Quantitative Entwicklungen im Bereich Lehre und ... - WIFI Vorarlberg

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Quantitative Entwicklungen im Bereich Lehre und ... - WIFI Vorarlberg

Samantha L.

Körpersprache als Start auf dem Weg zurück in den Beruf

WIFI Persönlichkeitsbildung bei der Schauspielerin Renate Bauer

„Auf geht’s!“

Diese aufmunternden Worte kommen aus einem geübten Mund, die Dame hat uns zuvor ihre feine

ausdrucksstarke Hand gereicht, mit einem Lächeln und wachen Augen. Manch einer kam gerade noch

zuvor in die Anfangsrunde gestürmt– von draußen – Entschuldigungen murmelnd über fehlende

Parkplätze – der Bahnhof wird umgebaut. Die Referentin unterbricht kurz, sie weist einen Platz zu in

ihrer nächsten Nähe. „Guter Auftritt“, denke ich mir.

Mit einem Buch auf dem Kopf schreiten wir durch den Raum. Versuchen es nicht abstürzen zu

lassen, sollten uns dabei ansehen und grüßen. Grüßen! Auch das noch. Lieber würden wir allesamt

auf den Boden sehen oder vorbei hinaus durch das Fenster oder an die Wand oder in die neutralere

Luft. Wir sind hier nicht in Lustenau, wo man als durchschnittlicher Vorarlberger zusammen zuckt,

wenn eine Einheimische von eben da ein unberechenbares, zu lautes „Hoi!“ ruft.

Nach weiteren eher peinlichen Übungen, wie das Gesicht in verschiedene Richtungen ziehen,

dehnen und bewegen, es entsteht dabei eine unkontrollierte Mimik und, nebenbei bemerkt, auch der

Anzug oder das modische Kleid helfen hier nicht wirklich weiter. Nach Dehnungen, die den

gesamten Körper betreffen, und herzhaftem Gähnen, um die Lungen weit zu öffnen, sie zu reinigen,

auch hier vermeiden wir es, uns direkt zu lange anzusehen, bekommen wir endlich einen

handfesten Text in die Hände. Gott sei Dank. Oder besser – Referentin sei Dank.

Wir lesen. Übertriebene Stille. Lesen nochmals, sehen ein wenig auf, zu der oder dem Gegenüber,

vielleicht reflektiert diese/dieser ein wenig die eigene Ratlosigkeit. Richtig. Es sind auch Männer in

diesem eigenartigen Kurs. Wobei, manche scheinen schon ein wenig abspringen zu wollen. Apropos

– um uns auf den kommenden Auftritt vorzubereiten – wir stehen auf einem Sprungbrett – als

Schlange oder als … Die Referentin spricht jetzt von der wichtigen Eutonie im richtigen

Spannungszustand. Überlege kurz, ob und in welchem Zusammenhang ich von diesem Wort gehört

habe. Zurück zu dem Blatt in der Hand. Jede/r muss den Inhalt für sich behalten. Ihn in aller Kürze

im Flüsterton weiterzugeben wäre ohnehin eine Unmöglichkeit.

Ein wenig später steht bereits das erste Opfer - Vorsicht mit der Wortwahl - der erste Freiwillige - vor

uns, wir im Halbkreis sitzend auf Stühlen, bilden so etwas wie eine Laienbühne. Die einfache

Aufgabe, wir hören ihre bewusste, betonte Stimme, mit

46 Samantha L. Seite 1/2 Erfolgstory 2008


freundlicher Strenge erörtert sie dem da Stehenden, was zu tun ist. Sie hat etwas von meiner früheren

Ballettlehrerin – damals eine echte Gräfin. Sich im Stillen eine Stimmung denken – den Text in

diesem Sinne vorlesen. Der Text ist schlimm. Es bereitet Mühe ihn zu verstehen.

Es geht nicht um das Verstehen des Inhaltes.

Nein?

Nein. Es geht um die Emotion.

Gut.

Und ein wenig später zu den im Halbkreis Sitzenden.

Was ist angekommen?

Dies und das. Vielleicht Verlegenheit?

Was wollten Sie transportieren?

Vertrauen.

Gut und setzen.

Nächste Runde, nun zu zweit. Ich bin auf Besuch aus Japan hier und besichtige eine Firma in

Dornbirn. Ich erkläre auf Japanisch der Dolmetscherin (die zweite) wie gut es mir gefallen hat und so

weiter und sofort. Natürlich sprechen wir alle kein Japanisch. Dieser Kurs wäre als nächstens dran,

oder doch lieber zuerst Russisch? Also, ich muss mir im Stillen eine Situation denken, auf

erfundenem Japanisch darüber sprechen, zum Publikum, meiner Dolmetscherin gegenüber

versuchen, es klar auszudrücken. Sie antwortet mir im Dialekt. Unser Gehirn ist inzwischen

erfolgreich verrenkt. Die Referentin beobachtet genau, sie macht Notizen. Besser kann es nicht sein.

Bravo. Setzen. Gemeinsam – sachliche Analyse.

Wir haben es inzwischen erkannt – Körpersprache. Gemein. Wir können damit zum Teil aktiv und

bewusst agieren – wollen wir etwas transportieren. Meistens jedoch verhält es sich umgekehrt. Unser

Körper verrät uns wie eine Petze, während wir sprechen oder auch nur stehen.

Am Ende von der Weiterbildung liegen wir am Boden – wir sollen uns den Raum vorstellen, wo uns

unsere nächste Aufgabe in der Öffentlichkeit erwartet. Da liegen wir nun, als Ärztin, als

Rechtsanwalt, als Verkäufer, als Widereinsteigerin, und üben imaginär das Schauspiel.

Stell es dir vor! Mal es dir in deiner Farbe aus!

Wieder zu Hause. Ich beobachte meine Familie. Drei Kinder – es schmunzelt mir – Körpersprache –

sie beherrschen sie perfekt. Aber auch mein Mann kann das gar nicht schlecht.

Szenenwechsel. Auftritte in Büchereien, Schulen und diverse Events warten auf mich.

Gut, ich schwitze immer noch, aber weniger, mein Puls rast nicht, leicht „temperiert“, das Herz

bleibt am Platz. Und noch, die Augen - mein Werkzeug, die Hände, ich weiß wohin damit, keine

Ähs, kein überflüssiges Räuspern – sondern pointierte Pausen. Blicke. Spaß. Noch nicht ganz – aber

beinahe.

Wie würde die Referentin sagen? Genieße den Auftritt! Ja. Jawohl.

Nicht hinter dich bringen. Nein und nochmals nein.

Eine Frau im Ländle, gerade eben achtunddreißig geworden, auf dem Weg zurück und nach vorn in

die Berufswelt.

46 Samantha L. Seite 2/2 Erfolgsstory 2008

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