„Ich möchte den Kindern eine Zukunft geben“ - wortundtat

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„Ich möchte den Kindern eine Zukunft geben“ - wortundtat

Heinz-Horst Deichmann (83) über sein Hilfsprojekt in Indien

„Ich möchte den

eine Zukunft

Europas größter

Schuhhändler

war zutiefst

erschüttert von

den Zuständen in

Indien. Er gründete

ein Hilfswerk und

unterstützt die

Ärmsten der Armen

Hoffnung

schenken

… und die Kinder aus

Armut, Arbeit und

Hunger befreien – hat

sich Deichmann zum

Ziel gesetzt. Diese

Jungen und Mädchen

erhalten in einer seiner

Tagesstätten Kleidung,

Unterricht und Essen.

Oft ist es die einzige

Mahlzeit am Tag

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Text: Dr. Heinz-Horst Deichmann

Kindern

geben“

Freunde sagten mir 1977: „Komm

doch mal nach Indien. Schau dir

das mal an.“ Und dann saßen auf

einmal 500 Leprakranke vor mir,

denen es nicht so gut ging, wie es

ihnen heute geht. Sie saßen da mit entstellten

Gesichtern, mit Gliedmaßen ohne

Hände, Finger, Füße, zum Teil blind,

schrecklich anzusehen! Man hätte weglaufen

wollen.

Da erinnerte ich mich daran, dass Jesus

Christus diese Kranken angerührt hat. Er

hat sie geheilt, indem er die Ausgestoßenen

der Welt anrührte. Er hat sie geliebt. Und

da habe ich gemerkt, dass man nicht über

die Botschaft der Bibel sprechen kann ohne

innere Anteilnahme, ohne innere Bewegung,

ohne dass sich „die Eingeweide in

einem umdrehen.“ So steht es in der Bibel,

wenn Jesus sich erbarmte.

Diese Kranken sind in einer doppelt

bedauernswerten Situation: Sie sind ausgestoßen

von der Gesellschaft, in der sie leben,

weil diese annimmt, dass sie mit dem

Fluch der Götter belastet sind. Und sie

selbst sehen ihre Krankheit als Fluch, als

ihr Geschick, ihr Karma, weil sie meinen, in

einem früheren Leben gesündigt zu haben.

Und dann haben wir angefangen, diesen

Aussätzigen, den Heimatlosen eine Heimat

zu geben. Das war der Beginn von „Wort

und Tat“. Es wurden Dörfer eingerichtet, in

denen sie leben und arbeiten können.


Exklusiv

Autor

Gelebter

Glaube

Heinz-Horst

Deichmann (83)

beim Besuch einer

indischen Schule.

Der Unternehmer

ist überzeugt, die

christlichen Werte

müssen gelebt

werden: „Gott wird

mich am Ende

nicht fragen, wie

viele Schuhe ich

verkauft habe.

Er wird wissen

wollen, ob ich wie

ein wahrer Christ

gelebt habe.“

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„Dann fingen

wir an, diesen

Aussätzigen

eine Heimat

zu geben“

Heinz-Horst Deichmann

Denn nicht Betteln ist die Würde des Menschen,

sondern arbeiten. Der Dienst an den

Leprakranken ist rasch ziemlich groß geworden.

Er wurde eingebunden in das Lepra-Ausrottungsprogramm

der indischen

Regierung. Wir machten die ersten Feldstudien

mit neuen Medikamenten, mit denen

man die Krankheit heute ausrotten kann.

Parallel dazu hat „Wort und Tat“ Gemeinden

gegründet. Bei meinen Besuchen erlebe

ich es Jahr für Jahr, dass sich Hunderte

von Menschen zu Gott bekehren, sich taufen

lassen und so erfahren, dass ihr Leben

neu wird. Dann werden Tausende von

Kindern in Schulen und in Wohnheimen

versorgt. Einige Schulen bieten auch

Berufsausbildungen an, denn die Kinder

und Jugendlichen sollen in ihren Heimatdörfern

ihren Unterhalt verdienen können.

Das können sie durch die verschiedensten

Handwerke, die dort gebraucht werden.

Sie lernen Automechaniker, Schreiner oder

Schuhmacher. Oder werden ausgebildet

für die Arbeit an Computern. Wir wollen

ihnen eine Zukunft geben.

Ich bin überzeugt, dass wir mit unseren

Gaben und Talenten, mit unserem Geld,

mit allem wirklich Wucher treiben sollen –

um anderen zu helfen.

Die Würde meiner Arbeit liegt nicht in

meiner Stellung, die ich habe, sondern

darin, wie ich meine Arbeit ausführe. Ich

werde am Ende des Lebens nicht gefragt,

ob ich Verkäufer oder ob ich Chef war, sondern

ob ich diese Arbeit mit ganzer Hingabe

und ob ich sie treu getan habe – und

ob dabei etwas ausgerichtet wurde. n

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Behinderten wieder

Lebensmut schenken

Behinderte sind in Indien meist

nicht in die Gesellschaft integriert.

Diese blinden Mädchen lernen

an Deichmanns Schule in

Bommuru. Und führen hier gerade

einen einstudierten Tanz vor


Hilfe zur Selbsthilfe

Stolz auf ihr Können an der Nähmaschine

ist diese Mutter. Frauen

haben kaum Rechte. Damit sie

unabhängiger von ihren Männern

werden, erhalten sie bei „Wort und

Tat“ eine Ausbildung zur Näherin

Kliniken für die Armen

Indien ist eines der Länder mit

der höchsten Infektionsrate an

Kinderlähmung. Dr. Heinz-Horst

Deichmann hat selbst Medizin

studiert – in seinen Kliniken

werden alle gratis behandelt

So hilft „Wort und

Tat“ in Indien

Das private christliche Hilfswerk

„Wort und Tat“, das der Unternehmer Heinz-

Horst Deichmann 1977 gegründet hat, ist

mit seiner Partnerorganisation AMG India

im südlichen Bundesstaat Andrhra Pradesh

tätig. Dort leben Millionen Menschen in

großer Armut auf dem Land und in den

städtischen Elendsvierteln (Slums).

Mehr als 100 000 Menschen werden

inzwischen vom Hilfswerk unterstützt –

vom Baby bis zur Greisin. Säuglinge

bekommen ihre tägliche Milchration, Kinder

eine kostenlose Schul- und Berufsausbildung.

„Wort und Tat“ unterstützt Existenzgründer

mit Kleinkrediten, finanziert

Alphabetisierungskurse für Erwachsene,

Gesundheitsstationen und Kliniken.

Zudem bewahren „Feierabendhäuser“ alte

Menschen davor, betteln zu müssen.

Über die Arbeit von „Wort und Tat“

berichtet der Bildband „Hoffnung geben! –

Wie Hilfe zur Selbsthilfe in Indien und

Tansania möglich ist“ (SCM-Verlag,

14,90 Euro). Das Hilfswerk ist auf Spenden

angewiesen. Infos unter Tel.: 02 01/67 83 83

und im Internet: www.wortundtat.de

Zur Schule gehen dürfen – das ist ein Geschenk

Viele Schulen in Indien verlangen Schulgeld. Hinzu kommen Kosten

für Kleidung, Bücher und Hefte – das können sich arme Familien nicht

leisten. Für sie hat das Hilfspojekt fünf kostenlose Schulen gebaut

Fotos: wortundtat (5), HGMPress (1); Karte: SEHKart

Deichmann –

die Erfolgsgeschichte

Von der kleinen Werkstatt

zur größten Handelskette für

Schuhe in ganz Europa

Gegründet wurde die firma 1913 von

Heinrich Deichmann mit einer Schuhmacherwerkstatt

in Essen. Nach dessen Tod

1940 übernahm seine Frau Julie die

Geschäftsführung. Schon früh half der Sohn

Heinz-Horst Deichmann im Unternehmen,

übernahm 1956 die Leitung und zahlte

seine vier Schwestern aus. Heinz-Horst

Deichmann (heute 83) promovierte nicht

nur als Mediziner, unter seiner Leitung entwickelte

sich das Unternehmen auch zum

Marktführer im deutschen und europäischen

Schuheinzelhandel. Heute zählen zur

Deichmann-Gruppe mehr als 2 700 Filialen

in allen Teilen Europas und den USA. Seit

1999 hat Deichmanns Sohn Heinrich-Otto

(47) den Vorsitz der Geschäftsführung inne.

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