Schlaglichter der Wirtschaftspolitik - Monatsbericht Juni 2011 - BMWi

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Schlaglichter der Wirtschaftspolitik - Monatsbericht Juni 2011 - BMWi

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Mitarbeiterkapitalbeteiligung –

mit partnerschaftlicher Unternehmenskultur

zum wirtschaftlichen Erfolg

Viele Beispiele aus der Praxis der Unternehmen

zeigen eines ganz deutlich: Der Ausgleich zwischen

den Interessen der Eigentümer und denen der

Mitarbeiter im Unternehmen ist eine entscheidende

Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg.

Über die Beteiligung ihrer Mitarbeiter am Unternehmenskapital

wird ein Beitrag zu einer Gesellschaft

von Teilhabern geleistet, die der frühere

Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambs dorff

einmal als das „Ideal“ der Sozialen Marktwirtschaft

bezeichnet hat. Der folgende Beitrag gibt

einen Überblick über die Mitarbeiter kapital beteiligung

in Deutschland und zeigt deren besondere

Bedeutung für den Mittelstand auf. Er stellt die

bestehenden staatlichen Fördermöglichkeiten

vor und nennt Reformpotenziale.

Die Mitarbeiter(kapital)beteiligung

in Deutschland

Die unternehmerische Idee einer Beteiligung der Mitarbeiter

am Erfolg oder Kapital ihres Unter neh mens

hat in Deutschland eine lange Tradition. Die reine

Erfolgsbeteiligung – in der Regel in Form einmaliger

erfolgsabhängiger Sonderzahlungen – kann auf eine

mehr als 150-jährige Geschichte zurückblicken. Auch

die Anfänge der Mitarbeiterbeteiligung am Kapital

ihres Unternehmens reichen weit zurück. Um 1870

begannen einige Unternehmen, u. a. Hütten werke

und Gießereien, Belegschaftsaktien auszugeben. Seit

den 1960er Jahren fördert der Staat im Rahmen des

Vermögensbildungsgesetzes die stärkere Beteiligung

der Arbeitnehmer am Kapital ihres Arbeitgebers;

Arbeitnehmer sollen am Produktivitätsfortschritt der

Unternehmen partizipieren und neben ihrem Arbeits -

einkommen auch Einkommen aus Kapital erhalten

können. Mit dem Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz

wurde schließlich 2009 die staatliche Förderung

von Kapitalbeteiligungen noch einmal deutlich

erweitert.

Von Beteiligungsmodellen – seien es Erfolgs- oder

Kapitalbeteiligungen – profitieren Mitarbeiter und

Unternehmen: Die Mitarbeiter erhalten geldwerte

Vorteile, beispielsweise als Barauszahlung oder in

Form von Aktien oder Genussrechten. Oftmals wird

die Kapitalbeteiligung auch mit einer vorgeschalteten

Erfolgsbeteiligung kombiniert; dann kann sich

der Mitarbeiter für eine innerbetriebliche Anlage seiner

Sonderzahlung entscheiden. Für die Mitarbeiter

können Kapitalbeteiligungsmodelle – je nach Un ternehmenserfolg

– überdurchschnittlich hohe Renditen

erzielen. Damit kann die Kapitalbeteiligung die

betriebliche Altersvorsorge ergänzen, die primär auf

die langfristige Absicherung der eingebrachten Gelder

ausgerichtet ist. Aus Unternehmenssicht motivieren

Mitarbeiterbeteiligungen die Beschäftigten zu

größerer Leistung, erhöhen das Verantwortungsbewusstsein

und stärken die Identifikation mit dem

Unternehmen. Sie sind in aller Regel Ausdruck einer

gesunden Unternehmenskultur. Damit profitiert das

Unternehmen von der wachsenden Attraktivität als

Arbeitgeber. Die Kapitalbeteiligung kann aber noch

mehr: Mitarbeiter werden zu langfristig an dem

Unternehmen interessierten Anteilseignern. Manch

„klassischer“ Interessengegensatz zwischen den Be -

ziehern von Kapital- und Arbeitseinkommen kann so

gemindert werden.

In der Vergangenheit waren es allerdings häufig

die Gewerkschaften, die einer Beteiligung der Mitarbeiter

am Kapital eines Unternehmens kritisch ge -

genüberstanden und sie oft als schlechtere Alter native

zu Lohnerhöhungen werteten. Gewarnt wurde

insbesondere vor dem „doppelten Risiko“ einer Kapitalbeteiligung,

da im Falle einer Insolvenz des Arbeitgebers

mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auch der

des investierten Vermögens einhergehe. Bei solide

aufgestellten Unternehmen erkennen die Gewerkschaften

jedoch zunehmend die positiven Auswir kun -

gen einer Mitarbeiterkapitalbeteiligung an. Das liegt

nicht zuletzt daran, dass ausgerechnet die jüngs te

Wirtschafts- und Finanzkrise die – bis dahin wenig

beachtete – Rolle der Mitarbeiterkapital betei ligung

bei Unternehmenssanierungen in den Fokus gerückt

hat: Mittels Entgeltumwandlung werden aus Schulden

des Unternehmens (den Lohnforderungen der

Beschäftigten) Unternehmensbeteiligungen („debtto-equity-swaps“).

Hierdurch erhält das Unter neh men

mehr Liquidität zum Wirtschaften und kann sich

selbst leichter in einer Krisensituation helfen.

In Deutschland sind inzwischen mehr als zwei

Millionen Arbeitnehmer in über 4.000 Unternehmen

am Kapital „ihres“ Unternehmens beteiligt. Die Tendenz

ist steigend. Nach Informationen des Bran chen-

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