Presseinfo - steinle contemporary

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Presseinfo - steinle contemporary

Kurfürstenstrasse 29 | 80801 München | T + 49 89 28 78 80 80 | galerie@steinle-contemporary.de

Videostill: Anna Jermolaewa „3 Minuten Überlebensversuche“ , 2000

Videolounge 2010 | Intriguing Pictures

Opening | Eröffnung

Donnerstag, 28. Januar, 2010 ab 18 Uhr

Kuratiert von Eva Kraus und Stefanie Manthey

Featuring >>

Anina Brisolla/ Johannes Evers/ Gordon Hogan/

Anna Jermolaewa/ Ebru Özseçen/ Daniel Permanetter/

Johanna Reich/ Susanne Wagner//

Finissage | Kuratorinnengespräch

mit Eva Kraus und Stefanie Manthey

Donnerstag 4. März 2010, 19 Uhr

Die Videolounge ist das jüngste Format innerhalb des

Ausstellungsprogramms von Steinle Contemporary. Darin

werden KünstlerInnen gezeigt, die konsequent und

reflexiv mit Video arbeiten. Sie verdichten einfach gehaltene

Einstellungen und knappe Plots zu eindringlichen

Bildern mit einer inhaltlichen Intensität, die sich von der

Laufzeit entkoppelt. Die Arbeiten vereint die Suche ein

Phänomen zu fassen, das sich aus dem Anschauen ins

Denken und Fühlen hinein verlängert.

Ein massiver Tisch aus Holz steht quer im Raum.

Darauf stehen sechzehn baugleiche Fernsehmonitore

einander in zwei Reihen gegenüber. An diese ist jeweils

ein Kopfhörer angeschlossen und sie sind jeweils mit

einer Sitzgelegenheiten ausgestattet – die dazu einladen,

vor den Arbeiten einzeln zu verweilen.

Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 12-18 Uhr, Samstag 12-15 Uhr, oder nach Vereinbarung.

An Feiertagen, während der Schulferien oder zu Messezeiten nur nach Vereinbarung.


Kurfürstenstrasse 29 | 80801 München | T + 49 89 28 78 80 80 | galerie@steinle-contemporary.de

Videolounge 2010 | Intriguing Pictures

Das für die Videolounge gewählte Display integriert

die Einzelpräsentation von acht KünstlerInnen mit je

zwei Arbeiten zu einer einheitlichen Gesamtpräsentation.

Ununterbrochen laufen sechzehn Videoarbeiten

in Loops. Die Präsentationssituation reagiert auf das

kuratorische Konzept, intensive Bildwelten vorzustellen:

Intriguing Pictures. Die themenorientierten Situationen

sind minimal und zeitbasierend gehalten, um eine maximale

Konzentration auf die Inhaltlichkeit der einzelnen

Arbeiten zu gewährleisten.

Die manifesten Inhalte der hier gebotenen

Bildlichkeiten lassen sich schnell erfassen und kommunizieren.

Deren latenter Inhalt erschließt sich erst

dann, wenn man sich auf die konkreten Situationen

emotional einlässt. Dort angekommen werden sensitive

Gehalte gewichtiger, abstrakte Strukturen unschärfer,

Sinn ungreifbarer und Zeit in Richtung auf ein Szenario

der Leere hin entlinearisiert. Verwirrt-Sein wird als ein

intensiver Zustand im Repertoire menschlicher Zustände

erfahrbar. Er kann als Impuls verstanden werden,

sich selbst im Umgang mit grundsätzlichen Problemstellungen

selbst- und welterforschend zu erproben

und die gleichermaßen verstörenden wie befreienden

Erfahrungen in assotiative Plots zu übersetzen. Diese

Plots dienen dazu in kleiner Form großen Themen und

Fragen nachzugehen.

Der von Microsoft mitgelieferte Bildschirmschoner einer

saftigen Wiesenlandschaft mit strahlendem Himmel ist

fest im kollektiven Bildgedächtnis verankert. In Anina

Brisollas (*1976 / Hamburg, lebt und arbeitet in Berlin)

Arbeit „Gottes Kante“ (2008/09) wird er unweigerlich

identifiziert. Im Standard jedoch kommt nicht vor, dass

sich diese Landschaft innerhalb eines simulierten

Tagesablaufs verändert und schließlich in zwei aneinander

grenzende blau und grüne Farbflächen übergeht,

bevor diese sich in überdimensionierte Pixel zersetzt.

(Wetter-)Katastrophen gelangen als dramaturgisch aufbereitete

Bilder in Zonen der Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit.

Sie demonstrieren eine Klarsicht mit Fokus auf

Geschehnisse, die als vordergründig und effektorientiert

bezeichnet werden kann.

Diesen Mechanismen vereinfachender Auseinandersetzung

setzt Brisolla in „Amok“ (2009) eine,

in Pastelltönen gehaltene Sequenz entgegen, die von

einem comicartigen Wesen durchquert wird, dessen

Kopf Nebelschwaden nicht entkommen kann, während

im Hintergrund Katastrophenbilder durch den tonigen

Schleier hindurchschimmern.

Es gibt keine zuverlässigen Berichte darüber, in welchem

Verhältnis Robert Allen Zimmerman (*1941) alias

Bob Dylan) und Daniel Permanetter (*1977 / Starnberg

– lebt und arbeitet in München) zueinander stehen. In

den Videoarbeiten (u.a. „My 115th Dream“, 2008 und

„The Beauty Parlor“, 2010) treffen sie immer wieder in

kurzen, alltäglichen Settings aufeinander: Im Bus, im

Kino, ohne einander auf glaubwürdige Weise näherzukommen.

Was sie miteinander verbindet ist etwas

zutiefst Menschliches. Die Unmöglichkeit, davon abzulassen,

eigene Beobachtungen zu formulieren und sich

über das Erzählen von Geschichten mit den großen,

letztlich unbeantwortbaren Fragen nach Leben, Liebe,

Schönheit und dem Tod zu beschäftigen. Unerschöpfliche

Themen, zu denen Bob Dylan sich fast ausnahmslos

mindestens einmal auf pointierte Weise geäußert hat.

Anna Jermolaewa (*1970 / St. Petersburg – lebt und

arbeitet in Wien) greift erst zur Kamera, wenn sich im

Kopf geklärt hat, was vor der Kamera stattfinden soll.

Eine Nachvertonung kommt für sie konzeptuell nicht

in Frage. Die Videoarbeit ist mit der Sequenz identisch,

Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 12-18 Uhr, Samstag 12-15 Uhr, oder nach Vereinbarung.

An Feiertagen, während der Schulferien oder zu Messezeiten nur nach Vereinbarung.


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Videolounge 2010 | Intriguing Pictures

in der die treibende Idee die bestmögliche Umsetzung

erfahren hat. Und diese kann in ihrer konzeptionellen

Schärfe und Ambivalenz von ihr auch in alltäglichen

Situationen vorgefunden, und deswegen aufzeichnet

werden. Eine Gruppe von Stehaufmännchen ist unkalkulierbaren

Einwirkungen auf ihr Stehvermögen ausgesetzt.

Sie brechen ab, nachdem es restlos alle Exemplare

aus dem Sichtfeld geschossen hat: „Drei Minuten

Überlebensversuche“ (2000).

Ein erigierter Penis nähert sich einem Kippschalter,

drückt ihn in die Stellung, die eine Lichtquelle

aufleuchten lässt und entfernt sich. Er nähert sich

wieder dem Kippschalter, betätigt ihn und schaltet die

Lichtquelle aus: „On / Off“ (1999).

Ein schwarz auf weißer, typografisch gestalteter Titel,

wie man ihn aus alten Kinofilmen kennt, kündigt eine

Figur an, die durch eines von William Shakespeares

Dramen Bühnengeschichte geschrieben hat. „Perikles“

(2009) findet in einer Dachbodensituation statt, die

als Resonanzraum dient. Aus eine Figur quillt für eine

Sequenz schallendes Gelächter heraus und durchzeichnet

deren Körpersprache, bevor sie mit dem Schriftzug

„Fine“ ihr vorläufiges Ende findet. Der wohl berühmteste

Ausspruch der Figur Perikles lautet: „Few love to hear

the sins they love to act“. Ihr Interpret in diesem Fall ist

Gordon Hogan (1978 / Limmerick, IR – lebt und arbeitet

in München).

In seiner aktuellen Videoarbeit („Everthing‘s

Gone“, 2009) betätigt er sich darstellerisch mit maximalem

Körperseinsatz und Stimmgebrauch in allen Rollen,

die entstehen, wenn es zu einer mehr oder minder

mutwillig herbeigeführten Katastrophe kommt. Restlos

zugrunde geht die in Modellgröße gebaute skulpturale

Arbeit des Künstlers „Small Town“ (2009). Der Schauplatz

wird von Kamerateams heimgesucht: „Everyone‘s

dead, everything‘s gone.“: Time to do a new work...

Einem Strahl aus Erdbeermark zuschauen können,

während er in ein metallenes Behältnis einfließt und

zusammen mit saurer Sahne zu einer schaumigen, feinporigen

Masse geschlagen wird. In diese Nähe zu einem

handwerklichen Vorgang, der viel Einfühlungsvermögen

und Erfahrung mit Lebensmitteln und deren Konsistenzen

voraussetzt, versetzt Ebru Özseçen (*1971 / Izmir

– lebt und arbeitet in München) den Betrachter in ihrer

Arbeit „The Turn on“ (1998). Die Strenge des gewählten

Ausschnitts geht so konsequent mit einem Verzicht auf

Kontextinformationen einher, dass die formalen, verführerischen

Qualitäten sichtbar werden, die im Erstellen

von Köstlichkeiten im Konditorenhandwerk liegen.

Eine stark verschattete, überwachsene Ebene

wird von zwei Arten von Vögeln bevölkert. Sie rangeln

um Brotmengen, die in diese unklare Ebene eingelagert

sind, setzen zum Flug an, lassen sich mit der Thermik

treiben und wieder absinken, um sich einen Teil der ausgestreuten

Nahrung zu sichern: „Bread Birds“ (2006).

Ein Nahblick auf Grasnabe und Grashalme, Himmel und

Weite, Geräsche eines Kicken und Kullern in den Ohren:

„Fleeting Glimpse Green“ (2009). Johanna Reich (*1977

/ Minden – lebt und arbeitet in Köln) führt kontinuierlich

Zwiegespräche mit der Kamera und involviert sich dabei

in vorkalkulierte und unkalkulierbare Situationen und

Settings gleichermaßen. Innerhalb dessen eroiert sie

Einstellungsweisen, die durch Kameras fixiert werden

und längst nicht alles einfangen, was beachtenswert

ist. Es sind Fragen danach, welche Bildlichkeiten unsere

Wahrnehmung überlagern, hinterfangen und notwendigerweise

zu betasten und zu zerschneiden sind.

Für die Arbeit „Kassandra“ (2008) hat sie

Found Footage aus dem Stummfilmklassiker „Doktor

Mabuse“ (1921/1922) von Fritz Lang verwendet: Die

Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 12-18 Uhr, Samstag 12-15 Uhr, oder nach Vereinbarung unter +49 177 3813915.

An Feiertagen, während der Schulferien oder zu Messezeiten nur nach Vereinbarung (s. www.steinle-contemporary.de).


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Videolounge 2010 | Intriguing Pictures

Enface-Aufnahme eines androgynen Gesichts, dessen

weit aufgerissene Augen stark konturiert sind. Diese

Bildlichkeit wird wie eine enganliegende Maske hörbar

so lange löchrig zerschnitten, bis kurz der Blick auf eine

darunterliegende Gesichtsfläche freigegeben wird. Die

aufgezeichnete Figur mit zwei Gesichtern, lässt sich im

mythischen Bereich lokalisieren. Es ist das überlieferte

Schicksal der Kassandra mit ihrer seherischen Gabe auf

Unverständnis und Ausgrenzung gestoßen zu sein.

Eine 360º Kamerafahrt wird von Fliegengeräuschen

begleitet, die plastisch in den Ohren surren. Es dauert,

bis sich die Augen an die Dunkelheit gewohnt haben

und bemerkt werden kann, dass die Kamera an Stoffbahnen

entlangfährt, die Rückenfigur einer weiblichen

Klavierspielerin streift, die die bekannte Melodie Frédéric

Chopins „Regentropfenprélüde“ (1810-1849) spielt

und sich der Blick auf leuchtende Stoffe in den Farben

des Regenbogens richtet. Eine Situation voll Spannung,

wie sie vor dem Ausbruch eines Gewitters herrscht: „Und

sie dreht sich doch“ (2008). Die Arbeiten von Susanne

Wagner (1977 / München, lebt und arbeitet in München)

sind um eine Figur oder mehrere Figuren gebaut, die in

ihren psychologischen Gehalten und Tiefenschichten

porträthaft vorgestellt werden – in dieser dreht es sich

um sie selbst.

Setting ihrer aktuellsten Arbeit ist ein Gerichtsgebäude

mit Innenhof und monumentalen Treppenaufgängen.

Porträtiert wird eine Figur in zwei physisch

identischen Erscheinungsformen, hastend und stürzend,

sich nicht mehr zu einem Körper zusammenfügen

lässt, sondern in einer Art schizoidem Zustand

auseinander driftet und dabei von einem mentalen Bild

nicht loskommt, dem Fallen eines Steins aus relativer

Höhe: „Sisyphos“ (2009). Figuren dieser Art haben ihre

Entsprechung wie in der Literatur und den darin ausgelösten

Leseerfahrungen von Frank Kafka.

Johannes Evers (*1976 / München, lebt und arbeitet in

München) ist im Begriff, sich Meisterwerke anzueignen,

die fest im kollektiven Bildgedächtnis verankert sind. Er

stellt sie nach und zeichnet gleichzeitig die damit einhergehende

Bemühungen auf. Sein Repertoire umfasst

bis dato die Laokoon-Gruppe, die Pietà und ein üppiges

„Stillleben“ (2009) mit Schweinskopf. Die Schule von

Athen ist in Arbeit. Immer mit ihm als meist nacktem

Arrangeur und der Kamera in einer Auflösung, die alles

an Haut und Fleischlichkeit zeigt, was in den geglätteten

Bildlichkeiten nicht vorkommt. Das ist ebenso

ausdruckshaltig wie ungewohnt und daher stark darin,

emotionale Reaktionen auf Bildlichkeiten auszulösen. In

der Zeit, die wir heute Barock nennen, konnte man als

Künstler nur reüssieren, wenn man es mit den eigenen

Arbeiten schaffte, Gefühle auszulösen. Die Auseinandersetzung

mit dem Emotionshaushalt sucht Evers auch in

„Narziss“ (2009), wenn er eine Latexmenbram in eine

runde Öffnung spannt und von der Kamera aufzeichnen

lässt, wie er nackt durch diese zu stoßen sucht, ohne

dass es gelingt.

Die Besucher der Ausstellung sind als geladene Gäste

gedacht, die sich ihren Platz aussuchen können, um

der Frage nach „intriguing pictures“ in einem Rhythmus

nachzugehen, der ihnen entspricht und die Dosis selbst

wählen zu können.

Um dem Interesse zu begegnen, mehr darüber

zu erfahren, wie die acht Künstler über sich und ihre

Arbeitsweise sprechen, wurden für die Ausstellung

eigens Interviews geführt und aufgezeichnet, die im

hinteren Teil der Galerie angeschaut und angehört werden

können.

Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 12-18 Uhr, Samstag 12-15 Uhr, oder nach Vereinbarung unter +49 177 3813915.

An Feiertagen, während der Schulferien oder zu Messezeiten nur nach Vereinbarung (s. www.steinle-contemporary.de).

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