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AUSBILDUNG IN DER PRAXIS

Natural Dogmanship® – Stadttraining mit Jan Nijboer in Sissach SUI

Spiel und Spass in der Stadt

Lärm, fremde Menschen, Verkehr und Gestank

gehören zum städtischen Alltag. Für uns Menschen

ist diese Reizüberflutung längst zur Gewohnheit

geworden, doch dürfen wir nicht automatisch

davon ausgehen, dass der Hund diese Eindrücke

ebenso gut verarbeiten kann. Variantenreiche

Übungen mitten im lebhaften Stadtkern

können auch trotz starkem Einfluss von ungewohnten

Aussenreizen für viel Spass und Spannung

sorgen und dem Hund das Annehmen von

Neuartigem und Unbekanntem leichter machen.

Das Training in der Stadt wird auf das einzelne

Team ganz individuell angepasst und richtet sich

vor allem nach der Stimmungslage des Hundes. Er

darf gefordert, jedoch nicht überfordert werden.

KITTY SIMIONE

Das Stadttraining ist ein Programmpunkt

des Natural Dogmanship® Follow

up1-Seminars, welches im Ausbildungszentrum

Triple-S bei Evelyn

Streiff in Eptingen stattfindet. Die Teilnehmer

sind mit der Philosophie von

Jan Nijboer vertraut und auch in der

Lage, das Gelernte auf unbekanntem

Terrain umzusetzen. Das erste Zusammentreffen

der vielen Hunde ist spannungsgeladen.

Sie sind relativ nah aufeinander

und dadurch etwas aufgeregt,

weshalb sich die Teilnehmer schon nach

kurzer Zeit in kleinen Gruppen vom

Parkplatz weg in Richtung des Bahnhofes

auf den Weg machen.Die Bewegung

wird den Stress abbauen und die Hunde

etwas beruhigen. Erste Instruktionen

gibt Jan Nijboer erst beim Bahnhof. Er

beschreibt die Rundstrecke durch die

Stadt, auf welcher sich die Teams bewegen

sollen und fordert die Hundehalter

auf, Spiele mit dem Preydummy® einzubauen.

Diese können sehr individuell

gewählt und den Vorlieben des Hundes

angepasst werden. Die negativen Stressoren,

die den Hund in Spannung versetzen

können, sollen durch positive

Reize wieder ins Lot gebracht werden.

Spiel, Spass und die gemeinsame Jagd

nach dem Futterbeutel stehen im Vordergrund.

Der Hund hat diese Form der

Beschäftigung bereits als existenziell

kennen gelernt und wird deshalb auch

in der für ihn ungewohnten Umgebung

positiv darauf reagieren.

Übungen in der Stadt erfordern vom

Hundehalter das verstärkte Beachten

der Umwelt. Erhöhte Aufmerksamkeit

und Voraussicht sind geboten. Der

Hund ist so zu führen, dass er keine

Fremdperson belästigt, im Verkehr

nicht in Gefahr gerät und auch nicht unkontrolliert

zu Artgenossen hin springt.

Zudem ist es selbstverständlich, dass

der Hund nur versäubert mit in die

Stadt genommen wird. Er hat nicht an

jeder Hausecke zu markieren – das ist

eine Frage des Anstandes und des Respekts

gegenüber fremdem Eigentum

und gehört auch in die Verantwortung

des Hundehalters. Stadttraining bedeutet

aber auch, sich intensiv mit seinem

Hund auseinander zu setzen, auch

Auch wenn für uns Menschen die Reizüberflutung in der Stadt längst

zur Gewohnheit geworden ist, kann nicht automatisch davon ausgegangen

werden, dass der Hund diese Eindrücke auch gut verarbeitet.

Kinder sollten nur unter Aufsicht mit einem Hund spielen. Nicht jeder

Hund schätzt es, wenn fremde Mädchen den Futterbeutel an sich nehmen,

um ihn dann wieder zu werfen. Für Chucho ist das kein Problem.

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AUSBILDUNG IN DER PRAXIS

Orson ist erst achtzehn Wochen alt. Damit er die vielen Eindrücke in

der Stadt besser verarbeiten kann, trägt ihn Pia möglichst oft auf dem

Arm. Dazwischen spielt sie ausgelassen mit ihm und lässt ihn den

Futterbeutel hetzen oder apportieren.

wenn man dabei von Passanten beobachtet

wird. Das fällt nicht jedem leicht

und kostet einige Hundehalter etwas an

Überwindung. Allerdings ist es in der

Gruppe einfacher, als wenn man alleine

unterwegs ist. Und zudem sind solche

Hemmungen schnell vergessen, sobald

man ins Spiel mit dem Hund vertieft ist.

Individuelle Umsetzung

Chucho, der dreijährige Yorkshire

Terrier ist den Stadtrummel gewöhnt.

Salome Fernandez nimmt ihn regelmässig

mit, wenn sie ihre Einkäufe tätigt.

Mit dem Preydummy® hat sie aber

bisher noch nicht in der Stadt gearbeitet.

Chucho erhält durch sein niedliches

Aussehen immer wieder viel Aufmerksamkeit

von fremden Personen. Dem

Charme des kleinen Hundes, der seinen

Futterbeutel stolz durch die Strassen

trägt, kann man sich kaum entziehen

und es kommt oft vor, dass Salome angesprochen

wird. So ist es auch an diesem

Tag. Zwei Mädchen sind von

Chucho ganz begeistert. Sie werfen

dem Hund den Preydummy®, den er

dann apportieren darf. Salome kennt

ihren Hund gut und weiss, dass diese

Übung für ihn kein Problem ist, auch

wenn fremde Kinder seine Beute an

sich nehmen. Er verhält sich ganz korrekt

und wird in keinem Moment aufdringlich

oder fordernd. Keinesfalls

darf der Futterbeutel aber bei jedem

Hund unbedacht ins Spiel mit einem

Kind integriert werden, denn das kann

unter Umständen sehr gefährlich sein.

Der Mensch muss sich bewusst sein,

dass der Preydummy® für den Hund einen

sehr hohen, ja existenziellen Wert

hat und es somit nahe liegend ist, dass

er ihn in bestimmten Situationen auch

verteidigt. Im Spiel zwischen Kind und

Hund sollten eher für den Hund unwichtige

Gegenstände verwendet werden,

um Unfällen vorzubeugen.

Immer wieder baut Salome Versteckund

Apportierspiele ein, auf die sich

Chucho gerne einlässt. Sie weist ihn an,

auf eine Mauer zu springen, lässt ihn

dort warten, während sie den Preydummy®

in einem Blumentrog versteckt

und fordert den Hund dann auf,

die Beute zu apportieren. Einige Meter

weiter kommen sie an einem Container

vorbei, hinter welchem sich Luzia Candreia

versteckt. Diese schlägt absichtlich

gegen den Metallbehälter, um einen

zusätzlichen Stressfaktor einzubauen.Was

andere Hunde gelassen hinnehmen,

ist für den Yorkshire Terrier

eine grosse Belastung. Bevor Salome

die Ausbildungsmethode von Jan

Nijboer kennen lernte, besuchte sie mit

Chucho eine andere Hundeschule, welche

Wurfschellen einsetzte, um bei

Hunden eine Unterbrechung des Verhaltens

zu bewirken. Bei Chucho wurde

dadurch Angst, bis hin zur Panik, ausgelöst

und Salome erkannte schnell, dass

dies für sie nicht der richtige Weg war.

Es hat sie viel Mühe gekostet, den Kleinen

wieder zu stärken und sein Vertrauen

aufzubauen. Den lärmenden

Container nimmt sie nun ganz bewusst

als Herausforderung an, wirft den Preydummy®

darunter und fordert Chucho

auf, den Futterbeutel zu apportieren.

Der positive Anreiz ist für den Hund so

gross, dass er sich trotz Respekt vor der

Lärmquelle zögerlich nähert. Salome

unterstützt ihn stimmlich und gibt ihm

dadurch zu verstehen: «Du kannst es

wagen, es wird Dir nichts passieren».

Dabei überlässt sie aber ihrem Hund

den Entscheid, ob er die Beute tatsächlich

holen oder sich lieber zurückziehen

will und gibt ihm die Zeit, die er

braucht.Tatsächlich wagt er sich immer

weiter bis zur Beute vor und nimmt den

Futterbeutel in den Fang. Erhobenen

Hauptes kehrt er zu seiner Besitzerin

zurück. Der Kleine ist aus sich heraus

gewachsen. Diese Übung zeigt ihm,

dass Salome die Situation besser eingeschätzt

hat, als er es selbst getan hat.

Das Vertrauen zu seiner Besitzerin wird

aufgebaut,seine Ängste hingegen abgebaut.

Voller Selbstvertrauen geht er aus

dieser Übungssituation heraus und

stellt sich, wenige Meter weiter, der

nächsten Herausforderung. Zwei Hilfspersonen

spielen sich gegenseitig einen

grossen Gymnastikball zu. Freudig

steigt Chucho in dieses Spiel ein und

springt dem grossen Ball hinterher.

Orson ist achtzehn Wochen alt. Seit

zwei Monaten ist der Chevalier King

Charles Spaniel im Besitz von Pia Heller.Auch

er wird zum Stadttraining mitgenommen.

Um ihn aber nicht zu überfordern,

wird der junge Hund so oft als

möglich getragen, damit er die vielen

Einflüsse positiv und gelassen verarbeiten

kann. Immer wieder spielt Pia mit

ihm und lässt ihn die Beute hetzen oder

apportieren. Dabei ist der Kleine angeleint.

Die Leine kann er somit als etwas

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AUSBILDUNG IN DER PRAXIS

sehr Positives verknüpfen. Er soll gar

nicht erst lernen, an der Leine zu ziehen.

Sehr unbeschwert geht der Hund

in das Spiel hinein, lässt sich aber noch

leicht durch die verschiedensten Gerüche

am Boden ablenken. Pia schafft immer

wieder neue Anreize, um das Spiel

für Orson spannend zu gestalten.

Isolde ist ein zirka zweijähriger

Mischlingshund (Deutscher Schäferhund

x Malinois). Vor rund einem Jahr

wurde sie in der Slowakei in der Tötungsstation

abgegeben und von dort

durch eine österreichische Tierschutzorganisation

freigekauft. Im Dezember

Durch das regelmässige Integrieren

des Autos in das tägliche Training

kann einem Fehlverhalten des Hundes

im und um das Fahrzeug vorgebeugt

werden. Sowohl das Ein- wie auch

das Aussteigen des Hundes aus dem

Wagen erfolgt nur auf Anweisung des

Menschen, auch wenn starke

Aussenreize vorhanden sind.

2007 kam der Hund zu Gerhard Castiglioni.

Isi ist ein Hund mit viel Power

und Elan. Sie hat jedoch in ihrer Prägungsphase

nicht viel kennen gelernt

und ist deshalb mit gewissen Umwelteinflüssen

noch schnell überfordert.

Stadttraining bedeutet für sie deshalb

zuerst einmal «Abschalttraining». Gerhard

fährt mit dem Auto direkt bis zum

Bahnhof, um mit Isolde nicht auch den

Fussmarsch zurücklegen zu müssen.

Unter so starken Ausseneinflüssen ist

das Führen des Hundes an lockerer

Leine nicht möglich, weshalb bewusst

darauf verzichtet wird. Für das Abschalttraining

muss der Ort ganz bewusst

gewählt werden. Hausecken sind

strategisch wichtige Punkte, die für

diese Übung gemieden werden sollten.

Mitten auf dem Bahnhofplatz und dennoch

an einem möglichst ruhigen Ort,

setzt sich Gerhard hin und lässt seinem

Hund sehr viel Zeit, die Eindrücke zu

verarbeiten. Er nimmt dabei so wenig

wie möglich Einfluss auf die Hündin.

Isolde muss lernen, auch in Situationen

wie dieser zur Ruhe zu kommen.

Der Phantasie sind bei der Aufgabenstellung

keine Grenzen gesetzt und es

ist interessant zu beobachten, wie vielseitig

die Jagd nach dem Preydummy®

von den einzelnen Teams umgesetzt

wird. Die Fotoauswahl zu diesem Bericht

erlaubt einen Einblick in die verschiedensten

Übungsvarianten und ermöglicht

dennoch nur einen Querschnitt

durch die Gesamtheit der umgesetzten

Ideen.

Die Autoübung zum Abschluss

Das Auto ist heute eines der wichtigsten

Verkehrsmittel und aus unserem

Alltag nicht mehr wegzudenken. Viele

Hundehalter benutzen zur Fahrt in die

Stadt den eigenen Wagen. Erzieherische

Massnahmen rund um das Fahrzeug

sind deshalb ein wesentlicher Be-

Der Phantasie sind bei der Aufgabenstellung keine Grenzen gesetzt. Boxer-Mischling Cujo apportiert aus einem trockenen Brunnen und der

Yorkshire Terrier Chucho wartet auf einer Mauer, bis seine Besitzerin den Preydummy® versteckt und ihm das Freizeichen gegeben hat.

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AUSBILDUNG IN DER PRAXIS

Isolde sucht ein neues Zuhause

standteil des Stadttrainings. Durch das

regelmässige Integrieren des Fahrzeuges

in die täglichen Übungen kann einem

Fehlverhalten des Hundes im und

um den Wagen vorgebeugt werden. Er

erfährt, dass die Führung durch den

Menschen im Auto nicht endet. Es gibt

viele gute Gründe, weshalb der Hund

nicht selbständig entscheiden sollte,

wann er ein- und aussteigen darf. Der

Mensch trägt die Verantwortung über

die Sicherheit des Tieres und auch der

Umwelt. Immer wieder kommt es zu

Unfällen, weil ein Hund unkontrolliert

aus dem Auto gesprungen ist – Unfälle

dieser Art könnten verhindert werden.

Ein Hund, der das korrekte Benehmen

im Wagen gelernt hat, verharrt ruhig im

Auto, auch wenn die Heckklappe und

die Türe seiner Transportbox geöffnet

sind. Selbst wenn sich eine Fremdperson

dem Wagen nähert, ein Kind vorbei

rennt oder ein anderer Hund das Auto

passiert, bleibt er ruhig liegen. Sowohl

das Aus- wie auch das Einsteigen erfolgt

nur auf Anweisung des Hundehalters.

Diese gewünschten Verhaltensweisen

sind zu trainieren. Die Übung beginnt

damit, dass der Hund ins Auto geschickt

wird. Die Heckklappe und die

Boxentür bleiben geöffnet. Jennifer

Scherer behält Cujo an der Leine, um

Einfluss nehmen zu können, falls der

«Schweren Herzens suchen wir ein neues Zuhause

für Isolde. Isi ist ein Hund mit viel Elan und

Power, der in seiner Prägungsphase viel zu wenig

von der Umwelt kennen lernen durfte. Dementsprechend

ist sie mit gewissen Ausseneinflüssen

noch schnell überfordert. Sie hat einen sehr ausgeprägten

Jagdtrieb, weshalb in ihrem neuen Zuhause

keine Kleintiere leben sollten. Ebenfalls

sollte Isi als einziger Hund gehalten und nicht in

eine Familie mit Kindern integriert werden, damit

sie die Aufmerksamkeit bekommt, die sie

braucht. Sozialer Kontakt mit anderen Hunden

ist für sie jedoch völlig normal und kein Problem.

Jan Nijboer attestiert dem Hund ein grosses Potential,

er weist aber gleichzeitig darauf hin, dass

der Hund aufgrund des schlechten Starts ins Leben

nur durch einen hundeerfahrenen Menschen

geführt werden sollte, der viel Zeit, Ruhe und Geduld

für diesen temperamentvollen Hund aufwenden

kann. Fühlen Sie sich angesprochen und

bereit, eine solche Herausforderung anzunehmen?

Haben Sie Erfahrung mit der Natural Dogmanship®-Ausbildungsmethode

von Jan

Nijboer? Wenn ja, dann freue ich mich über Ihre

Kontaktnahme.»

Gerhard Castiglioni-Merz

Telefon: 0041 (0)79 334 70 47

E-mail: gerhardmerz@hotmail.com

Boxer-Mischling aus dem Auto springt.

Zwei Personen spielen sich den Gymnastikball

vor dem Auto zu. Wenig später

nähert sich eine Frau, die ihr Auto

ebenfalls auf dem grossen Parkplatz abgestellt

hat und sich für den hübschen

Hund interessiert. In kurzer Distanz

wird ein fremder Hund zum Apportieren

einer Beute am Fahrzeug vorbei geschickt.

All diese denkbaren Alltagssituationen

muss Cujo ruhig annehmen.

Zur Belohnung wird der Hund aus dem

Auto gerufen und zum Apportieren seines

Futterbeutels aufgefordert. Da

Cujo Unsicherheiten gegenüber fremden

Menschen zeigt, wirft Jenny den

Preydummy® absichtlich neben Jan

Nijboer zu Boden. Etwas verhalten,

aber ohne negative Reaktionen holt

der Rüde die Beute und übergibt sie

seiner Besitzerin. Dann wartet er, bis er

ins Auto geschickt wird, wo Jenny ihn

zum Abschluss des gesamten Stadttrainings

aus dem Beutel füttert.

Bei Hunden, die Unsicherheiten gegenüber fremden Menschen zeigen, wird der Preydummy® absichtlich in die Nähe einer Hilfsperson

abgelegt. Während der Hund den Futterbeutel apportiert, wendet die Fremdperson den Blick von ihm ab.

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