Artikel RP-Online vom 22.02.2012 - Zukunft Erkrath

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Artikel RP-Online vom 22.02.2012 - Zukunft Erkrath

Nachrichten aus Mettmann und Erkrath | RP ONLINE

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von 3 20.03.2012 14:47

zuletzt aktualisiert am: 22.02.2012

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Erkrath

"Das Wir-Gefühl in Erkrath fehlt"

zuletzt aktualisiert: 22.02.2012

Erkrath (RP). Plan-lokal-Chef Thomas Scholle arbeitet zurzeit

federführend am Stadtentwicklungskonzept für Erkrath. Er

spricht über Reizthemen, Flächenversiegelung und die

drohenden Folgen einer Überalterung der Einwohner.

Stadtentwicklung – und kein Ende. Das Büro Plan-Lokal aus Dortmund

stellt zurzeit unter Beteiligung der Bürger in Erkrath ein Konzept für die

kommenden Jahrzehnte auf. Darin geht es vor allem darum, den

drohenden Bevölkerungsschwund und die Überalterung aufzuhalten sowie

die Lebensqualität in den Stadtteilen auf Dauer zu verbessern.

Die Ideen von plan-lokal bringen viele Bürger auf die Barrikaden. Andere

zweifeln die Effektivität des Konzeptes an. Wir unterhielten uns mit

plan-lokal-Chef Thomas Scholle.

Herr Scholle, Ihre Arbeit wird in einigen Kreisen nicht geschätzt. Ihr

bisher erarbeitetes Konzept sei auf jede andere Stadt gleicher Größe

übertragbar, die Flächenversiegelung Ihr Hauptanliegen, heißt es.

INFO

Im Netz nachlesen

Die vorläufigen Ergebnisse

des

Stadtentwicklungskonzeptes

sind im Internet

nachzulesen, und zwar

unter: www.zukunfterkrath.de

Mehr über die Aufgaben von

plan-lokal erfährt man unter

www.plan-lokal.de

Scholle Erst einmal möchte ich

richtigstellen, dass wir bisher lediglich

ein Zwischenergebnis präsentiert

haben. Das Endergebnis kommt erst im

Sommer. Alles andere sind vorläufig nur

Ideen.

Aber der Flächenverbrauch ist heute

schon das Streitthema?

Scholle: Und ob. Es ist ein sehr

emotionales Thema und ein Reflex auf

die politische Diskussion der letzten

Jahre. Ich habe selten in einer Stadt die Menschen bei einem Thema so

aufgebracht gesehen, wie in Erkrath. Die Diskussion hat sich schon lange

verselbstständigt. Dabei macht die Flächenentwicklung nur einen kleinen

Teil unserer Arbeit aus. Die anderen Themen kennt kaum jemand.

Es wird von manchen Bürgern kritisiert, die von Ihnen angebotenen

Workshops zur Stadtentwicklung seien sehr schlecht besucht gewesen,

das Interesse mäßig.

Scholle. Das stimmt nicht. Bei den Workshops in den Stadtteilen waren

insgesamt gut 300 Teilnehmer. Das sind im Schnitt 50 bis 80 Personen pro

Veranstaltung. Das finde ich ein sehr gutes Ergebnis.

Glauben Sie, dass Sie mit Foren und Workshops alle relevanten Themen

bearbeitet und einen breiten Querschnitt der Menschen in Erkrath erreicht

haben?

Scholle Wir haben drei Veranstaltungen in Gesamt-Erkrath gehabt, zwei

folgen noch. Das Thema Flächenentwicklung bekam dabei zwei eigene

Veranstaltungen. Wir waren fünfmal in den Ortsteilen. Wir haben

Workshops für Frauen, Jugendliche, ältere Menschen und Migranten


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von 3 20.03.2012 14:47

veranstaltet und Themen wie Einzelhandel, Stadtteilzentren, Wirtschaft,

Stadtbild, Wohnen, Landschaft, Umwelt und Integration angesprochen.

Nächste Woche startet die zweite Staffel von Fachgesprächen mit

Schlüsselpersonen aus der Stadt. Ich glaube, das spricht für sich.

Was sind die Hauptwünsche der Menschen in Erkrath?

Scholle An erster Stelle steht das Thema Wohnen mit der erforderlichen

Bestandsentwicklung, der Wohnumfeld-Verbesserung und auch dem

Thema Wohnungsneubau. Bei Neubauvorhaben sollten innovative

Wohnangebote im Vordergrund stehen. Bei der Bestandsentwicklung gibt

es viele Immobilien aus den 70er und 80er Jahren, an denen etwas getan

werden muss. Sehr häufig wird auch der Wunsch an uns herangetragen,

in Erkrath bauen zu können. Viele trauen sich nur nicht, in emotional

aufgeladenen großen Runden ihr Anliegen vorzutragen. Aber die

Nachfrage ist größer als das Angebot. Das bestätigen auch Makler und

Kreditinstitute. Dann kommen Natur- und Freiraumschutz, das Schaffen

von Arbeitsplätzen und das Nutzen von leerstehenden Gewerbebauten,

denn viele Eigentümer nehmen anscheinend lieber Leerstände in Kauf,

statt eine neue Nutzung zu ermöglichen.

Könnte ein Wirtschaftsförderungsamt der Stadt da nicht etwas bewegen

und Einfluss auf die Eigentümer-Entscheidung nehmen?

Scholle Das sehen wir auch so. Dazu müsste die Stadt für diese

zusätzliche Beratungs- und Managementaufgabe aber in Personal

investieren. Mit dem derzeitigen Team ist das kaum zu schaffen.

Fühlen Sie sich von den Erkrathern manchmal missverstanden?

Scholle: Ja. Vor allem, wenn es um den Flächenverbrauch geht. Wir sind

nicht angetreten, Boden zu versiegeln. Wir wollen auch nicht

hauptsächlich Gewerbeflächen ausweisen. Wir wollen eher den Bestand

nutzen und kleine Lücken schließen, wie beispielsweise zwischen den

beiden Gewerbebetrieben an der Neanderhöhe. Wir sehen keine Flächen

für größere Gewerbeansiedlungen, eher nur kleine Arrondierungsflächen.

Einen großen Befreiungsschlag in Sachen Gewerbe wird es in Erkrath

kaum geben. Insgesamt halten wir die Ausweisung von Wohngebieten

aufgrund der vielfältigen Synergieeffekte für wichtiger.

Wo zum Beispiel?

Scholle In Unterfeldhaus, wo wir eine überdurchschnittliche Überalterung

haben. Wenn wir da nichts unternehmen, wirkt sich das auf Schulen,

Sportangebote, Nahverkehr und Einzelhandel aus. Das dortige

Stadtteilzentrum weist jetzt schon die höchsten Funktionsdefizite auf. Ich

möchte kein Horrorgemälde zeichnen, aber unter den derzeitigen

Umständen möchte ich darauf hinweisen, dass dort etwas unternommen

werden muss, damit kein Verlust an Lebensqualität droht.

Aber die Widerstände sind in Unterfeldhaus am größten.

Scholle Wenn es um die Pferdekoppel geht. Das verstehe ich auch.

Niemand will, dass vor seiner Nase gebaut wird. Planung ist in solchen

Zusammenhängen immer undankbar, weil sie nicht für alle Vorteile

bringt. Aber wir sind auch dem Allgemeinwohl verpflichtet. Die Anwohner

in Unterfeldhaus sollen ja nicht auf das Naturerlebnis vor der Tür

verzichten. Es rückt nur etwa 150 Meter weiter weg.

Haben Sie für Ihre noch bevorstehende Arbeit Wünsche an die Erkrather?

Scholle Ja, mehr Unvoreingenommenheit. Sie sollten alle Aspekte der

Stadtentwicklung bedenken. Ich vermisse ein Wir-Gefühl in Erkrath und

mehr Verständnis für die Belange anderer. Nur gemeinsam kann man die

Stadt und seinen Stadtteil nach vorne bringen.

Isabel Klaas stellte die Fragen

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