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INTERVIEW ARCHITEKTUR

Marlen Dittmann

im Gespräch mit Johann Peter Lüth


Johann Peter Lüth

Marlen Dittmann

Aufgewachsen in einem protestantisch

humanistisch gebildeten Elternhaus als

ältestes von fünf Geschwistern, war die

Kindheit geprägt von kriegs- und nachkriegsbedingten

Fluchten aus Pommern

über Berlin aufs bombenfreiere Mecklenburger

Land, schießlich bis nach Emden

in Ostfriesland. Dabei lernte Johann Peter

Lüth schon früh, sich in Gruppen einzufügen

und Verantwortung für andere

Personen wie Sachen zu übernehmen.

Diese Erfahrung – so scheint mir – bestimmt

sein gesamtes weiteres Leben

und paart sich mit vielseitigen Interessen

und Kontaktfreude, auch einer gewissen

mecklenburgischen Dickschädeligkeit.

Vielleicht ist es nicht verwunderlich, dass

er den Architektenberuf wählte, der den

sensiblen Umgang mit Dingen, die Zusammenarbeit

mit Partnern und die Rücksicht

auf die Wünsche von Bauherren und

Nutzern benötigt. Möglicherweise war

es eine glückliche Fügung, dass der Vater

ein Studium in Ulm mit seiner einseitigen

Ausrichtung nicht erlaubte und Lüth stattdessen

in Berlin studierte, wo es keine

„Schule“ gab, aber Teamgeist und selbstbestimmtes

Arbeiten gefordert, dabei die

Neigungen jedes einzelnen Studenten

gefördert wurden.

Prägend und bis heute verehrt, war für

Lüth der Städtebauer Prof. Fritz Eggeling,

in dessen Privatbüro er praktische städtebauliche

Erfahrungen sammeln durfte.

Nach dem mit „sehr gut“ bestandenen

und mit einer Silbermedaille ausgezeichneten

Diplom wäre er wohl gerne in Berlin

geblieben, doch zog er mit seiner Studienkollegin,

Freundin und Ehefrau Lieselotte

aus familiären Gründen in deren Heimatstadt

St. Ingbert. Während des Studiums

hatte er bereits ein Familienhaus für die

Eltern in Bad Nenndorf gebaut, in

St. Ingbert musste er sich zunächst gedulden,

bis der erste Bauauftrag kam und

Jahre intensivster freiberuflicher Bautätigkeit

begannen. Das Haus Hellenthal in

St. Ing bert-Heckendalheim, 1966/67

erbaut, steht noch heute wie damals – der

schalungsraue Beton ein wenig gealtert,

aber ohne Schäden – als Betonfelsen

im ausgebeuteten Sandsteinbruch. Den

scharfkantigen viergeschossigen Block

schneidet eine breite Betonfuge auf,

schließt eine Dachterrasse ab, wie bei

Le Corbusier-Häusern in Teilen von einer

geschwungenen Betonscheibe überdacht.

Das Innere prägt der zwei Geschosse

einnehmende große Wohnraum, in den

Tageslicht durch eine raumhohe Fensterwand

fällt und in dessen Luftraum eine

leicht geschwungene Empore ragt. Eine

Wendeltreppe führt hinab. Dieses Haus

wurde mit dem BDA-Preis ausgezeichnet.

Der zweigeschossige Wohnraum findet

sich nicht nur als Hommage an Le Corbusier

in mehreren seiner Häuser, – dem Haus

Heisler in Saarbrücken 1975/76 oder

der gleichzeitigen Reihenhausanlage in

der Charlottenstraße in Saarbrücken –,

sondern als das bewusst in den Mittelpunkt

gerückte, zentrale Hauselement,

auf das sich alles andere ausrichtet. Immer

wieder gelang es Lüth, die topografischen

Herausforderungen eines Hanggrundstückes

in den architektonischen Aufbau

zu übersetzen und trotz aller geometrischen

Strenge ein plastisches Gebilde

zu schaffen. Farbig behandelte einzelne

Elemente unterstreichen es und tragen bei

allen Häusern zum Gesamtcharakter bei.

Insbesondere das Haus Heisler staffelt sich

mit Terrassen den Hang hinauf, schmiegt

sich ihm an. Mit einem quadratischen

Grundrissraster, das sich um die offene

Treppe dreht, kann man in diesem Haus

eine moderne Variante der Villa Obenauer

von Peter Behrens sehen, die nicht weit

entfernt steht.

Ein reiner Betonbau bleibt in Lüths Werk

die Ausnahme, typischer ist für ihn die

Verbindung von Mauerwerk und Betonfertigteilen,

exzellent ausgeführt 1969/70

im Haus Veit, Sulzbach-Neuweiler, an

dem ein weiteres Merkmal abzulesen

ist: die Schottenbauweise. Gegeneinander

verschobene Hausabschnitte,

vorgelagerte Terrassen und Balkone,

in die Tiefe gezogene Eingänge und

eingeschnittene Fenster verbinden sich

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Johann Peter Lüth vor dem Rohbau des elterlichen

Wohnhauses, Bad Nenndorf, 1960/61

mit dem umgebenden Garten zu einem

untrennbaren Gesamtgefüge. Gäbe es

nicht die zeittypischen Details, das Haus

könnte gerade erst errichtet worden sein.

Auch Innenausbau, Schrankwände und

Möblierung wurden von Lüth entworfen.

Wie das Haus Hellenthal steht auch dieses

Haus unter Denkmalschutz.

Lüths Bauten sind maßgeschneidert für

einen bestimmten Benutzer, dennoch

jederzeit von anderen Bewohnern oder für

neue Aufgaben zu gebrauchen, wie etwa

das innerstädtische Lagergebäude eines

Metzgereibedarfs. Es beherbergt heute

eine Bank, Büros und Praxen, eine mögliche

Umwidmung, die von Lüth bereits bei der

Bauplanung berücksichtigt worden war.

Maßschneiderei und Detailversessenheit

verlangen eine immerwährende Auseinandersetzung,

Lüth wollte ruhigere

Fahrwasser erreichen, auch war ihm

sein Tätigkeitsbereich als Architekt zu

eng geworden. So lockte ihn 1975 das

Angebot des neu gegründeten Stadtverbandes

Saarbrücken, ein Bauplanungsamt

aufzubauen und die Leitung zu übernehmen.

Ruhiger wurde es wohl kaum, denn

es warteten u.a. der Bau von Schulen

und die Mammutaufgabe „Saarbrücker

Schloss“. Lüth hatte Bauherrenfunktion

zu vertreten. Jetzt wurde interdisziplinäre

Teamarbeit zum Markenzeichen, beispielsweise

bei der kaufmännischen Berufsschule

in Brebach-Fechingen. Aus der

Zusammenarbeit von Architekt Bernhard

Focht, den Künstlern Lukas Kramer und

Leo Kornbrust, der Schulleitung und dem

Kollegium entstand eine Schule, die für

alle Nutzer Heimat wurde. Das heutige

Saarbrücker Schloss ist weitgehend

auch Lüth zu verdanken durch sein um

die Aufgabe kreisendes fortwährendes

Nachdenken, das schnelle Entscheidungen

ausschloss und häufig als unbequem

angesehen wurde, die Suche nach überzeugenden

Mitstreitern, die Bereitschaft

zu zahl reichen Streitgesprächen und

Diskussionsveranstaltungen mit Bürgern

und Politikern. So entwarf Gottfried

Böhm schließlich einen Mittelpavillon,

4


Wohnhaus Lüth, Bad Nenndorf, 1960/61

Lieselotte Lüth-Hellenthal im Garten des Hauses

der auch nach fünfundzwanzig Jahren

noch als wegweisend für den Umgang

mit Alt und Neu gilt. Für die notwendige

Finanzierung gründete sich die Aufbaugesellschaft

Saarbrücker Schloss, deren

Geschäftsführer Lüth wurde. Lüth hat den

Entwicklungsprozess eindringlich in einem

lesenswerten Aufsatz beschrieben.

1985 wurde Lüth als Nachfolger von Johannes

Habich von Kultusminister Diether

Breitenbach als Landeskonservator berufen.

Damit bekleidete dieses Amt erstmals

ein Architekt. Standen bisher, wie in allen

anderen Bundesländern auch, die klassischen

Denkmale im Fokus des Interesses

– Kirchen, Schlösser, Profanbauten – von

denen es im Saarland aber nur eine

beschränkte Anzahl gibt, rückten jetzt aus

der Nutzung gefallene Industrieanlagen

und die zugehörigen Arbeitersiedlungen

in den Mittelpunkt, mussten inventarisiert,

ihre Unterhaltung überprüft und für

eventuelle weitere und neue Nutzungen

vorbereitet werden. Die „Denkmäler saarländischer

Industriekultur“ wurden 1989

als Buch veröffentlicht. Die länderübergreifende

Route der Industriekultur Saar-

Lor-Lux kam über das Entwurfsstadium

leider nicht hinaus, ließe sich aber immer

noch umsetzen. Lüths Konzeption ist hier

als Anhang nachzulesen. Nachdem der

Vorgänger im Amt, Johannes Habich, die

Neunkircher Hütte nicht retten konnte,

die weitgehend einem Einkaufszentrum

geopfert wurde, stellte der Umgang mit

der Völklinger Hütte eine neue Herausforderung

dar. Sollte man sie dem Verfall

preisgeben oder sie so sichern, dass die

Anlage auch für nachfolgende Generationen

die Eisenverhüttung nachvollziehbar

macht? Man entschied sich für die Sicherung,

begann mit der Instandsetzung des

Daches über der eindrucksvollen Gebläsehalle

und öffnete die Hütte für Besucher,

die durch Theateraufführungen, Konzerte

und Führungen angelockt wurden. Und

Lüth musste sich um finanzielle Unterstützung

bei der Europäischen Gemeinschaft,

beim Bund usw. kümmern. Die Aufnahme

in die Welterbeliste 1994 dürfte für die

Regierung wie für den Landeskonservator

und sein Team eine großartige Bestätigung

der geleisteten Arbeit gewesen sein,

gleichzeitig aber auch die Verpflichtung,

im Kampf um den Erhalt nicht nachzulassen.

Und so galt seine ständige Sorge

bis zur Pensionierung 2002 der Völklinger

Hütte, ohne dabei die anderen Denkmäler

zu vernachlässigen. Herausragend ist

die Arbeitersiedlung Alte Schmelz in

St. Ingbert, für die 1995 eine Wohnungsbaugenossenschaft

gegründet wurde, mit

deren Hilfe die Bewohner Haus für Haus

in Eigenarbeit sanieren konnten.

Die Eintragungen in die Denkmalliste geschahen

immer im Einvernehmen mit dem

Landesdenkmalrat, der von Lüth vorbildlich

bereits im Vorfeld informiert wurde und sich

so ein eigenes Bild machen konnte. Und

umgekehrt wurde er bei strittigen Projekten

vom Landesdenkmalrat unterstützt, bei den

Angel-Häusern in St. Wendel oder dem

Landeskrankenhaus in Merzig. Im Landesdenkmalrat

sah Lüth das die Öffentlichkeit

vertretende Gremium und so war ihm

eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sehr

wichtig. Indem er auf der optimalen Lösung

für ein Denkmal beharrte, war er sicherlich

manchem Denkmalbesitzer unbequem.

Doch für ihn stand immer das Denkmal im

Vordergrund seines Interesses.

2002 wurde Johann Peter Lüth pensioniert,

sein Leben wurde nicht ruhiger,

sondern er blieb der „Unruhestifter“,

gemeinsam mit Mitgliedern des Werkbundes

kämpfte er, leider vergebens, gegen

die Zerstörung der Bergwerksdirektion in

Saarbrücken zugunsten eines Einkaufszentrums.

Auch gelang es ihm nicht, die

Erweiterung der Modernen Galerie mit einem

überdimensionierten und städtebaulich

schädlichen Bau zu verhindern. Die

dabei erlittene Häme hat ihn nicht beirrt.

Indem er fast pedantisch genau öffentliche

Projekte analysiert, ihre wirtschaftliche,

architektonische oder städtebauliche

Wirkung untersucht, findet er immer

wieder Mitstreiter für oder gegen eine

Sache. Freundschaften und ein Netzwerk

an Beziehungen, das er seit dem Studium

aufgebaut und gepflegt hat, helfen ihm

dabei. Dazu gehört auch der Deutsche

Werkbund Saarland, dessen Vorsitz er für

für viele Jahre bis 1998 innehatte.

Am 10. Mai 2012 blickt Johann Peter Lüth

auf 75 Jahre zurück. Wir gratulieren herzlich.

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Entwurf für ein Gymnasium mit 24 Klassen

in Bad Pyrmont, 1964

Herr Lüth, wie kamen Sie auf die Idee,

Architektur zu studieren? War es vom

Elternhaus vorgegeben?

Nein, die Wahl meines Berufs stand

mir so frei, wie allen vier Geschwistern.

Architekten gab es in der Familie nicht,

aber immerhin einen Großvater, der war

Schreinermeister und baute wunderbare

Schränke und Kommoden. Zur Architektur

kam ich durch meinen Kunsterzieher

und Mentor Heinz Hoffmann am Gymnasium

für Jungen in Emden.

Sie wollten in Ulm studieren, auch eine

Besonderheit. Normalerweise ging man

auf eine Technische Hochschule?

Die Hochschule für Gestaltung in Ulm

war für mich das „neue“ Bauhaus. So

bewarb ich mich und war stolz, als man

mir zusagte. Der Vater aber verlangte

eine „ordentliche“ Ausbildung. Er

hatte sich informiert. Max Bill verließ die

Hochschule, Ulm kriselte. Im übrigen sah

mein Vater in der HfG Ulm eine Schule

für Designer und dachte sich wohl, wenn

schon einen „Künstler“ in der Familie,

dann lieber einen Architekten.

Daraufhin sind Sie nach Berlin gegangen?

Ja, das lag nahe, Berlin-Charlottenburg

war mir aus Kindertagen 1939-42 vertraut.

Die Technische Universität genoss

den verlangten „ordentlichen“ Ruf. Das

Studium begann ich zum Herbst 1957.

Nach dem Vordiplom wechselten Sie

nach Hannover. Warum?

Die Eltern hatten mir den Neubau unseres

Hauses in Bad Nenndorf anvertraut. Und

Nenndorf liegt in der Nähe von Hannover.

Neben dieser gerne übernommenen Auf -

gabe, studierte ich ein bisschen bei Prof.

Wilhelm Wortmann, war aber die meiste

Zeit auf der Baustelle, um mein erstes

Haus unter Dach und Fach zu bringen.

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Stegreifentwurf „Haus eines Einsiedlers“,

Studienarbeit um 1962

Sie sind dann wieder nach Berlin zurückgekehrt

und haben sich hauptsächlich

mit Städtebau bei Prof. Fritz Eggeling

beschäftigt. Er hat Sie wohl sehr

beeinflusst?

Ja, Eggeling war ein vorzüglicher Lehrer,

zudem ein fabelhafter Mensch. Um ein

bisschen Geld dazu zu verdienen –

der monatliche „Wechsel“ war doch

sehr knapp –, arbeitete ich auch in den

Ferien bei ihm. Da er die erwirtschafteten

Erträge zum Jahresende immer an seine

Mitarbeiter ausschüttete, bekam ich

oft eine Gratifikation, die weit über

meinem Verdienst lag. Aber der Grund,

bei ihm zu arbeiten, war seine tolle

Mannschaft. Tom Sieverts war dabei,

Hans Hansen, Georg Wittwer und

Hermann Börner. Alle etwas ältere

Semester, mit denen zu lernen, vor

allem aber anregend zu diskutieren war.

Prof. Fritz Eggeling hatte den großen

Berlin-Wettbewerb und viele nationale

und internationale Städtebauwettbewerbe

gewonnen. Mit seinem Städtebauinstitut

haben wir, meine spätere

Frau und ich, unter Nutzung zweier

Urlaubssemester, mit an der Neuordnung

der Stadt Göttingen, für das

„Lex Göttingen“ gearbeitet. Das war

eine Gemeinde- und Gebietsreform,

die stadträumlichen Ausdruck in einer

Bandstadt mit Auslegern fand. Aus den

Göttinger Spaziergängen entwickelte

sich auch die Idee zu meiner zweiten

„großen“ Studienarbeit: einer

Reitakademie mit Halle und Reitplatz,

Stallungen, Gäste wohnungen und

Tagungsräumen in Herberhausen. Mein

erster „großer“ Entwurf zum Neubau

eines Gymnasiums mit 24 Klassen in

Bad Pyrmont hatte sich aus der Studienzeit

in Hannover ergeben.

Das waren also keine realisierten Projekte,

sondern nur Ideen? Haben Sie sich diese

Aufgaben selber gestellt oder waren sie

vorgegeben?

Für unsere „großen“ Entwürfe – zwei

waren Pflicht – konnten wir das Thema,

Programm und Grundstück vorschlagen,

uns so besonders interessierenden Themen

zuwenden. Nur die Aufgaben

bis zum Vordiplom waren vorgegeben

– und die später zweimal im Semester

angebotenen Stegreifentwürfe, kleine

Tages- oder größere Wochenwettbewerbe,

die wir im Seminar zu „verteidigen“

hatten. Professor Willy Kreuer,

in dessen Seminar ich Hochbau studierte,

war eine Eggeling vergleichbare, überaus

liberale, elegante Gestalt. Da gab

es weder Indoktrina tionen noch eine

„Schule“, der wir zu folgen hatten. Ihm

schien wichtiger, dass jeder seine eigene

Sprache fand. Entsprechend nachdenklich

und behutsam gab er Korrekturen.

Natürlich hatte jeder seine großen Vorbilder:

Bei mir war es nach Le Corbusier

vor allem Louis Kahn. Seine elementaren

Bau- und Raum plastiken liebe ich immer

noch.

Sie erwähnten so nebenbei, Ihre Frau habe

gleichzeitig mit Ihnen in Berlin studiert?

7


Reiterzentrum mit Gästewohnungen in

Herberhausen bei Göttingen, 1964, Modell

Zweiter Entwurf mit baukonstruktiver Verteilung

In der Tat lernte ich Lieselotte Hellenthal,

von den Kommilitonen liebevoll Li gerufen,

bereits am Tage unserer Immatrikulation

zum Studium kennen. So haben wir

miteinander die gleichen Fächer studiert,

halfen uns wechselseitig – ohne dabei das

reiche Berliner Musik- und Theaterleben

in West und Ost zu vergessen: Schillertheater,

Felsensteins Komische Oper,

Berliner Ensemble.

Sie mussten eine humanistische Prüfung

ablegen?

Die war in Berlin obligatorisch. Und

außergewöhnlich bereichernd. So habe

ich bei Walter Höllerer den „Nouveau

Roman“ schätzen gelernt, im Englischen

über Ernest Hemingway gearbeitet, ein

bisschen Spanisch gelernt – inzwischen

leider vergessen – und ein naturwissenschaftliches

Fach belegt. Man musste vier

Fächer absolvieren.

Ihr Diplom machten Sie dann 1965 mit

einer städtebaulichen Arbeit?

Die zugleich meinen „Entwurf“ einschloss:

Ein Block im Wedding an der

Bernauer Straße – unmittelbar an der

Mauer – zwischen Brunnen-, Demminer-,

Ruppiner- und Stralsunder Straße am

Vinetaplatz war für das Wohnen und

Arbeiten, eine Kirche und Schule neu

zu ordnen. Dabei sollte keine tabula

rasa den Entwurf vorbereiten, sondern

sorgsam das Alte und Überlieferte mit

geprüft, soweit sinnvoll, erhalten und ergänzt

werden: So probten wir die ersten

Schritte einer behutsamen Stadterneuerung.

Einzelne Blöcke, vor allem an der

Brunnenstraße, blieben mindestens auf

Zeit erhalten. Professor Oswald Mathias

Ungers – der zweite Prüfer – war von

meiner Arbeit so angetan, dass er mich

stante pede zum Assistenten an seinem

Lehrstuhl bestellen wollte. Natürlich war

O. M. Ungers Vorschlag sehr ehrenvoll.

Trotzdem lehnte ich ab, da mir Eggeling

im Auftrag seines Lehrstuhls angeboten

hatte, zusammen mit einem Kollegen

in Philadelphia (USA ) zwei Jahre Stadtsimulationen

am Computer zu erlernen.

So blieb ich zunächst am Institut. Dann

starb plötzlich Eggeling und wenig später

auch mein Kollege. Da auch das Institut

– zumindest aus meiner Sicht – Not zu

leiden begann, folgte ich meiner Freundin

Lieselotte ins Saarland. Dort heirateten

wir zum Ende des Jahre 1965 und arbeiteten,

zunächst gemeinsam im elterlichen

Geschäft, dem Bauunter nehmen

Hellenthal. Ein Jahr sehr praktischer

Erfahrungen bewog mich, schließlich ein

eigenes Architekturbüro zu eröffnen:

Das Planen und Entwerfen lag mir doch

näher.

Arbeit fand sich durch einen alten Freund,

Manfred Schmelzer, der wie meine Frau

als St. Ingberter in Berlin studiert hatte.

Für ihn baute ich Kinos und Restaurants

zu Arztpraxen und Ladengeschäften aus

und sanierte Altbauten. 1966 baten Josef

und Eva Hellenthal um einen Hausentwurf.

Das war insofern heikel, als Hanns

Schönecker ihnen die ersten Pläne gefertigt

hatte, die aber nicht so recht gefielen.

Schönecker erwies sich als großzügig,

so konnte ich unseren Gegenentwurf

den neuen Bauherrn zum Weihnachtsfest

1966 präsentieren.

Dabei gelang Ihnen für die damalige Zeit

hier im Saarland etwas ganz ungewöhnliches,

indem Sie das Gelände ausnutzten

und den Bau dem Hang anpassten. Dazu

ist das Haus Hellenthal auch noch ein

reiner Sichtbetonbau.

Das Grundstück war ein von dem

Familien unternehmen Hellenthal lange

betriebener, aber ausgeräumter Steinbruch.

Der Entwurf glich räumlich einer

auf die lange Schmalseite gestellten

Zigarrenkiste, deren Höhe mit dem

Geländesprung korrespondierte – ein,

sieht man vom Treppenhaus ab, exakt

begrenzter Kasten aus schalungsrauem


Diplomarbeit, Neuordnung eines Baublocks im

Wedding, Brunnenstraße, Demminerstraße,

Ruppinerstraße, Stralsunderstraße, Vinetaplatz,

Berlin, 1965, Modellvarianten auf dem Weg zur

behutsamen Stadterneuerung

Sichtbeton mit Kerndämmung und einer

inneren Auskleidung mit Ziegelmauerwerk

– die Decken und Unterzüge

natürlich in Sichtbeton. Das Haus hat

sicherlich etliche Wärmebrücken. Darauf

hat man damals noch nicht gesehen,

es ging ja nicht um Energieeinsparung.

Im Keller, besser Souterrain, war ein

Schwimmbad geplant, im Eingangsgeschoss

die Küche, der Essplatz und ein

zweigeschossiger Wohnraum. Auf der

Galerie des Ober geschosses finden sich

eine kleine Bibliothek mit Arbeitsplatz

und das Elternschlafzimmer, im zweiten

Obergeschoss die Kinderzimmer mit einer

Dachterrasse. Da ist natürlich manches

Detail unserer Le Corbusier-Lektüre zu

verdanken, oder besser vielleicht noch,

dem „Atelier 5“ in Bern. Der Bau war

schwierig. Denn wir hatten, als wir

anfingen nur eine Baugenehmigung für

ein zwei geschossiges Haus, so, wie es

Schönecker entworfen hatte. Solange

wir uns in der genehmigten Kubatur

bewegten, gab es keine nennenswerten

Probleme. Aber als dann das Haus immer

höher wurde, stellte man plötzlich den

Bau ein. Der Idee, ein Stockwerk weniger

und dafür nach hinten einen Anbau zu

setzen, habe ich mich widersetzt. Josef

Hellenthal konnte schließlich den Weiterbau

erreichen. Ich war fast täglich auf der

Baustelle, ins besondere beim Betonieren.

Bis heute zeigt sich kein einziger Bauschaden.

Der Beton ist jetzt in die Landschaft

eingewachsen und schön gealtert.

Wie kamen Sie auf die Idee, dort am

Ortsausgang eines Dorfes ein solches

Haus zu bauen?

Ich hatte die Vision und das Programm,

den sehr romantischen Steinbruch mit

einem „Sichtbetonfelsen“ aufzufüllen,

ihn quasi zu komplettieren. Dass es dann

gleich viergeschossig werden musste, lag

in der Figuration des Passstückes „Betonfelsen“,

das zur Komplettierung der Höhe

nötig war.

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S. 10-13: Wohnhaus Josef und Eva Hellenthal,

St. Ingbert-Heckendalheim, 1966/67

13


Mehrfamilienhaus für 10 Familien,

Saarbrücken, 1972/73

1969 haben unsere Bauherrschaft

Hellenthal und wir für diesen Bau den

Architekturpreis des BDA in der Sparte

Wohnen gewonnen, 2010 wurde das

Haus in die Denkmalliste des Saarlandes

aufgenommen.

Das Haus Alexander bauten Sie nicht als

Block, sondern schachtelten die Geschosse

ineinander. Aber es ist auch ein Hanghaus?

Natürlich: Das Grundstück fiel zum

Garten um ein Geschoss. Wir hatten ein

großes Programm für eine Familie mit

drei Kindern. Die Grundrisse stapeln sich

zu einem kubisch geschlossenen Bau,

nur die Fassade wirkt so plastisch. Das

Haus hat ein geteiltes Satteldach, eine

versteckte Dachterrasse und Terrassen

vor dem Ober- und Erdgeschoss. Aber im

Grunde bleibt das Ganze doch auch ein

richtiger Block.

Es ist eigentlich ein Haus, das, abgesehen

von den Details, mit einer Figur so wie sie

üblich ist, gebaut wurde. Das fügt sich

gut in die Reihe ein.

Das war in der Tat auch unsere Absicht.

Wir wollten nichts Besonderes bauen,

nur bestens das Programm erfüllen, der

Bauherrschaft einen Anzug schneidern.

Von der Straße sieht es nun aus wie ein

ganz übliches zweigeschossiges Wohnhaus.

Die Raffinesse sieht man erst in

der Perspektive. Sie haben aber nicht nur

Familienhäuser gebaut?

Wenn wir auch später „Spezialisten“ im

Wohnungsbau wurden – es folgten die

Wohnhäuser Veit in Sulzbach und Wallé in

Rohrbach, das Haus Zintel in St. Ingbert,

das Wohnhochhaus am Schlesierweg in

Neunkirchen, die Mehrfamilienhäuser

am Habichtsweg und am Staden, das

Einfamilienhaus Heisler mit Atelier und die

Stadthäuser in der Charlottenstraße mit

unserem eigenen Wohnhaus Nr. 2 d, alle

14


Wohnhaus Werner und Rotraud Alexander,

St. Ingbert, 1967-68

Wohnhaus Karlheinz und Carmen Wallé,

St. Ingbert Rohrbach, 1972-73

in Saarbrücken – so haben uns andere

Bauaufgaben mindestens ähnlich interessiert.

Nach dem Wohnhaus Alexander

folgte das Geschäfts- und Lagerhaus des

Saarland Metzgereibedarf Strobel in der

Mainzerstraße Saarbrückens, am Stammsitz

des Familienunternehmens. Das Haus

hat vier oder richtiger, fünf Geschosse.

Das Erd geschoss ist mit eingehängtem

Zwischengeschoss eigentlich zweigeschossig,

darüber drei Lagergeschosse.

Die Fassade wurde inzwischen mit

meinem Einverständnis von der Architektenfamilie

Wandel umgebaut und erhielt

neue Fenster (Abbildung S. 20).

Die ursprüngliche Fassade war ja sehr viel

spannender…

Da stimme ich Ihnen gerne zu. Interessant

an dem Bau aber ist, dass ich zukünftige,

andere Nutzungen mit bedenken

durfte. Das Kellergeschoss, ursprünglich

Lagergeschoss, ist heute Tiefgarage. Für

zwei weitere Lagergeschosse haben wir

Büronutzung und darüber eine Wohnnutzung

durchdekliniert. So standen

die Stützen ebenso richtig, wie die

Installationen in jedem Falle stimmten.

Sie konnten also vom Geschäft, über

Büro- und Praxen bis zum Wohnhaus

alles in diesem „Lagerhaus“ entwickeln.

Diese Zukunftsoffenheit haben wir dem

Haus mitgegeben, weil wir ahnten, dass

die gestapelten Lager an diesem Stadtstandort

auf Dauer nicht wirtschaftlich

zu betreiben sein würden. Und nach nur

10 Jahren – oder waren es etwas mehr?

– hat sich das Unternehmen Strobel im

Gewerbegebiet, wohl aus ökonomischen

Gründen eine Halle bauen lassen und ist

hier ausgezogen.

War es der Wunsch des Bauherrn,

die anderen möglichen Nutzungen

einzuplanen?

Ich hatte ein festes Bauprogramm für

eben den Saarlandmetzgerei Bedarf und

solange das erfüllt war, schienen der

Familie Strobel meine Gedanken, die

über die Bedarfserfüllung hinausreichten,

durchaus vernünftig. Und wenn ich als

Architekt ein solches Lagerhaus im Stadtzentrum

baue, dann muss ich zusehen,

dass diesem Bau ein Regelgrundriss und

eine Gestalt gegeben werden, die viele

Dinge aushalten können. Das verlangt

meine Profession. Und das gelingt bis

heute ganz ausgezeichnet. Im Erd- und

Zwischengeschoss residiert die Sparda-

Bank, darüber Anwalts – und Arztpraxen,

nur zum Wohnen hat sich noch niemand

aufraffen können. Die Ästhetik des Baus

blieb von diesen alternativen Nutzungen

fast unbeeinflusst – sieht man von der

Demontage der oberen Brüstungselemente

des Lagerhauses einmal ab. Die

Strobels waren schon großzügige Bauherren.

In Gestaltungsfragen haben Sie uns

nie hinein geredet.

Ärgerlich ist nur das Haus daneben.

Ja. Aber durch seinen kurzen Rücksprung

an der Parzellengrenze sieht man

wenigstens noch das ursprüngliche Profil

des Geschäfts- und Lagerhauses Strobel.

Wie kam es zur Planung des Terrassenhauses

am Habichtsweg?

Das große Terrassenhaus am Habichtsweg

hat eine denkwürdige Vorgeschichte.

Dass wir es überhaupt bauten – immerhin

hatten die Architekten Dietz und

Grothe bereits einen Entwurf geliefert

– verdankten wir dem Einfluss von Alfred

Kirst, dem damaligen Geschäftsführer der

Saarbrücker und Neunkircher Siedlung.

Inzwischen hatte sich unser Büro mit

den Kollegen Helmut Kreutzer und

Josef von Waldbott zur „Werkgruppe 3“

in St. Ingbert erweitert. Helmut Kreutzer

aber kam aus dem Büro Grothe – mit

dem man sich in Sachen Habichtsweg

wohl überworfen hatte. Verständlich

also, dass wir uns zierten.

15


Wohnhaus Helmut und Marianne Veit,

Sulzbach-Neuweiler, 1969/70

16


Geschäftshaus Saarland Metzgereibedarf,

Saarbrücken, 1971/72

Umbau zu einem Geschäftshaus mit Büros, 1982/83

Hätten wir uns endgültig geweigert,

dann hätten wir keinen Auftrag mehr

bekommen – zumindest von der Siedlung

– versprach uns Kirst, den ich im übrigen

sehr schätzte, weil er immer auf beste

Architektur, guten Städtebau und die

Mitwirkung der Künste achtete.

Diese Drohung konnte Kirst bestimmt

durchsetzen.

Wir haben also noch mal nachgedacht.

Bauherr wurde schließlich die Albert Bau

aus Neunkirchen, deren Geschäftsführung

der Bauunternehmer Ottmar Gross

vorstand. Und Ottmar Gross war einer

meiner ersten und konstanten Förderer.

So blieb uns, ihm zuliebe und, wollten

wir die Existenz unseres jungen Büros

nicht gefährden, nur die Zustimmung.

Und die ersten Pläne für Baugrube und

zum Untergeschoss waren tatsächlich in

vier Wochen fertig. Das Haus besitzt zum

größeren Teil exquisit schöne Grundrisse,

auch wenn die Wohnräume nicht, wie

ursprünglich gedacht, über zwei Geschosse

reichen. Dafür gibt es hin und

wieder split-level Wohnungen mit ähnlich

räumlichen Reizen.

Die Hauptverwaltung der Baugruppe

Gross in St. Ingbert haben wir nur zur

Hälfte entwickelt. Vollendet hat den Bau,

sehr viel später, der Kollege Bernhard

Focht, auf eine, so meine ich, sehr gute

Weise. Unter Nutzung unserer Details und

konstruktiven Ordnung formte er ihn zu

einem sehr schönen langen „Schlitten“.

Nicht nur mit den Fortentwicklern unserer

Architektur, den Kollegen Wandel und

Focht, den Mitentwicklern Bernhard

Grothe und Rudolf Birtel hatten wir

immer Glück.

Noch wichtiger natürlich war, dass ich

im Büro mit Helmut Kreutzer und Josef

von Waldbott Kollegen besaß, die bei

unterschiedlichsten Entwurfsansätzen

und ästhetischem Kalkül sich sehr respektierten.

Zusammen mit unseren Angestellten

fand sich im Büro eine Stimmung,

die stetig den Horizont weitete, und

die Arbeit zu einer konstanten Freude

machte.

Zusammen mit den Kollegen Bernhard

Grothe und Rudolf Birtel haben wir in

Neunkirchen ein Hochhaus gebaut. Die

Grundrisse und Fassadenabwicklungen

sind von mir, die Bauleitung und einige

Details hat Rudolf Birtel übernommen,

Grothe war für die Oberleitung und das

Geschäftliche zuständig.

Aber wieso war das Büro Dietz/Grothe

dabei? Dass Birtel als Neunkircher die

Bauleitung übernahm, ist ja verständlich.

Bauherr dieses Projektes war die Neunkircher

Siedlung, vertreten durch ihren

Geschäftsführer Alfred Kirst, der immer

wieder die besten Kontakte zu guten

Architekten – auch zu Grothe hatte.

Und ich, oder unser anfänglich doch

sehr kleines Büro, waren in der „Szene“

schlichtweg Neulinge, deren Leistungsfähigkeit

man noch nicht kannte.

Kommen wir noch einmal auf die Einfamilienhäuser

zurück. Das Haus Veit

zum Beispiel. Es ist kein Hanghaus?

Nein, als zweigeschossiges Dreifamilienhaus

auf plattem Gelände bleibt es eine

Ausnahme in unserem Werk. Es zeigt

recht deutlich meine sich langsam verfestigende

Handschrift einer Schottenbauweise,

die mit Achsverwischungen und

Überschreibungen wundervolle Grundrisse

erlaubt. Gefügt ist es aus Sichtmauerwerk

mit hart gebrannten Hochlochziegeln,

deren Wetterbeständigkeit

als Fassadenmauerwerk wir mit bewusster

Tolerierung des Bauherrn erfolgreich

erprobten, aus Fertigteilen in Beton und

schönen Naturholzfenstern und mobilen

Trennwänden. Auf das Dach – und Flachdächer

waren für mich immer „Spielraum

fürs Leben“ – führt eine Treppe mit einem

ihrer Steigung folgendem Betondach zu

einem kleinen Garten mit Sonnenterrasse.

Das Haus ist außergewöhnlich gut

gepflegt, alles noch in den Originalfarben

erhalten. Es scheint, wenn auch gut gealtert,

vollkommen unverändert. Auch der

von mir entworfene Tisch steht noch an

seiner ursprünglichen Stelle. Dieses Haus

haben wir mit dem Bauherrn Helmut und

Marianne Veit zusammen aufgerichtet,

20


Mehrfamilienhaus mit ca. 35 Wohnungen,

Neunkirchen, mit Rudolf Birtel und Bernhard Grothe,

1970/72

fast jeden Samstag Betonfertigteile geholt

und versetzt. Ich bekam nicht allzu viel

Honorar, aber es reichte aus, um den

ersten Citroën zu kaufen.

Wenig Honorar und auch noch Hand

anlegen. Toll...

Was tut man nicht für gute Freunde.

Apropos: Das Honorar für umfassend und

sorgsam detaillierte Einfamilienwohnhäuser

war nie wirklich kostendeckend,

selbst wenn nach den Höchstsätzen der

HOAI (Honorarordnung für Architekten

und Ingenieure) abgerechnet werden

durfte. Den Bauherrn ist deswegen nichts

vorzuwerfen.

Und trotzdem hat Veit gegen den Denkmalschutz

seines Hauses protestiert?

Über die geplante Aufnahme des Hauses

in die Denkmalliste hat sich Helmut Veit

zunächst sehr gefreut. Dann aber protestierten

seine Kinder, denen das Haus

inzwischen übereignet war. Sie fürchteten

Einschränkungen bei Renovierungen

und wirtschaftliche Nachteile bei einem

späteren Verkauf. Hinzu trat die Sorge vor

der Bevormundung durch die Denkmalschutzbehörde.

Ich konnte ihnen die

Sorgen nicht ausreden. Das einzige, was

„bevormundet“, ist die Architektur selbst,

über die man sich eigentlich doch nur

freuen kann. Die Farbe der Backsteinwände

des Hauses begeistert mich bis heute.

Vor allem durch den Zusammenklang mit

den Betonfertigteilen und den Fenstern,

die mich durch ihre Unterteilung an

Mondrian erinnern.

Die Betonteile stammen aus einem

Fertigteilsystem, das sich die Bauunternehmung

Gross patentieren ließ.

Sehr schön sind die Fensterdetails. Sie

bestehen aus einem die Rohbauöffnung

vollständig auskleidenden, 16 bis 20 cm

tiefem Blockrahmen, in die wiederum

Festverglasungen oder einzeln zu öffnende

Fenster und Lüftungsklappen mit

eigenem Blendrahmen eingesetzt wurden.

Es waren richtige Tischlerarbeiten.

Heute kaum noch zu bezahlen.

Und wie geht’s nun weiter?

Chronologisch gerät jetzt einiges ein

wenig durcheinander. Den nächsten Bau,

wieder ein Einfamilienhaus an einem

diesmal sehr flachen Hang, hatten wir

für die Familie Karlheinz und Carmen

Wallé in St. Ingbert Rohrbach geplant

und verwirklicht: ein Schottenbau unter

einem großen Pultdach, diesmal für eine

vierköpfige Familie.

21


Wohnhaus und Atelier Gerhard und Katrin Heisler,

Saarbrücken, 1975/76

Etwa zeitgleich entwarf ich eine Mehrzweckhalle

In Oberwürzbach Auch sie

fügt sich gelungen in einen Hang ein,

trotz des Flachdachs mit einer allerdings

mächtigen Satteldachraupe als Lichtspender

und auch in das sonst wesentlich von

Satteldächern bestimmte Ortsbild.

Für Katrin und Gerhard Heisler – den

Fotografen – bauten wir nun wirklich

das ultimative Einfamilien – Hanghaus

auf einem wundervollen Grundstück am

Ende der Charlottenstraße in Alt-Saarbrücken,

mit leichtem Quer- und erheblichem

Längsgefälle. Das in dreifachem

Sprung den Hang hinab gestaffelte Haus

ist eine Referenz an das Quadrat und

eine kleine Hommage an Peter Behrens‘

Villa Obenauer. Ähnlich wie dort, bildet

eine Treppe das Zentrum des Hauses. Alle

Räume bemessen sich auf einem Raster

von 1,25 m und ergänzen sich mit Terrassen

als Freisitzen zu kleinen und großen

Quadraten im Grundriss. Unter dem

zweigeschossigen Atelier findet sich ein

anderthalb Geschosse hoher Wohnraum,

den auf halber Höhe, ihn optisch erweiternd,

Kinderzimmer, Küche und Essplatz

umschließen. Eine halbe Treppe tiefer findet

sich das Elternschlafzimmer mit herrlichem

Ausblick in den Garten und die

Stadtlandschaft. Die äußeren Materialien:

diesmal kerngedämmtes, Innen und

Außen sichtbares Kalksandsteinmauerwerk,

dazu wiederum Sichtbeton für die

Decken, Stürze und Brüstungen und wie

immer Naturholzfenster.

Und dann bauten Sie noch das eigene

Haus in einer Reihe. Auch eine interessante

Anlage. Dazu sollten Sie auch noch

etwas erzählen.

Das eigene Haus wurde zugleich zum

letzten Entwurf aus meiner Hand. Teil

einer Viererreihe wurde das Haus Charlottenstraße

2 a-d in Saarbrücken zu einem

ambitionierten Versuch, ein innerstädtisches

Villengrundstück mit einem Stadthaus

ökonomisch und kompakt zu überbauen.

22


S. 23-26: Mehrfamilien-Stadthaus, Saarbrücken,

1975/77

Entworfen wurde es 1975, errichtet zwischen

1976 und 78, zu einer Zeit, als ich

schon für den Stadtverband arbeitete. So ist

meiner Frau, die das Büro weiterführte, die

Realisation zu danken. Initiator des Vierfamilienreihenhauses

war Rainer Maurer, unser

Möbelhändler gewesen. Sein Wunsch, den

aus dem 19. Jahrhundert stammenden Vorgängerbau,

eine halbe Stadtvilla, umzunutzen

und für seine Bedürfnisse besser ins Gelände

einzupassen, war an den immensen

Kosten gescheitert. Das etwa 27 m breite

Grundstück am Nordhang des Nussberges,

fast auf seiner Kuppe gelegen, teilten wir in

vier Stadthausbaustellen mit jeweils 5,12 m

breiten Parzellen. Um am Nordhang Licht

für die Häuser zu gewinnen mussten sie

den Hang hinaufklettern, Höhe gewinnen.

So entstand eine quasi viergeschossige Reihenhausanlage,

die wir – ganz sozialistisch

– gemeinsam mit zwei weiteren Bekannten

Maurers nach den Bestimmungen des Wohnungseigentumsgesetzes

(WEG) errichteten.

Unter dem Haus im Tiefparterre parken die

Autos, dahinter liegen, sieben Stufen höher,

Wirtschaftsräume und Keller. Im 1. Obergeschoss

findet dann der zweigeschossige

Wohnraum Anschluss an das Gelände,

die Küche und der Essraum auf gleicher

Ebene mit herrlichen Sichtbeziehungen zur

Stadt. Im zweiten Obergeschoss versammeln

sich eine Empore zum Wohnraum

und ein bis zwei Schlaf- bzw Kinderzimmer,

wieder mit Blick auf die Stadt, und darüber

noch einmal zwei Schlafzimmer und eine

abgeschirmte, sehr sonnige Dachterrasse.

Die schließlich, entgegen ersten Skizzen, in

die Achse gedrehten Treppen, lassen das

Südlicht durchs immerhin 16 m tiefe Haus

bis in die Eingangsebene fallen, geben Freiheiten

für unglaublich schöne Durchblicke.

Die Häuser haben alle den gleichen

Grundriss?

Nein. Sie sind alle ein klein bisschen

anders. Die Treppen z.B. wenden sich im

zweiten Lauf wie bei uns oder sie haben

in jedem Geschoss den gleichen Lauf,

26


Mehrfamilien-Stadthaus, Gartenseite,

Saarbrücken, 1975/77

28


Mehrfamilien-Stadthaus, Entwurfszeichnungen

liegen also übereinander. Daraus ergeben

sich schon Unterschiede im Grundriss. Die

Lage der Bäder ist verschieden. Die meisten

haben über dem Essplatz ein großes

Elternschlafzimmer und ganz oben zwei

Kinderzimmer, auch geht eine schmale

Küche bis zur Straßenaußenwand. Aber

meine Frau fand einen größeren Essbereich

mit Westlicht schöner und so haben

wir nur eine kleine, „Fliegerkombüsenküche“.

Jeder durfte innerhalb fester gestalterischer

Verabredungen nach seiner

Fasson selig werden. Und aus Leidenschaft

für den Backstein haben wir ihn

für fast alle Häuser verwendet. Besonders

wichtig war immer das Grundstück, seine

Hangformation, der Bewuchs, die Terrassierungsmöglichkeiten.

Wie bei Heislers

haben wir keinen einzigen cbm Aushub

abfahren müssen, sondern die durch

Ausschachtungen gewonnenen Erdmassen

so natürlich innerhalb des Hanges terrassiert,

dass die topografischen Veränderungen

niemandem auffallen. Im Übrigen

hatten wir hier, wie eigentlich meistens,

Festpreise zu halten. So planten und

zeichneten wir jeweils so lange, bis die

Kosten aufgingen. Erst dann haben wir

ausgeschrieben und erst, wenn „garantiert“

der Etat sicher eingehalten wurde,

mit dem Bau begonnen.

Diese viele Arbeit bedeutete für Sie

aber auch Selbstausbeutung. Von

dem Preis hing ja auch Ihr Honorar ab.

Da kann ja nicht sehr viel herausgekommen

sein.

Doch, immerhin zehn Jahre fröhlicher

Arbeit. Aber in der Tat, mit Einfamilienhäusern,

die sie Ihren Bauherrn auf den

Leib schneidern, können Sie kaum Geld

verdienen. Hätte es da nicht die großen

Wohnanlagen und Geschäftshäuser – das

Haus der Deutschen Bank in St. Ingbert

vergaß ich zu erwähnen – oder öffentliche

Gebäude, wie die Mehrzweckhalle

in Hassel, gegeben, wir hätten das Büro

der Werkgruppe mit oft bis zu fünf

Angestellten nicht unterhalten können.

Auch städtebauliche Arbeiten wie z.B

der landesoffene Wettbewerb zum

Entwurf des Lebacher Zentrums, immerhin

ein erster Preis, hatten uns nicht

viel weiter gebracht. Erst in den späten

1970ern konnte meine Frau nach vielen

interessanten stadträumlichen Studien

und Typenentwürfen eine kleine, feine

Baugruppe aus zehn Einfamilienhäusern

in St. Ingbert-Hassel verwirklichen.

Zehn Jahre Praxis hatten mich schließlich

zu der Einsicht geführt, meine kommunikativen

und fachlichen Talente neu einzusetzen.

Meine Fähigkeiten als Architekt

jedenfalls hatte ich, so schien es mir, ausreichend

lang getestet. Wiederholungen

des Gleichen liebe ich nicht. Das schönste

aus dieser Zeit: Mit all unseren Bauherren

stehen wir bis heute auf gutem Fuße,

mit manchen sind wir befreundet. Wir

müssen also einiges ganz richtig gemacht

haben.

Das ist sehr schön. Aber Sie suchten

eigentlich neue Aufgaben.

Da traf es sich wohl gut, dass Sie gefragt

wurden, die Planungsabteilung beim

Stadtverband zu übernehmen.

So war es. Wir hatten gerade einen

kleinen Kindergartenentwurf von

Helmut Kreutzer in Friedrichsthal

abgeliefert. Ich hielt die Rede des

Architekten zur Übergabe, als mir am

selben Abend der gleichfalls anwesende

damalige Stadtverbandspräsident

Werner Klumpp völlig überraschend

die Stelle eines Leiters der Planungsabteilung

im Stadtverband anbot. Als dann

etwas später auch noch das Stadtverbandstagsmitglied

Werner Krauser, ein

Architektenkollege, an mich herantrat,

sich darüber hinaus die Perspektive

eröffnete, in zwei Jahren das Stadtverbandsbauamt

von Hermann Stolpe zu

übernehmen, habe ich spontan zugesagt.

Schließlich waren Fragen der Stadtentwicklung

Schwerpunkte meines Studiums

gewesen.

Und im Stadtverband „brannte“ es

lichterloh. Im „Sulzbacher Garagenurteil“

hatten die Gerichte eine Baugenehmigung

kassiert, die rechtlich

nicht gesichert war, weil dem Bebauungsplan,

auf dem sie gründete, der

Flächennutzungsplan als „vorbereitender“

Bauleitplan fehlte. Der aber fehlte

nicht nur in Sulzbach, sondern in allen

Kommunen im Stadtverband, ja im

ganzen Lande. Damit war die stadträumliche

und bauliche Entwicklung aller

Kommunen gefährdet, die sich mit ihren

29


Mehrzweckhalle, St. Ingbert-Oberwürzbach, 1974-75

Bebaungsplänen eben noch ganz sicher

gefühlt hatten. Es drohten Millionenklagen.

Planung also war überlebensnotwendig

geworden.

War der Stadtverband eine neue

Behörde?

Der Stadtverband war eine Sonderkonstruktion

der eben erst, zum 1. Januar

1974, beschlossenen Gebiets- und Verwaltungsreform:

weder Landkreis noch

Stadtverbund, eine Konstruktion

sui generis und in seinen Aufgaben,

Pflichten und Rechten ziemlich einmalig.

Sein Integrationsauftrag sah die

Übernahme aller Sekundar- und Berufsbildenden

Schulen, ab 1981 auch die

Übernahme aller Gymnasien vor – sein

Territorialauftrag die Vorbereitung einer

Einheitsstadt – Großstadt Saarbrücken

mit rund dreihunderttausend Einwohnern.

Um sie räumlich zu ordnen und neu

zu begründen, waren dem Stadtverband

die kommunalen Rechte und Pflichten zur

Aufstellung des Flächennutzungsplans

übertragen worden.

Für die Erarbeitung des Flächennutzungsplans

konnte ich neues Personal einstellen.

Mit Walter Delarber an der Spitze,

Dieter Bülte, Uwe Kleffner und Wolfgang

Selke, alle Stadt- und Regionalplaner der

Universität Dortmund, kam eine ausgesprochen

junge, fachlich versierte und

hochmotivierte Mannschaft zusammen.

Mit ihr und dem später hinzukommenden

Architekten Bernd Hoffmann gelang in

fünf Jahren, was in kürzerer Zeit bis dahin

keinem Stadt-Umlandverband in der

Bundesrepublik gelungen war: den Flächennutzungsplan

für den Stadtverband

Saarbrücken vorzulegen und genehmigen

zu lassen. Ein gutes Parlament mit unzähligen

Sitzungen und vielen gewonnenen

Schlachten, dem Stadtverband gebührte

eine Palme.

Die Freude über diesen Erfolg währte

nicht lange. 1980 klagte die Stadt

Püttlingen gegen die Planungshoheit des

Stadtverbandes und gewann. Durch das

sogenannte Püttlinger Urteil wurde der

eben erst genehmigte Flächennutzungsplan

für nichtig erklärt.

Der Gesetzgeber stellte dem Stadtverbandstag

als beschließendes Organ

den Planungsrat zur Seite, in dem die

Kommunen gleichberechtigt vertreten

waren.

Ihre ganz große Aufgabe war die

Sanierung des Saarbrücker Schlosses.

Sie mussten dabei aber auch schon festgelegte

Dinge übernehmen.

1977 wurde ich Nachfolger Stolpes als

Leiter des Bauamtes und damit zuständig

für das Schloss, das nach einem Grundsatzbeschluss

des Stadtverbandstages

aus dem Jahre 1976 „äußerlich nach den

Stengelschen Originalplänen restauriert

werden“ sollte. Die Festlegung auf die

„Restauration“, besser Rekonstruktion

eines Baues, der inzwischen eine völlig

andere Gestalt als der Ursprungsbau

besaß, der ja nur 45 Jahre von 1748-1793

existiert hatte, bereitete mir erheblichen

Kummer. Es fanden sich weder

die Originalpläne Stengels (nur ein paar

Verkleinerungen aus Lohmeyers Gartenbuch),

geschweige denn exaktere

Bestands aufnahmen. Ein Bildvergleich

des überlieferten mit dem erwünschten

Schloss zeigte, dass man für den Neubau

nach Friedrich-Joachim Stengel den

bestehenden Bau bis auf die Keller hätte

abreißen müssen. Diese Ausgangslage

machte eine Rekonstruktion nicht, wie

behauptet, so ohne weiteres möglich.

Das bestehende Schloss – „sicher ein Bau

mit Plagen“, wie Landeskonservator Martin

Klewitz damals urteilte, war immerhin

ein wichtiges Saarbrücker Denkmal und

insofern nicht einfach abzubrechen. Da

außerdem die städtebauliche Einfügung

des gut sieben Meter höheren Stengel-

Schlosses noch nicht, wie immer verlangt,

behandelt war, bot sich die Chance, in

einem gutachterlichen Planverfahren den

gesamten Fragenkomplex noch einmal

zu erörtern. Das brachte Antworten auf

die noch offenen städtebaulichen Fragen,

aber auch Zweifel an der Berechtigung

einer Rekonstruktion.

Das haben Sie alles sehr ausführlich

in einem Aufsatz veröffentlicht. Wir

müssen hier vielleicht nicht weiter darauf

eingehen.

30


Schloss Saarbrücken vor und nach dem Umbau

durch Gottfried Böhm, Festsaal mit Decken- und

Wandgemälde von Böhm, 1982-89

Wir haben dann noch bis mindestens ins

Jahr 1981 im Stadtverband über Stengel

oder Knipper gestritten, um schließlich

1982 Gottfried Böhm zu bewegen, seinen

im Wettbewerbsplan skizzenhaft angelegten

Vorschlag in einen baubaren Plan für

den Mittelpavillon umzusetzen. Wir haben

dann das Schloss renoviert und ergänzt

und damit eine Schlacht gewonnen, die

auch für die bundesrepublikanische Diskussion

wichtig war, weil um die Zeit die

ersten Rekonstruktionssüchte umgingen.

Das wurde weithin beachtet und ist bis

heute immer noch als großartig anerkannt.

Sie haben dafür eine „Aufbaugesellschaft“

gegründet. Hat es das vorher

schon einmal gegeben?

Nein. Nur zum Bau von Krankenhäusern

und anderen sozialen Einrichtungen gab

es ähnliche Konstruktionen. Die Aufbaugesellschaft

Saarbrücker Schloss, kurz

ASS, hatte zwei Vorteile. Der erste: Ich

musste nicht in jeder Frage wieder in

allen Ausschüssen über das Schloss diskutieren.

Zum anderen hatte sie einen immensen

finanziellen Vorteil, der dem Parlament

sofort einleuchtete. Wir konnten

die Mehrwertsteuer aller Rechnungen im

Vorabzug verrechnen. Das brachte in der

Finanzierung riesige Vorteile – so konnten

wir für die Bauzeit etwa 17 Millionen DM

an Finanzierungskosten sparen. Zu diesem

Zweck erwarb die ASS das Schloss

und den Schlossplatz, etwas später noch

alle den Platz umstehenden Gebäude. Sie

existiert und funktioniert bis heute. Der

Stadtverband zahlt heute seine Mieten

mit Umsatzsteuer und so bekommt der

Fiskus langsam seine zunächst erlassenen

Steuern zurück.

Neben der wichtigsten und größten

Aufgabe Schloss haben Sie doch auch

noch weitere schöne Bauten betreut, das

Riegelsberger Rathaus, dann die Berufsschule

in Brebach-Fechingen. Beides

waren Wettbewerbe?

31


Kaufmännisches Berufsbildungszentrum

Brebach-Fechingen, 1980-82

Architekt Bernhard Focht, Kunst am Bau von

Leo Kornbrust und Lukas Kramer

Für alle neuen Hoch- und größeren Erweiterungsbauten

hatte ich durchgesetzt,

Wettbewerbe auszuloben. Den Wettbewerb

zum Kaufmännischen Berufsbildungszentrum

in Brebach-Fechingen

gewann Bernhard Focht, der dann gleich

zwei verschiedene Entwürfe abliefern

musste, als wir den ursprünglich vorgesehenen

Standort wechselten. Durch

die künstlerische Mitwirkung von Lukas

Kramer und Leo Kornbrust wurde die

Schule ein großer Erfolg. Sie waren von

Anfang an dabei. Focht und ich wollten

die Kunst als „Hefe im Teig“ nutzen. Das

Parlament hat es akzeptiert. In Brebach

hat Kramer alle Farben bestimmt und

ein zentrales Bild für die Aula gemalt, in

die durchbrochenen Dachträger farbige

Mikadostäbe eingeschoben. Kornbrust

setzte sich zum Schluss auf die Planierraupe,

um das Gelände zusammenzuschieben

und uns zu zeigen, dass seine

Terrain modellage funktionierte. Im Übrigen

arbeitete er mit seinen Schülern an

verschieden Sandsteinskulpturen für den

Schulhof. Eine lebendige Schule; von den

Lehrern und Schülern geliebt und 1983

mit dem Preis des Bundes Deutscher

Architekten (BDA) ausgezeichnet. Für

die Heizung haben wir uns nach langer

Diskussion für ein gasgetriebenes Blockheizkraftwerk

mit Erdwärmenutzung

eingesetzt, das neben der Wärme auch

den elektrischen Strom für die Schule

erzeugte. So wurden wir zugleich energetische

Pioniere, denen allerdings zunächst

viel zu wenige folgten. Auch in anderer

Hinsicht betraten wir insofern Neuland,

als wir, nicht nur um Kosten zu sparen,

für die Architektur und die Außenanlagen

Hierarchien verlangten. So konnten Fassaden

nach jeweils anderen Ansprüchen

ebenso differenziert werden wie z. B. die

Bodenbeläge der Schulhöfe. So entstand

eine Alles in Allem bilderreiche, lebendige

Gesamtarchitektur, die zudem Kosten

einsparte. Die so und durch eine scharfe

Kostenkontrolle ersparten zwei Millionen

DM wollten die Schulleitung, Focht und

32


ich gerne für ein Gründach und Solarzellen

einsetzen. Das ist uns damals leider

nicht gelungen, der Stadtverband setzte

damals andere Prioritäten.

Bei sorgfältiger Planung kann man also

eine Menge Geld sparen?

Natürlich, besonders wenn man Alle von

Anfang an mitnimmt, die eigene Verwaltung,

den Beigeordneten Heinrich Wahlen

wie seinen Schulamtsleiter Günter

Biard. Sie wurden so zu „Bauherren“ und

mitverantwortlich für gute Projekte.

Apropos Riegelsberg: Der Entwurf von

Miroslav Volf entstammte einem offenen

Wettbewerb, den mein Bauamt als

Dienstleistung für die Gemeinde auslobte.

Mit diesem Wettbewerb konnten wir

nicht nur verhindern, dass das Rathaus

nicht, wie ursprünglich geplant, auf die

grüne Wiese geriet, sondern mitten im

Ort verblieb und ein schönes Ensemble

aus Alt und Neu bildete – zudem

preiswerter als alle zuvor diskutierten

Lösungen. Die Beratung der Gemeinden

in baulich-städtebaulichen Fragen wurde

zu einer unserer wichtigsten Aufgaben –

Albert Weber, Leiter unserer Hochbauabteilung

und seine Nachfolgerin, Euthymia

Graßmann-Gratsia, haben mich – nicht

nur auf diesem Feld – kräftig unterstützt.

Die Planer unter Walter Delarber hatte ich

schon erwähnt.

Das Eckhaus zur Kappengasse am

St. Johanner Markt ist ebenfalls aus

der Diskussion mit Focht entstanden.

Wie kam es denn dazu?

Mit Johannes Habich, dem Landeskonservator

(meinem Vorgänger im Konservatoramt

), war ich gut befreundet. Da

er und der an sich zuständige städtische

Denkmalpfleger Dieter Heinz mit Focht

zu keiner befriedigenden Lösung für

das Bauproblem fanden, bat er mich

um „kollegiale“ Unterstützung. Das

war seit den gemeinsamen Positionen

zum Schloss ein ständiges Geben und

Nehmen. Ich schlug nur vor, das Frontmauerwerk

des östlichen Baus auf dem

vormals zweiherrigen Grundstück zu erhalten

und es mit konsequent moderner

Architektur im Maßstab des Erhaltenen

zu umspinnen. So kam die „Geschichte

ins Entwerfen“ und Focht zu einem seiner

schönsten Bauten. Und die fabelhaft und

behutsam von Dietmar Kolling sanierte

Tante Maja ein gutes Vis-à-vis.

Und es ist ein Beweis dafür, wie man in

einem bestehenden alten Ensemble mit

moderner Architektur arbeiten kann.

Heutzutage würde man sicherlich die

Ecke rekonstruieren wie in Frankfurt.

Nach zehn Jahren kamen keine neuen

Herausforderungen auf Sie zu und da

sind Sie zur Denkmalpflege gewechselt.

Das wurden dann erfolgreiche 17 Jahre.

Sie haben dort eine Menge geleistet.

Diesen Wechsel habe ich Johannes

Habich zu danken. Habich, gerade

drei Jahre im Amt, wurde, zu meinem

Kummer, als Landeskonservator in seine

Heimat Schleswig-Holstein berufen und

schlug mich – er wollte partout einen

Architekten – als seinen Nachfolger

vor. Kulturminister Diether Breitenbach

hat mich dann berufen. Die Aufgaben

einer Fachbehörde waren mir zunächst

fremd, der Ausweis meiner Tätigkeiten in

den Grundsatzfragen zum Saarbrücker

Schloss schien den Ausschlag zu geben,

die Referenz meiner Tätigkeiten als Untere

Denkmalschutzbehörde beim Stadtverband

eingeschlossen.

Wir haben im Land eine sehr schwierige,

heterogene Denkmallandschaft, die sich

sehr häufig mit Verlusten und Störungen,

die sie als Grenzregion in Kriegen und

dem beständigen Wechsel der politischen

Verhältnisse erfuhr, auseinander

setzen muss. Unsere Schlösser – einzig

Münchweiler blieb wie durch ein Wunder

wirklich erhalten – sind zerstört, unsere

Burgen nur in Relikten erhalten.

Uns fehlt die Kathedrale, wenngleich wir

mit dem Alten Turm in Mettlach, St. Peter

in Merzig, St. Mauritius in Tholey oder

der Stiftskirche in St. Arnual, der Schinkelkirche

in Bischmisheim – ich weiß,

die Aufzählung ist unvollständig – und

einer Reihe bedeutender historistischer

und zeitgenössischer Kirchen durchaus

wichtige sakrale Denkmäler besitzen, so

fehlen uns Pendants im Profanen, sehen

wir von einigen wenigen bedeutenden

Rathäusern, wie dem Saarbrücker einmal

ab, das, wie die leider inzwischen schwer

geschädigte Bergwerksdirektion, die

Industrie- und Bürgergeschichte des

19. Jahrhunderts vertritt. In den Dörfern

und Städten fehlt oft der „Kitt“ ungestörter,

sich anschaulich in Ringen entwickelnder

Siedlungsgeschichte. Einmalig,

zuweilen verstörend, aber auch schön

stehen in dieser Landschaft die Zeugen

seiner industriellen Entwicklung, unsere

erst jüngst entdeckten Industriedenkmäler

des 19. und 20. Jahrhunderts,

immer wieder durchsetzt, wie z.B. in

St. Ingbert, mit Zeugen der industriellen

Vorgeschichte. Schon Martin Klewitz,

mein Vorvorgänger im Amt, hatte mit

seiner Mannschaft um den Erhalt von

Arbeitersiedlungen gekämpft, sein Nachfolger

Habich versuchte, die Stumm’ sche

Eisenhütte in Neunkirchen wenigstens in

einem Minimalensemble zu retten.

Sie haben sich dann intensiv mit den

Industriedenkmälern beschäftigt. Zuerst

mit Völklingen oder stand am Beginn die

Straße der Industriekultur?

Das Eine ergab sich – ohne besondere

Wichtung – aus dem Anderen. Am Anfang

stand die systematische, flächen deckende

Erfassung möglichst aller Industriedenkmäler

des Landes. Die Mitarbeiter Karl

Kirsch, Norbert Mendgen, Georg Skalecki,

Volkmar Dietsch und ich bestimmten und

erläuterten ihren Denkmalwert, diskutierten

ihn immer nach ausführlichen Besichtigungen

mit dem Landesdenkmalrat,

33


um sie anschließend als Einzeldenkmäler

oder Ensembles in die Denkmalliste

einzutragen. Aus unseren Entdeckungen

entstand eine Straße der Industriekultur,

die neben dem Saarland auch Luxemburg

und Lothringen erschließen sollte. Armin

Schmitt und Peter Backes beschrieben

und bebilderten sie ausführlich und sehr

lebendig in unserem Buch als „Denkmäler

saarländischer Industriekultur“ für die

saarländische Strecke. Die Denkmalämter

in Luxemburg und Lothringen folgten

etwas später mit vergleichbaren Buchprojekten.

Als ausgeschilderte Straße oder

„Route“ der Industriekultur aber besteht

sie, leider, leider, bis heute nicht. In der

„Alten“ Völklinger Hütte sahen wir das

wichtigste Denkmal der Eisenverhüttung

aus Großmaschinen und Bauten, das

exemplarisch für das Saarland steht und

seine Geschichte begreifbar macht.

Aus dem mehr als 45 ha großen Hüttenterrain,

das 1986 mit dem Ende der Roheisenphase

brach fiel, erklärten wir 17 ha

zum Flächendenkmal Alte Völklinger Hütte.

In ihm nahmen wir sechs Hochöfen mit

18 Cowpern und drei Trockengasreinigern,

Möller- und Erzbunker wie Sinteranlage,

Gebläsehalle mit Maschinenbesatz,

Kokerei und Wasserturm mit Pumpenhaus

und die Handwerkergasse unter unsere

Fittiche. Ein in der Tat überwältigender

und weltweit einmaliger Denkmalkomplex

der Eisenverhüttung.

Völklingen war zunächst ein Denkmal,

bevor es später in die Liste des UNESCO-

Welterbes eingetragen wurde. Das

geschah doch wohl auch durch Ihren

besonderen Einsatz?

Eine verwegene, wenn auch logische Folge

unserer denkmalfachlichen Arbeit. Neben

dem unersetzlichen Landesdenkmalrat hat

uns besonders die Initiative Völklinger Hütte

geholfen. Mit ihr und „Steelopolis“, einem

Gemeinschaftsprojekt meines Amtes mit

der Hochschule der Künste in Berlin, haben

wir die „Verbotene Stadt“ geöffnet und mit

Aktionen und Führungen den Menschen

gezeigt, wie eine Hütte funktioniert, von

innen aussieht und was sie noch im brach

gefallenen Zustand zu leisten vermag.

Der „Schichtwechsel“ von Armin Schmitt

und seinen Freunden, ein inhaltlich an

„Steelopolis“ anschließendes Projekt, hat

dann mehr als zehn Jahre lang die Gebläsehalle

für Veranstaltungen erschlossen. Um

die stark Einsturz gefährdete Decke der Gebläsehalle

zu sanieren, besorgte ich erstes

Geld aus dem Fond DGX 10 in Brüssel.

Zeitgleich hatte ich mit dem Architekten

Thomas Stolpe Pläne für eine städtebauliche

Zukunft der Industriebrache entwickelt. Sie

bestätigten unsere ernsthaften Absichten

nicht nur in Brüssel.

So wuchs langsam und aus vielen Anregungen

die Idee, die Alte Völklinger

Hütte für die Liste des Weltkulturerbes zu

melden. Kulturminister Diether Breitenbach

und Staatssekretär Kurt Bohr

sorgten für die notwendigen Kontakte

zur Kultusministerkonferenz und zum

Auswärtigen Amt. Skalecki übernahm

die Bearbeitung der Welterbeanträge, ich

ergänzte sie 1993 zur Endfassung. Die

Kultusministerkonferenz musste zwei Projekte

aus einer 10er-Meldeliste auswählen

und an das Auswärtige Amt nach Paris

melden. Wir standen auf dem zehnten

Platz, hatten aber das Glück, plötzlich an

die Spitze zu rücken, als die Anmeldung

eines konkurrierenden Bundeslandes

ausfiel. Glück muss man haben!

Unsere Pariser Kontakte beschleunigten

das Projekt, so dass die Hütte 1994 in

Phuket in die Welterbeliste der UNESCO

aufgenommen, die Urkunde am 13. August

1995 in Völklingen überreicht werden

konnte. Die Entscheidung, die Hütte für

die Welterbeliste zu melden, hat mich viele

schlaflose Nächte gekostet und mir erhebliche

Skrupel bereitet. Wir ahnten und

fürchteten die großen Lasten, die auf das

Land zukommen würden. War das Denkmal

nicht ein einziger Schrotthaufen, der

in absehbarer Zeit in sich selbst zusammen

fallen würde? Was also tun?

Erprobte Erhaltungskonzepte für Denkmäler

dieser Spezies fehlten, mindestens

in Deutschland. Professor Gerd Selle, ein

bekannter Fachmann für Kulturpädagogik

und Design wollte das „erloschene Feuer“

der Hütte nicht wieder „anfachen“ und

plädierte für ihren Erhalt als verfallende

Ruine. Ähnliches hatten wir uns ausgedacht.

Mit der „kontrollierten Industrieruine“

wollten wir die Hütte im Laufe der

Zeit soweit sichern, dass man sie besuchen

konnte – und Abschied nehmen. Dieses

Modell entstand nicht nur im Respekt vor

den Spuren der Arbeitswelt der Hütte

sondern auch in Sorge um die knappen

Finanzmittel des Landes und des Bundes.

Wir haben auch noch andere Modelle

entwickelt, ein gutachterliches Planverfahren

durchgeführt, städtische Wettbewerbe

begleitet, mit den Professoren

Lucius Burckhardt aus Kassel und Walter

Maria Förderer aus Karlsruhe-Stuttgart und

ihren Studenten tagelang diskutiert. ABM

Kräfte unter Manfred Görgen haben die

Ärmel hochgekrempelt und erste Wege im

Gelände gebahnt. Aber ich will auf Details

nicht weiter eingehen. Am Schluss erhärtete

sich unser Konzept, die Hütte möglichst

unangetastet – gleich der Akropolis – in

die Zukunft zu führen. Es hat sich nicht

vollständig durchhalten lassen, aber im

Wesentlichen bewährt. Ich bin froh, dass

unsere Bürgergesellschaft so mutig war,

die Hütte als Ganzes anzunehmen und zu

erhalten. Natürlich ist sie immer noch eine

rost rote Industrieruine, natürlich verlieren

wir jeden Tag die berühmten „Kacheln

des Raumschiffes“ Völklinger Hütte, aber

wir haben ihre „Überlebenszeit“ doch

stark erweitert. Was saniert wurde, wird

die nächsten dreißig Jahre – immerhin die

Spanne einer weiteren Generation – sicher

überstehen. Der Generaldirektor Meinrad

Maria Grewenig hat weiterhin schwerste

Arbeit vor sich. Aktuell müssen die

Trockengasreinigungen und der älteste Teil

der Hütte, das Kraftwerk Nr. 1 dringend

gesichert werden. Ich sehe die Entwicklung

in Völklingen mit großer Freude.

34


Weltkulturerbe Alte Völklinger Hütte,

Gebläsehalle mit Großmaschinen

Glockenverschluss des Hochofens

S. 36-37:

Gesamtansicht der Hochofengruppe von Osten

Das in der Kokerei begonnene Gartenreich,

ein kleiner Garten Eden, könnte sich bis an

die Saar ausbreiten und über die Schlackenbahn

auch die beiden Halden Hermann und

Dorothea erreichen. Wie wäre es mit einem

„industriellen“ Gartenreich von Fenne bis

Völklingen – eine Landesgartenschau – wie

es bisher keine gab?

Die erstmalige Beleuchtung der Völklinger

Hütte ist ebenfalls Ihr Verdienst?

Ja und nein – ich war zunächst gegen

solche Lichtspiele, wollte die Hütte nur

von Zeit zu Zeit mit einigen ihrer Leuchtröhren

aufleuchten lassen. Die Idee zur

heutigen Ausleuchtung hatte Reinhard

Klimmt, damals Ministerpräsident und

mittelbeschaffender Finanzier. Die

Ausleuchtung der Hütte war ein lang

gehegter gesellschaftlicher Wunsch.

Deswegen übernahm ich mit dem Amt

das Gesamtmanagement bis hin zum

pfenniggenauen, den Kostenrahmen

einhaltenden Verwendungsnachweis.

Und gestehe, dass mir das Ganze bis hin

zum großen Eröffnungsabend viel Freude

brachte. Den ausgelobten Ausleuchtungswettbewerb

gewann der Berliner Hans

Peter Kuhn. Er entwickelte eine ganz freie

Farbkomposition für die Hütte. Das war

damals, 1999, eine tolle Sache.

Sie ist es bis heute. Die Völklinger Hütte

ist ein Erfolgsmodell und ein Touristenmagnet,

die anderen Zukunftsorte,

Göttelborn und Reden, wurden sehr viel

mehr gewerblichen Belangen geopfert.

In der Route der Industriekultur aus dem

Jahre 2001 – Karl Ganser hatte mit uns

und vielen guten Köpfen zu einem neuen

Aufbruch in der Industriedenkmalpflege

und Landesentwicklung geblasen – fanden

sich neben den Ikonen Völklingen

und Carreau Wendel unter anderen auch

Göttelborn und Reden als sogenannte

Zukunftsorte von hervorgehobener

Bedeutung.

35


Denkmalensemble Alte Schmelz, St. Ingbert

Göttelborn sollte zum Sitz eines „neuen

Bauhauses“ werden, Reden zunächst im

„Dornröschenschlaf“ einer mächtigen

Rosenpflanzung versinken. Beide Denkmalorte

wurden dann zu Feldversuchen

ambitionierter Gewerbe- und Industrieansiedlung,

sieht man vom Vergnügungspark

Gondwana in Reden und den dort

behausten Landesämtern einmal ab. Nicht

mehr überall zeigen die Denkmäler den

von uns gewünschten Status. Dennoch

sind sie als Relikte auch Leuchttürme

unserer Region. Zusammen mit den Orten

und Leistungen unserer Zeit, die sich z.B.

im Umgang mit den Siedlungen der Alten

Schmelz in St. Ingbert, Von der Heydt,

Maybach, Göttelborn und vielen anderen

Orten unserer Industriekultur veranschaulichen,

könnte leicht eine im Wortsinne

„ausgezeichnete“ Route der Industriekultur

im Saarland entstehen. Vielleicht greift

man ja das zum Ende meiner Amtszeit

unter Gansers Einfluss entstandene Konzept

wieder auf und setzt es, beschildert

und örtlich erklärt, einmal um. Es wäre

die Essenz nicht nur meiner Arbeit zur

Industriekultur im Saarland.

Zu Ihrer Zeit gab es neben den Erfolgen

auch den großen Streit um das Krankenhaus

in Merzig.

Den wollen wir nicht unter den Teppich

kehren. Nach sieben fetten Jahren

nämlich folgten für die Denkmalpflege

sieben biblisch magere. Die sehr schöne

Dreiflügelanlage, Landes krankenhaus

und Nervenheilanstalt, in preußischer Zeit

von 1872-76 als Provinzial-Irrenanstalt

von dem Koblenzer Architekten Carl-

Friedrich Dittmar im Rundbogenstil

gebaut, zählt neben der Bergwerksdirektion

in Saarbrücken zu den wichtigsten

Denkmälern des 19. Jahrhunderts im

Lande. Einen entsprechend umsichtigen

Umgang verlangten wir von unseren

Partnern, als das Gebäudeensemble zu

einem Krankenhaus der Regelversorgung

umgebaut und in Teilen erweitert

werden sollte. Der von uns empfohlene,

auf zehn Büros beschränkte Wettbewerb

brachte eine Empfehlung für zwei

zweite Preisträger, die beide nicht zum

Zuge kamen. Der Bauherr wählte just die

Entwurfsarbeit, die beim ersten Durchgang

der Jury wegen erheblicher Mängel

ausgeschieden war. Seine Lösung war für

das Denkmal nicht zu verantworten. Ich

habe sie abgelehnt. So konnte das nach

dem Denkmalschutzgesetz notwendige

Einvernehmen mit der Hausherrin, der

Ministerin für Soziales, nicht hergestellt

werden. Auch der Landesdenkmalrat, der

in Dissensfällen anzuhören war, stimmte

nicht zu.

Daraufhin genehmigte der Kulturminister

als nach dem Gesetz streitentscheidende

Oberste Denkmalschutzbehörde

das Bauvorhaben. Seine Entscheidung

begründete er nicht mit wirtschaftlichen

und gesundheitspolitischen Gründen, die

wir durchaus akzeptiert hätten, sondern

allein mit denkmalfachlichen Argumenten.

So war das Ansehen des Amtes

und des Denkmalrates beschädigt. Der

Landesdenkmalrat trat zurück, wir saßen

an einem zerschnittenen Tischtuch und

mussten über Jahre mit ansehen, das

freigewordene Stellen im Staatlichen

Konservatoramt zunächst nicht wieder

besetzt wurden.

Es war immer sehr wirkungsvoll, wenn

der Landesdenkmalrat öffentlich Stellung

bezog und Merzig war fast ein Skandal.

Zu Ihrer Zeit konnte er noch wirksam

sein, im Gegensatz zu heute. Bei der

Bergwerksdirektion hat er erfolglos rebelliert.

Aber wie war Ihre Zusammenarbeit

mit dem Landesdenkmalrat?

Immer gut, immer friedlich. Für mich

vertrat der Landesdenkmalrat das vom

Gesetzgeber für jede Denkmalerkenntnis

vorausgesetzte „öffentliche Interesse“.

So haben wir mit ihren Vorsitzenden,

zunächst mit Franz Josef Reichert, später

Heinz Quasten alle Denkmalerkenntnis,

die vom Landesdenkmalrat in örtlicher

Wahrnehmung mitgeprüft worden war,

erst nach seinem zustimmenden Votum

in die Denkmalliste aufgenommen. Wenn

das Votum des Rates eigentlich auch nur

für die Eintragung von Ensembles vorgeschrieben

war, uns schien es wichtig, die

Denkmale unter uns unstrittig zu halten,

sie gemeinsam zu vertreten. Die Resolutionen

des Denkmalrates wurden zu

seinem Markenzeichen und unersetzliche

Schutzschilde für so manches gefährdete

Denkmal.

Die Rettung der Völklinger Hütte danken

wir wesentlich seinen Interventionen und

Plänen. Auch der von der Handwerkskammer

und dem Kulturminister ausgelobte

Denkmalpflegepreis war ohne seine

Mitwirkung nicht zu denken.

Die Deformation der Bergwerksdirektion,

ihre Totalentkernung habe ich nicht mehr

mitzuverantworten. Sie war eines unserer

wichtigsten Denkmale des 19. Jahrhunderts,

die Hauptverwaltung des Königlich-

Preußischen Bergfiskus an der Saar,

38


Denkmalensemble Von-der-Heydt, Saarbrücken

Schlafhaus 1 (Casino) und Schlafhaus 2 (die Kirch)

entworfen und gebaut von 1877-80 nach

Plänen der berühmten Berliner Architekten

Martin Gropius und Heino Schmieden.

Frau Dittmann, wir haben sie als Bürger

gemeinsam verteidigt, leider ohne Erfolg.

Ihre Totalentkernung und Verstümmelung

verdanken wir der Ausschaltung der

Fachbehörde. Das Amt war als Stabsstelle

ins Umweltministerium geraten und damit

weit weniger frei, als unser Amt es zuvor

war. Ich vermute, dass man „geraten“

hatte, sich um das ECE City-Development

Projekt nicht zu kümmern. So konnte die

Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt

Saarbrücken frei schalten und walten und

der Entkernung der Bergwerksdirektion

ohne Anhörung der gesetzlich mitzuständigen

Fachbehörde zustimmen. Das war

der eigentliche Skandal. Aufgrund der

genehmigten katastrophalen Veränderungen

müsste man den zerstörten Bau aus

der Denkmalliste nehmen – dort nur noch

die erhaltenen Straßenfassaden erwähnen.

Denkmalrat, und Öffentlichkeit wurden

gleichermaßen gefoppt.

Dem Landesdenkmalrat, dem Werkbund

und allen Mitstreitern wurde

vorgeworfen, zu spät zu kommen. Trotz

Unterschriftensammlungen, Aufklärungsaktionen

usw. wurde es leider eine

Katastrophe. Das ist sehr schade. Ähnliches

passierte mit der Villa Obenauer.

Na ja, die Fehler der Instandsetzung der

Villa Obenauer wiegen nicht ganz so

schwer. Aber da gab es einen grundsätzlichen

Fehler. Die Villa hätte in den

öffentlichen Besitz überführt werden

müssen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

versprach, Dank der Initiative des

Werkbundes, für diesen Fall zwei Millionen

der Instandsetzungskosten zu übernehmen.

Darauf ist die Landesregierung

leider nicht eingegangen und so mussten

wir mit ansehen, wie dieser Bau den

Wünschen der neuen Besitzer angepasst

wurde. Welch ein Unsinn, dem Bau eine

Loggia zu verpassen, die Peter Behrens

ausdrücklich nicht gebaut wissen wollte,

weil sie dem Bau das Gleichgewicht der

Straßenfront nimmt, ihn verstellt.

Kommen wir noch einmal zurück zu Ihrer

Arbeit als Konservator. Die Alte Schmelz

in St. Ingbert ist ja eigentlich auch ein

Erfolgsmodell.

Das ist eine der erfolgreichsten Anwendung

des von Lucius Burckhardt geprägten

Kasseler Schlagworts „Denkmalpflege

ist Sozialpolitik“. Gemeinsam mit ihren

Bewohnern haben wir für ihren Erhalt

gekämpft. Sie, Frau Dittmann, in der Zeitung

und Dietmar Schellin im Fernsehen

halfen energisch mit, den Abbruch dieser

im südwestdeutschen Raum einmalig frühen

Arbeitersiedlung zu verhindern – für

eine neue Straße sollte sie platt gemacht

werden. Wir haben mit den Bewohnern

Straßenfeste organisiert, den Landtagspräsidenten

Albrecht Herold zum Schirmherrn

bestimmt. Mit seiner Hilfe und den

Muskelhypotheken der Bewohner, mit

Zuwendungen der Deutschen Stiftung

Denkmalschutz und des Saarlandes aus

Städtebau – wie Denkmalpflegetöpfen

haben alle Bewohner step by step in nicht

weniger als 10 Jahren ihre Heimat saniert.

Die Siedlung wird von ihren Bewohnern

geschätzt und geliebt. Und zusammen

mit den anderen Teilen der Schmelz, der

Industriekathedrale – wie Robert Leonardy

die Mechanische Werkstatt nannte, als

er sie erstmals für seine Musikfestspiele

nutzte – und der Möllerhalle und dem

noch arbeitenden Drahtwerk bietet sie

ein gutes Beispiel für das ursprünglich

enge Miteinander von Wohnen und

Arbeiten in St. Ingbert.

Was ist mit den Zukunftsorten,

mit Landsweiler Reden, wo sich

der Gondwana Park ansiedelte?

Neben den „aufgeweckten“ Dinosauriern

sitzen jetzt das Landesamt für Denkmalpflege

und einige andere Landesbehörden

im geklinkerten Verwaltungs- und

Zechengebäude des Baujahres 1935. Die

Denkmalpflege meines Erachtens viel

zu weit entfernt von den Brennpunkten

fachlichen Handelns, für die Bürger nur

mit Mühe zu erreichen. Die Nutzung der

Waschkaue und des restlichen Verwaltungsgebäudes

für Delf Slottas Dokumentationszentrum

des saarländischen Bergbaus

geht dagegen schon in Ordnung. Ob

sich der Dinopark dort dauerhaft halten

kann, weiß ich nicht. Ich halte nichts

davon, solche Einrichtungen über das

ganze Land zu verstreuen. Denn in Völklingen

werden auch große Feste gefeiert,

manchmal zu Lasten der Gebläsehalle.

Solche Nachnutzungen sind für den Denkmalpfleger

immer eine Gratwanderung,

aber, da gesellschaftlich akzeptiert, muss

man sie auch als Konservator hinnehmen.

Göttelborn sollte ein „neues Bauhaus“

werden, das ist nicht passiert.

39


Burg Montclair, Mettlach, Instandsetzung und

Erschließung, mit Kurt Kühnen

Wie überhaupt aus diesem groß angelegten

Vorstoß der Ganser-Kommission

bis heute nur wenig umgesetzt wurde.

Die Landesregierung betreibt auf den

Standorten Wirtschaftsförderung. Das

kann man machen, aber nicht für die Industriekultur

reklamieren, die derzeit auch

in Völklingen weit unter Wert gehandelt

wird. Wo bleibt die Route der Industriekultur?

Wo Schichtwechsel II?

Sie haben sich auch um die wenigen

Burgen, Schlösser und Kirchen im Lande

gekümmert. Ist davon Wichtiges zu

berichten?

Wir haben mit der Burg von Kirkel, die

mit Dietmar Kollings Hilfe erstmals systematisch

ergraben, erforscht und gesichert

wurde, ein bestes Vorbild für den Umgang

mit Burgruinen. Alle saarländischen

Burgen, besser, was von ihnen blieb,

werden für die Heimatkunde erschlossen

und touristisch genutzt: Die Burg

Montclair bei Mettlach ist als Burg am

besten erhalten und ergänzt. Zwei schon

im 19. Jahrhundert erschlossene Türme

haben der Architekt Kurt Kühnen und ich

sehr behutsam mit handwerklich besten

Geländer- und Brückendetails für einen

schwindelerregend hohen und schönen

Rundweg ertüchtigt. Das implantierte

Museum und eine kleine Gastronomie –

reversibel integriert – sind dem Burgtourismus

und der knappen Ausstattung des

Landes mit lesbaren Ruinen geschuldet.

So werden die vorhandenen leicht überinstrumentiert,

übernutzt.

Das gilt für die Burgen, gilt es auch für

den Alten Turm in Mettlach?

Nein, der schützt sich selbst durch sein

grandioses Alter, seine Gestalt und seine

Geschichte. Immerhin haben Eugen

von Boch und sein Freund August von

Cohausen diesen Turm – als Oktogon

Grab und Marienkirche zugleich – nach

einer Intervention von Schinkel, die 1826

40


Alter Turm, Mettlach

Stiftskirche Saarbrücken-St. Arnual

den Abbruch verhinderte, auf gute Weise

in Ordnung gebracht. An dem Konzept

dieses besten Beispiels denkmalpflegerischen

Handelns aus dem 19. Jahrhundert

haben wir nichts geändert. Mit den

Architekten Klaus Krüger und Lutz Rieger,

Bruno Jochum nicht zu vergessen, haben

wir das Dach neu verbleit, den Bau knapp

über der Gründungssohle unterirdisch

drainiert und das Mauerwerk so umsichtig

saniert, dass von unseren Eingriffen fast

keine Spuren sichtbar wurden. Der Sandstein

des Baus reagiert sehr empfindlich

auf Luftfeuchte. So haben wir schweren

Herzens auch alle Rhododendren, die den

Turm so malerisch umschlossen, ausgegraben

und versetzt. Ganz in der Nähe steht

der Schinkelbrunnen, leider nicht in der

von Schinkel angegebenen zentralen Position

des Klosterhofs. Gegen die Interessen

der dort Parkenden konnte nicht einmal

Gottfried Kiesows Wort etwas ausrichten.

Ansonsten haben wir uns mit den denkmalreichen

Familien von Boch und von

Villeroy immer gut verstanden. In Mettlach

besitzen sie viele hochkarätige Denkmäler.

Die von einem wunderbaren Landschaftsgarten

umgeben sind, der auch viel zu

wenig bekannt ist.

Ja das industrielle Gartenreich, dazu habe

ich auch einmal einen Aufsatz geschrieben.

Der Garten wird gepflegt, aber es

fehlt ein kleiner Gartenführer.

Das ganze Land in einen Garten zu verwandeln,

könnte heute zur Zukunftsvision

werden. Die Kirchen waren ein weiteres

Arbeitsfeld.

Kirchen zählen seit Jahrhunderten zu den

klassischen Aufgaben jeder Denkmalpflege.

In allen unseren Fällen hatten wir das

Glück, mit guten Architekten zusammen

zu arbeiten, so z.B. bei der Stiftskirche in

St. Arnual mit Hubertus Wandel. Es gelang

eine wunderbare Reparatur. Schon

unter Habich begann die Sicherung des

Chores, der abzugleiten drohte in die

Sande der Saar. Dann wurde nach und

nach das Mauerwerk ausgebessert,

der Boden herausgenommen, um eine

Heizung einzubauen und Fundamente zu

stabilisieren. Der Bodenbelag wurde dann

um 15 cm abgesenkt, die Pfeilerbasis freigelegt,

so dass der Raum wieder federnd

aufsteigen, klingen kann.

Die Ludwigskirche ist das Kind von Pfarrer

Heydt, der sich dafür unendliche Verdienste

erworben hat. Mit ihm komplettierten

wir das Karyatiden-Ensemble – die

Karyatide „Friede“ stiftete Grete Baucke,

verwitwete Burbes –, deckten das Dach

neu, platzierten einen neuen Hesekiel auf

der umlaufenden Balustrade. Der Fürstenstuhl

war nie mein Projekt, er steht noch

im Rohbau. Er ist für das ikonographische

Programm sicher eine Bereicherung, aber

müsste man dann nicht als Kontrapunkt

auch die verglasten Sitze der Bürger

unter den Emporen wieder herstellen?

Solche Rekonstruktionen müssen auch

mal aufhören. Genauso wie die farbige

Außenfassung nach Stengels Vorgaben

nicht zwingend ist.

Am Dom von St. Wendel gab es nie viel

zu tun – er befand sich zu meiner Zeit in

einem guten Bauzustand. Die Kirche

St. Mauritius in Tholey dagegen gab

größeren Anlass zur Sorge: Das Sandsteinmauerwerk

der Chorflächen schälte

sich nach einer unsachgemäßen Sanierung

der 1960er Jahre. Im verglasten

nördlichen Hauptzugang befindet sich im

Eingangsportal ein schwer beschädigtes

Tympanon mit schönen Figuren, deren

Verfall wir kaum stoppen können – selbst

unser Institut für Steinkonservierung

rätselte an den Ursachen. Die naturwissenschaftlichen

Analysen und Empfehlungen

des Instituts in Mainz sind für alle

komplexen Reparaturfragen der Denkmalpflege

unverzichtbar geworden. So halfen

sie neben guten Handwerkern auch bei

der Instandsetzung von St. Peter in Merzig,

dessen Chorpartie wir aus späteren

Anschüttungen befreiten.

41


Also, über unsere Kirchen könnte ich noch

stundenlang berichten.

Sie haben sich auch mit der städtebaulichen

Denkmalpflege beschäftigt, mit

Blieskastel und der Innenstadt von

Saarlouis, einem Produkt der 1950er

Jahre. Vauban wurde erst nach Ihrer Zeit

wieder aktuell.

Die erste wirklich flächendeckende Denkmalerfassung

der kleinen Stadt Blieskastel

wurde von Volkmar Dietsch vorgenommen.

Dietsch, zwischendurch auch

Mendgen und ich, haben die Stadtkernsanierung

Blieskastels über Jahre hinweg

betreut und bei der unvermeid baren

Einrichtung der Fußgängerzone dafür

gesorgt, dass die alten Straßenprofile und

Beläge, die einst für Vieh, Fuhrwerk und

Menschen da waren, weiterhin für diese

verschiedenen Nutzungen ausgelegt

blieben.

Fast jedes Haus Blieskastels steht unter

Denkmalschutz, die Stadt ist ein einzigartiges

geschlossenes Flächendenkmal.

Bei der getreulichen Sanierung seiner

Häuser sah uns der Blieskasteler Professor

Quasten über die Schulter. Später, nicht

mehr zu meiner Zeit, wurde gegen seinen

Widerstand die eine Hälfte des wundervollen

barocken Paradeplatzes mit einem

ortsfesten Biergarten besetzt. Schade,

solche Plätze leben doch eigentlich von

ihrer freien Fläche für immer wieder

wechselnde Nutzungen.

In Saarlouis gab es einen von uns

begleiteten sehr ambitionierten Innenstadt-Wettbewerb

zur Einrichtung und

Aus gestaltung einer zentralen Fußgängerzone.

Die Stadt hat dann selber die

Straßen von Hauswand zu Hauswand mit

großformatigen Platten auslegen lassen,

sie ohne Rücksicht auf das überlieferte

Straßenprofil und Material eingeebnet.

Damit bin ich so wenig glücklich, wie mit

dem vielen Edelstahlgerät.

Aber Saarlouis ist eine schöne Stadt, die

man höchstens beschädigen, nicht aber

zerstören kann. Nicht umsonst hat sie

Vauban nach innen und außen als eine

Festungsstadt errichtet, die der Vater

Bernard Fochts und andere Kollegen

nach den schweren Zerstörungen des

Zweiten Weltkriegs wieder beispielhaft

aufbauten.

Saarlouis ist ein sehr schönes Beispiel

für den Wiederaufbau der 1950er Jahre

mit damals moderner Architektur, aber

in den tradierten Proportionen und auf

dem überkommenen Stadtgrundriss.

Zu Ihrer Zeit war die ganze Nachkriegsarchitektur

noch ein Desiderat, erst

jetzt werden die Bauten der 1950er und

1960er Jahre allmählich in der Fläche

bekannt.

Als Denkmalpfleger halten wir, zumindest

in Deutschland, mit unserer Denkmalerkenntnis

einen Respektabstand von

etwa 30 Jahren zu den Leistungen

früherer Generationen. Wenn das Landesamt

für Denkmalpflege jetzt die vor

1980 entstandene Bauten kritisch wertet

und die Besten dieser Zeit auf die Liste

setzt, so ist daran im Grundsatz nichts

zu tadeln. Ich würde mir wünschen, dass

diese Denkmalerkenntnisse – vielleicht hin

und wieder etwas besser begründet – vor

dem Listeneintrag mit dem Landesdenkmalrat

so lange diskutiert werden, bis

man sich einig ist.

So jedenfalls war es zu meiner Zeit, in

der wir bis hin in die 1960er auch schon

Nachkriegsarchitektur listeten, so z.B. die

Volkshochschul-Gebäude am Schlossplatz

und andere Bauten von Rudolf Krüger,

den Siemens Bau von Seidlein oder die

ehemalige französische Botschaft von

Pingusson, das heutige Kultusministerium,

oder Schöneckers Moderne Galerie,

das Deutsch-Französische Gymnasium

von Pierre Lefèvre, alle Schulen von Peter

Paul Seeberger und einige Wohnbauten.

Das Theater am Ring in Saarlouis war

lange ein Streitfall, schließlich aber doch

gelistet.

Jetzt kommen immer mehr Denkmale

auf die Liste. Wie kann ein Land wie das

Saarland alle Denkmäler schützen? Muss

man vielleicht eine Reihe unantastbarer

Denkmale aufstellen und die große

Masse für einen eventuellen Umbau,

Abriss, Verkauf freigeben?

Nein, da jede Generation über die Bedeutung

ihrer Denkmale neu nachdenkt,

sie neu wichtet – denken sie nur an die

Bauten des Historismus, die wir lange als

verlogen missachteten – würde das nie

funktionieren.

Im Übrigen besitzt das Saarland, trotz

aller jüngsten Nachtragungen vergleichsweise

wenig Denkmale. Im Ländervergleich

liegt es an deutlich letzter Stelle.

Das liegt, wie bereits ausgeführt, an

unserer Grenzlage, unseren Kriegs- aber

auch Selbstzerstörungen: Die Totalentkernung

der Bergwerksdirektion und die

Zerstörung der stadträumlichen Bildmacht

der Modernen Galerie durch eine

ungeschlachte Erweiterung sind nur die

prominentesten Fälle.

Trotzdem – unserer Denkmallandschaft

fehlt es nicht so sehr an Höhepunkten,

als an dem Kitt aus Siedlungen, Wohnund

Geschäftsbauten, auch öffentlichen

Bauten, die sie lesbar zu einem zusammenhängenden

geschichtlichem und

gesellschaftlichem Bild- und Erinnerungsraum

macht.

Dafür brauche ich auch den einen oder

anderen Bau, der vielleicht nicht Spitzenklasse

ist, aber zum Atmosphärischen

von Heimat beiträgt. Da bekäme uns ein

wenig mehr „Futter“ aus der Nachkriegszeit

bis in die 1980er sehr gut.

So wünschte ich mir z.B, dass die Denkmalpflege

auch um die Bauten am Grenzübergang

Neue Bremm trotz Schengen

keinen Bogen macht.

Es ist für mich einer der schönsten

Grenzübergänge Deutschlands. Die

wichtigsten Bauten sollte man erhalten.

Das Restaurant von Schrempf ist ja fast

schon Ruine.

42


Evangelische Kirche, Bischmisheim, Farbige Neufassung

des Innenraums in Anlehnung an Pläne

von von Karl Friedrich Schinkel durch Kirchenmaler

Manfred Bleßmann, Berlin

Herr Lüth, Sie haben dann noch

die helfenden Künste erwähnt, die

Ihnen wohl auch wichtig waren, also

die Ausmalungen im Theater, in der

Schinkelkirche.

Die Deckenausmalung im Staatstheater

durch Peter Schubert hat man in der Tat

uns zu verdanken. Mit Gottfried Böhm,

der das Theater sanierte und farbig neu

fasste, konnten wir uns in diesem Fall

nicht verständigen. Ich wollte einen

Kontrast zu den Klassizismen des trotz

seiner Herkunft aus dem Dritten Reich

zweifellos guten Baus von Paul Baumgarten.

Wir haben dann wieder einmal einen

Wettbewerb initiiert.

Die Kirche in Bischmisheim wirkte in

ihrer noch schwach sichtbaren barockisierenden

Ausmalung nur der Säulen im

Inneren so jämmerlich, dass ich Schinkels

Pläne zu Rate zog, um das wunderbare

Kirchlein in seinem Sinne neu zu fassen.

1987 machte ich mich mit anderen Kirchen

Schinkels in Berlin vertraut und fand

dort auch für unseren Fall einen Spezialisten,

den Kirchenmaler Manfred Bleßmann.

Nun ist der Raum, preußisch kühl

natürlich, deutlich schöner geworden.

Die etwas kümmerliche Vorfassung

haben wir unter der Bleßmann-Schinkelschen

Neufassung bewahrt.

Berlin stand am Anfang Ihres Berufslebens,

Bischmisheim mit Berlin markierte

aber noch nicht das Ende Ihrer Tätigkeit.

Sie wurden erst 2002 pensioniert.

Nach 17 Jahren zogen Sie sich vielleicht

gerne zurück. Aber Sie schalteten sich

seitdem immer wieder in die Diskussionen

im Lande ein. Sie waren ein Unruhestifter

und sind es geblieben.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

43


Route der Industriekultur

Saar (Lor-Lux)

Konzept 2002

Johann Peter Lüth

Die Industriestraße Saar (Lor-Lux) stand

1986 am Anfang meiner Arbeit in der

Denkmalpflege zur Arbeits-, Sozial- und

Siedlungsgeschichte der industriellen

Entwicklung des Saarlandes. Für die

Inventarisation ihrer Denkmäler bot sie

unverzichtbare Anregungen, zugleich

war sie die erste – weil öffentliche –

Grundlage zu ihrer Verteidigung durch

Auf klärung. Die Publikation von Armin

Schmitt „Denkmäler Saarländischer

Industrie“ wurde zu einem Renner, 1995

musste eine Neuauflage folgen. Leider

gelang es nur einzelnen Stationen der

Industriestraße – zugegeben den Wichtigsten

– sich vor Ort zu erklären. Eine

Zusammenhänge erklärende „Straße“

fehlt als fachliches und touristischen

Projekt bis heute. Die Veröffentlichung

meines letzten Textes der in der Ganser

Kommission 2002 abgestimmten „Route

der Industriekultur“ möchte „anstößig“

im Wortsinne wirken, die Route endlich

auf den Weg zu bringen.

Naturwissenschaft und Technik, Industrie

und Handel haben Orte, Landschaften

und Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert

stärker verändert als alles

menschliche Wirtschaften zuvor. Dies

gilt ganz besonders für das in vielen

Grenzkriegen zerstörte Saarland. Erst

im 19. und frühen 20. Jahrhundert fand

dieses Land zu seiner heutigen Gestalt.

Seine eigent lichen Denkmäler sind

neben den großtechnischen Anlagen der

Eisenverhüttung und Stahlverarbeitung,

der Gruben und Glashütten, vor allem

die Werkssiedlungen, Arbeiterhäuser und

sozialen Einrichtungen, aber auch die

technischen Leistungen in den Bereichen

des Verkehrs, der Energie-und Wasserversorgung.

Diese Zeugnisse will die Route

der Industriekultur Saar (Lor-Lux) vorstellen

und in ihrer Bedeutung für die Gestalt

ihrer Orte, Landschaften und Lebenseigentümlichkeiten

erklären. Sie zeigt

damit auch Beispiele, wie in der Vergangenheit

und Gegenwart mit dem industriellen

Erbe und seinen Folgeeinrichtungen

44


umgegangen wurde und regt an, das

noch nicht Genutzte, eben oder künftig

brachfallende als wichtige Ressourcen

und anschauliche Erinnerungsmale neu zu

gebrauchen und neu zu begreifen.

Die Route der Industriekultur präsentiert

Standorte und Objekte, an denen die

Industriegeschichte des Saarlandes grenzüberschreitend

zusammen mit Lothringen

und hinüberreichend bis nach Luxemburg

(Saar-Lor-Lux) ablesbar wird. Die Route

ist in drei Hierarchiestufen verfasst:

Stufe 1 sind die „Ikonen“, Stufe 2 sind

hervorgehobene Standorte, die in ihrer

baulichen Anlage und ihrer geschichtlichen

Aussage unverzichtbar für das Verständnis

sind. Stufe 3 schließlich besteht

aus einem weit verzweigten System von

lokalen Fund steIlen und industriegeschichtlichen

Orten. Die Stationen der

Industriestraße folgen der Saar aufwärts

und zweigen in die sie begleitenden

Seitentäler in den Saarkohlewald ab. Das

Projekt „Industriestraße Saar-Lor-Lux

2000“ geht zurück auf die Vorarbeit der

staatlichen Denkmalpflege in Luxemburg,

Lothringen und dem Saarland.

Mettlach (B 1)

Mettlach zählt wie Burbach, Göttelborn,

Reden, Neunkirchen und St. Ingbert

zu den Ankerpunkten der Route der

Industriekultur. Die thematisch mit dem

Begriff Keramik und Industriegeschichte

verbundenen Folgeorte bis Mettlach,

dienen der Erläuterung des Themas und

der Bestätigung seiner Vielfalt. Mettlach

oder Villeroy & Boch stehen weltweit für

Keramik. Für die Anschaulichkeit dieses

Begriffs, seiner Wirtschafts-, Sozial- und

Baugeschichte steht die früheste – im

Saarland bekannte – Konversion des ehemaligen,

1793 säkularisierten, barocken

Benediktinerklosters St. Peter in eine

Keramikfabrik. In ihr finden sich heute die

Verwaltung und Direktion, Ausstellungen

zur Produkt-und Wirtschaftsgeschichte,

aber auch Tagungen und Konzerte im

Refektorium.

Der unmittelbar benachbarte „Alte Turm“

(989) zählt zu den herausragenden Zeugnissen

ottonischer Zentralbaukunst von

nationalem Rang. Auf Anregung von

Karl Friedrich Schinkel, der sich 1828 vor

Ort zu Terrakotten und Keramik informierte,

wurde er als Denkmal gerettet

und beispielhaft instand gesetzt. Als

gutes Beispiel früher Denkmalpflege dient

er seitdem als „Turmmarke“ für die Werbung

des Unternehmens Villeroy & Boch.

Zwei Schlösser und zwei Parks repräsentieren

Wohnkultur und gesellschaftlichen

Führungsanspruch der Industriellenfamilien

des Großbürgertums im ausgehenden

19. Jahrhundert.

Schloss Ziegelberg, 1878/79 durch

Edmund von Boch im Stil der damals

be1iebten Neo-Renaissance französischer

Provenienz errichtet, präsentiert sich heute

als keramisches Museum mit Wechselausstellungen,

nicht nur zur Produktion des

Unternehmens Villeroy & Boch.

Schloss Saareck entstand 1901 bis 1903

als Nachbildung des Schlosses Gondorf

an der Mosel gegenüber der Fabrik am

anderen Saarufer und dient heute als

Gästehaus. Sein Park entstand nach

Plänen des Münchner Gartenarchitekten

Seitz bereits in den 50er Jahren des

19. Jahrhunderts. Bemerkenswert in ihm

das ehemalige, 1854 entstandene Bochsche

Privatgestüt, eine der ersten privaten

Gründungen dieser Art in Deutschland.

Im Übrigen prägen Werksanlagen des

späten 19. und 20. Jahrhunderts, Sozialeinrichtungen

(Krankenhäuser, Schulen)

und der Werkswohnungsbau den Ort.

Seine heutige Gestalt und Schönheit

verdankt er in etwa zu gleichen Teilen

seiner klösterlichen wie industriellen

Vergangenheit.

Nebenstraßen

Wer seine Kenntnisse zur Unternehmensund

Wirkungsgeschichte der Industriellenfamilien

von Villeroy und von Boch

vertiefen will, sollte Merzig, Wallerfangen

und Wadgassen besuchen.

Merzig (B 1.1)

In Merzig gründete der Schweizer

Wilhelm Tell von Fellenberg, Erzieher der

Familie von Boch und mit ihr verwandt,

1858 eine einfache, am Seffersbach

gelegene Tonwarenfabrik, die 1879 von

Villeroy& Boch übernommen und zu einer

der berühmtesten Terrakottenfabriken

Europas ausgebaut wurde. Ludwig II. ließ

sich hier seine Bau-und Figurenterrakotten

für das Schloss Herrenchiemsee fertigen.

Von der Repräsentanz der Familie von

Fellenberg zeugen im Übrigen das

Fellenberg-Schlösschen – ursprünglich

Wohnhaus der Familie, heute Museum –,

das Fellenbergstift, bis vor kurzem

Krankenhaus, und der Fellenbergpark.

Die alte Fellenbergmühle wurde 1927 zu

einem Produktionsbetrieb für Uhrmacherwerkzeuge

und Graviermaschinen. Der

feinmechanische Betrieb, dessen Elektrik

und Treibriemen von einer Wasserturbine

bedient werden, ist in seiner originalen

und bis heute funktionstüchtigen

technischen Ausstattung ein besonderes

Denkmal der Technikgeschichte, die den

Übergang von der handwerklichen zur

industriellen Produktion zeigt.

Mit der Merzig-Büschfelder-Eisenbahn,

früher Privatbahn, heute im Betrieb

des Museumseisenbahnclubs Losheim

(MECL), gelangt man aufs Land an den

Losheimer See oder zum barocken Schloss

Münchweiler, das seine Existenz einer

frühen Eisenhütte verdankt (von der heute

allerdings nichts mehr zu sehen ist).

Wallerfangen (B 1.2)

Von der Existenz der 1790 durch den

Lothringer Nicolas Villeroy gegründeten

Fayencerie und ihren industriellen

Folgeunternehmen aus der Fusion Villeroy

& Boch – 1836 heiraten Octavie Villeroy

und Eugen Boch – und der weiteren

Familie künden heute nur noch die Parks

und Bauten von Villeroy und von Papen

sowie das philanthropische Unternehmen

der Adolfshöhe. Um den kleinen,

langrechteckigen Park der Adolfshöhe

versammelt sich eines der schönsten

45


spätklassizistischen Bauensembles französischer

Stilprovinienz. 1864-74 stiftet

Nikolaus Adolph de Galhau, Gutsbesitzer

und Teilhaber an der örtlichen Steingutfabrik,

ein Rathaus für die Gemeinde,

das Friedensgericht und drei Schulhäuser,

eine frühe Vorwegnahme des Schulbaus

im Pavillonstil.

Der Park um das Schloss Villeroy entstand

noch im Spätbarock; für den wundervollen

und schönsten Landschaftspark des

Saarlandes um das 1945 zerstörte

Schloss von Papen zeichnet wieder

einmal der Gartenarchitekt Seitz aus

München verantwortlich. Auch diese

Leistungen gehören zur Industriekultur

des 19. Jahrhunderts.

Wadgassen (B 1.3)

Als Konversionspalimpsest könnte man

die Geschichte der barocken Prämonstratenserabtei

Wadgassen bezeichnen.

Auf den Überresten der stark zerstörten

Anlage errichtete Nicolas Villeroy 1843

zusammen mit den Industriellen Karcher,

von Boch und Raspiler die sogenannte

Cristallerie.

1883 ging die Anlage in den vollständigen

Besitz von Villeroy & Boch über,

die eine große Glashütte mit mehreren

Schmelzöfen errichtete. Heute nimmt

das ehemalige Wirtschaftsgebäude des

Klosters das Zeitungs- und Druckereimuseum

auf. Was wird mit der Cristallerie

geschehen, nachdem das Theater

ausgezogen ist? Bleiben soll in jedem Fall

das Motorradmuseum.

Völklingen (A 1)

Die Völklinger Hütte und das Kohlebergwerk

Carreau Wendel zählen zu den Ikonen

einer grenzüberschreitenden Straße

der Industriekultur. In ihnen brechen sich

– ähnlich wie in einem Kaleidoskop – die

unterschiedlichsten Aspekte und Bedeutungen

der Industriekultur und Technikgeschichte

des 19. und 20. Jahrhunderts.

Sie werden auf höchstem wissenschaftlichem

Niveau erklärt und durch Sammlungen

weiter erschlossen.

Die 1994 in die Welterbeliste aufgenommene

Völklinger Hütte steht für Eisen und

Stahl, Maschinenbaukunst und integriertes

Wirtschaften einer auf Autarkie

und Kreislaufwirtschaften setzenden

Stahlindustrie.

Die Stadt Völklingen ist Ergebnis dieses

Wirtschaftens. In knapp 50 Jahren wurde

aus einem Dorf, das 7.250 Einwohner im

Jahre 1876 zählt, die drittgrößte Stadt

des Saarlandes mit 46.000 Einwohnern.

Mehr als die Hälfte der bebauten Stadtfläche

beansprucht das Röchlingsche

Eisen-und Stahlwerk für die Produktion

von Roheisen, Stahl und Nebenprodukten

wie Teer, Ammoniak, Benzol, Düngemittel,

Schlackensteine und Zement. Auch

die andere Hälfte der Stadt zeigt sich in

vielen baulichen Leistungen als Spiegelbild

des wirtschaftlichen Einflusses

der Hütte. Röchling betreibt in großem

Stile Werkswohnungsbau. Es entstehen

soziale Einrichtungen, wie Schlafhaus,

Kindergärten und ein Schwimmbad. Zum

Dank für die finanzielle Förderung des

Neubaus der evangelischen, neubarocken

Versöhnungskirche entsteht mit dem

Deckengemälde eine „Apotheose“, die

Himmelfahrt der Röchlings.

Die Alte Völklinger Hütte, seit 1873 als

Puddelwerk betrieben, wird 1881 von

den Röchlings neu gegründet. Sie war die

jüngste und zugleich letzte der saarländischen

Hüttengründungen.

Mit dem Neubau von fünf Hochöfen

in Reihe (zwischen 1882 und 1893),

ein sechster folgte 1903, wurden die

Röchlings noch vor dem Ende des

19. Jahrhunderts zum größten Produzenten

von Massenstahl im Deutschen

Reich. Neben gewalzten Trägern lieferten

die Walzwerke Oberbaumaterial für den

Eisenbahnbau sowie Draht-und Halbzeug.

Ab 1908 kamen auch Edelstähle aus den

Induktionsöfen der Bauart Röchling/Rodenhauser

in die Produktionspalette; eine

Spezialität, die die Saarstahl AG – die die

Walzwerke mit einem Blasstahlwerk aus

den 80er Jahren weiterbetreiben – bis

heute besonders konkurrenzfähig erhält

(Spitze der Rakete „Ariane“). Aus dem

am 4. Juli 1986 brachgefallenen Roheisenkomplex

wurde die Hochofenzeile

mit sechs Öfen und 18 Cowpern, (der

älteste aus dem Jahre 1883), das Begichtungssystem

mit zwei Erzschrägaufzugsbrücken,

jeweils für Erz oder Kohle mit

selbstlaufenden Gichtwagen (1911-18),

drei Trockengasreinigungen (1911-13),

eine Kokerei aus den 30er Jahren, mit

dem Kohleturm der ersten Kokerei aus

dem Jahre 1898, die Bandsinteranlage

(1828-1930) mit Möllerbunker, Erz- und

Kohlesilos und das Gasgebläsemaschinenhaus

(1900-34) mit sechs Großgasgebläsemaschinen

der Baujahre 1905-14,

der Wasserturm mit Pumpenhaus aus

dem Jahre 1918 und das Kraftwerk 1

(1897-1912) mit Resten der ersten Puddelofenhalle

aus dem Jahre 1872, unter

Denkmalschutz gestellt, als Monument

erhalten und 1994 auf Antrag des Kultusministers

in die Welterbeliste der UNESCO

aufgenommen. Sie bildet den Kern des

monumentalen Präsentationsensembles

der heutigen Weltkulturerbe GmbH und

soll möglichst unverändert in die Zukunft

geführt werden.

Die Stadt ist die Hütte, die Hütte ist die

Stadt.

Noch heute – nachdem die Beschäftigtenzahl

im Nachfolgeunternehmen

der Saarstahl AG seit 1965 von 17.000

Werksangehörigen auf nunmehr 4.700

Mitarbeiter zurückging – definieren das

Weltkulturerbe und die ihm benach barten

Industriebrachen im Bogen zwischen Saar

und Eisenbahnstrecke Trier-Saarbrücken

die Entwicklung der Stadt.

Während man versucht, mit der Weltkulturerbe

GmbH einen kulturellen

Folgebetrieb im Denkmal aufzubauen,

der die verlorenen Gewinne langfristig

ausgleichen und das Image der Stadt

heben soll, warten die Industriebrachen

auf ein analoges kulturelles und wirtschaftliches

Altlastenmanagement.

Indem es die noch verbliebenen baulichen

Zeugen der Nebenbetriebe

nutzt und sie zum Bestandteil eines

46


Landschaftsparks macht, der exemplarisch

das Wirtschaften in schwer kontaminiertem

Gelände erprobt, könnte eines

der interessantesten Konversionsprojekte

der Zukunft entstehen.

Indem die in dem mittleren Saartal rund

um Völklingen gelegenen Zeugen dieses

und verwandten Wirtschaftens, die sogenannten

Hostenbacher Alpen, „Hermann

und Dorothea“-Schlackenhalden

des Eisenwerks, das Walzwerk Nauweiler

Gewann, das Kraftwerk Wehrden mit

Kühltürmen, das Kraftwerk Fenne, die

Bahn, die Saar und Schleuse und die Kokerei

Fürstenhausen, aufgerufen, erklärt,

erschlossen und entwickelt werden, könnte

eine der faszinierendsten Industrielandschaften

Westeuropas bewahrt werden.

Petite-Rosselle – Carreau Wendel (A 2)

Die Grube Wendel-Vuillemin, Carreau-

Wendel, steht für den Bergbau. Ihre

Kohlen gewann die Grube aus der gleichen

Lagerstätte, die wenige Kilometer

weiter die Gruben Warndt-Luisenthal bis

hin nach Göttelborn, entstehen ließen.

Dass sie in Lothringen liegt, verleiht ihr

eine eigene Architektur und Bedeutung.

Nur auf den ersten Blick scheinen die Tagesbetriebe

der Anlage, deren Förderung

1866 angefahren wurde, aus den 50er

Jahren zu sein. In diesen Jahren wurde

die Schachtanlage im Rahmen des nach

dem Ökonomen Jean Monnet benannten

Wirtschaftsplans systematisch ausgebaut.

Der Schacht Vuillemin II das Maschinenhaus

der Wäsche III., die architektonische

Collage der Wäsche I/II. die zwischen

1891 und 1970 neun umfangreiche

Erweiterungen erlebt hat, bezeugen auf

jeweils ihre Weise die großen Perioden

der Geschichte der Kohle im Verlauf der

„zweiten Industrialisierung“.

Bis in die 1960er Jahre wurden zur Planierung

des Tagesgeländes und den Bedarf

der Versatzbetriebe unter Tage mehr als

1.500.000 cbm Sand in unmittelbarer

Umgebung der Grube abgebaut. So

entstand eine neue denkwürdig fremde

Landschaft.

1988 haben die HBL, die Grube Wendel

dem C.C.S.T.I du Bassin Houiller Lorrain,

einem Kulturzentrum für Wissenschaft,

Technik und Industrie des lothringischen

Kohlebeckens überlassen. Seit 1998

haben sich die Bergbaugemeinden der

Anlage angenommen. Als Bergbaumuseum

und Energieforum werden sie eine

neue Nutzung finden. Die Geschichte

des Bergbaus in Lothringen und seine

kulturellen Folgen werden hier ebenso

thematisiert werden wie die Zukunft der

Energiewirtschaft.

Nebenstraßen

Wer seine Kenntnisse zum Themenkomplex

Kohle und Industriekultur vertiefen

will, gelangt entlang der Rossel von

Völklingen nach Petite-Rosselle.

Ludweiler/Warndt (A 2.1)

Das Heimatmuseum zur Kultur, Sozialund

Wirtschaftsgeschichte des Warndts

erzählt vom Leben der Bergleute ebenso

wie vom Leben der Stahlarbeiter und der

Glasbläser.

Velsen (A 2.2)

Die um die Jahrhundertwende angelegte,

1913-17 ausgebaute und um den

Schacht Gustav II erweiterte Grube, zählt

zu den best erhaltenen der Jahrhundertwende

im Saarrevier. 1965 wurde sie

als Förderstandort stillgelegt und dient

heute als Ausbildungswerkstätte wie

Besucherbergwerk. Sehenswert die aus

dem Jahre 1916 stammende, immer noch

dampfbetriebene Fördermaschine am

Gustavsschacht. Liebhaber von Dampffördermaschinen

seien auf die ebenfalls

noch laufenden Exemplare (Baujahr 1918

und 1936) des Duhamel-Schachts der

Grube Ensdorf verwiesen.

Saarbrücken-Burbach (B 2)

Burbacher Hütte (B 2.1)

Mit dem Gelände der Saarterrassen

dokumentiert sich ein neuer Umgang mit

Industriebrachen der Eisenverhüttung.

Bei aller Sympathie für den Gewinn eines

attraktiven Innovationszentrums Saarterrassen,

von der ehemals bedeutenden

1856 gegründeten Burbacher Hütte ist

nicht mehr geblieben als wenige Wege,

einige Terrassensprünge: zwei Elektrozentralen,

ein Verwaltungsgebäude

und die Reste einer vormals opulenten

Villen anlage des Hüttendirektors der 80er

Jahre des 19. Jahrhunderts. Bedeutend

ist die Architektur der um 1910 entstandenen

Stahlskeletthalle der ehemaligen

elektrischen Zentrale. Sie ist kürzlich

instand gesetzt worden und zeigt sehr

deutlich auch den Einfluss des Jugendstils

auf die Industriearchitektur. Das Recycling

der Reste der Villenanlage des Bergwerkdirektors

in einem neuen Bürogebäude ist

ebenfalls bemerkenswert.

Burbach Eisenbahnausbesserungswerk

(B 2.2)

Die 1854 zur Reparatur schadhafter

Lokomotiven, Güter- und Personenwagen

in Saarbrücken-St. Johann errichtete erste

Eisenbahnwerkstatt wurde 1906 nach

Burbach verlegt. Das kürzlich stillgelegte

riesige Ausbesserungswerk, am Schluss

nur noch für Waggons, fordert zur

Neunutzung seiner Hallen und Gleisharfe.

Auch die enge historische Nachbarschaft

von Arbeiten und Wohnen fordert zu

Fortsetzungen heraus als Beitrag der

Umnutzung von Industriebauten.

Göttelborn (B 3)

Göttelborn steht für den Bergbau im

Saarland. Die ersten beiden Schächte

wurden 1887 angehauen, der Schacht III

folgte 1921. Kontinuierlich modernisiert,

entwickelte sich die Anlage zu einer der

leistungsfähigsten Gruben an der Saar.

Am Schacht III blieb das Ensemble einer

Förderanlage aus den Zwanziger Jahren

erhalten. In unmittelbarer Nachbarschaft

entstand in mehreren Etappen 1888 bis

1912, ab 1921 unter französischer Grubenverwaltung,

eine Siedlung für Beamte

und Angestellte. Die Geschlossenheit der

Anlage mit ihren alleeartig angelegten

Straßen und der gute Erhaltungszustand

47


machen die Siedlung zu einem der aussagekräftigsten

Beispiele der Siedlungskultur

des preußischen bzw. französischen

Bergbaus an der Saar. Der vor wenigen

Jahren errichtete neue Schacht – ein Albino

der Schachtarchitektur der Postmoderne

in Stahlbeton, Stahlverbundkonstruktion

wird nach seiner Stilllegung ebenfalls

Denkmal sein – Aufstieg und Niedergang

des Bergbaus an der Saar, ausdrucksvoll

und weit sichtbar im Land kommentierend.

Auf seine und der Haldenlandschaft

Rezeption im Zuge der geplanten Umnutzungen

darf man gespannt sein. Solange

kein Bergwerk zu befahren ist, findet der

Interessierte im Bexbacher Grubenmuseum

eine der interessantesten Nachbauten

eines Stollens mit originalen Gerätschaften

aus dem saarländischen Bergbau. Das

Museum befindet sich in dem Aussichtsturm

im Blumengarten.

Landsweiler-Reden (B 4)

Die Gruben Reden und Itzenplitz stehen

für die Transformation der Landschaft

des Saarkohlewaldes zu einer unverwechselbaren

Industrielandschaft. Die Tagesanlagen

des Verbundbergwerks Reden-

Itzenplitz eingeschlossen, erzählen die

Geschichte der allmählichen Veränderung

einer hügeligen sogenannten Natur-

Waldlandschaft über dem Karbon (in

ihr jagen die Saarbrücker Fürsten im 18.

Jahrhundert) zur industriellen Kulturlandschaft

des Bergbaus. Neben den mächtigen

Tagesanlagen des Bergwerks Reden,

seiner opulenten Verkehrsinfrastruktur

bestimmen Sinkweiher, riesige Bergehalden

und interessante Siedlungen das Bild

der heutigen Landschaft. Alle zusammen

bilden - bei anderen Entwicklungsabsichten

der weitgehend stillgesetzten Tagesanlagen

– das saarländische Pendant zum

lothringischen Bergbau Carreau-Wendel.

Hauptressourcen der Erinnerung und

wichtige Landmarken sind die Fördergerüste

über den Schächten 4 und 5,

deutsche Strebengerüste von 1939-49,

die Kompressorenhalle aus der Zeit des

ausgehenden 19. Jahrhunderts, das

1938 erstellte Maschinenhaus 4 mit einer

Dampffördermaschine von 1941, sowie

das benachbarte 1916/17 errichtete Maschinenhaus

5, mit einer ebenfalls 1941

gebauten Dampffördermaschine.

Die Renommierprojekte des Dritten

Reiches, zugleich ein Autarkieprojekt,

belegt das nach der Rückgliederung 1935

zu einer Großförderanlage monumentalen

Ausmaßes ausgebaute geklinkerte

Verwaltungs- und Zechengebäude

(Tagesanlage, Kohlewäsche, Kohleturm

etc.), zugleich ein Beispiel für das Überleben

moderner Architektur in dieser Zeit.

Die benachbarte Siedlung für Beamte

und Angestellte, um 1904 entstanden,

wirkt für ihre Zeit beispielhaft modern

und repräsentiert in ihren Erschließungen,

Raumentwicklung und Architektur Elemente

der Gartenstadt. Ein gutes Beispiel

der Siedlungspolitik der Mines Domaniales

Françaises, 1920-35, die sich gegen

das saarländische Prämienhaussystem

und für den damals in Frankreich üblichen

Mietwohnungsbau entschied, bildet die

Siedlung Madenfelderhof, ab 1920 in

wenigen Jahren entstanden. Die abseits

des alten Ortskerns von Halden bedrohte

Siedlung verdeutlicht eindruckvoll die

isolierte Lage der meisten Bergarbeiterkolonien

des späten 19. und frühen 20.

Jahrhunderts. Die Grube Itzenplitz und

ihr benachbarter Weiher bewahren die

scheinbare Idylle voranlaufenden Bergbaus.

Hervorzuheben sind das Fördermaschinenhaus

und das Fördergerüst 3, das

im Saarland älteste erhaltene Seilscheibengerüst.

Auf dem Weg nach Neunkirchen

(B 5) oder St. Ingbert (B 6) können

Besuche In Fischbach-Camphausen,

Maybach und Friedrichsthal-Bildstock die

Kenntnis der Wirtschafts-, Technik-, Siedlungs-

und Sozialgeschichte des Bergbaus

vertiefen.

Fischbach-Camphausen (B 4.1)

Förderturm der Grube Camphausen

Der 1911/12 über dem Schacht IV erstellte

Förderturm der Grube Camphausen, mit

elektrischen Turmfördermaschinen von

1936/37 ausgestattet, ist weltweit der

erste Förderturm in Stahlbeton und stellt

einen Meilenstein der Geschichte der

Fördertechnik im Bergbau dar.

Maybach (B 4.2)

Tagesanlage und Siedlung Grube

Maybach

Von der 1873/74 mit dem Abteufen der

beiden ersten Schächte begonnenen

Tagesanlage, sind nur noch das Verwaltungsgebäude

und drei eindrucksvolle

Fördermaschinenhäuser erhalten.

Interessanter ist die benachbarte Siedlung

aus der Zeit der Jahrhundertwende.

Die ältesten Wohnhäuser stammen

aus den 1880/90er Jahren. Der größte

Anteil der Bauten wurde 1901-05 errichtet,

darunter die dicht gereihten Doppelhäuser

für Beamte „und durch schlichtere

Gestaltung und größere Entfernung zur

Grube abgesetzt – die Doppelhäuser für

Arbeiter. 1909-12 kamen noch vier kleinere

Schlafhäuser hinzu, von denen nur

eines erhalten ist. Zusammen mit

den erhaltenen Betriebsgebäuden zählt

die Siedlung Maybach „zu den wichtigsten

und aussagekräftigsten Ensembles

aus der Zeit um 1900, die im Saarbergbau

heute noch anzutreffen sind“

(Slotta).

Friedrichsthal-Bildstock (B 4.3)

Rechtsschutzsaal

Mit dem 1891/92 in Bildstock erbauten

Rechtsschutzsaal erstritten sich die streikenden

Bergarbeiter das Versammlungsrecht,

auch unter nicht freiem Himmel. Er

erinnert an die große Streikzeit 1889-93

im Saarbergbau und an die kurze Geschichte

des Rechtsschutzvereins, der als

Vorläufer der Gewerkschaftsbewegung

anzusehen ist und dessen Vorsitzender der

aus Hasborn stammende Bergmann Nikolaus

Warken, genannt „Eckstein“ war.

Neunkirchen (B 5)

Neunkirchen steht wie Völklingen für

Eisen und Stahl. Von den industriellen

Hütten der Saar ist die Neunkircher Hütte

48


die Älteste: Zunächst im benachbarten

Sinnerthal gelegen – 1431 wird sie dort

erstmals urkundlich erwähnt – zieht sie

1539 nach Neunkirchen, wo sie 1806 von

Philipp Stumm und seinen Brüdern übernommen

wird. Unter der Familie Stumm,

die bereits im 18. Jahrhundert im Hunsrück

viele Eisenhämmer betrieben hatte,

entwickelte sich Neunkirchen zu einem

einflussreichen Imperium der Eisen-und

Stahlindustrie des Saar-Lor-Lux-Raumes,

Karl Ferdinand von Stumm-Halberg

(1836-1901), patriarchaler Familienfürst,

konservativer und politisch einfluss reicher

Reichstagsabgeordneter, baut das „Gebr.

Stumm - Neunkircher Eisenwerk“ zu

einem der bedeutendsten Hochofen-,

Stahl- und Walzwerke im Reich aus und

übernimmt das Hochofenwerk in Ueckingen,

sowie Anteile an anderen Hochofenwerken,

bis hin zur Halberger Hütte in

Saarbrücken. Eisenerz-, Manganerz- und

Kohlegruben in Lothringen und im Reich

rundeten den Besitz ab.

In Neunkirchen ist die Hütte das Zentrum

der Stadt. Ihrem Staub Lärm und Fauchen

der Hochöfen konnte niemand entgehen.

Ihre zentrale Lage bestimmt das Schicksal

des 1982 stillgesetzten Hochofenwerks.

Die Denkmalpflege – bemüht um Rettung

eines Miniensembles aus einem Hochofen

mit Cowpern, der Gebläsehalle und

Begichtungsanlage – verliert ihre erste

Schlacht.

Die Stadtplanung wandelt die Brache

vom Produktions- zum Konsumptionszentrum

der Stadt, gibt alle Strukturen auf

und rettet schließlich nur, was nicht im

Wege steht. Das allerdings – die Hochöfen

VI und II mit Cowpern – eine ältere

Gebläsehalle mit zwei Dampfmaschinenrelikten,

Halle und der Wasserturm

werden mit Witz und Verve umgenutzt

und umgebaut. Das Gleiche gilt für

die Reithalle der Familie und zahllose

Erinnerungsmonumente der Ära Stumm,

die sich in einem neuen Hüttenpark neu

versammeln. Einzig Hommersweiher und

der Hammergraben blieben unverändert,

wenn auch in neue Beziehungen gesetzt.

Die im Zentrum gelegene Hütte prägte

das Stadtbild und dokumentierte vorzüglich

die Durchdringung von Arbeits- und

Wohnsphäre. Mit dem Wandel von der

Industrie-Produktions- zur Konsumptionskultur

entsteht eine Gegenwelt zur

„verbotenen Stadt“, der industriellen

Welt Völklingens.

Ein erster Reisender in Sachen früher

„Industrie kultur“ an der Saar war kein

geringerer als Goethe, der 1770 in Dudweiler

die Steinkohlengruben, Erz-und

Alaunwerke, in Friedrichsthal die Glashütte

und schließlich ein kleines Eisenwerk bei

Neunkirchen besuchte und später im

10. Buch von Dichtung und Wahrheit

notierte: „Wir betraten bei tiefer Nacht

die im Talgrunde liegenden Schmelzhütten

und vergnügten uns im dem seltsamen

Halbdunkel dieser Bretter höhlen,

die nur durch des glühenden Ofens

geringe Öffnung kümmerlich erleuchtet

werden. Das Geräusch des Wassers und

der von ihm getriebenen Blasbälge, das

fürchterliche Sausen und Pfeifen des

Windstroms, der, in das geschmolzene

Erz wütend, die Ohren betäubt und die

Sinne verwirrt, trieb uns endlich hinweg,

um in Neunkirchen einzukehren, das an

dem Berg hinaufgebaut ist.“

St. Ingbert (B 6)

Werk und Siedlung der Alten Schmelz,

die Bauten der Bierbrauerei Becker, eine

Schweizer Baumwollspinnerei in der

Stadtmitte, der Rischbachstollen mit

Zechenhaus und Siedlungen der Vopelius-

Wentzelschen Glashütte. Die Ruinen der

bedeutenden Glashütte aus dem 1. Jahrzehnt

des 20. Jahrhunderts sollen leider

abgerissen werden (inzwischen erhalten

bzw. teilrekonstruiert) – sie berichten von

einer Industriekultur bayerisch-pfälzischer

Provenienz. Sie wandelte sehr behutsam

ein barockes Straßendorf zu einer kleinen

bayrischen lndustriemetropole, die

kurzzeitig für Bayern bedeutender war

als Mannheim oder Ludwigshafen. Das

1840/45 angelegte südliche Mundloch

des Rischbachstollens (A-Stollen) der

1959 eingestellten Grube St. Ingbert ist

„das beste Beispiel eines Stolleneingangs

einer bayerischen Steinkohlengrube im

Saarland“ (Slotta). Bemerkenswert ist

auch das 1849 erbaute Zechenhaus. Ein

herausragendes Objekt stellt das Drahtwerk

und die Siedlung Alte Schmelz dar.

Die 1733 gegründete Eisenschmelze nahm

erst in der Ära Krämer (1804-1905) großen

Aufschwung. Bereits in den 1830er Jahren

wurden hier Puddelöfen errichtet; 1832

wurde eine Dampfmaschine zum Antrieb

der Walzenstraße eingesetzt, die erste in

der saarländischen Eisenindustrie.

1907-1913 führte das Unternehmen als

„Rümelinger und St. lngberter Hochofen

und Stahlwerke AG“ umfangreiche

Umbauten und Erweiterungen durch.

Aus dieser Zeit stammt eine ganze Reihe

von Betriebsgebäuden. Aus der Frühzeit

blieben die sog. Möllerhalle (1750, dendrochronologisch

auf 1808 datiert)) und das

Krämersche Herrenhaus (1808) erhalten.

Die in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts

entstandene Werkssiedlung der 1733

gegründeten Eisenschmelze ist nach dem

Abriss der Siedlung am Rentrischer Eisenhammer

– nach dendrochronologischen

Datierungen 1771 begonnen, die älteste

Werkssiedlung im Saarland, möglicherweise

auch im südwestdeutschen Raum.

Die „Alte Schmelz“ ver gegenwärtigt den

komplementären Bereich der patriarchalischem

Selbstverständnis verpflichteten

unternehmerischen Wohnungsfürsorge in

großer zeitlicher Spannweite, typologischer

Vielfalt und außerordentlicher Aussagedichte.

Weitere Objekte sind die Siedlung

der Vopelius Wenzelschen Glashütte

(1914-18) und die Schweizer Baumwollspinnerei

(1885). Die 1877 gegründete,

1897 an ihren heutigen Standort verlagerte

und in den Zwanziger Jahren in den

modernen Formen der Zeit größtenteils

erneuerte Bierbrauerei Becker (1877) war

die einzige von mehreren Brauereien in

St. lngbert, die sich zu einem florierenden

Unternehmen entwickelte. Das Sudhochhaus,

der sog. Becker-Turm (1925-27),

wurde Wahrzeichen der Stadt.

49


Werkverzeichnis

Architekur

Städtebau

Denkmalpflege

Studium

1956-57

Entwurf einer Sporthalle als Teil des

Neuen Gymnasiums in Emden außerhalb

der Wallanlagen an der Ausfallstraße

nach Aurich in der ARGE Kunst bei

Heinz Hofmann, Kunsterzieher

Entwurf und Bau des eigenen Ateliers im

Dachgeschoss des Elternhauses

1958-60

Entwürfe und Detailplanung:

Milchbar, Pension an der Ostsee

Mitarbeit im Architekturbüro

Hermann Börner in Leer Ostfriesland:

Detailarbeiten für Schulen, Umzeichnungen

von Wettbewerben

1960/61

Entwurf und Bau eines Einfamilienhaus in

Bad Nenndorf

1962/64

Entwürfe Hochbau:

– Gymnasium mit 24 Klassen

Übungen/Stegreifentwürfe

– Hotel und Theater in Berlin am

Kurfürstendamm

– Haus eines Einsiedlers

– Kleines Stadtzentrum

Städtebau:

– Forschungen/Bestandsaufnahmen zum

Städtebau im Wedding vom Totalabbruch

und Flächensanierung zur

erhaltenden Erneuerung/Stadtumbau/

Stadtsanierung

– Regionalplanung in Göttingen: Bestandsaufnahmen/Modellbau

Entwicklung

von Eingemeindungskonzepten/

Bandstadt/Lex Göttingen

– Stadterweiterung

Hannover-Mühlenberg

1965

Diplomarbeit: Neuordnung eines

Baublocks im Wedding, Brunnenstraße

(West), Demminerstraße (Nord),

Ruppinerstraße (Ost), Stralsunderstraße

(Süd), Vinetaplatz (Süd):

Wohn- und Geschäftsbauten an

der Brunnenstrasse über Lager- und

Parkhäusern 2 1/2 geschossig

Planungsziel: strukturbezogene,

allmähliche bestandssichernde

Neuordnung eines Baublocks in der Nähe

der Berliner Mauer, Bernauerstraße

– Reiterzentrum mit Gästewohnungen in

Herberhausen bei Göttingen

– Reithalle

50


Freischaffender Architekt

Einfamilienhäuser

1966/67

1969/70

1972/73

Mehrfamilienhaus für 10 Familien

Habichtsweg 33, Saarbrücken

Bauherr: Generalunternehmer Gross,

St. Ingbert

Terrassenhaus am Hang mit

Schwimmbad, geputzter Massivbau

mit Sichtbeton-Fertigteilen

1973/74

Wohnhaus Helmut und Marianne

Veit, Martin-Luther-Straße 70,

Sulzbach-Neuweiler

mit zwei Einliegerwohnungen,

Ziegel/Klinker Sichtmauerwerk und

Fertigbetonteile, Schottenbauweise,

variable Grundrisse

Eintragung in die Denkmalliste 2010

Wohnhaus Josef und Eva Hellenthal,

St. Ingberter Straße 5 a,

St. Ingbert-Heckendalheim

dreigeschossiges, blockhaftes Wohnhaus

aus kerngedämmtem, schalungsrauem

Sichtbeton als „Felsersatz“ eines

Steinbruchs (Sandstein) für eine

sechsköpfige Familie

BDA Preis Sparte Wohnungsbau 1969,

Eintrag in die Denkmalliste

1967/68

Wohnhaus Werner und Rotraud Alexander,

Eichendorffstraße 4, St. Ingbert

Putz/Sichtbetonhaus an einem leichten

Hang für eine fünfköpfige Familie

1972/73

Wohnhaus Karlheinz und Carmen Wallé,

Birkenweg 18, St. Ingbert-Rohrbach

mit Schwimmbad, Putzbau mit gestaffeltem

Pultdach für eine vierköpfige Familie

1975/76

Wohnhaus und Atelier Gerhard und

Katrin Heisler, Charlottenstraße 23,

Saarbrücken

Haus am Hang in Kalksandstein-Sichtmauerwerk

für einen Fotografen und

seine sechsköpfige Familie

Mehrfamilienhäuser

1970/72

Mehrfamilienhaus mit ca 35 Wohnungen

Schlesierweg, Neunkirchen

Bauherr: GSG Neunkirchen

Hochhaus mit schieferverkleideter

Fassade und gesteckten, farbigen

Fertigbetonteilen der Balkone, Entwurf

Lüth, Projektsteuerung und Bauleitung:

Rudolf Birtel und Bernhard Grothe

Mehrfamilienhaus für neun Familien

Am Staden, Saarbrücken

Bauherr: Optiker Link

Geputzter Massivbau mit Betonfertigteilen

1975/77

Mehrfamilien-Stadthaus, Saarbrücken

Charlottenstraße 2 a-d

Haus am Gegenhang, viergeschossige

Reihen/Scheiben-Einfamilienhäuser,

Klinker-Sichtmauerwerk, Sichtbeton

Sanierungen

1966-67

Umbau Lichtspielhäuser und Arztpraxen

in St. Ingbert und Sulzbach

Alte Schmiede St. Ingbert

Möbelhaus Towae-Maurer, Fürstenstraße,

Saarbrücken

Geschäftshäuser

1969/70

Umbau Barockhaus, Kaiserstraße 70,

St. Ingbert

Einrichtung des Büros „Werkgruppe“

Lüth/Von Waldbott“ im Mansarddach

51


1971/72

Saarland Metzgereibedarf, Mainzerstraße,

Saarbrücken

Bauherr: Strobel GmbH

Stahlbeton Skelettbau mit Sichtbeton Fertigteilen,

Stahl – Holz Verbund Fenstern

für ein fünfgeschossiges Geschäfts- und

Lagerhaus über grundstücksgroßer Tiefgarage,

Lastenaufzug/Personenaufzug,

Nutzungsvarianten von kombinierten Geschäften,

Büros, Praxen und Wohnungen

durchgespielt; erster Umbau zu einem

Geschäftshaus mit Büros 1982/83

1972/73

Deutsche Bank, Kaiserstraße, St. Ingbert

Entwurf: Peter Lüth und Helmut Kreutzer

dreigeschossiger Ersatzbau mit Kassenhalle,

Tresoren und Büros/Praxen in den

Obergeschossen

1973/74

Gesellschaftsbauten

1975/76

Mehrzweckhalle, St. Ingbert-Oberwürzbach

Bauherr: Stadt St. Ingbert

mit Lieselotte Lüth-Hellenthal (A)

zweifach teilbare Sporthalle mit

Mehrzweckeinrichtungen Sport,

Theater, Musik, Karneval etc.

Stahlbetonskelett mit ausfachenden

Sichtbetonteilen, Innenwände aus farbig

lasierten Sperrholztafeln

1974-75

Kindergarten Friedrichsthal

mit Helmut Kreutzer

Verputzter Ziegel-Holzbau

Städtebau

1968-75

Stadtentwicklung St. Ingbert

Wettbewerb Siedlungsbau 1. Preis

Zentrum Wohnungsbau

Ansiedlungsprojekte Karstadt,

Erhalt Altes Rathaus

1969

1972-74

Verschiedene Siedlungsentwürfe für

Homburg-Einöd und Blieskastel

1974-78

Wohnanlage St. Ingbert-Hassel

Verschiedene Entwürfe verwirklicht durch

Lieselotte Lüth-Hellenthal, 1977/78

1975-80

Verwaltungsgebäude Peter Gross

Bauunternehmen, Dudweiler Straße,

St. Ingbert

Gesamtkonzeption, erster Bauabschnitt

verwirklicht, spätere Vollendung in gleicher

Konstruktion: Stahlbeton Skelett mit

Sichtbeton-Fertigteilen, ergänzt und im

System erweitert durch Bernhard Focht (A)

Wettbewerb Zentrum Lebach

Einkaufszentrum mit Rathaus und

Schwimmbad

1. Preis in einem offenen

Architektenwettbewerb

Stadtmitte St. Ingbert

Entwurf

52


Stadtverband Saarbrücken

1975-85

Stadtverband Saarbrücken

Abteilungen des Bauamtes

Bauverwaltung, Hochbauabteilung,

Tiefbauabteilung, Planungsabteilung,

Untere Bauaufsichtsbehörde, Untere

Denkmalschutzbehörde

Arbeitsschwerpunkte:

– Entwurf des Flächennutzungsplans,

fertiggestellt und beschlossen 1979/80

– 2. Renovierung und Umbau des

S aarbrücker Schlosses, Gutachterliches

Planverfahren 1977 /78 mit

Martin Kirchner, Hamburg

– Durchführung von Wettbewerben zum

Hochbau: Riegelsberger Rathaus,

1. Preis Miroslav Volf

– Durchführung von Wettbewerben zum

Schulbau:

Kaufmännisches Berufsbildungzentrum

Brebach-Fechingen

1. Preis Bernhard Focht;

Müggelsberg Berufsschulen 2. Preis

Werner Huppert

– Schul und Krankenhausbau

– Denkmalpflege

– Kunst am Bau – integrierte Verfahren:

Bernhard Focht, Lukas Kramer,

Leo Kornbrust, Paul Schneider

– Energetische Problemlösungen

Brebach-Fechingen: Ursprünglich

geplant elektrische Versorgung,

durchgesetzt Blockheizkraftwerk mit

Kapazitäten für ehemaliges Rathaus/

Zulassungsstelle

– Gründung der Aufbaugesellschaft Saarbrücker

Schloss am 22.11.1982,

technischer Geschäftsführer bis 1986

Denkmalpflege

1985-2002

Burgen und Schlösser

Schloss und Schlossplatz, Saarbrücken

(Entwurf: Friedrich Joachim Stengel,

1739-48), 1985-89

mit Karl Kirsch (MA) Renovierung und

Komplettierung des Schlosses, Neufassung

des Platzes mit Gottfried Böhm (A), Nikolaus

Rosiny (A), Klaus Krüger (A) und Lutz

Rieger (A), Bauleitung Erich Fissabre (A)

Burgberg Nohfelden

(13. Jahrhundert), 1987-2000

mit Norbert Köhl (A) und Peter Gergen (A),

Sicherung der Burgruine

Burg Montclair, Mettlach

(1428-39), 1988-93, 2000-02

mit Kurt Kühnen (A), Instandsetzung

und Erschließung

Schloss Berg, Nennig

(16./18. Jahrhundert), 1990-91

mit Erich Fissabre (A), Oberburg und

Unterburg Sanierung und Umbau zu

einem Hotel, Neubau eines Spielcasinos

durch Bernhard Focht (A)

Schlossruinen und Park Karlsberg, Homburg

Ruinensicherung der Orangerie und des

Tschifflik Pavillons (1778-85), 1990-2002

mit Dietmar Kolling (A), Konzeption

Neuer/Alter Park auf der Basis einer

gartenarchäologischen Bestandsaufnahme

durch Peter Jordan, Landschaftsarchitekt,

mit Lucius Burckhardt,

Gerhard Hegelmann und Hanno Dutt,

Harald Hullmann und Jörn Wallacher

Burg Kirkel

(12. Jahrhundert), 1993-2002

mit Dietmar Kolling (A), Christel Bernhard,

Instandsetzung, Grabung und Bauforschung

Jagdschloss und Scheune Neuhaus

(18. Jahrhundert), 1994-2002

mit Jörn Wallacher und Alt und Britz (A),

Instandsetzung und Ausbau der Scheune

zum Forstzentrum, Ausbau des Jagdschlosses

zu einem Restaurant

Gollenstein, Blieskastel

um 1995

mit Walter Reinhard (MA), gründliche

erste Restaurierung des nach Kriegszerstörungen

wieder errichten Steins

Burgruine Kerpen, Illingen

(14. Jahrhundert), 1997-2002

1. Preis und Ausführung Markus Ott (A),

Instandsetzung und Ergänzung mit einem

Hotelrestaurant

Schloss Münchweiler

(1749-85), 1998-2002

mit Krüger und Rieger (A) und Markus

Ott (A), Instandsetzung des äußeren Baus

und des Treppenhauses

Brunnen, Innenhof der ehemaligen Benediktiner

Abtei St. Peter, heute Verwaltungsgebäude

V&B, Mettlach

(Entwurf: Karl Friedrich Schinkel, 1838),

2002

Restaurierung und Wiederaufstellung

mit Bruno Jochum (A)/Büro Krüger und

Rieger

Kirchen, Synagogen, Friedhöfe

Schlosskirche, Saarbrücken

(Ende 15. Jahrhundert), 1985-98

mit Volkmar Dietsch (MA), Sanierung

mit Klaus Krüger (A) und Lutz Rieger

(A), Wiederherstellung der nach dem

Anschlag auf die Wehrmachtsausstellung

im benachbarten Volkshochschulzentrum

teilzerstörten Schlossfenster von Georg

Meistermann

Stiftskirche St. Arnual, Saarbrücken

(13./14. Jahrhundert), 1985-94

mit Hubertus Wandel (A) und

Emanuel Roth (MA), Weiterführung

der von Johannes Habich begonnen

Grundinstandsetzung, Chorneugründung,

Restaurierung, Einrichtung

der Kirche und ihres Vorplatzes, Grabungen

in der Kirche und im Kreuzgang,

Restaurierung der unter dem Eingang

wieder aufgefundenen Marienstatue

53


Evangelische Ludwigskirche, Saarbrücken

(Entwurf: Friedrich Joachim Stengel,

1762-75), 1985-2000

mit Karl Kirsch: Komplettierung des Innenausbaus

und Ergänzung der figürlichen

Plastik mit acht Karyatiden, Aufstellung

des Propheten Hesekiel auf der Attika

(Initiative Ulrich Conrads), Bildhauer Lothar

Beck, Dresden (K), mit Klaus Krüger (A)

und Lutz Rieger (A), zeitweise in Zusammenarbeit

mit dem Leiter des Sächsischen

Landesamt für Denkmalpflege Gerhard

Glaser: Restaurierung der Evangelisten in

den Außennischen der Längsarme und des

Wappens auf der Attika über dem Osteingang,

Neueindeckung des Schieferdaches,

Instandsetzung des Turms

Alter Turm, Mettlach

(Ende 10.-Anfang 11. Jahrhundert)

1986-97

Bauforschung mit Hans-Herrmann Reck

und Georg Skalecki (MA), mit dem Zollerninstitut

Trockenlegungskonzepte, mit Krüger

und Rieger (A) Restaurierung des Inneren

und Äußeren, neues Bleidach

Evangelische Kirche Bischmisheim

(Entwurf: Karl Friedrich Schinkel, 1822-24)

1986-88

mit Kirchenmaler Manfred Bleßmann,

Berlin, farbige Neufassung des Innenraums

in Anlehnung an Schinkelpläne

Jüdischen Friedhöfe im Saarland

1987-2002

Inventarisation mit Wolfgang Meyn (MA),

Andrea Bock (MA), Rupert Schreiber

(MA), zusammen mit Herbert Jochum

Gründung des „Freundeskreises Jüdischen

Kulturgutes im Saarland“, Aufbau

der Wanderausstellung „Projekte zur

Pflege der Friedhöfe mit den Gemeinden“,

Erfassung, Übersetzung und Dokumentation

der Inschriften aller Grabsteine

mit Michael Brocke, Salomon Ludwig

Steinheim-Institut für deutsch-jüdische

Geschichte, Universität Duisburg-Essen

Synagoge, Homburg

(1860-62), 1990er Jahre, mit dem zweiten

Preisträger Hubertus Wandel (A)

Wettbewerb und Sicherung der Ruine

Evangelische Kirche Hirzweiler, Illingen

(Entwurf: Otto Eberbach, 1931-32)

1988-90

Instandsetzung und Restaurierung des

Innenraums

St. Albert, Saarbrücken

(Entwurf: Gottfried Böhm, 1952-55), 1990

mit Dieter Krauser (A), Betonsanierung

Christ König Kirche, Saarbrücken

(Entwurf: Carl Colombo, 1927-29), 1990-96,

mit Elmar Kraemer (A), Restaurierung der

Innenraumfassung

Alte Stengelkirche Wellesweiler,

Neunkirchen

(Entwurf: Karl Abraham Dodel, 1758)

1993-98

mit Rudolf Birtel (A), Sanierung, Bauaufnahme,

Erforschung der Vorgängerkirchen

Evangelische Johanneskirche, Saarbrücken

(Entwurf: Heinrich Güth, 1894-98)

1994-95 mit Miroslav Volf (A)

St. Michael, Saarbrücken

(Entwurf: Hans Herkommer, 1923-24)

1995-96

mit Alt+Britz (A), Schaffung eines neuen

Vorraumes und Altarbereichs

Benediktinerabtei und Pfarrkirche

St. Mauritius, Tholey (Ende 13.-Anfang

14. Jahrhundert) 1997-2002

mit Rupert Schreiber (MA) und Krüger

und Rieger (A), Instandsetzung des Chors

und der Klosteranlage

Industrie, Handwerk

Neunkircher Eisenwerk – Relikte der

ältesten Saarländischen Hütte (1539)

1985-90

Hochofen 6 mit 3 Cowpern und Hochofen

2, Wasserturm und alter Gebläsehalle,

Hammerweiher und Graben, Wettbewerb

zur Einrichtung eines saarländischen

Museums der Eisenverhüttung unter

Federführung des Amtes mit Rainer

Slotta, Rudolf Birtel u.a, Fortsetzung des

jahrelangen Kampfes um die Erhaltung

der Hütte unter Johannes Habich, Hochöfen

Cowper, Gichtbühne und große

Gebläsehäuser mit historisch bedeutsamen

Gebläsemaschinen trotz der Proteste

des Landesdenkmalrates zugunsten eines

Einkaufzentrums abgebrochen. Alle

genannten, vom Abbruch verschonten,

Relikte der Hütte in einem „Hüttenpark“

erhalten.

Alte Völklinger Hütte

1985-2002

Inventarisation mit Norbert Mendgen

und Rolf Höhmann, Begründung und

Erarbeitung der Anträge zur Anmeldung

der Hütte in die Welterbeliste (1993)

zusammen mit Georg Skalecki,

Aufbau und Leitung einer „Hüttenbauhütte

1993-2002 gemeinsam mit der

Initiative Völklinger Hütte und der Stahlstiftung,

zeitweise unter Mitwirkung der

LEG, Instandsetzungen des Gebläsehauses

mit Hans Thomas Stolpe (A) und Bernhard

Focht (A), der Hochöfen, Cowper

und Sinteranlage mit Herbert und Werner

Huppert (A), Arbeiten in der Kokerei und

an den Infrastrukturen z.B. Gleise des

Flächendenkmals mit ABM-Mannschaften

unter Anleitung von Manfred Görgen.

Wissenschaftliche Erkundung und Rettung

von Ausstattungen und rollendem

Material durch die Initiative Völklinger

Hütte, Lichtprojekt 1999 nach einem

Wettbewerb durch Hans Peter Kuhn,

Berlin, technische Umsetzung mit Tobias

Link, Neunkirchen

54


Tagesanlage Maybach

1985-90

jahrelanger Kampf um die Fördergerüste,

präventiv abgebaut als sie einer

Schlackenhalde zum Opfer fallen sollten,

deren Schüttkegel sie dann doch nicht

berührte. Erhalten blieben die Fördermaschinenhäuser

Albert (1882) Marie

(1889) und Frieda (1902) sowie die

Kaffeeküche, mit Arthur Mundanjohl,

Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde

des Stadtverbandes

Alte Schmelz, St. Ingbert

(Spätbarocke Werkssiedlung)

1987-2000, Inventarisation Volkmar

Dietsch (MA), Bauberatung Helmut Göbel

(A), Gesamtbetreuung von Werk und

Siedlung, Mitbegründer der Wohnungsbau-Genossenschaft

Albrecht Herold-

Alte Schmelz, Schlafhaus, alte Möllerhalle,

Herrenhaus, spätklassizistische

Verwaltungsgebäude, Elektro zentrale,

Mechanische Werkstatt, Walzendreherei,

Modellager, Pförtnerhaus, lange Einfassungsmauer

zur Kaiser straße, mit Ariane

Niedner-Siebert (A), Schlafhaus mit Hans

Thomas Stolpe (A)

Siedlung Salzbrunnen- und Herrenhaus,

Sulzbach (18. Jahrhundert), 1991-97,

Grundinstandsetzung mit Bauamtsleiterin

Euthymia Graßmann-Gratsia, Werner Huppert

(A), Bibliothek mit Miroslav Volf (A)

Fellenbergmühle, Merzig

1991-97, Feinmechanische Werkstatt mit

originaler Einrichtung aus den 1920er

Jahre, elektrische Antriebe zunächst

durch ein Wasserrad, später eine Wasserturbine

im Seffersbach. Behutsamste

langwierige Instandsetzung und Umbau

zu einem Museum durch die Stadt Merzig

Ensemble Vopelius – Wentzelsche Glashütte,

St. Ingbert

1994-2000, mit Rena Wandel-Hoefer (A),

Instandsetzungs- und Nutzungskonzepte,

nachdem der Abbruchantrag genehmigt

war, wurde der Komplex aus der Denkmalliste

genommen, bei Abbruch und

Rekonstruktion der Wannenhalle wurde

die Stahlkonstruktion der 200 m langen

Streckhalle erhalten, Umnutzung zu

einem Baumarkt

Brauerei Becker, Sudturm, St. Ingbert

(Hans Herkommer, 1925-28), 1997-99

mit Elmar Kraemer (A), Betonsanierung

Alte/Neue Baumwollspinnerei, St. Ingbert

(1885 ff), 1998-2000, mit Werner

Deller (Eigentümer), Entwicklung erster

Umnutzungskonzepte

Schulen, Hochschulen

Hochschule der Bildenden Künste,

Saarbrücken (Armen-, Waisen-, Zucht- und

Arbeitshaus, Entwurf: Friedrich Joachim

Stengel, 1765-69; Hans P. Koellmann

Wiederaufbau zur Schule für Kunst und

Handwerk, 1949-50), 1986-88

Umbau, Instandsetzung Bernhard Focht (A)

Deutsch-Französisches Gymnasium,

Saarbrücken (Entwurf: Pierre Lefèvre,

1949-54), 1987-88

Instandsetzung mit Bernhard Focht (A),

Lukas Kramer (K) und Paul Schneider (K)

Mensa, Universität des Saarlandes,

Saarbrücken (Entwurf: Walter Schrempf,

und Otto Herbert Hajek, 1966-70), 1997

mit Staatlichem Hochbauamt,

Betonsanierung

Bauten der Kultur

Staatstheater, Saarbrücken

(Entwurf: Paul Baumgarten, 1936-38)

1988-89 mit Gottfried Böhm (A) und

Klaus Krüger (A), Renovierung und Neufassung

der Innenräume, Deckengemälde

im Zuschauerraum von Peter Schubert (K)

Kreisständehaus, Saarbrücken

(Entwurf: Alfred Salinger und Eugen

G. Schmohl, 1910-11), 1990

mit Miroslav Volf (A), Einrichtung des

Museums für Vor- und Frühgeschichte,

inzwischen zerstört

Moderne Galerie, Saarbrücken

(Entwurf: Hanns Schönecker, 1964-78)

1998-2000, mit Kraemer Partner (A), Innenraumsanierung

und Erneuerung der Fenster


55


Bauten der Verwaltung

Ministerium für Bildung, Kultur und

Wissenschaft, Saarbrücken

(Entwurf: Georges-Henri Pingusson,

Hans Bert Baur und Bernhard Schultheis

als Französische Botschaft, 1951-54 ),

1985-86

mit Norbert Mendgen (MA) und

dem Staatlichen Hochbauamt,

Wiederherstellung der Räume des Botschafters

und erste Sanierungsarbeiten in

den Vortrags- und Festräumen

Rathaus St Johann, Saarbrücken

(Georg Hauberrisser, 1897-1900),

1986-87

mit Elmar Kraemer (A), Restaurierung des

Festsaals mit Freilegung von Wandbildern

Ehemalige Bergwerksdirektion,

Saarbrücken

(Entwurf: Martin Gropius und Heino

Schmieden, 1877-80), 1998

mit Hubertus Wandel (A), Sanierung und

Neufassung der Innenräume

Wohnbauten, Siedlungen,

Schlafhäuser

Von-der-Heydt, Saarbrücken

Schlafhaus 1 (Casino)und Schlafhaus 2

(die Kirch), 1980-90

mit Staatlichem Hochbauamt, Umnutzungs-

und Instandsetzungskonzepte

Angelhäuser Fruchtmarkt 1-3, 5, 7 mit

Rückgebäuden, St. Wendel

1985-2002,

Bauforschung mit Dietmar Kolling (A),

Nutzungs- und Erweiterungskonzepte von

Alt und Britz (A), nicht ausgeführt

Blieskastel

1987-95, erste flächendeckende Inventarisation

des Amtes für eine barocke Stadt

durch Volkmar Dietsch (MA), behutsame

Stadterneuerung zur Verkehrsberuhigung

mit Stadtverwaltung, Unterer Denkmalschutzbehörde

und INCOPA (A)

Domplatz, St. Wendel

1988/89

mit Leo Kornbrust (K), 3. Abschnitt der

Altstadtbepflasterung

Bauernhaus Weber, Habach

1988-94

mit Rudolf Birtel (A), Instandsetzung und

Ausbau zu einem Dorfmuseum

Meisterhäuser der Neunkircher Hütte,

Königstraße, Neunkirchen

um 1990

Instandsetzung als Wohnhäuser mit

Rudolf Birtel (A)

Beamten und Arbeiterhäuser der Werkssiedlung

Maybach

1990-95

Begleitung von Sanierungsarbeiten,

Konzepte zur Erweiterung und Umbau

einzelner Häuser mit Hans Peter Lupp,

Untere Denkmalschutzbehörde des

Stadtverbandes

Villa Obenauer (Entwurf: Peter Behrens,

1905-07), 1991-97

mit Lutz Rieger (A)

Wissenschaftliche Bauaufnahme und Erforschung;

mit dem Werkbund Saarland

Gespräche und Ideen zur Überführung

dieser Inkunabel der Baukunst des

20 Jahrhunderts in den öffentlichen

Besitz, bei Teilfinanzierung durch die

Stiftung Wüstenrot

Hiwwelhaus (1702 erbaut), Alsweiler

1992-98

mit Dietmar Kolling (A),

Aufmaß, Bauforschung und Restaurierung

des im Saarland besterhaltenen,

ältesten Bauernhauses zu einem

Bürgerhaus

Barockes Wohn- und Geschäftshaus,

Bahnhofstraße 26, Saarbrücken

1996-98

einziges in Regelgrundriss und Aufriss

erhaltenes Beispiel der ersten stengelschen

Stadterweiterung St. Johann aus

dem Jahre 1765. Eine Bürgerinitiative um

Käthe Prahl und der nachhaltige Widerstand

der Eigentümerfamilien Fritz und

Robert Burbes rettete das Haus vor den

Absichten der Stadt Saarbrücken, auch an

dieser Stelle dem Neubau des Rathaus-

Karrees Raum zu geben, die Brüder Burbes

wurden 1998 von der Deutschen Stiftung

Denkmalschutz mit der Silbernen Halbkugel

ausgezeichnet.

Innenstadt Saarlouis

1995

Wettbewerb zur Verkehrsberuhigung

durch erweiterte Fußgängerzonen erfolgreich

abgeschlossen, allerdings nicht

oder nur in Ansätzen von den Ämtern der

Stadt umgesetzt, denkmalpflegerischer

Rahmen für die Stadtmitte mit Georg

Skalecki (MA)

Kasematten, Saarlouis

2001-02

grundlegende Instandsetzung der

Kasematten mit Neuanschüttung und

Profilierung der Erdabdeckungen mit

Rupert Schreiber (MA) und Jürgen Baus

(Leiter des Amtes für Stadtentwicklung,

Denkmalpflege und Umwelt)

Abkürzungen: (A) Architekten,

(K) Künstler, (MA) Mitarbeiter Staatliches

Konservatoramt

56


Hauszeichen

Drogerie Foto Hellenthal,

Dudweilerstraße, Saarbrücken

1967, Schriftzug nach dem Entwurf von

Johann Peter Lüth

Metzgereibedarf Strobel, Mainzerstraße,

Saarbrücken

1971/72, Hauszeichen nach Entwurf von

Robert Sessler

Fotostudio Heisler, Charlottenstraße,

Saarbrücken

1975/76, Hauszeichen nach Entwurf von

Robert Sessler

Bibliografie

– Johann Peter Lüth/Marlene Franz: Informationen

Schloss und Schlossbereich

in Alt-Saarbrücken. Ein Beitrag zum

Altstadtfest 1978. Saarbrücken 1978

– Gutachten Schloss und Altstadt Saarbrücken.

In: Bauwelt 27/78, 1978

– Wiederherstellung Saarbrücker Schloss,

Vorentwurf 1981. Saarbrücken 1981

– Eine Schule entsteht. Der Neubau des

Kaufmännischen Berufsbildungszentrums

in Brebach-Fechingen in Stichworten.

In: KBBZ Saarbrücken Halberg. Eine

gelungene Synthese von Architektur,

Bildung und Kultur. Saarbrücken 1983,

S. 15-18

– Geschäftsberichte Wiederherstellung

Saarbrücker Schloss 1982-1986. Aufbaugesellschaft

Saarbrücker Schloss

1983-1987

– Blieskastel – Wünsche für eine alte und

junge Stadt. In: Saarpfalz 1987, S. 4-13

– Alte Völklinger Hütte. Führer. Konzept

und Organisation Johann Peter Lüth

und Herbert Huppert. Saarbrücken,

ohne Jahr (1989/90)

– Vorwort und Konzeption Museumsweg

Alte Vöklinger Hütte. In: Harald Glaser,

Georg Skalecki: Museumsweg Alte Völklinger

Hütte. Saarbrücken 1994, S. 1-3

– Vorwort und Einleitung. In: Armin

Schmitt: Denkmäler Saarländischer

Industriekultur. 1. Auflage Saarbrücken

1989, 2. Auflage, Trier 1995

– Grußwort und Laudatio zum 1. Saarländischen

Denkmalpflegepreis 1994.

Saarbrücken 1996, S. 6-32

– Das Weltkulturerbe Alte Völklinger

Hütte. In: Internationale Sommerakademie

Potsdam-Sanssouci, 9.-15. Juni

1996. Materialien und Protokollniederschrift.

Stiftung Preußische Schlösser

und Gärten Berlin Brandenburg,

International Centre for the Study of

the Preservation and The Restoration of

Cultural Property (ICCROM), Rom 1996,

S. 190-216

– Lucius Burckardt, Georg Skalecki,

Johann Peter Lüth: Alte Völklinger

Hütte. Photos Hans Meyer Veden.

OPUS 28, Edition Axel Menges 1997

– Grußwort zur Eröffnung des feinmechanischen

Museums in Fellenbergmühle.

Merzig 1997, S. 13-14

– Jüdische Friedhöfe im Saarland.

Vorwort. Saarbrücken 1997

– Anmerkungen eines Denkmalpflegers

zum künftigen Gebrauch der Hütte

und zum Umgang mit einem Weltkulturerbe.

In: METALLA Nr 5.1 Deutsches

Bergbau-Museum Bochum, Bochum

1998, S. 25-37

– Zum Umgang mit der Brache. TRANS-

FORM Völklingen 7/99. Zum Umgang

mit einer schrumpfenden Industriestadt.

Entwurf im Städtebau. Darmstadt 1999

– Makeln statt Mäkeln. Über die Alte

Schmelz in St.Ingbert 1997-1999.

In: Saarpfalz, Sonderheft „Aufbau statt

Abbruch“, Blieskastel 1998

– Einführung und Laudatio zum 2.

Saarländischen Denkmalpflegepreis.

Saarbrücken 2000, S. 5-44

– Einführung und Laudatio zum 3.

Saarländischen Denkmalpflegepreis

Saarbrücken 2000, S. 8-39

– Beton in der Denkmalpflege. In: IFS

Bericht 17, 2004, S. 21-30

– Dokument 5 (Völklingen revisited).

In: Gert Kähler: Gebaute Geschichte.

Leipzig 2006, S. 117

– Von der Rekonstruktion zur Instandsetzung

und Komplettierung des

Saarbrücker Schlosses. Dialoge und

Innenansichten eines zwölfjährigen

Planungsprozesses. In: Kurt Bohr, Peter

Winterhoff-Spurk (Hg.): Die Stadt als

Erinnerungsort – Friedrich Joachim

Stengel in Saarbrücken. Saarbrücken

2009, S. 125-147

– Bis auf die Hülle (Bergwerksdirektion

Saarbrücken). In: Bauwelt 41/2010

Gütersloh 2010

– Denkmalschutz (im Saarland) ein

Gesetz mit grundlegenden Mängeln.

Stellungnahme des früheren Landeskonservators.

In: SaarGeschichten 4.

Saarbrücken 2011

– Probleme bei der Umwidmung großindustrieller

Anlagen am Beispiel der

Völklinger Hütte, Völklingen Reviseted

2005 und 2012 (Arbeitstitel).

Saarbrücken 2012 (in Vorbereitung)

57


1965 Heirat mit Lieselotte Hellenthal

2 Töchter: Nanna, geboren 1966,

Charlotte, geboren 1968

1966-75 eigenes Architekturbüro, zeitweise

als „Werkgruppe 3“ mit Josef von

Waldbott und Helmut Kreutzer

Mitarbeiter Lüth: Jürgen de Giuli,

Klaus-Peter Kahle, Thomas Schmidt,

Eckhard Kirchen

1974-75 Lehrauftrag an der Fachhochschule

des Saarlandes im Fachbereich

Architektur; externer Prüfer der Absolventen

der Fachhochschule des Saarlandes,

Fachbereich Design und Innenarchitektur

1975-85 Leiter des Bauamtes des Stadtverbandes

Saarbrücken

1985-2002 Landeskonservator, Leiter

des Staatlichen Konservatoramtes des

Saarlandes

Johann Peter Lüth

geboren 1937 in Stargard / Pommern

1957-60 Studium der Architektur und

des Städtebaus an der Technischen Universität

Berlin

1960-61 Studium der Architektur an der

Technischen Hochschule Hannover

1961-1962 Arbeit am LEX Göttingen,

bei Prof. Fritz Eggeling

1962-65 Studium der Architektur und

des Städtebaus an der Technischen Universität

Berlin

Garten- und Landschaftsbau: Übungen

bei Prof. Herta Hammerbacher

Malen Prof. Piper, Bildhauerei Prof. Reuter

1964 humanistische Prüfung

Biologie/Anthropologie/Deutsche Literatur

(Höllerer)/Englische Literatur

1965 Diplomarbeit bei den Prof. Willy

Kreuzer und Fritz Eggeling, Beurteilung

zusätzlich von Prof. Oswald Mathis

Ungers, Thema „Neuordnung eines

Baublocks in Berlin-Wedding“

Mitgliedschaften:

AIV-Saar Architekten- und Ingenieurverein

Saar, Arbeitskreis für Baufragen der

evangelischen Kirche im Rheinland,

BDA Saarland Bund Deutscher Architekten

Landesverband Saarland e.V.,

DWB Saarland Deutscher Werkbund

Saarland, ICOMOS International Council

on Monuments and Sites, IFLIS Institut

für Landeskunde im Saarland e.V., IFS

Institut für Steinkonservierung e.V. der

Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland,

Thüringen, Freundeskreis zur Rettung

Jüdischen Kulturgutes im Saarland e.V.,

Kommission für Saarländische Landesgeschichte

und Volksforschung e.V.,

Wohnungsbaugenossenschaft Albrecht

Herold – Alte Schmelz e.G.

Preise :

BDA-Preise und Anerkennungen für vorbildlich

ausgeführte Bauten:

1969 Wohnhaus Hellenthal

1983 Kaufmännisches Berufsbildungszentrum

(KBBZ) Brebach-Fechingen für den

Stadtverband Saarbrücken als Bauherr

1995 Saarbrücker Schloss für den Stadtverband

Saarbrücken als Bauherr

58


Marlen Dittmann

1940 in Kiel geboren

1960-65 Studium der Architektur an der

RWTH Aachen, Dipl.-Ing.

praktische Tätigkeit in einem Aachener

Büro für Stadtplanung

1977 Umzug nach Saarbrücken

Vorsitzende im Städtebau beirat der

Landeshauptstadt Saarbrücken, des

Deutschen Werkbundes Saarland und des

dwb e.V.

ab 1984 freie Mitarbeiterin in der Kulturredaktion

der Saarbrücker Zeitung, 1993-

2004 Mitglied im Landesdenkmalrat

Mitglied im Städtebaubeirat in der Landeshauptstadt

Saarbrücken. Seit 2008

Vorsitzende

2008 Redaktionsmitglied des Kulturmagazins

„Opus“

Beiträge zur heutigen Architektur, zur

Stadtplanung, zur Baugeschichte und

zum Denkmalschutz

Aufsätze in der FAZ, in Zeitschriften,

Ausstellungskatalogen und Sammelbänden,

zahlreiche Vorträge, Beiträge im

Internet unter www.künstlerlexikon-saar.de

und www.kunstlexikon-saar.de

Bücher

– Karl Hanus. Bauten und Projekte 1957-

1993. Saarlouis 1994

– Saarbrücken, eine Stadt vor 100 Jahren.

Bilder und Berichte. München 1998

– Otto Zollinger. Ein Schweizer Architekt im

Saar gebiet 1924-1944. Walsheim 1999

– Interview – Architektur:

Marlen Dittmann im Gespräch mit:

Bernhard Focht, Hanns Schönecker,

Rudolf M. Birtel, Alois Peitz,

Dieter Heinz, Günther Mönke.

Saarbrücken 2001-2008

– Marlen und Lorenz Dittmann:

Karl Prantl. Große Steine und Bildhauersymposien.

Saarbrücken 2007

– Karl Prantl. In: museale 8. Saarbrücken

2008

– Die Baukultur im Saarland 1904-1945

Saarland Heft 3. Hg. Heinz Quasten.

Saarbrücken 2004

– Die Baukultur im Saarland 1945-2010.

Saarland Hefte 4. Saarbrücken 2011

– Marlen Dittmann, Dietmar Kolling:

Georges-Henri Pingusson und der

Bau der Französischen Botschaft in

Saarbrücken. Saarbrücken 2012

Aufsätze (Auswahl)

– Der Neunkircher Hüttenpark. Industrierelikte

verbinden Stadt und Natur.

In: werkundzeit Perspektiven 2 – Neue

Landschaft. Walldorf 1994

– Wettbewerbe als Beitrag zur Baukultur.

In: 50 Jahre Architektenkammer des

Saarlandes, Saarbrücken 1998

– Erziehung durch Baukunst. Architektur

und Stadtplanung als Bedeutungsträger.

In: Grenzenlos. Lebenswelten in der

deutsch-französischen Region an Saar

und Mosel. Dillingen 1998

– Steine als Kunst im öffentlichen Raum.

In: Paul Schneider. Werke 1949-1998.

Saarbrücken 1998

– Stadtentwicklung und Wohnen. In:

Geschichte der Stadt Saarbrücken,

Bd. 2, Saarbrücken 1999

– Die Saarbrücker Stadtgärten. In: Gartenkunst

in Saarbrücken. Worms 1999

– Architektur und Kunst im öffentlichen

Raum – drei Beispiele. In: Kunst im

öffent lichen Raum. Saarland. Bd. 2.

Saarbrücken 1999

– 150 Jahre Baustelle. Die Gebäude am

Saarbrücker Hauptbahnhof und ihr

städtebauliches Umfeld. In: Ankunft

Saarbrücken Hauptbahnhof. 150 Jahre

Eisenbahn an der Saar. Hg. Staatskanzlei,

Landesarchiv in Zusammenarbeit

mit dem Historischen Museum Saar

und dem Stadtarchiv Saarbrücken.

Saarbrücken 2002

– Das Baukunstwerk Bergwerksdirektion.

Denkmal des Bergbaus – Identifikationsmal

in der Stadt. Das Gästehaus der

RAG Saarberg – auch ein Dokument

bürgerlicher Wohnkultur des 19. Jahrhunderts.

In: Zwischen Tradition und

Moderne. Gebäude der RAG Saarberg

AG im Wandel der Zeit. Hg. Vorstand

der RAG Saarberg AG, Essen 2003

– Häuser im Dienste der Kunst. Die Baugeschichte

der Saarbrücker Museen. In:

Ein Bild der Kultur. Die Geschichte des

Saarlandmuseums. Hg. Ralph Melcher,

Christof Trepesch, Eva Wolf. Blieskastel

2004

– Architektur und Stadtplanung in

Neunkirchen von 1920 bis 2000. In:

Neunkircher Stadtbuch. Hg. im Auftrag

der Kreisstadt Neunkirchen von Rainer

Knauf und Christof Trepesch. Neunkirchen

2005

– Hoffmann – Loos – Behrens. In: Bilder

sind nicht fiktiv, sondern anschaulich.

Festschrift für Christa Schwinn. Hg.

Ingeborg Besch, Hans-Caspar Graf von

Bothmer, Yvonne Schülke, Christof

Trepesch. Saarbrücken 2005

– Helmut Striffler – Bauen mit Licht.

In: Sprachen der Kunst. Festschrift für

Klaus Güthlein zum 65. Geburtstag.

Hg. Lorenz Dittmann, Christoph Wagner,

Dethard von Winterfeld. Worms

2007

59


Impressum

Herausgeber

Deutscher Werkbund Saarland und

Institut für aktuelle Kunst im Saarland

Redaktion

Claudia Maas

Redaktionelle Mitarbeit

Doris Kiefer

Gestaltung

Nina Jäger

Umschlag:

Johann Peter Lüth: Vorentwurf

für das Mehrfamilienstadthaus,

Charlottenstraße, Saarbrücken, 20.7.1975

Abbildungsnachweis:

heisler IMAGING, Gerhard Heisler:

S. 2, 10-15 oben, 16-17, 20 oben, 21-31,

38-41, 43, 51 links, rechts,

52 links unten, Mitte oben, 53-57 Mitte

Ernst Hellenthal: S. 57 oben

Lieselotte Lüth: S. 57 unten, 58

Hans Meyer-Veden: S. 35, 36/37

Archiv Dittmann: S. 59

Archiv Lüth (Reproduktion Gerhard Heisler):

S. 4-9, 20 unten, 50, 51 Mitte,

52 links oben, Mitte unten, rechts

Archiv Wallé: S.15 unten

Büro Focht: S. 32 oben

Institut für aktuelle Kunst: S. 18-19,

32 unten

Deutscher Werkbund Saarland

Geschäftsstelle

Bühler Straße 111a

66130 Saarbrücken-Güdingen

Tel. 0681 / 37 99 75 3

Fax 0681 / 37 99 75 40

e-mail: saarland@deutscher-werkbund.de

www.deutscher-werkbund.de

Institut für aktuelle Kunst im Saarland

an der Hochschule

der Bildenden Künste Saar

Choisyring 10

66740 Saarlouis

Fon 06831/460530

e-mail info@institut-aktuelle-kunst.de

www.institut-aktuelle-kunst.de

www.kunstlexikon-saar.de

www.künstlerlexikon-saar.de

Die Publikation wurde ermöglicht

durch die finanzielle Förderung

der Stiftung ME Saar,

der Sparkasse Saarbrücken,

der Saarland-Sporttoto GmbH,

des Regionalverbandes Saarbrücken,

und des Ministeriums für Inneres,

Kultur und Europa

© Johann Peter Lüth, Marlen Dittmann,

Gerhard Heisler, Institut für aktuelle Kunst

im Saarland, Saarlouis

Verlag

Verlag St. Johann GmbH, Saarbrücken

ISBN 3-938070-69-2

Druck und Lithografie

Krüger Druck+Verlag GmbH, Dillingen

Auflage: 600

Saarbrücken 2012

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