Zur PDF Ausgabe der "arche nova" - Leopold Kohr Akademie

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hatten und sich immer weiter beugen wtkden, Daß sie, diese armsehgen

Sklaven, an so vielen beherrschenden Stellen sitzen, daß sie

Gesetz undOrdntmg repräsentierend, die wenigen Freien verketzem,

ja verfolgen können, daß sie, die sich ernst noch - zu Umecht - auf

Gott beriefen und nun mit dem betrügerischen Bezug auf angebhch

eiseme Notwendigkeiten herrschen, ist ein Götzendienst der sich

zwar auf objektive Erkenntnis beruft, in Wahrheit aber einem verhängsnisvoUen

"Ichzwang" unterworfen ist tmd einmal den Weg

aller Zwinghenen gehen wird.(1987)

Schutz dem Menschen - Schutz der

Natur

"... ich bin darüber erschüttert in welchem rapiden Tempo diese

Zerstönmg Europas durch den Wiederaufbau vor sich geht- Ganze

Landstriche und Städte werden verwüstet (...) Ist es dennnotwendig,

daß unsere Flüsse vergiftet daß unsere Luft verpestet wird? Ist es

denn notwendig, daß unsere Wälder abgeholzt unsere Wiesen zu

Ödland verwandelt werden müssen? All das wäre nicht notwendig.

Es ist heute möglich, den Fortschritt tmd den Schutz der Natur

miteinander zu versöhnen, wenn man nur ein wenig guten Willen hat

wenn man nur, tmd das ist das, was unserer Zeit heute am meisten

fehlt, ein wenig Liebe hat Diese Liebe fehlt den meisten Untemehmem,

sie denken nur an Gewiim, sie wollen nur mögüchst schnell

etwas hinsteUen und sie denken nicht daran, daß sie damit ihren

Kindem und Kindeskindem etwas wegnehmen, das nicht zu ersetzen

ist Denn ein Wald, der einmal abgeholzt ist, ist abgeholzt die Wiese,

die einmal zerstört ist, em Stück Sumpfland, das um jeden Preis trockengelegt

wird, all das ist nicht wieder herzustellen. Wir haben einen

Prozeß vor uns, einen Prozeß der Naturzerstörung, und dieser Prozeß

muß uns zur Abwehr aufrafen.

Seit Jahrennehme ich am Kampf gegen die atomare Rüstung teil. Die

Atombombe ist ... in Wirkhchkeit der ausgeprägteste Ausdruck

unserer Lieblosigkeit unserer neoteclinischen Bmtalität Die Atombombe

ist das deuthchste Beispiel für einen blinen Fortschritt Und

wir, wir Menschen, denen daran hegt Fortschritt und Menbschlichkeit

miteinander zu verbinden, wir müssen für einen sehenden

Fortschritt kämpfen. Das heißt alle Attentate auf das Lebendige

abwehren, alle diejenigen, deren Motive nur Gewinn, nur die Macht

ist in ihre Schranken zu weisen." (1961)

Predigt auf das Jahr 2000

... Es ist endlich an der Zeit, den Menschen m den Mittelpunkt zu

stellen. Zwar behauptet die Wirtschaft, genau das zu tun. Aber die

Wirkhchkeit sieht anders aus. Nirgendwo steht der Mensch im

Mittelpunkt. Er wird dhigiert ausgebeutet hat seinen Mtmd zu

halten. Das Neue, das wh jetzt auf einmal erieben, ist daß die

Menschen sich dagegen wehren, als Verfügungsmasse behandelt zu

werden. Sie sagen; Wir wollen das so nicht mehr. Sie gehen auf die

Straße mit der Parole "Wir sind das Volk", und sie bewirken etwas.

Und das geschieht nicht nur im Osten Europas I Überall auf der Welt

stehen die Menschen auf tmd f ordem: Denkt nicht nur an Euch, eure

Herrschaft eure politische Macht. Denkt endUch auch an uns. Wir

wollen mitbestimmen.

Das wird dazu führen, daß die einzehien Menschen m der Pohtik

mehr Mitsprache haben werden als heute, daß man ihre Ideen, ihre

Vorstellungen anhören muß, ihre Wünsche stärker berücksichtigt.

Das heißt wir werden eine echte Demokratisienmg erleben. Der

Bthger wird nicht mehr nur alle paar Jahre einen Stknmzettel abgeben,

nicht mehr nur eine Stimme sein, die man zählt tmd dann für

seine Zwecke verwendet...

Zu den Verändenmgen, die für einen Neuanfang an der Jahrtausendwende

wichtig werden, gehört unbedingt der Verzicht auf das falsche

Ziel des "unmer mehr" und "Immer größer". Leopold Kohr, em

Saizburger Philosoph mit großem Einfluß in den angelsächsischen

Ländem, hat schon vor Jahrzehnten, lange vor Friedrich Schumacher,

postuUert: klein Ist schön. Er sagte, alles wird unübersichtlich,

wenn eine Stadt oder ein Land zu groß geworden smd. Die Bürger

verheren den Überbhck über die Zusammenhänge der Strukturen, es

entsteht eine wuchernde Bürokratie mit Sicherheits- und MiUtärkräften

im Schlepptau, Verschwendung nimmt überhand, weil niemand

mehr einen genauen Blick auf die Dinge hat

Kohr ist dafür eingetreten, lokalen und regionalen Organisationen

eine größere Bedeutimg und Wichtigkeit zu verieüien. Das soll nun

nicht bedeuten, daß jeder selbstherrlich regional vor sich hinwütschaftet

nur mit Blick auf seinen eigenen Vorgarten. Verständigung

zwischen den einzehien Organisationen ist selbstverständhch gefragt

so wie einzelne sich ja immer miteinander verständigen, wenn

sie gemeinsam etwas schaffen wollen. Die Zentrale aber, die von

oben aus anonym dirigiert wird allmähhch als ineffizient entlarvt

werden. Mitder Folge, daß wir tatsächhch Dezentralisierung und Regionalisiemng

erleben werden. Es wird immer mehr Weiterentwicklung

von den Gemeinden ausgehen und immer weniger vom Staat.

Eine Frage ist wie man diese neuen Wege finanziert All diese

Projekte der Vermenschlichung und der Ökologisierung des Fortschrittes

kosten Geld, meist mehr Geld als die augenblicklichen

Methoden des Whtschaftens und der Problembewältigung. Sicher,

auf lange Sicht sind die neuen Modelle sparsamer. Aber wer denkt

schon m Zeiträumen von 10, 20 Jahren? Es gäbe allerdings die

Möghchkeit eme ökologisch ausgerichtete Wirtschaft zu subventionieren,

so wie in unserer GeseUschaft vieles subventioniert wird. Daß

sich eine vemünftigere Produktion, eine vemünftigere Arbeit nicht

rechnet ist kern Grand, sie als "tmwirtschafthch abzutun. Das dafür

bereitgestellte Geld wäre wirkhch für unsere Sicherheit ausgegeben,

im Gegensatz zu denMilliarden für die Waffen, mit denen die Polizei

und Armee Menschen bewachen und überwachen. (...)

Eme echte Sicherheit kann nur eine ökologische und humane Sicherheit

sein. Die Menschen müssen sicher sein, daß die Entwickltmg sie

nicht krank macht daß ihre Arbeit sie nicht krank macht daß sie

Hoffnung auf die Zukunft haben können. Emer der wichtigsten

B austeine dieser Zukunft ist das, was ich "antizipatorische Demokratie"

nenne. Demokratisch, das heißt unter Mitwirkung all derer, die

das wollen. Das bedeutet sich rechtzeitig Gedanken zu machen über

alle möghchen Folgen des politischen, des wirtschafthchen, des

technischen Handehis. Vor jeder Handltmg steht die Frage: Ist es

richtig, was ich produziere tmd wie ich es produziere? Hätte man so

schon früher gedacht wären wh heute nicht in der Lage, in der wh

smd. Wh müssen hn Zweifelsfall denen, die menschhch und ökologisch

schädhche Entscheidungen treffen, m den Arm fallen. Wir

müssen endhch mitentscheiden.

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