Menschenrechte heute - Behindertenbeauftragter des Landes ...

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Menschenrechte heute - Behindertenbeauftragter des Landes ...

Eine zentrale Forderung neben der Teilhabe ist die Mitgestaltung bei den Belangen,

die Menschen mit Behinderungen betreffen. Die UN-BRK macht dazu konkrete Vorgaben,

wenn sie von Partizipation, also von Mitentscheidung und Mitbestimmung, im

politischen Raum spricht. Sie fordert die direkte Beteiligung bei allen Initiativen, Projekten

und politischen Vorhaben durch die Stärkung des aktiven und passiven Wahlrechts.

Um diesen wichtigen politischen Aspekt der Mitgestaltung deutlich zu machen, habe

ich öffentlich eine Quote, ähnlich wie bei der Frauenquote und in Teilen auch bei

Migranten, für Menschen mit Behinderungen gefordert. Konkret bedeutet das für

mich, für jeden zehnten Listenplatz in den Parlamenten einen Menschen mit Behinderungen

vorzusehen. Denn auf Bundes- und Europa-Ebene ist für Deutschland lediglich

ein Abgeordneter mit sichtbaren Behinderungen bekannt.

Die Parteien, die bereits bei der Nominierung bestimmte Quoten berücksichtigen,

beispielsweise nach Herkunft, Geschlecht, Region, sollten sich darüber klar sein,

dass sie auch entsprechende Pflichten gegenüber Menschen mit Behinderungen haben

und dass in Zeiten der UN-BRK die sichtbare Repräsentanz von Menschen mit

Behinderungen zum heutigen Menschenbild gehört.

Ich werde mich weiter konsequent für eine teilhabeorientierte Zukunftsgestaltung für

Menschen mit Behinderungen einsetzen – auch bei gegenläufigen Strömungen.

Das gilt neben Bildung und Schule selbstverständlich auch für Kultur, Freizeit, Sport

und politische Teilhabe - ich nannte schon die Quote - und die Realisierung eines inklusiven

Arbeitsmarktes. Gerade hier muss diesen Menschen nicht nur ein beruflicher

Einstieg, sondern auch ein beruflicher Aufstieg ermöglicht werden. Warum sollte

es nicht Menschen mit Behinderungen in beruflichen Leitungsfunktionen geben? Warum

gibt es noch viel zu selten behinderte Abteilungsleiter, Staatssekretäre oder Minister

oder eine entsprechende Zahl von Abgeordneten? Nach meiner Erfahrung

geht es da um Macht über Menschen und an dieser erworbenen Macht wollen die,

die diese Macht besitzen, möglichst festhalten.

Was wir brauchen, ist eine kooperative Partnerschaft. Wir müssen gemeinsam weiterführende

Ziele definieren und dürfen uns nicht mit barrierefreien Bahnhöfen und

Universitäten zufrieden geben.

Mein Ziel ist ein Zusammenleben im Alltag, in der Freizeit, im Sport, im Beruf – kurz,

in allen Bereichen des menschlichen Miteinanders – ohne Ausgrenzung bei gegenseitiger

Toleranz und Achtung. Ich bin zuversichtlich, dass es uns eines Tages auch

gelingt; erst wenn wir nicht mehr über Inklusion reden (müssen), können wir von einer

gelungenen Inklusion reden.

Karl Finke

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