsprojekt SUGAR sorgen. Im Mittelpunkt

steht die Frage, wie Methanhydrat – das längst als

Energiequelle der Zukunft gehandelt wird – ohne

Risiken von Klima und Umwelt genutzt und zugleich

Kohlendioxid in großen Meerestiefen eingelagert

werden kann. „In der Erforschung der Gashydrate

sind wir weltweit führend“, sagt Geomar-Direktor

Professor Peter Herzig (52) zur Bedeutung des Forschungsvorhabens.

Umwelt- und Klimaschutz stehen bei schleswigholsteinischen

Unternehmern ganz oben auf der

Agenda. Bei einer Umfrage des Magazins „Wirtschaftsland“

unter den umsatzstärksten Unternehmen des

Landes erklärten zehn der größten Betriebe sowohl

bei ihren Produkten und deren Herstellung als auch

in der Verwaltung Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen.

Viele Firmen haben sich nach europäischen

Normen zertifizieren lassen und legen regelmäßige

Kontrollberichte vor. Umwelttechnologien aus Schleswig-Holstein

genießen national und international

einen hervorragenden Ruf. Neben den großen

Konzernen haben sich hier viele kleine und mittlere

Unternehmen die Vorreiter-Rolle gesichert.

„Die Suche nach optimalen und effizienten Energielösungen

mit Blick auf den Klimaschutz ist eine unserer

vordringlichsten Aufgaben“, sagt Hans-Jakob

Tiessen, Vorsitzender des Vorstands der E.ON Hanse

AG. „Daher bauen wir die Nutzung erneuerbarer

Quellen weiter aus. Wir testen neue Möglichkeiten

der Energieversorgung und innovative Techniken

in der Praxis, um sie für unsere Kunden nachhaltig

zu erschließen. Schon jetzt bieten wir interessante

Klimawandel – dieses Wort steht in Schleswig-Holstein

auch für die Herausforderung, dem steigenden Meeresspiegel

mit neuen Küstenschutzmaßnahmen zu begegnen.

Klimawandel steht aber auch für die große

Chance Schleswig-Holsteins, in mehrfacher Hinsicht

wirtschaftlich zu profitieren. Die Landwirtschaft steht

mit dem Klimawandel vor neuen Aufgaben – wie zum

Beispiel der Produktion von Biokraftstoffen.

Auch der Tourismus kann von der Erderwärmung

profitieren. „Schleswig-Holstein ist ein überdurchschnittlich

wetterabhängiges Land. Mit jeder zusätzlichen

Woche Sonnenschein steigt die Zahl der

Touristen“, sagt Armin Dellnitz, Geschäftsführer der

Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Nicht nur

Besitzer von Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen

können mit steigenden Umsätzen rechnen, auch

die gesamte Außengastronomie sowie Anbieter von

Freizeitmöglichkeiten. Prognosen über wirtschaftliches

Potenzial und Übernachtungszahlen in 50

oder 100 Jahren gebe es aber noch nicht. Die Touristiker

geben sich noch zurückhaltend. Man dürfe nicht

einseitig nur die Vorteile des Klimawandels sehen,

heißt es. Es gelte auch, mit den Herausforderungen –

wie beispielsweise steigendem Blaualgenaufkommen

– fertig zu werden.

Es ist die realistische Einstellung zum Klimawandel,

die in diesem Land stimmt. Ganze Gemeinden

arbeiten daran, ihren Energiebedarf ohne fossile

Brennstoffe abzudecken. Und Dank der Initiative

des Technologiezentrums Venturepark Blomenburg

übernehmen Schleswig-Holsteiner eine tragende

Rolle bei der Initiative „2 Grad – Deutsche Unternehmer

für Klimaschutz“. „Umweltkonzepte sind

notwendig“, sagt Finn Duggen, Geschäftsführer des

Technologiezentrums Venturepark Blomenburg,

„wir wollen in Schleswig-Holstein gemeinsam mit

der Politik, Wirtschaft und Multiplikatoren daran

arbeiten, dass sie auch wirtschaftlich sind.“ (Tanja

Nissen, Maike Nicolai)

Umfrage unter den größten Unternehmen im Land:

Umweltschutz ganz oben auf der Agenda

Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen

Photovoltaik, Solarthermie und Erdwärme an.“

Autoliv in Elmshorn, Hersteller von Auto-Insassenschutz-Systemen,

hat bereits 1999 ein Umwelt-Management-System

zertifizieren lassen. Die Einhaltung

der Normen wird ebenso regelmäßig kontrolliert wie

die Umweltauswirkungen der Anlagen. Der Umweltbericht

der Firma ist für jedermann einsehbar. An der

Umfrage beteiligten sich außerdem folgende Firmen:

Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH, Raiffeisen

Hauptgenossenschaft Nord AG, Hako-Werke, Dänisches

Bettenlager, Kloppenburg, Ostseeklinik Damp, Vestas

Deutschland und die Kittner Unternehmensgruppe.

Die U-Boote der Klasse 212A, angetrieben durch eine umweltfreundliche

Brennstoffzellenanlage. Foto: HDW

12 Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

13


News

INFRASTRUKTUR

Brücke über Fehmarnbelt

Deutschland und Dänemark haben sich darauf geeinigt,

eine Brücke über den Fehrmarnbelt zu bauen.

Ab 2018 sollen die ersten Autos über das 19 Kilometer

lange Bauwerk zwischen dem schleswig-holsteinischen

Puttgarden und dem dänischen Rødby

rollen. Die Baukosten von 5,5 Milliarden Euro übernimmt

fast ausschließlich Dänemark, das an der

Brücke stärker interessiert ist als Deutschland. Rund

800 Millionen Euro wird Deutschland allerdings für

den Verkehrsanschluss auf deutscher Seite übernehmen.

Schleswig-Holstein beteiligt sich mit rund 60

Millionen Euro. Die privat finanzierten und durch

Staatsgarantien abgesicherten Kosten sollen durch

Mauteinnahmen zurückfließen. Die Brücke verkürzt

die Fahrzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen um

knapp 60 Minuten auf dreieinhalb Stunden. (mal)

Verkehrsminister Dietrich Austermann (l.), sein dän. Amtskollege

Flemming Hansen (r.) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee

präsentieren ein Bild der geplanten Brücke. Foto: Tim Brakemeier/dpa

WISSENSCHAFT

International School of

Ocean Sciences vorgestellt

Die „International School of Ocean Sciences“ (ISOS)

an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat

den Betrieb aufgenommen. In diesem Pilotprojekt

des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ wollen

die Wissenschaftler eine strukturierte Doktorandenausbildung

entwickeln. An der ISOS soll die Graduiertenförderung

für Promotionsstudenten vernetzt

werden, außerdem will die Uni hier die meereswissenschaftliche

Lehre bündeln sowie innovative

Lernmethoden entwickeln – Stichwort e-Learning.

Kontakt: Dr. Avan Antia, Tel. 0431/880-2685; aantia@uv.uni-kiel.de

FORSCHUNG

Startschuss für Röntgenlaser XFEL

Das Kieler Exzellenzcluster ist ein Zusammenschluss

von rund 120 Kieler Wissenschaftlern aus 26

Instituten der Kieler Uni, vom Leibniz-Institut für

Meereswissenschaften (IfM-GEOMAR), vom Institut

für Weltwirtschaft (IfW) und von der Muthesius

Kunsthochschule in Kiel. (wel)

Eine „Lichtquelle der Superlative für die Wissenschaft“ beginnt zu strahlen: Der 980 Millionen Euro teure

Röntgenlaser XFEL, der 3D-Aufnahmen aus dem Nanokosmos macht, wird unterirdisch am Hamburger Stadtrand

gebaut und soll 3,4 Kilometer weit bis nach Schenefeld (Kreis Pinneberg) reichen. „Dies ist ein Beispiel der guten

Zusammenarbeit von Schleswig-Holstein und Hamburg“, so Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Das

internationale Großprojekt des Forschungszentrums DESY eröffnet neue Möglichkeiten für die Forschung. Seine

Spitzenleistung erreicht das Zehnmilliardenfache herkömmlicher Röntgenquellen. XFEL ist 2013 fertig. (wel)

Die Forschungsschiffe

ALKOR,

LITTORINA und

des Leibniz-Instituts

für Meereswissenschaften

IFM-GEOMAR

am Pier in der

Kieler Innenförde

Foto & Copyright:

Leibniz-Institut

für Meereswissenschaften

(IFM-

GEOMAR)

www.fdjv.com

www.xfel.net/de

MESSEN

INNOVATION

STUDENTEN

Schleswig-Holstein erstmals

auf der transport logistic

Kieler hilft NASA bei

„Wettervorhersage“ im All

Kieler Rennwagen am Start

Weil die Branche boomt wie nie zuvor, präsentierte

sich Schleswig-Holstein im Juni zum ersten Mal auf

der Leitmesse transport logistic in München. Dem

Messeteam der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer

Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) war es

gelungen, acht Partner „unter einen Hut“ zu bekommen,

um gemeinsam für den Logistikstandort Schleswig-Holstein

zu werben. „Unser Land ist nicht nur das

Land zwischen den Meeren, sondern auch die Drehscheibe

zwischen den Märkten in Ost und West", sagte

WTSH-Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche. Mehr als

1.550 Aussteller aus 58 Ländern präsentierten sich auf

der Messe. „ Wir hatten bereits konkrete Ansiedlungsanfragen

– ein toller Erfolg für unser Land", sagte Jenny

Dümon vom WTSH-Messeteam. (wel)

Astronauten sollen auf dem Weg durch das All möglichst

vor radioaktiver Strahlung bewahrt werden.

Davor schützt ein Warngerät für das plötzliche

Auftreten von solaren Teilchenereignissen, das der

Kieler Wissenschaftler Dr. Arik Posner jetzt bei der

NASA entwickelt hat. Es kann das Eintreffen solarer

Protonen bis zu einer Stunde vorhersagen. Die Methode

basiert auf einem Instrument, das vor 15 Jahren

an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

entwickelt worden war. Die NASA bestätigte, dass

die Gefahr für Astronauten, die Strahlungskrankheit

zu erleiden, deutlich verringert werden könne. Posner

betreut im NASA-Hauptquartier in Washington

die Raumsonden „Ulysses“ und „Wind“. (wel)

Sie gehören zu den schnellsten Studenten Deutschlands: 33 angehende Ingenieure der FH Kiel haben zum

zweiten Mal einen Rennwagen entwickelt, mit dem sie gegen die weltbesten Teams antreten. Jetzt präsentierte

das Team Raceyard ihren „tKielA 07“ bei einem Roll-out in einem Kieler Premium-Autohaus. Der Bolide wird

nach dem siegreichen Abschneiden

des Vorjahres-Renners von

den Autoherstellern in Deutschland

genau beobachtet: Nur 245

Kilo leicht, aber 95 PS stark, tritt

die Kieler Eigenkonstruktion bei

den Rennen in der „Formula Student“

im britischen Silverstone,

auf dem Hockenheimring und auf

der Ferrari-Rennstrecke in Italien

an. Am Steuer sitzen Studenten der

FH Kiel. (wel)

Mit Kieler Knowhow

in den Titelkampf:

Teamchef

Sören Krause (21,

links) und die

studentischen

„Mechaniker“

Georg Laufenberg

(Mitte) und

Ronald König

(beide 26).

Foto: Welding

www.wtsh.de; www.transportlogistic.de

Kontakt: Prof. Bernd Heber; heber@physik.uni-kiel.de

www.raceyard.de

14 Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

15


Reportage

Erst die Arbeit,

dann der Sport

After-Work-Aktivitäten in Schleswig-Holstein

Das Green liegt wie ein weicher Teppich im Licht der

tief stehenden Sonne. Vögel zwitschern, Frösche quaken,

ein leichter Wind bringt den Duft von reifem Korn

herüber. Plock – der Ball zieht eine vorbildliche Kurve

und landet nur wenige Meter neben dem Loch. „Ist das

nicht herrlich?“, fragt Carsten Bulle. Feierabend im Golf

Club Gut Haseldorf.

Während andernorts Angestellte und Unternehmer

den Arbeitstag mit einem kühlen Drink ausklingen

lassen, genießen die Schleswig-Holsteiner zum Feierabend

Sport in herrlicher Landschaft und an gesunder

Luft. After-Work-Partys finden auch im nördlichsten

Bundesland statt – zum Beispiel donnerstags ab

17 Uhr im Non Solo Pane in Kiel. Noch gefragter sind

allerdings After-Work-Golfen, Feierabend-Segeltörns,

Lauftreffs für Manager und viele andere Aktivitäten.

„Der After-Work-Cup ist eine tolle Möglichkeit, nach

der Arbeit noch ein wenig draußen in der Natur zu

sein und mein Handicap zu verbessern“, erklärt der

Airbus-Kundenbetreuer Carsten Bulle. „Für Turniere

hätten wir Berufstätige ja sonst nur am Wochenende

Zeit.“ Auch seine beiden Mitspielerinnen Susanne Bast

und Alexandra Schardt-Schrödl schätzen die Herausforderung

nach Dienstschluss. Bis zum Herbst können

Mitglieder des Haseldorfer Clubs ihre Leistungen

montags und freitags unter Beweis stellen. Auch andere

Vereine bieten After-Work-Wettspiele an – nicht

nur der Golf-Park Peiner Hof in Prisdorf vor den Toren

Hamburgs, sondern auch der Golfclub Stenerberg in

Rabenkirchen, der Golf Club an der

Schlei in Güby, der Golf Club Ostseeheilbad

Grömitz, der Golfclub

Schloss Breitenburg e.V., der Golf

Club Thürk, der Golf Club Husumer

Bucht oder der Golf Club am Donner

Kleve in St. Michaelisdonn. Dort

nennt man das After-Work-Golfen

übrigens: „De Sün geiht ünner“ (Die

Sonne geht unter).

Bevor die Sonne untergeht und der

Wind einschläft, werden an der Kieler Förde noch einmal

die Boote klar gemacht: Das Segelcamp 24|sieben

auf der Reventlouwiese gehört tagsüber den Kindern,

aber an vier Abenden in der Woche den Erwachsenen.

Montags und mittwochs können Firmen und Organisationen

zwischen acht verschiedenen Angeboten

wählen – Törns mit Jollen, Yachten und Kuttern,

Beach-Volleyball oder Fahrten mit America’s Cuppern

im Spielzeugformat. Das Firmensegeln läuft seit 2006

hervorragend. Neben kleinen und mittelständischen

Unternehmen waren auch schon Vertreter von Siemens

oder der Provinzial Versicherung zu Gast im

Camp 24|sieben. Dass ein Tag in Kiel kaum schöner zu

Ende gehen kann, erleben in diesem Jahr auch Spaziergänger,

die ihre Segeltour dienstags und donnerstags

ab 18 Uhr spontan im Camp buchen können.

Noch gemütlicher geht es beim After-Work-Segeln

auf der Kieler Hansekogge zu: Gäste lassen das Festland

vorbeiziehen und beobachten vom Achterdeck

Fähren und Kreuzfahrtschiffe, Jollen, Yachten und

„In der Gruppe

macht das Laufen

einfach viel

mehr Spaß.“

Michael Schulz

Ruderboote, während die Crew alle nötigen Handgriffe

besorgt – nur wer möchte, fasst mit an. Die Termine

werden zwischen den längeren Törns je nach Wetter

kurzfristig unter www.

hansekogge.de und per

Aushang am Liegeplatz

vor dem Schiffahrtsmuseum

bekannt gegeben.

Wer mehr sportlichen Ehrgeiz

entwickeln und obendrein

noch Branchennews

austauschen möchte, ist

beim Business2run in

Kiel genau richtig. Unter

Anleitung ihres Coaches

Henrik Bauer („1:1 aktiv“)

laufen sich Unternehmer,

Geschäftsführer und Führungskräfte

mittwochsabends

fit für ihre Jobs.

Anschließend geht’s in die Sauna des Hotels Birke.

„Was gibt’s Neues?“ oder „Weißt Du schon…“ heißt

es unterwegs oft. „Aber es geht

eher ums Abschalten – und um den

Sport“, stellt Michael Schulz, Geschäftsführer

der office400 GmbH

& Co. KG, klar. Mit dem 1:1 aktiv

Unternehmer.Cup 2007 tragen

die Manager sogar einen internen

Wettkampf aus sieben Läufen aus.

„Als wir vor einem Jahr mit dem

Training begannen, war ich nach

500 Metern aus der Puste“, erinnert

sich Schulz. „Jetzt schaffe

ich 16 Kilometer am Stück. In der Gruppe macht das

Laufen einfach viel mehr Spaß.“ (mn)

¢

¢

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¢

After-Work-Tipps

Golfen: diverse Termine, alle Club-Adressen unter

www.golfkueste.de

Segeln: Camp 24|sieben, After-Work-Sailing für

Firmen und Organisationen: montags und mittwochs

18–21.00 Uhr (Anmeldung erforderlich), After-Work-

Sailing für jedermann: dienstags und donnerstags

18–20.00 Uhr. Info: www.camp24sieben.de

Laufen: Business2run, Treffpunkt: 18.00 Uhr, Hotel

Birke, Kiel. Info: www.1zu1aktiv.de.

Feiern: donnerstags ab 17.00 Uhr, Non Solo Pane,

Kiel. Info: 04 31/239 48 50

Nach Feierabend

Segel setzen

Wirtschaftsland Juli_2007

17


Unternehmen SH

Logistikbranche

auf Wachstumskurs

Deutschlands Wirtschaft brummt – im wahrsten Sinne des Wortes:

Mehr als 400.000 Lkw und Sattelzüge transportieren Güter über die

Straßen. Im Jahr 2006 beförderten sie 1,8 Milliarden Tonnen quer

durch die Republik. Der Aufschwung hat auch der Logistikbranche

einen Boom beschert. Allein die Stadt Hamburg rechnet mit einem

zusätzlichen Bedarf an Logistikflächen von 40 Hektar jährlich. Ein

Bedarf, den Hamburg alleine bei weitem nicht decken kann. Hier liegt

eine Chance für Schleswig-Holstein, zum Beispiel für den Kreis Stormarn.

Zwei Unternehmen, die hier ihre Lagerkapazitäten stark erweitern,

sind die Walter Wesemeyer GmbH und die Boltze-Gruppe mit

Sitz in Ahrensburg.

Beiden Unternehmen, einst in Hamburg gegründet,

ist es bereits vor Jahrzehnten in der Hansestadt zu eng

geworden. Sie zogen nach Ahrensburg im Kreis Stormarn.

Hier fanden sie die nötigen Flächen, um sich

auszubreiten. Seit geraumer Zeit stoßen sie allerdings

auch in Ahrensburg an die Grenzen ihres Wachstums.

Während man sich bei Wesemeyer dafür entschied,

ein neues Zentrallager in der Nachbargemeinde Siek

zu bauen, wählte die Boltze-Gruppe den Weg, eine Immobilie

in Bad Oldesloe anzumieten, dann zu kaufen,

zu modernisieren und nun erheblich zu erweitern.

„Wir haben uns verschiedene Standorte angeschaut“,

berichtet Christian Beutin, Bereichsleiter

Logistik und Prokurist der Wesemeyer GmbH. Zwei

in Schleswig-Holstein, einen in Mecklenburg-Vorpommern.

Ausschlaggebend für die Wahl von Siek

war das Liefergebiet des Großhändlers von Sanitär-,

Heizungs- und Klimatechnik: „Wir haben die Zielorte

und Fahrzeiten analysiert und festgestellt, dass

Siek in dieser Hinsicht am günstigsten liegt“, so Beutin.

Zwar wären die Grundstückskosten anderweitig

deutlich niedriger gewesen. Dieser Vorteil wäre aber

spätestens nach zehn Jahren ins Gegenteil umgeschlagen.

In Zeiten steigender Dieselpreise hätten

nicht zuletzt die operativen Kosten die Standortentscheidung

mit beeinflusst.

Hauptliefergebiete sind Hamburg, Schleswig-Holstein,

Mecklenburg-Vorpommern und das nördliche

Niedersachsen. 45 Prozent aller Waren liefert Wesemeyer

auf Baustellen, 40 Prozent an Werkstätten und

circa 15 Prozent werden von Handwerksbetrieben

abgeholt. Das Unternehmen unterhält einen eigenen

Fuhrpark von 18 Lkw für die Belieferung Mecklenburg-Vorpommerns

und greift auf eine Kombination

aus sechs eigenen Lkw und zwölf Lkw eines

Spediteurs zurück. Denn nicht nur zu den Kunden

werden Teile transportiert. Da Wesemeyer aktuell

noch auf eine „Zwei-Zentrallager-Lösung“ setzt,

eines in Ahrensburg und eines in Bad Doberan, sind

täglich Touren zwischen Schleswig-Holstein und

Mecklenburg-Vorpommern vonnöten. Jede Nacht

verkehrt ein Sattelzug zwischen den beiden Zentrallagern

für den Warenaustausch.

Denn weder in Ahrensburg noch in Bad Doberan

sind alle von Wesemeyer bevorrateten 25.000 Artikel

vorhanden. Der Grund? „Keines beider Lager ist groß

genug, um alle von uns gelagerten Artikel aufzunehmen“,

so Beutin. Das soll sich mit der Ein-Zentrallager-

Lösung in Siek ändern. Hier werden alle 25.000 Artikel

auf Lager gelegt – ohne dass Bad Doberan oder ein anderer

Standort in seiner Existenz gefährdet wäre. Diese

benötigt Wesemeyer weiter für das Vor-Ort-Geschäft.

Wesemeyer GmbH

Logistik

Boltze-Gruppe

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Großhandel

Geschäftsbereiche:

Sanitär und Heizung,

Medizintechnik und Pflege,

Röhren und Befestigungen,

Lüftungstechnik, Abwassertechnik,

regenerative

Energien

Kunden: Fachhandwerk

der Sanitär-, Heizung- und

Klimatechnik

gegründet 1925

14 Standorte

250 Mitarbeiter

Umsatz: k. A.

Lager-Umschlagshäufigkeit: 10

www.wesemeyer.de

18

Das Logistik-Unternehmen Wesemeyer

wächst so schnell, dass ein Neubau (siehe

Grafik oben) her muss.

Fotos: Wesemeyer GmbH

Logistik bedeutet „ganzheitliche Planung

und Steuerung aller Informations- und Materialflüsse

– mit maßgeblicher Wirkung auf

Ergebnisse“ und ist äquivalent zum Begriff

des „Supply Chain Management“. Sie umfasst

Arbeitsteilung, Infrastrukturen, Material-,

Teile- und Systembedarfe in der Industrie,

Ressourcenplanung, termingerechte

Lieferung und gefüllte Regale im Handel.

Zur Logistik gehören auch die Materialflüsse

mit Handhabung, Lagerung und Transport –

innerbetrieblich und weltweit, zwischen Unternehmen

und bis hin zu den Endkunden.

Dabei werden 45 Prozent der logistischen

Leistungen von Logistik-Dienstleistern erbracht,

der noch überwiegende Teil von 55

Prozent ist logistische Wertschöpfung in Unternehmen.

In der Öffentlichkeit ist Logistik

sogar nur zu einem Drittel wahrnehmbar,

nämlich in der Bewegung von Gütern durch

Dienstleister – zwei Drittel finden in der Planung,

Steuerung und Umsetzung innerhalb

von Unternehmen statt.“

Quelle: Bundesvereinigung Logistik: „Wachstum schaffen

– Zukunft gestalten. Logistik als Motor für Wachstum und

Innovation in Deutschland“, Thesenpapier, 2005

Wirtschaftsland Juli_2007

Foto: Boltze-Gruppe

Wirtschaftsland Juli_2007

Die Boltze-Gruppe

bietet als Logistiker

die komplette Dienstleistungspalette

vom

Wareneingang über

Umverpackung bis

zum Versand zum

Kunden an.

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Großhandel

Kerngeschäft: Handel mit

Lifestyle-Produkten

Kunden: Geschenkboutiquen,

Möbelhäuser, Gartencenter,

SB-Märkte, Baumärkte,

Drogerieketten

gegründet 1964

210 Mitarbeiter

2 Standorte

(Ahrensburg, Bad Oldesloe)

Umsatz: rund 90 Millionen

Euro (2006)

Lager-Umschlagshäufigkeit: 5

www.boltze.de

19


Unternehmen SH

The Best of Golf

Robert Karlsson (SWE)

Champion 2006

Weitere Golfengagements der Deutschen Bank

Deutsche Bank Ladies’ Swiss Open Golf Gerre Losone

www.deutschebank-ladies-swiss-open.ch

Deutsche Bank Championship Tournament Players Club of Boston

www.deutschebankchampionship.com

Deutsche Bank

Players’ Championship

23. – 29. Juli 2007

Gut Kaden Golf und Land Club

bei Hamburg

Ticket-Hotline 0180/50100 20

www.deutschebank-players-championship.de

Rund acht Millionen Euro investiert Wesemeyer in

die Errichtung der neuen Gebäude in Siek, 1,5 Millionen

Euro noch einmal in den Kauf von Lagertechnik

wie spezielle Stapler für die Kommissionierung.

In Siek entsteht ein modernes Logistikzentrum mit

einem Regallager, das 3.500 Paletten aufnehmen

kann, einem Schmalgangbereich mit einer Kapazität

von 10.500 Palettenplätzen und einem „Kragarm-

Lager“ für schweres, sperriges Langgut wie Röhren.

Außerdem wird das Kleinteilelager der Firma automatisiert.

In 18.500 Behältern werden dort Teile aufbewahrt,

die bei Anforderung automatisch in eine

Kommissionierzone gebracht werden.

Zusätzlich können die Behälter in den Abholbereich

an den Verkaufstresen „ausgeschleust“ werden. „Das

bedeutet Zugriffszeiten von Sekunden für alle Kleinteilartikel,

die am Abholtresen nachgefragt werden

– das gibt es in der ganzen Branche noch nicht“, sagt

Beutin. Außerdem wird am neuen Logistikstandort

ein Abholbereich für Kunden eingerichtet, die außerhalb

der Geschäftszeiten kommen,

vergleichbar mit den Packstationen

der Post.

Und während die Lkw heute an

nur drei Rampen in Ahrensburg

be- und entladen werden, stehen in

Siek zukünftig 25 Laderampen zur

Verfügung. Wenn im August dieses

Jahres nach knapp zwölf Monaten

Bauzeit die neuen Räumlichkeiten

bezogen werden, wird auch eine

moderne Lagersoftware eingeführt

werden, mit der sich die Logistikabläufe

besser nachverfolgen und steuern lassen. In

den Augen Beutins ein Riesenschritt: „Von der Steinzeit

in die Neuzeit!“

Ein Schritt, den die Logistiker der Boltze-Gruppe

längst gemacht haben. Seit zehn Jahren arbeiten sie

mit ihrer Lagersoftware, die es Lagerleiter Wojciech

Filipczak erlaubt, die Logistik selbst von zu Hause

aus zu überwachen und zu lenken, wenn er es

denn will. Jeder Karton wird bei seiner Anlieferung

gescannt – und anschließend von der Software nicht

mehr aus den virtuellen Augen gelassen. Wann immer

ein Teil bewegt wird, wird sein neuer Standort

bestimmt: vom Einlagern bis zum Kommissionieren.

Lieferscheine gibt es bei Boltze nicht mehr. Wenn

eine Ware doppelt gescannt wird, macht das System

den Mitarbeiter auf den Fehler aufmerksam.

Derzeit unterhält das Unternehmen zwei Lager in

Schleswig-Holstein: eines in Ahrensburg und eines

in Bad Oldesloe. Das Lager in Bad Oldesloe wird gerade

erweitert. Sechs Millionen Euro steckt Boltze in

den Neubau und weitet damit seine Lagerfläche am

Standort von 24.000 auf 33.000 Quadratmeter aus.

„Unser Ziel:

Tausend Paletten

Auslieferung

pro Tag.“

Michael Scharrer

Damit verfügt das Unternehmen zukünftig über

55.000 Palettenplätze insgesamt. „In Ahrensburg

sind wir mit unserem Grundstück am Ende“, begründet

Prokurist Michael Scharrer, verantwortlich

für Logistik und Vertrieb bei Boltze, die Aktivitäten

in Bad Oldesloe. Denn das Geschäft mit den Wohnaccessoires

und Geschenkartikeln wächst stetig. Hinzu

kommt: „Das Volumen der Artikel, mit denen wir

handeln, nimmt zu“, wie Scharrer berichtet. 6.000

verschiedene Artikel hat Boltze auf Lager, deren

Sortiment zu mindestens 70 Prozent einmal im Jahr

erneuert wird, so dass über das Jahr gesehen über

10.000 unterschiedliche Artikel vertrieben werden.

„Wir haben ein ausgeprägtes Saisongeschäft“, so

Scharrer. Von Januar bis März liefert das Unternehmen

Artikel für Frühjahr und Sommer aus, von August

bis Oktober Waren für das Weihnachtsgeschäft.

Boltze hat ein ausgeklügeltes Zeitkonten- und Prämiensystem

eingeführt: Während der Saison werden

Überstunden von den Mitarbeitern geleistet,

die im Sommer als Urlaubszeiten

genommen werden können. Und

für alle Leistungen, zum Beispiel

das Entladen von Containern oder

das Kommissionieren der Waren,

die über einem vorher festgelegten

Tages-Durchschnittswert liegen,

erhalten die Beschäftigen Prämien.

„Dieses System hat sich bewährt“,

erklärt Scharrer.

Ebenfalls bewährt hat sich die Festlegung

von Auslieferungsdaten:

Für jeden Tag werden am Vortag die Mengen ermittelt,

die ausgeliefert werden müssen. Die Mitarbeiter

können erst dann Feierabend machen, wenn die

Waren auch tatsächlich auf den Weg gebracht worden

sind – Überstunden gehen dann aufs Arbeitszeitkonto,

ein schnelleres Erreichen des Auslieferungszieles

zu einem früheren Ende des Arbeitstages.

Seit 15 Jahren beteiligt das Unternehmen seine

Mitarbeiter zudem am Gewinn: „Wir haben einen

extrem niedrigen Krankenstand und eine geringe

Personalfluktuation“, benennt Scharrer die messbaren

Erfolge dieser Personalpolitik.

Damit es zu keiner Fluktuation von Ware auf dem

Transportweg etwa durch Diebstahl kommt, wird

jede Palette mit blauer Folie umwickelt. Scharrer:

„Zurzeit benutzt Boltze diese blaue Folie exklusiv.

Damit ist die Ware eindeutig als Boltze-Ware zu

identifizieren. Und niemand kann sehen, welche

Waren in welchem Wert sich auf der Palette befinden.“

Außerdem erkennt der Kunde sofort, wenn

die Folie beschädigt wurde und kann die Lieferung

bei Boltze reklamieren. Intelligente Logistik-

Lösungen für eine boomende Branche. (jr)

Wirtschaftsland Juli_2007

21


Unternehmen SH

Starke Brise

für den Norden

Überdurchschnittlich gute Entwicklungen

in einer Reihe von Branchen,

deutlich weniger Arbeitslose, beispielhaft

viele neue Ausbildungsverträge

und Existenzgründungen. Dazu ein

international Maßstäbe setzendes Exzellenzcluster,

wegweisende Verkehrsprojekte:

Schleswig-Holsteins Wirtschaft

und Wissenschaft können sich

sehen lassen. Das sind die Ergebnisse

des Wirtschaftsberichts 2006, den Wirtschaftsminister

Dietrich Austermann

vor kurzem vorgelegt hat.

Nr. 1 bei Ausbildungsplätzen

Zuwachs der Ausbildungsverträge

gegenüber dem Vorjahr (in %)

3,1

Bayern

6,5

HH

6,9

SH

4,7

Existenzgründungen

Deutschland

16.126

2006

schaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein

GmbH (WTSH) gemeinsam mit den

regionalen Wirtschaftsförderern und den landesnahen

Förderinstituten vor. Mit 169 neu angesiedelten

Unternehmen und 2.828 neu geschaffenen

Arbeitsplätzen fiel lediglich das Ergebnis im Jahr

2000 besser aus.

Nicht nur als Wirtschaftsstandort, auch als Transitland

für den internationalen Warenaustausch konnte

Schleswig-Holstein punkten. Zum Beispiel mit

seinen Häfen, allen voran dem Lübecker Hafen, der

seinen Güterumschlag um rund zwölf Prozent auf

30,5 Millionen Tonnen steigerte. Zu dieser positiven

Entwicklung trug auch der vom Land geförderte

Ausbau der Hafeninfrastruktur am Skandinavienkai

und am Seelandkai bei. Weiter vorangetrieben wurden

auch so wichtige Verkehrsinfrastruktur-Projekte

wie der Bau der A 20 als westliche Fortführung der

Ostseeautobahn sowie der vierspurige Ausbau der

B 404 zur Bundesautobahn A 21 als zweite leistungsstarke

Nord-Süd-Achse.

Maßstäbe setzte Schleswig-Holstein auch mit dem

Schleswig-Holstein-Fonds in der öffentlichen Förderung.

86,1 Millionen Euro stellte das Land im Jahr

2006 für die Förderung wissensbasierter und innovativer

Projekte zur Verfügung. Hierzu zählte auch

das Exzellenzcluster „Future Ocean“. Fast 30 Millionen

Euro Bundesmittel fließen in die Forschungsaktivitäten

im Land. An „Zukunft Meer“ beteiligen sich

fünf Fakultäten und 26 Institute der Christian-Albrechts-Universität

zu Kiel sowie das Kieler Leibniz-

Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR),

das Leibniz-Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW)

und die Muthesius Kunsthochschule. Für das Jahr

2007 hat Schleswig-Holstein gute Aussichten, mit

„Entzündungen an Grenzflächen“ ein zweites Exzellenzcluster

für sich zu gewinnen und seine Position

als Wissenschaftsstandort auszubauen. (jr)

www.mwv.schleswig-holstein.de unter Service/Broschüren/Broschüren der Landesregierung/Wirtschaft

2006 stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen

Beschäftigten in Schleswig-Holstein im Vergleich

zum Vorjahr um ein Prozent, die Zahl der Arbeitslosen

sank um 12,8 Prozent. Damit liegt das Land bei

der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit deutschlandweit

an der Spitze. Und Schleswig-Holsteins Betriebe

stellen nicht nur wieder ein, sie bilden auch intensiv

aus. 20.339 Ausbildungsverträge schlossen sie im vergangenen

Jahr ab, das sind 6,9 Prozent mehr als im

Jahr 2005. Damit ist Schleswig-Holstein nach wie vor

das „Ausbildungsland Nummer eins“.

Der Aufschwung hat den Norden sicht- und messbar

erreicht. Einige Branchen hat der Konjunkturwind

besonders stark erfasst – obwohl das Wirtschaftswachstum

über die letzten vier Jahre betrachtet

mit 4,6 Prozent noch knapp unter dem Bundesdurchschnitt

von 4,8 Prozent liegt: Einzelhandel,

Bauhauptgewerbe und Tourismus legen in Schleswig-Holstein

überdurchschnittlich zu. Gleiches gilt

im verarbeitenden Gewerbe für die Ernährungswirtschaft,

die Mineralölverarbeitung und Chemie

sowie den Schiff- und Bootsbau.

Abbau von Arbeitslosigkeit

sozialversicherungspflichtige

Jobs

+1%

Arbeitslosigkeit

2006






























Bei der Zahl der Unternehmensgründungen lag

Schleswig-Holstein im Jahr 2006 auf Platz zwei

hinter Bayern. Ihre zweitbeste Ansiedlungsbilanz

innerhalb der letzten 20 Jahre legte die Wirt-

2006

-12,8%

22

Wirtschaftsland Juli_2007

23


Unternehmen SH

Foto: Andreas Bürresborn

Veranstaltungen

mit Leib und Seele

Seit Ende letzten Jahres haben sich

führende Messe- und Eventveranstalter

in Schleswig-Holstein unter

einem Dach zusammengeschlossen:

im neuen Interessenverband

„messe & event nord e.V.“. „Wirtschaftsland“

sprach mit dessen

Vorsitzenden Hanno Fecke über

Kombinationen von Tourismus und

Veranstaltungen, überzeugende Geheimrezepte

für Schleswig-Holstein

und Messen mit Kultcharakter.

„Wirtschaftsland“: Herr Fecke, Ziel des neuen Verbandes

ist es, Schleswig-Holstein als Messe- und Veranstaltungs-Standort

voranzubringen. Wie eng ist dabei

die Zusammenarbeit mit der Landesregierung?

Hanno Fecke: Die Landesregierung, vor allem das Ministerium

für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr, hat

die Verbandsgründung eng begleitet und unterstützt.

Bisher fehlte aber seitens der Eventwirtschaft ein Ansprechpartner

für die Politik. Mit dem Verband „messe

& event nord“ haben wir jetzt diesen Ansprechpartner

geschaffen.

„Wirtschaftsland“: Welche Rolle kann Schleswig-Holstein

künftig in der nationalen und internationalen

Messebranche spielen?

Hanno Fecke: Schleswig Holstein ist kein klassisches

Messeland. Mit unserer jetzigen für ein Flächenland

typischen Verkehrsinfrastruktur und Bevölkerungsdichte

werden wir eher mit Nischenprodukten eine

Rolle spielen können. Unsere Chancen liegen nicht

in der Qualität unserer Locations, also unserer Messe-

und Veranstaltungshallen allein, sondern in der

Möglichkeit, Veranstaltungen mit touristischem

Charme, den Meeren und interessanten Küstenregionen,

dem großen Erholungs- und Freizeitwert zu

kombinieren. Messen brauchen neben Kapital auch

Entwicklungszeit, um sich national und international

zu positionieren. Unsere überregionalen Veranstaltungen,

wie die NORLA, die Nordbau und die

internationale HUSUMwind, sind seit vielen Jahren

starke Messemarken im Markt.

Wirtschaftsland Juli_2007

„Wirtschaftsland“: Welches ist Ihrer Meinung nach

das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von Schleswig-

Holstein als Messe- und Veranstaltungs-Standort?

Hanno Fecke: Das ist geografischer und klimatischer

Natur: die Nähe zu Dänemark, zu Hamburg und die

Lage zwischen den Meeren sowie unsere sich daraus

ergebende thematische Ausrichtung auf Meerestechnik,

erneuerbare Energien und Gesundheit.

„Wirtschaftsland“: Sie haben einmal gesagt: „Schleswig-Holstein

hat im Bereich von Messen und Events

ein riesiges bisher ungenutztes Potenzial.“ Wo sehen

Sie dieses Potenzial genau?

Hanno Fecke: Messen und Events leben von Fremdveranstaltern,

Ausstellern und Besuchern. Hier ist

großes Wachstum möglich. Wir vermarkten unseren

schleswig-holsteinischen Standort bisher noch

nicht gemeinsam. Wir stehen aber im Wettbewerb

mit den Messe- und Event-Großveranstaltern der

anderen Bundesländer, die sehr viel kapitalkräftiger

sind und über eine moderne und wettbewerbsfähige

Infrastruktur verfügen. Unser Potenzial liegt in der

Bündelung der Kräfte und in der kombinierten Vermarktung

von Tourismus und Veranstaltungsstandort

Schleswig-Holstein. Im Tourismus wird, soweit

ich das sehen kann, zurzeit noch sehr auf Übernachtungszahlen

geachtet und die Chancen des Tagestourismus

in Kombination mit Veranstaltungen

spielen eher eine untergeordnete Rolle. Das gilt es

zu ändern.

„Wirtschaftsland“: Sie können sich neue Messen in den

Bereichen Gesundheit, maritime Wirtschaft, innovative

Technologien vorstellen. Wie weit sind die Planungen?

Hanno Fecke: Wir haben bereits einige innovative

Messeprodukte am Markt: zum Beispiel die Gesundheitsmesse

in Neumünster, die Wellnessmesse in

Husum. Die new energy husum ist bereits ähnlich

erfolgreich wie die HUSUMwind vor einigen Jahren.

Die Nordbau wird sich im Bereich innovative

Gebäude- Energietechnik, die NORLA im Bereich

nachwachsende Rohstoffe zusätzlich profilieren.

Wir haben im Lande auch besonders in den Technologie-

und Gründerzentren viele innovative Unternehmen,

die eine geeignete Vermarktungsplattform

suchen. Chancen liegen bei Messeangeboten für

Best Ager, Singles und Menschen mit körperlichen

Einschränkungen. Ich bin auch nach wie vor der

Meinung, dass eine Wassersportmesse nach Schleswig-Holstein

gehört, die ebenfalls eine umfassende

Präsentation unserer Freizeitangebote im Bereich

Wattenmeer und Ostseeküste umfassen sollte.

Wirtschaftsland Juli_2007

„Wirtschaftsland“: Welches Konzert, welchen Event

oder welche Messe würden Sie bis 2010 gern in Schleswig-Holstein

sehen?

Hanno Fecke: Einen internationalen Kongress

zum Thema „Global Warming“ mit begleitender

Ausstellung.

„Wirtschaftsland“: Ihr neuer Verband hat bisher sieben

Mitglieder. Gibt es weitere Interessenten?

Hanno Fecke: Wir sind sogar schon acht. Neben den

Gründern Campushalle aus Flensburg, Ostseehalle,

Halle 400, Kieler Schloss, Hallenbetriebe Neumünster,

Messebüro Fahrenkrog aus Rendsburg und Messe

Husum ist mittlerweile auch die Elbmarschenhalle aus

Horst bei Elmshorn mit von der Partie. Weitere Interessenten

gibt es auch: zum Beispiel das Kongreßzentrum

Sylt oder die Musik- und Kongresshalle Lübeck. Wer

noch dabei sein möchte, ist herzlich willkommen.

„Wirtschaftsland“: Sie möchten Kombitickets für verschiedene

Veranstaltungen anbieten: Welche Veranstaltungen

würden Sie kombinieren?

Hanno Fecke: Zurzeit arbeiten wir an einer Kombi-

Eintrittskarte für NORLA, Nordbau und HUSUMwind.

„Wirtschaftsland“: Was ist Ihr Geheimrezept für eine

erfolgreiche Messe?

Hanno Fecke: Wenn man Veranstaltungen organisiert,

muss man das wirklich mit Leib und Seele machen.

Und das gilt eigentlich für jede Aufgabe, die man sich

aussucht. Erfolg ist immer das Ergebnis einer großen

Leidenschaft.

„Wirtschaftsland“: Wie überzeugen Sie persönlich

einen Messe- oder Eventveranstalter davon, unbedingt

nach Schleswig-Holstein zu kommen?

Hanno Fecke: Ich mache das mit Fischsuppe und

Weißwein am Husumer Hafen oder mit Lammfilet

und Nordseeblick auf Nordstrand. Ich präsentiere

die Umgebung, das norddeutsche Ambiente, und ich

biete unser kombiniertes Know-how an. Für Erstveranstalter

bieten wir Einsteiger- und Kombipakete, um

das Veranstalter-Risiko überschaubar zu halten. Über

unseren Verband können wir Veranstaltungstechnik

günstig anbieten und flexibel ergänzen. Unsere Gastronomie

und Hotellerie ist im Preis-Leistungs-Verhältnis

sehr attraktiv. Ich persönlich bin ein leidenschaftlicher

Veranstalter, dem daran gelegen ist, dass Fremdveranstalter

erfolgreich sind, damit sie gerne wieder zu uns

ins Land kommen. (jh)

25


SH in Zahlen

5.304.234

2.834.254

Gäste kamen im Jahr 2006 nach Schleswig-Holstein, sie buchten

23.044.017 Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben ab

neun Betten (einschließlich Camping). Die Zahl der Ankünfte

nahm gegenüber Jahr 2005 um 4,9 Prozent zu, die Zahl der

Übernachtungen um 3,1 Prozent. In den Monaten Januar bis

März 2007 wurden gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum eine

Steigerung um 14,1 Prozent bei den Gästeankünften und eine

Steigerung um 13,7 Prozent bei den Übernachtungen ermittelt.

Einwohner hatte Schleswig-Holstein im Jahr 2006 – 1.304

mehr als im Vorjahr. Bei einer Fläche von fast 16.000 Quadratkilometern

entspricht dies einer Bevölkerungsdichte von 177

Einwohnern pro Quadratkilometer. Damit liegt Schleswig-

Holstein weit unter dem Bundesdurchschnitt von etwa 231

Einwohnern je Quadratkilometer.

3.000.000

Menschen aus über 60 Nationen besuchen jährlich die Kieler

Woche. Aus den Ausgaben aller Gäste, den Aufwendungen für

die Vorbereitung und Durchführung der Kieler Woche sowie

das Sponsoring ergeben sich laut einer Studie der Christian-

Albrechts-Universität zu Kiel aus dem Jahr 2003 jährlich ein

Wertschöpfungseffekt von 29,2 Millionen Euro und ein Primärimpuls

von 81,2 Millionen Euro.


Junge Wirtschaft

Will neue Verbindungen

knüpfen: Björn Petersen,

Sprecher der Kieler Wirtschaftsjunioren

Foto: Geert Oeser

Vernetzte

Jung-Manager

Reisen bildet nicht nur, sondern schafft Kontakte und kann

sogar in Neugründungen von Unternehmen münden. Diese

positive Erfahrung haben Mitglieder der Wirtschaftsjunioren

Kiel im vergangenen Jahr bei einer Reise von Ministerpräsident

Peter Harry Carstensen mit schleswig-holsteinischen

Unternehmern nach China gemacht. Jetzt wollen fünf junge

Firmenchefs aus der Landeshauptstadt bei einer Fahrt von

Kiels Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz neue Märkte

im Ostseeraum erobern.

Dänemark erlebt derzeit ein Wirtschaftswunder. Die

baltischen Staaten begeistern mit einer technologischen

Revolution. Fast alle Nachbarländer an der

Ostsee freuen sich über den Wirtschaftsaufschwung,

auch Schleswig-Holstein profitiert spürbar davon. „Ein

ideales Umfeld, um das Geschäftsklima zu verbessern

und neue Märkte zu erschließen“, findet der IT-Unternehmer

Michael Prange. Wenn Oberbürgermeisterin

Angelika Volquartz vom 27. bis 30. August nach Kopenhagen,

Göteborg, Riga und Oslo reist, gehören auch

fünf Vertreter der Nachwuchs-Führungskräfte zur 25-

köpfigen Delegation. „Wir wollen dort mit wichtigen

Wirtschaftsakteuren ins Gespräch kommen und versuchen,

die Tür ein Stück aufzustoßen“, betont Prange.

Der 40-Jährige gehört zum Vorstand der Wirtschaftsjunioren

und hat das Besuchsprogramm für die Junioren

zusammen mit dem Arbeitskreis International organisiert.

„Wenn man sich persönlich kennen lernt, ebnet

man den Weg auch für spätere geschäftliche Kontakte.“

Der Vorsitzende der Kieler Wirtschaftsjunioren, Björn

Petersen, weiß allerdings, dass es mit einem Besuch

nicht getan ist: „Wir müssen anschließend nachlegen

und die Gesprächspartner zu uns einladen – möglichst

mit einem konkreten Themenprogramm, und spätestens

zur Kieler Woche 2008.“

Die Reise der Oberbürgermeisterin passe hervorragend

zum Netzwerkgedanken der Wirtschaftsjunioren,

meint der Geschäftsführer des Immobilien-Unternehmens

John Spiering. Die Wirtschaftsjunioren sind ein

Netzwerk junger Unternehmer und Führungskräfte,

die nicht älter als 40 Jahre sind und aus allen Bereichen

der Wirtschaft kommen. Die Vereine existieren

in Schleswig-Holstein nur auf Ebene der Städte und

Kreise, einen Landesverband gibt es nicht. Die Wirtschaftsjunioren

Kiel gehören mit 120 Mitgliedern zu

den größten Netzwerken junger Unternehmer. „Der

Zusammenhalt der Wirtschaftsjunioren bundesweit

ist enorm – auch Geschäftsbeziehungen laufen über

diese Schiene leichter“, unterstreicht Petersen. Selbst

bei internationalen Treffen sei eine große Offenheit

untereinander zu spüren. Nun hoffen die jungen Unternehmer,

den guten Draht auch in den Ostseeraum

zu spannen. „Aus Riga bekommen wir schon jetzt ein

hervorragendes Feedback“, sagt Petersen. Das Interesse

an gemeinsamen Gesprächen sei bei den Letten

groß. „Schließlich möchte die dortige Wirtschaft auch

in Deutschland einen Fuß in der Tür haben.“

durch die auf der Reise geknüpften Wirtschaftsbeziehungen

zu China sogar ein neues Produkt entwickeln

und ein Tochterunternehmen gründen können.

Deutsch-chinesische Kooperation

Mit einem neuen Computer-Programm zum Zeitmanagement

sollen Unternehmen künftig ihre Mitarbeiter

deutlich effektiver einsetzen können. Das Produkt

konnte allerdings nur verwirklicht werden, weil eCON-

NEX-Gründer Alexander Eck in China Partner gefunden

hat, die die eigentliche Programmierung übernehmen.

„Bei der China-Reise mit Ministerpräsident

Peter Harry Carstensen im vergangenen Jahr haben wir

dafür schon die Kontakte geknüpft“, berichtet Eck.

Sieben Mitarbeiter des Partner-Unternehmens im

chinesischen Hangzhou arbeiten dem Kieler Unternehmen

bei der Programmierung der neuen Zeitmanagement-Software

zu. „Die Programmierer dort sind

hervorragend ausgebildet", meint der 32-jährige Unternehmer.

Mit der neuen Software – deren Entwicklung

die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer

Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) gefördert hat – will

das zehn Jahre junge Unternehmen einen Meilenstein

setzen: „Smartprogress ist so etwas wie die Warenwirtschaft

für Zeit“, meint Eck. Mittelständische Unternehmen

bekommen ein Werkzeug an die Hand, mit dem

sie von der Projektplanung über Zeiterfassung bis hin

zum Controlling ihre Prozesse verbessern und die Umsätze

erhöhen können. Die Markteinführung ist für

September 2007 geplant.

Und noch ein junger Unternehmer konnte die China-

Reise nutzen, um neue Geschäftskontakte zu knüpfen.

Die Verträge zwischen eCONNEX und dem chinesischen

Unternehmen haben die Rechtsanwälte Gabriel

erstellt. Zudem konnte die Kanzlei eine offizielle

Kooperation mit der führenden Wirtschaftskanzlei

der Region Zhejian abschließen. Aber auch die jungen

Firmenchefs und Gründer, die in China „nur“ Gespräche

geführt haben, wissen die Bedeutung von Firmenreisen

zu schätzen. Petersen: „Wer dabei war, schwärmt noch

heute von den tollen Erlebnissen.“ (wel)

Wirtschaftsjunioren

Foto: Geert Oeser

Wie viel positive Energie solche bilateralen Kontakte

auslösen können, wissen die Reiseteilnehmer, die im

vergangenen Jahr mit Ministerpräsident Peter Harry

Carstensen in China gewesen sind: Nicht nur, dass

zwei Firmen Verträge unterzeichnen konnten, wie die

eCONNEX AG und die Kieler Rechtsanwaltskanzlei

Gabriel. Das Kieler IT-Unternehmen eCONNEX hat

Wirtschaftsland Juli_2007

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Mitglieder: 10.000 bundesweit

Struktur: in 208 Kreisen und 12 Landesverbänden

Wirtschaftsjunioren Kiel:

120 Mitglieder, davon 68 Aktive, 48 Förderer, 3 Senatoren

Kontakt: Björn Petersen, b.petersen@spiering.info

29


Medienpartnerschaft

Wirtschaft auf Kurs

TimberTec

mischt Holzmarkt auf

Sie starteten mit gerade mal

drei Mitarbeitern, um die Software

rund ums Holz zu revolutionieren.

Inzwischen führt die

TimberTec AG den Markt im

deutschsprachigen Europa an.

Sägewerke, Hobelwerke, Holzhändler:

Alle zählen auf die Kompetenz

aus Eutin.

„Wirtschaft auf Kurs“ ist eine gemeinsame Aktion von den drei

Privatsendern in Schleswig-Holstein und dem „Wirtschaftsland“.

Zu lesen bei uns, zu hören bei R.SH, delta radio und Radio NORA:

Wöchentlich präsentieren die Radiosender eine neue positive

Nachricht aus der schleswig-holsteinischen Wirtschaft. Das

Wirtschaftsland greift künftig in jeder Ausgabe eine dieser Geschichten

auf und stellt sie ausführlich dar. Die von MACH 3

vermarkteten Sender haben eine Reichweite von 1,6 Millionen

Hörern in Schleswig-Holstein und Hamburg.

Sendehinweise:

¢ R.SH: mittwochs um 9.25 Uhr, 10.25 Uhr, 17.25 Uhr, 18.25 Uhr

¢ delta radio: dienstags 2x zwischen 9.00 Uhr und 18.00 Uhr

¢ Radio NORA: mittwochs um 10.30 Uhr, 13.30 Uhr, 18.30 Uhr

Kursziel:

Marktführer

Längst ist ihnen das Gründerzentrum Eutin zu eng

geworden: Noch im Jahr 2000 waren die Diplom-

Ingenieure Andreas Boll (38) und Frank Ridder (40)

mit sieben Angestellten eingezogen, heute belegen

sie ein ganzes Gebäude. „Bis zum Jahresende

werden wir 40 Mitarbeiter haben, denn wir suchen

ständig Software-Entwickler und Kollegen im Support“,

berichtet Boll. Die Marktführerschaft wollen

die pfiffigen Eutiner mit stetem Engagement verteidigen

– und weiter ausbauen.

Dabei setzen sich die Eutiner mit dem Branchenkonzept

vom Wettbewerb ab: „Der Kunde bekommt

bei TimberTec eine Komplettlösung: Von der gesamten

Auftragsabwicklung bis zur automatisierten

Beladung können wir dem Kunden seine Softwarewünsche

erfüllen“ wirbt Boll. Der technische Informatiker

und sein Partner haben mit ihren Mitarbeitern

ein integriertes Software-System entwickelt,

das sämtliche Schritte der Holzproduktion und des

Holzhandels am PC steuert. Über 50 Programm-

Module helfen bei Holzeinkauf, Produktion, Verkauf,

Lagerhaltung, Versand und am Schluss bei der Tourenplanung

der Sattelzüge.

Mit einem Mausklick schweben tonnenschwere Holzpakete

von Hochregallagern auf den virtuellen Laster.

Am Ende hat der Disponent des Vollsortimenters einen

detaillierten Verladeplan am Computer-Monitor

erstellt. „So lassen sich die Lkw um bis zu zehn Prozent

effizienter beladen. Große Unternehmen sparen

mehrere 100.000 Euro jährlich.“

„Mit unseren Programmen stellen die Unternehmen

pro Jahr insgesamt über eine Million Kubikmeter

Leimholz und über fünfzehn Millionen Kubikmeter

sägefrisches Holz her – das sind rund 320.000 Lkw-

Spitzen-Software für neue europäische Märkte (v. l.): Marketingchef

Torsten Kropp, die beiden Unternehmensgründer und Vorstände

Frank Ridder und Andreas Boll, (Foto: Welding)

Ladungen“, veranschaulicht Marketing-Chef Torsten

Kropp (42) die Marktführerschaft von TimberTec. Zwei

Drittel der Mitarbeiter seien mit nichts anderem als

der Weiterentwicklung der Software beschäftigt. Über

450 Kunden in Europa konnte das Unternehmen mit

Qualitätsarbeit überzeugen. Auf den Rat und die Tat

der Experten von der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer

Schleswig-Holstein GmbH (WTSH)

habe sich TimberTec übrigens stets verlassen können,

betonen die Gründer.

Nachdem das junge Unternehmen zunächst Deutschland,

Österreich und die Schweiz für seine Produkte

gewinnen konnte, regt sich nun Interesse aus ferneren

Ländern: „Unsere Präsenz auf der weltgrößten Holz-

Fachmesse LIGNA im Mai in Hannover war überaus

erfolgreich“, berichtet Kropp: „Nicht nur in den Nachbarländern

wie Belgien, Polen und Dänemark sind wir

auf dem Markt. Auch aus Nord- und Südamerika sowie

Australien suchen Kunden den Kontakt zu uns.“

Durch einen Strukturwandel in der Holzindustrie

steige die Nachfrage nach immer ausgefeilterer Software.

Egal ob der Premium-Haushersteller Schwörer

für seine computergesteuerten Werke Holzverarbeitungs-Know-how

braucht oder das neue Holzwerk

der Firma Ruser (Bornhöved) eine Fertigungslinie

ausstattet – die Eutiner liefern die Software maßgeschneidert.

(wel)














Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

31


Dr. Dirk Burhorn

(r.) und Dr. Heiko

Asum haben die

Traditions-Firma

Weier zu einem

bedeutenden

Zulieferer von

Elektroantrieben

und -generatoren

entwickelt.

32

Neu in SH

Doppelter Mut

zum Aufbruch

Warum ein Bayer und ein Hesse

in Eutin Wachstum wagen

Was den Unternehmer auszeichnet, ist die Kraft zum

Aufbruch, schreibt der Unternehmensberater Bolko

von Oetinger. Und mehr noch: „Unternehmer und

Aufbruch sind eins“. Folgt man dieser Maxime, dann

findet in Eutin seit einem Jahr ein doppelter Aufbruch

statt: Seit Mitte 2006 führen Heiko Asum und Dirk Burhorn

die Weier Antriebe und Energietechnik GmbH,

die unter anderem Elektromotoren und Generatoren

für Windkraftanlagen und Heizkraftwerke herstellt.

Für die beiden ist es die erste gemeinsame Geschäftsleitung.

Für den Kaufmann Asum sogar die erste –

allerdings folgerichtige – Selbstständigkeit überhaupt.

Der 35-jährige Asum ist in Hessen geboren und in

Bayern aufgewachsen. In Passau und Boston hat er

Betriebswirtschaftslehre studiert und mit der Promotion

abgeschlossen. Seine erste Stelle führte ihn nach

München in eine Unternehmensberatung. Danach

arbeitete er im Bereich Kundendienst im Volkswagenwerk

in Wolfsburg. In Braunschweig lernte er Dirk Burhorn

kennen, der zu dieser Zeit als Selbstständiger für

Großprojekte im Bereich Energieversorgung arbeitete.

Zuvor baute der studierte und – mit einer Arbeit über

Foto: Geert Oeser

Strömungsmaschinen – ebenfalls promovierte Maschinenbauer

als Betriebsleiter in einem Medizintechnikunternehmen

die Produktion und im Anschluss daran

den Vertrieb eines Unternehmens der Antriebstechnik

auf. Asum und Burhorn verstanden sich auf Anhieb

und begannen schnell, gemeinsame Pläne zu schmieden.

Mehrere Monate suchten sie bundesweit nach

einem Unternehmen, mit dem sie ihre Visionen umsetzen

konnten. „Aus Abwärme Strom zu erzeugen, ist

ein Thema, das uns beide seit vielen Jahren beschäftigt

hat“, erzählt Heiko Asum. „Im Bereich ‚Erneuerbare

Energien’ etwas zu bewegen und sich zugleich sozial

zu engagieren – das war unser Ziel“, ergänzt sein Geschäftspartner

Dirk Burhorn.

In Eutin fanden sie für beides die idealen Voraussetzungen.

Obwohl der Aufbruch zu Beginn einen echten

Kraftakt verlangte. Denn das in den 40er Jahren

gegründete Traditionsunternehmen Weier stand nahe

am Abgrund. Nach einer Restrukturierung im Jahr 2002

musste die Firma 2005 Insolvenz anmelden und von

einstmals knapp 200 Mitarbeitern blieben nur mehr

65. Doch Asum und Burhorn gelang es, Betriebsrat,

Mitarbeiter und Insolvenzverwalter von ihrer Kompetenz

und ihrer Vision für die Firma zu überzeugen.

„Das größte Problem war letztlich die Finanzierung“,

erinnert sich Asum. Das eigene Kapital reichte für die

notwendigen Investitionen – vor allem den Kauf von

Maschinen – nicht aus. Wolfgang Hoyer von den

„Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein

e. V“ machte sich für die beiden Unternehmer stark.

Der erste Vorsitzende des Vereins, der Firmen in schwierigen

Lagen ehrenamtlich berät, half bei der Finanzplanung

und stellte wichtige Kontakte her. „Ohne die

Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium, der

Förderinstitute und von regional organisierten Banken

hätten wir es nicht geschafft“, gibt Asum offen zu.

Mittlerweile läuft der Weier-Motor rund. Und das

grenzt nach den Jahren zuvor beinahe an ein Wunder.

2006 konnte mit vier Millionen Euro Umsatz ein

gutes Ergebnis erzielt werden. Für 2007 stehen acht

Millionen Euro im Plan, von denen rund 90 Prozent

bereits erreicht sind. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf

95 gewachsen. Die Auftragsbücher für 2008 und 2009

sind bereits voller Einträge. „Alle Mitarbeiter ziehen

großartig mit – der Turnaround ist geschafft“, freut

sich Asum.

Die Gründe für den Erfolg liegen zum einen darin, dass

es Asum und Burhorn gelang, die Mitarbeiter ins Boot

zu holen. Zum anderen sind sie natürlich auch eine

Folge der Investitionen und der klugen Erweiterung

des Portfolios. Zu den neuen Produktgruppen gehören

unter anderem Großgeneratoren. Allein 250 sind

in diesem Jahr produziert und ausgeliefert worden.

Für das nächste Jahr gibt es bereits Aufträge für mehr

als 400 Generatoren. Diesen Bereich wollen Asum und

Burhorn ebenso ausbauen wie die Entwicklung von

Produkten für die „Wärmerückgewinnung“ in kleinen

und mittleren Unternehmen vorantreiben. Nicht

zuletzt ist der Ausbau des internationalen Geschäfts

ein wichtiges Ziel. „Hier ist die WTSH bereits ein guter

Partner für uns“, betont Dirk Burhorn.

Doch Erfolg definiert sich für die beiden Wahl-Schleswig-Holsteiner

nicht nur in Zahlen. Ebenso wichtig ist

es für Asum und Burhorn, die Region zu stärken. Einzelteile

und Dienstleistungen kaufen sie – wenn möglich

– vor Ort ein. Weitere Arbeitsplätze zu schaffen, hat

für die beiden auch mit sozialem Engagement zu tun.

Kein Zweifel: Wenn der Kaufmann und der Ingenieur

von den gemeinsamen Plänen sprechen, sprühen sie

vor Energie. „Einen Teil davon müssen wir zurzeit leider

in die Erfüllung diverser, sich zum Teil widersprechender

Sicherheitsvorschriften und –maßnahmen

stecken“, bedauert Asum. Doch im Hinblick auf die

Unternehmensziele werden auch diese Hürden gemeistert.

Und dass diese ihren strategisch so gut vorbreiteten

Aufbruch bremsen, ist in keiner Weise zu

befürchten. Dafür sind Heiko Asum und Dirk Burhorn

einfach viel zu leidenschaftliche Unternehmer. (mif)

Wirtschaftsland Juli_2007

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Weier Antriebe & Energietechnik GmbH

Gegründet: 1945, übernommen von Asum und

Burhorn 2006

Branche: Maschinenbau

Mitarbeiter: 95

Umsatz 2006: 4 Millionen Euro

Firmensitz: Eutin, Otto-Hahn-Straße 7

Kontakt: Dr. Heiko Asum, Telefon 0 45 21/804-0,

www.weier-electric.de

Die Generatoren von Weier

sind ein inzwischen weltweit

gefragtes Produkt.

Fotos: Geert Oeser


Neu in SH

Foto: Karen Hissmann, IfM-GEOMAR

Die Energie des Meeres

Kieler Meeresforscher entwickeln Technologien

für Erdgasgewinnung

Wenn es stimmt, dass unsere Zukunft entscheidend von den Meeren abhängt,

dann dürfte Professor Klaus Wallmann vom IfM-GEOMAR einer unserer

wichtigsten „Lotsen“ werden. Der frisch gebackene Träger des Kieler Wissenschaftspreises

kennt die Lösung drängender Zeitfragen: Wie man mit neuen

Technologien gigantische Energiequellen im Meeresboden erschließen und

gleichzeitig das Weltklima in den Griff bekommen kann.

Wirtschaftsland Juli_2007

Nicht erst seit Erscheinen des Bestsellers „Der

Schwarm“ von Frank Schätzing ist das Kieler Leibniz-

Institut für Meereswissenschaften (IfM-GEOMAR)

berühmt: Es gehört zu den weltweit führenden Forschungszentren,

die sich mit den Rätseln der Ozeane

befassen. Besonders intensiv schauen die Forscher

dabei auf die gigantischen Energievorkommen im

Meeresboden – Methangas, das in Eisklumpen „gefangen“

ist und als Gashydrat bezeichnet wird. „Mit

dem neuen Forschungsprojekt SUGAR (Submarine

Gashydrat-Lagerstätten – Erkundung, Abbau und

Transport) werden wir gemeinsam mit Industrie-Unternehmen

Technologien entwickeln, wie man diese

Energievorkommen gewinnen kann“, erläutert Wallmann.

In den Tiefen der Ozeane „schlummert“ ein

Vielfaches der bekannten Erdgasvorkommen. Würde

man die Gashydrate erschließen, wären die Energieprobleme

auf absehbare Zeit gelöst.

Gleichzeitig wollen die Kieler Forscher Methoden entwickeln,

das verflüssigte Treibhausgas Kohlendioxid

(CO 2

) aus Kraftwerken oder Industriebetrieben in die

Hydrat-Lagerstätten einzuspritzen. „Gerade mal ein

Promille des Meeresbodens würden ausreichen, um die

Weltproduktion von Kohlendioxid der nächsten 1000

Jahre aufzunehmen“, erläutert der 47-jährige Chef der

Forschungsgruppe Marine Geosysteme. Damit bewegen

sich die Wissenschaftler schon in technologischen

Zukunftsstandards: Künftige Kohlekraftwerke nämlich

werden den Klima-Aufheizer CO 2

nicht mehr in die Atmosphäre

entweichen lassen, sondern in flüssiger Form

auffangen – die Stichworte lauten Kohlevergasung und

Oxyfuel-Verfahren. „Realistisch ist, dass CO 2

in Pipelines

zu den Meeren gepumpt wird, wo es sich dann im Meeresboden

sicher deponieren lässt“, sagt Wallmann. Dass

die Technologie funktioniert, habe die gelungene CO 2

-

Deponierung in geringer Wassertiefe vor Norwegen bereits

gezeigt. Mit SUGAR untersuchen die Forscher nun

mittlere Wassertiefen von 400 bis 1.000 Meter.

Neue Dimensionen der Forschung eröffnet den Kielern

ab 2008 der weltweit modernste Tiefseeroboter „ROV

Kiel 6000“, der vom Germanischen Lloyd jetzt seinen

Segen bekam. Brennende Fragen zur Entwicklung und

Nutzung der Ozeane könne der mit digitaler Messtechnik

ausgestattete Roboter beantworten, schwärmt

ROV-Koordinator Dr. Thomas Kuhn. Die intelligente

Konstruktion kann den Meeresboden kartieren, mit

elektrohydraulischen Greifarmen Messungen und Experimente

durchführen sowie Proben an die Wasseroberfläche

befördern. Das 4,7-Millionen-Euro-Projekt

finanziert das Land Schleswig-Holstein.

Damit GEOMAR seine weltweite Spitzenposition in

der Hydratforschung auch auf die angewandten Technologien

ausdehnen kann, will Wallmann mit SUGAR

wichtige Firmen ins Boot holen: RWE, BASF und E.ON

werden voraussichtlich ebenso dabei sein wie Linde,

die Kieler Lindenau-Werft sowie die heimischen Unternehmen

Contros (Sensorenbau)

und ELAC Nautik.

10 Millionen Euro Bundesmittel

und weitere Gelder

aus der Wirtschaft sollen

das auf drei Jahre angelegte

Projekt sichern.

„Schon 2020 könnten wir

mit dem Abbau der Gashydrate

beginnen“, wirft

Wallmann einen Blick in

die Energie-Zukunft. Die

deutsche Nord- und Ostsee

verfüge zwar über keinerlei

Vorkommen. „Doch schon

in der norwegischen Rinne

und an den Übergängen von

der Nordsee zum Atlantik

befinden sich nutzbare Reservoirs“,

weiß der Geologe.

Erste Machbarkeitsstudien zeigen, dass beim Abbau von

massiven Hydratlagen wenig Energie entweicht. Diese

Vorkommen dehnen sich in über 1.000 Meter Meeresbodentiefe

über mehrere 100 Quadratkilometer aus.

Bei ihrer Arbeit müssen die Forscher auch wichtige Probleme

lösen: „So muss gewährleistet sein, das mit dem

Abbau von Gashydraten die Stabilität des Meeresbodens

erhalten bleibt, etwa an den Kontinentalhängen

der Ozeane“, erklärt Wallmann. Zudem soll eine Methode

entwickelt werden, mit der beim Transport der Gashydrate

möglichst wenig Energie verloren geht. Dabei

will der Projektchef seinen Arbeitsbereich nicht allein

auf Büro und Labor beschränken: „Auf die spannenden

Expeditionen mit unseren Forschungsschiffen freue ich

mich besonders.“ (wel)

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Foto: IfM-GEOMAR

Foto: Colin Devey,

IfM-GEOMAR

Leibniz-Institut für Meereswissenschaften

Träger: Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und

Verkehr des Landes Schleswig-Holstein (53%), Bundesministerium

für Bildung und Forschung (47%)

Mitarbeiter: Etwa 420, davon 240 Wissenschaftler (Ende

2006), 31 Professoren (gemeinsame Berufungen mit der

Christian-Albrechts Universität Kiel)

Jahresetat (2006): 27 Mio. Euro Grundfinanzierung,

16 Mio. Euro Drittmittel

Prof. Wallmann,

Gewinner des

Wissenschaftspreises

der Stadt

Kiel und Leiter

des Großprojekts

SUGAR

unten: weltweit

modernster

Tiefseeroboter

Geschichte: Januar 2004 aus der Fusion des Forschungszentrums

für Marine Geowissenschaften (GEOMAR) und

des Instituts für Meereskunde (IfM) entstanden.

Forschungsschwerpunkte: Ozeanzirkulation und Klimadynamik,

Marine Biogeochemie, Marine Ökologie, Dynamik

des Ozeanbodens, zusätzlich Exzellenzcluster „Ozean

der Zukunft“ und der Sonderforschungsbereich Volatile

und Fluide in Subduktionszonen

Ausstattung: vier Forschungsschiffe, vielfältige Speziallabore,

Aquarium mit Seehundanlage

35


Service

Wer an Messen

im Ausland

teilnehmen will,

kann teilweise

auf Berater der

WTSH vor Ort

zurückgreifen.

Förderprogramme einfach erklärt

Teil 1 - Außenwirtschaftsförderung

Messebeteiligungen

¢

Für wen?

Messen im Ausland:

KMU mit bis zu 250 Mitarbeitern

und einem Vorjahresumsatz

bis 50 Mio. Euro oder

einer Vorjahresbilanzsumme

von höchstens 43 Mio. Euro

Außenwirtschaftliche

Kooperation und

Gemeinschaftsbüros

Außenwirtschaftsberatung

KMU mit bis zu 250 Mitarbeiter und einem Vorjahresumsatz bis 50 Mio. Euro

oder einer Vorjahresbilanzsumme von höchstens 43 Mio.Euro

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

ist es nicht immer möglich, sinnvolle Investitionen

komplett aus eigener Kraft zu tätigen. Finanzielle

Unterstützung durch öffentliche Förderprogramme

kann hier helfen. „Wirtschaftsland“ stellt verschiedene

Fördermöglichkeiten vor. Den Anfang macht

die Außenwirtschaftsförderung:

Deutschland ist Exportweltmeister. Damit auch

KMU ihre internationalen Chancen besser nutzen

können, unterstützt das Land Schleswig-Holstein sie

mit Fördergeldern in Höhe von insgesamt 350.000

Euro pro Jahr. Ansprechpartner ist die Wirtschaftsförderung

und Technologietransfer Schleswig-Holstein

GmbH (WTSH). Sie steht Unternehmen auch

beratend zur Seite und hilft auf vielfältige Weise. Fördermittel

können in diesen drei Bereichen mit wenig

Aufwand beantragt werden: Internationale Messen,

Auslandsbüros, Außenwirtschaftsberatung. (jh)

Für alle Förderungen gilt

¢ Mindestprojektvolumen: 3.000 Euro

¢ Anträge müssen drei Wochen vor Projektbeginn

und vor der Unterzeichnung schriftlicher

Vereinbarungen gestellt werden.

¢ Formulare und detaillierte Förderbedingungen

können Sie auf der Website

www.wtsh.de im Bereich Förderung/Anträge

downloaden oder telefonisch anfordern.

¢ Die erste Beratung beim Team

Außenwirtschaft der WTSH ist kostenlos.

¢ Fragen zu den drei Auslandsförderprogrammen

beantwortet Iris Krigar, WTSH,

Förderprogramme: krigar@wtsh.de

Telefon: +49 (0)4 31/66 66 6-844

Telefax: +49 (0)4 31/66 66 6-740

¢

¢

¢

¢

¢

Internationale Messen

in Deutschland:

Kleinunternehmen mit weniger

als 50 Mitarbeitern und

einem Vorjahresumsatz bis

10 Mio. Euro oder einer Vorjahresbilanzsumme

bis

10 Mio. Euro

Höhe der Förderung

bis zu 40 % der Gesamtsumme

bei wiederholter Förderung

bis zu 30 %

bis zu 4.000 Euro/Messe

Zusammen mit einer Außenwirtschaftsberatung

bis zu

12.000 Euro pro Jahr

Gefördert werden …

¢

¢

bis zu 50 % der Gesamtkosten

bis zu 12.000 Euro innerhalb

von 18 Monaten

¢

¢

bis zu 40 % der Gesamtkosten

aus maximal acht Tagessätzen

zusammen mit der Messeförderung:

bis zu 12.000 Euro pro Jahr

Guerilla? Geiz ist geil?

Mundpropaganda?

Ideenbörse Hamburg

Top-Kongress am 27.09.2007

¢ Kosten für Beteiligungen ¢ Kosten für gemeinsame Büros

an Messen, Ausstellungen

und Informationsständen im

zur Markterkundung außerhalb

Europas

In- und Ausland: Standmiete,

¢ Mindestens drei Unternehmen

Standbaukosten, Transport

müssen beteiligt sein, mindestens

zwei davon aus Schleswig-

und Versicherung, veranstaltungsbezogene

Werbung, Dolmetscherdienste,

Betreuung

Holstein

von Gemeinschaftsständen

Wie kommen Unternehmen an die Förderung?

¢

¢

¢

Beratungen zur …

Beurteilung von Exportchancen

Erschließung und Sicherung

von Auslandsmärkten

Überprüfung der betrieblichen

Organisationsstruktur für das

Auslandsgeschäft

Was steckt hinter diesen Trends?

Antworten liefert die Ideenbörse.

Melden Sie sich hier an:

www.ideenboerse.de

Neue Messe Hamburg, Halle A2/A3, St. Petersburger Str. 1

Kongress: 10:30 – 17:00 Uhr, Fachmesse: 09:30 – 18:00 Uhr

Kongress-Paket: 99,– EUR, Eintritt Fachmesse: 19,– EUR

¢ 2-seitiges Antragsformular ¢ Ein Informationsgespräch mit

sowie eine Erklärung ausfüllen

einem Vertreter der WTSH

und einreichen

führen

¢

2-seitiges Antragsformular

sowie eine Erklärung ausfüllen

und einreichen

¢

¢

Ein Informationsgespräch mit einem

Vertreter der WTSH oder der zuständigen

IHK führen

2-seitiges Antragsformular, eine

Erklärung sowie eine Beratervereinbarung

ausfüllen und einreichen

27.09.2007

Kongress-Messe für Marketing,

Kommunikation und Vertrieb

Wirtschaftsland Juli_2007

37


Service

Wirtschaftsförderung

und Technologietransfer

Schleswig-Holstein GmbH

Messekalender 2008

Für viele Unternehmen lohnt sich ein eigener Messestand nicht. Darum

bietet die Wirtschaftsförderung Schleswig-Holstein GmbH die Möglichkeit,

sich an Gemeinschaftsständen auf wichtigen internationalen Messen zu beteiligen.

Einen Auszug der geplanten Messen für 2008 finden Sie hier. Weitere

Infos unter www.wtsh.de oder telefonisch unter 04 31/66 66 6-825 und -826.

Boot Düsseldorf Januar Düsseldorf Bootsbau jährlich

Arab Health Januar Dubai , UAE Medizintechnik jährlich

BioFach Februar Nürnberg Ernährungswirtschaft jährlich

CeBIT März Hannover IT jährlich

Oceanology International März London, UK Meerestechnik alle 2 Jahre

WOD-KAN-Fair Mai Bydgoszcz, Polen Umwelttechnik jährlich

IFAT Mai München Umwelttechnik alle 3 Jahre

Golf als Wirtschaftsfaktor

Deutsche Bank Players’ Championship lockt über 60.000 Besucher

nach Schleswig-Holstein

Ein überaus niedriges „Handicap“ besitzt Schleswig-Holstein

als Golfland: Dieser Sport boomt in

Schleswig-Holstein, die Anzahl der Golfer hat sich

in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht. Auch

wirtschaftlich trägt der Golfsport zum Aufschwung

in den Regionen bei. Der Gut Kaden Golf und Land

Club lockt schon seit einigen Jahren mit einem Superlativ

– dem bedeutendsten Profigolfturnier auf

dem europäischen Festland.

Vom 23. bis 29. Juli werden auch in diesem Jahr auf der

Meisterschaftsanlage im Kreis Segeberg beim Deutsche

Bank Players’ Championship of Europe Weltklasse-Spieler

gegeneinander antreten. US-Toursieger

Rory Sabbatini, Brett Wetterich und der europäische

Spitzenspieler Paul Casey sind ebenso mit von der

Partie wie die deutschen Publikumslieblinge Bernhard

Langer, Marcel Siem und Newcomer Martin Kaymer.

156 Golfprofis ringen um Preisgelder in Höhe von 3,6

Millionen Euro. Der Veranstalter erwartet über 60.000

Zuschauer, die auf 20.000 Quadratmetern Zelt- und

Terrassenfläche das Turnier-Wochenende genießen

können. Über 1.000 Helfer sorgen für einen reibungslosen

Ablauf. Bereits zum zwölften Mal trifft die Europa-Elite

des Golfsports auf Gut Kaden zusammen.

Das Golfland Schleswig-

Holstein kann mit 60 Anlagen

in meist idyllischer

Umgebung und sogar mit

Meerblick alle Ansprüche

des Sports erfüllen. Mit

der „Golfküsten-Card“

können Besucher und

Urlauber für einen günstigen

Festpreis auf fünf verschiedenen

Plätzen ihrem

Sport nachgehen. (wel)

Infos: www.deutschebank-players-championship.de; www.gutkaden.de; www.golfkueste-schleswig-holstein.de

Der Neuseeländer

Michael

Campbell

beim Abschlag

auf

Gut Kaden.

Foto: Fairway

Marketing

GmbH

SIAL Shanghai Mai Shanghai, China

Nahrungsmittel und

Nahrungsmittel-Technik

jährlich

APHM International Healthcare

Conference and Exhibition

Juni

Kuala Lumpur,

Malaysia

Medizintechnik

jährlich

Bejing Int.Energy Saving and

Environ. Protection Exhibition

Juni Peking, China Umwelt jährlich

Aquatech September Amsterdam, NL Wasser/Umwelt alle 2 Jahre

Maison & Objet September Paris, Frankreich

Geschenkartikel

Wohnaccessoires

alle 2 Jahre

ExpoMEDICAL

September

Buenos Aires,

Argentinien

Medizintechnik

jährlich

Expo Real Oktober München Immobilien jährlich

hanseboot Okt./Nov. Hamburg Bootsbau jährlich

Medica November Düsseldorf Medizintechnik jährlich

Big 5 Show Dubai November Dubai, UAE Bau/Umwelt jährlich

FIMAI November São Paulo, Brasilien Umwelt/Energie jährlich

MDA India Dezember Bangalore, Indien Maschinenbau jährlich

38

Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

39


Kurzportrait

Die Nordzentren –

Ideenräume in Schleswig-Holstein

Teil 1 – Von der Wissenschaft in die Wirtschaft

Lübecker Zentrum: Bio- und Medizintechnik, Logistik

und Telematik sowie Qualitäts- und Wissensmanagement.

Mittlerweile gehören zum TZL 32.000 Quadratmeter

Labor-, Produktions- und Büroflächen in

zehn TZL-Gebäuden an drei Standorten. Außer dem

ursprünglichen Technikzentrum gibt es ein Dienstleistungsforum,

ein Innovationszentrum Lübeck

(IZL) und seit 2003 das Multifunktionscenter (MFC)

– speziell für die Kompetenz-Cluster Medizintechnik

und Life-Science.

IDEEN

VERBINDEN

Deutschland braucht Innovationen. Diese Forderung

aus Politik und Wirtschaft wird in Schleswig-

Holstein seit 1986 in Innovations-, Technologie- und

Gründerzentren mit Leben erfüllt. Mehr als 1.500

Unternehmen wurden dort während ihrer Start- und

Entwicklungsphase unterstützt, 96 Prozent davon erfolgreich.

Seit Mai 2007 haben sich

die 18 Standorte unter dem Namen

„Nordzentren“ zusammengetan.

„Wirtschaftsland“ schaut nach, was

das Besondere dieser Brutstätten

für neue Ideen ist. Den Anfang machen

die vier wissenschaftsnahen

Zentren: das Kieler Innovationsund

Technologiezentrum (KITZ),

das Technikzentrum Lübeck (TZL),

das Geesthachter Innovations- und

Technologiezentrum (GITZ) sowie

das Innovationszentrum Itzehoe

(IZET).

Seltene Chemikalien aus Kiel

Jörg Warzyceck hält ein kleines Fläschchen mit einer

verschwindend geringen Menge einer weißen Substanz

in der Hand. „Für unsere Verhältnisse ist das

schon viel“, sagt der Mitgründer von „Rare Chemicals“

im Kieler Innovations- und Technologiezentrum

(KITZ). Das Unternehmen produziert Chemikalien in

kleinsten Mengen im Auftrag von Pharmaunternehmen

in aller Welt. Mehr als 40.000 Substanzen habe

man im Angebot. Für Ulrich Graumann, Geschäftsführer

im KITZ, ist das ein typisches Beispiel dafür,

wie Wissenschaft und Wirtschaft zusammenarbeiten.

„Das Unternehmen wurde zwar in Hamburg gegründet.

Aber erst hier in Kiel konnte es richtig durchstarten,“

kommentiert er die Unternehmensentwicklung.

Der entscheidende Standortvorteil für die Feinchemikalien-Produzenten

ist aber die unmittelbare

Nähe zum pharmazeutischen Institut der Christian-

Albrechts-Universität Kiel. Hier bekommen sie die

ausschlaggebenden Impulse für die marktgerechte

Produktentwicklung.

„Die besondere

Atmosphäre in

den Zentren ist

schwer zu beschreiben.“

Dr. Rainer Döhl-Oelze

KITZ – menschliche Hightech-Welt

Das Beispiel von „Rare Chemicals“ dokumentiert auch

die Funktionsweise von anderen wissenschaftsnahen

Technologiezentren. Hier finden junge Unternehmen

in einer frühen Entwicklungsphase

nicht nur Räume, sondern die komplette

benötigte Infrastruktur – vom

Telefonanschluss bis zu komplett

ausgestatteten Laboren. Außerdem

werden sie bei Bedarf rundum betreut:

von Gründungsberatung, Beantragung

von Fördermitteln über

die Kontaktanbahnung in Wissenschaft

und Wirtschaft bis zur fachlichen

– und oft auch menschlichen

– Unterstützung in Krisenzeiten.

„Manchmal ist man auch so eine Art

‚Herbergsvater’“, schmunzelt der Geschäftsführer des

KITZ. Diese Form der Betreuung macht seiner Meinung

nach die eigentliche Qualität der Technologiezentren

aus.

Das bestätigen im Gespräch auch die Geschäftsführer

der anderen Zentren. „Ein Großteil des Erfolgs liegt an

der speziellen Atmosphäre, dem direkten Austausch

und den kurzen Wegen,“ beschreibt Dr. Rainer Döhl-

Oelze aus dem Geesthachter GITZ die besondere Arbeitsweise.

Dem stimmt Prof. Dr. Ralf Thiericke, Chef

vom IZET in Itzehoe, ebenso zu. „Der eigentliche Erfolg

bleibt oft unsichtbar: Denn wenn die Firmen groß

werden, ist unsere Arbeit abgeschlossen und die Unternehmen

ziehen aus,“ beschreibt er die „Durchlauferhitzer“-Funktion

der Innovationsförderer.

TZL – Pioniere der Vernetzung

In Lübeck wurde im Jahre 1986 das erste Zentrum in

Schleswig-Holstein gegründet. Unter dem schlichten

Namen „Technikzentrum Lübeck“ entstand ein Innovationsnetzwerk,

das bis heute etwa 200 Unternehmen

mit circa 1.500 Arbeitsplätzen hervorgebracht hat. Auf

drei Schwerpunkttechnologien konzentriert sich das

Dieses Konglomerat von Niederlassungen ist Ergebnis

der vielfältigen Initiativen, die unter der Ägide des Geschäftsführers

der ersten Stunde, Dr. Raimund Mildner,

zustande gekommen sind. Er ist so etwas wie der

Pionier der schleswig-holsteinischen Technologiezentren.

Getreu dem Motto „Vernetzen, kooperieren,

integrieren“ hat Mildner in mehr als zwanzig Jahren

eine Menge bewegt. Zu den Gründungen unter Mithilfe

des TZL gehören das international erfolgreiche Unternehmen

Euroimmun oder – als aktuelles Beispiel

– die Consideo GmbH.

Software für vernetztes Denken

Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes

zur Lösung komplexer Probleme wurde eine

Simulationssoftware entwickelt. Sie sollte äußerst anwenderfreundlich

sein und vernetztes Denken unterstützen.

Ende 2004 erschien die erste Version. Mit Hilfe

des Instituts für Neuro- und Bioinformatik und des

Instituts für Softwaretechnik und Programmiersprachen

der Lübecker Universität wurde aus dem Projekt

im Jahre 2005 die Consideo GmbH. „Unser Programm

setzt da an, wo das weitverbreitete Mind-Mapping aufhört,“

beschreibt Franc Grimm, der Geschäftsführer,

die Funktion der Software. Sie kann nicht nur Zusammenhänge

visualisieren, sondern Lösungsstrategien

in Szenarien erproben und bewerten. Das Programm

wird heute für die Prozessoptimierung, in der Logistikplanung,

im Bestandsmanagement, zur Bewertung

von Investitionsvorhaben und zur strategischen Unternehmensplanung

eingesetzt.

GITZ: vom Labor auf den Weltmarkt

In Geesthacht ist die Kombination von Wissenschaft

und wirtschaftlicher Innovation ebenso erfolgreich

etabliert. Ende Mai wurden die Pläne zur zweiten Erweiterungsrunde

des Geesthachter Innovations- und

Technologiezentrums (GITZ) bekannt gegeben. An

ihrem Ende wird das Zentrum auf über 6.000 Quadratmeter

Gesamtfläche gewachsen sein.

Wir sind für Sie da.

Wir sind Partner aller Kreditinstitute,

die Unternehmen in Schleswig-Holstein finanzieren.

Neugründungen

Unternehmenserweiterungen

Unternehmensübernahmen

Sprechen auch Sie mit Ihrem Kreditinstitut.

Über uns

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Dafür bürgen wir.

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40

Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007


Kurzportrait

Das GITZ gehört zu den jüngeren Zentren und betreut

seit 2002 wissenschaftliche Gründer. 21 Unternehmen

mit heute 150 Mitarbeitern haben sich dort entwickelt.

Viele kamen aus dem benachbarten GKSS-Forschungszentrum.

Dr. Rainer Döhl-Oelze dazu: „Dort

wird durch bezahlte Forschung Wissen produziert. Im

GITZ wird dieses Prinzip quasi umgekehrt: Hier machen

die Forscher ihr innovatives Wissen zu Geld.“

Schwerpunktthemen der GITZ-Unternehmen sind

unter anderem innovative Beschichtungstechnologien

im Nanobereich.

KITZ –

Kieler Innovationsund

Technologiezentrum

TZL –

Technikzentrum

Lübeck

Gespiegelte Röntgenstrahlen

Wie rasant die Entwicklung von der Forschung im

GKSS auf den Weltmarkt sein kann, zeigt die Incoatec

GmbH. Ihr wichtigstes Produkt: Spiegel, die Röntgenstrahlen

reflektieren können. Benötigt werden sie zum

Beispiel, um Beton oder Mikrochips mit gebündelter

Strahlung effizienter auf Reinheit zu prüfen. Weltweit

gibt es nur zwei Unternehmen, die über eine ähnliche

Kompetenz verfügen. Innerhalb von fünf Jahren

konnten die Geesthachter sich etwa 20 Prozent des

GITZ – Geesthachter

Innovations- und

Technologiezentrum

GmbH

IZET –

Innovationszentrum

Itzehoe

Weltmarktes dieser Spezialtechnologie sichern. Dabei

wuchs das Unternehmen von zwei auf 19 Mitarbeiter

und machte 2006 einen Umsatz von mehr als 1,5 Millionen

Euro.

Itzehoe: bestes Gründungsklima

An der Westküste liegt das vierte wissenschaftsnahe

Zentrum, das Innovationszentrum Itzehoe, kurz: IZET.

Die meisten IZET-Unternehmen kommen direkt aus

dem benachbarten Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie

(ISIT). Die Aufgabenteilung ist klar: Das

ISIT entwickelt und fertigt Bauelemente der Mikroelektronik

und Mikrosystemtechnik. Das IZET vermarktet

die Forschungsergebnisse und sichert den

Technologietransfer in die Wirtschaft. „Man könnte

diese Verbindung auch als Symbiose bezeichnen,“

meint dazu IZET-Leiter, Prof. Dr. Ralf Thiericke. Auf

jeden Fall war dieses Zusammenspiel mit entscheidend

dafür, dass Itzehoe heute zu den Regionen mit

dem besten Klima für Unternehmensgründungen in

Deutschland zählt.

Diamanten zur Wasseraufbereitung

Eckdaten

Eröffnung 1996

Erweiterung 2002

Schwerpunkte

Informationstechnologie,

Biotechnologie

Fläche

6.000 m², davon Labor:

500 m²

Eckdaten

gegründet 1986

Schwerpunkte

Bio- und Medizintechnik,

Logistik und Telematik,

Qualitäts- und Wissensmanagement

Fläche

32.000 m² Labor-, Produktions-

und Büroflächen in

zehn Gebäuden an drei

Standorten

Eckdaten

Eröffnung 2002

Erweiterung 2006

Schwerpunkte

Beschichtungstechnologie,

Werkstofftechnik, Biound

Nanotechnologie

Fläche

derzeit 3.500 m², Erweiterung

auf 6.000 m² im Bau

Eckdaten

gegründet 1997

Schwerpunkte:

Mikroelektronik und

Mikrosystemtechnik,

Mikrotechnologien und

IT-Anwendungen

Fläche

3.200 m² Gewerbe-, Büro-,

Labor- und Produktionsfläche,

350 m² Seminarund

Konferenzräume für

bis zu 150 Personen

Davon profitierte auch die 2001 gegründete Firma

Condias. Sie entwickelte hier preisgekrönte diamantbeschichtete

Elektroden. Sie eignen sich besonders gut

für die Wasseraufbereitung. Selbst hochgiftige organische

Stoffe wie Öle, Schmiermittel, Keime und Hormone

in Industrieabwässern können damit zuverlässig

zerstört werden. Außerdem können sie helfen, industrielles

Reinstwasser keimfrei zu halten und Trinkwasser

zu desinfizieren. Naheliegend, dass die Firma sich

bestens entwickelt hat: von anfangs drei auf heute

14 Mitarbeiter.

Innovationen in Serie

Gründungsbilanz:

etwa 155 Unternehmen

mit ca. 900 Arbeitsplätzen

in 11 Jahren

Schauenburgerstr. 116

24118 Kiel

Tel: 04 31/56 06-200

Fax: 04 31/56 06-295

www.kitz-kiel.de

Gründungsbilanz

etwa 200 Unternehmen mit

ca. 1.500 Arbeitsplätzen in

21 Jahren

Seelandstraße 3

23569 Lübeck

Tel: 04 51/39 09-100

Fax: 04 51/39 09-499

www.tzl.de

Gründungsbilanz

21 Unternehmen mit 150

Mitarbeitern in 5 Jahren

Max-Planck-Str.2

21502 Geesthacht

Tel: 0 41 52/889-0

Fax: 0 41 52/889-109

www.gitz-online.de

Gründungsbilanz

135 Unternehmen mit 450

Mitarbeitern in 10 Jahren

Fraunhoferstr.3

25524 Itzehoe

Tel: 0 48 21/778-0

Fax: 0 48 21/778-500

www.izet.de

Schon diese wenigen Beispiele zeigen: Die Nordzentren

bieten vielfältigen Raum für sehr spezielle Produktentwicklungen.

Fragt man die Leiter nach der gesamtgesellschaftlichen

Bedeutung ihrer Arbeit, bekommt

man eine deutliche und selbstbewusste Antwort: „Wir

verwirklichen, was Deutschland zukunftsfähig macht.

Ohne uns würde es eine ganze Reihe von Innovationen

einfach nicht auf den Markt schaffen.“ Da scheint eine

Menge dran zu sein. (jh)

42

Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007


Wirtschaftsland

Personen

Impressum

Veranstaltungen

Kiel

Buenos Aires

Kiel

Kiel

26.07., 30.08. und 27.09.2007

I.D.E.E. Beratertag –

Gewerbliche Schutzrechte

9–13 Uhr: Existenzgründerberatung;

14–15 Uhr: Vortrag „Grundlagen gewerblicher

Schutzrechte“; 15–17 Uhr: Vier-

Augen-Gespräche mit Patentanwalt. Ort:

Haus der Wirtschaft, Lorentzendamm 24,

24103 Kiel; Veranstalter: WTSH und IHK

zu Kiel; Infos: Tel. 04 31/6 66 66-833,

www.wtsh.de/schutzrechte

06.09. – 08.09.2007

ExpoMEDICAL 2007

5. Internationale Medizinfachmesse;

Messegemeinschaftsstand Schleswig-

Holstein von der WTSH. Veranstalter:

Mercoferias S.R.L. und Wirtschaftsförderung

und Technologietransfer Schleswig-Holstein

GmbH (WTSH); Infos: Telefon:

04 31/66 666-828, Fax: 04 31/66 666-767,

www.expomedical.com.ar

04.09.2007

Indien – Chance für den Mittelstand

14–17.30 Uhr: Erfahrungsberichte über

„Chancen und Risiken des indischen

Marktes“. Ort: IHK zu Kiel, Bergstraße 2,

24103 Kiel; Infos: Susanne Lentfer,

Tel. 04 31/66 66 6-861 oder www.wtsh.de

11.09.2007 bis 30.11.2007

Edgar Mrugalla – Werkschau des Königs

der Kunstfälscher

17.00 Uhr: Eröffnung: Wirtschaftsminister

Dietrich Austermann, Di., 11.09.2007, im

Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft

und Verkehr, Düsternbrooker Weg 94,

Kiel. Nähere Informationen:

Karin Fehlau, Telefon: 04 31/988-44 21

Kiel

Kiel

St. Petersburg

Lübeck

19.09.2007

Beratertag in Lübeck –

Gewerbliche Schutzrechte

14–15 Uhr: Vortrag über die Grundlagen

gewerblicher Schutzrechte wie Patente,

Gebrauchsmuster, Marken und Geschmacksmuster;

15–17 Uhr Vier-Augen-Gespräche mit

Patentanwalt. Ort: IHK, Fackenburger Allee 2,

23554 Lübeck. Veranstalter: WTSH und IHK

zu Lübeck, Infos: Telefon: 04 31/6 66 66-833,

www.wtsh.de/schutzrechte

24.09.2007

NEVA

Internationale Fachmesse für Schiffbau,

Schiffsausrüstung, Häfen und Offshore;

Messegemeinschaftsstand Schleswig-Holstein

von der WTSH; Veranstalter: Wirtschaftsförderung

und Technologietransfer Schleswig-

Holstein GmbH (WTSH); Infos: Telefon:

04 31/66 66 6-825, Fax: 04 31/66 66 6-767;

www.wtsh.de

24.09.2007

EPÜ 2000

16–18.30 Uhr: „Das neue Europäische Patentübereinkommen

(EPÜ) 2000“, Thomas Kleinschmidt,

Deutsches Patent- und Markenamt

(DPMA); Ort: IHK zu Kiel, Bergstraße 2, 24103

Kiel; Veranstalter: WTSH; Kontakt: Telefon:

04 31/6 66 66-832; www.wtsh.de

10.10.2007

Schleswig-Holstein Digital

15 Uhr: Veranstaltung des Branchenverbandes

Digitale Wirtschaft in Schleswig-Holstein

(DiWiSH) und der WTSH mit Ministerpräsident

Peter-Harry Carstensen zu den

Wachstumschancen für Unternehmen durch

den Einsatz intelligenter digitaler Lösungen;

Haus der Wirtschaft. Infos: www.diwish.de

Asum, Heiko 34, 35

Beutin, Christian 19, 21

Burhorn, Dirk 34, 35

Dellnitz, Armin 13

Döhl-Oelze Dr. Rainer 40, 43

Duggen, Finn 10, 13

Fecke, Hanno 24, 25

Graumann, Ulrich 40

Grimm, Franc 43

Hansen, August 10

Herzig, Prof. Peter 12

Hohmeyer, Prof. Olav 7, 12

Kropp, Torsten 32, 33

Latif, Mojib 8, 9

Lippert, Kai 11

Mildner, Dr. Raimund 42

Petersen, Björn 31

Scharrer, Michael 21

Schulz, Michael 17

Strauss, Prof. Dr. Alexander 37

Thiericke, Prof. Dr. Ralf 40, 43

Tiessen, Hans-Jakob 13

Vahrenholt, Professor Fritz 10

von Storch, Professor Hans 9, 12

Firmen & Institutionen

Aerodyn 10, 11

Autoliv 13

Boltze-Gruppe 18, 21

Condias GmbH 12, 43

Consideo GmbH 42, 43

Dänisches Bettenlager GmbH & Co.KG 13

eCONNEX AG 31

E.ON Hanse AG 13

EWS 11

Greencar 12

Hako Werke 13

HDW 13

Kieler Rechtsanwaltskanzlei Gabriel 31

Kittner Unternehmergruppe 13

Office400 GmbH & Co. KG 17

Ostseeklinik Damp 13

Rare Chemicals 40

REpower AG 10, 11

TimberTec 32

Vestas Deutschland 13

Walter Wesemeyer GmbH 18, 21

Weier Antriebe & Energietechnik GmbH 34

Herausgeber: Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft

und Verkehr (MWV) des Landes Schleswig-Holstein, Düsternbrooker

Weg 94, 24105 Kiel, Telefon 04 31/988-4553,

www.landesregierung.schleswig-holstein.de

WTSH Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein

GmbH. Eine Gesellschaft des Landes Schleswig-Holstein,

der Industrie- und Handelskammern sowie der

Hochschulen des Landes, Lorentzendamm 24, 24103 Kiel,

Telefon 04 31/66 66 6-0, Fax 04 31/66 66 6-768, www.wtsh.de,

info@wtsh.de.

Chefredakteur dieser Ausgabe: Carsten Maltzan (mal), New

Communication GmbH & Co. KG, Jägersberg 23, 24103 Kiel,

Telefon 04 31/90 60 7-0, Fax 04 31/90 60 7-77, redaktion@

wirtschaftsland.de

Autoren dieser Ausgabe: Michael Fischer (mif), Jens Helmbrecht

(jh), Carsten Maltzan (mal), Maike Nicolai (mn), Tanja

Nissen (tn), Dr. Jörn Radtke (jr), Joachim Welding (wel)

Titel-Foto: Marcus Dewanger (md)

Fotos: Marcus Dewanger (md), CAU, Geert Oeser (go),

Shutterstock, Stefan Polte (sp), NASA, Deutsches Klimarechenzentrum/Simulation

MPI für Meteorologie, IFM-

GEOMAR, Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen,

dpa Picture-Alliance GmbH (Stockfood), Michael Fischer,

REpower, HDW, Wesemeyer GmbH, Blotze-Gruppe, Andreas

Bürresborn, Joachim Welding, Fairway Marketing GmbH

Anzeigen: anzeigen@wirtschaftsland.de

Allgemeiner Kontakt: info@wirtschaftsland.de

Bestellung und Abonnement: WTSH, Telefon 04 31/66 66 6-0,

Fax 04 31/66 66 6-768, abo@wirtschaftsland.de

Gestaltung: New Communication GmbH & Co. KG

Produktion: ppa.bumann, Print- & Produktionsagentur

Die Beiträge dieser und früherer Ausgaben können unverändert

und unter Angabe der Quelle in anderen Medien

übernommen werden. Eine inhaltliche oder grafische Veränderung

der Beiträge ist nicht gestattet. Für weitere Informationen

wenden Sie sich bitte an redaktion@wirtschaftsland.de.

Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit

der schleswig-holsteinischen Landesregierung und der

WTSH herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von

Personen, die Wahlwerbung oder Wahlhilfe betreiben, im

Wahlkampf zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden.

Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden

Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet

werden, die als Parteinahme der Landesregierung zu Gunsten

einzelner Gruppen verstanden werden könnte. Den Parteien

ist es gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer

eigenen Mitglieder zu verwenden.

44 Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

45


Foto: W. Kordes' Söhne

Trends

NATUR

Märchenrose Rosenfee ® ziert Gärten in aller Welt

Wenn es um Rosen geht, setzt Schleswig-Holstein

weltweit Trends. Die international anerkannte Rosenschule

W. Kordes’ Söhne aus Klein Offenseth-

Sparrieshoop (Kreis Pinneberg) hat auch für diesen

Herbst wieder eine ganze Palette an neuen Züchtungen

im Programm. Neben der offiziellen Unicef-

Rose, die Schauspielerin Johanna Christine Gehlen

und Königshaus-Reporter Rolf Seelmann-Eggebert

vor kurzem in Winsen an der Luhe getauft haben,

werden ab Mitte Oktober unter anderem Beverly,

Rosenfee ® (s. Abb.), Rotkäppchen und Roxy Gärten

auf dem gesamten Globus zieren. (mal)

www.kordes-rosen.com

TOURISMUS

Smart Basics im Urlaub

„Smart Basics“ ist nach Auffassung des Kelkheimer

Zukunftsinstituts der Konsumtrend der nächsten Jahre.

Schön, gut und dabei günstig sollen Produkte und

Dienstleistungen künftig sein. Nach der Textilindustrie

erobert „Smart Basics“ jetzt auch den Tourismus. Beispiele

sind die Easy-Hotels vom Eigner der Billig-Fluglinie

Easy-Jet in London, Basel und Budapest, die luxuriösen

Wohnwagen von Hobby in Fockbek bei Rendsburg

oder auch das Ostseehaus Bünger in Strande. Von

außen eher unscheinbar überrascht das Hotel Garni

seine Gäste mit komfortabler Inneneinrichtung, Blick

über die Kieler Bucht und bezahlbaren Preisen. (mal)

ZUKUNFTSFORSCHUNG

Neuer Moralismus für die Märkte von morgen?

Globalisierung heißt für viele Unternehmen: Markt

der unbegrenzten Möglichkeiten. Weite Teile der Gesellschaft

fordern dabei eine sozial und ökologisch

gerechte Politik, die auch vor den Werkstoren nicht

Halt machen dürfe. Der in Kiel aufgewachsene Trendforscher

Matthias Horx hat einen „Neuen Moralismus“

ausgemacht. Den werden sich die Unternehmen nach

seiner Einschätzung nicht freiwillig anheften: „Engagement

für das Gute wird zum ökonomischen Zwang“,

meint der Autor des Trend-Reports 2007. Künftig werden

sich Firmen für ihre Handlungsweisen rechtfertigen

müssen, denn die Macht der Konsumenten zwinge

sie zu einem bestimmten Verhalten, glaubt Deutschlands

populärster Trendforscher. Dabei schauen die

Medien den Wirtschaftsakteuren künftig kritischer und

intensiver auf die Finger. Firmen, die das frühzeitig erkennen,

können es für den eigenen Wettbewerbsvorteil

nutzen, frei nach dem Motto: „Tue Gutes und rede drüber“.

Schon jetzt fördert ein Schokoladenhersteller Unicef-Projekte,

eine Mineralwasser-Marke lässt Brunnen

in Afrika bohren. Weiterer Vorteil für die Unternehmen:

Moralische Verhaltensweisen werden in übersättigten

Märkten zum Unterscheidungsmerkmal – und damit

zum Kaufargument für die Kunden. (wel)

www.zukunftsinstitut.de

Wirtschaftsland Juli_2007

Wirtschaftsland Juli_2007

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18.-22. Sept. 2007

MESSE & KONGRESS

Aussteller: 600

Besucher: 16.000

mit Jobmesse windcareer

am Samstag, dem 22.09.2007

Arbeit und Ausbildung auf den Energiemessen im Norden

Unterstützt von:

husumwind.com

22. Sept. 2007

Messe mit Jobmesse:

Neue Energien - Neue Arbeit

new-energy.de

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