Befreiung 1945

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Befreiung 1945

60 Jah re Be frei ung vom Fa schis mus

60 Jah re Zwei te Re pub lik Österreich

Wi der stand

& Be frei ung

Wie der auf bau

& Restauration

Die KPÖ-Ober ös ter reich im Jah re 1945 - Eine Dokumentation


Seite 2

Vor wort

Die se Do ku men ta ti on ist ein Beitrag

zum Ge denk jahr 2005 – dem 60. Jah -

res tag der Be frei ung vom Fa schismus

und Grün dung der 2. Re pub lik und dem

50. Jah res tag des Staats ver trages und

der Neut ra li täts er klä rung.

Die KPÖ hat bei bei den Er eig nissen

eine wich ti ge Rol le ge spielt, die vom

of fi ziel len Ös ter reich heu te freilich

nicht nur ver ges sen, son dern sogar ge -

zielt ver drängt wird. Kein Wunder, be -

deu tet doch eine ob jek ti ve Darstellung

der Rol le der KPÖ eine kri ti sche Refle -

xi on, die so gar nicht in das von der Re -

gie rung zum „Ge dan ken jahr“ erklärte

Jahr 2005 pas sen will.

Wir wol len mit die ser Do ku mentati -

on dar stel len, wie Kom mu nistInnen

durch ih ren Wi der stand ge gen den

NS-Fa schis mus zum Wie dererstehen

ei nes selb stän di gen, de mo kratischen

Ös ter reich bei ge tra gen ha ben und damit

den in der „Mos kau er De kla ra tion“ der

Al li ier ten ge for der ten „ei ge nen Bei -

trag“ leis te ten, wie sie un ter Zu rückstel -

lung engs tir ni ger Par tei in ter essen tat -

kräf tig am Wie der auf bau des zerstörten

Lan des in Ge mein den und Betrieben,

wie sie bei der Wie der grün dung der Ge -

werk schaf ten und Ar bei ter kammern

mit ge wirkt ha ben, und schließ lich, wie

sie für den Staats ver trag und die Neut -

ra li tät ge kämpft ha ben und sich dafür

als „Hoch ver rä ter“ be schimp fen lassen

muss ten.

Dar ge stellt wird aber auch, wie rasch

der kur ze an ti fa schis ti sche Konsens des

Jah res 1945 dem An ti kom munismus

und da mit dem Be ginn des „Kalten

Krie ges“ Platz ma chen muss te, wie von

den bei den Groß par tei en ÖVP und SPÖ

und ih rem auf dem ver lo ge nen „Geist

der La ger stra ße“ ent wi ckel ten Proporz

die Kom mu nis tIn nen ge zielt ausgrenzt

wur den.

Leo Mikesch,

Lan desvorsitzen der

Im pres sum: Me dien in ha ber (Verleger),

He raus ge ber, Her stel ler: KPÖ-Oberös -

ter reich, Me li char stra ße 8, 4020 Linz,

Te le fon (0732) 65 21 56, Mail

kpoe.ooe@aon.at,

Web

www.kpoe.at/ooe

Foto Um schlag sei te: Ro tar misten auf

der Hof burg in Wien bei der Befrei -

ung der Bun des haupt stadt als Sym -

bol des Sie ges über den Hitlerfa -

schis mus

Eine Stel lung nah me zum Ge denk jahr 2005:

Tra die rung des Feu ers statt

An be tung der Asche

Das Jahr 2005 ist für Ös ter reich

ein wich ti ges Ge denk jahr: Vor 60

Jah ren er folg te die Be frei ung vom

Fa schis mus und Grün dung der 2.

Re pub lik. Vor 50 Jah ren wur den der

Staats ver trag un ter zeich net und das

Neut ralitäts ge setz be schlos sen. Vor

zehn Jah ren wur de Ös ter reich Mit -

glied der EU.

Die KPÖ hat als klein ste Par tei in

den Jahren 1938-45 den größ ten Wi der -

stand gegen den Na zi fa schis mus ge leis -

tet und den Auf trag des „Mos kau er Me -

mo ran dums“ der Al li ier ten von 1943,

ei nen „ei ge nen Bei trag“ zur Be frei ung

Ös ter reichs zu leis ten, ernst ge nom men.

Die ser Wi der stand war in spi riert durch

die in terna tio na le So li da ri tät der kom -

mu nis tischen Be we gung eben so wie

durch den Nach weis ei ner ei gen stän di -

gen ös terrei chi schen Na ti on durch den

Kom munis ten Al fred Klahr.

Der von der ÖVP als sei nen po li ti -

schen Nach fah ren als „Stän de staat“

ver harmlos te Aus tro fa schis mus hat

durch sein Selbst ver ständ nis Ös ter reich

als „deutschen Staat“ zu ge stal ten aus -

ge hend von der Aus schal tung des Par la -

ments und dem Ver bot von KPÖ und

Schutzbund 1933 und der Nie der schla -

gung der Fe bru ar kämp fe 1934 den Weg

zur Auslö schung Ös ter reichs als ei gen -

stän di gem Staat im Jah re 1938 be rei tet.

Ihn als „Wi der stand“ ge gen den Na zi fa -

schis mus zu in ter pre tie ren, wie es heu te

kon servati ve Krei se ver su chen, ist eine

Ver höhnung al ler je ner, die von 1934

bis 1945 Wi der stand ge gen grü nen und

brau nen Fa schis mus ge leis tet ha ben.

Die fürch ter li chen Er fah run gen die -

ser sie ben Jah re wa ren maß geb lich da -

für, dass nach 1945 als selbst ver ständ -

lich galt, Ös ter reich als ei ge ne Na ti on

zu se hen. Hin ter die sem Ös ter reich-Be -

wusst sein konn ten sich frei lich auch

jene hundert tau sen de Ös ter rei che rIn nen

ver ste cken, die nicht Op fer, son dern

Ver ant wort li che und Be tei lig te an je nen

Ex zes sen wa ren, wie es Carl Zuck may -

er in seinen Ein drü cken über die Tage

des „Anschlus ses“ von 1938 an schau -

lich be schreibt. Nicht ver drängt wer den

darf die Tat sa che, dass das Ver dienst

am Wieder ers te hen ei nes un ab hän gi gen

Ös ter reich dem an ti fa schis ti schen Wi -

der stand und den Al li ier ten zu kommt,

wo bei die Rote Ar mee die größ ten Op -

fer ge bracht hat.

Ei ner kur zen Pe ri ode des an ti fa schis -

ti schen Kon sen ses der drei Grün der par -

tei en der 2. Re pub lik ÖVP, SPÖ und

KPÖ folgte be reits bei der No vem ber -

wahl 1945 die Klar stel lung der po li ti -

schen Ver hält nis se. An die Stel le des

An ti fa schis mus trat mit dem be gin nen -

den „Kal ten Krieg“ der an ti kom mu nis -

ti sche Kon sens der Groß par tei en, für

die als Feind bild die sow je ti sche Be sat -

zungs macht wie die KPÖ glei cher ma -

ßen stan den. Der Wi der stand ge gen den

Fa schis mus schrumpf te auf die „La ger -

stra ße“ als Aus gangs punkt für spä ter

auf Jahr zehn te ze men tier ten Pro porz

und So zial part ner schaft.

Der kom mu nis ti sche wie auch der

slo we ni sche Wi der stand wur den zu neh -

mend aus ge blen det. Wäh rend Kom mu -

nis ten und lin ke So zia lis ten aus der Po -

li zei und an de ren Be rei chen des Staats -

ap pa ra tes ver drängt wur den, ka men die

al ten Na zis wie der zu Eh ren. An stel le

der Op fer tra ten wie der die Tä ter. Ge -

läu tert durch den „Geist von Ka prun“

als My thos des Wie der auf baus der 2.

Re pub lik und dem Buh len um die

Kriegs heim keh rer wur den aus Tä tern

durch eine völ li ge Fehl in ter pre ta ti on

der „Mos kau er De kla ra ti on“ der Al li -

ier ten von 1943 Op fer. Mit dem Buh len

von ÖVP und SPÖ um die „Ehe ma li -

gen“ wur den die se sa lon fä hig ge macht

und konn ten sich im VdU, dem Vor läu -

fer der FPÖ, po li tisch wie der eta blie ren.

Die Ab wehr des zum „Kom mu nis -

ten putsch“ um ge lo ge nen Ok to ber -

streiks von 1950 galt und gilt im mer

noch als Hel den tat des Kamp fes um Ös -

ter reichs Frei heit, die für man che auch

heu te erst 1955 und nicht 1945 er run gen

wur de. Der Schock des Ok to ber streiks

war für die herr schen den Eli ten An lass

zur In stal lie rung der Ast ge mein schaft,

aus wel cher sich in der Fol ge die So -

zial part ner schaft als „ös ter rei chi scher

Weg“ durch in sti tu tio na li sier tes Zu sam -

men wir ken von Ka pi tal ver tre tun gen

und Ge werk schaf ten ent wi ckel te.

Wäh rend sich ehe ma li ge Na zis als

Op fer ge bär de ten und Per sil schei ne er -

hiel ten, wur den die jü di schen Op fer für

Jahr zehn te eben so aus ge blen det wie

Roma und Sin ti, Ho mo se xu el le oder

Zwangs ar bei te rIn nen. Die Rück kehr

der jü di schen Emi gra ti on galt aus drück -

lich als un er wünscht. Ge ziel tes Ver ges -

sen al ler un er wünsch ten Er eig nis se und

der Ver ant wor tung da für war letzt lich

auch der Grund stein für den My thos,

Ös ter reich aus schließ lich als Op fer des

Na zi fa schis mus zu se hen.

Als die KPÖ An fang der 50er Jah re


im Kampf um den Staats ver trag die

Neut ra li tät pro pa gier te, wur de sie dafür

von den an de ren Par tei en des Hochver -

rats be zich tigt. Der Kampf gegen die

Atom kriegs ge fahr wur de zur „kommu -

nis ti schen Ge fahr“ um in ter pre tiert. Als

rea lis ti sche Kräf te Ober hand bekamen

und 1955 end lich Staats ver trag und

Neut ra li täts ge setz be schlos sen wurden,

trat an stel le des wüs ten An ti kommunis -

mus ge ziel te Le gen den bil dung und

mach te dies zum Ver dienst „beherzter

Män ner“ wie Figl oder Kreis ky.

Die Kon ti nui tät war frei lich immer

vor han den. So wie sich Ös terreich in

den 50er Jah ren als Teil Westeuropas

be trach te te, ver steht es sich heute als

be son ders eif ri ges Mit glied der EU und

op fert da für die we sent li chen Errungen -

schaf ten der 2. Re pub lik, al len voran

die im mer wäh ren de Neut ra li tät durch

Be tei li gung an Euro-Ar mee, „Battle

Groups“ und EU-Ver fas sung mit Auf -

rü stungs ver pflich tung. Ge strit ten wird

dar um, ob die ÖVP oder die SPÖ die

„be herz te ren Män ner“ hat te und, wer

die „wah ren Eu ro päe rIn nen“ sind. Die

FPÖ wie der um stellt Volks tum kontra

Im mi gra ti on, und ver brei tet unter der

Flag ge ei nes be son ders pe ne tranten Ös -

ter rei cher tums ihre re aktionäre

Anti-EU-Pro pa gan da.

Die Re gie rung hat 2005 zum „Ge -

dan ken jahr“ er klärt, um da mit ihre Ge -

schichts in ter pre ta ti on he ge monial zu

ver brei ten. Es ist be zeich nend, dass der

für tot er klär te Kom mu nis mus der ne -

ga ti ve Be zugs punkt die ser Erinne -

rungs kul tur ist. Im Ge gen satz zur Ver -

wäs se rung und Zer set zung von Staats -

ver trag und Neut ra li täts ge setz beharrt

die KPÖ auf Ein hal tung und Erfüllung,

so wohl was den Kampf ge gen Neofa -

schis mus als auch Min der hei tenrechte

und Ein hal tung der Neut ra li tät betrifft.

Es geht da bei dar um, für ein anderes

Ös ter reich in ei nem an de ren Europa,

ein ge ord net in ei nen neu en In ternatio -

na lis mus zu kämp fen. Es geht darum,

an stel le der An be tung der Asche die

Tra die rung des Feu ers in heu tige Um -

stän de zu be trei ben. Es gilt, die Analo -

gie des Wi der stan des von da mals – ge -

gen Fa schis mus, Krieg und Wiederauf -

rü stung – mit dem Wi der stand von heu -

te – ge gen Auf rü stung der EU zur Su -

per macht und neo li be ral-kapitalisti -

schen Wahn sinn, wie sie in der

EU-Ver fas sung ver an kert sind – zu

wah ren.

• Stel lung nah me des KPÖ-Bezirks -

vor stan des Linz vom 7. Fe bruar 2005

Kom mu nis ti scher Wi der stand ge gen den Hit ler fa schis mus

Dem Nazi-Ter ror die Stirn

ge bo ten...

Als Ober ös ter reich in den Mai ta -

gen 1945 von den al li ier ten Trup pen

– jene der USA vom Wes ten her, die

Rote Ar mee vom Os ten – be freit

wur de, hat te die 1918 ge grün de te

und bereits 1933 ver bo te ne KPÖ

zwölf Jah re il le ga ler Ar beit und Wi -

der stand ge gen den grü nen und

brau nen Fa schis mus hin ter sich.

Ös ter reich weit ka men rund 2.200, in

Ober ös ter reich rund 160 Kom mu nis tIn -

nen im an ti fa schis ti schen Wi der stand –

an ge fangen von den Fe bru ar er eig nis -

sen, bei der Ver tei di gung der spa ni -

schen Re pub lik, als Par ti sa nen an ver -

schie denen Fron ten und vor al lem

durch ihre il le ga le Ar beit ge gen den Na -

zi fa schis mus – ums Le ben.

Wäh rend der so zial de mo kra ti sche

Wi der stand sich im we sent li chen auf

die Zeit des Aus tro fa schis mus von 1934

bis 1938 be schränk te und der christ li -

che bzw. kon ser va ti ve Wi der stand nur

in den sie ben Jah ren der NS-Herr schaft

eine Rolle spiel te, hat der kom mu nis ti -

sche Wi der stand eine durch ge hen de

Tra di tion. Wenn heu te der Aus tro fa -

schis mus als „Stän de staat“ ver harm lost

oder gar sei ne Epi go nen Doll fuss und

Schu schnigg als Wi der stands kämp fer

dar zu stel len ver sucht wird, darf nicht

ver ges sen wer den, dass ge ra de de ren

Po li tik der stän di gen Kom pro mis se mit

der NSDAP im ei ge nen Land und dem

Hit ler regi me in Deutsch land maß geb -

lich Wegbe rei ter für den Un ter gang ei -

nes ei gen stän di gen Ös ter reich im Jah re

1938 war.

Drei Aspek te maß geb lich

Für den kom mu nis ti schen Wi der -

stand gegen den Hit ler fa schis mus wa -

ren po litisch drei Aspek te we sent lich:

• Ge orgi Di mit roff for mu lier te die

1935 vom 7. Welt kon gress der Kom -

mu nis tischen In ter na tio na le be stä tig te

Ana ly se des Fa schis mus als „am meis -

ten ter roris ti sche Form der Herr schaft

des Fi nanz ka pi tals” und der da raus ab -

ge lei te ten Not wen dig keit ei ner brei ten

Volks front im an ti fa schis ti schen

Kampf.

• Da mit ver bun den war auch die Über -

win dung des von Sta lin ge präg ten und

für die kom mu nis ti sche Be we gung

nach haltig schäd li chen Sek tie rer tums,

wo nach die als „So zial fa schis mus“ de -

nun zierte So zial de mo kra tie jah re lang

zum Haupt feind er klärt wor den war.

Seite 3

Die KPÖ hat te da für be reits im Fe bru ar

1934 eine wich ti ge Vor lei stung er -

bracht und wuchs in der Il le ga li tät zur

Mas sen par tei (16.000 statt 4.000 Mit -

glie der), gleichs tark wie die Re vo lu tio -

nä ren So zia lis ten (RS).

• Eben so wich tig war aber auch die im

Auf trag der KPÖ von Al fred Klahr

1937 ver fass te Ar beit „Zur ös ter rei chi -

schen Na ti on”, mit der erst eine in ten si -

ve re Aus ein an der set zung mit dem weit -

ver brei te ten „An schluss ge dan ken” er -

folg te und eine Mo bi li sie rung ge gen die

sich ab zeich nen de An ne xion Ös ter -

reichs er folg te.

Ganz in die sem Sin ne führ ten Ver -

tre ter der KPÖ im März 1938 Ver hand -

lun gen über die Zu sam men ar beit bei

der Ab wehr des „An schlus ses” und ver -

lang ten die Be waff nung der Ar bei ter -

schaft. Aber das aus tro fa schis ti sche Re -

gi me ka pi tu lier te, be vor sich ein brei ter

Wi der stand for mier en konn te. Im Auf -

ruf des ZK der KPÖ ge gen die Ok ku pa -

ti on „An das Volk Ös ter reichs, an alle

Völ ker Eu ro pas und der Welt” in der

Nacht des Ein mar sches der Na zi trup pen

nach Ös ter reich wur de hin ge gen der un -

er schüt ter li che Glau be an das Wie der -

ers te hen ei nes ei gen stän di gen Ös ter -

reich be kun det.

Als ein zi ge Par tei ge gen den

„Anschluss”

Die ser Auf ruf war eine der Grund la -

gen des an ti fa schis ti schen Wi der stan -

des: Wäh rend Kar di nal In nit zer und sei -

ne Bi schö fe und der füh ren de So zial de -

mo krat Karl Ren ner den „An schluss”

be grüß ten, wand te sich die KPÖ von

An fang an da ge gen. Ihre Hal tung wur de

in der von den Al li ier ten im Ok to ber

1943 be schlos se nen „Mos kau er De kla -

ra ti on” über das Wie der ers te hen ei nes

ei gen stän di gen Ös ter reich be stä tigt,

wo bei dies al ler dings auch vom „ei ge -

nen Bei trag” Ös ter reichs ab hän gig ge -

macht wur de. Das Ar gu ment der Kom -

mu nis tIn nen für ih ren Wi der stand war

durch ge hend: „Wir kön nen nicht war -

ten, bis uns an de re be frei en, wir müs sen

selbst et was dazu bei tra gen“.

Der His to ri ker Hel mut Kon rad be stä -

tigt in ei ner Zu sam men fas sung des Wi -

der stan des in Ober ös ter reich ein „deut -

li ches Über ge wicht der Kom mu nis ten”.

Wie wich tig der kom mu nis ti sche Wi -

der stand in Ober ös ter reich war, wird

mehr fach auch aus den Ak ten der Ge -

sta po über die Über wach rung von


Seite 4

Chro nik 1945

• 1. Jän ner: 61 Be trie be in Ober -

do nau wer den still ge legt.

• 2. Fe bru ar: Nur 17 von 500 aus

dem KZ Maut hau sen aus ge bro -

che ne sow je ti sche Ge fan gene

über le ben den Ter ror von SS, Ge -

sta po, Gen dar me rie und ört li cher

Be völ ke rung bei der „Mühl viert -

ler Ha sen jagd“.

• 23. Fe bru ar: To des ur tei le des

Volks ge richts ho fes ge gen die

Kom mu nis tIn nen Grill mayr, He -

hen ber ger und Zin ner.

• 25. Fe bru ar: Beim Bom barde -

ment des Po li zei ge fäng nis ses Mo -

zart stra ße in Linz kom men zahl -

rei che Wi der stands kämp fer ums

Le ben.

• März: Ver such von Kommu -

nis ten in der Ös ter rei chi schen

Frei heits be we gung Kon sens über

Bil dung ei ner Lan des re gie rung

durch US-Be sat zungs macht zu er -

rei chen

• 31. März: Bei der Bom bar die -

rung des Ge fäng nis ses Ka plan hof -

stra ße in Linz kom men zahl rei che

Wi der stands kämp fe rin nen ums

Le ben.

• 7. April: Gau lei ter Ei gru ber er -

klärt „Ober do nau wird ge hal ten“

• 8. April: Al brecht Gais winkler

springt mit dem Fall schirm über

dem Höl len ge bir ge ab und stößt

zur Wi der stands be we gung.

• 21. April: Att nang-Puch heim

wird bei ei nem Bom ben an griff

weit ge hend zer stört.

• 27. April: Die KPÖ ist eine der

drei Grün der par tei en der 2. Re -

pub lik durch die Un ab hän gig -

keits er klä rung. Er mor dung von

Wi der stands kämp fe rin nen im La -

ger Schör gen hub.

• 28./29. April: Auf aus drückli -

chen Be fehl von Gau lei ter Ei gru -

ber wer den noch in den letz ten

Kriegs ta gen zahl rei che Kommu -

nis tIn nen - dar un ter auch Lan des -

ob mann Teufl - im KZ Maut hau -

sen er mor det, als ein zi ger über lebt

Ri chard Dietl.

• 30. April: Aus ru fung des

Stand rechts für den Gau Oberdo -

nau. Die ers ten al li ier ten Trup pen

über schrei ten bei Ober kap pel die

Gren ze von Ober do nau.

• April: To des marsch der un gari -

schen Ju den von Maut hau sen nach

Guns kir chen aus dem Enns tal.

• 21. April: Weit ge hen de Zer stö -

rung von Att nang-Puch heim bei

ei nem Bom ben an griff.

Kom munis tIn nen – mit Ste reo ty pen

wie „fana ti scher Kom mu nist”, „be darf

ste ter Beob ach tung” und „im Ernst fall

zu rechnen” deut lich. Für vie le Kom -

mu nis ten war so gar die Ein be ru fung zur

Wehr macht ein ge wis ser Schutz, weil

da mit die Ge sta po kei nen Zu griff mehr

auf sie hat te.

Aus Ge sta po-Be rich ten von 1939

und 1941 wird deut lich, daß in die sem

Zeit raum fast nur Kom mu nis tIn nen Wi -

der stand leis te ten. Hin ge gen hat te den

Re vo lu tio nä ren So zia lis ten (RS) 1938

ihr Zentral ko mi tee emp foh len, ihre Ak -

ti vi tä ten ein zu stel len, weil Wi der stand

sinn los sei. Das hat te frei lich auch ideo -

lo gi sche Hin ter grün de, weil sei tens der

RS nach wie vor das Fern ziel ei ner ge -

samt deutschen Re vo lu ti on ver folgt und

der Kampf für ein ei gen stän di ges Ös ter -

reich als nicht sinn voll er ach tet wur de.

Der Wi der stand der KPÖ ge gen den

NS-Fa schis mus ist auch vor dem Hin -

ter grund der ge wal ti gen Ver än de run gen

zu se hen, de nen ge ra de Ober ös ter reich

in den sie ben Jah ren der NS-Herr schaft

un ter wor fen wur de. In kür zes ter Zeit

wur de im Zuge der Kriegs po li tik der

Na zis eine In du strie land schaft mit vie -

len tau send Be schäf tig ten, dar un ter zu -

neh mend Zwangs ar bei te rIn nen, aus

dem Boden ge stampft.

Die Her mann-Gö ring-Wer ke und die

Sticks toff wer ke in Linz, die Ni be lun -

gen werke in Sankt Va len tin, die Zell -

wol le Len zing und das Alu mi ni um werk

Rans hofen sind die wich tigs ten da von.

Aber auch tra di tio nel le In du strie be trie -

be wie die Steyr-Wer ke, die Lin zer

Schiffs werft und die EBG wur den voll

den Rüstungs plä nen un ter wor fen, eben -

so wie die Reichs bahn und an de re Un -

ter neh men. Par al lel da mit ent stan den

rie si ge Werks sied lun gen für die Be -

schäf tigten. Linz ex plo dier te von 1938

bis 1945 förm lich von rund 110.000 auf

weit über 200.000 Ein woh ner.

Re or ga ni sa ti on der KPÖ

Nach dem „An schluss” Ös ter reichs

an Hitler deutsch lands er folg te 1939

eine Reor ga ni sa ti on der KPÖ im nun -

meh ri gen Reichs gau „Ober do nau”.

1940 erfolg te eine neu er li che Um struk -

tu rie rung durch Bil dung ei ner Lan des -

lei tung in Linz, die Ver bin dung mit Be -

trie ben und an de ren Be zir ken her stell te.

Nach einer Ver haf tungs wel le im Jah re

1941 wur de 1942 die Lan des lei tung

nach Wels ver legt und von der Ge sta po

als „Welser Grup pe“ ka ta lo gi siert. Wie

ein Or gani gramm der Ge sta po be stä tigt,

hat te diese Lan des lei tung weit rei chen -

de Verbin dun gen nach Linz, Steyr und

bis ins Salz kam mer gut.

Die Be din gun gen des Wi der stan des

hat ten sich un ter den Be din gun gen des

Der Lan des ob mann der seit 1933 il -

le ga len KPÖ, Sepp Teufl

(1904-1945), wur de kurz vor Kriegs -

en de im KZ Maut hau sen er mor det.

NS-Re gimes ge gen über dem Aus tro fa -

schis mus – wo die Ar bei ter be we gung

teil wei se halb le gal ar bei ten konn te –

dras tisch ver schärft. Viel fach hat te das

Na zi re gi me die Spit zel des Aus tro fa -

schis mus naht los über nom men und ge -

ra de ös ter rei chi sche Na zis pro fi lier ten

sich durch be son de re Bru ta li tät, wie die

Bei spie le Eich mann und Kal ten brun ner

be wei sen. Im mer wie der ge lang es der

Ge sta po durch ein ge schleus te Spit zel,

die il le ga len Struk tu ren der KPÖ zu

zer stö ren.

Mit der Her stel lung und Wei ter ga be

von Flug blät tern und dem il le ga len Hö -

ren von aus län di schen Ra dio sen dern

wur de ver sucht, de fä tis ti sche Stim mun -

gen und Zwei fel an den Kriegs zie len zu

er zeu gen. Mit dem Sam meln von Geld

zur Un ter stüt zung ver folg ter Wi der -

stands kämp fe rIn nen und ih rer Fa mi lien

so wie Zwangs ar bei te rIn nen wur de kon -

kre te So li da ri tät ge leis tet. Ge ra de die

Ver fol gung sol cher Ak ti vi tä ten durch

das Na zi re gi me er zeug te star ken Un -

mut und hat te eine Po li ti sie rung zur

Fol ge. Schließ lich gab es auch mi li tä ri -

schen Wi der stand durch Sa bo ta ge ak te

in der Rü stungs pro duk ti on bis hin zur

Par ti sa nen be we gung im Salz kam mer -

gut.

Ein Schwer punkt des weit ge hend

von au to nom auf sich ge stell ten Grup -

pen ge leis te ten kom mu nis ti schen Wi -

der stan des war in den Be trie ben. Dies -

be züg li che Ak ti vi tä ten und Par tei zel len

gab es in Linz in den Her mann Gö -

ring-Wer ken, der Reichs bahn-Haupt -

werk stät te, der Ta bak fab rik, der ESG,

EBG und dem Solo-Werk, in den

Steyr-Wer ken, in Wels in den Re -

form-Wer ken, bei Tri umph, Zel ger und


Epp le-Bux baum, im Be zirk Vöckla -

bruck bei der OKA in Ti mel kam, bei

der Zell wol le fab rik Len zing und der

Reichs bahn in Att nang-Puch heim.

Ver haf tun gen, Hin rich tun gen…

Zahl rei che Ver haf tun gen und Hin -

rich tun gen gab es nach der Aufdeckung

der 1943 ge bil de ten Wi der standsgruppe

Mü nich rei ter in den Jah ren 1944 und

1945. Eben so beim „Freis täd ter Pro -

zeß” im Zu sam men hang mit den Akti -

vi tä ten der Grup pe „Frei es Ös terreich”,

die über ganz Ober ös ter reich verstreut

wirk te, ih ren or ga ni sa to ri schen Mittel -

punkt aber in Freis tadt hat te.

Zahl rei che Wi der stands kämpferin -

nen ka men bei der Bom bar die rung des

Ge fäng nis ses Ka plan hof stra ße im März

1945 in Linz ums Le ben. Noch in den

letz ten Ta gen des Krie ges, Ende April

1945, wur den auf aus drück li chen Be -

fehl von Nazi-Gau lei ter Au gust Eigru -

ber im KZ Maut hau sen zahl rei che Anti -

fa schis ten er mor det. Be grün det wurden

die se Mord be feh le da mit, daß die Alli -

ier ten „kei ne auf bau wil li gen Kräfte

vor fin den” soll ten. Eben so wurden in

Treff ling (Ge mein de En gerwitzdorf)

noch am 1. Mai 1945 zahl rei che Wider -

stands kämp fer er mor det.

Schon 1939 wur de ein ers tes Volks -

ge richts ver fah ren ge gen eine Steyrer

Wi der stands grup pe der KPÖ durchge -

führt. Wei te re Ver haf tungs wellen mit

To des ur tei len folgten in Steyr 1942 und

1944. In Wels kam es 1942 und 1943 zu

Ver haf tungs wel len. Nach dem Attentat

auf Hit ler wur den im Sep tem ber 1944

mehr als hun dert Kom mu nis tInnen der

„Wel ser Grup pe” we gen kommunisti -

scher Be tä ti gung ver haf tet von denen

69 hin ge rich tet wur den.

Auch im Salz kam mer gut wurden

schon ab 1938 zahl rei che Kommunis -

tIn nen Op fer von Ver haf tun gen. 1941

wur den in Att nang-Puch heim zahl rei -

che Kom mu nis ten ver haf tet. 1942 und

1943 gab es auch im Inn vier tel Ver haf -

tungs wel len, in de ren Fol ge meh re re

Kom munis ten hin ge rich tet wur den.

Be mer kens wert ist, dass bei den

meis ten Ur tei len den An ge klag ten als

be son ders er schwe rend vor ge wor fen

wur de, „die Los tren nung der Al penund

Reichs gaue vom Reich“ be trie ben

zu ha ben. Ge ra de der Kampf für die

Wie derer rich tung ei ner selb stän di gen

Re pub lik Ös ter reich war viel fach auch

der Grund für die To des ur tei le der

Nazi-Justiz.

Wi der stand im Salz kam mer gut

Eine be son de re Be deu tung hat te der

kom munis ti sche Wi der stand im Salz -

kam mergut. Nach der Flucht von Sepp

Plie seis ge lang je doch eine Ver brei te -

rung zu ei ner Mas sen be we gung, die

über rund 300 An lauf stel len ver füg te,

bis zu 600 Per so nen zwi schen dem Aus -

seer Land und dem Haus ruck er fass te

und so stark in der Be völ ke rung ver an -

kert war, daß das Nazi-Re gi me nur

mehr we ni ge An ti fa schis tIn nen fas sen

konn te.

Die Wi der stands be we gung „Fred“,

spä ter „Wil ly“ und noch spä ter „Ös ter -

rei chi sche Frei heits front“ konn te im

Mai 1945 fak tisch die Stadt Bad Ischl

be frei en und war ent schei dend an der

Ret tung der Kunst schät ze im Alt aus seer

Salz berg werk be tei ligt. Ge ra de im Salz -

kam mergut wur de auch der lei der viel

zu we nig ge wür dig te Stel len wert der

Frau en im Wi der stand deut lich, ohne

de ren logis ti sche Lei stun gen der brei te

Wi der stand nicht mög lich ge we sen

wäre.

Leo Furt leh ner

Ös ter reich wird

wie der ers te hen!

Seite 5


Lernt aus dem Bei spiel Ös ter -

reichs. Je des Zu rück wei chen, jede

Ka pi tu la ti on vor den Kriegs brand -

stif tern er mun tert den Hit ler-Fa -

schis mus zu neu en An grif fen. Hit -

ler will kei nen Frie den, er läßt sei -

ne Ba jo net te mar schie ren. Hit ler

hasst die Front der fried li chen

Völ ker, er will über die Völ ker

herr schen

...

Das ös ter rei chi sche Volk ist

ver ge wal tigt wor den, aber sein

Glau be und sei ne Zu ver sicht sind

un ge bro chen. Der Kampf geht

wei ter. Durch sei ne ei ge ne Kraft

und durch die Hil fe der Welt front

des Frie dens wird ein frei es, un ab -

hän gi ges Ös ter reichs wie der ers te -

hen!


• Aus zug aus dem Auf ruf des ZK

der KPÖ zur An ne xion in der

Nacht vom 11. zum 12. März 1938

Mos kau er

De kla ra ti on

Ge denk ta fel für die in den letzten Kriegstagen im KZ Maut hau sen er mor de -

ten Wi der stands kämp fer der “Welser Gruppe”.


Ös ter reich wird aber auch da -

ran er in nert, dass es für die Teil -

nah me am Krie ge an der Sei te Hit -

ler-Deutsch lands eine Ver ant wor -

tung trägt, der es nicht ent rin nen

kann, und dass an läss lich der end -

gül ti gen Ab rech nung Be dacht nah -

me da rauf, wie viel es selbst zu sei -

ner Be frei ung bei ge tra gen ha ben

wird, un ver meid lich sein wird.


• Aus zug aus der Mos kau er Er -

klä rung der Al li ier ten über Ös ter -

reich vom 1. No vem ber 1943


Sei te 6

Op fer für die Freiheit

Nach den kei nes wegs voll ständigen Aufzeich nun gen sind im Kampf

ge gen den Fa schis mus, als Kämpfer der Roten Ar mee und im spa ni schen

Frei heits kampf zwi schen 1934 und 1945 folgen de Mit glie der der KPÖ

ums Le ben ge kom men.

Bezirk Braunau

Am ber ger Franz, Hel mets ber ger Josef, Muhr Richard

Bezirk Gmun den

Au in ger Jo hann, Bala Jo sef, Besendorfer Josef, Blank Adam, Dru ckent han ner

Franz, Feld ham mer Karl, Gro chot Michael, Groß mai er Jo hann, Hes sen ber ger

Leo pold, Ho hen ber ger Hil da, Huber Johann, Huber Jo sef, Ja ritsch Franz, Je le -

mitz ky Mi cha el, Karz ma re zyk Stanislaus, Krammel Jo sef, Kurz Fan ni, Leit ner

Jo sef, Loidl Jo sef, Ma scha Franz, Mayr Gustav, Mo ser Jo hann, Na va la ny Lud -

wig, Neu ba cher Jo sef, Ort ner Alois, Promberger Karl, Prom ber ger Lina, Sam -

mer Jo hann, Schlei cher Her mi ne, Sigl Karl, Stadler Jo hann, Stras ser Alois, Tu -

te ja Leo pold

Bezirk Linz

Au in ger Hans, Bau er Gustl, Brunner Franz, Brunner Ma ria, Chme lens ky An -

ton, Fuß Jo hann, Grill mayr Josef, Gröblinger Fritz, Grüll Max, Hackl Fritz,

Hackl Hans, Hai der Lud wig, Haselmayr Franz, Hausl Ru dolf, Hef ner Jo sef,

He hen ber ger Karl, Hoff mann Franz, Kainz Franz, Kö nigs leh ner Anna, Krie ger

Franz, Küh ber ger Ru dolf, La dislav Karl, Landl Jo hann, Leeb Franz, Ma rit -

schnig Franz, Mayr Franz, Mit ter Fritz, Mitter Sepp, Mül ler Hugo, Ober mayr

Hein rich, Pesch ke Hans, Pfob Karl, Pollhammer Ste fan, Prischl Karl, Rack -

wetz Ted di, Rack wetz Theo dor, Rader Karl, Reindl Karl, Robl Hein rich, Scha -

chin ger Ru dolf, Stad ler Jo sef, Stark Max, Steidl Karl, Stras ser Alois, Teufl

Sepp, Thal lin ger Wil li bald, Tschofenig-Taurer Gi se la, Weigl Franz, Wink ler

Hans, Wipp lin ger Alois, Wurm Franz, Zinner Cä ci lia, Ziv ny Franz

Bezirk Ried im Inn kreis

Mit tern dor fer Franz, Reindl Anna, Reindl Anton jun., Reindl An ton sen.

Bezirk Steyr

Buch hol zer Jo hann, Derf lin ger Fritz, Dieselberger Wil li, Gi se ly Alois, Greil -

hu ber Gott fried, Gru ber Wil li, Grünlinger Hans, Hiet ler Hans, Kol ler Jo sef,

Kon rad Bertl, Pal me Hans, Penzl Otto, Pettinger Franz, Pun zer Karl, Rie pel

Hans, Schmied En gel bert, Schweiger Herta, Siegmund Alois, Stöß lein Mag da,

Ul ram Jo sef, Wag ner Hans

Bezirk Vöck la bruck

Fors ter Ri chard, Gföl ler Lud wig, Groher Richard, Hub mann Jo han na, Koh ber -

ger Fe lix, Kro pat schek An dre as, Skrabal Josef, Wat zin ger Jo hann

Bezirk Wels

Am mer Karl, Bichlbau er Hermann, Blaichner Fritz, Breit wie ser Jo sef, Fritz

Alois, Hof mann Franz, Höl ler mann Hermann, Höller mann Risa, Kon ditsch Ni -

ko la, Leh ner Ja kob, Leidlmair Karl, Loher Franz, Misch ka Karl, Mit te rer Karl,

Mo ser Jo sef, Mül ler Karl, Pin ter Johann, Reif Franz, Roll Jo sef, Röß ler Ig naz,

Schar rer Karl, Schatzl Lud wig, Schiefermaier Max, Schö ring hu mer Franz,

Schwarzl mül ler Karl, Sott ner Karl, Stadler Ernst, Stei ner Alois, Wag ner Karl,

We ber Jo sef, We lisch ek Alois, Wolfgang Karl, Zel ger Wil li

Chro nik 1945

• April: Wi der stands be we gung

ret tet Kunst schät ze im Salz werk -

werk von Alt aus see vor Zer stö -

rung durch Na zis.

• 1. Mai: Wei te re Wi der stands -

kämp fe rIn nen wer den auf dem

Trup pen übungs platz Treff ling

hin ge rich tet.

• 2. bis 5. Mai: Par ti sa nen tra gen

im Enns tal und im Salz kam mer gut

ak tiv zur Be frei ung bei, in Bad

Ischl übt das Be frei ungs ko mi tee

ei ni ge Tage die Macht aus.

• 4. Mai: Der Kom mu nist Stad ler

or ga ni siert kampf lo se Über ga be

von Vöck la bruck an US-Trup pen.

Be frei ung von Att nang-Puch heim,

Schwa nens tadt und Wels.

• 5. Mai: US-Trup pen mar schie -

ren in Linz und Steyr ein. Be frei -

ung des KZ Maut hau sen durch

US-Ein hei ten.

• 7. Mai: Ernst Ko ref an stel le

von Franz Lang oth zum Bür ger -

meis ter von Linz be stellt.

• 8. Mai: Ein tref fen der Ro ten

Ar mee in Steyr-Ost, ge trenn te

Stadt ver wal tung für Steyr-Ost mit

Bür ger meis ter Hans Kah lig

(KPÖ). Of fi ziel le Ka pi tu la ti on

Hit ler deutsch lands.

• 9. Mai: Letz te Kampf hand lun -

gen in Kö nigs wie sen, 3. SS-Pan -

zer di vi si on ka pi tu liert. Be schlag -

nah me der Her mann-Gö ring-Wer -

ke als „deut sches Ei gen tum“.

• 10./12. Mai: Sow je ti sche Trup -

pen be set zen öst li ches Mühl vier tel

und Ge bie te öst lich der Enns in

Ober ös ter reich.

• 14. Mai: Ers tes Tref fen von

Lin zer Kom mu nis tIn nen. Ers te

Ver trau ens män ner ver samm lung

der Lin zer Be trie be.

• 15. Mai: Bil dung ei ner lan des -

wei ten Ge werk schafts or ga ni sa ti -

on un ter Füh rung von Hein rich

Kandl.

• 16. Mai: Ein set zung ei ner Pro -

vi so ri schen Lan des re gie rung un -

ter LH Eigl. Grün dung der Frei en

Ös ter rei chi schen Ju gend (FÖJ).

• Mai: Die KPÖ zählt 515 Mit -

glie der. Franz Hai der Lan des ob -

mann.

• 10. Juni: Be ra tung der von

US-Be sat zungs macht nicht aner -

kann ten „Ös ter rei chi schen Frei -

heits be we gung” in Ried im Inn -

kreis. Franz Hai der wird in den

Lan des aus schuß ge wählt.


Seite 7

Nie wie der Krieg! Nie wie der Fa schismus!

Ös ter reichs Verluste 1938-1945

• 30.000 po li ti sche Häft lin ge, die mindestens drei Mo na te bis sie ben Jah re im

Ker ker oder KZ wa ren

• 70.000 be wuß te An ti fa schisten, die wegen Schwarz hö rens, Sa bo ta ge und

an ti fa schis ti scher Be tä ti gung inhaf tiert waren

• 74.000 Ös ter rei cher in der Wehrmacht, die wegen Zer set zung, Kriegs dienst -

ver wei ge rung, De ser ti on zu jahrelangen Zuchthaus stra fen ver ur teilt wur den

• 2.700 hin ge rich te te Ös ter reicher

• 417 Ös ter rei cher am Mor zin platz (Gestapo gefäng nis) er mor det

• 9.240 Ös ter rei cher in an de ren Gestapogefängnis sen er mor det

• 6.420 in Zucht häu sern und Gefängnissen Euro pas um ge kom men

• 16.493 Ös ter rei cher im Konzentra tions lager hin ge mor det

• 75.000 Ju den und Jü din nen nach Übersee und

• 59.000 ins eu ro päi sche Aus land emigriert

• 51.500 Jü din nen und Ju den aus österreichischen Or ten de por tiert und in den

Kon zen tra tions la gern ver nich tete

• 800.000 Ös ter rei cher zur Wehrmacht eingezogen, da von

• 380.000 nicht zu rück ge kehrt (zehn Prozent der männ li chen Be völ ke rung)

• 12.622 Men schen al lein in Wien bei Bomben an grif fen ge tö tet

• 730 Ös ter rei cher durch Kriegsein wirkung erblin det

• 112.976 Frau en ha ben ihre Männer und

• 136.721 Kin der ha ben ihre Väter ver loren

• 4.500 Kin der ha ben kei ne El tern mehr

• 72 Kir chen wur den zer stört oder schwer beschä digt

• 317 Kir chen leicht be schä digt

• 17 Syn ago gen und

• 78 Bet häu ser zer stört

• 381 Ei sen bahn brü cken zer stört

• 2.500 km Bahn kör per zer stört

Am 5. Mai 1945 wur de we nige Tage vor dem end gül ti gen Sieg über den Hit -

ler fa schis mus das Kon zen trationslager Mauthau sen durch US-Trup pen be -

freit. (Foto: Nor di co-Re pro)

Chro nik 1945

• 11. Juni: Ers te Num mer der

„OÖ Nach rich ten“ als Or gan der

US-Be sat zungs macht er scheint.

• Juni: Kon takt ge sprä che mit

Links so zia lis ten über die Bil dung

ei ner ge mein sa men Ar bei ter par -

tei. He raus ga be der „Ös ter rei chi -

schen Nach rich ten“ durch die

KPÖ.

• 7./8. Juli: Be zirks par tei kon fe -

renz der KPÖ in Steyr in An we -

sen heit von Vi ze kanz ler Jo hann

Ko ple nig.

• 18. Juli: Um be nen nung der

Her mann-Gö ring-Wer ke in Ver ei -

nig te Ei sen- und Stahl wer ke.

• 20. Juli: Pro vi so ri sche Staats re -

gie rung ver laut bart das Ge setz

über die Wie der er rich tung der

Kam mern

• 28. Juli: Rück zug der Ro ten

Ar mee aus Steyr-Ost, Wie der her -

stel lung der ein heit li chen Stadt -

ver wal tung für Steyr.

• Juli: Der Ge mein de rat von

Steyr-Ost be schließt Stra ßen be -

nen nun gen nach Wi der stands -

kämp fe rIn nen.

• 1. Au gust: Das Mühl vier tel

wird sow je ti sche Be sat zungs zo ne.

Bil dung der Zi vil ver wal tung

Mühl vier tel.

• 4. Au gust: Ers te Sit zung des

Stadt ra tes von Ur fahr.

• 8. Au gust: Kon sti tu ie rung des

Ge werk schafts bun des in Linz.

• Au gust: Ab bruch der Ver hand -

lun gen über die Bil dung ei ner ge -

mein sa men Ar bei ter par tei durch

die SPÖ.

• 10. Au gust: Ver haf tung von

NS-Gau lei ter Au gust Ei gru ber

(1946 in Nürn berg zum Tode ver -

ur teilt, 1947 hin ge rich tet) bei

Sankt Pan kraz.

• 22. Au gust: Ab set zung und

Ver haf tung von LH Eigl durch

US-Be sat zungs macht.

• 3. Sep tem ber: Ver haf tung von

8.000 Ober ös ter rei che rIn nen we -

gen NS-Be tä ti gung und Ein lie fe -

rung in das La ger Gla sen bach.

• 14. Sep tem ber: Kon sti tu ie rung

des ein heit li chen Ge mein de ra tes

von Steyr.

• 19. Sep tem ber: Zu las sung der

po li ti schen Par tei en ÖVP, SPÖ

und KPÖ so wie des ÖGB in den

West zo nen.

• Sep tem ber: Die KPÖ zählt

3.110 Mit glie der. Franz Hai der

nimmt an der 1. und 2. Län der kon -

fe renz in Wien teil.


Sei te 8

Ent täusch te Hoffnun gen bei der No vem ber wahl 1945

Die KPÖ im Jahr der Be frei ung

Die Be frei ung Ös ter reichs vom

Fa schis mus er folg te nicht aus eige -

ner Kraft, son dern durch die Ar -

meen der vier Al li ier ten. Den größ -

ten An teil an der Be frei ung hatte die

Sow jet ar mee, die auf ös terreichi -

schem Bo den 26.000 Sol da ten, davon

18.000 al lein bei der Be freiung von

Wien ver lor.

Für die KPÖ war das Jahr 1945 nicht

die „Stun de Null”, son dern das Jahr der

Be frei ung vom Fa schis mus. Die KPÖ

hat te his to ri sche Weit sicht bewiesen,

in dem sie sich im März 1938 als einzige

Par tei in ei ner Er klä rung gegen den

„An schluss” aus ge spro chen und das

Wie der ers te hen ei nes ei gen ständigen

Ös ter reich zum ober sten Ziel ihres

Kamp fes ge macht hat te.

Die KPÖ hat auch den Auf trag der

„Mos kau er De kla ra ti on” der Alliierten

aus dem Jah re 1943 ernst ge nommen,

wo nach auch der ei ge ne Bei trag Öster -

reichs zu sei ner Be frei ung von Bedeu -

tung sei.

In Ober ös ter reich ka men rund 160

Kom mu nis tIn nen im Kampf gegen den

Hit ler fa schis mus um, bun des weit über

2.000 Mit glie der der KPÖ, über 4.000

Kom mu nis tIn nen wa ren inhaftiert.

Zwölf von 23 Mit glie dern des Zentral -

ko mi tees wa ren im Kampf gegen den

NS-Fa schis mus ums Le ben ge kommen.

Par tei en und Gewerk schaf ten

nur halb le gal

Die Ge burt des neu en Ös ter reich mit

der von ÖVP, SPÖ und KPÖ am 27.

April 1945 be schlos se nen Un abhängig -

keits er klä rung war eine Freiheit auf

Trüm mern, wo bei auch der Be griff

Frei heit nur re la tiv zu ver ste hen ist. Für

die KPÖ be deu te ten die Op fer im Wi -

der stand ei nen enor men Ader lass vor

al lem auch in Hin blick auf ihre Ent -

wick lung im Zu sam men hang mit dem

notwendigen Wie der auf bau, zu mal sich

die Frage stell te, ob es wirk lich ein „re -

vo lu tionä res Ös ter reich“ ge ben wür de,

wie sogar der spä te re Bun des kanz ler

Figl ge meint hat te, oder doch nur eine

ka pi ta listi sche Res tau ra ti on, wie sie

dann tatsäch lich statt fand.

Am 7. Mai 1945 wur de Linz von

US-Truppen be freit und der Nazi-Ober -

bür ger meis ter Franz Lang oth durch

Ernst Ko ref (SPÖ) ab ge löst. Am 15.

Mai konsti tu ier te sich ein pro vi so ri -

scher Stadt rat, der sich aus je vier Ver -

tre tern von SPÖ und ÖVP so wie zwei

der KPÖ zu sam men setz te. Am 16. Mai

wur de eine pro vi so ri sche Lan des re gie -

rung unter Lan des haupt mann Adolf

Eigl einge setzt, wel che die Gau ver wal -

tung der Na zis ab lös te.

Im Un ter schied zur sow je tisch be -

setz ten Zone wa ren in Ober ös ter reich

süd lich der Do nau po li ti sche Par tei en

und auch Ge werk schaf ten wei ter hin

ver bo ten und da her wei ter hin il le gal,

wenn gleich ge dul det. Erst mit dem

„All ge mei nen Be fehl Nr. 3“ der Mi li -

tär re gierung vom 19. Sep tem ber 1945

wur den in Ober ös ter reich die po li ti -

schen Par tei en zu ge las sen und am 8./9.

Ok to ber nahm die Par tei pres se („Tag -

blatt“ der SPÖ, „Volks blatt“ der ÖVP“,

„Neue Zeit“ der KPÖ) ihr Er schei nen

auf.

Die Ös ter rei chi sche

Frei heits front

Die “Vier im Jeep” be stimmten nach der Befreiung

vom Fa schis mus für zehn Jahre die Entwicklung in

Ös ter reich.

In den ers ten Mo na -

ten nach der Be frei ung

war die KPÖ be müht,

ge mein sam mit den

bei den an de ren Grün -

der par tei en ÖVP und

SPÖ im Rah men der

Ös ter rei chi schen Frei -

heits front (ÖFF) zu

wir ken. Bei ei ner Kon -

fe renz der ÖFF in Ried

wur de der Wil le deut -

lich, die von den

US-Be sat zungs be hör -

den ein ge setz te Be am -

ten re gie rung in eine

de mo kra ti sche Lan -

des re gie rung um zu -

wan deln. Im Juni 1945

nahm KPÖ-Lan des ob -

mann Franz Hai der an Be spre chun gen

der „Ös ter rei chi schen Frei heits be we -

gung” und der ihr an ge schlos se nen Wi -

der stands be we gun gen in Ried im Inn -

kreis teil und wur de in de ren Lan des -

aus schuß ge wählt.

Stim mung für ein heit li che

Ar bei ter par tei

Un ter dem Ein druck der Aus schal -

tung der in zwei Strö mun gen ge spal te -

nen Ar bei ter be we gung durch den Fa -

schis mus war in der ers ten Zeit nach der

Be frei ung im Jah re 1945 auch eine star -

ke Stim mung für die Bil dung ei ner ein -

heit li chen Ar bei ter par tei. Be son ders

aus ge prägt war die se Ein heits be we -

gung in Ober ös ter reich.

Noch im Juni und Au gust 1945 fan -

den Ver hand lun gen zwi schen der SPÖ

und der KPÖ statt, zu ei nem Zeit punkt,

als in Wien sol che Ge sprä che von der

SPÖ-Par tei füh rung schon längst mit

dem Ar gu ment, die Ein heit sei oh ne hin

in der So zial de mo kra tie ver wirk licht,

ad acta ge legt wa ren. Nun wur den aber

auch in Ober ös ter reich die Kon takt ge -

sprä che von KPÖ-Lan des ob mann

Franz Hai der mit Lud wig Ber na schek

von der SPÖ ab ge bro chen.

Als ein heit li che Or ga ni sa ti on war

auch die am 16. Mai 1945 von Ver tre -

tern ver schie de ner Ju gend or ga ni sa tio -

nen ge grün de te Freie Ös ter rei chi sche

Ju gend (FÖJ) kon zi piert. Wie je doch

de ren Se kre tär Er win Stey rer beim 13.

Lan des par tei tag der KPÖ An fang 1946

kon sta tier te, wur de sie nur von der KPÖ

un ter stützt und die an de ren Par tei en

hat ten schon früh zei tig ei ge ne Ju gend -

or ga ni sa tio nen ge grün det.

Franz Hai der Lan des ob mann

Schon im Mai 1945 wur de Franz

Hai der mit der Funk ti on des Lan des ob -

man nes be traut, nach dem Sepp Teufl

noch in den letz ten Kriegs ta gen im KZ

Maut hau sen er mor det wor den war. Be -

reits An fang Juni fand eine Be triebs ar -

bei ter kon fe renz mit 80 Teil neh mern

aus al len wich ti gen Lin zer Be trie ben

statt.

Mit der He raus ga be der „Ös ter rei -

chi schen Nach rich ten” schuf die KPÖ

ein ers tes In for ma tions mit tel, ein fach

und hek to gra phiert, aber ein wich ti ges

Mit tel beim Wie der auf bau. Ab Juni

1945 fun gier te Franz Hai der als He -

raus ge ber und Mit ar bei ter der „Ös ter -

rei chi schen Nach rich ten”, im mer noch

il le gal, weil in der US-Be sat zungs zo ne

erst ab 19. Sep tem ber 1945 Par tei en

und Par tei zei tun gen er laubt wa ren. Die -

se Zei tung er reich te etwa, daß ei ni ge

Di rek to ren der von den US-Be hör den

be schlag nahm ten Ei sen wer ke in Linz


ins Nazi-La ger nach Gla sen bach ka -

men.

Ab Sep tem ber wur de auch die He -

raus ga be von Par tei zei tun gen legali -

siert. Zwar wur de die Auf lage der

„Neu en Zeit” mit 18.000 Exemplaren

li mi tiert, an an de re Dru cke rei en verwie -

sen, ihr For mat ver klei nert und sie

konn te be dingt durch die Zu tei lung der

Pa pier kon tin gen te nur je den zweiten

Tag er schei nen, doch wur de die kom -

mu nis ti sche Ta ges zei tung rasch zu ei -

nen ge wich ti gen po li ti schen Faktor.

KPÖ in der Lan des re gie rung

Im Sep tem ber und Ok to ber 1945

nahm Lan des ob mann Hai der an der ers -

ten und zwei ten Län der kon ferenz in

Wien teil. Im Ok to ber 1945 wurden

auch in der US-Be sat zungs zo ne endlich

die po li ti schen Par tei en le ga li siert. Die

KPÖ stell te bei ei ner gro ßen Landes -

kon fe renz im Rat haus saal in Linz ihre

Zie le vor.

End lich wur de auch die Lan des regie -

rung de mo kra ti siert und für die KPÖ

war Franz Hai der vom 29. Ok tober bis

13. De zem ber 1945 auf Grund eines

Drei par tei en-Ab kom mens zwischen

ÖVP, SPÖ und KPÖ kurz fris tig Lan -

des haupt manns tell ver tre ter in der pro -

vi so ri schen Lan des re gie rung.

Ent täu schende No vem ber-Wahl

Zu ei ner gro ßen Ent täu schung wurde

für die KPÖ das Er geb nis der National -

rats wahl vom 25. No vem ber 1945, die

auf Drän gen der West mäch te sowie von

SPÖ und ÖVP so früh zei tig stattfanden,

daß von ei ner wirk li chen Be freiung von

den Fol gen des Fa schis mus kaum ge -

Wahl pla kat der KPÖ aus den ersten

Nach kriegs jah ren

spro chen wer den konn te. Im Zu sam -

men hang mit der Tei lung Ös ter reichs in

vier Besat zungs zo nen wur de schon bald

nach dem Sieg über den Hit ler fa schis -

mus der von die sem in die Be völ ke rung

ein ge impf te An ti kom mu nis mus und

An ti sowje tis mus ge zielt in stru men ta li -

siert und zur Blo cka de fort schritt li cher

Ver än derun gen be nutzt und die Dif fa -

mie rung der KPÖ als „Rus sen par tei”

be gon nen.

Die ho hen Er war tun gen füh ren der

Kom munis ten – so er war te te Ernst Fi -

scher einen Stim men an teil von 20 Pro -

zent und mehr – wur den bei wei tem

ver fehlt. Im Un ter schied zur 1. Re pub -

lik zog die KPÖ zwar in den Na tio nal rat

ein, blieb mit nur 5 Pro zent der Stim -

men aber trotz ih res gro ßen or ga ni sa to -

ri schen Auf schwun ges eine klei ne Par -

tei. In Ober ös ter reich er reich te die KPÖ

12.376 Stim men bzw. 2,6 Pro zent, bei

der gleich zei tig statt ge fun de nen Land -

tags wahl 12.418 Stim men und eben falls

2,6 Prozent. Be dingt durch die un de mo -

kra ti sche Wahl ord nung war die KPÖ

da mit anders als in den meis ten an de ren

Bun deslän dern in Ober ös ter reich nicht

im Landtag ver tre ten.

Das Er geb nis wur de auch auf die Ge -

mein deräte um ge legt. Dem nach war die

KPÖ mit 12.418 Stim men bzw. 2,6 Pro -

zent mit ins ge samt 49 Man da ten ver tre -

ten. Auf der lo ka len Ebe ne wa ren die

Kom munis tIn nen da mit zwar re gio nal

un ter schied lich aber auch in Ober ös ter -

reich vor al lem in den In du strie re gio nen

eine star ke Kraft. Die „Hoch bur gen“

der KPÖ wa ren in Goi sern (14,5 Pro -

zent), Steyr (11,6 Pro zent), Eben see

(10,2 Pro zent) und Wolf segg (10,2 Pro -

zent).

Bi lanz beim 1. Lan des par tei tag

Der 1. Lan des par tei tag im Fe bru ar

1946 wähl te Franz Hai der als 1. Ob -

mann, Au gust Mo ser als 2. Ob mann

und Okta vi an Baum gart ner als 3. Ob -

mann so wie Sepp Blo de rer als Lan des -

par tei sekre tär.

Ob wohl im süd li chen Teil Ober ös -

ter reichs erst ab Ok to ber 1945 le gal

wir kend nahm die KPÖ im Jahr 1945

ei nen enor men or ga ni sa to ri schen Auf -

schwung: In der Zeit des Aus tro fa schis -

mus und des fol gen den Hit ler fa schis -

mus war die Zahl der Par tei mit glie der

von 2.200 (1935) auf 515 (Mai 1945)

ge schrumpft.

Laut Be richt von Lan des par tei se kre -

tär Jo sef Blo de rer beim 1. (auch als 13.

be zeichne ten) Lan des par tei tag am

23./24. Fe bru ar 1946 in Linz stieg die

Mit glieder zahl rasch auf 3.110 (Sep -

tem ber 1945), 5.088 (No vem ber 1945),

5.813 (De zem ber 1945) und 6.278 (Jän -

ner 1946).

Das Bei spiel Bro da:

Op por tu nis ti sche

Er war tun gen

Seite 9

Der an ti fa schis ti sche Wi der stands -

kämp fer Franz Hai der (1907-1968)

war ab 1945 Lan des ob mann der

KPÖ.

Bei der Mit glie der ent wick lung

der KPÖ nach 1945 war es un ver -

meid lich, daß ins be son de re im sow -

je tisch be setz ten Mühl vier tel auch

vie le aus op por tu nis ti schen Er war -

tun gen Mit glieder der KPÖ wa ren.

Be zeich nend für die op por tu nis ti -

schen Er war tun gen so man cher im Jah -

re 1945 war die Hal tung des spä te ren

Jus tiz mi nis ters Chris ti an Bro da, der

1931 zum KJVÖ und zur KPÖ ge kom -

men war. Nach sei ner Frei las sung aus

Ge sta po-Haft im Jah re 1943 hielt er

sich in Ober ös ter reich auf und be tei lig te

sich 1945 nach dem Ende der Na zi herr -

schaft am Auf bau de mo kra ti scher

Struk tu ren in Ried im Inn kreis.

Dort ver si cher te Bro da Lan des ob -

mann Franz Hai der am 11. Au gust 1945

sich seit „frü hes ter Ju gend als Kom mu -

nist” zu ver ste hen, der sich „in Zu kunft

in mei ner Be rufs- oder all fäl li gen öf -

fent li chen Tä tig keit nur als Be auf trag -

ter der füh ren den de mo kra ti schen und

an ti fa schis ti schen Kraft in Ös ter reich,

der KPÖ be trach te und ihr ge gen über

ver ant wort lich füh len wer de”.

Nach der No vem ber-Wahl sah Bro da

die se Mög lich kei ten of fen sicht lich

nicht mehr, zog sich auf den Sta tus ei -

nes bür ger li chen Rechts an wal tes zu -

rück und trat dann An fang Mai 1946

de fi ni tiv aus der KPÖ aus.


Seite 10

Die KPÖ war aktiv beim Wie der auf bau in den Ge mein den

Kom mu nis ti sche Gemeinde po li tik

im Jahr der Befreiung

Völ lig an ders als in der 1. Repub -

lik – wo die KPÖ nur in Steyr und

Stadl-Pau ra Ge mein de rä te hatte –

stell te sich die Si tua ti on für die Par -

tei nach der Be frei ung vom Faschis -

mus im Jah re 1945 dar.

Auf der lo ka len Ebe ne wa ren die

Kom mu nis tIn nen zwar re gio nal unter -

schied lich, aber auch in Ober österreich

vor al lem in den In du strie re gionen eine

star ke Kraft.

Ein furcht bares Erbe

Die Ge burt des neu en, de mokrati -

schen Ös ter reich im Mai 1945 war kein

har mo ni scher, son dern ein äußerst

schwie ri ger Vor gang, weil der Zusam -

men bruch der Hit ler herr schaft ein

fürch ter li ches Erbe hin ter las sen hatte

und der Neu be ginn eine Freiheit auf

Trüm mern war. Da bei ist der Begriff

Frei heit hier nur re la tiv an zuwenden,

denn die ame ri ka ni sche Be satzungs -

macht ließ die Grün dung von Parteien

und Ge werk schaf ten mo na te lang nicht

zu.

Die KPÖ zeig te je doch von der ers -

ten Stun de an, daß sie das Ge meinwohl

und nicht enge Par tei po li tik im Auge

hat te. Sie hat te im Kampf um die Be -

frei ung die weit aus schwers ten Opfer

ge bracht und zeig te auch 1945, daß sie

vor Schwie rig kei ten kei nes wegs zu -

rück wich. Da mit ver bun den waren frei -

lich auch gro ße Il lu sio nen über die

Mög lich keit ei ner so zia lis ti schen Ent -

wick lung und eine Un ter schät zung der

durch die Nazi-Herr schaft enorm ver -

stärk ten an ti kom mu nis ti schen Grund -

stim mung in brei ten Tei len der Be völ -

ke rung, wie sich spä tes tens bei der ers -

ten Natio nal rats wahl im No vem ber

1945 zeig te.

Wie der auf bau in Linz

Schon am 14. Mai fand in ei nem

Gast haus in der Les sing stra ße eine

halb le gale Sit zung von Lin zer Kom mu -

nis tIn nen statt. Sie stand un ter dem

Vor sitz von Jo sef Mit ter und hat te sich

mit schwie ri gen Auf ga ben zu be schäf ti -

gen. Es ging um die Be tei li gung an der

pro vi sori schen Lin zer Stadt ver wal tung.

Da bei über nah men die Kom mu nis ten

die am we nigs ten „dank ba ren“ Re fe ra -

te: Otto Brunn war für die Er näh rung

zu stän dig, Franz Ram mers tor fer für das

Woh nungs we sen.

Die Er näh rung, die schon in den letz -

ten Kriegs mo na ten äu ßerst ma ger ge -

wor den war, ge riet jetzt in ei nen ka ta -

stro phalen Zu stand, weil die Be völ ke -

rung der Stadt durch die Flücht lings -

strö me zeit wei lig auf bis zu 250.000

Ein wohner an stieg, die alle ir gend wie

ver sorgt wer den muß ten. In fol ge der

Be treu ung gro ßer La ger wa ren stän di ge

Ver handlun gen mit der Be sat zungs -

macht not wen dig und nur durch die

strengs te Ra tio nie rung und Ver tei lung

konn te eine Hun ger ka ta stro phe ver hin -

dert werden.

Die Woh nungs si tua ti on war da durch

ge kennzeich net, wie in Linz vie le tau -

sen de Woh nun gen zer stört oder schwer

Kon fe renz der KPÖ in Steyr-Münichholz im Juni 1945 mit Vi ze kanz ler und

KPÖ-Vor sit zen dem Jo hann Koplenig.

be schä digt und da durch tau sen de Fa mi -

lien ob dach los wa ren.

Das „kom mu nis ti sche“ Woh nungs -

re fe rat ar bei te te Plä ne aus, daß durch ri -

go ro se Auf tei lung des noch vor han de -

nen Wohn raums zu nächst die ärg sten

Fäl le be rück sich tigt wer den konn ten.

Größ te An stren gun gen wur den da -

rauf ge rich tet, be schä dig te Woh nun gen

halb wegs win ter fest zu ma chen, denn

gan ze Stadt vier tel, wie etwa die Sied -

lung „Am Bin der michl“ muß ten für die

so ge nann ten „Dis pla ced Per sons“, also

für ver schlepp te Per so nen, re ser viert

wer den.

Nach der Be set zung des Mühl vier -

tels durch die sow je ti sche Be sat zungs -

macht im Au gust 1945 ent spre chend

den Ver ein ba run gen der Al li ier ten wur -

de ne ben der Zi vil ver wal tung Mühl -

vier tel – in der für die KPÖ Eu gen Haill

und Adolf Ober mül ler tä tig wa ren –

auch eine ei ge ne Stadt ver wal tung Ur -

fahr ein ge rich tet. Hier wirk ten für die

KPÖ zu nächst Jo sef Ebel se der als Vi ze -

bür ger meis ter und Jo sef Ham mer als

Stadt rat.

Wie der auf bau in Steyr...

In Steyr wur de noch am Tag der Be -

frei ung bei ei nem Tref fen von Ver tre -

tern von SPÖ, KPÖ und ÖVP im Rat -

haus im Ein ver neh men mit ei nem ame -

ri ka ni schen Oberst leut nant ein neu er

Bür ger meis ter und eine Ver wal tung

ein ge setzt. Für die öst li chen Stadt tei le

Mü nich holz und Enns lei te be stand bis

Sep tem ber 1945 die ei gen stän di ge pro -

vi so ri sche Stadt ver wal tung Steyr-Ost,

die vom KPÖ-Bür ger meis ter Hans

Kah lig ge lei tet wur de.

… und in Wels

Nach 1945 voll brach ten kom mu nis -

ti sche Ge mein de ver tre ter in Wels beim

Wie der auf bau der Stadt nach dem 2.

Welt krieg gro ße Lei stun gen. So wie an -

de re Städ te auch, hat te Wels un ter den

Fol gen des Krie ges, ins be son ders un ter

den Zer stö run gen durch die an glo ame -

ri ka ni schen Bom ben an grif fe, die in der

Re gel auf zi vi le Zie le ge rich tet wa ren,

stark zu lei den.

Durch die In itia ti ve der Kom mu nis -

ten konn te in Wels der Wie der auf bau

ra scher als in an de ren Städ ten voll zo -

gen wer den. Der KPÖ-Stadt rat Hans

Meindl hat te da ran ei nen maß geb li chen

An teil. Bei der Be zirks kon fe renz der

Wel ser KPÖ am 17. März 1946 konn te

Meindl be rich ten, daß der Wie der auf -

bau in Wels von al len ös ter rei chi schen

Städ ten am wei tes ten fort ge schrit ten

war. Ein wei te rer KPÖ-Ver tre ter, Ri -

chard Dietl, der bei die ser Kon fe renz

über die Zu tei lun gen für die Bom ben -


ge schä dig ten be rich ten konn te, machte

sich im Für sor ge we sen der Stadt Wels

ver dient.

Wie der auf bau im

Salzkam mer gut...

Ge stützt auf die brei ten Ak ti vitäten

im an ti fa schis ti schen Kampf hatte die

KPÖ eine star ke Po si ti on im Salzkam -

mer gut und die Par tei wuchs rasch auf

1.100 Mit glie der im Be zirk Gmunden.

Vor al lem in Bad Ischl, Goi sern, Eben -

see und Laa kir chen wa ren die Kommu -

nis ten ak tiv beim Auf bau in den Ge -

mein den und hal fen mit, die demokrati -

sche Ver wal tung auf zu bau en.

… und im Bezirk Vöck la bruck

Eine wich ti ge Rol le spiel ten Kom -

mu nis ten auch im Be zirk Vöcklabruck

beim Wie der auf bau. Be reits am 12. Mai

1945 fand in Ti mel kam eine erste Ge -

mein de rats sit zung statt. Von den sieben

be stell ten Ge mein de rä ten wurden mit

Ru pert Ro bia und Franz Strassegger

zwei von der KPÖ ge stellt. In Lenzing

kon sti tu ier te sich der Ge meindeaus -

schuss am 17. Mai 1945. Die KPÖ stell -

te mit Franz Loidl und Alois Fellinger

zwei Man da ta re, Loidl war kurzzeitig

auch Vi ze bür ger meis ter.

Eine be son ders schwe re Aufgabe

hat te der Ende Mai 1945 kon stituierte

Ge mein de rat von Att nang-Puchheim

an ge sichts der durch Bom benangriffe

noch am 21. April 1945 völ lig zerstör -

ten Ge mein de – die mit 129 Toten pro

tau send Ein woh ner an der Spitze der

Bom ben op fer sta tis tik in ganz Öster -

reich lag – vor sich. Es galt Plünderun -

gen zu ver hin dern, die Le bens mittelver -

sor gung si cher zu stel len und die Bom -

ben op fer un ter zu brin gen. Die KPÖ

stell te hier mit Karl Sulz ber ger, Anton

Vajsco vecs und Ru pert Straßer drei

Man da ta re.

In Kohl gru be wur de un ter Leitung

von Ed mund Wir litsch in Zu sammenar -

beit mit Schicht meis ter Pohn die Kohle -

för de rung in kur zer Zeit wie der in Gang

ge bracht. Und auch im Wolf segger Ge -

mein de rat war die KPÖ eine wichtige

Kraft.

Kom mu nis ten als Bür ger meis ter

und Stadt rä te

Auf der Grund la ge der Un ab hängig -

keits er klä rung wur den un mit telbar nach

der Be frei ung in den Ge mein den nach

Ab set zung der Nazi-Bür ger meister und

Ver wal tun gen pro vi so ri sche Gemein -

de ver wal tun gen und Ge mein deräte ge -

bil det. Die KPÖ war nach Maßgabe ih -

rer per so nel len Mög lich kei ten in zahl -

rei chen Ge mein den ver tre ten und stellte

teil wei se auch Bür ger meis ter, Vi ze bür -

ger meister bzw. Stadt rä te und Ge mein -

de vor stän de. Da bei zeig te die KPÖ von

der ers ten Stun de an, daß sie das Ge -

mein wohl und nicht enge Par tei po li tik

im Auge hat te.

Bis zur re gu lä ren Wahl von Ge mein -

de rä ten im No vem ber 1945 stell te die

KPÖ Bür ger meis ter in Steyr-Ost (Hans

Kah lig), Goi sern (zu nächst der Schrift -

stel ler Ar nolt Bron nen, ge folgt von

Mar tin Lan ge der), in Al ler hei li gen (Ru -

dolf Bock), Ar bing (Ru pert Hin ter leit -

ner) und Sier ning (Jo hann Brei rat her).

Vi ze bürger meis ter stell te die KPÖ in

Ried im Inn kreis (Ok ta vi an Baum gart -

ner), Len zing (Franz Loidl), Enns (An -

ton Rienößl) und Steyr (Hans Kah lig).

Linz und Steyr: Ge teil te Städ te

Eine be son de re Si tua ti on be stand in

Linz und Steyr, die un ter schied lich lan -

ge durch die Be sat zungs mäch te ge teil te

Städ te wa ren. So wur de ne ben der Zi -

vil ver wal tung Mühl vier tel 1945 auch

ein Stadtrat für Ur fahr ge bil det, in dem

die KPÖ mit zwei Man da ten ver tre ten

war. Jo sef Ebel se der war von

1945-1948, Adolf Ober mül ler von

1948-1949 Vi ze bür ger meis ter, Jo sef

Ham mer war von 1945-1946, Ka ro li ne

Teu felsbru cker von 1947-1949 Stadt rä -

tin. Von 1949 bis zum Ende der Be sat -

zungs ära 1955 war die KPÖ mit ei nem

Man dat im Bei rat ver tre ten, das von

Hans Kersch bau mer aus ge übt wur de.

In Steyr be stand für die öst li chen

Stadt teile Mü nich holz und Enns lei te bis

Sep tember 1945 die ei gen stän di ge pro -

vi so ri sche Stadt ver wal tung Steyr-Ost,

die vom KPÖ-Bür ger meis ter Hans

Kah lig ge lei tet wur de, der nach dem

Zu sam men schluß der Stadt ver wal tung

dann bis Ende 1945 als Vi ze bür ger -

meis ter agier te.

Im pro vi so ri schen Stadt se nat war die

KPÖ in Linz durch Otto Brunn und

Franz Ram mers tor fer ver tre ten. Nach

der Wahl im No vem ber 1945 stand der

KPÖ man dats mä ßig kein Sitz im Stadt -

se nat mehr zu, je doch ver zich te te die

SPÖ zuguns ten der KPÖ auf ein Man -

dat, das dann von Franz Ram mers tor fer

bis 1949 aus ge übt wur de. In Steyr war

nach der re gu lä ren Wahl zu nächst Hans

Kah lig im Stadt se nat ver tre ten, ge folgt

von August Mo ser 1946-1949, Alois

Ze het ner 1949-1952 und wie der um Au -

gust Moser von 1952-1955.

No vem ber wahl: 49 Man da te

Das Er geb nis der Na tio nal rats wahl

vom Novem ber 1945 wur de auch auf

die Ge mein de rä te um ge legt. Dem nach

war die KPÖ mit 12.418 Stim men bzw.

2.6 Prozent mit ins ge samt 49 Man da ten

Seite 11

Chro nik 1945

• 8./9. Ok to ber: Ers tes Er schei -

nen der Par tei zei tun gen, dar un ter

der „Neu en Zeit“.

• 21. Ok to ber: Lan des kon fe renz

der SPÖ.

• 26. Ok to ber: Er nen nung der

Lan des re gie rung mit LH Gleiss -

ner, KPÖ-Lan des ob mann Franz

Hai der ist Lan des haupt -

mann-Stell ver tre ter (bis 13. De -

zem ber).

• 3. No vem ber: Schar fe Ab gren -

zung von Ei sen bah ner ge werk -

schafts ob mann Franz Har rin ger

von der KPÖ.

• 10. No vem ber: Zu stim mung

des Al li ier ten Ra tes für Schaf fung

ei ner pro vi so ri schen Ar bei ter kam -

mer

• 15. No vem ber: Die KPÖ zählt

5.088 Mit glie der.

• 25. No vem ber: Bei der Na tio -

nal rats wahl er reicht die KPÖ

12.376 Stim men bzw. 2,6 Pro zent,

bei der Land tags wahl 12.418

Stim men bzw. 2,6 Pro zent (sie ist

da mit nicht im Land tag ver tre ten)

und bei der Ge mein de rats wahl

12.418 Stim men bzw. 2,6 Pro zent

und 49 Man da te.

• 27. No vem ber: Für die KPÖ

ver han delt Pe ter Kam mers tät ter

über die Wie der grün dung der Ar -

bei ter kam mer.

• 1. De zem ber: Die oö Ar bei ter -

kam mer nimmt ihre Tä tig keit auf.

• 6. De zem ber: Ers te Be triebs -

rats wahl in der Vo est.

• 31. De zem ber: Die KPÖ zählt

5.813 Mit glie der.

ver tre ten. In ei nem Be richt der Lan des -

lei tung zum 14. Lan des par tei tag 1948

wer den für Ober ös ter reich-Süd

(US-Be sat zungs zo ne) 32 Man da te in 23

Ge mein den, für Ober ös ter reich-Nord

(sow je ti sche Be sat zungs zo ne) in 51 Ge -

mein den mit 52 Man da ten ver tre ten,

wo bei letz te re Ver tre tun gen durch Par -

tei en ver ein ba run gen zu stan de ge kom -

men sind, dem nach also ÖVP und SPÖ

auf Man da te zu guns ten der KPÖ ver -

zich tet hat ten, of fen sicht lich um ein gu -

tes Ein ver neh men mit der sow je ti schen

Be sat zungs macht zu er lan gen.


Seite 12

Ein Zeit zeu genbericht von Otto Treml

Steyr 1945 – Eine ge teil te Stadt

Im Fe bru ar und April 1944 wur -

den vier Luft an grif fe auf die Stadt

Steyr durch ge führt. Es wurden 265

Per so nen ge tö tet: ein hei mi sche Män -

ner, Frau en und Kin der, Zwangsar -

bei te rIn nen und Kriegs ge fangene.

Au ßer dem wa ren vie le Schwer- und

Leicht ver letz te zu ver zeichnen.

Mehr als 1600 Zi vil per so nen wurden

ob dach los, da Häu ser to tal zerstört

wur den und vie le schwe re Schäden

er lit ten.

Bei den ers ten Luft an grif fen wurde

auch die Lehr werk stät te im Hauptwerk

der Steyr Daim ler Puch AG be schädigt.

Die Lehr lin ge wur den da her aus dem

ge fähr li chen Werks be reich abgezogen.

Die ge sam te Lehr lings aus bil dung wur -

de in ei nen Wald in Neu kir chen bei

Lam bach ver legt. Wir leb ten in einem

Ar beits dienst la ger, mit ten im Wald

stand eine rie si ge Hal le für Arbeit. Der

Un ter richt er folg te in Räu men des La -

gers. Wir ar bei te ten täg lich zwölf Stun -

den, auch Sams tag wur de bis Mittag ge -

ar bei tet. Dazu ka men noch Sonderein -

sät ze, mi li tä ri sche Aus bil dung im Lager

und in der Wel ser Al pen jä ger-Kaserne

so wie Vor trä ge zur He bung des Wehr -

geis tes.

Wien war im April 1945 von der Ro -

ten Ar mee un ter gro ßen Op fern bereits

be freit, wur den wir noch mit Lautspre -

cher an spra chen des Gau lei ters Eigruber

und Pa ro len ge füt tert, die be sagten: „In

Ober do nau wird ste hen ge blie ben". Das

Es sen war schlecht und we nig, unser

nächs ter Nach bar war der Wehrmachts -

stab Süd, der auf der Flucht aus Italien

eben falls in „un se rem" Wald Zuflucht

ge sucht hat te. Das schei nen die Ameri -

ka ner ge wusst zu ha ben, denn kaum

war der Stab da, ka men auch die Tief -

flie ger. Wir stan den stun den lang bei

Käl te und Re gen in den Split ter grä ben.

Ein Teil der Lehr lin ge wur de zur

Wehr macht ein ge zo gen. Mit te April

1945 verließ ich das La ger und fuhr mit

dem Fahr rad nach Steyr. Ein an de rer

Teil blieb bis An fang Mai und pro du -

zier te Ein zel tei le für die „Pan zer faust".

Sams tag, 5. Mai 1945: Es war ein

son ni ger Tag, als die Stadt Steyr von

US-Truppen be freit und der Nazi-Bür -

ger meister ver haf te te wur de. Zur glei -

chen Zeit er schüt ter ten meh re re hef ti ge

De ton atio nen die Enns lei te. Wo heu te

die Otto Glö ckel-Schu le steht, spreng -

ten die deut schen Trup pen ihre letz ten

Ge schütze. Be waff ne te An ti fa schis ten

ent waffne ten die letz ten Tei le der

Wehr macht. Noch am glei chen Tag

wur de Franz Pro kesch zum Bür ger -

meis ter und Fer di nand Knabl zu sei nem

Stell vertre ter be stellt. Als Ma gi strats di -

rek tor wur de der be kann te So zia list Dr.

Fer di nand Häuslmayr ein ge setzt.

Am 8. Mai 1945 tra fen die Spit zen -

grup pen der Ro ten Ar mee in der Stadt

ein. Ge mäß den al li ier ten Ver ein ba run -

gen besetz ten sie die Stadt rechts der

Enns. Die US-Trup pen zo gen sich links

der Enns zu rück. Da mit war die Stadt in

zwei Tei le ge teilt.

In Zu sam men ar beit mit Ver tre tern

der Sow jet ar mee wur de in Steyr-Ost

eine pro vi so ri sche Stadt ver wal tung

(Bahn hofstra ße 5) ge grün det. Die neu en

Stadt väter, Bür ger meis ter Hans Kah lig,

Jo sef Blo de rer, Karl Hübsch, Tho mas

Trunk, Dr. Karl En zel mül ler, Hans

Scha novsky, Alois Hue mer und Vin -

zenz Rib nitz ky, stan den vor dem

Nichts. Zu erst galt es, die Ver sor gung

mit Lebens mit teln, vor al lem mit Brot

Der Stey rer Stadt teil Mü nichholz und das übrige Stadt ge biet öst lich der Enns

hat te in den ers ten Mo na ten nach der Befreiung eine ei ge ne Ver wal tung.

Otto Treml (Jahr gang 1930), war

von 1971 bis 1990 Ge mein de rat der

Stadt Steyr und von 1980 bis 1990

Lan des ob mann der KPÖ-Ober ös ter -

reich.

und für die Kin der mit Milch in

Schwung zu brin gen.

Ich stell te mei ne Ar beits kraft der

pro vi so ri schen Stadt ver wal tung

Steyr-Ost zur Ver fü gung und war im

Trans port we sen für die Auf recht er -

haltung der Milch ver sor gung und Auf -

brin gung von Le bens mit teln bis Ende

Juli 1945 tä tig. Als nach drei mo na ti ger

Sper re die bei den Enns brü cken am 28.

Juli 1945 wie der ge öff net wa ren und

Steyr wie der ein Gan zes war, freu ten

sich die Be woh ner bei der Stadt tei le.

Im Ok to ber 1945 be gann für uns

Lehr lin ge wie der ein ge re gel ter Un ter -

richt in der Lehr werk stät te im Haupt -

werk und die Ar beit in der Re pa ra tur -

werk stät te (FLAK). Es war kalt, wir

hat ten Hun ger, aber es gab kein Exer -

zie ren und kei ne Luft an grif fe mehr.

Wir muss ten hart ar bei ten, aber ge ra de

die da ma li ge Ar beit war eine Fund gru -

be des tech ni schen Wis sens für je den

Kfz-Schlos ser-Lehr ling. Über all stan -

den Wracks, sie wur den ins Werk ge -

bracht und in stand ge setzt. Die In du -

strie, die Wirt schaft brauch te ja da mals

drin gend Trans port mit tel.

Es war eine ku rio se Zeit. Sol da ten,

die man aus der Lehr werk stät te ein be -

ru fen hat te, ka men zu rück. Sie muss ten

ein Jahr, man che län ger, wie der die

Schul bank drü cken, bis sie ihre Fach ar -

bei ter prü fung ab le gen konn ten. Durch

die schwe ren Er leb nis se wa ren wir äl -

ter, als un se re Ge burts schei ne zeig ten.

Möge nie wie der eine Ge ne ra ti on das

er le ben, was wir er le ben muss ten!

• Otto Treml (Jahr gang 1930), ehe ma -

li ger KPÖ-Lan des ob mann und ehe ma -

li ger Ge mein de rat der Stadt Steyr


Wie der auf bau von Ar bei ter kam mer und Ge werk schaf ten

Kon sti tu ie rung verzögert

1945 wur den auch die Fun damen -

te für die Wie der er rich tung der 1934

aus ge schal te ten und vom Fa schismus

zwe ckent frem de ten Ge werk schaften

ge legt. Be reits am 14. Mai 1945 fand

auf In itia ti ve des Ei sen bahnerge -

werk schaf ters Franz Harringer

(SPÖ) in Eu richs Bier hal le in der

Dom gas se eine ers te Ver trau ensmän -

ner ver samm lung der Lin zer Betrie -

be statt.

Da die Ver bin dung zum be reits im

April ge grün de ten ÖGB in Wien nicht

funk tio nier te, be schlos sen rund 60 Ver -

trau ens leu te, sich „Ge werk schaftsver -

band Ober ös ter reich“ zu be nennen. Am

15. Mai wur de der Auf bau ei ner landes -

wei ten Ge werk schafts or ga ni sa tion be -

schlos sen, die von Hein rich Kandl ge -

führt wur de.

Von An fang an ver such te die Sozial -

de mo kra tie die Ge werk schaf ten als ih -

ren al lei ni gen Herr schafts be reich anzu -

se hen, und der Lin zer Bür germeister

Ernst Ko ref po le mi sier te über „Manö -

ver der Kom mu nis ten“ un ter „Ausnut -

zung der un ge klär ten Ver hält nisse Ein -

fluß zu ge win nen“. Ob wohl am 4. Juli

1945 das Kon troll ab kom men der vier

Al li ier ten un ter zeich net wur de, das Ös -

ter reich un ter Mi li tär ver wal tung stellte,

er folg te in der US-Be sat zungs zone erst

am 3. Au gust die Zu las sung von Ge -

werk schaf ten.

Auf grund des Er las ses der US-Besat -

zungs macht kam es am 6. August zur

Auf stel lung ei nes ge werk schaftlichen

„Neu ner-Ko mi tees“, in dem SPÖ, ÖVP

und KPÖ mit je weils drei Vertrauen -

sper so nen ver tre ten wa ren und das bis

zur ers ten Lan des kon fe renz im Mai

1946 be stand.

Wie der grün dung der

Ar bei ter kam mer

In der Fol ge wur de auch der Weg für

die Wieder grün dung der Ar bei ter kam -

mer geeb net. Be reits am 20. Juli 1945

war von der pro vi so ri schen Staats re gie -

rung das Ge setz über die Wie der er rich -

tung der Kam mern ver laut bart wor den,

wo mit in der sow je ti schen Zone der

Wie derauf bau be gin nen konn te. In

Ober ös ter reich hin ge gen er folg ten mit

Zu stim mung des Al li ier ten Ra tes erst

am 10. No vem ber die recht li chen Vor -

aus set zun gen für Schaf fung ei ner pro vi -

so ri schen Ar bei ter kam mer un ter der

Lei tung von Hein rich Kandl als Prä si -

dent und Theo dor Mö bi us als Se kre tär.

Am 27. No vem ber 1945 wur de von

den Vertre tern der drei Grün der par tei en

über die Auf tei lung der Man da te in der

pro vi sorischen Voll ver samm lung, wo -

bei für die KPÖ Pe ter Kam mers tät ter

de po nierte, daß der KPÖ auf grund ih rer

Be triebszel len kei nes wegs we ni ger

Man da te zu stün den als der ÖVP, wo ge -

gen der ÖVP-Ver tre ter Franz Kriz Ein -

spruch er hob.

Schließ lich wur de ein vom

SPÖ-Vertre ter Hein rich Kandl ge mach -

ter Vorschlag „durch Kopf ni cken“ ak -

zep tiert, dem zu fol ge der SPÖ 68, der

ÖVP 24 und der KPÖ 16 von ins ge samt

108 Man da ten zu fiel. Von den 16

KPÖ-Man da ten ent fie len 11 auf Ar bei -

ter, 2 auf An ge stell te, 1 auf Ver kehrs ar -

bei ter und 2 auf Ver kehrs an ge stell te. Im

Wahl körper Land- und Forst ar bei ter

war die KPÖ nicht ver tre ten. Die Ar bei -

ter kam mer nahm dann am 1. De zem ber

1945 ihre Ar beit auf.

Die for mel le Kon sti tu ie rung der Ar -

bei ter kam mer voll ver samm lung wur de

Rui ne der aus ge bombten Arbeiterkammer in der Volks gar ten stra ße in Linz

im Jah re 1945.

Seite 13

Au gust Mo ser (1896-1986) war maß -

geb lich beim Wie der auf bau der Ar -

bei ter kam mer in Obe rös ter reich

beteiligt

mehr mals ver scho ben und ver zö ger te

sich mo na te lang, weil Prä si dent Kandl

mein te, daß ein Ban kett statt fin den soll -

te „wozu bur gen län di scher Wein er -

wünscht wäre“ und die „Or ga ni sie rung

des ein ge plan ten Fes tes sens im Ho tel

Schiff“ Prio ri tät hat ten. Erst als das So -

zial mi nis te ri um ein mahn te, daß „in fol -

ge der bis her un ter blie be nen Kon sti tu -

ie rung der Lin zer Kam mer kei ne Mit -

glie der für den ös ter reich wei ten Kam -

mer tag no mi niert wer den konn ten“ und

kein Kam mer tag statt fin den konn te,

fand am 11. Mai 1946 im Lin zer Rat -

haus fest saal die Kon sti tu ie rung statt.

Für die KPÖ dank te Au gust Mo ser in

sei ner Rede den Al li ier ten für die Be -

frei ung „von der deut schen Fremd herr -

schaft und Knecht schaft“ und er klär te,

sich von den un de mo kra ti schen Kräf ten

im In ne ren zu be frei en sei „un se re ei ge -

ne Auf ga be“. Mo ser kri ti sier te auch,

daß nur zwei der drei Grün der par tei en,

näm lich SPÖ und ÖVP, im Vor stand

der Ar bei ter kam mer ver tre ten wa ren,

nicht je doch die KPÖ. Die ser Kri tik

wur de dann in so fern Rech nung ge tra -

gen, als der KPÖ ein Rech nungs prü fer

im Vor stand zu ge stan den wur de.

Zeit gleich mit der Kon sti tu ie rung

der Ar bei ter kam mer fand am 12. Mai

1946 die ers te Lan des kon fe renz des

ÖGB statt. Bei den Be triebs rats wah len

bis Jah res en de 1947 ent fie len von 3.696

Man da ten in 1.127 Be trie ben 2.660 auf

die SPÖ, 274 auf die ÖVP, 154 auf die

KPÖ und 608 wa ren par tei lo se. Da mit

ent sprach der po li ti sche Ein fluß in etwa

dem da ma li gen Stim men an teil der KPÖ

bei all ge mei nen Wah len, al ler dings war

der Groß teil der KPÖ-Be triebs rä te in

den Groß be trie ben der Schlüs sel in du -

strie, wo ihr Ein fluß weit aus grö ßer

war.


Seite 14

Franz Hai der am Lan des par tei tag im Fe bru ar 1946:

„Auf dem Weg nach vor wärts…“

In ei ner aus führ li chen Grundsatz -

re de um riss der da ma li ge KPÖ-Lan -

des ob mann Franz Hai der beim 1.

(auch als 13. be zeich ne ten) Landes -

par tei tag der KPÖ-Ober österreich

am 23. Fe bru ar 1946 die Entwick -

lung, die 1938 zum Un ter gang Öster -

reichs als selb stän di ger Staat geführt

hat te und den brei ten Wi derstand

der KPÖ ge gen die Hit ler dik tatur.

Im zwei ten Teil die ser Rede ging

Hai der auf die Ent wick lung nach der

Be frei ung im Mai 1945 so wie die Situa -

ti on und Rol le der KPÖ in der Grün -

dungs pha se der zwei ten Re publik ein.

Nach ste hend ein Aus zug über die Phase

von der Be frei ung bis nach der Novem -

ber wahl:

”In Ober do nau wird ge stan den und

ge kämpft", hat te Ei gru ber noch verkün -

det, als er selbst schon längst in die Ber -

ge ge flo hen war. Die Ver bre cher woll -

ten, dass ihre Op fer nicht überlebten.

Ta ge lang don ner ten die Ka nonen auf

Linz. Nur der to ta len Auf lö sung des

„to ta len Staa tes" nebst dem Eingreifen

we ni ger be herz ter Män ner ist es zu ver -

dan ken, dass die Dör fer und Städte

Ober ös ter reichs nicht völ lig zerstört

wur den. Ös ter reich aber hat te nicht die

Kraft ge habt, sich selbst zu befreien;

wir wur den von au ßen be freit.

Der fa schis ti sche Macht ap pa rat war

zu sam men ge bro chen, doch die Pfeiler

der neu en Ord nung fehl ten. Die Vertre -

ter der neu en Par tei en über gaben der

Be sat zungs macht die Schlüssel von

Stadt und Land. So fort aber wurde jede

po li ti sche Be we gung ver bo ten. Nur

klei ne Scha ren un se rer Ge nossen ver -

such ten, eine Or ga ni sa ti on zu bilden.

Stär ker wa ren die se Or ga ni sa tionen in

Steyr, Bad IschI, Wels, Ried und Goi -

sern.

Aber wirk li che Or ga ne ei ner ak tions -

fä hi gen Ar bei ter klas se fehl ten. Eine un -

ge heu re Um wäl zung hat te sich vollzo -

gen, aber es war eine Um wäl zung ohne

Re vo lu ti on … So war die Ar beiterklas -

se in ei nem un vor stell ba ren Ausmaße

ato mi siert und ak tions un fä hig.

Es ging um Le ben und Ar beit. Im

Heiz haus wur den Werk zeu ge und Ma -

schi nen Tag und Nacht be wacht. Kaum

ein Dut zend Lo ko mo ti ven waren be -

triebs fä hig. Die Stadt hungerte.

Zwangs ar bei ter und Ge fan gene ver -

lang ten stür misch die Rückbeförde -

rung.

Da mals sam mel ten sich die ak tivsten

Kämp fer für die de mo kra ti sche Erneue -

rung aus al len Par tei en, durch die Initia -

ti ve un se rer Ge nos sen, in der

KZ-Vereinigung. Sie war ein ers ter

Ver such, die Le ga li tät zu er zwin gen.

Im mer mehr wuch sen un se re Sor gen

und unse re An stren gun gen. Hun der te

KZler woll ten heim nach Wien, Nie der -

ös ter reich, Stei er mark. Aus den Lin zer

Ei sen- und Stahl wer ken ka men die

Män ner um Rat und Hil fe, da mit die Ar -

beit in dem gro ßen Be trie be wie der neu

or ga ni siert wer de. Da ne ben wur de im -

mer dring li cher der Kampf um die Li -

qui die rung des Na tio nal so zia lis mus,

der Kampf ge gen Sa bo ta ge der Kriegs -

ver bre cher, die alle noch ihre lei ten den

Pos ten in ne hat ten.

Wenn ich an die Tage zu rück den ke,

als der Ring der Frei heit um Linz auf

sechs Kilo me ter be grenzt war, wie nie -

mand ohne ei nem Aus weis der Mi li tär -

re gie rung die Fahrt zur ers ten Kon fe -

renz der ober ös ter rei chi schen Frei heits -

be we gung nach Ried wa gen woll te und

die Stim mung dort ei ner klei nen Re vo -

lu ti on glich, wie da mals alle de mo kra ti -

schen Kräf te un se res Lan des dar um

kämpf ten, dass die Be am ten-Regierung

in eine de mo kra ti sche Lan des re gie rung

um ge wan delt wer de, so weiß ich, wie

je der von uns da mals kämp fen muss te,

um wenigs tens den Schat ten ei ner le ga -

len Po siti on zu er rei chen.

Der Ober kom man die ren de der ame -

ri ka ni schen Streit kräf te in Ober ös ter -

reich, Co lo nel Snook, er klär te da mals

den Vertre tern der Frei heits be we gung:

„Ich weiß, es gibt in Ös ter reich noch

kei ne De mo kra tie, es gibt nur eine in di -

vi du el le Frei heit, und als Ös ter rei cher

kön nen Sie mit ar bei ten."

Dies war die Lage. Die ÖVP hielt,

sich an die Po si ti on in der Lan des haupt -

mann schaft, die SPÖ wahr te ihre Stel -

lung in der Ge mein de, wir aber muss ten

uns neue Waf fen schmie den. Wir ga ben

eine il lega le Zei tung he raus. Die „Ös -

ter rei chischen Nach rich ten", schlicht

und einfach ab ge zo gen, ga ben un se ren

Ge nos sen in den Be trie ben Rat und Hil -

fe und wur den zum schar fen Schwert

ge gen die Sa bo teu re der De mo kra tie

und die Fein de des Vol kes. Die Zei tung

hing am schwar zen Brett der Lin zer Ei -

sen werke und gab den ent schei den den

Ans toß, dass die Kriegs ver bre cher von

ih ren Di rek tions-Sesseln ins Na -

zi-Lager nach Gla sen bach ka men.

Die Par tei be sitzt nur ei nen Raum in

der Bethle hem stra ße 7, aber sie wächst.

An fangs Juni fin det eine Be triebs ar bei -

ter-Konferenz mit 80 Ver trau ens män -

nern aus al len Lin zer Be trie ben statt.

Ver bindungs ko mi tees der drei de mo -

KPÖ-Landesobmann Franz Hai der

und KPÖ-Vorsitzender Vi ze kanz ler

Jo hann Ko ple nig beim Lan des par -

tei tag 1946.

kra ti schen Par tei en ent ste hen auf un se -

re In itia ti ve, zer fal len wie der, wer den

neu ge schaf fen. Ein Par tei-Ausschuss

an der Sei te der Mi li tär re gie rung wird

ge plant, tritt je doch erst mit der Le ga li -

tät der Par tei en in Ak ti on. Zwi schen So -

zial de mo kra ten und Kom mu nis ten bil -

den sich die so ge nann ten Ein heits par -

tei en. Man strei tet um Na men und Pro -

gramm, doch wirk li che, prak ti sche

Auf bau ar beit wird we nig ge leis tet.

Schließ lich wur de auch Linz selbst

vom schar fen Mes ser der De mar ka -

tions li nie zer schnit ten. Das stell te die

Par tei vor neue Schwie rig kei ten. Da -

mals schuf eine un ver ant wort li che

Flüs ter pro pa gan da eine Pa nik stim mung

und eine Zeit des In ter reg nums nörd lich

der Do nau. Die kom mu nis ti sche Par tei

ist es, die mit al len Mit teln um die Ord -

nung kämpft. Die „Ös ter rei chi schen

Nach rich ten" ver le gen ih ren Sitz nach

Ur fahr. Ein be waff ne ter Selbst schutz

ge gen plün dern de Aus län der wird auf -

ge stellt und ar bei tet mit den schwa chen

Po li zei kräf ten zu sam men. Nach dem

Vor bild der Wie ner Re gie rung wird auf

Grund von Par tei ver ein ba run gen eine

neue Zi vil ver wal tung ge bil det.

Ohne Er fah rung über neh men un se re

Ge nos sen die schwie ri gen Ress orts der

Er näh rung und Für sor ge, sie ar bei ten

ver ant wort lich in der Wirt schaft und in

der Ge mein de. Rasch er holt sich, dank

der Ar beit un se rer Par tei, das Le ben im

Mühl vier tel wie der. Ein neu es Thea ter

wird er öff net, das Kino kann wie der

spie len, die Kin der hei me und In va li -

den-Erholungsstätten be gin nen ihre se -

gens rei che Tä tig keit.

End lich wer den die Par tei en er laubt.


Die ers te Lan des kon fe renz un serer Par -

tei, die im gro ßen Rat haus-Saal stattfin -

det, spie gelt un se ren Kampf und unse -

ren Op fer wil len. Al ter Kampf geist paart

sich mit neu en Men schen. So wollen

wir an die Lö sung der neu en Aufgaben

ge hen.

End lich muss ten die Mit glie der der

Be am ten-Regierung, von denen die

Hälf te mit samt dem Lan des hauptmann

be reits ver haf tet war, ab tre ten. Auf

Grund der Par tei en ver ein ba rung wurde

eine neue Lan des re gie rung gebildet.

Zum ers ten Mal zieht ein Kommunist in

die ober ös ter rei chi sche Lan desregie -

rung ein.

Ein wei te rer Schritt vor wärts ist die

Be wil li gung un se rer Par tei presse. Die

„Neue Zeit" wird zum wich tigsten In -

stru ment un se res Kamp fes, zum wert -

voll sten Hel fer beim Auf bau unserer

Par tei. So zieht un se re Par tei in den

Wahl kampf.

Der Cha rak ter die ser Wah len spielt

bei der Be ur tei lung des Wahl ergebnis -

ses die größ te Rol le. Die Par tei war or -

ga ni sa to risch nicht ge nug ge festigt, um

alle Mög lich kei ten ei ner Wahl auszu -

schöp fen. Fa schis ten und Re aktionäre

ta ten sich zu sam men, um eine wüste

Het ze ge gen die Rote Ar mee zu entfa -

chen. Den noch wis sen wir, dass im gro -

ßen Krieg der Geis ter um die Neuord -

nung der Welt eine Wahl schlacht kein

End sieg ist.

Vor drei zehn Jah ren war un se re Par -

tei klein und un be deu tend, we nige spür -

ten ihre mo ra li sche und geis ti ge Kraft.

Drei zehn Jah re Fa schis mus, sieben Jah -

re schlimms te Bar ba rei und sechs Jahre

Krieg, die se gan ze Zeit ei ner scho -

nungs lo sen Ver fol gung un se rer Genos -

sen hat uns ge ra de hier in Oberöster -

KPÖ-Landesparteitag 1946 im The -

re sien saal in Linz: Am Rednerpult

Franz John (Wels).

reich wert voll stes Blut ge kos tet. Die ses

Blut fehlte im neu en Kampf. Und in fol -

ge ei ner Jahr zehn te lan gen ver lo ge nen

Pro pa gan da konn ten nur die Mu tigs ten

und die Kühns ten, die wirk lich Su chen -

den und die ehr lich Rin gen den in die ser

Zeit den Weg zu un se rer Par tei und zu

un se ren Idea len fin den.

So be deu te ten die Wah len für uns le -

dig lich ei nen zeit li chen Ab schnitt. Erst

nach den Wah len be gann die Par tei

rich tig zu wach sen. Die Haupt schwä -

chen auf po li ti schem Ge biet wur den

über wunden. Die or ga ni sa to ri sche und

ideo lo gische Fes ti gung der Par tei wur -

de ver stärkt. So ge hen wir am die neu en

Auf ga ben he ran. Ös ter reich muss den

An schluss fin den an die fort schritt li che -

re Ent wick lung der eu ro päi schen Staa -

ten.

Ver glei chen wir die Ent wick lung in

der CSR, in Ju go sla wien, in Bul ga rien,

so se hen wir, wie sich eine voll kom men

neue po li ti sche und wirt schaft li che

Ord nung stür misch ent fal tet. Die se

Völ ker ha ben sich im Feu er des an ti fa -

schis ti schen Kamp fes eine fort schritt li -

che, wahr haft de mo kra ti sche, volks ver -

bun de ne Exe ku ti ve ge schaf fen.

In Ös ter reich aber, das nicht die

Kraft hatte, sie selbst zu be frei en, ver su -

chen im mer noch re ak tio näre Kräf te mit

dem geisti gen Rüst zeug der Ver gan gen -

heit ihre Macht zu fes ti gen und aus zu -

bau en, einen Sturm bock zu schaf fen ge -

gen die fort schritt li che Ent wick lung un -

se re Landes.

Aber je dem sei es ge sagt: Wer eine

fort schritt liche Ent wick lung will, wer

ei nen fried li chen und de mo kra ti sche

Weg will, muss mit uns für eine de mo -

kra ti sche, fort schritt li che, volks ver bun -

de ne Exe ku ti ve und Be am ten schaft

kämp fen, um eine Exe ku ti ve, die völ lig

ge rei nigt ist von Ver tre tern an ti de mo -

kra ti scher, fa schis ti scher Ten den zen.

Soll denn die De mo kra tie nichts als

eine For ma li tät sein? Für die An hän ger

der Proporz-Demokratie be deu tet sie

frei lich nicht mehr als ein Re chen exem -

pel. Wir aber glau ben nicht an die

Wahl-Arithmetik, son dern an die neu en

For men.

Be deu te ten über 12.000 Kom mu nis -

ten-Stimmen im Lan de nichts für die

Mit wirkung am Wie der auf bau? Ha ben

die se 12.000 Stim men ge ra de in

schwerster Zeit kein Recht auf Ver tre -

tung? Sol len wie der die al ten, star ren

For men ei ner Wahl ord nung gel ten oder

die hö here Not wen dig keit des le ben di -

gen Lebens?

Nur die Kon zen tra ti on al ler de mo -

kra ti schen, al ler auf bau wil li gen Kräf te

wird Wirt schaft und Le ben Ös ter reich

wie der er heb lich in Schwung brin gen.

Die großen Wer ke un se res Lan des, die

Ei sen- und Stahl wer ke von Linz, die

Seite 15

Steyr-Werke, die ge wal ti gen Wer ke der

che mi schen In du strie in Linz, die Wer -

ke in Eben see, in Len zing, die Ni be lun -

gen-Werke, die zahl rei chen Pro duk -

tions stel len un ser Ener gie-Wirtschaft,

ver lan gen end lich nach ei ner küh nen

Pla nung. Aus die sen gi gan ti schen Rüst -

kam mern der Kriegs in du strie sol len

macht vol le Werk stät ten des Frie dens

ent ste hen.

Und so ist uns al len klar wie Kris tall:

Nur das Volk selbst kann der Be sit zer

die ser Wer ke sein. Das ist die ein zi ge

Ga ran tie, dass alle die se Ma schi nen

nicht für den Krieg und für das Mo no -

pol ka pi tal, son dern für Frie den und

Volk pro du zie ren wer den. Ge nos sen,

wir ste hen in die sem Kampf al lein.

Aber wir fra gen nicht da nach, wir fra -

gen auch nicht nach West und Ost. Wir

fra gen nach Ober ös ter reich, wir fra gen,

was brau chen un se re Ar bei ter, un se re

Bau ern, was braucht un ser Volk.

Die Rohstof fe, die wir brau chen, den

Ab satz, den wir ver lan gen, kön nen uns

vor al lem un se re süd öst li chen und öst li -

chen Nach barn bie ten. Die Wirt schaft

der Sow jet-Union kann uns eine gro ße

Hil fe sein. Aber eben so wie wir er ken -

nen müs sen, wo die ech ten Part ner un -

se rer Wirt schaft sind, müs sen wir uns

auch auf un se re ei ge nen Kräf te be sin -

nen, nicht ewig war ten oder spe ku lie ren

auf die Hil fe von drau ßen; das ist der

rea le Aus weg für un se re Wirt schaft, das

ist der Weg des Wie der auf bau es.

Die gan ze Welt er kennt heu te an,

dass die Sow jet-Union eine Frie dens -

macht ist. So le sen wir in ei nem Ar ti kel

von Wil li am Man del in „The New Re -

pub lic", den der Lin zer „Welt spie gel"

zi tiert: „Von rus si scher Sei te un ter dem

heu ti gen Sys tem be steht kei ner lei Ge -

fahr ei nes An griffs krie ges. Russ land

be sitzt alle die Rohstof fe, die es

braucht, und ist be reit, uns al les, was

wir brau chen, im Tau schweg, zu lie -

fern. Das rus si sche Sys tem, die Er hö -

hung der Kauf kraft im Ver hält nis zur

Er hö hung der Er zeu gung, lie fert ei nen

dau ernd auf nah me fä hi gen in ne ren

Markt. Russ land tä tigt nur Aus lands -

ver käu fe, die für die Ein hal tung sei nes

Pro duk tions pla nes not wen dig sind oder

um Ein käu fe aus zu glei chen. Aus die -

sem Grun de kennt die Sow jet-Union

kei nen im pe ria lis ti schen Drang nach

Aus lands märk ten. Das rus si sche Sys -

tem schafft kein über flüs si ges Ka pi tal,

das schließ lich man gels er trag rei cher

In ves ti tions mög lich kei ten ge zwun gen

wäre, aus zu wan dern. Aus die sem

Grund braucht die Sow jet-Union we der

Ko lo nien noch Ein fluss zo nen, sie

braucht le dig lich Si cher heit.“

Das müs sen die po li ti schen Er wä -

gun gen sein, die für Ös ter reich maß -

geb lich sind: Die Freund schaft al ler de -


Seite 16

Straßen, Ge denkta feln, Ge bäu de

Ge den ken an Kommunis tIn nen

Kei nes wegs aus rei chend ist die

Wür di gung der Lei stung von Kom -

mu nis tIn nen im an ti fa schistischen

Wi der stand.

Sehr un ter schied lich wur de in den

Städ ten und Ge mein den eine diesbe -

züg li che Eh rung etwa durch Benennung

von Stra ßen oder an de ren Verkehrsflä -

chen, öf fent li chen Ge bäu den oder Er -

rich tung von Ge denk ta feln etc. gehand -

habt. Die nach ste hen de Auf stellung be -

schränkt sich nur auf jene, wo nament -

lich kom mu nis ti sche Wi derstands -

kämp fe rIn nen an ge führt sind, erhebt je -

doch kei nen An spruch auf Vollständig -

keit:

Linz

• Bar ba ra fried hof (Ge denks tein): Er -

hart The re se (1905- 1945), Grillmayr

Jo sef (1913-1945), He hen ber ger Karl

(1896-1945), Thal lin ger Willibald

(1911-1945), Zin ner Cä ci lia (1896-

1945)

• Hai der stra ße: Hai der Lud wig (1885-

1945)

• Kain weg: Kain Franz (1922-1997)

• ÖBB-Heiz haus (Ge denk ta fel): Hai -

der Lud wig (1885-1945), Pollhammer

Ste fan (1906-1945), Reindl Karl

(1913-1945)

• Stad ler stra ße: Stad ler Jo sef (1908-

1945)

• Ta bak fab rik (Ge denk ta fel): Teufl Jo -

sef (1904-1945), Küh ber ger Rudolf

(1901-1945), Mül ler Hugo (1910-

1944), Ober may er Hein rich (1901-

1945), Schme lens ky An ton (1905-

1945)

• Teufl stra ße: Teufl Jo sef (1904-1945)

Steyr

• Ah rer stra ße: Ah rer Jo sef (1908-

1934)

• Buch hol zer stra ße: Buch holzer Jo -

hann (1894-1945)

• Derf lin ger stra ße: Derf lin ger Fritz

(1900-1945)

• Frank stra ße: Frank Wil ly (1909-

1945)

• Gab ler stra ße: Gab ler Leo (1908-

1944)

• Gross mann stra ße: Gross mann Oskar

(1903-1944)

• Gru ber stra ße: Gru ber Wil li (1920-

1944)

• Klahr stra ße: Klahr Al fred (1904-

1944)

• Kon rad stra ße: Kon rad Bertl (1898-

1944)

• Mo serstra ße: Mo ser Au gust (1896-

1986)

• Pen selstra ße: Pensl Otto

(1895-1945)

• Pun zer schu le: Pun zer Karl (1912-

1944)

• Pun zer stra ße: Pun zer Karl (1912-

1944)

• Pusch mann stra ße: Pu schmann Er win

(1905-1943)

• Schwei ger stra ße: Schwei ger Her ta

(1916-1941)

• Se bek stra ße: Se bek Franz (1901-

1943)

• Strasser hof: Stras ser Fer di nand

(1901-1943)

• Wagner stra ße: Wag ner Hans (1914-

1939)

Wels

• Pollheim er park (Denk mal): Am mer

Karl (1898-1945), Bichlbau er Her mann

(1898-1944), Blaich ner Fritz (1901-

1945), Hof mann Franz (1900-1945),

Höl ler mann Her mann (1910-1944),

Höl ler mann Risa (1906-1945), Leh ner

Ja kob (1905-1945), Leidlmair Karl

(1910-1945), Misch ka Karl (1898-

1945), Mit te rer Karl (1891-1945), Mül -

ler Karl (1902-1944), Pin ter Jo hann

(1908-1945), Reif Franz (1895-1945),

Röss ler Ig naz (1887-1945), Schar rer

Karl (1905-1944), Schatzl Lud wig

(1892-1945), Schie fer mair Max (1900-

1945), Schö ring hu mer Franz (1903-

1945), Stad ler Ernst (1898-1944), Wag -

ner Karl (1902-1944), We ber Jo sef

(1892-1944), Wolf gang Karl (1893-

1945), Zel ger Wil li bald (1907-1945)

Bad Goi sern

• Kain weg: Kain Franz (1922-1997)

Brau nau

• Am ber ger stra ße: Am ber ger Franz

(1887-1943)

Maut hau sen

• KZ-Ge denks tät te, Kre ma to ri um

(Ge denkta fel): Teufl Jo sef (1904-1945)

• KZ-Ge denks tät te, Kla ge mau er (Ge-

denk ta fel „Wel ser Grup pe“): Au in ger

Jo hann (1892-1945), Bala Jo sef (1923-

1945), Blaich ner Fritz (1901-1945),

Breit wieser Jo sef (1887-1945), Brun ner

Franz (1902-1945), Buch hol zer Jo hann

(1894-1945), Dru ckent han ner Franz

(1894-1945), Gro chot Mi cha el (1920-

1945), Hackl Jo hann (1906-1945), Hai -

mo kra ti schen Völ ker zu ge win nen, die

Freund schaft je nes Vol kes vor al lem,

das durch sei ne Op fer, durch sei ne Hel -

den mut den bar ba ri schen Fa schis mus

zu Bo den zwang. Das wäre Ös ter reichs

wirk li che Freund schafts-Politik an Stel -

le der ver stärk ten Het ze, die heu te um

kurz sich ti ge Par tei-Interessen wil len

die wah ren In ter es sen des ös ter rei chi -

schen Vol kes ge fähr det.

Wenn wir so die wich ti gen Pro ble me

un se res Lan de be trach ten, müs sen wir

fest stell en: Auf dem Weg nach vor -

wärts ge hen wir Kom mu nis ten al lein.

Die se Tat sa che macht un se ren Weg

zwar schwie rig, soll aber un se re Her zen

nur noch mu ti ger ma chen. Dar um ap -

pel lie re ich an die Ge nos sen des Par tei -

ta ges: Die ser Par tei tag muss uns die

Mit tel ge ben, den Weg in die Zu kunft

nun auch wirk lich zu be schrei ten.

• Quel le: Um Ober ös ter reich. Der 13.

ober ös ter rei chi sche Lan des par tei tag der

KPÖ, Ver lag Neue Zeit, 1946

der Lud wig (1885-1945), Ha sel may er

Franz (1910-1945), Hof mann Franz

(1900-1945), Kriczma ric zik Sta nis laus

(1919-1945), Leh ner Ja kob (1905-

1945), Leidlmair Karl (1910-1945),

Leit ner Jo sef (1910-1945), Ma rit schnig

Franz (1900-1945), May er Gus tav

(1914-1945), Misch ka Karl (1898-

1945), Neu ba cher Jo sef (1893-1945),

Ober mayr Hein rich (1901-1945),

Pernsl Otto (1895-1945), Poll ham mer

Ste fan (1906-1945), Reindl Karl

(1913-1945), Roll Jo sef (1897-1945),

Schme lens ky An ton (1905-1945),

Som mer Jo hann (1889-1945), Stei ner

Alois (1908-1945), Teufl Jo sef

(1904-1945), Wolf gang Karl (1893-

1945), Zel ger Wil li bald (1907-1945)

Stadl-Pau ra

• Ge denks tein: Breit wie ser Jo sef

(1887-1945), Fritz Alois (1911-1944),

Schwarzl mül ler Karl (1901-1944), We -

lisch ek Alois (1894-1944)


Seite 17

Zu neh men der Druck ge gen die KPÖ in der Be sat zungs zeit

Vom An ti fa schismus zum

An ti kom mu nismus

War das Jahr 1945 noch vom ge -

mein sa men Wil len der drei Grün -

der par tei en der 2. Re pub lik beim

Wie der auf bau ge prägt, so änderte

sich das in den fol gen den Jahren

rasch. Das Er geb nis der Wahlen

vom No vem ber 1945 hat te das reale

Kräf te ver hält nis für die KPÖ deut -

lich ge macht und war gleich zeitig für

ÖVP und SPÖ ein Frei brief dafür,

die Res tau ra ti on des ka pi ta listischen

Sys tems vor an zu trei ben.

Die Schwä che der Bour geoi sie er -

mög lich te die Ver staat li chung der

Grund stoff in du strie als ehemaliges

deut sches Ei gen tum. Auf die Absicht

von ÖVP und SPÖ, da mit der Sowjet -

union ihr zu ste hen de Re pa ra tionszah -

lun gen zu ent zie hen, rea gier te diese mit

der Be schlag nah me zahl rei cher Indu -

strie be trie be in der sow je ti schen Zone,

die dann bis 1955 als USIA-Betriebe

sow je tisch ver wal tet wur den, aber auch

so zial po li ti sche Vor rei ter wa ren.

An ders als die Sow jet union, Frank -

reich und Groß bri tan nien ließen die

US-Be sat zungs be hör den in ih rem Zo -

nen ge biet – zu dem auch Ober österreich

süd lich der Do nau ge hör te – erst im Ok -

to ber 1945 Par tei en und Ge werkschaf -

ten of fi ziell zu. Nur bis Mai 1947 be -

fass ten sich die US-Mi li tär be hörden mit

der Ent na zi fi zie rung. Die rein bürokra -

ti sche Hand ha bung der Ent nazifizie -

rung führ te dazu, daß die „Nazifrage“

nie wirk lich ge löst wur de, mit Folgen

bis zum heu ti gen Tag. Die „Klei nen“

wur den schi ka niert, die „Gro ßen“ viel -

fach in Wirt schaft und Ver wal tung in te -

griert.

Zu die sem Er geb nis tru gen aber

nicht nur die US-Be hör den bei, son dern

kräf tig und mit gro ßer Zä hig keit auch

die ös terrei chi schen Stel len. Bei den

grö ße ren Äm tern, den Ma gi stra ten und

Be zirkshaupt mann schaf ten wa ren so ge -

nann te Ent na zi fi zie rungs-Sek tio nen tä -

tig, die eine „Rei ni gung“ von fa schis ti -

schem Un geist zur Auf ga be hat ten.

Eine ame ri ka ni sche In spek ti on kam

zum Ergeb nis, daß bei spiels wei se in

Linz „nicht mehr als 5 - 10 Pro zent der

Ar beitszeit von ei nem ame ri ka ni schen

Zi vi lis ten und sie ben Ös ter rei chern der

Über wachung der Ent na zi fi zie rung ge -

wid met sei“.

Im Zuge der „Über wa chung kom mu -

nis ti scher Ak ti vi tä ten“ kam es zu zahl -

rei chen frap pan ten Ver let zun gen ös ter -

rei chi scher Rechts be grif fe und zu

gangs ter mä ßi gen Strei chen und Pro vo -

ka tio nen. Der His to ri ker Twe ra ser

kommt bei der Be ar bei tung die ser Ma -

te rie zum Schluß: Den „ne ga ti ven Hö -

he punkt ame ri ka ni scher Mi li tär jus tiz

bil de te der Bad Isch ler Milch pro zess

(1947), bei dem we der die An kla ge und

schon gar nicht die Ur tei le der ös ter rei -

chi schen Rechts kul tur ent spra chen“.

Be kanntlich ging es bei die sem Pro zeß

vor dem ame ri ka ni schen Mi li tär ge richt

in Linz um die An wen dung der „Or der

200“, die sich vor al lem ge gen An schlä -

Frau en for de run gen bei der ersten Maidemonstra ti on der KPÖ nach dem

Krieg im Jah re 1946 auf dem Linzer Hauptplatz

ge und Auf ruhr ge gen die Be sat zungs -

macht rich te te.

Schon ab Mit te 1946 stand laut Twe -

ra ser die Kom mu nis ti sche Par tei Ös ter -

reichs „im Brenn punkt si cher heits po li -

ti scher In ter es sen“. Der Kal te Krieg

führ te „in nen po li tisch zur Not wen dig -

keit, die Mit glie der der Kom mu nis ti -

schen Par tei schärf stens zu über wa -

chen“. Gen dar me rie und Po li zei wa ren

in die ame ri ka ni schen Ak ti vi tä ten ge -

gen die KPÖ fest ein ge bun den und ar -

bei te ten mit der Be sat zungs macht auf

sehr eng zu sam men.

Von der Lan des-Si cher heits di rek ti on

wur den die Gen dar me rie pos ten an ge -

wie sen, „all fäl li ge kom mu nis ti sche Ak -

ti vi tä ten ge nau est zu be ob ach ten“. Zwei

Or ga ni sa tio nen soll ten be son ders sorg -

fäl tig über wacht wer den: „die Freie Ös -

ter rei chi sche Ju gend und der „Ver band

ehe mals ver folg ter An ti fa schis ten“.

Um die Ak ti vi tä ten der KPÖ zu „er -

fas sen“, re kru tier te der CIC, wohl auch

hier in en ger Zu sam men ar beit mit den

ös ter rei chi schen Be hör den, ein gan zes

Heer von Spit zeln. Die Schnüff ler wa -

ren na tür lich be strebt, ih ren Bröt chen -

ge bern „güns ti ge“ Zah len zu lie fern,

wo bei sie zu gro ben Fäl schun gen grif -

fen. Dies zeigt sich etwa bei der Er kun -

dung der an geb li chen Stär ke der

KPÖ-Or ga ni sa tio nen. Hier wur den in

vie len Ge mein den die Stim men für die

KPÖ bei der Na tio nal rats wahl vom No -

vem ber 1945 kühn als Mit glie der zah len

aus ge ge ben.

Ei nes der schänd lichs ten Ka pi tel der

Kom mu nis ten ver fol gung durch ame ri -

ka ni sche und ös ter rei chi sche Be hör den

war die Er stel lung von Lis ten mit den

Na men von Per so nen, die im Fal le von

„Un ru hen“ , was im mer dar un ter zu

ver ste hen ge we sen wäre, so fort ver haf -

tet wer den soll ten.

Ins ge samt be fan den sich auf die ser

Lis te die Na men von 208 Per so nen, ge -

ord net nach Be zir ken. Brau nau 11,

Gmun den 53, Gries kir chen 6, Linz

Land 44, Ried 6, Schär ding 8, Steyr 25,

Ur fahr 3, Vöck la bruck 21, Wels 20. Im

Ernst fal le wä ren die Ver haf tun gen

durch die ös ter rei chi sche Po li zei und

Gen dar me rie über Auf trag des CIC

durch ge führt wor den.

Schon im Mai 1946 wur de der

KPÖ-Lan des ob mann Franz Hai der, der

auch He raus ge ber des Par tei or gans

„Neue Zeit“ war, von ei nem US-Mi li -

tär ge richt zu zwei Mo na ten Ge fäng nis

ver ur teilt. Die „Neue Zeit“ hat te an geb -

lich ei nen ame ri ka ni schen Of fi zier

„falsch zi tiert“.

Im Ok to ber 1947 wur de der

KPÖ-Lan des se kre tär Sepp Blo de rer,

der 1944 aus der To des zel le in Mün -

chen-Sta del heim flüch ten konn te, und

der Fri seur Ha sel ber ger ver haf tet, weil


Seite 18

Chro nik 1946-55

• 1946: 1. Lan des par tei tag

(23.-24.2.). US-Besatzungsmacht

gibt KPÖ-Überwachung Vor rang

vor Ent na zi fi zie rung. Streik

Steyr-Werke (10.-15.10.).

• 1947: US-Besatzungsmacht

und Re gie rungs krei sen ver stär ken

Kom mu nis ten jagd. „Milch pro -

test“ in Bad Ischl (20.8.). Ur teile

im „Milch pro zess“ (25.9.).

• 1948: 2. Lan des par tei tag

(10./11.4.).

• 1949: Bei der NR-Wahl er -

reicht die KLS 18.574 Stim men

bzw. 3.1 Pro zent, bei der LT-Wahl

18.461 Stim men bzw. 3.1 Pro zent,

bei der GR-Wahl 15.603 Stim men

bzw. 2.8 Pro zent und 53 Man date

(9.10.). Bei der AK-Wahl er reicht

die GE 7.206 Stim men bzw. 5.8

Pro zent und 5 Man date

(22.-23.10.). Bünd nis Links -

block-SPÖ in der Vo est ge gen

VdU-Mehrheit.

• 1950: Füh ren de Rol le der KPÖ

im Ok to ber streik (25.9.-7.10.).

Mas sen ent las sun gen von Kom -

mu nis tIn nen in Groß be trie ben. 3.

Lan des par tei tag (11./12.11.)

• 1951: Bei der Bun des prä si den -

ten wahl er reicht der KPÖ-Kandi -

dat Gott lieb Fia la 20.334 Stim -

men bzw. 3,3 Pro zent (6.5.).

• 1952: Volks be fra gung ge gen

das Mu na-Lager in Stadl-Paura

(9.3.). Bun des wei tes FÖJ-

Pfingst tref fen in Linz (31.5.-2.6.).

Neut ra li täts kon fe renz in Linz

(29.6.), „Kon fe renz für Neut ra lität

und Völ ker ver stän di gung“ in Bad

Ischl (5.10.). Lin zer Kon fe renz

ge gen Kriegs lohn steu er (7.12.).

• 1953: Bei der NR-Wahl er -

reicht die Volks op po si ti on (KPÖ,

SAP, DU) 18.780 Stim men bzw.

3.0 Pro zent (22.2.). 4. Lan des dele -

gier ten kon fe renz.(27./28.6.)

• 1954: KPÖ-Hilfsaktionen nach

Hoch was ser ka ta stro phe. Bei der

AK-Wahl er reicht die GE 8.430

Stim men bzw. 5.8 Pro zent und 5

Man da te (24.10.).

• 1955: Staats ver trag (15.5.);.

Ao. Lan des de le gier ten kon fe renz

(11.9.). Bei der LT-Wahl er reicht

die KPÖ 17.366 Stim men bzw.

2.9 Pro zent, bei der GR-Wahl

14.021 Stim men bzw. 2.4 Pro zent

und 40 Man da te (23.10). Neut rali -

täts ge setz (26.10.). Kampf ge gen

das „Wie ner Me mo ran dum“ nach

Ab schluß des Staats ver tra ges.

in dem Fri seur ge schäft „Sprengs toff“

ge fun den wur de: Eine Bier fla sche mit

Schwarzpul ver. Die Haft Blo de rers

dau er te elf Tage, dann wur de er ent las -

sen, weil „oben“ doch je mand zur Ein -

sicht gelangt sein dürf te, daß die Pro vo -

ka ti on gar zu plump sei, um sie zu ei ner

Af fä re auf zu bla sen. Etwa zur sel ben

Zeit wur de in das Lin zer Lo kal der

„Frei en Ös ter rei chi schen Ju gend“ ein -

ge bro chen und eine Kar tei ent wen det,

die dann zur Be spit ze lung ver wen det

wur de.

In Bad Ischl war es aus Em pö rung

über eine ri go ro se Kür zung der Milch -

zu tei lung zu ei ner stür mi schen De mon -

stra ti on vor wie gend von be trof fe nen

Frau en ge kom men. Das US-Mi li tär ge -

richt versuch te nun, ei ni gen bei der De -

mon stration in Er schei nung ge tre te nen

Män nern und Frau en ei nen „Auf ruhr“

an zu hängen und ih nen au ßer dem an ti -

se mi ti sche Het ze zu un ter stel len. Trotz

der Haltlo sig keit der An kla ge wur den

dra ko nische Ur tei le ge fällt. Der

„Hauptan ge klag te“, der Ju gend funk tio -

när Rai mund Zim per nik, (der 1942 vom

NS-Volks ge richt zu zehn Jah ren Ker ker

ver ur teilt wor den war), wur de zu fünf -

zehn (!) Jah ren ver ur teilt, ein in va li der

ÖBB-Pen sio nist zu fünf Jah ren und so -

gar die 69-jäh ri ge Frau Sams zu ei nem

Jahr.

Der Will kü rakt der An kla ge geht

schon da raus her vor, daß bei der De -

mon stration und der Kund ge bung vor

dem Isch ler Rat haus so wie bei den an -

schlie ßenden Ver hand lun gen Be zirks -

haupt mann Dr. Hodl , Bür ger meis ter

Zep pe zau er und Vi ze bür ger meis ter

Schröp fer mit wirk ten. Die Gen dar me rie

sah keinen An laß ein zu schrei ten. Be -

zeich nen der wei se wur den nur Kom mu -

nis tIn nen ver haf tet, nicht aber be tei lig te

Funk tionä re der an de ren Par tei en.

Ge gen die Ur tei le er hob sich ein Pro -

teststurm, der über Ös ter reich hin aus -

griff. Die US-Be hör den sa hen sich da -

her ge nö tigt, die Ur tei le dras tisch he -

Jo sef Blo de rer (1914-1994) war in

den ers ten Nach kriegs jah ren Lan -

des par tei se kre tär der KPÖ.

rab zu set zen. Da mit wur de do ku men -

tiert, daß die US-Stel len be müht wa ren,

für ei nen schwe ren Feh ler we nigs tens

Scha dens be gren zung zu ver su chen.

Was die US-ame ri ka ni schen Be sat -

zungs be hör den in Wien be son ders alar -

mier te, war die Tat sa che, daß die So zia -

lis ten, ihre ver läss lichs ten Mit strei ter

im Kal ten Krieg, sich un miss ver ständ -

lich ge gen den Isch ler Pro zeß ge wandt

und ihn als kla re Ver let zung der recht li -

chen Sou ve rä ni tät Ös ter reichs ver ur teilt

hat ten. Der Staats an walt des Mi li tär ge -

richts blieb je doch ver bohrt. Der Fall

war der Vor läu fer der sich ver här te ten

Hal tung der ame ri ka ni schen und ös ter -

rei chi schen Be hör den ge gen den Kom -

mu nis mus in Ös ter reich.

For de rung nach Ver staat li chung der Schlüs sel in du strie beim Mai auf marsch

der KPÖ 1946 in Linz.


Ge dan ken zum Ge denk jahr 2005:

Be wäl ti gen statt verdrän gen

Ös ter reich be gehrt den Jah restag

der Grün dung der 2. Re publik im

Jah re 1945 und gleich zei tig den Jah -

res tag der Er klä rung der immer -

wäh ren den Neut ra li tät im Jahre

1955. Bei de Er eig nis se ha ben einen

un trenn ba ren in ne ren Zu sammen -

hang und sind prä gend für die öster -

rei chi sche Iden ti tät und das – anders

als in der 1. Re pub lik feh lende –

staat li che wie na tio na le Selbstbe -

wußt sein der Ös ter rei che rIn nen.

Das Ge denk jahr 2005 drängt aus an -

ge mes se nen his to ri schem Ab stand zum

kri ti schen und selbst kri ti schen Hinter -

fra gen des Ent ste hens der Fak toren, die

für das Wer den und Wach sen der 2. Re -

pub lik maß geb lich wa ren, zeigt sich

doch aus heu ti ger Sicht, daß teilweise

viel zu lan ge be stimm te Aspek te durch

man geln des Hin ter fra gen den Kitt für

po li tisch höchst be denk li che Entwick -

lun gen ab ge ge ben ha ben.

So wur de jahr zehn te lang die Lebens -

lü ge auf recht er halten, wo nach Öster -

reich im Un ter schied zu Deutschland

ein Op fer des Fa schis mus ge wesen sei.

Dies konn te sich da rauf stüt zen, daß

sich die Al li ier ten 1943 im „Moskauer

Me mo ran dum” zum Wie dererstehen

eines selb stän di gen Ös ter reich bekann -

ten. Die Ver pflich tung, daß das österrei -

chi sche Volk ei nen an ge mes senen Bei -

trag zu sei ner Be frei ung vom Faschis -

mus leis ten müs se, wird wohlweislich

über wie gend ver drängt.

Die ser Bei trag wur de zwar ge leistet,

war je doch im Ver gleich zum antifa -

schis ti schen Wi der stand etwa in Frank -

reich, Ita lien oder Ju go sla wien margi -

nal. Haupt säch lich wa ren es die Kom -

mu nis tIn nen, die mit ei nem Blutzoll

von rund 2.200 To ten und vielen tau -

send In haf tier ten und Ver folg ten diesen

Wi der stand leis te ten.

Im Ver gleich dazu war der Wider -

stand aus dem Spek trum der Sozialde -

mo kra tie und der Christ lich-Sozialen

an ge sichts der Grö ße die ser Parteien

ver gleichs wei se ge ring. Bei den Kon -

ser va ti ven er klärt sich dies aus ihrer

Ver stric kung in den Aus tro fa schismus

als Zwil lings bru der des Nazi-Faschis -

mus, bei den So zial de mo kra ten aus der

zwie lich ti gen Hal tung in der nationalen

Fra ge, be trach te ten doch füh rende So -

zial de mo kra ten wie etwa Karl Renner

selbst noch nach der Macht ergreifung

Hit lers Ös ter reich als Teil der deutschen

Na ti on.

Aus heu ti ger Sicht ist zwar die theo -

re ti sche Lei stung des Kom mu nisten Al -

fred Klahr von 1936, näm lich der Nach -

weis der Exis tenz ei ner ei ge nen ös ter -

rei chi schen Na ti on, als mo bi li sie ren des

Ele ment im Wi der stand ge gen den

NS-Fa schis mus zu be wer ten. Gleich -

zei tig ist die se Lei stung in so fer ne zu re -

la ti vie ren, als sie nach 1945 All ge mein -

gut für die Ent wick lung der ös ter rei chi -

schen Iden ti tät wur de und da mit in Ver -

bin dung mit dem „Mos kau er Me mo ran -

dum” es zig tau sen den Nazi-Mit läu fern

und Mittä tern er mög lich te, ihre Mit -

schuld zu ver drän gen.

Die 1946 im Wie ner Künst ler haus

statt ge fun de ne Aus stel lung ”Nie mals

ver ges sen” – ur sprüng lich un ter dem

ein deu tigen Ti tel ”An ti fa schis ti sche

Aus stellung” ge plant – ist ein Pa ra de -

bei spiel für die Aus dün nung des Be grif -

fes “Antifa schis mus” und ver deut licht,

wie schon un mit tel bar nach Kriegs en de

durch die kon sen sua le Zu sam men ar beit

vor al lem von rech ten So zial de mo kra -

ten und ÖVP die wei te ren Ent wick lun -

gen vor weg ge nom men wur den.

So wur den nicht nur der Fa schis mus

vor 1938 – vor al lem die Er eig nis se von

1934 und die Ära des Aus tro fa schis mus

– ge zielt ver drängt, son dern An ti fa -

schis mus auf sei nen an ti deut schen bzw.

an ti preußi schen Aspekt und gleich zei -

tig auf all ge mein-hu ma nis ti sche Aspek -

te ver drängt. Da mit konn te die Mit -

schuld hun dert tau sen der Ös ter rei che -

rIn nen ge zielt ver drängt und die The se,

wo nach Ös ter reich nur Op fer und nicht

auch Täter ge we sen sei, auf recht er hal -

ten werden. Das ist um so mehr von gro -

ßer Trag wei te, als im mer hin 700.000

Ös ter reiche rIn nen Mit glied der NSDAP

ge we sen wa ren - pro zen tu ell mehr als

im ”Altreich” - und auch ge ra de be son -

ders bruta le Ex po nen ten der Nazi-Herr -

schaft aus Ös ter reich ka men, wie die

Bei spiele Kal ten brun ner und Eich mann

be wei sen.

Die Ent na zi fi zie rung nach 1945 er -

folg te in Ös ter reich un ter die sen Aspek -

ten lo gischer wei se for mal und in kon se -

quent. Vor al lem im Be reich der In tel li -

genz, der Kul tur, der Jus tiz war die

Kon ti nuität von der Nazi-Ära zur De -

mo kra tie oft ge ra de zu bruch los. Nach

ei ner zeit wei li gen tak ti schen ”Zu rück -

hal tung” wa ren im ”Tau send jäh ri gen

Reich” füh rend tä ti ge Per so nen wie der

voll ak tiv, ganz so, als ob nie et was ge -

sche hen wäre.

Im Be reich der Po li tik war das Buh -

len um die ehe ma li gen Na zis be son ders

ab sto ßend. Ein Ex pe ri men tier feld da für

war das Wer ben um die Kriegs heim -

keh rer. Dies ver qick te sich an ge sichts

Seite 19

des auf kom men den An ti kom mu nis mus

und des ”kal ten Krie ges” mit der Zu ord -

nung ei nes Feind bil des für die Sow jet -

union, der nicht nur die schlep pen de

Ent las sung von Kriegs ge fan ge nen, son -

dern auch Über grif fe in ih rer Be sat -

zungs zo ne und die ”Un frei heit” der Be -

sat zungs zeit fak tisch al lei ne zur Last

ge legt wur de.

Der 2. Welt krieg wur de als Ös ter -

reich aus schließ lich auf ge zwun gen in -

ter pre tiert, da mit alle Kriegs teil neh mer

schlecht hin von per sön li cher Mit schuld

und Ver ant wor tung frei ge spro chen.

Trau ma ti sche Kriegs er leb nis se wie Sta -

lin grad war für vie le An laß zum Um -

den ken, aber im Kern doch nur für ein

un po li ti sches, das nicht ein Hin ter fra -

gen der Wur zeln des Krie ges zum In halt

hat te.

So ge se hen ist es auch kein Wun der,

daß heu te mehr denn je da von ge spro -

chen wird, daß ”wir” den Krieg ver lo -

ren hät ten, eben so wie nicht das Jahr

1945, son dern das Staats ver trags-Jahr

1955 als das ”Jahr der Be frei ung” an ge -

se hen wird. All zu vie le Ös ter rei cher, die

sich zwar un mit tel bar nach der tat säch -

li chen, von den Al li ier ten be wirk ten,

Be frei ung als Op fer prä sen tiert hat ten,

wa ren in Wirk lich keit Tä ter oder zu -

min dest Mit tä ter und eine wirk li che

Läu te rung wur de ih nen er spart.

Die Heim keh rer po li tik der ers ten

Nach kriegs jah re war da mit in Wirk lich -

keit das Buh len um ehe ma li ge Na zis,

der Heim keh rer my thos dien te ge zielt

zur Ver drän gung des My thos der

KZ-Haft und da mit zur Ver drän gung

der Wi der stands kämp fer und wirk li -

chen Op fer des Fa schis mus aus füh ren -

den Po si tio nen. Die ge ziel te Aus schal -

tung der kom mu nis ti schen und links so -

zia lis ti schen Kräf te in der Po li zei un ter

dem SP-In nen mi nis ter Hel mer ver an -

schau licht das klar und deut lich.

Auch der My thos des Wie der auf bau -

es wur de auf die se Wei se zu ei ner Le -

bens lü ge der 2. Re pub lik. Viel fach wur -

de Wie der auf bau als Aus druck na tur ge -

ge be ner Zyk len von Zer stö rung und

Auf bau dar ge stellt. Un ter dem Stich -

wort ge mein sa mer hö he rer Zie le wur de

die In te gra ti on der ehe ma li gen Na zis

voll zo gen und da durch ein unan ge neh -

mes Hin ter fra gen der Ur sa chen des Fa -

schis mus und der Mit ver ant wor tung

bei sei te ge scho ben.

Daß man in der ers ten Zeit bei die -

sem Wie der auf bau den Kom mu nis ten

die schwie rigs ten Re fe ra te wie Woh nen

und Er näh rung zu schob, ent behrt da bei

nicht ei ner ge wis sen Lo gik - war da bei


Seite 20

doch we nig Lor beer zu ern ten und das

da für not wen di ge En ga ge ment verhin -

der te eine kri ti sche re Aus ein anderset -

zung.

Das Sym bol schlecht hin für den My -

thos des Wie der auf baus ist das (bereits

in der Nazi-Ära be gon ne ne Kraftwerk -

spro jekt) Ka prun: Nicht nur, daß dieses

Kraft werk spro jekt kei ne ös terreichi -

sche Er fin dung war, son dern seine Idee

aus Deutsch land kam und sei ne Anfän -

ge noch in der Hit ler-Ära ge tä tigt wur -

den. Ka prun war auch der Sammel -

punkt von De spa ra dos al ler Art - ehe -

ma li ge Na zis, Kriegs heim keh rer, ent -

wur zel te KZ-Häft lin ge usw. Gemein -

sam mit den re gie rungs of fi ziell entwi -

ckel ten ”Ka prun-Geist” wur de damit

eine Wasch an la ge für gute Ös terreicher

ge schaf fen, die nach Ab schluß des Pro -

jekts als eta bliert und an ge paßt in die

”Nor ma li tät” ent las sen wur den und de -

nen die öf fent li che An er ken nung sicher

war.

Be zeich nend für den Geist der 2. Re -

pub lik ist auch, daß vie le, die 1938 ins

Exil gin gen oder ge drängt wur den, nach

1945 nicht (aus rei chend) zur Rückkehr

er mu tigt wur den. Das stellt ein eindeu -

ti ge Tri but an den ver blie be nen Geist

des Fa schis mus und An ti semitismus

dar.

Als ge ra de zu klas sisch für die ”Lern -

fä hig keit” der eta blier ten Po li tik in der

2. Re pub lik ist die ”Be wäl ti gung” der

trau ma ti schen Er eig nis se des 12. Febru -

ar 1934. Nie wie der, so tönt es bis heute

von den Spit zen der So zial demokratie

wie der Kon ser va ti ven, soll aufeinander

ge schos sen wer den. Dazu wird der

”Geist der La ger stra ße”, dem beide Sei -

ten nach dem ”An schluss” von 1938 un -

ter wor fen wur den, be schwo ren und die

Schluss fol ge rung ab ge lei tet, sich über

die Grä ben hin weg die Hän de zur Ver -

söh nung zu rei chen.

Prak ti sche Schluss fol ge rung daraus

war die Eta blie rung der So zialpartner -

schaft, vom ers ten ÖGB-Präsidenten

Böhm un ter das tref fen de Motto „Wir

sit zen am glei chen Ast” ge stellt und da -

her an fangs auch tref fend als Ast-Poli -

tik de fi niert. So alt wie die se Politik -

die es in Spiel ar ten, wenn auch nicht als

In sti tu ti on auch in an de ren Län dern gibt

– ist auch die Kri tik da ran.

Nun geht es nicht dar um, daß Ge -

werk schaf ten und Ar bei ter kammern

kei ne Ver hand lun gen mit der Unterneh -

mer sei te füh ren kön nen, dür fen, sollen.

Das müs sen sie in Sach fra gen sogar.

Wo rum es aber bei der ös ter rei chischen

Va rian te geht, ist die Eta blie rung der

So zial part ner schaft als vor- und außer -

par la men ta ri sches Sys tem, als Instituti -

on und da mit auch eine Ent wer tung des

im mer so hoch be schwo re nen Parla -

men ta ris mus.

Ge ra de die se per ma nen te Ein bin -

dung – von Kreis ky als ”Sub li mie rung

des Klassen kamp fes” be zeich net – be -

deu tet aus heu ti ger Sicht im mer un ver -

kenn barer eine Schwä chung der Ar bei -

ter be wegung, weil sie ih ren Spiel raum

im mer den In ten tio nen des Ka pi tals un -

ter ge ordnet hat. Da mit ver bun den ist

un trennbar auch die brei te Ent po li ti sie -

rung.

Auf den Punkt ge bracht, ha ben die

eta blierten Po li ti kern den Men schen

seit Anfang der fünf zi ger Jah re ge sagt:

”Wählt uns, ver traut uns, aber küm mert

euch nicht um die Po li tik, da für sor gen

wir!” Solan ge der Ver tei lungs spiel raum

groß genug war, funk tio nier te die ses

Prin zip der Stell ver tre ter po li tik - des sen

Kehr seite die Ent wöh nung von der Po -

li tik und dem ”nor ma len” po li ti schen

Kon flikt ist - auch ohne grö ße re Frik tio -

nen.

Seit Mit te der acht zi ger Jah re ist das

frei lich an ders, da raus er klärt sich auch

un ter ande rem der Auf stieg Jörg Hai -

ders und sei ner Art von Po li tik. Die So -

zial partner schaft ist so ge se hen ge ra de -

zu der Nähr bo den für rechts las ti gen Po -

pu lis mus. Daß ge ra de in Ös ter reich eine

sol che ”Par tei neu en Typs” - die sich

sel ber ger ne als Be we gung sieht - ei nen

im eu ropäi schen Ver gleich be son ders

gro ßen Auf schwung neh men konn te,

re sul tiert da raus. Der Vor teil des ”so -

zia len Frie dens” ist nur ein schein ba rer

und ein auf ge scho be ner. Der Pen del -

schlag ist da für umso stär ker.

In halt lich be deu tet So zial part ner -

schaft vor al lem auch ein Prin zip der

Ein- und Un ter ord nung. Da mit wur de

fast nahtlos an die stän di schen Ele men -

te der vor he ri gen Epo chen an ge knüpft,

etwa am Stän de staat der Aus tro fa schis -

ten oder an Hit lers Be triebs ge mein -

schaf ten. Kri tik an der So zial part ner -

schaft muß te da her zwangs läu fig im mer

grund sätz lich sein. Und es spricht für

den In halt die ser Po li tik, daß die Po le -

mik gegen Kri ti ker be son der scharf

war. Das gilt vor al lem für die KPÖ, die

die ses Sys tem von An fang an in Fra ge

ge stellt hat, wenn gleich sie mit ih rer

Kri tik auch die un ter Be ru fung auf die -

ses Prinzip durch den Wirt schafts auf -

schwung mög lich ge wor de nen Ver bes -

se run gen für die Lohn ab hän gi gen un -

ter schätzte und da durch viel fach ins

Lee re traf.

So zial part ner schaft ist aber auch

ohne ein wei te res Ele ment der 2. Re -

pub lik nicht denk bar, den Pro porz. Re -

sul tie rend aus der Ge mein sam keit der

drei an tifa schis ti schen Par tei en bei der

Wie dergrün dung der Re pub lik und un -

ter Be rufung auf den ”Geist der La ger -

stra ße” be gan nen SPÖ und ÖVP mit

gleich zeiti ger Ver drän gung der KPÖ

aus der Mit ver ant wor tung die Schalt -

stel len des Staa tes bis hin un ter auf die

Ebe ne der klein sten Ge mein den fein

säu ber lich nach Ein flusssphä ren auf ge -

teilt mit ih ren Par tei mit glie dern zu be -

set zen.

Es ist so ge se hen kein Zu fall, daß

Ös ter reich bis heu te den höch sten An -

teil von Par tei mit glie dern an der Be völ -

ke rung im eu ro päi schen Ver gleich hat.

So gar eine der bei den Groß par tei en für

sich ge nom men hat te in ih ren Blü ten -

zei ten pro zen tu ell mehr Mit glie der als

so man che an ge fein de te „Staats par tei”

in ei nem ehe dem so zia lis ti schen Land.

Die Kehr sei te ist frei lich eine völ li ge

Ent wer tung der po si ti ven Aspek te ei nes

En ga ge ments für eine po li ti sche Par tei.

Mit glie der wur den (und wer den) meist

nur als Fuß volk und Stimm ma schi ne

ge se hen, nicht als po li tisch han deln des

Sub jekt. Kein Wun der, daß mit dem

Ende des Ver tei lungs spiel raums die

ein fa che Rech nung ”Par tei mit glied -

schaft als Ge gen lei stung für Ar beit,

Woh nung, Auf stieg etc.” nicht mehr

funk tio niert und po li tisch ent mün dig te

Men schen dann ihr Heil in rech ten De -

ma go gen se hen.

Si cher lich re sul tier te die se Form der

So zial part ner schaft auch aus der

Schwä che der ös ter rei chi schen Bour -

geoi se, die aus dem Zu sam men bruch

der Habs bur ger-Mon ar chie 1918

stammt. Da raus ist so wohl er klär bar,

daß in der Grün dungs pha se der 1. Re -

pub lik ver gleichs wei se gro ße so zial po -

li ti sche Er run gen schaf ten durch ge setzt

wer den konn ten, als auch, daß nach

1945 be deu ten de Tei le der ös ter rei chi -

schen In du strie man gels ka pi tal kräf ti -

gen hei mi schen Un ter neh mer tums ver -

staat licht wur den.

Da raus er klärt sich aber auch, daß

die ös ter rei chi sche Bour geoi sie bis heu -

te - auch wenn pha sen wei se un ter -

schied lich aus ge prägt - als Ju ni or part -

ner des deut schen Ka pi tals agiert. Etwa

vor 1938, als Ös ter reich für den ”An -

schluss” sturm reif ge macht wur de.

Oder nach 1989, wo Ös ter reich un ter

Zu hil fen ah me sei ner ”his to ri schen” Er -

fah run gen und Kon tak te mit Ost eu ro pa

als ”Ko lo ni al be hör de” Deutsch lands

agiert.

Leo Furt leh ner

• An mer kung: Die ser Bei trag wur de

an läss lich 50 Jah re Be frei ung vom Fa -

schis mus im Jah re 1995 ge schrie ben. Er

ist heu te, zehn Jah re spä ter, ge nau so

gül tig.

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