Psyche und Sexualität Psyche und Sexualität – ein Einleitung - LWL ...

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Psyche und Sexualität Psyche und Sexualität – ein Einleitung - LWL ...

Psyche und Sexualität – ein

Einleitung

Prof. Dr. med. Georg Juckel

LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und

Präventivmedizin


-Sexuelle Freuden, Genuß … und

seelisches Wohlbefinden

-Ausschüttung von Glückshormonen

-(Serotonin, Dopoamin, Endorphine…)

- „Zärtlichkeits- oder Sozialhormon“

-Oxytoxin

-……………….

Sexsucht ?

Sexuelle Schwierigkeiten, z.B. Impotenz, Anorgasmie etc. –

Selbstwertproblematik, Fragen der Identität,

Verzweiflung bis hin zur Depression

OPs, Unfälle, Krankheiten (z.B. Depression) und Medikamente

(z.B. Antidepressiva), die zu Einschränkungen von Sexualität

führen und damit zu psychischem Leid


Symptomatik der depressiven

Episode

Psychische Symptome:

Somatische

Symptome:









Morgentief

Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit

Schwung- Schlafstörungen und Antriebslosigkeit, mit Früherwachen

Interessenverlust

Verminderte Appetitverlust

Konzentration und Aufmerksamkeitsfähigkeit

Erhöhte Ermüdbarkeit

Gewichtsabnahme, Obstipation

Herabgesetztes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle

Libidoverlust/Sexuelle Dysfunktionen

Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven

Schmerzen

Suizidgedanken, -absichten (ca. 2/3 der Patienten!)

Wahn (Schuld, Versündigung, Verarmung)


Neuroendokrine Dysregulation

Nestler EJ, et al. Neuron 2002;34(1):13-25.


Belohnungs- oder „Freude“-Zentrum des Menschen

Knutson et al. 2001a/b, Juckel et al. 2006 a/b


• Als sexuelle Funktionsstörungen werden alle

Beeinträchtigungen der sexuellen Funktionen

bezeichnet (Sigusch 2001).

• Sexuelle Dysfunktionen, sind jene Störungen,

bei denen eine vorwiegend oder

ausschließlich körperliche Ursache vorliegt.

• Als funktionelle Sexualstörungen werden

diejenigen verstanden, bei denen primär

psychische Ursachen angenommen werden.


Sexuelle Funktionsstörungen

Zur Diagnose einer Störung wird gefordert:

mindestens über sechs Monate bestehendes sexuelle

Problem mit einen deutlichen Leidensdruck und der

Unfähigkeit einhergeht, eine sexuelle Beziehung so zu

gestalten, wie man möchte.

Sexuelle Funktionsstörungen lassen sich in vier Gruppen

einteilen:

• Störungen der sexuellen Appetenz

• Störungen der sexuellen Erregung

• Orgasmusstörungen

• Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen


Appetenzstörungen

Darunter versteht man Störungen des sexuellen Interesses

im Sinne einer Verminderung des sexuellen Verlangens

und selten initiierter sexueller Aktivitäten (Frigidität,

sexuelle Hypoaktivität).

Sexuelles Desinteresse wird in den letzten Jahren häufiger

diagnostiziert als früher, vermutlich aus soziologisch

bedingten Gründen wie Emanzipation und unterschiedliche

Sicht und Einstellung zur Sexualität.

Zu den Appetenzstörungen zählen auch die sexuelle Aversion

(d.h. das Vermeiden sexueller Handlungen aufgrund negativer Gefühle, Furcht

oder Angst) sowie die mangelnde sexuelle Befriedigung.

Hierbei verlaufen die sexuelle Reaktionen normal, der Orgasmus wird jedoch

ohne entsprechendes Lustgefühl erlebt. Frauen klagen darüber häufiger

als Männer.


Erregungsstörungen

Bei der Frau entwickelt sich während der sexuellen

Stimulierung die Lubrikations-Schwell-Reaktion

ungenügend oder kommt gar nicht zustande.

Isolierte Erregungsstörungen bei der Frau eher selten, meist kombiniert mit

Appetenz- und Orgasmusstörungen und als Ausdruck der Abwehr

sexuellen Erlebens zu interpretieren.

Beim Mann findet sich hierbei das Problem, die für einen

befriedigenden Geschlechtsverkehr notwendige Erektion

zu erlangen bzw. aufrechtzuerhalten.

Eine „durchgängige“ Erektionsstörung z.B. auch bei Masturbation oder

morgendliche Erektion usw. weißt eher auf eine körperliche Ursache hin.


Orgasmusstörungen

Bei der Frau unterscheidet man eine vollständige vs.

einer koitalen Orgasmusstörung.

Vollständig:: Im Verlauf des sexuellen Lebens wird niemals bei

irgendeiner sexuellen Aktivität ein Orgasmus erreicht. Es bleibt

ein Gefühl des Unbefriedigtseins. Meistens betrifft es Frauen, die

an verschiedensten Ängsten leiden, die mit dem Erleben von

Sexualität verbunden sind.

Frauen mit einer koitalen Orgasmusstörung haben mehr oder

weniger regelmäßigen Orgasmus z.B. bei der Masturbation,

jedoch nicht beim Koitus. Hierbei scheint oft eine Angst vor einer Art

Kontrollverlust eine Rolle zu spielen, eine Angst beim Erleben des

Orgasmus „das Gesicht in Anwesenheit des Partners zu verlieren“.


Orgasmus- bzw. Ejakulationsstörung

Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio bzw. Orgasmus

praecox): Hierbei besitzt der Betroffene kaum oder keine

Kontrolle über den zeitlichen Ablauf des

Ejakulationsprozesses, den er nicht steuern kann.

Stark verzögerter oder ausbleibender Orgasmus

(Anorgasmie). Dies ist selten u. wird v.a. bei Personen mit starker

Gehemmtheit oder Zwangcharakter beobachtet, häufiger aber unter

Einnahme von Psychopharmaka oder Alkohol.

Die retrograde Ejakulation in die Blase und die Ejakulation ohne

Orgasmus stellen ausschließlich körperlich bedingte

Veränderungen des Ejakulationsprozeßes dar.


Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen

Frauen leiden häufiger unter Schmerzen beim Geschlechts-

verkehr, wobei gynäkologische Probleme meist hierfür

ursächlich vorliegen.

Eine Dyspareunie oder Algopareunie kann aber auch die Folge einer

ausbleibenden Lubrikation bei geringer oder fehlender

sexueller Appetenz oder einer Erregungsstörung sein.

Der Vaginismus ist eine unwillkürliche und reflexartige

Verkrampfung der weiblichen Beckenbodenmuskulatur und des äußeren

Drittels der Vagina beim Koitusversuch. Die Einführung des Penis wird

meist völlig unmöglich, in ausgeprägten Fällen ist nicht mal eine

gynäkologische Untersuchung möglich. Bei den meisten Betroffenen

besteht i.d.R. keine Störung der Orgasmusfähigkeit.


Bei Männern treten sexuell bedingte Schmerzen eher

selten auf.

Schmerzen werden dann vorwiegend an der Glans penis

empfunden. Bei Ausschluß z.B. einer Phimose ist die

Symptomatik meist durch eine Überempfindlichkeit bzw. eine

starke Angst vor der Berührung der Glans bedingt.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen kann es zu sog.

nachorgastischen Verstimmungen kommen, die durch

Gereiztheit, innere Unruhe und fehlender Entspannung

nach sexuellem Kontakt gekennzeichnet sind und meist

eine fehlende Befriedigung ausdrücken.

Ursachen hierfür können eine Ablehnung des Partners bzw. eine nicht

erkannte oder akzeptierte gleichgeschlechtliche sexuelle

Partnerorientierung sein.


Ursachen sexueller Funktionsstörungen

• Psychische Erkrankungen

• Körperliche (v.a. neurologische) Erkrankungen

• Substanz-Drogenmißbrauch

• Hormonveränderungen, Schwangerschaft, Geburt usw.

• Medikation

• Interpersonelle sowie individuell bedingte Konflikte

• Psychosoziale und entwicklungsbedingte Faktoren

• Religiöse/kulturelle Faktoren


Häufigkeiten

Angaben zur Häufigkeit von sexueller Funktionsstörungen

aufgrund hoher Dunkelziffer und weniger Studien

unzureichend möglich.

Laumann et al. (1999): bei Frauen

- 22% Verminderung des sexuellen Interesses

- 14% Störung der sexuellen Erregung

- 7% Schmerzen beim sexuellen Kontakt

Bei Männern:

- 5% Verminderung des sexuellen Interesses

- 5% Erektionsprobleme

- 21% vorzeitiger Samenerguss

Metaanalyse aus 52 Studien (Simons u. Carey 2001):

Häufigkeit von 7-10% für Orgasmusstörungen der Frau und 4-

5% für Ejakulations- bzw. Orgasmusstörungen bei Männern.


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit !

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