Dezember 2013 - Februar 2014 - Alsterbund

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INTERVIEW 7

ze nichts, was ausgelassen

würde. Und im Inneren

Europas herrscht ein

abschreckendes Asylregime,

das Menschen zuerst

nach ihren Fluchtwegen

befragt und erst dann

zu den Fluchtursachen etwas

zu Protokoll nimmt.

Vulnerable Gruppen, also

besonders verwundbare

Menschengruppen, bleiben

da gleich außen vor,

also behinderte Menschen,

Kinder, unbegleitete Minderjährige,

Menschen mit

Traumatisierungen sowie

schwangere und allein reisende

Frauen mit Kindern.

Hier werden internationale

Schutzmechanismen nicht

eingehalten oder ganze

Gruppen ohne jede Asylanhörung

zurück aus Europa

abgewiesen.

Ist die Abriegelung der

Grenzen – mit Hilfe von

„Frontex“ eine Option oder

die Öffnung der Grenzen?

Frontex ist eigentlich eine

Grenzschutzagentur. Sie

soll die nationalen Systeme

unterstützen und lediglich

mit Rat und Tat zur Verfügung

stehen. Da sie aber

Geheimdienstmaterialien

verwenden, wurde diese

Agentur immer mächtiger

und unkontrollierbarer.

Man braucht keine Grenzsicherung,

wenn Menschen

legal das Land betreten

dürften. Wenn es

Möglichkeiten gäbe, nach

Europa einzureisen, dann

würden Menschenhandel-

und -schmuggel keine

Milliarden schwere Einnahmequelle

mehr sein.

Umgekehrt würden Menschen

viel eher registrieren,

dass sie es nicht in

Europa schaffen und wieder

ausreisen. Im Moment

ist Europa eine Falle:

jeder versucht reinzukommen

unter lebensgefährlichen

Bedingungen – kaum

jemand schafft es wieder

legal raus, da er dann zukünftig

kaum wiederkommen

kann. Die Grenzen

zu öffnen hieße, vielen

kriminellen Machenschaften

den Grund ihres Einkommens

zu entziehen

und der Humanität wieder

eine Chance zu eröffnen.

Im Übrigen fehlen 2015 in

Deutschland 6 Millionen

Menschen, die arbeiten.

Wem genau nützt denn

diese tödliche Abschreckung

wirklich?

Du wirst für einen christlichen

Gemeindebrief interviewt.

Daher die Frage. Was

können wir Menschen hier

in Hamburg konkret tun?

Jede und jeder kann sich

engagieren: Wir können

uns informieren, Patenschaften

übernehmen,

etwas für die gerechten

wirtschaftlichen Grundbedingungen

mit versuchen

zu initiieren: jeder Transfair-Laden

hilft und sei er

noch so klein. Aber auch

jeder Besuch in einem

Asylbewerberheim hilft,

den Menschen dort und

uns auf die Sprünge. Es

mangelt an vielem um uns

herum, so hilft es schon,

dies wahrzunehmen, in

den Gottesdienst, unserer

spirituellen Mitte, mit hineinzunehmen.

Es sind die

Fremden, die wir aufnehmen,

die die Gottesbeziehung

mit ausmachen, nicht

der schöne Chorgesang

allein oder das Gebet für

sich. „Ich war fremd, ihr

habt mich aufgenommen“

fangen wir an- ob mit einer

Gästewohnung, im Gottesdienst

oder mit Besuchsgruppen.

Da präsent sein,

wo Menschen uns brauchen,

heißt mit all seiner

Kraft und Liebe, Gottesbegegnungen

wagen.

Vielen Dank für das Interview.

Antje Holst,

St. Martinus-Eppendorf

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www.proasyl.de

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