museale Die Sparda-Bank-Stiftung zu Gast im Wilhelm-Hack ...

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museale Die Sparda-Bank-Stiftung zu Gast im Wilhelm-Hack ...

museale

Die Sparda-Bank-Stiftung

zu Gast im Wilhelm-Hack-Museum

Ludwigshafen

Ausstellungsreihe

in Zusammenarbeit mit

Landesmuseum Mainz

Saarlandmuseum Saarbrücken

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Ludwig Museum Koblenz

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

13

Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

tour MICHAEL RAEDECKER

01.12.2013 - 23.02.2014

Ausstellung anlässlich der Übergabe des

Bildes logic von Michael Raedecker durch

die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales

der Sparda-Bank Südwest eG an das

Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

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Inhalt

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Vorwort

Hans-Jürgen Lüchtenborg

Zur Ausstellung

Reinhard Spieler

Michael Raedecker logic

Astrid Ihle

Biografie, Ausstellungen, Publikationen

Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

Kunstvermittlung, Museumskontakte

Regina Pfiester

Impressum

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Vorwort

Hans-Jürgen Lüchtenborg

Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank

Südwest eG

Im Herbst 2008 war das Wilhelm-Hack-

Museum Ludwigshafen im Rahmen der

museale 07 zu Gast bei der Sparda-Bank

Südwest eG in Mainz. In den Schalterräumen

der Bank fand die Ausstellung

A CUP OF POP. Künstlertassen aus der

Sammlung Heinz Beck statt. Jetzt, fast

genau fünf Jahre später, findet die zweite

Staffel der Ausstellungsreihe museale im

Wilhelm-Hack-Museum ihren Abschluss.

Die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales

der Sparda-Bank Südwest eG legt den

Schwerpunkt ihres kulturellen und sozialen

Engagements auf die Förderung von

Kindern, Jugendlichen und Familien.

Im Bereich Kultur sind das beispielsweise

Angebote für Schulklassen wie „Kunst ist

Klasse“ und „Originale in der Schule“,

zwei sehr erfolgreiche Projekte in Kooperation

mit den für Kultur zustän digen

Ministerien in Rheinland-Pfalz und im

Saarland.

Das Wilhelm-Hack-Museum bietet mit

seinem museumspädagogischen Angebot

eine gezielte pädagogische Betreuung

von Kindergärten und Schulen durch

Informationsveranstaltungen und Fortbildungen

für pädagogische Fachkräfte.

Der Austausch mit Erziehungs- und

Bildungseinrichtungen lässt das Museum

zu einem lebendigen Ort der Kunsterfahrung

werden. Sehr gerne leisten wir

unseren Beitrag zu dieser wertvollen

Arbeit des Museums und tragen mit der

museale 13 dazu bei, die Ausstellung mit

Werken von Michael Raedecker sowie

den Ankauf des Bildes logic zu ermöglichen.

Wir wünschen der Ausstellung viele

begeisterte kleine und große Besucher

und Ihnen viel Freude mit der Lektüre

dieses Katalogs.

Mainz, im November 2013

Die museale, mit der wir ausgewählte

Kunstmuseen im Geschäftsgebiet der

Sparda-Bank Südwest eG fördern,

unterstützt ebenfalls das Ziel, Kindern

und Jugendlichen Kunst nahe zubringen

und sie für die Auseinander setzung mit

neuen Eindrücken zu gewinnen.

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Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Miró-Fassade

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Zur Ausstellung

Reinhard Spieler

Direktor

Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

Michael Raedecker formuliert im

aktuellen Malereidiskurs eine sehr

eigenwillige und eigenständige Position.

Obgleich er grundsätzlich der Figuration

verpflichtet ist und wiedererkennbare

Motive im Zentrum seiner Bilder stehen,

hat seine Malerei nichts mit Realismus

und Erzählungen von der Wirklichkeit zu

tun. Den Grundeindruck seiner Bilder

bestimmen eher minimalistische Gestaltungsmittel,

die der Farbfeldmalerei,

etwa eines Gotthard Graubner, nahestehen.

So wird jedes seiner Bilder, ganz

unabhängig vom Motiv, zunächst von

einer recht einheitlichen Grundfarbigkeit

bestimmt, die einen atmosphärischen

Klangakkord formuliert. Aus diesem

Klang heraus entspinnt sich mit dem

Motiv, das vor allem aus der Konturzeichnung

heraus entwickelt wird, dann erst

eine Art Melodie, die dem Grundklang

dennoch stets verpflichtet bleibt und nur

dezente eigene Akzente setzt.

Raedecker ersetzt das konkrete Umfeld

seiner Motive durch die Farbe. Seine

Häuser, Kronleuchter, Pflanzen, Wäschestücke

oder was auch immer er an

Motiven verarbeitet, sind nie in einem

realistischen Kontext angesiedelt,

sondern bewegen sich immer nur

ausschließlich im Reich der Farbe, mithin

im Kontext der Malerei, der reinen

Bildgestaltung. Das ist eine wichtige

Feststellung, denn Raedecker geht es

ums Bildermachen, nicht um interessante

Motive oder darum, Geschichten zu

erzählen. Motive setzt er ein wie Farbe.

Sie sind Mittel, bestimmte Stimmungen

und Assoziationsfelder zu erzeugen, so

wie man eben auch mit einer Farbe eine

düstere oder heitere Grundstimmung

anlegen kann.

Das Motivrepertoire ist dabei relativ

gering. Architekturen, die sich in

Ansichten von außen und Raumansichten

von innen einteilen lassen, wie überhaupt

das Innen und Außen etwa durch

Fenstermotive immer eine wichtige Rolle

spielt; Pflanzen; einige Gegenstände, die

zum Teil zu Stillleben arrangiert sind;

hoch aufragende Ziertorten; formal den

Torten eng verwandte Kronleuchter, und

schließlich immer wieder Stoffe – als

Wäschestücke auf der Leine, als Tischoder

Bettdecke, dabei immer wieder die

textile Struktur besonders betonend.

Gerade die Ausweitung der Malerei auf

textile Strukturen ist dabei das vielleicht

markanteste Merkmal von Raedeckers

Kunst. Er kombiniert die Malerei mit

dem Einsatz von farbigen Wollfäden,

die er in die Leinwand stickt. Diese

Fäden erscheinen einerseits als eine Art

dreidimensionale Zeichnung, andererseits

setzen sie auch Licht- und Farbakzente,

die eine ganz andere Wirkung haben

als die gemalte Farbe. Sie leuchten

gewissermaßen aus sich selbst heraus,

sind nicht gemalte Oberfläche, sondern

eigene Wirklichkeit, die auch im wahrsten

Sinne des Wortes Schatten wirft.

Gerade in Kombination mit stofflichen

Motiven bringen sie eine materielle

Wirklichkeit ins Bild, die jenseits der

Abbildhaftigkeit besteht und die doch

auch die zweidimensionale Wirklichkeit

der Zeichnung repräsentiert. In jüngeren

Arbeiten setzt Raedecker den Faden

nicht nur zur Zeichnung seiner Motive

ein, sondern auch um fragmentierte

Bildwirklichkeiten – Leinwände, die

er zuvor zerschnitten hat – wieder miteinander

zu verbinden.

In der Metapher des Fensters vereinigen

sich diese beiden Welten: Es ist einerseits

die Wirklichkeit, auf die man blickt,

andererseits verwandelt der Rahmen,

der gesetzte Ausschnitt, die Wirklichkeit

zum Bild, das zweidimensional wahrgenommen

wird.

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Es ist eine alte Metapher der Malerei, die

im Verlauf der Kunstgeschichte immer

wieder bemüht wurde. Raedecker steht

in dieser Tradition der Kunstgeschichte.

Er ist Holländer und sich gerade dieser

Geschichte, die sich von der frühen

niederländischen Malerei mit Jan van

Eyck, Rogier van der Weyden, Hans

Memling und vielen anderen über die

goldene Zeit im 17. Jahrhundert mit ihren

großartigen Stillleben-Meistern wie

Willem Kalf oder Pieter Claesz immer

wieder mit der Ambivalenz von Wirklichkeit

und Bildwirklichkeit beschäftigt hat,

stets bewusst.

Die monumentale, dreiteilige Arbeit logic

steht in besonderem Maße für diese

Fragestellung. Zunächst einmal fast

abstrakt minimalistisch anmutend, zeigt

logic ein Fenster, das allein den Blick auf

Stoffvorhänge zulässt. Raedecker kehrt

hier den Blick um: Es ist nicht der Blick

aus dem Fenster in die Welt, sondern

umgekehrt der Blick von außen ins

Innere, der letztlich doch verwehrt bleibt.

Das Bild lässt sich verstehen als ein Blick

ins Innere der Malerei – die Darstellung

einerseits von Transparenz, andererseits

von Stofflichkeit. Die Welt der Stofflichkeit

zu simulieren und andererseits durch

Transparenz die Welt der Entmaterialisierung,

die Welt des Geistes und der

Imagination zu erschaffen und zu

denken, diese beiden eigentlich konträren

Welten gleichzeitig zu formulieren

und zu thematisieren, ist ein Privileg und

ein Wunder, das nur die Malerei vermag

– das zeigt uns Michael Raedecker hier

und stellt sich damit in eine große

Tradition niederländischer Malerei.

Wir sind besonders glücklich und stolz,

dass wir dieses herausragende Werk

Michael Raedeckers für die Sammlung

des Wilhelm-Hack-Museums erwerben

können.

Das Gemälde ist nicht nur ein Hauptwerk

im Schaffen Raedeckers, sondern stellt

auch vielfache Bezüge zur Sammlung des

Wilhelm-Hack-Museums her, etwa zur

abstrakten, minimalistischen Malerei der

1960er und 1970er Jahre oder auch zum

Nouveau Réalisme, der reale Materialien

in die Bildkunst einführte.

Dass wir dieses kapitale Werk erwerben

und dazu noch eine umfassende Ausstellung

mit Arbeiten Michael Raedeckers

realisieren können, haben wir einem

Glücksfall zu verdanken – aus städtischen

Mitteln wäre eine solche Erwerbung

längst nicht mehr möglich. Unser

Glücksfall hat in diesem Fall einen

konkreten Namen und heißt museale

ein wunderbares Kunstengagement der

Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der

Sparda-Bank Südwest eG. Die Stiftung

hat dieses Programm auf gelegt, das

Museen den Ankauf eines bedeutenden

Werks und die Realisierung einer Ausstellung

dazu ermöglicht. Es ist die Idealform

einer Unterstützung, die sich ein Museum

wünschen kann, und mein Dank für

dieses großartige Engagement kann kaum

euphorisch genug formuliert werden.

Ich danke der Sparda-Bank-Stiftung und

dem Vorstandsvorsitzenden der Sparda-

Bank Südwest eG, Herrn Hans-Jürgen

Lüchtenborg von ganzem Herzen, und

möchte in diesen Dank auch das Team

der Abteilung Unternehmenskommunikation,

das sich um dieses Projekt

verdient gemacht hat, ausdrücklich

einschließen.

Die zweite Staffel der museale-Reihe

endet mit dieser Ausstellung, und im

Namen aller an diesem Programm

beteiligten Institutionen kann ich nur

unser aller Wunsch und Hoffnung

Ausdruck verleihen, dass sich die

Sparda-Bank-Stiftung auch in Zukunft

für die Kultur engagiert.

Großer Dank gebührt auch Professor

Jo Enzweiler, der das museale-Programm

mit auf den Weg gebracht hat und seit

vielen Jahren organisatorisch und nicht

zuletzt auch in Form der Kataloggestaltung

betreut. Herzlich danken möchte

ich auch Melanie Dankbar, Sarah

Harrison und Melissa McRoberts von der

Galerie Hauser & Wirth, die unser Projekt

vielfältig und mit großem Engagement

unterstützt haben. Schließlich möchte

ich ganz besonders auch unserer

Sammlungskuratorin Astrid Ihle danken,

die nicht nur einen grundlegenden Text

für dieses Buch beigesteuert, sondern

auch die Redaktion übernommen hat.

Ein Vergnügen und großer persönlicher

Gewinn war die Zusammenarbeit mit

Michael Raedecker, der sich in jeder

Phase mit Ideen und Energie diesem

Projekt verschrieben hat! Für mich selbst

ist es nach mehr als sechs Jahren

Tätigkeit das letzte Projekt für das

Wilhelm-Hack-Museum, und es erfüllt

mich mit großer Dankbarkeit und Glück,

ein so wichtiges Werk in der Sammlung

dieses Museums zu wissen.

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Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Foyer

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logic, 2011

Acryl und Faden auf Leinwand

201 x 312 cm

Courtesy of the artist and Hauser & Wirth

Zürich London

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Michael Raedecker logic

Astrid Ihle

Als Quereinsteiger aus der Modebranche

begegnet Michael Raedecker der Malerei

von Anfang an mit einer Mischung aus

Hochachtung und Chuzpe. Auf die alles

entscheidende Frage, die Generationen

von Künstlern seit dem „Ausstieg aus

dem Bild“ (Laszlo Glozer) in den 1960er

Jahren umtreibt, nämlich was (und wie)

man heute noch malen kann, antwortet

Raedecker mit einer zunächst provokativ

konservativ anmutenden Rückbesinnung

auf die klassischen Genres der Malerei:

Porträt, Landschaft, Interieur und

Stillleben gehören zu seinem Bildrepertoire,

das er jedoch einer ebenso kritischforschenden

wie spielerischen Betrachtung

unterzieht, etwa wenn er einem

Ruinenbild nach einer Zeichnung von

Winston Churchill die beklemmende Aura

eines aktuellen Kriegsschauplatzes

verleiht (trip, 2006) oder ein klassisches

Blumenarrangement penetration (2005)

betitelt und damit die mit dem Genre

assoziierten sexuellen Anspielungen

ironisch überhöht (Abb. S. 14, 16). Seine

besondere Bewunderung gilt den Werken

der holländischen Maler des 17. Jahrhunderts,

die mit ihrer virtuosen Darstellung

von Stoffen, Oberflächen und Texturen

dem Genre des Stilllebens zu hohem

Ansehen verhalfen. Gleichzeitig ist sich

Raedecker bewusst, dass diese bildgewaltige

Tradition nicht nur eine Inspiration,

sondern auch eine Last sein kann; um

diese abzuschütteln, so Raedecker, „muss

ich sie ignorieren und mit ihr spielen“. 1

Sein favorisiertes Spielzeug sind Nadel

und Faden. Sie erlauben ihm, bildnerische

Konventionen neu zu denken und so in

einen vielschichtigen Dialog mit der

Malereigeschichte zu treten.

Tatsächlich ermöglicht die Technik des

Stickens Raedecker einen individuellen, ja

einzigartigen Zugang zu bildimmanenten

Fragestellungen. Seine Gemälde sind in ihrer

Ambivalenz im Spannungsfeld zwischen

Abstraktion und Figuration anzusiedeln.

Es sind meist großformatige Leinwände, die

er zunächst mit monochromen Farbflächen

überzieht, changierend zwischen opaker

Dichte und verwaschener Transluzenz. Zum

Teil bearbeitet er die Leinwand, bevor er die

Farbe aufträgt, indem er sie perforiert oder

Kunstfell in die Grundierung mischt, eine

Technik, die das für Raedeckers Arbeiten

charakteristisch verwitterte beziehungsweise

geschundene Erscheinungsbild erzeugt.

Mit Nadel und Faden bearbeitet er in einem

nächsten Schritt ausgewählte Partien seiner

Bilder. Zeichenhaft skizzierte Motive wie

Häuser, Blumen, Bettwäsche oder Landschaften

werden mittels farbiger Wollfäden

oder Garn, die er in die Leinwand stickt,

zum Leben erweckt“, aber auch malerische

Zufallsprodukte wie verlaufene

Farbtropfen oder Spritzer erhalten eine

stoffliche Entsprechung. So fügt Michael

Raedecker der gemalten Illusionsebene eine

buchstäbliche hinzu. Die Farb- und

Leuchtkraft des Textilen verleiht den oftmals

düster wirkenden Gemälden eine sinnliche

Dimension; Raedecker setzt sie gezielt ein,

um Akzente zu setzen. Gleichzeitig

behaupten die Fäden mit ihrer haptischen

Qualität und ihrem reliefhaften Charakter

eine autonome, dreidimensionale Realität

jenseits der zweidimensionalen Bildwirklichkeit,

die sie darstellen.

In Raedeckers Gemälden von Tischdecken,

Wäsche, Handtüchern und

Spitze erfährt das Aufeinandertreffen

von Malerei und Garn eine Zuspitzung.

Die textile Faser bildet nicht nur ab, sie

ist das Motiv, die Realität des Dargestellten

und die Realität des Materials überschneiden

sich. Besonders eindrucksvoll

ist dieser Effekt in einer frühen, kleinformatigen

Arbeit, the practise (1998),

zu sehen: Das Bild zeigt ein karges,

modernistisches Interieur mit einer großen

Fensterfront, vor der als einziges Wohnaccessoire

ein weißer Flokati-Teppich

liegt, der aus haptisch hervortretenden

Wollknäueln gewebt ist (Abb. S. 18).

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trip, 2006

Acryl und Faden auf Leinwand

185 x 315 cm

Courtesy The George Economou Collection

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Raedecker lässt die Darstellung des

Teppichs jedoch unvollendet; er zeigt

die Webstruktur und legt damit den

Produktionsprozess offen. Auch in seinen

jüngeren Arbeiten bleiben die verwendeten

Materialien meist in enger Beziehung

zum Dargestellten, wenn auch die

Doppelung des Textilmotivs subtiler

ausgespielt wird, wie beispielsweise in

show (2008): Die bildfüllend zum

Trocknen aufgehängten weißen Laken

und Wäschestücke korrespondieren in

ihrer Stofflichkeit mit der Realität der

Leinwand und des für die Zeichnung

verwendeten Fadens (Abb. S. 20).

Doch wie in allen Werken Raedeckers

besitzt das Garn auch hier ein von seiner

Abbildhaftigkeit losgelöstes formal -

ästhe tisches Eigenleben, das sich wie ein

Mikrokosmos über die malerische Ebene

legt, eigene Akzente setzt und somit

auch die Lesart bestimmt.

Die scheinbar unzeitgemäße Kombination

von Faden und Farben erweist

sich nicht nur als besonders geeignet,

um die Bedingungen der Malerei

und der Bildgestaltung zu befragen,

sondern stellt auch einige Grundsatzfragen

des zeitgenössischen Kunstdiskurses

zur Disposition. Nicht nur,

dass die Technik des Stickens zu einer

extremen Verlang samung des Malprozesses

führt, was in Zeiten der immer

schnelllebigeren Kunstproduktion

schon fast anachronistisch anmutet.

Indem Raedecker den spontanen

Pinselduktus mit der Präzision des

aufwändig gestickten Details ersetzt,

durchkreuzt er das weit verbreitete

Dogma des Expressiven in der Kunst.

Sein Rückgriff auf ein traditionell feminin

konnotiertes Handwerk unterläuft

zudem tradierte Klischees geschlechtsspezifischer

Ausdrucksformen und macht

so die Leinwand – die masku line Projektionsfläche

par excellence – durch lässig

für andere Themen und Diskurse. 2

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penetration, 2005

Acryl und Faden auf Leinwand

98 x 62 cm

Courtesy of the artist and Andrea Rosen Gallery, NY

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Als Vorlagen für seine Gemälde dienen

Michael Raedecker Fotos aus Zeitschriften

und Büchern, Werbung wie auch

Filmstills, nach denen er Skizzen anfertigt.

Es sind größtenteils Bilder, die auf das

kollektive kulturelle Gedächtnis seiner

Generation verweisen, die mit amerikanischen

TV- und Kinofilmen aufgewachsen

ist, und somit die Motive trotz ihrer

scheinbaren Zeitlosigkeit im Hier und

Jetzt verankern. Am deutlichsten wird

diese kulturelle Rückführung bei seinen

Architekturbildern und Interieurs, die das

Ideal der Nachkriegsmoderne beschwören.

Die Bungalows, Garagen und Vorgärten

in seinen Gemälden erscheinen allesamt

wie verblasste Erinnerungen an die

Kulisse einer amerikanischen Vorabendserie

der 1960er Jahre. „Filmisch“ sind

auch die Bildeinstellungen. Die Motive

wirken zum Teil wie en passant herangezoomt

oder verlieren sich in der Weite

der Bildfläche, verschluckt von einer

gedämpften, manchmal düsteren

Farbigkeit. „[E]in Gefühl uneingelöster

utopischer Versprechungen“ 3 liegt über

diesen stets menschen leeren Architekturen,

die als Projektionsfläche kollektiver

Wunschvorstellungen ihre besten Zeiten

hinter sich haben.

Die Darstellung der Gebäude bleibt

fragmentarisch. Oftmals sind sie nur in

ihrer Grundstruktur erfasst, wobei

einzelne Details besonders hervorgehoben

werden. Das kann im Falle

eines Garagentors auch mal durch das

Integrieren eines Stücks Furnierholz

geschehen, dessen Materialität einen

trompe-l‘oeil-Effekt simuliert (still, 1997,

Abb. S. 22). Der Einsatz von Stickerei

beschränkt sich nicht nur auf die

Herausarbeitung des Motivs, sondern

dient, wie beispielsweise in nameless

(2007), auch der Betonung von Farbtropfen,

die hier als kleine bunte Punkte

markiert ein abstrakt-dekoratives Muster

auf die graue Leinwand zaubern.

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the practise, 1998

Acryl und Faden auf Leinwand

66 x 81 cm

Collection of the artist

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In einer Arbeit wie pretend (2011)

wiederum ziehen sich Garn und Faden

rankengleich über die verwaschen

tiefgrüne Bildoberfläche und legen sich

wie eine Naturgewalt über die Architektur,

die sie zu überwuchern drohen

(Abb. S. 24, 26). Die Moderne gleicht

hier einer archäologischen Ausgrabungsstätte

in den Tiefen des Ozeans. So

findet Raedecker eindrucksvolle Bilder

für die Vergänglichkeit gesellschaftskultureller

Modelle. In manchen Gemälden

kippt die melancholische Grundstimmung

aber auch ins Surreale, wie etwa in

ins and outs (2000): Gleißendes Licht

strömt aus der Fensterfront eines

Wohnhauses und verleiht der in trübes

bläulich-graues Abendlicht getauchten

Szenerie etwas Unwirklich-Gespenstisches

(Abb. S. 28/29). Erinnerungen an

Science Fiction-Filme werden wach. Garn

wird hier nicht nur verwendet, um das

Laub der auf das Gebäude zuführenden

Bäume plastisch hervorzuheben; auch

die undefinierbare Lichtquelle besteht

aus minutiös gestickten Reihen gelber

und rosafarbener Fäden, deren Materialität

eine irisierende Helligkeit erzeugt

und gleichzeitig ihr Geheimnis unter

Verschluss hält.

Obwohl Raedecker kein Geschichtenerzähler

im üblichen Sinne ist, erzeugen

Farbe, Motivwahl und assoziative

Bildausschnitte in seinen Gemälden eine

Atmosphäre der Spannung, ja unterschwelligen

Bedrohung, die auf einer Art

Déjà-vu basiert. Das einzelne Bild

erscheint wie ein Fragment aus unserem

kollektiven (Film-)Gedächtnis, wobei

stets der Moment eingefangen ist, bevor

das Drama seinen Lauf nimmt: die

einsame Hütte im Wald (phantom,

1999), die adretten Vorgärten und

Garageneinfahrten der amerikanischen

Vorstadt (strip, 2012), die modernistischen

Villen mit ihren abgeschirmten

Patios (open, 2010) (Abb. S. 30, 32, 34).

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show, 2008

Acryl und Faden auf Leinwand

255 x 244 cm

Courtesy of the artist and Hauser & Wirth Zürich London

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In der Inszenierung Raedeckers verwandeln

sich diese vermeintlich harmlosen

Allerweltsorte in unheilvoll aufgeladene

Szenerien. Die Filme des amerikanischen

Regisseurs David Lynch, dem Meister

des suburbanen Grauens, mögen Pate

gestanden haben, gelten sie doch als

„mysteriöse Rätsel, Orte des Unauslotbaren,

wo alles möglich und nichts

wahrscheinlich ist“ 4 – eine Beschreibung,

die ohne Weiteres auch auf Raedeckers

Architekturbilder zutrifft. Doch während

Lynch bei seinem Blick hinter die propere

Fassade der amerikanischen Kleinstadt

die dunklen Abgründe menschlicher

Existenz zum Vorschein bringt, verweigert

Raedecker den Blick ins Innere.

In seiner Schrift ‚Das Unheimliche‘

bemerkte Sigmund Freud, dass das Gefühl

des Unheimlichen in der Regel nicht von

etwas Neuem oder Fremdem ausgelöst

wird, sondern „jene Art des Schreckhaften

sei, welche auf das Altbekannte,

Längstvertraute“ zurückgeht. 5 So fällt

„unheimlich“ mit seinem vermeintlichen

Gegensatz „heimlich“ zusammen, wobei

letzteres in seiner sprachlichen Ambivalenz

sowohl das Heimische, Vertraute wie

auch das Versteckte, Verborgene bezeichnet.

Ein wiederkehrendes Motiv in

Raedeckers Bilderwelt, das zum Gefühl

des Unheimlichen beiträgt, ist das

geschlossene Fenster mit der ihm eingeschriebenen

Lesart „des Versteckten,

des Verborgen gehaltenen“. 6 Obwohl die

gläsernen Fassaden der Wohnhäuser in

seinen Gemälden Transparenz und

Durchlässigkeit suggerieren, verwehren

sie konsequent den Blick in das Innere

der Gebäude. In den dunklen, abweisenden

Glaspaneelen spiegeln sich höchstens

die Baumstämme des umgebenden

Waldes (episode, 1997), während die

blinden Fenster der Wohnhäuser in inside

(2011-12) symbolisch auf das verweisen,

was sie nicht zeigen, vom Titel aber

versprochen wird (Abb. S. 36, 38).

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still, 1997

Öl, Acryl, Furnierholz und Faden auf Leinen

120 x 150,5 cm

Courtesy of the artist and Hauser & Wirth Zürich London

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Diese hermetischen Architekturen geben

ihr Geheimnis nicht preis, das voyeuristische

Verlangen des Betrachters bleibt auf

der Oberfläche zurück.

Es mag nicht verwundern, dass Raedecker

dem Motiv des Fensters besondere

Aufmerksamkeit schenkt, steht es doch in

einer langen und vielgestaltigen Bildtradition,

die seit jeher auch der Reflexion

über die Malerei selbst dient. Die enorme

Vielfalt an Fensterbildern in der Kunstgeschichte,

eingebettet in die künstlerischen

wie auch wissenschaftlichen, religiösen,

philosophischen und gesellschaftlichen

Diskurse ihrer Zeit, zeugen von einer

kontinuierlichen Auseinandersetzung mit

der Ambivalenz des Topos als einem

„Grenzort, der trotz seiner Offenheit und

Transparenz gebrochene Situationen

erzeugt, der Ein- und Ausblick, Bild und

Gegenbild in sich vereint“. 7 Das Fenster

markiert die Schwelle zwischen innen

und außen, privater und öffentlicher

Sphäre, eine Dialektik, die mit konträren

Begriffspaaren wie Nähe und Ferne,

Diesseits und Jenseits, Vertrautheit und

Fremdheit, Geborgenheit und Gefahr,

aber auch Gefangenschaft und Freiheit

(die Liste ließe sich beliebig fortsetzen)

besetzt ist und somit diese Grenzerfahrung

symbolisch auflädt. Als gläserne

Membran fungiert das Fenster zudem

als „Modell einer in zwei Richtungen

möglichen Visualität“ 8 , die schützende

wie auch exponierende Züge annehmen

kann. Das Fenster rahmt den Blick aus

der Privatsphäre nach draußen, ermöglicht

aus sicherer Warte Kontemplation

sowie zu einem gewissen Grad Teilhabe

an der Welt, während der Blick der

Öffentlichkeit nach drinnen „voyeuristische

Züge trägt und damit einer Grenzverletzung

gleichkommt“. 9

Seit der Renaissance-Gelehrte Leon

Battista Alberti 1435 in seiner Schrift

‚De Pictura‘ die Metapher der fenestra

aperta formulierte, gilt der Blick durch

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nameless, 2007

Acryl und Faden auf Leinwand

285 x 240 x 4,5 cm

THE EKARD COLLECTION

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das geöffnete Fenster auch als Synonym

für das gerahmte Tafelbild. Im Zeichen

einer modellhaften Aneignung der Welt

verknüpfte Alberti das Fenstermotiv mit

einer an die Zentralperspektive ausgerichteten

Illusionsmalerei, welche die im

Fensterausschnitt erscheinende Wirklichkeit

auf die zweidimensionale Ebene des

Bildträgers überträgt. Damit begründete

er eine Bildkonzeption, die trotz der ihr

eingeschriebenen Defizite – Statik,

Einsichtigkeit, Monofokalität – die

abendländische Malerei über Jahrhunderte

prägte und sich in der landläufigen

Vorstellung verselbstständigte, „dass

jedes gemalte Bild eigentlich ein Fenster

ist, durch welches wir ein Stück Wirklichkeit

sehen“. 10 Dass die räumliche

Tiefenwirkung des Fenstermotivs sich

dabei konträr zu der tatsächlichen

Beschaffenheit des Fensters als „Fläche

mit Rahmen und Gitter“ 11 verhält,

gehört zum Paradox des Topos. Über

seine Funktion als illusionistische

Bildschleuse hinaus sind es denn auch

formale Eigenschaften – Flächigkeit,

Rahmung und rasterartige Binnengliederung

des Fensters sowie Lichtdurchlässigkeit,

Transparenz und Spiegelungsvermögen

des Glases – die Künstler zum

Nachdenken über die Bedingungen der

Malerei animieren.

Nach den ersten eher statischen,

geometrisch basierten Raumerkun dungen

der fenestra aperta erscheint

das Fenster in den niederländischen

Interieurs des 17. Jahrhunderts nicht mehr

als zentraler Blickfang, sondern wird Teil

der Wohnlandschaft. Mal geöffnet, dann

wieder geschlossen,

dient es als indirekte Lichtquelle, welche

die kunstvoll zur Schau gestellten

Besitztümer des Bürgertums geheimnisvoll

erstrahlen lässt, und wiederum selbst

in Spiegeln, Gläsern, Kannen und Augen

reflektiert wird. Darstellungen von bei

Fensterlicht schreibenden, lesenden

25

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pretend, 2011

Acryl und Faden auf Leinwand

226 x 200 cm

Courtesy of the artist and Hauser & Wirth Zürich London

26

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 26 12.11.13 09:22


pretend, 2011 (Detail)

oder anderweitig arbeitenden Personen

bei Dirk Bouts und später bei Pieter de

Hooch und Jan Vermeer formulieren das

Verhältnis zwischen Innenleben und

Außenwelt, Individuum und Gesellschaft

und inszenieren so die Privatsphäre als

Basis der bürgerlichen Zivilgesellschaft.

Mit den sehnsuchtsvoll aufgeladenen

Ausblicken auf Natur- und Stadtlandschaften

in der Romantik erreicht diese

Dialektik einen Höhepunkt. Ein Paradebeispiel

ist Caspar David Friedrichs

Gemälde Frau am Fenster von 1822, das

seine Frau Caroline in Rückenansicht am

Fenster seines Ateliers in Dresden mit

Blick auf die Elbe zeigt. Unterstützt von

einer effektvoll eingesetzten Lichtdramaturgie

wird das Fenster hier zu einer

Metapher für den Wunsch des Individuums,

sich aus der häuslichen Enge, der

irdischen Befangenheit zu befreien und

ins Unendliche vorzustoßen. Gleichzeitig

entstand mit den Fensterbildern von

Georg Friedrich Kersting, Wilhelm Bendz

oder Adolf Menzel ein dramaturgisch heruntergefahrenes

Genre, das alltägliches

Leben in lichtdurchfluteten Räumlichkeiten

zeigte, oft belebt mit den Künstlern

nahestehenden Personen. Das trennende

Prinzip der romantischen Fensterschau

weicht im Laufe des 19. Jahrhunderts

zunehmend einer Konzentration auf die

entgrenzenden Möglichkeiten des Motivs.

Die Ineins setzung von Innen- und

Außenraum wird zum bestimmenden

Element beim Übergang zu einer stärker

die Fläche betonenden Malerei, die sich

im farb lichen Kontinuum der spätimpressionistischen

Interieurmalerei ankündigt

und in den Fensteraussichten der

Fauvisten um Henri Matisse, die den

perspektivischen Illusionsraum zugunsten

einer Anordnung von Farbflächen

verlassen, exemplarisch abbildet.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts

schließlich kündigt sich der „Abschied

vom Ausblick“ 12 an.

27

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ins and outs, 2000

Acryl und Faden auf Leinwand

198 x 330 cm

G. Steinmeijer

28

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4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 29 12.11.13 09:22

29


phantom, 1999

Acryl und Faden auf Leinwand

122 x 147 cm

Privatsammlung

30

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 30 12.11.13 09:22


Das Fenster wird immer häufiger isoliert

gezeigt, ohne Bindung an ein Interieur,

ohne Ausblick auf eine Landschaft oder

sehnsüchtig in die Ferne schauende

Rückenfigur. Es verschließt sich, verweigert

den Blick nach außen, um sich einer

bildimmanenten Wirklichkeit zu öffnen.

Die Künstler der Moderne erproben in

ihren Fensterbildern eine Malerei, die

befreit aus ihrer Abbildhaftigkeit, die

Zweidimensionalität des Bildträgers

betont und sich einzig auf die gestalterischen

Möglichkeiten von Farbe, Linie und

Form konzentriert. Die auf ein Rechteck

reduzierte Form des gerahmten Fensters

und seine Analogie mit dem Raster liefern

letztendlich grundsätzliche Impulse auf

dem Weg zur geometrischen Abstraktion.

So zeugen Fensterbilder bis heute von

einer intensiven Beschäftigung „mit

bildinternen Fragestellungen, die den

Bereich zwischen gegenständlicher und

abstrakter Malerei, zwischen Bildraum

und Fläche, Ausschnitt und Ganzheit,

Öffnung und Verschließen, Bild und

Objekt“ 13 ausloten.

Raedecker ist sich dieser motivgeschichtlichen

Tradition bewusst. Er spielt mit

den vielfältigen thematischen und

sinnbildlichen Konnotationen wie auch

formalen Aspekten des Fensters,

verdreht oder unterläuft ihre Bedeutungen

beziehungsweise setzt sie in neue

Zusammenhänge, etwa wenn er eine

Fassade mit zwei identischen Fensterpaaren

in eine quasi abstrakt-geometrische

Komposition übersetzt, dieser aber

durch das Einfügen einer gestickten

Pflanzenranke wieder einen naturalistischen

Touch verleiht (outtake, 1999,

Abb. S. 39). Auch Raedeckers Interieurs

– puristisch reduzierte, scheinbar

unbewohnte Räume, die in ihrer Anonymität

und Austauschbarkeit an Modellwohnungen

oder verlassene Filmsets

erinnern – deklinieren das Motiv des

Fensters in vielerlei Facetten.

31

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 31 12.11.13 09:22


strip, 2012

Acryl und Faden auf Leinwand

191 x 179,5 cm

Courtesy of the artist and Hauser & Wirth Zürich London

32

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 32 12.11.13 09:23


Anders als in seinen Architekturansichten

präsentiert es sich hier zum Teil als

gläserne Wand, welche den Raum nach

außen öffnet. So führt die streng perspektivisch

ausgerichtete Bildkomposition in

the practise frontal auf eine zweigeteilte

Glasfassade zu, die den Blick auf eine aus

zarten Fäden modellierte Hügellandschaft

frei gibt. Durch die subtile Staffelung der

Bildebenen entsteht eine illusionistische

Tiefenwirkung. Raedecker zitiert hier die

jahrhundertealte Metapher vom Fenster

als Bild und führt sie gleichzeitig ad

absurdum. Im Gegensatz zur Raum

vertiefenden Wirkung des Fenstermotivs

behaupten die Fäden eine in den Betrachterraum

greifende Plastizität, die wiederum

eine kulissenhafte Künstlichkeit

erzeugt. Das Bühnenhafte der Situation

wird durch einen roten Vorhang unterstrichen,

der den Ausblick theatralisch

strukturiert. Der vermeintliche Gegensatz

zwischen Interieur (Künstlichkeit) und

Landschaft (Natur) scheint aufgehoben.

In der Arbeit reverb (1998) ist die

räumliche Situation um das Motiv der

Spiegelung ergänzt: Als stünde das

Zimmer unter Wasser, werden Wände,

Fenster und Vorhang – gleich der

Gesetzmäßigkeit des Halls (engl. reverb),

dessen Reflexionsgrad (unter anderem)

von der Oberflächenbeschaffenheit des

jeweiligen Materials abhängig ist – in der

Horizontalen reflektiert (Abb. S. 40).

In radiate (2000) referiert Raedecker die

Metapher der fenestra aperta mit einem

Bildaufbau, der, dem Prinzip des Guckkastens

entsprechend, den Blick des

Betrachters zielgerichtet auf die Bildbühne

und deren Tiefe lenkt. Die Vorstellung

eines sich „dahinter“ befindlichen Bildraumes

wird jedoch von der Oberfläche

einer weißen, opaken Farbschicht zunichte

gemacht. Die Malerei schafft die Illusion

durch die semantische Verwendung der

Farbe und dekonstruiert sie gleichzeitig

durch ihre Materialität (Abb. S. 41).

33

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 33 12.11.13 09:23


open, 2010

Acryl und Faden auf Leinwand

210 x 190 cm

Privatsammlung

34

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Die Blockade des Blicks ist auch zentrales

Bildthema in dem großformatigen

Gemälde logic (2011) (Abb. S. 10/11),

in dem Raedeckers Beschäftigung mit

dem Thema eine paradigmatische

Formulierung findet. Es zeigt ein einfaches,

dreiteiliges Fenster mit Stoffvorhängen;

in seiner Anonymität und

Austauschbarkeit wirkt es zeitlos, fast

archetypisch. Auf weißgrauem Malgrund

definieren feine, zeichenhaft gesetzte,

grafisch anmutende Linien das Motiv,

das fast die gesamte Bildfläche einnimmt,

ohne einen Einblick ins Innere zu

gewähren. Wie so oft verkehrt Raedecker

das illusionistische Versprechen der

fenestra aperta in sein Gegenteil und

konfrontiert den Betrachter stattdessen

mit der undurchdringlichen Materialhaftigkeit

der gemalten und gestickten

Leinwand. Unter der dünn aufgetragenen,

wie transparent wirkenden Farbschicht

schimmert an manchen Stellen

die Zeichnung durch, während andere

Partien des Gemäldes plastisch hervortreten.

Zarte weiße und schwarze Fäden

ziehen sich über die Bildoberfläche,

gestickte Linien legen sich über gezeichnete,

verdichten sich zu weißen Leerstellen,

deuten Konturen an, werden eins

mit dem Vorhangstoff. Bildwirklichkeit

und Wirklichkeit überlappen und

verbinden sich. Versteht man unter Logik

„die einen Gegenstandsbereich oder eine

wiss. Disziplin beherrschenden Gesetzmäßigkeiten

und Regeln“, so stellt

Michael Raedecker diese in der Malerei

schlicht auf den Kopf. 14

Die Arbeit logic ergänzt die Sammlung

des Wilhelm-Hack-Museums um eine

herausragende zeitgenössische Position,

die aufgrund ihrer inhaltlichen wie

formalen Vielschichtigkeit zahlreiche

Blickachsen in die Sammlung eröffnet.

Zum einen knüpft sie motivgeschichtlich

an die Fensterbilder der Moderne an, die

mit exemplarischen Arbeiten von Karl

Schmidt-Rottluff und Max Beckmann

vertreten sind. Zum anderen tritt das

Gemälde in einen spannenden Dialog mit

abstrakten und minimalistischen Tendenzen

der Nachkriegsmalerei, wie sie sich

etwa in den plastischen Farbräumen eines

Gotthard Graubner oder Frank Badur

abbilden oder in den informellen

Strömungen der europäischen Avantgarde

mit ihren zum Teil versehrten

Leinwänden, in die oftmals kunstfremde

Materialien wie Sand oder Asche

eingearbeitet sind – man denke da an

die Werke von Antoni Tápies oder

Manolo Millares. Die Integration alltäglicher,

vermeintlich „niederer“ Werkstoffe

schließlich schlägt einen Bogen zu

pro zessualen und realitätsbezogenen

Aspekten in der Kunst nach 1960, die in

den Arbeiten der Nouveaux Réalistes

(Arman, Jacques de Villeglé) beispielhaft

zum Ausdruck kommen.

35

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 35 12.11.13 09:23


episode, 1997

Acryl, Öl und Faden auf Leinwand

122,1 x 163 cm

Defares Collection

36

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Anmerkungen

1 „Um die historische Last der Malerei abzuschütteln,

muss ich sie ignorieren und mit ihr spielen.“

„Michael Raedecker im Gespräch mit Hildegund

Amanshauser“, in: Salzburger Kunstverein (Hg.),

Michael Raedecker. Forevernevermore, Ausst.-Kat.,

Salzburger Kunstverein, Salzburg, 2004, S. 5

2 Das Arbeiten mit Wolle und Faden hat seit der

Moderne durchaus Tradition, man denke an das

Web- und Textildesign am Bauhaus oder die

multimediale Auseinandersetzung der Fibre Art in

den 1960er und 1970er Jahren. Während diese

Praktiken als Kunsthandwerk oder zum Teil auch

abfällig als „Frauenkunst“ betitelt aus dem

kunsthistorischen Kanon weitestgehend

ausgeklammert wurden, gelang es Künstlern wie

Robert Morris, Sigmar Polke oder Rosemarie

Trockel das Textile als Material, Technik oder Idee

im Rahmen zeitgenössischer Kunstproduktion zu

reflektieren und in den Avantgardekontext zu

überführen.

3 Michael Raedecker, Galerie Max Hetzler, Berlin,

11.06.-17.07.2010, Pressemitteilung

4 Gerald Sturz, in: Tempo, September 1990, hier

zitiert nach: http://www.davidlynch.de/

Tempoarticle.html

5 Sigmund Freund, „Das Unheimliche“, in: Imago.

Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf

die Geisteswissenschaften V, 1919, S. 297-324,

hier zitiert nach: Project Gutenberg EBooks,

http://www.gutenberg.org/files/34222/34222-

h/34222-h.htm

6 Ebd.

7Stefan Rasche, Das Bild an der Schwelle.

Motivische Studien zum Fenster in der Kunst nach

1945, Theorie der Gegenwartskunst, Band 15,

Lit Verlag, Münster, Hamburg, London, 2003, S. 33

8 Anne Friedberg, „Gerahmte Visualität. Das virtuelle

Fenster“, in: Der Sinn der Sinne, Kunst- und

Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

in Bonn (Hg.), Göttingen, 1998, S. 433-457,

hier S. 436

9 Rasche 2003 (wie Anm. 7), S. 31

10 Joseph Adolf Schmoll gen. Eisenwerth,

„Fensterbilder“, in: Einblicke – Ausblicke.

Fensterbilder von der Romantik bis heute,

Ausst.-Kat., Kunsthalle Recklinghausen, 1976,

S. 5

11 Ebd.

12 Marion Ackermann, „Vorwort”, in: Fresh

Widow. Fenster-Bilder seit Matisse und

Duchamp, Ausst.-Kat., Kunstsammlung

Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, S. 11

13 Maria Müller-Schareck, „Fresh Widow.

Die Idee des Fensters als ‚Ausgangspunkt‘“,

in: ebd., S. 31

14 Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig

Bänden, Neunzehnte, völlig neu bearbeitete

Auflage, Dreizehnter Band, Lah - Maf, F.A.

Brockhaus, Mannheim, 1990, S. 486

37

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inside, 2011-2012

Acryl und Faden auf Leinwand

226 x 330 cm

Courtesy of the artist and Hauser & Wirth Zürich London

38

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 38 12.11.13 09:23


outtake, 1998

Acryl und Faden auf Leinwand

132 x 188 cm

Karen and Courtney Lord, Aspen, Colorado, USA

39

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 39 12.11.13 09:23


everb, 1998

Acryl und Faden auf Leinwand

61 x 81 cm

Privatsammlung, London

40

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 40 12.11.13 09:23


adiate, 1998

Acryl und Faden auf Leinwand

178,5 x 127,5 cm

Privatsammlung

41

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 41 12.11.13 09:23


Biografie und Ausstellungen

1963

Geboren in Amsterdam, NL

1996-1997

MA Fine Art, Goldsmiths College,

London, GB

1993-1994

Rijksakademie van Beeldende Kunsten,

Amsterdam, NL

1985-1990

BA Fashion Design, Gerrit Rietveld

Academie, Amsterdam, NL

Lebt und arbeitet in London, GB

Einzelausstellungen

2014

tour MICHAEL RAEDECKER, Sprengel

Museum, Hannover

2013

tour MICHAEL RAEDECKER, Wilhelm-

Hack-Museum, Ludwigshafen

tour, Andrea Rosen Gallery, New York

NY, US

2012

volume, Hauser & Wirth London,

London, GB

2010

Michael Raedecker, Galerie Max Hetzler,

Berlin

line-up, Carré d‘Art – Musée d‘Art

Contemporain de Nîmes, Nîmes, FR

2009

line-up, Camden Arts Center,

London, GB

Gemeentemuseum Den Haag, NL

fix, Andrea Rosen Gallery, New York

NY, US

2007

Michael Raedecker, Hauser & Wirth

London, London, GB

2006

up, Andrea Rosen Gallery, New York

NY, US

2005

show, The Douglas Hyde Gallery,

Dublin, IE

show, Hauser & Wirth Zürich, Zürich, CH

2004

forevernevermore, Salzburger

Kunstverein, Salzburg, AT

Michael Raedecker: SubUrban, Knoxville

Museum of Art, Knoxville TN, US

2003

that‘s the way it is, Andrea Rosen Gallery,

New York NY, US

instinction, Museum für Gegenwartskunst,

Basel, CH

2002

sensoria, The Approach, London, GB

instinction, Centro Nazionale per le Arti

Contemporanee, Rom, IT

2001

instinctive travels, Andrea Rosen Gallery,

New York NY, US

2000

ins and outs, The Approach, London, GB

tronies, One in The Other, London, GB

1999

extract, Van Abbemuseum, Eindhoven, NL

outtakes, Galerie Michael Janssen, Köln

1998

New Paintings, The Approach, London, GB

1997

cover, Stedelijk Museum Bureau,

Amsterdam, NL

solo, Galerie Nouvelles Images,

Den Haag, NL

42

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 42 12.11.13 09:23


Gruppenaustellungen

2013

Cobra to Dumas. Collection De Heus-

Zomer, Singer Museum, Laren, NL

Still Life from 17th and 21st Century,

Buitenplaats Beeckestijn, Velsen-Zuid,

NL

Rijksakademie in Collectie,

Mondriaantoren, Amsterdam, NL

2012

Pencil and Paper, Poppy Sebire, London,

GB

Through an Open Window:

Contemporary Art from the Rabo Art

Collection, Institut Néerlandais, Paris, FR

2011

Façade: Through a Glass Darkly, National

Glass Centre, Sunderland, GB

2010

Art. Curated by Michael Craig-Martin,

Galerie Haas & Fuchs, Berlin

Changing Times – New Worlds,

Gemeentemuseum Den Haag, Den Haag,

NL

2009

A New Romance, The Ada Street Gallery,

London, GB

State of Mind, Pinacoteca Giovanni e

Marella Agnelli, Turin, IT

The Other Shore: Contemporary Art from

The Netherlands, Temporary Space,

London, GB

2008

Faces, Eleni Koroneou Gallery,

Athen, GR

Paintings: 1936 – 2008, The Approach,

London, GB

Always There. Part 2, Galerie Max

Hetzler, Berlin

Expenditure, Busan Biennale,

Busan, KR

2007

Artists donate graphics portfolio to

support the Stedelijk, Stedelijk Museum,

Amsterdam, NL

Very Abstract and Hyper Figurative,

Thomas Dane Gallery, London, GB

Painting Now! Back to Figuration,

Kunsthal Rotterdam, Rotterdam, NL

Imagination Becomes Reality: An

Exhibition on the Expanded Concept of

Painting. Works from the Goetz

Collection, ZKM | Museum für Neue

Kunst, Karlsruhe

Effigies, Stuart Shave Modern Art,

London, GB

Old School, Hauser & Wirth London,

London, GB

2006

The Sublime is Now! Das Erhabene in der

zeitgenössischen Kunst, Museum Franz

Gertsch, Burgdorf, CH

Imagination wird Wirklichkeit. Teil III,

Sammlung Goetz, München

The Triumph of Painting. Part Three,

Saatchi Gallery, London, GB

Le Nouveau Siècle, Museum Van Loon,

Amsterdam, NL

The Trace of a Trace of a Trace, Perry

Rubenstein Gallery, New York NY, US

2005

Imagination wird Wirklichkeit. Teil II,

Sammlung Goetz, München

Landscape Confection, Wexner Center

for the Arts, Columbus OH, US;

Contemporary Arts Museum, Houston

TX, US; Orange County Museum of Art,

Newport Beach CA, US

The Triumph of Painting. Part Two,

Saatchi Gallery, London, GB

Hanging by a Thread, The Moore Space,

Miami FL, US

SLOW ART, Museum Kunst Palast,

Düsseldorf

The Sacrifice – An intimate I, De Beyerd,

Breda, NL

2004

The Dutch Show. Contemporary Dutch

Artists in Greece, The Netherlands

Institute in Athens, Athen, GR

Huts, The Douglas Hyde Gallery,

Dublin, IE

About Painting, The Tang Teaching

Museum and Art Gallery at Skidmore

College, New York NY, US

Edge of the Real – A Painting Show,

Whitechapel Art Gallery, London,

GB

Nederland Niet Nederland, Van

Abbemuseum, Eindhoven, NL

On Emotion and Reason, Biennale of

Sydney, Sydney, AU

Other Times – Contemporary British Art,

City Gallery, Prag, CZ

2003

Dirty Pictures, The Approach, London,

GB

Painting Pictures. Painting and Media in

the Digital Age, Kunstmuseum

Wolfsburg, Wolfsburg

Rijksakademie Show, Victoria Miro

Gallery, London, GB

There‘s no land but the land (up there is

just a sea of possibilities), Meyer Riegger

Galerie, Karlsruhe

Le collezioni: acquisizioni per MAXXI

Arte, Museo nazionale delle arti del XXI

secolo, Rom, IT

2002

The Galleries Show, The Royal Academy,

London, GB

Sidewinder, Centre of International

Modern Art, Kalkutta, IN; India Habitat

Centre, New Delhi, IN; Coomaraswamy

Hall, Prince of Wales Museum of Western

India, Mumbai, IN

Painting as a Foreign Language, Edificio

Cultura Inglesa / Centro Brasileiro

Britânico, São Paolo, BR

Landscape, Galleria Nazionale d‘Arte

Moderna, Rom, IT

43

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 43 12.11.13 09:23


2001

EU, Stephen Friedman Gallery, London, GB

Post Nature: Nine Dutch Artists, La

Biennale di Venezia, Venedig, IT

Painting at the Edge of the World, Walker

Art Center, Minneapolis MN, US

Vantage Point, Irish Museum of Modern

Art, Dublin, IE

far from us, Annet Gelink Galerie,

Amsterdam, NL

2000

Turner Prize, Tate Britain, London, GB

Twisted: Urban and Visionary Landscapes

in Contemporary Painting, Van

Abbemuseum, Eindhoven, NL

The British Art Show 2000 (Ausstellungen

in Edinburgh, Cardiff, Southampton,

Birmingham, GB)

Landscape, ACC Galerie, Weimar; Museum

of Modern Art, Rio de Janeiro, BR; Museo

de Arte de São Paulo, São Paulo, BR

Peter Doig – Michael Raedecker, Galleria

Raucci / Santamaria, Neapel, IT

From a Distance: Landscape in

Contemporary Art, Institute of

Contemporary Art, Boston MA, US

1999

John Moores Painting Prize, Walker Art

Gallery, Liverpool, GB

The Passion and the Wave, Istanbul

Biennale, Istanbul, TR

Trouble Spot: Painting, NICC – New

International Cultural Center / MUHKA -

Museum van Hedendaagse Kunst,

Antwerpen, BE

Examining Pictures, Whitechapel Art

Gallery, London, GB; Museum of

Contemporary Art, Chicago IL, US;

Armand Hammer Museum, Los Angeles

CA, US

Groupshow, Galerie Barbara Thumm,

Berlin

New Neurotic Realism, The Saatchi Gallery,

London, GB

Mountain and Valley, Cubitt, London, GB

Ways of Living, RMLT Project Space,

Carlton, AU

A Pallid House, Gallery W139, Amsterdam,

NL

Graceland‘s Palace, Sungkok Art Museum,

Seoul, KR

1998

Cluster Bomb, Morrison & Judd, London,

GB

Beige & Sneakers, Büro Friedrich, Berlin

Die Young, Stay Pretty, Institute of

Contemporary Art, London, GB

Home and Away, Gavin Brown‘s Enterprise,

New York NY, US

Loose Threads, Serpentine Gallery, London,

GB

Sunshine Breakfast: John Chilver, Paul

Morrison, Michael Raedecker and David

Thorpe, Galerie Michael Janssen, Köln

Graceland‘s Palace, Le‘Omanut – Museum

of Art, Ein Harod, IL

1997

In de sloot…Uit de sloot, Stedelijk

Museum, Amsterdam, NL

World of Painting, Unit, London, GB

Graceland‘s Palace, Galerie Fruchtig,

Frankfurt

1996

Transparencies, Galerie Nouvelles Images,

Den Haag, NL

9 Painters, De Begane Grond, Utrecht, NL

1994

Puber Alles, Stedelijk Museum,

Amsterdam, NL

Prix de Rome 1994, Arti et Amicitiae,

Amsterdam, NL

Germinations 8: Young European Artists,

Academie St. Joost, Breda, NL

Vom Künstler kuratierte Ausstellungen

2006

flutter, The Approach, London, GB

44

4228_inhalt_museale_13-korr_cs4.indd 44 12.11.13 09:23


Publikationen

2013

Holzwarth, Hans Werner (Hg.): Art Now

Vol 4, Köln: Taschen, 2013

Unterdörfer, Michaela (Hg.): Hauser &

Wirth. 20 Years, Ostfildern: Hatje Cantz,

2013

2009

Hodsdon, Maxine/Watson, Anne-Marie

(Hg.): Michael Raedecker. line-up,

Ausst.-Kat., London: Camden Arts

Centre, 2009

Bonham-Carter, Charlotte/Hodge, David:

The Contemporary Art Book, London:

Goodman, 2009

Welzel, Mark (Hg.): 200 Artworks

25 Years Artists‘ Editions for Parkett,

Zürich: Parkett Publishers, 2009

2007

Kunsthalle Rotterdam (Hg.): Leve de

Schilderkunst! Terug naar de figuur,

Ausst.-Kat., Rotterdam: Veenman

Publishers, 2007

2005

Saatchi Gallery (Hg.): The Triumph of

Painting, Ausst.-Kat., London: Jonathan

Cape, 2005

Hauser & Wirth Zürich (Hg.): Michael

Raedecker. Show, Ausst.-Kat., Zürich:

Scalo, 2005

Molesworth, Helen: Landscape Confection,

Ausst.-Kat., Columbus: Wexner

Center for the Arts, 2005

The Douglas Hyde Gallery (Hg.): Huts,

Dublin: The Douglas Hyde Gallery, 2005

2004

Salzburger Kunstverein (Hg.): Michael

Raedecker. Forevernevermore, Ausst.-

Kat., Salzburg: Salzburger Kunstverein,

2004

Carlos, Isabel (Hg.): Biennale of Sydney

2004. On Reason and Emotion,

Ausst.-Kat., Sidney: Biennale of Sydney,

2004

2003

Kunstmuseum Wolfsburg (Hg.): Painting

Pictures: Painting and Media in the Digital

Age, Ausst.-Kat., Wolfsburg: Kunstmuseum

Wolfsburg, 2003

2002

Museum für Gegenwartskunst, Basel/

Centro nazionale per le arti contemporanee,

Rom (Hg.): Michael Raedecker -

Instinction, Ausst.-Kat., Basel/Rom,

2002

Breuvart, Valérie (Hg.): Vitamin P. New

Perspectives in Painting, London: Phaidon

Press Limited, 2002

2001

Fogle, Douglas (Hg.): Painting at the Edge

of World, Ausst.-Kat., Minneapolis:

Walker Art Center Publication/Ostfildern:

Hatje Cantz, 2001

Irish Museum of Modern Art (Hg.):

Vantage Point, Ausst.-Kat., Dublin: Irish

Museum of Modern Art Publication,

2001

Guldemond, Jaap/Bloemheuvel,

Marente (Hg.): Post-Nature: Nine Dutch

Artists (Biennale di Venezia 2001),

Ausst.-Kat., Eindhoven: Stedelijk Van

Abbemuseum Publication, 2001

Saatchi Gallery (Hg.): New Labour,

London: Saatchi Gallery Publication,

2001

2000

Stedelijk Van Abbemuseum (Hg.):

Twisted: Urban and Visionary Landscapes

in Contemporary Painting, Ausst.-Kat.,

Eindhoven: Stedelijk Van Abbemuseum

Publication, 2000

Buck, Louisa (Hg.): Moving Targets 2.

A User‘s Guide to British Art Now,

London: Tate Publishing, 2000

Hayward Gallery (Hg.): The British Art

Show 5, Ausst.-Kat., London: Hayward

Gallery Publishing, The South Bank

Centre, 2000

1999

Gallagher, Ann (Hg.): Landscape,

Ausst.-Kat., London: The British Council

Publication, 1999

Die Young, Stay Pretty, Ausst.-Kat.,

Washington: ICA Publications, 1999

Bonami, Francesco/Nesbitt, Judith (Hg.):

Examining Pictures, Ausst.-Kat., London:

The Whitechapel Gallery Publication/

Chicago: Museum of Contemporary Art

Publication, 1999

Tordoir, Narcisse/Tuymans, Luc u.a.:

Trouble Spot. Painting, Ausst.-Kat.,

Antwerpen: NICC/MUHKA, 1999

6th International Istanbul Biennial,

Ausst.-Kat., Istanbul: Istanbul Foundation

for Culture and Arts, 1999

Walker Art Gallery (Hg.): John Moores

21, Ausst.-Kat., Liverpool: National

Museums & Galleries of Merseyside

Publications, 1999

Stedelijk Van Abbemuseum (Hg.):

Michael Raedecker, Extract, Ausst.-Kat.,

Eindhoven: Stedelijk Van Abbemuseum

Publication, 1999

Price, Dick: The New Neurotic Realism,

Ausst.-Kat., London: The Saatchi Gallery

Publications, 1998

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Kunstvermittlung im WHM

Regina Pfiester

…einen offenen Raum für Phantasie

und Sinnlichkeit, für Neugier und

Experimentierfreude bietet das Wilhelm-

Hack- Museum (WHM) mit seiner

exzellenten Sammlung moderner und

mittelalterlicher Kunst sowie seinen

facettenreichen Sonderausstellungen,

in denen auch regelmäßig Positionen

zeitgenössischer Kunst gezeigt und

thematische Ausstellungen realisiert

werden. Da eine tragende Säule des

WHMs sein Bildungs- und Vermittlungsprogramm

ist, werden mit zahlreichen

Angeboten Kindern, Jugendlichen und

Erwachsenen Zugänge zur Kunst eröffnet

und Wege der kreativen Auseinandersetzung

mit der eigenen Umwelt

ermöglicht.

Die Kunst wird als Impulsgeber genutzt,

um eigenes kreatives Potential zu

entdecken, Ideen zu entwickeln und

umzusetzen. Dabei werden junge und

ältere Teilnehmer aktiv in Gestaltungsprozesse

eingebunden. Kunstvermittlung

am WHM umfasst nicht nur klassische

Führungen, sondern ein breites

museums pädagogisches Programm

sowie groß angelegte soziokulturelle

Projekte, die in Kooperation mit zahlreichen

und unterschiedlichen Ludwigshafener

Institutionen in und um das

Wilhelm-Hack-Museum stattfinden.

Das Kunst vermittlungsprogramm wird

maßgeblich vom Förderverein des

Museums unterstützt.

Im Fokus der Arbeit stehen altersgerechte

und zielgruppenspezifische Konzeptionen,

die sowohl einen aktiven Austausch

mit der Kunst als auch unter den Teil -

nehmerInnen ermöglichen. Darunter

fallen bewährte und beliebte Formate für

Kinder, wie z.B. der Kurs Klecksstrolche

für die ganz Kleinen ab vier Jahren oder

Eltern-Kind-Angebote, wie das Offene

Atelier und die Familientage.

Auch Erwachsene können aus einem

vielfältigen Angebot, von Kreativkursen

(Art after Work/Do it yourself), Sonderführungen,

Angeboten für Singles (Single

Night), aber auch Fortbildungen für

ErzieherInnen und LehrerInnen (Teacher’s

Night) wählen.

Durch die enge Kooperation mit Kindergärten,

Schulen, Hochschulen, Jugendeinrichtungen,

Kunsteinrichtungen und

museumspädagogischen Verbänden

fördern wir maßgeblich die kulturelle

Bildung in unserer Region sowie den

überregionalen Austausch.

Zum festen Repertoire des Vermittlungsprogramms

gehört mittlerweile das

Projekt des hackerklubs, der Jugend-

Medien-Klub des WHMs, der in Kooperation

mit dem Offenen Kanal Ludwigshafen

(OK-TV) seit dem Jahr 2009

Jugendlichen ab 13 Jahren eine Plattform

für das Ausprobieren von Videotechniken

und Neuen Medien bietet und darüber

spannende Einblicke in die Welt der

Kunst und Künstler ermöglicht.

Seit 2010 wird sehr erfolgreich das

Format der Sprachkunstwerkstatt

ausgeführt, das über Kunst spielerische

Kommunikationsmöglichkeiten schafft,

sodass das Sprachvermögen kreativ

erprobt und erweitert werden kann.

Wöchentlich wird jeweils eine Grundschulklasse

über ein Schuljahr lang im

WHM betreut.

Als Projektpartner des Museumsverbandes

und der Diakonie Rheinland-Pfalz

setzt sich das WHM seit 2012 für den

Ansatz des Keyworkings ein. Hierbei

werden mit Interessierten neue Formen

des freiwilligen Engagements für Museen

entwickelt. Im Jahr 2013 wurden hierzu

16 KeyworkerInnen in Kooperation mit dem

Stadtmuseum Ludwigshafen ausgebildet.

Vertiefend fand dazu im Herbst eine

Fachtagung des Bundes verbands Museumspädagogik

im WHM statt.

Seit 2012 laufen viele der bereits genannten

Ansätze und Zielsetzungen im

großangelegten Kunst- und Außenraumprojekt

des Wilhelm-Hack-Museums,

dem hack-museumsgARTen zusammen.

Alle Bürgerinnen und Bürger können sich

an diesem mobilen Garten-Projekt auf

dem Hans-Klüber-Platz hinter dem

Museum beteiligen: Jede/r darf mitgärtnern.

Pflanzkisten, Erde und Wasser

werden vom Museum bereitgestellt.

Auf dieser ca. 1000 qm großen Plattform

des Museums beteiligen sich mittlerweile

etwa 200 Personen und Initiativen.

Darüber hinaus finden zahlreiche

Veranstaltungen wie Konzerte, Führungen,

Workshops auf Eigeninitiative der

GärtnerInnen oder in Kooperation mit

dem Ludwigshafener Kultursommer

statt. Der Garten ist zum Begegnungsort

verschiedener Kulturen und Spiegel

des multikulturellen und generationenübergreifenden

Miteinanders in der

Stadt geworden und hat das Spektrum

der Kunstvermittlungsarbeit des WHMs

enorm erweitert und bereichert.

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Museumskontakte

Wilhelm-Hack-Museum

Berliner Straße 23

67059 Ludwigshafen am Rhein

Telefon: +49 (0) 621/504 30 45/34 11

Telefax: +49 (0) 621/504 37 80

www.wilhelmhack.museum

hackmuseum@ludwigshafen.de

Öffnungszeiten:

Di, Mi, Fr 11.00-18.00 Uhr

Do 11.00-20.00 Uhr

Sa, So 10.00-18.00 Uhr

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Impressum

Herausgeber:

Jo Enzweiler

Redaktion:

Astrid Ihle

Lektorat:

Cathrin Langanke

Für alle Abbildungen gilt:

© Michael Raedecker

Fotonachweis:

Joachim Werkmeister: S. 6

Regina Pfiester: S. 9

FXP Photography: S. 10/11, 16, 20, 26, 27, 34

Peter Cox: S. 18, 28/29, 30, 40

Barbara Gerny: S. 22

Mike Bruce: S. 24

Alex Delfanne: S. 32, 38

Christopher Burke: S. 39

FXP Photography/Peter Cox: S. 41

Marco Bakker: S. 42

Auflage:

1.000

Druck:

Krüger Druck+Verlag GmbH & Co. KG,

Dillingen, Merzig

Verlag:

St. Johann GmbH, Saarbrücken

ISBN:

3-938070-87-0

Saarbrücken 2013

Verlag St. Johann

Beethovenstraße 31

66111 Saarbrücken

Fon: (0681) 33473

Fax: (0681) 30547

galerie@galerie-st-johann.de

www.galerie-st-johann.de

Unterstützt von der Stiftung Kunst, Kultur

und Soziales der Sparda-Bank Südwest eG

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