Menschenrechte heute - Behindertenbeauftragter des Landes ...

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Menschenrechte heute - Behindertenbeauftragter des Landes ...

Auch unser verbandliches Umfeld ist, vom BSK einmal abgesehen, noch häufig

dadurch geprägt, dass nichtbehinderte Menschen die Entscheiderfunktionen dominieren.

Dies gilt im politischen Umfeld entsprechend. Hier gilt es, sowohl das aktive

wie auch passive Wahlrecht behinderter Menschen gezielt zu fördern und gesellschaftlich

deutlich zu machen, dass knapp 13 Millionen Menschen in Deutschland mit

einer Behinderung, davon ca. acht Millionen schwerbehinderte Menschen, bei allen

Initiativen, Projekten und Konzepten von gesellschaftlicher Bedeutung mitentscheiden

wollen.

Die Unterscheidung zwischen Integration und Inklusion ist den meisten geläufig.

Wichtig für mich ist noch, darauf hinzuweisen, dass in allen Übersetzungen der UN-

Behindertenrechtskonvention noch vom integrativen System die Rede ist. Wir Menschen

mit Behinderungen haben den Begriff der Inklusion in Deutschland nicht nur

für uns salonfähig gemacht. Er hat im Unterschied zu integrativen Systemen auch

noch einige Erweiterungen.

Dies ist erneut ein Dreiklang von Empowerment behinderter Menschen (Selbstbeund

–ermächtigung), Partizipation, Inklusion und angemessene Vorkehrungen zur

Stärkung der Mitentscheidung und Teilhabe behinderter Menschen sowie dann die

konkreten Arbeitsfelder wie Arbeit, Bildung, Barrierefreiheit, Sport und Wohnformen.

Durch die traditionellen Verbände wurden wir stets nur auf die konkreten Arbeitsfelder

reduziert. Lassen wir uns hierauf nicht ein. Dies ist alter Wein in neuen Schläuchen

und Erhalt alter Machtstrukturen. Bestenfalls der Ersatz von neuen Professionellen

durch alte Professionelle; die Abhängigkeiten bleiben! Herr Dr. Aichele, der

Referent nach mir, wird Ihnen die Inhalte der UN-Behindertenrechtskonvention und

deren Bedeutung für das BGG sowie die erforderlichen Veränderungspotentiale sicherlich

konkret erläutern. Nur eines muss klar sein: In der Folge des BGG und der

Konkretisierung durch die UN-Behindertenrechtskonvention geht es um Weiterentwicklung,

und zwar unter der Prämisse, die Frage von Koch und Kellner muss eindeutig

in unserem Sinne entschieden werden oder, wie wir es stets gesagt haben:

Wir können am besten darstellen, was wir denken, fühlen und wünschen und

wollen mitgestalten und nicht gestaltet werden.

Das Behindertengleichstellungsgesetz und das berühmte Vier-Punkte-Programm im

Bewusstsein aller, das humanitäre Anliegen und die konkreten Artikel der UN-

Behindertenrechtskonvention als Handlungsanleitung sowie dann die konkreten

Schritte vor Ort gemeinsam mit uns allen zu vereinbaren, das ist eine Behindertenpolitik

von morgen, die alle knapp 13 Millionen Menschen mit einer Behinderung mit

einbezieht und im besonderen eigenen Sinne gesellschaftlich verändernd und bewusstseinsbildend

ist.

Karl Finke

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