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Dr. Benno Schulz

Polizei

Blick auf Hidukusch bei Istalif

KT-AUFBAU

in Kabul

Im Frühsommer 2006 hatte ich zum zweiten Mal Gelegenheit, Brandenburger

Erfahrungen in den Neuaufbau einer Kriminaltechnik in Kabul, ein deutsch- französisches

Projekt des durch Deutschland organisierten Neuaufbaus der afghanischen

Polizei, einzubringen.

Flug in einer Transall

Auf eine bundesweite Ausschreibung

des BMI vom Januar für zwei große

Arbeitsbereiche der forensischen Chemie

hatte ich mich als einziger Bewerber

gemeldet und zwangsläufig den Zuschlag

bekommen. Nicht unbedingt wegen der

Tatsache, dass kein Besserer da war, sondern

vor allem auch aufgrund der bereits

im Sommer 2003 gesammelten Erfahrungen,

als ich mit zwei weiteren Kollegen

unserer Kriminaltechnik (Dieter Peters

und Wolfgang Oesterreich) sowie Herrn

Siegfried Schulz von der FHPol grundlegende

Weichen für diese Neugestaltung

legen konnte.

In diesem Jahr bestand mein Auftrag darin,

im kriminaltechnischen Labor beim

Landeskriminalamt Kabul ein Infrarot-

(FTIR)-Spektralfotometer in Betrieb zu

nehmen. Vorbereitet wurde diese Mission

von KR Matthias Schäle, der zwischen

August 2005 und März 2006 als Referent

Kripo im „German Police Projekt Office“

Kabul (GPPO) tätig war.

Nach einer kurzen Orientierung und der

notwendigen Bestandsaufnahme machte

ich mich an den Aufbau des Spektroskopielabors.

Ein Gerät war vorhanden, ein

Presswerkzeug für KBr-Tabletten sowie

diverse Spektrenbibliotheken hatte ich

mitgebracht und an den Leiter der Kabuler

KT als Brandenburger Spende übergeben.

Weitere Ausrüstungsgegenstände, die

für das Betreiben eines Spektroskopielabors

erforderlich sind, fehlten. Sie mussten

in Deutschland bestellt werden und

erreichten Kabul leider erst wenige Tage

vor Ende meiner Mission.

Zur Ausbildung hatte ich zwei junge

afghanische Absolventen der Kabuler Universität,

einen Mann und eine Frau, und

damit wahrscheinlich das erste Analytikerteam

am Hindukusch betreut, das hinsichtlich

der Geschlechter paritätisch

zusammengesetzt war.

Laborausbildung

Symposium Kabul

In den wenigen Wochen gemeinsamer

Arbeit konnten erste Grundlagen infrarotspektroskopischer

Untersuchungen vermittelt

und mit Substanzmessungen und

dem Aufbau einer spezifischen Substanzdatenbank

begonnen werden. Den

Schwerpunkt der Auftragsarbeit bildet

momentan die Analytik von Pulverproben,

die den Ermittlern als Drogen „verkauft“

werden, sich dann aber als drogenfreies

Material herausstellen.

So wurden mittels

infrarotspektroskopischer

Untersuchung eine große

Anzahl als Heroin sichergestellter

Proben u. a. als Calciumoxid,

als Gips oder als Harnstoff

identifiziert.

Eine weitere Aufgabe ergab

sich daraus, dass in Kabul

durch internationale Unterstützung

zwei Laboratorien für die

Drogenanalytik im polizeilichen

bzw. staatsanwaltschaftlichen Auftrag

aufgebaut wurden. Dabei war keines

der beiden Labore für die vollständige

Aufgabenerledigung im Bereich der Drogenuntersuchung

mit dem für Afghanistan

spezifischen Schwerpunkt der Morphin-

und Heroinanalyse vorbereitet.

Nach Feststellung und Analyse dieses Problems

habe ich im Zusammenwirken mit

den verantwortlichen Mentoren des GPPO

und norwegischen Mentoren für die

Staatsanwaltschaft bei der Antidrogenpolizei

(CNPA, d.h. Counter Narcotics Police

of Afghanistan) einen Untersuchungsprozess

für die Drogenanalytik erarbeitet,

der durch Kooperation beider Labore und

unter Einbeziehung der Staatsanwaltschaft

eine effektive chemisch-analytische

Bearbeitung von Drogenfällen zeitnah

ermöglicht und für die nächsten Jahre garantiert

sowie Investitionen von mehreren

hunderttausend Dollar spart.

Diese Verfahrensweise wurde auf einem

kurzfristig organisierten Drogensymposium

zum Thema „Drugs

Examination in Afghanistan“ am

06.06.06, an dem 27 internationale

und afghanische Experten (darunter

Vertreter der UNO, der französischen

Botschaft, der norwegischen

Justiz und Polizei sowie der

afghanischen Justiz) teilnahmen,

durch Beratung und Abschluss

einer Laborvereinbarung zwischen

dem LKA-Labor und dem

Labor der afghanischen Anti-Drogen-Polizei

für die afghanische Polizei festgeschrieben.

Vielleicht konnte ich mit dieser Arbeit

einen kleinen Beitrag zur Optimierung des

Kampfes gegen den Drogenanbau in

Afghanistan leisten, der im vergangenen

Jahr sowohl hinsichtlich der Anbaufläche

(172.000 Hektar; + 61 %) als auch der eingebrachten

Ernte (5.644 Tonnen; + 26%)

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