Triptane in der Akuttherapie der Migräne

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Triptane in der Akuttherapie der Migräne

wendung ist natürlich auch die Bioverfügbarkeit

am höchsten (ca. 96%).

Naratriptan (Naramig ® )

in einer Dosierung von 2,5mg zeichnet

sich vor allem durch eine lange Halbwertzeit

und ein selteneres Auftreten

von wiederkehrenden Kopfschmerzen

(„headache recurrence“) innerhalb von

24 Stunden aus.

Naratriptan weist die geringste Nebenwirkungsrate

auf, gilt aber auch als etwas

weniger wirksam als die anderen

Triptane. Die Substanz hat die höchste

orale Bioverfügbarkeit aller Substanzen

in Tablettenform. Die Substanz ist

ZNS-gängig und verfügt wie alle Triptane

der neueren Generation über duale

(periphere und zentrale) Wirkungen.

Naratriptan empfiehlt sich beispielsweise

bei Ersteinstellung auf eine Behandlung

mit Triptanen und bei Patienten

mit mittelschwerer Migräne,

die unter Sumatriptan erhebliche unerwünschte

Wirkungen angeben.

Zolmitriptan (AscoTop ® )

hat im Vergleich zu Sumatriptan eine

höhere orale Bioverfügbarkeit und ist

zudem ein wesentlich spezifischerer

und (2 – 3x) potenterer Agonist an den

migränerelevanten Serotonin-Rezeptoren-Subtypen

5-HT1B und 5-HT1D.

Aufgrund seiner Lipophilie ist Zolmitriptan

ZNS-gängig und wirkt mitunter

auch bei Patienten mit Therapie-Resistenz

gegenüber Sumatriptan (und umgekehrt).

Steht auch als Schmelztablette

zur Verfügung.

Rizatriptan (Maxalt ® )

ist einer der neuesten Vertreter selektiver

Serotonin-Agonisten. Die Substanz steht

als normale und als Schmelz-Tablette zur

Verfügung. Rizatriptan hat ähnliche Eigenschaften

wie Sumatriptan, zeichnet

sich jedoch durch eine höhere orale Bioverfügbarkeit

und vor allem schnelleren

Wirkungseintritt sowie einer höheren

Rate kopfschmerzfreier Patienten aus.

Rizatriptan wird in einer Dosierung von

5–10mg verabreicht (5mg entsprechen

50mg Sumatriptan). Bei Patienten die eine

Migräne-Prophylaxe mit �-Blockern

erhalten, sollte die Substanz aufgrund einer

Arzneimittelinteraktion nur als 5mg

Tablette gegeben werden.

Almotriptan (Almogran ® )

Im Bestreben immer spezifischere und

vor allem nebenwirkungsärmere Migränemittel

zu entwickeln, stellt Almotriptan

die modernste Variante aus der

Gruppe der Triptane dar. In klinischen

Studien war Almotriptan in Dosen von

12,5–25mg vergleichbar wirksam wie

100mg Sumatriptan, wobei möglicherweise

jedoch bereits 6,25mg (oral)

wirksam sind. Wie Sumatriptan und im

Gegensatz zu anderen Triptanen ist Almotriptan

auch zur subkutanen Applikation

(6–10mg) vorgesehen. Abhängig

von der Art der Applikation ähnelt

die Pharmakokinetik (orale Bioverfügbarkeit

ca. 70%; max. Plasmaspiegel

nach 1,5–3,8 Stunden) und ausgesprochen

gute Verträglichkeit (insbesondere

Brustsymptome) von Almotriptan der

von Naratriptan, bei etwas schnellerem

Wirkeintritt und ebenfalls geringer Recurrence-Rate.

Eine abschließende Bewertung

des neuen Triptans im klinischen

Alltag steht jedoch noch aus.

Eletriptan (Relpax ® )

ist ein weiteres Triptan neuester Generation.

Mit der Zulassung wird in den

nächsten Wochen gerechnet. Bei Eletriptan

wird in einer Dosierung von

40 – 80mg von der höchsten Effektivität

aller oralen Triptane, aber auch

einer höheren Nebenwirkungsrate ausgegangen.

Die Recurrence-Rate ist klinischen

Studien zufolge bemerkenswerterweise

gering, so daß sich Eletriptan

insbesondere für längere Verläufe

und schwerer zu therapierende Migräneattacken

z.B. bei menstrueller Migräne

eignen dürfte.

Abschließende Bewertung

Die mit Migräne und deren Begleiterscheinungen

verbundene Beeinträchtigung

der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit

stellt ein ernstzunehmendes medizinisches,

volkswirtschaftliches und

psychosoziales Problem dar und bedarf

daher einer effizienten und differenzier-

Fortbildung

ten Therapie. Bedauerlicherweise wird

die Migräne in Unkenntnis der Pathogenese

trotzdem immer noch häufig bagatellisiert

und fehlinterpretiert.

Die ausgesprochene inter- und intraindividuelle

Variabilität der Migräne verlangen

ein flexibles medikamentöses

und nichtmedikamentöses Therapieregime.

Neben den unspezifischen Analgetika

als Standardmedikamente bei

leichter bis mittelschwerer Migräne,

steht mit den Triptanen eine neue Substanzgruppe

zur Verfügung, die einfach

zu handhaben und auch bei Langzeitbehandlung

äußerst zuverlässig,

schnell wirksam und gut verträglich

ist. Durch einen hochspezifischen, dualen

(peripheren und zentralen) Wirkansatz

hemmen sie sehr effektiv das trigeminovaskuläre

System und verhindern

dadurch eine Exazerbation der Kopfschmerzen

und Begleitsymptome auch

bei schweren und bisher therapieresistenten

Migräneformen. Aufgrund der

erheblichen Beeinträchtigung der Patienten

durch die Migräne, sollten bei

Versagen kostengünstigerer Therapieformen

Triptane verordnet werden.

Trotz der derzeit noch hohen Kosten ist

der Einsatz der Triptane auch volkswirtschaftlich

berechtigt, da durch eine

effektive Therapie sowohl Arbeitsausfall

als auch erhebliche Leistungsminderungen

vermieden werden. Wie bei

jeder Behandlung chronischer Schmerzerkrankungen

sollte auch die Therapie

der Migräne zumindest am Anfang

ärztlich kontrolliert werden und durch

eine adäquate Patientenaufklärung einem

Schmerzmittelmißbrauch und medikamenten-induziertenDauerkopfschmerz

vorgebeugt werden.

Literatur:

Jost WH, Selbach O. Therapie der Migräne.

Uni-med Verlag, Bremen, 2001.

Anschrift der Verfasser:

FB Neurologie und

Klinische Neurophysiologie

Deutsche Klinik für Diagnostik

Aukammallee 33, 65191 Wiesbaden

Tel.: 0611 577-321;

Fax: 0611 577-311

e-mail: jost@neurodate.de

Hessisches Ärzteblatt 7/2001

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