Trauma einer Stadt - Bunt statt braun

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Trauma einer Stadt - Bunt statt braun

auftragte, der im September 1992 von der Polizei und nie als

Zeuge von der Staatsanwaltschaft selbst vernommen worden

war, schaltete sich zusammen mit Herrn Thinh als Nebenkläger

in das Strafverfahren ein. Am 17. Juni 2002 schließlich wurden

die drei letzten Angeklagten des Lichtenhäger Prozesses des

versuchten Mordes schuldig gesprochen und erhielten ein

bzw. ein einhalb Jahre Jugendstrafe zur Bewährung. Die Angeklagten

legten gegen dieses Urteil Revision ein. Der Revisionsantrag

wurde vom Bundesgerichtshof mit Beschluss vom

26. Juni 2003 verworfen. Damit war das Urteil rechtskräftig.

Gegen die geistigen Brandstifter oder gegen diejenigen, die

den Jugendlichen applaudierten und ihnen zujubelten, wurde

bis heute nicht ermittelt. Die deutsch-vietnamesische Begegnungsstätte

Diên Hông e.V. sieht immerhin im jüngsten Urteilsspruch

die Chance, „dass bei ähnlichen Ausschreitungen

applaudierende und anfeuernde „ZuschauerInnen“ wegen

Beihilfe zum versuchten Mord zur Verantwortung gezogen

werden können. Das ist … ein wichtiges und präventives

Signal, damit potenzielle NachahmungstäterInnen abgeschreckt

werden.“ 22 (Tafel 7).

Polizei und Justiz haben aus den Ereignissen von 1992 gelernt.

Als am 19. Juli 2002 rechtsextrem motivierte Jugendliche erneut

das „Sonnenblumenhaus“ und einen Lichtenhäger Asia-

Markt, ein Bistro und ein AWO-Projekt mit Molotowcocktails

angriffen, fahndete die Polizei prompt und erfolgreich. Binnen

weniger Monate waren die Urteile wegen Landfriedensbruchs

gesprochen.

Quelle: Feature von Dieter Wulf: „Beifall für Brandsätze“,

Deutschlandfunk 2002

Tafel 10

tafel 10

Rechtsextremismus

Der Kampf der Herrenmenschen

Fadenscheinigen Argumenten von Rechtsextremen werden

Auszüge aus dem Grundgesetz gegenüber gestellt.

Die Argumente der Neonazis sind kursiv gedruckt.

Rechtsextreme Denkweisen werden nicht nur von bestimmten

Personengruppen vertreten, sie ziehen sich quer durch alle

Schichten und Altersstufen und beinhalten folgende zentrale

Sichtweisen:

· Das universelle Freiheits- und Gleichheitsprinzip wird abgelehnt,

· einer Gruppe wird Vorrang vor dem Individuum gegeben

(der Wert eines Menschen hängt demnach von seiner Zugehörigkeit

zu einer Gemeinschaft ab),

· die pluralistische Demokratie wird nicht akzeptiert.

(22) Diên Hông e.V. Presseinfo 35/2002 „Urteile im Lichtenhagen-Prozess gesprochen“

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