Jahresbericht 2006 - IV-Stelle des Kantons Solothurn

ivso.ch

Jahresbericht 2006 - IV-Stelle des Kantons Solothurn

Jahresbericht 2006

Invalidenversicherungs-Stelle

des Kantons Solothurn

Schwerpunktthemen:

• Was will die Vorlage

der 5. IVG-Revision?

• Glosse


Editorial …

«Versuchen wir uns doch

einmal entschieden

auf die Seite des Positiven

zu stellen, in jeder Sache.»

Christian Morgenstern

anknüpfen und uns in Teilbereichen weiter verbessern.

Die IV-Stelle fällte insgesamt mehr Entscheide

als im Vorjahr. Zwar hatten wir einen Rückgang der

erstmaligen Anmeldungen zu verzeichnen, demgegenüber

steht aber die Zunahme der Folgeanmeldungen.

Aus Sicht der IV ist erfreulich, dass die Rentenzusprachen

rückläufig sind und die Ablehnungsquote

2006 war erneut ein Jahr der Konsolidierung.

Für uns gilt nach wie vor, dem Thema «Eingliederung

vor Rente» unsere grösste Aufmerksamkeit zu schenken.

Im Bereich der aktiven Arbeitsvermittlung haben wir

uns personell verstärkt. Das geschickte Einsetzen

unserer personellen Ressourcen ermöglichte uns, unsere

Dienstleistung im Bereich der Eingliederung zu

verbessern. Wie bereits im vergangenen Jahr haben wir

uns aktiv in Teilprojekten des Bundesamtes für Sozialversicherung

(BSV) für eine dienstleistungsfreundliche

Umsetzung der 5. IVG-Revision engagiert und intern

bereits die ersten Vorbereitungsschritte für die

Umsetzung der 5. IVG-Revision geplant. Dabei haben

wir Prozesse entwickelt und definiert.

Die Aufbauphase des Regionalen ärztlichen

Dienstes Bern/Fribourg/Solothurn (RAD) ist

abgeschlossen, und die Zusammenarbeit verbesserte sich

vergleichbar hoch ist wie im Vorjahr.

Per 1. Juli 2006 wurde der erste Teil der

5.IVG-Revision über das Verfahren bereits umgesetzt.

Anstelle des Einspracheverfahrens wurde das Vorbescheidverfahren

eingeführt; neu gilt im Beschwerdeverfahren

eine Kostenpflicht, und das Bundesgericht

wurde in seiner Kognition eingeschränkt.

Im Herbst 2006 verabschiedete das Parlament

den materiellen Teil der 5. IVG-Revision. Das

Parlament beabsichtigt damit, bei der Invalidenversicherung

die Rentenzunahme abzubremsen, um das

kontinuierlich wachsende Defizit in den Griff zu

bekommen. Über die Zusatzfinanzierung wird im

Frühjahr 2007 im Parlament beraten. Gegen die

Revision wurde das Referendum ergriffen. Die wesentlichen

Inhalte und Kernbotschaften der 5. IVG-Revision

finden Sie auf Seite 25 zusammengefasst.

kontinuierlich.

Erfreulicherweise haben wir wenig personelle

Mutationen zu verzeichnen. Aufgrund dieses Sachverhalts

konnten wir an die Leistungen des Vorjahres

1


… und Inhaltsverzeichnis

Mit der Glosse von Martin Gabl «Eine gefährliche

Entwicklung!» wollen wir darauf hinweisen, dass

«die Fünfte» für alle, die nicht an ihrer Haltung

arbeiten, Sinnkrisen provozieren könnte!

Im Rahmen der IIZ wurde die Zusammenarbeit

mit den RAV's, der Sozialhilfe und den Unfallversicherern,

insbesondere mit der Suva, kontinuierlich verbessert.

Ferner wurde die Kooperation mit den Krankentaggeldversicherern

neu verstärkt und ausgebaut (IIZplus).

Und übrigens...

Nachdem die Grundsteine für die interinstitutionelle

Zusammenarbeit (IIZ) mit dem Abschluss des

Gesamtreformprojektes «SO+ Massnahme Nr. 49» gelegt

worden sind, hat der Regierungsrat als Leistungsbesteller

ein Leitungsorgan berufen und die Umsetzung der Case-

Management-Stelle geplant. In diesem Leitungsorgan

sind die Invalidenversicherung (1 Person), das Amt für

Wirtschaft und Arbeit (1), das Amt für Soziales (1), die

Gemeinden (2) und die kantonale Ausgleichskasse (1)

Das Jahr 2007 wird für uns ein Jahr unter dem

Motto «you can do it if you really want». Der

kontinuierlichen Verbesserung der internen Abläufe,

dem Intake sowie der Verstärkung der Eingliederung,

um nur drei Stichworte zu erwähnen, werden wir

unsere ganze Aufmerksamkeit schenken. Ferner wollen

wir die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und den

Aerzten sowie die interinstitutionelle Zusammenarbeit

vorantreiben und uns mit Umsicht auf die Umsetzung

der 5. IVG-Revision vorbereiten.

vertreten. Die Anlaufstellen werden im Einklang mit dem

neuen Sozialgesetz des Kantons Solothurn umgesetzt.

Stefan Ritler, Geschäftsleiter

Das Jahr 2006 im Detail

Danke

Aufbaustruktur

Kennzahlen und Betriebsaufwand

Rechtsdienst

Tätigkeitsentwicklung

Was will die Vorlage der 5. IVG-Revision?

Glosse – Eine gefährliche Entwicklung

Ausblick auf das Jahr 2007

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4

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Danke

Mein Dank gilt allen unseren Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern, die sich im letzten Jahr

wiederum mit grossem Engagement für die Versicherten

und deren Anliegen eingesetzt haben.

Im letzten Jahr wurde Herr Peter Häner,

Teamleiter und Delegierter der IV-Stelle Solothurn in

schweizerischen und regionalen Fachkommissionen,

pensioniert. Für seinen langjährigen Einsatz danke ich

ihm ganz herzlich.

Dank gebührt aber auch den Mitwirkenden,

den Organisationen und Institutionen, welche sich für

die Behinderten eingesetzt und mit uns zusammengearbeitet

haben.

Den Verantwortlichen des Bundesamts für

Sozialversicherung und der Aufsichtskommission des

Kantons danke ich für das Vertrauen und die

Unterstützung.

Einen speziellen Dank richte ich an unseren

Stefan Ritler, Geschäftsleiter

Abklärer und Ausbildner, Herrn Peter Flück, welcher

im Berichtsjahr sein 30-Jahre-Jubiläum feiern konnte,

und an unsere Sachbearbeiterin, Frau Marianna

Svoboda, welche auf 15 erfolgreiche Jahre zurück

blicken durfte.

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Aufbaustruktur

Versicherte, Mitwirkende (Arbeitgeber,

Team Soletta

Scanning/

Rechnungskontrolle

Borghi Sibylle

Graf Susanne

Häfliger Elisabeth

Imgrüth Marlise

Kiefer Susanne

Mischler Karin

Ragosa Jacqueline

Rüefli Linda

Seiler Silvia

Wyss Deborah

Team Aare

Sachbearbeitung

Hirschi Eveline

Hobi Gabriele

Kunz Sonja

Ryf Daniela

Spielmann Doris

Unger Andrea

Team Emme

Sachbearbeitung

Brencklé Eva

Ferrucci Gabriela

Flückiger Beatrice

Geissbühler Diana

Mathys Jörg

Steiner Denise

van Heeckeren Susi

Winistörfer Heidi

Teamleiterin

Wimberger Karin

Teamleiter

Loretz Christian

Teamleiter

Jakob Daniel

RAD/regionalärztlicher Dienst

Dr. Häsler Andres Dr. Thommen Susanne

Dr. Keller Urs

Dr. Lyrenmann Franz

Dr. Bähler Heinz Dr. Zürcher Samuel

Kantonale

Nachdem wir im Vorfeld zur 5. IVG-Revision bereits im Jahre 2004 das Projekt «Intake» starteten und

erfolgreich durchführten, bildeten wir am 1. November 2006 das neue selbständige Team «Intake-Früherfassung».

Dieses Team besteht aus einer Juristin sowie Sozialversicherungs- und Sachbearbeitungsspezialisten.

Parallel dazu verstärkten wir personell das Team Stellenvermittlung, um auch auf dieser Seite gerüstet zu sein.


Ärzte, Spitäler, Durchführungs-, Abklärungs- und Amtsstellen, Versicherungen)

Team Jura

Stellenvermittlung

Berufsberatung

Fachdienste

Sachbearbeitung

Balta Adnan

Dufey Joëlle

Michini Bruno

Richard Regina

Probst Bernadette

Svoboda Marianna

Stellenvermittlung

Aebi Janine

Aeschbacher Walter

Berner Gaby

Blatti Elisabeth

Hersperger Katharina

Huber Barbara

Keller Thomas

Sekretariat/

Sachbearbeitung/

Dokumentation

Giot Regina

Kaiser Theres

Leutenegger Sylvia

Berufsberatung

Blum Franziska

Freuler Christine

Gugger Ruedi

Hänggi Johanna

Moser Irene

Intake-Früherfassung

Fiechter-Jaeggi

Karin, TL

Allemann Cornelia

Dembowski Tanja

Franz Isabella

Meyer Oliver

Rud0lf von Rohr Ruth

Schranz Andreas

Rechtsdienst

Dreier Sara

Heim Annina

Loosli Claudine

Mannhart Martin

Abklärungsdienst

Brechbühl Christine

Costeggioli Romeo

Eggenschwiler Fabienne

Ehrbar Susanne

Flück Peter

Spezielle Aufgaben

Müller Heidi

Simon Markus

Teamleiterin a.i.

Loretz Christian

Teamleiter

Lüthi Marcel

Teamleiterin

Schreiber Renata

Leiter

Gabl Martin

EDV/OSIV

Meier Marcel

Assistentin GL/

Sekretariat

Späti Maya

Geschäftsleiter Ritler Stefan

Aufsichtskommission und Bundesamt für Sozialversicherung

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Mitarbeitende

Am 31. Dezember 2006 teilten sich 76 Mitarbeitende

63,8 Stellen. Hinzu kommen 1,55 Stellen

für Dienstleistungen wie Rechnungswesen,

Telefonzentrale und Hauswart, welche die IV-Stelle

bei der Ausgleichskasse einkaufte.

Aufsichtskommission

Die Aufsichtskommission besteht zur Zeit aus

8 Mitgliedern. Präsident/-in von Amtes wegen ist der

Vorsteher oder die Vorsteherin des zuständigen

Departementes. Der Regierungsrat wählt die

nominierten Mitglieder. Arbeitgeber, Arbeitnehmer,

Landwirtschaft sowie Behindertenorganisationen sind

angemessen zu berücksichtigen.

Präsident/-in

Regierungsrätin Gassler Esther, Schönenwerd

Ordentliche Mitglieder

Aebi Janine, Zuchwil (bis 28. Februar 2006)

Allemann Beat, Welschenrohr

Gunzinger Dr. Pierre-André, Langendorf

Kohler Peter, Olten

Oetliker Heinz, Zuchwil

Schluep Annekäthi, Schnottwil

Steiger Hannes, Trimbach (bis 31. Dezember 2006)

Straumann Martin, Trimbach

Tekol Fatma, Biberist

Mitglieder mit beratender Stimme

Ritler Stefan, Lommiswil, Geschäftsleiter IVST SO

Wegmüller Felix, Derendingen, Geschäftsleiter AK SO

Aktuariat

Hochstrasser Kurt, lic. iur., Oberbuchsiten, stv. Geschäftsleiter Ausgleichskasse Solothurn


Rechtsform

Die Invalidenversicherungsstelle des Kantons

Solothurn ist eine von der kantonalen Verwaltung

Bundesamt für Sozialversicherung (BSV)

Fachliche, administrative, organisatorische

und finanzielle Aufsicht, Stellenplan.

unabhängige Anstalt des öffentlichen Rechts mit

eigener Rechtspersönlichkeit.

Revision

Die Revisionsstelle Ernst & Young AG

Kantonale Aufsichtskommission

Aufsicht über Geschäftsführung, Organisation,

Geschäftsabläufe und andere Aufgaben, die nicht in

revidiert das Hauptbuch der Ausgleichskasse des

Kantons Solothurn. In dieser Prüfung ist auch der

Rechnungskreis der IV erfasst.

die Zuständigkeit des BSV fallen.

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Kennzahlen der IV-Stelle des Kantons Solothurn

Auf der IV-Stelle des Kantons Solothurn sind insgesamt 4400 Neuanmeldungen zu verzeichnen.

Dies bedeutet 2,3% weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2005 fällt auf, dass die Neuanmeldungen im

IV-Alter erneut um satte 7,7% abnahmen, wogegen die Anmeldungen im AHV-Alter um 4,3% zunahmen.

Tabellarische Übersicht 2006

Erstmalige Leistungsbegehren

2004 2005 2006

Neuanmeldungen Kinder IV 824 864 779

Neuanmeldungen Erwachsene IV 1 585 1 489 1 392

Neuanmeldungen Hilflosenentschädigung AHV 733 636 726

Anmeldungen Hilfsmittel AHV 1 454 1 501 1 503

Total Neuanmeldungen (ohne Ergänzungsbegehren) 4 596 4 490 4 400

Entscheide

1/4-Renten 78 73 62

1/2-Renten 341 194 166

3/4-Renten (neu ab 1. Januar 2004) 22 39 53

1/1-Renten 595 437 377

Abweisungen Renten 620 610 407

Rentenrevisionen 1 297 1 526 2 009

Hilflosenentschädigung IV 347 476 414

– davon Abweisungen Hilflosenentschädigung IV 111 134 115

Hilflosenentschädigung AHV 768 641 713

– davon Abweisungen Hilflosenentschädigung AHV 210 189 205

Hilfsmittel AHV 1 480 1 508 1 451

– davon Abweisungen Hilfsmittel AHV 181 280 340

Weitere Entscheide (Hilfsmittel IV, Sonderschulmassnahmen, medizinische

Massnahmen Art. 11 - 13, berufliche Massnahmen sowie Abweisungen) 8 360 8 770 8 665

Total Entscheide 13 908 14 274 14 377

Anzahl kontrollierte Rechnungen für Sachleistungen 51 221 48 353 49 162

Personalbestand in Stellenprozenten (Mittelwert) 52,8 53,1 57,6

Betriebsaufwand in Mio. Fr. 7,010 6,734 7,418

Total Rechnungen in Mio. Fr. 77,394 74,563 74,152

Erneut haben wir mit 14 377 Entscheiden (Vorjahr 14 274) – wenn auch nur minimim – 0,7% mehr

Entscheide gefällt als im Vorjahr. Der Abnahmetrend der erstmaligen Neuanmeldungen seit 2002 hält auch

dieses Jahr unvermindert an, im Gegensatz zum Gesamttotal aller Entscheide. Wegen der überdurchschnittlich

grossen Anzahl erstmaligen Rentenentscheide in den Jahren 2002, 2003 und 2004 haben die fälligen

Rentenrevisionen um rund 500 oder 31,7% Revisionen mehr als im Vorjahr markant zugenommen.

Die IV-Stelle kontrollierte im Jahr 2006 Rechnungen für medizinische Leistungen, Hilfsmittel u.Ä.m.

im Gesamtbetrag von rund 74,2 Mio. Fr.


Betriebsaufwand 2002–2006

Aufwand 2002 2003 2004 2005 2006

Personalaufwand 4 704 755 5 273 460 5 708 195 5 621 821 6 120 577

Raumkosten 503 434 550 365 506 073 570 186 561 808

Allg. Bürokosten inkl. EDV 329 166 394 903 647 739 389 812 557 415

Gebühren 26 219 22 411 15 417 14 578 12 645

Entschädigung an die AK SO 201 136 177 235 123 863 126 856 130 056

Übriger Aufwand 10 061 16 920 8 587 10 760 36 472

Total Aufwand 5 774 772 6 435 296 7 009 874 6 734 013 7 418 972

Mit einem Betriebsaufwand von rund 7,4 Mio. Fr. löste die IV-Stelle des Kantons Solothurn IV-Gelder

(Renten, Taggelder, Hilflosenentschädigung IV und Sachleistungen) für individuelle Leistungen im Gesamtbetrag

von mehr als 350 Mio. Fr. aus.

Mehr Entscheide mit weniger Aufwand sind das Resultat

klarer Strukturen und engagierter Köpfe.

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Rechtsdienst

Der Rechtsdienst der IV-Stelle Solothurn besteht aus drei Juristinnen und einem Juristen, die einerseits

das Vorbescheid- und Einsprachewesen betreuen und andererseits den Mitarbeitenden rechtlichen Support bieten.

Das Jahr 2006 war geprägt durch die Umstellung vom Einsprache- auf das Vorbescheidverfahren per

1. Juli. Neu können Einwände gegen einen IV-Entscheid im Rahmen des Anhörungsverfahrens geltend gemacht

werden. Die Verfahrensänderung konnte dank des grossen Einsatzes der beteiligten Mitarbeiter/-innen

planmässig umgesetzt werden. Statistisch können wir zum heutigen Zeitpunkt keine gesicherten Werte über das

Mengengerüst der Anhörungen machen. Der Umfang bewegt in etwa im Umfang der Einsprachen.

2005 2006

Einsprachen KVG EVG Einsprachen KVG EVG

Eingegangene Beschwerden 632 187 55 348 191 38

Erledigte Beschwerden 608 174 42 448 147 31

Abweisungen 326 73 28 231 70 19

Schlechterstellung 1 0 0 2 0 0

Nichteintreten 22 6 0 12 4 1

Rückzug / vorzeitiger Abbruch 31 1 0 14 1 1

Gutheissungen 46 3 6 77 5 1

Teilweise Gutheissung 36 14 1 55 3 2

Rückweisung zur Abklärung 42 59 6 1 49 6

Abschreibung 104 18 1 51 15 1

Vorzeitiger Abbruch 0 0 0 5 0 0

Noch nicht entschieden 314 159 29 218 200 35

Einsprachen und Beschwerden gegen Verfügungen für Leistungen im IV-Alter

Im Jahr 2006 sind im ersten Halbjahr insgesamt noch 348 Einsprachen gegen Verfügungen für

versicherte Personen im IV-Alter eingegangen. Die Zahl der Beschwerden an das Eidgenössische Versicherungsgericht

(EVG) ist rückläufig, was auf die seit 1. Juli eingeschränkte Überprüfungsbefugnis des höchsten Gerichts

zurückzuführen ist. Sachverhaltsfragen werden neu von den kantonalen Instanzen abschliessend beurteilt.

Die Kognition des EVG beschränkt sich auf die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Ermessensmissbrauch)

sowie die offensichtlich unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts.


Neben Sachkompetenz ist es die persönliche Note, welche die Kontakte

mit Versicherten und Amtsstellen prägt.

Einsprachen und Beschwerden gegen Verfügungen für Leistungen im AHV-Alter

Gegen Verfügungen für Hilflosenentschädigung und für Hilfsmittel im AHV-Alter sind insgesamt

18 Einsprachen (Vorjahr 16) eingegangen. Hingegen wurden im Berichtsjahr keine Beschwerden gegen unsere

Entscheide geführt.

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Tätigkeitsentwicklung 2002–2006

Stichtag 31. Dezember 2006

Erledigte IV-Geschäfte

2002 2003 2004 2005 2006

Neueingänge erstmalige Anmeldungen 2 793 2 616 2 409 2 353 2 171

Erledigte erstmalige Anmeldungen 3 116 2 724 2 520 2 304 2 065

Erledigte erstmalige Geschäfte 9 033 8 550 8 891 9 464 9 661

Total erledigte Geschäfte 12 149 11 274 11 411 11 768 11 726

Die Abnahme der Neueingänge der erstmaligen Anmeldungen verstärkte sich gegenüber dem Vorjahr um

weitere 7,7%; und im Vergleich zum Spitzenjahr 2002 ist sogar eine solche von 22,3% zu verzeichnen.

Wir konnten 4,8% weniger erstmalige Anmeldungen erledigen als im Berichtsjahr eingereicht wurden. Hingegen

verarbeiteten wir 2,1% mehr weitere Geschäfte im Sinne von Folgeentscheiden.

Insgesamt hielten sich die total verarbeiteten IV-Geschäfte im Vergleich zum Vorjahr mit einer Abnahme

von rund 0,4% nahezu die Waage.

Eingliederungsmassnahmen

2003 2004 2005 2006

Neue Fälle (Stellenvermittlung) 272 331 404 605

Neue Fälle (Berufsberatung) 576 519 537 472

Abgeschlossene Fälle (Stellenvermittlung) 273 280 333 498

Abgeschlossene Fälle (Berufsberatung) 751 562 547 531

Laufende Fälle Ende Jahr (Stellenvermittlung) 107 158 229 335

Laufende Fälle Ende Jahr (Berufsberatung) 745 702 692 634

Total laufende Fälle Ende Jahr

(Stellenvermittlung und Berufsberatung) 852 860 921 969

Die neuen Fälle in der Stellenvermittlung nahmen seit 2003 um 122,4% zu, wovon allein im

Berichtsjahr 49,8%. Die Fälle der Berufsberatung hingegen nahmen seit 2003 um 18% ab, wovon im letzten

Jahr 12,1%.


Verfahrensdauer bei der Zusprache von erstmaligen Renten

Die Zeitspanne von der Anmeldung bis zur Mitteilung des Rentenbeschlusses an die versicherte Person

entspricht der so genannten Bruttozeit der Verfahrensdauer. Diese Zeitspanne umfasst auch die Zeiteinheiten, in

welchen wir auf Antworten der Versicherten und Mitwirkenden warten. Die Vergleichszahlen 2002 bis 2006

zeigen folgendes Bild:

2002 2003 2004 2005 2006

1/2 Jahr 32% 33% 29% 23% 4%

3/4 Jahre 49% 43% 44% 40% 16%

1 Jahr 57% 56% 51% 56% 31%

1 1/2 Jahre 76% 73% 71% 73% 49%

2 Jahre 88% 81% 82% 85% 62%

Das Verfahren dauerte im Jahre 2006 in 4% der Fälle weniger als 6 Monate, in 31% der erstmaligen

Rentenbegehren weniger als 1 Jahr. 62% der Fälle wurden innerhalb zweier Jahre erledigt. Im Vergleich

zu den Vorjahren hat sich die Verfahrensdauer verlängert. Dies ist darauf zurückzuführen, dass für die Prüfung

von Eingliederungsmassnahmen mehr Zeit in Anspruch genommen wird, bevor die Rentenleistungen

geprüft werden.

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IV-Renten

2002 2003 2004 2005 2006

1/4-Renten 97 99 78 73 62

1/2-Renten 370 389 341 194 166

3/4-Renten 22 39 53

1/1-Renten 729 620 595 437 377

Ablehnungen 411 518 620 610 407

Total Rentenentscheide 1 607 1 626 1 656 1 353 1 065

Total Revisionen 1 339 1 158 1 297 1 526 2 009

2006 beantworteten wir rund 21,3% weniger Rentengesuche als im Vorjahr. Die Ablehnungsquote nach

gewichteten Rentenentscheiden beträgt 44,1% (Vorjahr 45,1%) für die IV-Stelle Solothurn. Die Ablehnungsquote

beläuft sich gesamtschweizerisch im Durchschnitt auf 45% (Vorjahr 42%).

Dienstleistungen für die AHV

Gesuche um Hilfsmittel und Hilflosenentschädigung im AHV-Alter

Die Invalidenversicherungs-Stelle ist zuständig für die Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen und den

Entscheid über das Begehren. Die Eröffnung des Entscheides und die Auszahlung erfolgen durch die zuständige

Ausgleichskasse.

Hilfsmittel AHV

1990 2002 2003 2004 2005 2006

Neueingänge Anfragen

Hilfsmittel AHV 547 1 502 1 423 1 454 1 501 1 503

Erledigte Anfragen

Hilfsmittel AHV 528 1 456 1 489 1 480 1 508 1 451


Hilflosenentschädigung AHV

1990 2002 2003 2004 2005 2006

Neueingänge Anfragen

Hilflosenentschädigung 441 720 729 733 636 726

Erledigte Anfragen

Hilflosenentschädigung 369 812 715 768 641 713

Die Anfragen um Hilfsmittel und Hilflosenentschädigung im AHV-Alter nahmen um 4,3% zu, und

erledigt wurden 0,7% mehr als im Vorjahr.

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Was will die Vorlage der 5. IVG-Revision?

Bereits mit der 4. IVG-Revision, welche am

1.Januar 2004 in Kraft getreten war, wurde der

Paradigmawechsel vorbereitet und eingeleitet. Auf der

Verfahrensebene sind verschiedene Ungereimtheiten

bereinigt worden:

• Im Bereich der Abklärungen ergab sich eine deutliche

Verbesserung in Bezug auf die medizinischen

Rechtsanspruch der versicherten Person auf

aktive Unterstützung in der Suche eines geeigneten

Arbeitsplatzes sowie auf begleitende Beratung

im Hinblick auf die Aufrechterhaltung eines

bestehenden Arbeitsplatzes geschaffen. Dafür

wurden für die IV-Stellen weitere Personalressourcen

geschaffen.

Entscheidgrundlagen der IV-Stellen. Die IV-Stellen

erhielten mehr Stellenprozente für Ärzte zugesprochen,

und den Ärzten wurde neu die Untersuchungskompetenz

eingeräumt.

• Die Interinstitutionelle Zusammenarbeit (IIZ)

wurde gesetzlich verankert. Sie erlaubt es, den

involvierten Fachpersonen aus der Sozialhilfe, der

Arbeitslosenversicherung und der IV sich über

gemeinsame Ziele der Eingliederung abzusprechen.

• Weiter wurde die Arbeitsvermittlung verstärkt. Mit

dem neuen Artikel 18 IVG wurde ein klarer

Die Verstärkung der medizinischen Abklärung

sowie die verstärkte Fokussierung auf die aktive

Arbeitsvermittlung und die gezielte Kooperation im

Einzelfall mit den IIZ-Partnern sind Gründe, die zu

den guten Ergebnissen 2006 führten. Ferner fällte das

Bundesgericht in den letzten beiden Jahren mehrere

wichtige Leiturteile zu psychischen Leiden und

Schmerzstörungen, welche die Rechtssprechung

präzisierten. Mit diesen veränderten Rahmenbedingungen

sowie der Präzisierung der Rechtsgrundlage in


einem medizinischen und gesellschaftlich sehr sensiblen

Bereich wurden für die IV-Stellen erste Voraussetzungen

geschaffen, um das Schwergewicht auf die

berufliche Eingliederung zu fokussieren. Mit einer

aktiveren Rolle in den Bereichen Arbeitsvermittlung

und IIZ konnten die Eingliederungsfachpersonen der

IV-Stellen vermehrt Menschen mit gesundheitlichen

Problemen im Arbeitsprozess halten oder neu

vermitteln.

Die IV-Stellen haben in den letzten drei

Jahren die Bereiche Eingliederung und IIZ erheblich

verstärkt. Diese Entwicklung zeigt bereits einige

Erfolge. Die IV-Stellen sind überzeugt, dass mit den

Instrumenten der 5. IVG-Revision die Zusammenarbeit

mit den versicherten Personen, den Arbeitgebern

sowie den Ärzten intensiviert und verstärkt

wird. Mit der 5. IVG-Revision würden die IV-Stellen

legitimiert, in der Phase der Früherfassung und

Frühintervention situativ niederschwellige Angebote

Auch wenn die aktuellen Zahlen erfolgsversprechend

sind, vermögen diese nicht darüber

hinweg täuschen, dass das Potenzial für eine erfolgreiche

Eingliederung noch nicht ausgeschöpft ist.

in Erwägung zu ziehen und anzubieten sowie mit

Partnern auszuhandeln, ohne dass sie zuerst die

versicherungsmässigen Voraussetzungen bis ins letzte

Detail geklärt haben müssen. Daraus entsteht sowohl

auf der inhaltlichen wie auf der Verfahrensebene eine

Die Invalidenversicherung hat nach wie vor

Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

strukturelle Schwächen:

• zu späte Anmeldung

• lange dauernde Abklärungsverfahren

• spätes Einsetzen der Eingliederungsaktivitäten

• keine niederschwelligen Interventionsangebote

• keine spezifischen auf das Individuum zentrierte

Eingliederungsinstrumente für Menschen mit

psychischen Beeinträchtigungen

Defizite beheben

Die IV muss saniert werden, damit ihre

Leistungen für die Behinderten wie auch der Schutz

für die gesamte Bevölkerung gesichert bleiben und die

Aushöhlung des AHV-Vermögens gestoppt wird. Erste

Priorität ist, die Defizite der IV zu beheben, damit

ihre Schulden nicht mehr weiter anwachsen.

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Die Vorlage im Detail

Das Parlament verabschiedete am 6. Oktober

2006 mit 118 zu 63 Stimmen (Nationalrat) und mit

35 zu 7 Stimmen bei 2 Enthaltungen (Ständerat) die

5. Revision des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung.

Sie enthält die folgenden Regelungen:

Chancen zur Eingliederung bereits massiv gesunken.

Das neue System der Früherfassung und der

Frühintervention setzt schon nach einem Monat

Arbeitsunfähigkeit ein und hat das Ziel, den

Arbeitsplatz von Menschen mit gesundheitsbedingt

eingeschränkter Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder

ihnen rasch einen passenden zu vermitteln. Damit

Früherfassung und Frühintervention

• Melderecht: Heute melden sich die Betroffenen in

der Regel frühestens ein Jahr nach den ersten

Anzeichen einer drohenden Erwerbsunfähigkeit bei

der IV-Stelle an. Zu diesem Zeitpunkt ist der

bisherige Arbeitsplatz meist schon verloren und die

die IV-Stelle schnell handeln kann, können neu

auch die Arbeitgebenden oder andere, explizit

bezeichnete Beteiligte, eine potenzielle Invalidität

melden. Es wird aber keine Meldepflicht eingeführt,

weder für die Versicherten noch für die

Arbeitgebenden.


unternehmen, was die Dauer und das Ausmass der

Arbeitsunfähigkeit verringert. Massnahmen der

Frühintervention sind: Anpassung des Arbeitsplatzes,

Ausbildungskurse, Arbeitsvermittlung,

Berufsberatung, sozialberufliche Rehabilitation

und Beschäftigungsmassnahmen.

Neue Integrationsmassnahmen für

psychisch Behinderte

• Im Eingliederungsinstrumentarium der IV-Stelle

fehlen heute Massnahmen, die speziell auf Menschen

mit psychisch bedingter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit

ausgerichtet sind. Dies muss sowohl

angesichts des stark angestiegenen Anteils der

psychisch bedingten IV-Renten als auch im Interesse

der Betroffenen korrigiert werden. Die neuen

• Die IV-Stelle tritt im Rahmen der Früherfassung

sofort in Kontakt mit den Versicherten und klärt ihre

Arbeitsunfähigkeit ab. Darauf setzt, sofern erfolgversprechend,

die Frühintervention rasch ein. Diese

unternimmt unkompliziert das Mögliche zur

Eingliederung. Ob formell ein Anspruch auf

Leistungen der IV besteht, wird während der

Früherfassung nicht geprüft, da dies komplex und

zeitaufwändig ist. Die Frühintervention setzt

Integrationsmassnahmen sind spezifisch auf die

(Wieder)-Eingliederung von psychisch behinderten

Personen ausgerichtet, die grundsätzlich für ihr

eigenes Auskommen sorgen könnten und somit ein

Eingliederungspotenzial besitzen, aber noch nicht

stabil genug sind, um Eingliederungsmassnahmen

beruflicher Art erfolgversprechend antreten zu

können. Das Ziel der Integrationsmassnahmen ist

der Aufbau der Eingliederungsfähigkeit.

ebenfalls schon ohne diesen Entscheid an. So geht für

den Erfolg der Eingliederung keine wertvolle Zeit

verloren. Die Versicherten müssen alles Zumutbare

18/19


Die Integrationsmassnahmen werden flexibel dem

individuellen Krankheitsbild und -verlauf angepasst,

was bei psychischen Erkrankungen von besonderer

Bedeutung ist. Konkret angewendet werden

Belastbarkeits- und Aufbautrainings, Arbeit als

Zeitüberbrückung und wirtschaftsnahe Integration

mit Support am Arbeitsplatz, also im ersten

Arbeitsmarkt.

Berufliche Vermittlung und Beratung,

Einbezug der Arbeitgebenden

• Im Rahmen der Arbeitsvermittlung durch die IV-

Stelle kann während einer Anlern- oder Einarbeitungszeit

von maximal 180 Tagen ein Zuschuss an

den Verdienst der vermittelten Person gewährt

werden. Dies entlastet die Arbeitgebenden finanziell

als Ausgleich dafür, dass eine vermittelte Person

anfänglich allenfalls eine tiefere Leistung erbringt.

• Wird eine gesundheitlich beeinträchtigte Person nach

der Arbeitsvermittlung erneut arbeitsunfähig, besteht


für die Arbeitgebenden das Risiko, dass ihre Beiträge

an die berufliche Vorsorge und an die Krankentaggeldversicherung

erhöht werden. Die Invalidenversicherung

kann eine Entschädigung für diese

Erhöhung ausrichten.

• Für Arbeitgebende, die es gesundheitsbedingt in der

Erwerbsfähigkeit eingeschränkten Angestellten

ermöglichen, in ihrem Betrieb Eingliederungsmassnahmen

durchzuführen (sog. Wirtschaftsnahe

Integration mit Support am Arbeitsplatz

WISA), sieht die Revision eine finanzielle Entschädigung

vor.

• Die Arbeitgebenden werden enger in die Eingliederungsbemühungen

einbezogen. Ihre aktive

Mitarbeit bei der Eingliederung wird im Gesetz

verankert. Mit der IV-Revision wird von ihnen

erwartet, dass sie aktiv mit der IV-Stelle zusammen

arbeiten und daran mitwirken, eine möglichst gute

Lösung für die versicherte Person zu realisieren. Die

IV bietet ihnen nebst den erwähnten finanziellen

Anreizen auch eine professionelle, praxisorientierte

Beratung und Unterstützung vor Ort an. Wie die

Versicherten profitieren auch die Arbeitgebenden im

Rahmen der Eingliederungsaktivitäten von der

Begleitung durch die IV, wenn sie mit dem drohenden

gesundheitsbedingten Ausfall einer Arbeitskraft

(und somit mit drohendem Verlust von Know-how

und Erfahrung) konfrontiert sind.

20/21


Strengere, aber faire Beurteilung des

Rentenanspruchs

• Der Zugang zur Rente wird erschwert. Zusätzlich

zu den bereits geltenden Anspruchsvoraussetzungen

anbieten, wird der Anspruch auf eine Rente geprüft.

Im Grund wird damit die seit jeher geltende

Philosophie «Eingliederung vor Rente» im Gesetz

festgeschrieben.

für eine Rente gilt folgende neue Bestimmung: Bevor

eine Rente zugesprochen werden kann, müssen die

Versicherten alle zumutbaren Massnahmen auf

sich nehmen und aktiv unterstützen, welche die

Eingliederungsfähigkeit erhalten, wieder herstellen

oder verbessern können. Erst wenn die möglichen

Massnahmen zur Eingliederung erfolglos ausgeschöpft

sind, oder wenn sich von vornherein keine

erfolgversprechenden Eingliederungsmassnahmen

Gezielte Sparmassnahmen

• Die noch laufenden Zusatzrenten für Ehefrauen

und -männer von IV-Rentner/-innen werden

aufgehoben. Seit 2004 gibt es bereits keine neuen

Zusatzrenten mehr, dafür wurden auf diesen

Zeitpunkt hin die Hilflosenentschädigungen für

Versicherte mit ausgewiesenem Pflegebedarf verdoppelt.

Die gänzliche Aufhebung der Zusatzrenten

führt zur Gleichbehandlung mit den Versicherten,

die erst ab 2004 eine IV-Rente erhielten oder die

nicht verheiratet sind.

• Der Karrierezuschlag wird bei künftigen Renten

nicht mehr angewendet. Der Zuschlag simuliert die

Lohnsteigerung, die nach dem Eintritt der Invalidität

theoretisch möglich gewesen wäre und kommt

heute bei Versicherten zum Zug, bei welchen die

Invalidität eintritt, bevor sie 45 Jahre alt sind. Seine

Streichung hebt deren Privilegierung gegenüber den

Personen auf, die mit höherem Alter invalid werden.

Versicherte, die schon vor Erreichen der Volljährigkeit

invalid waren, erhalten eine ausserordentliche

Rente, die 133% der Minimalrente beträgt. Daran

ändert sich nichts.


zu einem höheren Einkommen führen als jenes, das

vor der Invalidität mit Erwerbsarbeit erzielt wurde.

• Die medizinischen Massnahmen zur Eingliederung

der über Zwanzigjährigen wird neu durch die

Krankenversicherung übernommen statt durch

die IV.

• Erhöhung der minimalen Beitragsdauer, die den

Anspruch auf eine IV-Rente eröffnet: Diesen

Anspruch hat nur, wer seit mindestens drei Jahren

AHV/IV-Beiträge bezahlt hat (bisher ein Jahr). Für

junge Versicherte gelten Schutzklauseln.

• Künftig keine Taggelder mehr für Versicherte,

die vor einer IV-finanzierten Eingliederungsmassnahme

nicht erwerbstätig waren: Das ist

konsequent, da die Taggelder die Funktion eines

Lohnersatzes für die Zeit einer Eingliederungsmassnahme

erfüllen. Es gibt keinen Grund,

Versicherten, die vor einer Eingliederungsmassnahme

ohne Erwerbseinkommen lebten, ein solches

zu «ersetzen». Hingegen erhalten diese Versicherten

zukünftig eine Entschädigung für die Kosten

der Betreuung von Kindern und Familienangehörigen

während der Eingliederungsmassnahme.

• Kürzung der Leistungen bei Überversicherung:

Damit wird einer heute möglichen Konstellation

entgegen gewirkt, in der die Rentenleistungen der IV

22/23


Auf der IV-Stelle des Kantons Solothurn sind insgesamt 4400 Neuanmeldungen zu verzeichnen.

Dies bedeutet 2,3% weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zum Vorjahr fällt auf, dass die Neuanmeldungen im

IV-Alter erneut um satte 7,7% abnahmen, wogegen die Anmeldungen im AHV-Alter um 4,3% zunahmen.

Überblick Finanzielle Auswirkungen der Revision

Reduktion der Ausgaben (jährlicher Durchschnitt vom 1.1.2008 bis 2026)

Mio. Fr.

Früherfassung, Frühintervention und Integrationsmassnahmen (nach Abzug der Investitionen) 253

Mindestbeitragsdauer 3 Jahre und Herabsetzung der Kürzungsgrente bei Überversicherungen 9

Anpassung IV-Taggelder 28

Verzicht auf Karrierezuschlag 83

Finanzierung der Medizinischen Massnahmen (Art. 12 IVG) durch die Krankenversicherung 31

Aufhebung der laufenden Zusatzrenten 104

Beiträge der Arbeitgeber – 10

Total Reduktion der Ausgaben = Einsparungen 498

Veränderung der Einnahmen (jährlicher Durchschnitt vom 1.1.2008 bis 2026)

Regresseinnahmen 11

Herabsetzung des Beitrages des Bundes (mit NFA 38% von 498) – 189

Total Veränderung der Einnahmen – 178

Durchschnittliche Verbesserung der IV-Betriebsrechnung 320

Durch die verstärkte Eingliederung werden die Ausgaben der IV langfristig um durchschnittlich rund

253 Mio. Fr. pro Jahr reduziert. Hinzu kommt eine Ausgabensenkung um 245 Mio. Fr. durch die Sparmassnahmen.

Insgesamt werden die Ausgaben der IV mit der Revision um 498 Mio. Fr. jährlich verkleinert. Dies

reduziert das Defizit der IV um durchschnittlich rund 320 Mio. Fr.

Warum die Differenz zu den 498 Mio. Fr.? Der Grund liegt im Finanzierungssystem der IV. Ihre

Ausgaben werden zu knapp 38% vom Bund getragen (Stand mit dem Neuen Finanzausgleich NFA ab 1.1.2008).

D.h., für jeden Franken, den die IV ausgibt, erhält sie von der öffentlichen Hand 38 Rappen. Wenn die IV nun

ihre Ausgaben um einen Franken senkt, so nimmt sie im Gleichschritt 38 Rappen weniger ein. Die Einsparung

eines Frankens entlastet somit die IV unter dem Strich nur um 62 Rappen (1 Franken minus 38 Rappen).


Ja zur Eingliederungsversicherung

Kernbotschaften der 5. IV-Revision

Die 5. IV-Revision legt die Grundlage zur Sanierung.

• Die 5. IV-Revision ist der wichtigste Teil eines

ausgewogenen Sanierungspaketes, bestehend aus

Systemverbesserung und Zusatzfinanzierung.

• Dies geschieht durch neue griffige Instrumente für

die berufliche Eingliederung, indem die Versicherten

zur Mitwirkung verpflichtet und die Arbeitgebenden

einbezogen werden; durch die Korrektur von

Systemschwächen, welche Missbräuchen Vorschub

leisten sowie durch eine Reduktion des strukturell

bedingten Defizits.

• Die 5. IV-Revision reduziert die Ausgaben der IV

um eine halbe Milliarde Schweizerfranken.

Die 5. IV-Revision will Jobs erhalten und dadurch

die Verrentung stoppen.

• Eingliederung in Gesellschaft und Arbeitswelt statt

Desintegration in die Verrentung spart nicht nur

Kosten bei der IV, sondern erhöht auch Lebensqualität

der Versicherten.

• Im Zentrum steht der Arbeitsplatzerhalt bei

Betroffenen, in zweiter Linie sollen Betroffene mit

gezielten Massnahmen wieder in die Arbeitswelt

integriert werden.

• Arbeitgeber – ob gross oder klein – wollen, brauchen

und erhalten künftig Beratung, Betreuung vor Ort

und auch materielle Unterstützung für ihre von

einer Behinderung betroffenen Mitarbeitenden.

Die 5. IV-Revision stärkt mit einer jährlichen

Investition von rund einer halben Milliarde

Schweizerfranken die berufliche und soziale

Integration der Behinderten.

• Behinderte sollen sozial gestärkt, das heisst beruflich

integriert und nicht in die Rente abgeschoben

werden. Dies gilt insbesondere für die wachsende

Die 5. IV-Revision bremst die Aushöhlung der AHV.

• Die jährliche zusätzliche Verschuldung der IV um zurzeit

1,7 Mia. Franken höhlt das AHV-Vermögen aus.

• Ohne Sanierung der IV droht der AHV die Zahlungsunfähigkeit

im Jahr 2016. – Die 5. IV-Revision

ist ein unverzichtbarer Schritt zur Sanierung der

IV-Finanzen und damit zur Sicherstellung der AHV.

Gruppe junger psychisch Kranker.

• Berufliche Integration heisst soziale Teilhabe an der

Gesellschaft und bedeutet mehr Lebensqualität.

24/25


Glosse – Eine gefährliche Entwicklung

Gespräch mit Prof. D. Epp, Inhaber des

Lehrstuhls für Verwaltungskultur an der Fachhochschule

Thörishaus

Herr Professor, Sie sind seit über 40 Jahren

im Bereich der Verwaltungskultur tätig und bieten

an der FH Thörishaus einen Nachdiplomlehrgang

für Verwaltungsexperten an, in Englisch: «Master

of bureaucratic Disaster MBD». Was ist der

Kerninhalt dieser Ausbildung?

D. Epp: Wir bereiten unsere Studenten für

Kaderfunktionen in der öffentlichen Verwaltung vor.

Der Lehrgang beinhaltet eine fundierte theoretische

Auseinandersetzung über das Wesen von Bürokratie als

Form legitimer Macht.


Und der praktische Teil?

Es gibt keinen praktischen Teil. Sehen Sie, der

klassische Bürokrat arbeitet anhand von Gesetzen,

Vorschriften, Verordnungen und Anweisungen. Er ist

von Natur aus Theoretiker – und soll es auch bleiben!

Die Studenten lernen bei uns, die Wirklichkeit den

gegebenen Vorschriften anzupassen – und nicht

umgekehrt. Sonst wird's gefährlich und die

Sie sprechen die Invalidenversicherung an,

die seit einiger Zeit versucht, ihren Eingliederungsauftrag

wirksamer wahrzunehmen und die sich

entbürokratisieren will?

Die Richtung, die von der IV eingeschlagen

wird, bereitet mir, offen gesagt, schlaflose Nächte. Eine

der zuverlässigsten Stützen in der schweizerischen

Bürokratielandschaft droht uns, hier wegzubrechen…

Rechtsgleichheit geht den Bach runter. Praktische oder

– Gott behüte – gar pragmatische Überlegungen

haben in der Bürokratie keinen Platz. Es gilt in jedem

Fall, die Praxis der Theorie anzugleichen.

…weil sich die IV künftig weniger auf

Akten stützen will und vermehrt und früher das

Gespräch mit ihren Kunden sucht?

Ganz genau. Die IV diente mir in den letzten

Wird diese klassische Verwaltungskultur in

den Amtsstuben unseres Landes noch praktiziert?

In unserem Land sind nach wie vor viele

tüchtige Bürokraten am Werk, die sich unbeirrt an

Randziffern und Paragraphen orientieren und sich

nicht durch unnötige Überlegungen verwirren lassen,

welche Auswirkungen ihre Entscheide in der

40 Jahren in meinen Vorlesungen regelmässig als

beeindruckendes Beispiel für gelebte Bürokratie.

In vorbildlicher Weise wurden in der Regel die

Anspruchsvoraussetzungen der Gesuchsteller mittels

umfangreicher Akten, Expertisen und Gutachten

abgeklärt. Sauber und einheitlich wurde den Randziffern

Genüge getan – ohne Ausnahme.

praktischen Umsetzung haben. Ich nenne sie die

Verfechter der reinen Lehre und sie geben mir Mut,

für die Erhaltung der Bürokratie weiterzukämpfen.

Aber lassen wir uns nicht täuschen: Es gibt gefährliche

Auflösungserscheinungen!

Dafür dauerte dieses Prozedere vielfach

Monate, wenn nicht Jahre. Kritiker bemängeln, dass

diese Warterei auf einen IV-Entscheid sich in vielen

Fällen eher eingliederungshemmend ausgewirkt hat.

26/27


Auf diesen Einwand kann ich nur entgegnen:

Papperlapapp! Eine Einrichtung des öffentlichen

Rechts hat es eben gerade nicht zu interessieren, welche

Auswirkungen ihr Prozedere hat. Es geht darum –

und nur darum! – das Prozedere einzuhalten, das ihr

mittels Gesetz, Verordnung und Verwaltungsweisungen

Und wenn ein Gesuchsteller nach zwei

Jahren Wartens auf die IV derart zermürbt ist und

sich sein Leiden derart chronifiziert hat, dass an

eine Eingliederung nicht mehr zu denken ist?

Dann ist die nötige Klarheit erreicht.

Was wollen Sie mehr?

vorgegeben ist. Zudem hat die IV sauber abzuklären,

ob sie für einen Fall zuständig ist – auch im Bereich

der Eingliederung. Es muss Klarheit geschaffen werden

mittels objektiver Daten. Und diese erhalte ich nur

über Akten und sicherlich nicht vom Gesuchsteller

selber (lacht herzlich).

Wo liegt die Gefahr, wenn die IV-Stellen dazu

übergehen, unmittelbar nach Gesuchseingang das

persönliche Gespräch mit dem Kunden zu suchen?

Die mündliche Auseinandersetzung mit den

Versicherten ist für die öffentlich-rechtliche

Verwaltung äusserst gefährlich und sollte so weit als

möglich vermieden werden. Allzu leicht kann es

passieren, dass ein IV-Mitarbeiter auf Grund eines

geschilderten Einzelschicksals auf die Idee kommt,

nach Lösungen für die spezifische Problemlage

dieses Versicherten zu suchen – und darob die Randziffern

vergisst. Das ist der Anfang vom Ende.

Der Kontakt zu den Versicherten muss so unpersönlich

wie möglich gestaltet werden. Ich kann es nicht oft

genug wiederholen: Es geht nicht um den Menschen –

es geht um die Einhaltung der Vorschriften! Alles

andere führt zur Bananenrepublik.


Zudem ist in einem derart frühen Stadium des

Verfahrens vieles noch unklar und die IV läuft Gefahr,

mit gutschweizerischer Schwerfälligkeit zurückzuführen

– eben so, wie wir sie alle kennen und lieben.

Ressourcen für Fälle aufzuwenden, die sich bei

sorgfältigerer Betrachtung (Akten!) als nicht anspruchsberechtigt

entpuppen würden. Da kann es

dann schnell mal passieren, dass die IV plötzlich

Mal anders herum gefragt: Wem nützt

eigentlich überspitzter Formalismus?

Ich verstehe Ihre Frage nicht.

gesunde Personen eingliedert! Das wäre dann sozusagen

der «worst case» (erbleicht).

Vielen Dank für das Gespräch !

Kann dieser Entwicklung in der IV noch

Martin Gabl, Leiter Fachdienste

Einhalt geboten werden?

Ich bin skeptisch. Es muss jedoch gelingen, die

IV wieder zu ihren Wurzeln als Hort der Bürokratie

28/29


Ausblick auf das Jahr 2007:

You can do it if you really want!

Für uns gilt nach wie vor, dass wir dem

Thema «Eingliederung vor Rente» unsere grösste

Aufmerksamkeit schenken. Wir werden kontinuierlich

die notwendigen Vorbereitungsschritte für die

Umsetzung der 5. IVG-Revision umsichtig planen und

weiterentwickeln, obwohl gegen die 5. IVG-Revision

das Referendum ergriffen wurde. Wie bereits im

vergangenen Jahr engagieren wir uns aktiv in den

Teilprojekten des Bundesamtes für Sozialversicherung

(BSV) für eine dienstleistungsfreundliche Umsetzung

der Revision.

Intake wollen wir weiterentwickeln und darin

weitere Erfahrungen sammeln, insbesondere auch im

Hinblick auf die Umsetzung der Früherfassung und

Frühintervention, wie es in der 5. IVG-Revision

vorgeschlagen wird. Mit unserer Vorgehensweise


greifen wir im Rahmen der heutigen Gesetzesgrundlagen

den Implikationen der Revision vor. Bei den

anstehenden Umsetzungsprojekten werden das

Bundesamt für Sozialversicherung (BSV), andere

IV-Stellen und natürlich wir selber von unseren

Erfahrungen profitieren können.

Nachdem die Grundsteine für die interinstitutionelle

Zusammenarbeit (IIZ) mit dem Abschluss

des Gesamtreformprojektes «SO+ Massnahme Nr. 49»

Wenn mit der 5. IVG-Revison, welche bei

positivem Abstimmungsergebnis per 1. Januar 2008 in

Kraft tritt, auch ein «grosser Wurf» geplant ist,

wollen wir bereits heute mit kleineren Anpassungen

und Veränderungen die kontinuierliche Verbesserung

unserer Dienstleistungen anstreben und an unserer

Haltung arbeiten, damit wir für die Herausforderung

der Revision gewappnet sind:

«You can do it if you really want!»

gelegt worden sind, nimmt im März die Case-

Management-Stelle die Arbeit auf. Die Anlaufstellen

Stefan Ritler, Geschäftsleiter

werden im Einklang mit dem neuen Sozialgesetz des

Kantons Solothurn umgesetzt.

Unter IIZ wollen wir die Zusammenarbeit

mit den Arbeitgebern und Ärzten verbessern und mit

unseren Partnerorganisationen einfache und schlanke

Kooperationsformen suchen. Entsprechend werden wir

uns anstrengen, Verbesserungen anzustreben, wo

immer es der Gesetzgeber zulässt.

Über das Referendum über die 5. IVG-

Revision wird am 17. Juni 2007 abgestimmt. Mit

Spannung erwarten wir das Abstimmungsergebnis.

30/31


Impressum

Herausgeberin

Redaktion

Layout

Fotos

Druck

Invalidenversicherungs-Stelle des Kantons Solothurn

Invalidenversicherungs-Stelle des Kantons Solothurn

Dr. Hans Balmer AG, Olten

Franz Gloor

Rankwoog Druck AG, Trimbach


Invalidenversicherungs-Stelle

des Kantons Solothurn

Allmendweg 6

4528 Zuchwil

Telefon 032 686 24 00

E-Mail

iv-stelle@ivso.ch

Internet www.iv-stelle.ch

Postadresse

Postfach, 4501 Solothurn

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