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Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Inhalt

Geleitwort und Dank 4 – 5

Leistungsbericht 6 – 15

Fokusbericht 16 – 21

Kennzahlen 22 – 25


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Geleitwort und Dank

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Geschätzte Damen und Herren Aktionäre

Die Matterhorn Gotthard Bahn hat 2009 total 6,32

Millionen Fahrgäste zwischen Zermatt und Disentis

befördert. Das ist die zweithöchste Fahrgästezahl in

der Geschichte des Unternehmens. Der Glacier Express

hat im abgelaufenen Geschäftsjahr zwar unter

der Wirtschaftskrise, Ängsten vor der Grippepandemie

und negativen Währungseffekten gelitten. Die

Nachfrage im Regionalverkehr war aber annähernd

gleich hoch wie im Rekordjahr 2008 (–1,7 Prozent).

Das ist erfreulich und deutet darauf hin, dass die

Nachfragesteigerung, welche die bessere Anbindung

durch den Lötschberg-Basistunnel ab Ende 2007 ausgelöst

hat, nachhaltig sein dürfte. So hat die Matterhorn

Gotthard Bahn 2009 gut 32 Prozent mehr Fahrgäste

transportiert als im Jahr 2005.

Mehr noch: Gestützt auf Prognosen der SBB zum

künftigen Reiseaufkommen durch den Lötschberg-

Basistunnel, erwartet die Matterhorn Gotthard Bahn

mittelfristig noch einmal eine deutliche Nachfragesteigerung.

Das bringt Chancen – nicht nur für die Matterhorn

Gotthard Bahn, sondern für die ganze Region

zwischen Zermatt und Disentis. Diverse Projekte entlang

der Strecke der Matterhorn Gotthard Bahn wie

das Ferienresort von Samih Sawiris, das in Andermatt

in den nächsten Jahren entsteht, werden zu einem

weiteren Wachstum der Nachfrage führen. Wenn die

Verkehrsverbindungen entlang der Ost-West-Achse

des Schweizer Alpenkamms stimmen, profitiert davon

nicht nur das Urserental, sondern das gesamte Gebiet

zwischen dem Obergoms und der oberen Surselva.

Die Chancen, die sich in den nächsten Jahren eröffnen,

will die Matterhorn Gotthard Bahn mit der

Unterstützung des Bundesamtes für Verkehr und der

drei Kantone Wallis, Uri und Graubünden gerne

wahrnehmen und ihren Teil dazu beitragen, dass aus

einer positiven Nachfrageentwicklung Nutzen gezogen

wird. Damit die Wachstumsprognosen aber realisiert

werden können, muss das Angebot entsprechend

ausgebaut werden. Um das Angebot auszubauen,

also das Fahrplanangebot zu erhöhen und

neues Rollmaterial zu beschaffen, ist die Matterhorn

Gotthard Bahn auf steigende Erträge angewiesen. Die

Unternehmensleitung ist zuversichtlich, dass dies

mittelfristig über eine konsequente Marktbearbeitung

und neue Distributionskanäle – besonders im Online-

Bereich – gelingen wird. Neben Fahrplanangebot und

neuem Rollmaterial muss aber auch die Infrastruktur

weiterentwickelt werden. Denn ohne Infrastrukturanpassungen

ist ein Ausbau des Fahrplans nur zum

Teil möglich. Nur ein stimmiges Gesamtangebot – bestehend

aus der Infrastruktur, dem Rollmaterial, dem

Fahrplanangebot, den Distributionssystemen und dem

Kundenservice – ermöglicht es, dass die prognostizierte

Nachfragesteigerung auch wirklich eintrifft.

Die Beseitigung von Kapazitätsengpässen ist eine zentrale

Herausforderung für die Matterhorn Gotthard

Bahn in den kommenden Jahren und Jahrzehnten,

dem sich das Unternehmen mit dem strategischen

Projekt «MGBahn 2030» angenommen hat. Das darin

hergeleitete Hauptziel der Matterhorn Gotthard Bahn

lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ab 2016

verfügt die Matterhorn Gotthard Bahn über einen integralen

Halbstundentakt zwischen Fiesch–Visp–Zermatt.

Diesem Fernziel liegen eingehende Überlegungen

und vertiefte Abklärungen zugrunde, welche auf

einer Korridoranalyse sowie auf Frequenz- und Nachfrageprognosen

der SBB und der Matterhorn Gotthard

Bahn beruhen.

Die Matterhorn Gotthard Bahn ist sich bewusst, dass

die öffentlichen Mittel knapp sind. Investitionen in In-


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

frastrukturen der Matterhorn Gotthard Bahn lohnen

sich aber in mehrfacher Hinsicht: Abgesehen von den

positiven Effekten auf den Tourismus als Leitbranche

in den Regionen zwischen Zermatt und Disentis, wirken

sie sich unter anderem auch positiv auf die Bauwirtschaft

aus und sie tragen zu einer umweltverträglichen

Mobilität und damit zu geringerer Umweltbelastung

bei. Schliesslich bildet eine nachhaltige Entwicklung

der Matterhorn Gotthard Bahn Gewähr dafür,

dass das Unternehmen als wichtiger regionaler Arbeitgeber

im Berggebiet gestärkt wird. Mit insgesamt

525 Vollzeitstellen ist die Matterhorn Gotthard Bahn

nämlich ein bedeutender Arbeitgeber im Oberwallis

(407 Vollzeitstellen), im Urserental (92) und in der

oberen Surselva (26).

Auch den Partnern gilt ein Dank für die gute Zusammenarbeit.

Denn gemeinsam konnten auch 2009

Mehrwerte geschaffen werden.

Da die touristische Nachfrage auf die Rezession zeitlich

verzögert reagiert, erwartet die Matterhorn Gotthard

Bahn für 2010 wirtschaftlich ein schwieriges

Jahr. Zudem verteuert der starke Schweizer Franken

gegenüber den wichtigsten Währungen im Ausland

Ferienreisen in die Schweiz. Neben der konsequenten

Bearbeitung der Märkte im Gruppen- und Einzelreisegeschäft

hofft die Matterhorn Gotthard Bahn nicht

zuletzt auch auf gute Witterungsbedingungen.

5

Gerade im Berggebiet ist es für die Matterhorn Gotthard

Bahn zentral, attraktiv für qualifizierte Fachkräfte

zu bleiben. So sichert das Unternehmen seine

Wettbewerbsfähigkeit und bringt dadurch auch den

Talschaften zwischen Zermatt und Disentis langfristig

eine hohe Beschäftigung. Mit der Gründung einer

eigenen, auf einen Deckungsgrad von 90 Prozent

ausfinanzierten Personalvorsorgestiftung zusammen

mit der Gornergrat Bahn hat die Matterhorn Gotthard

Bahn nicht nur ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt

erhöht. Sie hat auch ihre Verantwortung gegenüber

den Mitarbeitenden wahrgenommen und die Voraussetzungen

dafür geschaffen, die weitere Sanierung

der Pensionskasse und die mittelfristige Investitionsplanung

optimal aufeinander abzustimmen.

Seite 4 (v.l.n.r.): Jean-Pierre Schmid (Porträt), Peter Scheidegger,

Hans-Rudolf Mooser, Isidor Baumann, Balthasar Meier, Jean-

Pierre Schmid, Rolf Escher

Seite 5 (v.l.n.r.): Hans-Rudolf Mooser (Porträt), Bernhard Glor,

Beat Britsch, Peter Rüttimann, Hans-Rudolf Mooser, Marcel

Mooser, Willi In-Albon, Fernando Lehner

Jean-Pierre Schmid

Präsident des Verwaltungsrats

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung danken den Eignern

und Bestellern für ihre Unterstützung im abgelaufenen

Geschäftsjahr und den Mitarbeitenden für

ihren Einsatz, der zusammen mit den Beiträgen der

Geldgeber massgeblich dafür verantwortlich war, dass

das Unternehmen sich positiv entwickeln konnte.

Hans-Rudolf Mooser

Vorsitzender der Geschäftsleitung


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Der ÖV ist auch in den Bergen gefragt

Die Matterhorn Gotthard Bahn verzeichnete insgesamt das zweithöchste

Fahrgästeaufkommen – nur der Glacier Express litt unter

ungünstigen Bedingungen auf dem internationalen Tourismusmarkt.

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Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

2009 reisten total 6,32 Millionen Fahrgäste mit der

Matterhorn Gotthard Bahn. Das ist die zweithöchste

je erreichte Fahrgästezahl – nach 6,43 Mio. beförderten

Fahrgästen im Vorjahr. Im Regionalverkehr stieg

die Nachfrage gegenüber dem Rekordjahr 2008 zwischen

Brig und Zermatt um 2 Prozent und zwischen

Visp–Andermatt–Göschenen/Disentis sank sie lediglich

um 0,7 Prozent. Im Shuttleverkehr zwischen dem

Matterhorn Terminal Täsch und Zermatt konnte die

Matterhorn Gotthard Bahn mit 0,5 Prozent mehr beförderten

Gästen nahtlos an die Steigerungen in den

vergangenen Jahren anknüpfen. Weniger erfreulich

entwickelte sich der Glacier Express: Bedingt durch

die Wirtschaftskrise und Ängste vor der Grippepandemie

reisten 2009 8,2 Prozent weniger Gäste im Erlebniszug

zwischen St. Moritz/Davos und Zermatt. Auf

die touristische Nachfrage machten sich neben der

weltweiten Rezession und dem sensibel auf die Grippepandemie

reagierenden asiatischen Markt auch ungünstige

Wechselkursentwicklungen in Grossbritannien

und den USA bemerkbar.

die Infrastruktur und ins Rollmaterial nötig, damit das

Angebot mit der Nachfrage Schritt halten kann. Den

Mittelbedarf zur Erneuerung und Erweiterung der

Rollmaterialflotte gilt es über den Kapitalmarkt zu

decken. Dazu sind steigende Markterlöse vonnöten.

Parallel dazu müssen die infrastrukturellen Engpässe

behoben werden und der Unterhalt darf nicht vernachlässigt

werden, damit das Bahnnetz als Gesamtsystem

funktioniert und ausgebaut werden kann.

Wenn der Unterhalt vernachlässigt wird, drohen höhere

Folgekosten.

Die Attraktivität des Gesamtangebots zählt

Die Attraktivität des Gesamtangebots – bestehend

aus der Infrastruktur, dem Rollmaterial, dem Fahrplanangebot,

den Distributionssystemen und dem Kundenservice

– trägt entscheidend dazu bei, dass die

prognostizierte Nachfragesteigerung auch realisiert

werden kann und die Matterhorn Gotthard Bahn so

den Nutzen für die Eigner und Besteller, aber auch für

die Regionen und Destinationen vermehrt.

7

2010 wird wirtschaftlich ein schwieriges Jahr

Weil die touristische Nachfrage auf die Rezession zeitlich

verzögert reagiert, dürfte 2010 für die Matterhorn

Gotthard Bahn wirtschaftlich ein schwieriges

Jahr werden. Zudem verteuert der starke Schweizer

Franken gegenüber den wichtigsten Währungen im

Ausland Ferienreisen in die Schweiz. Neben der konsequenten

Bearbeitung der Märkte im Gruppen- und

Einzelreisegeschäft hofft die Matterhorn Gotthard

Bahn auf gute Witterungsbedingungen.

Steigende Markterlöse sind nötig

Mittel- bis langfristig erwartet die Matterhorn Gotthard

Bahn, gestützt auf Prognosen der SBB, Nachfragesteigerungen

im hohen zweistelligen Prozentbereich.

Dies stellt die Za hnradbahn mit vielen Kunstbauten

und weitgehend nur einspuriger Strecke vor

grosse Herausforderungen: In den nächsten Jahren

und Jahrzehnten sind umfangreiche Investitionen in

Investitionen in den ÖV zahlen sich aus

Abgesehen von den positiven Effekten auf den Tourismus

als Leitbranche in der Region zwischen Zermatt

und Disentis wirken sich Investitionen in den ÖV positiv

auf die Bauwirtschaft aus und tragen zu einer umweltverträglichen

Mobilität bei. Schliesslich bildet eine

nachhaltige Entwicklung der Matterhorn Gotthard

Bahn Gewähr dafür, dass das Unternehmen seiner Bedeutung

als wichtiger regionaler Arbeitgeber im Berggebiet

gerecht werden kann. Gemeinsam mit der öffentlichen

Hand sind in naher Zukunft die Weichen

richtig zu stellen, damit die Matterhorn Gotthard

Bahn in ihrer Entwicklung nicht gebremst wird und

Mehrwerte für die Eigner, Regionen, Partner und Lieferanten

stiften kann. Mehr dazu lesen sie im Fokus-

Beitrag ab Seite 16.


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Gemeinsam für eine nachhaltige Entwicklung

Die weitsichtige Planung der Matterhorn Gotthard Bahn ermöglicht es,

Investitionsentscheide zu priorisieren, sodass die notwendigen Mittel

rechtzeitig bereitgestellt werden können.

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Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Die Beseitigung von Kapazitätsengpässen ist eine zentrale

Herausforderung für die Matterhorn Gotthard

Bahn in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Handlungsbedarf besteht bezüglich der Kreuzungsmöglichkeiten

für die Züge auf der Strecke, aber auch

bezüglich der Platzverhältnisse auf den Bahnhöfen.

Vor allem der Bahnhof Zermatt muss mittelfristig ausgebaut

werden. Bereits heute sind die Platzverhältnisse

für die jährlich rund 3 Millionen ankommenden

und abreisenden Fahrgäste zu Spitzenzeiten sehr eng.

Die Situation dürfte sich in Zukunft angesichts der

stark steigenden Nachfrage im öffentlichen Verkehr

noch verschärfen.

Bahnhöfe und Güterverlad optimieren

Neue Anforderungen ergeben sich im Zuge des Tourismusprojekts

von Samih Sawiris auch an den Bahnhof

Andermatt. Im Urserental entsteht ein Ferienresort

mit 490 Appartementwohnungen, 20–30 Villen

und sechs Luxushotels. Bis Ende 2010 sollten die

künftigen Nutzungen und Funktionalitäten auf dem

Bahnhofareal sowie der damit verbundene Investitionsbedarf

evaluiert sein. Baubeginn für konkrete

bauliche Massnahmen auf dem künftigen Bahnhofareal

ist frühestens im Jahr 2012. Um auch im Güterverkehr

konkurrenzfähig zu bleiben, realisiert die

Matterhorn Gotthard Bahn in Visp bis Ende 2012 einen

neuen Terminal für die umweltfreundliche Güterversorgung

des autofreien Weltkurorts Zermatt. Der

gewählte Standort liegt optimal – nahe an den SBB

und nahe am künftigen Anschluss an die A 9. Auf

14 500 m² liefert der Terminal künftig die Voraussetzungen,

um Zermatt auf der Schiene noch besser mit

Gütern versorgen zu können. Zurzeit beliefert die

Matterhorn Gotthard Bahn Zermatt jährlich mit rund

40 000–50000 Tonnen Gütern.

Vierter Schritt im Totalumbau am Oberalppass

Seit 2003 sind am Oberalppass drei Streckenabschnitte

vollständig erneuert worden. 2009 stand der

Totalumbau eines 1136 m langen Streckenabschnitts

zwischen dem Oberalppass und Tschamutt an. Neben

der Fahrbahn und der Fahrleitung mussten auf diesem

Abschnitt auch die zwei Calmot-Galerien erneuert

werden. Der Grossteil der Arbeiten konnte bis Ende

des Jahres ausgeführt werden. Im Frühjahr 2010

erfolgen noch die Abschluss- und Umgebungsarbeiten.

Streckenverlegung bei «Zen Hohen Flühen»

Im März 2009 wurde nach längeren Planungsarbeiten

der Spatenstich für das Projekt «Streckenverlegung

Zen Hohen Flühen» vorgenommen. Das Gemeinschaftsprojekt

mit der kantonalen Dienststelle

für Strassen- und Flussbau bezweckt den besseren

Schutz der Bahn und der Strasse auf dem steinschlaggefährdeten,

850 Meter langen Streckenabschnitt

zwischen Bitsch und Mörel. Die Streckenverlegung

erfordert eine Verschiebung des Rottens um bis

zu 30 Meter. Die dafür erforderlichen Arbeiten wurden

2009 aufgenommen. Die Hauptarbeiten der

Streckenverlegung beginnen im Frühjahr 2010 und

sollten bis im Sommer 2013 abgeschlossen sein.

Kernstück des Projekts ist eine neue, 240 Meter lange

Bahngalerie. Die Kantonsstrasse wird künftig teilweise

auf dieser Galerie geführt und durch einen

noch zu errichtenden Schutzdamm vor Steinschlag

geschützt. Im Zuge des Projektes können drei unbewachte

Niveauübergänge der Matterhorn Gotthard

Bahn eliminiert werden.

Flottenerneuerungskonzept vorbereitet

2009 wurden die Grundlagen für die anstehende Flottenerneuerung

erarbeitet. Das Rollmaterial der Matterhorn

Gotthard Bahn weist ein Durchschnittsalter

von rund 30 Jahren auf. Ein Teil der insgesamt 381

Schienenfahrzeuge nähert sich dem Ende der Nutzungsdauer.

Die steigende Nachfrage erhöht die

Dringlichkeit der Flottenerneuerung. Mehr über den

Erneuerungsbedarf lesen Sie im Fokus-Bericht auf den

Seiten 19–20.

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Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Kunden- und partnerorientiert

Es wird je länger, je einfacher, Reisen mit der Matterhorn Gotthard Bahn

zu buchen oder als Partner mit ihr zusammenzuarbeiten:

Die neue Online-Plattform macht es ab 2010 möglich.

10


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Die Matterhorn Gotthard Bahn arbeitet zusammen

mit der Gornergrat Bahn an einer integrierten

elektronischen Buchungsplattform für Bahn- und

Tourismusprodukte entlang der Strecke des Glacier

Express und der Gornergrat Bahn. Im 1. Halbjahr

2010 werden erste Angebote im eigenen elektronischen

Verkaufskanal online aufgeschaltet. Über die

internetbasierte Buchungsplattform sollen die Produkte

der Matterhorn Gotthard Bahn, der Gornergrat

Bahn und weiterer Partner untereinander vernetzt

und den Kunden gebündelt aus einer Hand angeboten

werden.

Besonders Buchungen im Glacier Express werden

durch die neue Online-Plattform einfacher für die

Kunden. Aber auch Ausflüge mit der Gornergrat Bahn

oder anderen Bergbahnen inklusive Anreise und weiteren

optionalen Dienstleistungen sind künftig in einem

Prozess buchbar: So können Kunden über das

neue Online-Portal zum Beispiel Glacier-Express-Tickets

inklusive Verpflegungsangebot und Ticket für

die Anreise mit den SBB beziehen. Zu einem späteren

Zeitpunkt ist für Firmenkunden ein eigener Zugriff zur

Verwaltung von Sitzplatzkontingenten im Glacier Express

geplant. Dadurch profitieren die Reisevermittler

von mehr Flexibilität, während sich der administrative

Aufwand für die Matterhorn Gotthard Bahn verringert.

So kann sich das Verkaufspersonal künftig stärker

auf die Beratung konzentrieren, was die Dienstleistungsqualität

steigert.

Einheitlicher und attraktiver Online-Auftritt

Der Online-Auftritt der Matterhorn Gotthard Bahn

wird im Zuge der Lancierung des elektronischen Vertriebskanals

aufgewertet: Die vier Websites der Matterhorn

Gotthard Bahn, der Gornergrat Bahn, des

Matterhorn Terminals Täsch und des Glacier Express

werden im Design aufeinander abgestimmt und bezüglich

der Bedienbarkeit optimiert.

Neue Ticketautomaten

Seit November 2009 verfügt die Matterhorn Gotthard

Bahn über einheitliche Ticketautomaten an allen Stationen

zwischen Zermatt und Disentis. Die 14 neuen

Automaten haben sich im Einsatz bewährt. Sie befinden

sich an den grössten Bahnhöfen entlang der

Strecke. An den übrigen Bahnhöfen und Haltestellen

gibt es künftig keine Ticketautomaten mehr. Reisende

können nämlich Tickets auch bequem im Zug lösen.

Die neuen Automaten bieten Zugang zu 2500 Produkten

– inklusive Mehrfahrtenkarten, Streckenabos,

nationale Fahrausweise usw. Die Automaten sind

gleich wie die neusten Geräte der SBB zu bedienen.

Kundinnen und Kunden müssen sich somit nicht an

ein neues System gewöhnen. Bei den Zahlungsmitteln

stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung:

Die Automaten akzeptieren Schweizer-Franken-Noten

und -Münz, Euro-Noten, Reka-Noten, Rekacard und

alle gängigen Kreditkarten.

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Grundlage für Zusammenarbeit mit Partnern

Der elektronische Verkaufskanal bietet touristischen

Partnern in Zukunft diverse Möglichkeiten für eine engere

Zusammenarbeit mit der Matterhorn Gotthard

Bahn. So können Gästen künftig aus einer Hand

ganzheitliche touristische Gesamterlebnisse angeboten

werden. Über gezielte Kooperationen mit touristischen

Partnern ist es der Matterhorn Gotthard Bahn

möglich, im Sinne von Win-win-Lösungen gemeinsam

Mehrwerte zu schaffen.


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Als attraktive Bahn Mehrwerte schaffen

Über eine aktive Angebotsentwicklung will die Matterhorn Gotthard

Bahn mit ihren Produkten auf dem internationalen Tourismusmarkt

wettbewerbsfähig bleiben und sich zur führenden Erlebnisbahn in den

Alpen entwickeln.

12

1)

www.voev.ch

4)

www.voev.ch


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Die Matterhorn Gotthard Bahn positioniert sich als attraktive,

kundenorientierte und innovative Erlebnisbahn.

Der Glacier Express ist international bekannt und die

Matterhorn Gotthard Bahn ist als Erlebnisbahn im regionalen

Tourismusangebot fest verankert. Die Dienstleistungen

des Unternehmens werden von Partnern und

Kunden geschätzt. In der Kundenumfrage hat sich die

Matterhorn Gotthard Bahn auf hohem Zufriedenheitsniveau

gehalten. Bei den Kundenreaktionen wurden

2009 im Vorjahresvergleich in acht von elf Kategorien

bessere oder gleich hohe Werte erzielt. Auch zwei verdeckt

durchgeführte Tests der Dienstleistungsqualität

haben erfreuliche Ergebnisse zutage gebracht. Damit

die Kundenzufriedenheit hoch bleibt, hat das Unternehmen

auch im vergangenen Geschäftsjahr auf breiter

Front in die Verbesserung seines Angebots investiert.

Fahrplan des Furka-Autoverlads ausgeweitet

Seit Dezember 2009 verkehren die Autozüge der

Matterhorn Gotthard Bahn von Freitagmorgen bis

Montagabend im Halbstundentakt zwischen Oberwald

und Realp. Bis anhin galt der Halbstundentakt

nur von Freitagmittag bis Montagmittag. Neu profitieren

die Reisenden zudem von Radio- und Natelempfang

im Furkatunnel. Die 24 Rampen- und Verladewagen

wurden rostsaniert und neu gestrichen und

die Planungen für die Optimierung der Autoverladestationen

Oberwald und Realp konnten 2009 abgeschlossen

werden. 2010 wird in einem ersten Schritt

das Stationsgebäude in Oberwald saniert. In Realp soll

das ebenfalls sanierungsbedürftige Bahnhofbuffet einem

neuen, multifunktionalen Gebäude weichen. Der

Neubau beinhaltet behindertengerechte Toilettenanlagen,

einen Kiosk, einen Lebensmittelladen und ein

Buffet. Zudem ist geplant, die Zufahrtsspuren und das

Tickethandling zu optimieren.

Neues, top Rollmaterial für den Glacier Express

Der Glacier Express generiert alleine in Zermatt jährlich

rund 200 000 Logiernächte und ist ertrags- und

imagemässig ein wichtiges Zugpferd für die Matterhorn

Gotthard Bahn und die Rhätische Bahn. Entsprechend

wichtig ist hier eine exzellente Dienstleistungsqualität.

Nach einem ersten Investitionsschub in neues

Rollmaterial im Umfang von CHF 60 Mio. haben

Rhätische Bahn und Matterhorn Gotthard Bahn seit

2005 noch einmal 20 Millionen in neue Panoramawagen

investiert. Seit Sommer 2009 verkehren nun alle

Glacier-Express-Züge zwischen St. Moritz/Davos und

Zermatt ausschliesslich mit modernen Panoramawagen.

Kombiangebote für Skifahrer und Langläufer

Im Obergoms bietet die Matterhorn Gotthard Bahn

Gästen zusammen mit der Loipe Goms ein Kombiticket

an, das zur Nutzung der fahrplanmässigen Verbindungen

zwischen Oberwald und Niederwald berechtigt.

Ausgenommen sind Glacier-Express- und

Schülerfahrten. Langlaufen und Bahnfahren – eine

ideale Kombination im Obergoms: Praktisch in jedem

der 12 Dörfer im Obergoms gibt es eine Haltestelle

der Matterhorn Gotthard Bahn. Neu ist auch das

Angebot für Skifahrer im Obergoms. Wenn diese mit

der Matterhorn Gotthard Bahn nach Fiesch reisen,

um im Aletschgebiet Ski zu fahren, wird ihnen

der Preis der Bahnfahrt am Skiabonnement angerechnet.

Erlebnisbahn-Angebote weiterentwickelt

Die Erlebnisbahn-Angebote der Matterhorn Gotthard

Bahn können ab Frühjahr 2010 neu über den elektronischen

Verkaufskanal im Internet gebucht werden.

Die Angebotspalette reicht von «Brunchfahrten»

über «Spezialitätenfahrten» und «Gourmetfahrten»

bis hin zu «Erlebnisangeboten ohne Bahngastronomie».

Über eine kontinuierliche Optimierung der

Dienstleistungen soll die Position dieses wichtigen

Nischenprodukts in der Region gehalten und jenseits

des Lötschbergs ausgebaut werden.

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Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Hohe Bedeutung als regionaler Arbeitgeber

Die Matterhorn Gotthard Bahn will auf dem Arbeitsmarkt attraktiv

bleiben – davon profitieren auch die Gemeinden entlang der Strecke.

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Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Mit insgesamt 525 Vollzeitstellen ist die Matterhorn

Gotthard Bahn ein bedeutender Arbeitgeber im Oberwallis

(407 Vollzeitstellen), im Urserental (92) und in

der oberen Surselva (26). Gerade im Berggebiet ist es

für die Matterhorn Gotthard Bahn zentral, attraktiv

für qualifizierte Fachkräfte zu bleiben. So sichert das

Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit und bringt

dadurch auch den Talschaften zwischen Zermatt und

Disentis langfristig Beschäftigung.

Eigene Personal-Vorsorgestiftung

Per 31. Dezember 2009 ist die Matterhorn Gotthard

Bahn aus der sanierungsbedürftigen Pensionskasse

Ascoop ausgetreten und hat zusammen mit der Gornergrat

Bahn eine eigene Personalvorsorgestiftung

gegründet. Dies erlaubt es der Matterhorn Gotthard

Bahn, ihre soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden

wahrzunehmen und ihre Attraktivität auf

dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Ferner bietet dieser

Schritt dem Unternehmen die Möglichkeit, die Sanierung

der Pensionskasse und die mittelfristige Investitionsplanung

optimal aufeinander abzustimmen. Gemeinsam

mit der Gornergrat Bahn verfügt die Matterhorn

Gotthard Bahn mit einem Verhältnis von Aktiven

zu Rentnern von 70 zu 30 Prozent über eine gute

Ausgangslage für eine eigene Personalvorsorgestiftung.

Per 31. Dezember 2009 hat die Matterhorn

Gotthard Bahn die neu gebildete Personalvorsorgestiftung

auf einen Deckungsgrad von 90 Prozent ausfinanziert.

In der eigenen Pensionskasse wurden Vorsorge-

und Leistungsplan sowie Versicherungsleistungen

gemäss Personalreglement unverändert beibehalten.

Neues Verwaltungsgebäude für 200 Mitarbeitende

Im Januar 2010 sind die rund 200 Mitarbeitenden der

Matterhorn Gotthard Bahn der ehemaligen Standorte

an der Nord- und Überlandstrasse in Brig ins neue

Verwaltungsgebäude auf dem Bahnhofplatz in Brig

eingezogen. Das Gebäude bietet den Mitarbeitenden

der Verwaltung attraktive Arbeitsplätze und den Mitarbeitenden

der Zugteams von Brig komfortable Garderoben

und Aufenthaltsräumlichkeiten.

Hoher Stellenwert der Aus- und Weiterbildung

Der Aus- und Weiterbildung wird bei der Matterhorn

Gotthard Bahn eine hohe Bedeutung beigemessen.

2009 haben diverse Mitarbeitende Einzel- oder Kollektivausbildungen

absolviert. Dabei wurden Synergien

mit Partnern wie der Rhätischen Bahn, dem Berufsverbund

login oder RAILplus genutzt. Gemeinsam

mit der Rhätischen Bahn hat die Matterhorn Gotthard

Bahn die Betreuungskompetenzen der Zugbegleiter

gegenüber Kundschaft aus anderen Kulturen weiterentwickelt.

Unter der Schirmherrschaft von RAILplus

bilden die Rhätische Bahn und die Matterhorn Gotthard

Bahn auch neun Lokführeranwärter gemeinsam

zu Lokführern aus. Und schliesslich bietet die Matterhorn

Gotthard Bahn im Rahmen des Ausbildungsverbunds

login neu drei zusätzliche Lehrstellen an: eine

KVöV-Lehrstelle im administrativen Bereich, eine Lehrstelle

zum Automatiker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis

und eine Lehrstelle zum Logistiker Verkehr

mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. Insgesamt

bildet die Matterhorn Gotthard Bahn zurzeit

20 Lernende aus.

Mitarbeiterzufriedenheit gesteigert

Die Matterhorn Gotthard Bahn führt jährlich Mitarbeiterumfragen

durch. In allen 11 Kategorien hat sich die

Zufriedenheit der Mitarbeitenden 2009 gegenüber

dem Vorjahr verbessert. Gegenüber dem Swiss-

Benchmark liegt die Matterhorn Gotthard Bahn nur

gerade in drei Kategorien unter den Mittelwerten.

Gesamthaft liegt die Zufriedenheit über dem Schweizer

Benchmark. In den Bereichen, in denen Handlungsbedarf

identifiziert wurde, sind Verbesserungsmassnahmen

in die Wege geleitet worden.

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Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

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Die Weichen heute richtig stellen

«Bahn 2030» aus Sicht der Matterhorn Gotthard Bahn

Der öffentliche Verkehr (ÖV) hat eine vielversprechende

Zukunft. Er muss seine Chancen aber auch wahrnehmen

können. Und das erfordert ebenso sinnvolle

wie umfangreiche Investitionen.

Ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr ist aber nicht

zum Nulltarif zu haben. Und: Momentan fehlen vielerorts

die nötigen finanziellen Mittel für Sanierungen

und Modernisierungen. Doch dazu später.

Die Menschen in der Schweiz wollen mehr öffentlichen

Verkehr, in der Politik ist die gezielte Verlagerung

von der Strasse auf die Schiene klar festgelegt

und auch das Klima dürstet nach mehr ÖV. Darüber

hinaus kommt dem ÖV speziell in Randregionen eine

grosse regionalpolitische Bedeutung zu. Die Matterhorn

Gotthard Bahn ist nicht nur die einzige, ganzjährige

Verbindungsbahn auf der Ost-West-Achse im Alpenraum,

sie beschäftigt insgesamt weit mehr als 500

Mitarbeitende (525,75 Vollzeitäquivalente). Alle diese

Menschen leben in den jeweiligen Regionen entlang

der Strecke und entrichten dort auch ihre Steuern.

Gleichzeitig profitiert das Baugewerbe von substanziellen

Investitionen in die Bahninfrastruktur. Und

auch im Tourismus ist die Matterhorn Gotthard Bahn

in ihrer Funktion als effiziente, zuverlässige und ökologisch

verantwortungsvolle Zubringerin und Anbieterin

von Erlebnisprodukten nicht mehr wegzudenken.

Bezogen auf das Wallis, Uri und Graubünden, kann die

Matterhorn Gotthard Bahn demzufolge sicherlich als

umweltbewusste, touristische Lebensader mit grosser

regionalpolitischer Bedeutung gesehen werden.

Die Frequenzen steigen stark an

Seit Jahren schon wächst die Nachfrage nach öffentlichen

Verkehrsmitteln – nicht nur in den Agglomerationen,

sondern auch in Bezug auf touristische Destinationen.

So sind zum Beispiel Zermatt und das

Aletschgebiet aufgrund der bestehenden Nachfrage

heute bis kurz vor Mitternacht noch mit dem ÖV erreichbar.

Seit der Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels im

Jahre 2007 sind die Passagierfrequenzen der Matterhorn

Gotthard Bahn geradezu hochgeschnellt. Und

dieser Trend setzt sich fort. Bis ins Jahr 2030 wird die

Nachfrage in Visp gemäss Prognosen der SBB pro Jahr

nochmals um zwei bis drei Prozent zunehmen, wobei

ein Teil dieses Zuwachses auf den internationalen Verkehr

zurückzuführen ist. Auch für die Touristikregionen

von Zermatt über das Aletschgebiet und

Goms bis hin nach Andermatt und in die obere Surselva

wird ein weiteres Wachstum erwartet. Diverse Projekte

entlang der Strecke der Matterhorn Gotthard

Bahn wie das Tourismusresort Andermatt mit den entsprechenden

Plänen zum Ausbau der Bergbahnen


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

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oder die Projekte rund um den Wirtschaftsraum San

Gottardo werden diesen Trend noch verstärken.

Doch bereits heute stösst die Matterhorn Gotthard

Bahn nicht selten an ihre Kapazitätsgrenzen. Die

Nachfrage ist besonders zu Spitzenzeiten schlicht

grösser als das Angebot und so werden leider zu oft

zu viele Stehplätze generiert, was zu unzufriedenen

Gästen und negativen Kundenreaktionen führt. Mit

diesem Problem steht die Matterhorn Gotthard Bahn

nicht alleine da. Der öffentliche Verkehr in der

Schweiz ist über weite Strecken richtiggehend «am

Anschlag». Aus touristischer Sicht ist dieser Umstand

als klarer Nachteil zu werten, ist der regionale Zubringerdienst

doch quasi das erste Ferienerlebnis zahlreicher

Gäste. Und dieser erste Eindruck kann die gesamte

Wahrnehmung einer Destination positiv, aber

eben auch negativ beeinflussen.

Um dieser suboptimalen, verkehrspolitischen Entwicklung

Gegensteuer zu geben, hat der Bund bereits vor

einiger Zeit sehr weitsichtig das Projekt «Zukünftige

Entwicklung der Bahninfrastruktur» kurz ZEB ins Leben

gerufen. In diesem Zusammenhang werden zwischen

2012 bzw. 2017 und 2025 kleinere bis mittlere,

über das ganze Netz verteilte Ausbauten realisiert.

Allerdings reichen die zur Verfügung stehenden Mittel

bei Weitem nicht aus, um alle dringenden Probleme

der kommenden Jahre zu lösen. Deshalb existiert mit

«Bahn 2030» bereits ein Folgeprojekt zu ZEB, das im

Frühjahr 2011 in die Vernehmlassung geschickt werden

soll. Zur Debatte stehen zwei Varianten: Ein Finanzrahmen

von 21 Milliarden Franken und ein solcher

von 12 Milliarden Franken. Ziel ist es, das Projekt

«Bahn 2030» im Jahr 2017 zu starten. Sein Abschluss

ist auf das Jahr 2040 terminiert. Beide Grossprojekte –

sowohl ZEB als auch «Bahn 2030» – haben sehr direkte

und grosse Auswirkungen auf die Matterhorn

Gotthard Bahn. In Zukunft werden noch mehr Einheimische

und Gäste den öffentlichen Verkehr benutzen.

Damit das Angebot mit der steigenden Nachfrage

Schritt halten kann, ist die Matterhorn Gotthard Bahn

bereits heute gefordert, langfristige Überlegungen

anzustellen, wie sie zukünftige Entwicklungen optimal

meistern kann. Aus diesem Grund hat sich die

Matterhorn Gotthard Bahn Gedanken über die dringendsten

Projekte der kommenden zwei Dekaden gemacht.

Dies unter dem Titel «MGBahn 2030».

Halbstundentakt auf der ganzen Strecke ab 2028

Das Hauptziel der Matterhorn Gotthard Bahn lässt

sich in einem Satz zusammenfassen: Ab 2016 verfügt

die Matterhorn Gotthard Bahn über einen integralen

Halbstundentakt zwischen Fiesch–Visp–Zermatt.

Diesem Fernziel liegen eingehende Überlegungen und

vertiefte Abklärungen zugrunde, welche auf einer Korridor-Analyse

sowie auf Frequenz- und Nachfrageprognosen

der SBB und der Matterhorn Gotthard Bahn beruhen.

Zur Erklärung: Im Rahmen der Bedarfsplanung

wurde das Streckennetz der Matterhorn Gotthard

Bahn in drei Korridore eingeteilt: Korridor 1 umfasst

die Strecke Zermatt–St. Niklaus, Visp, Brig. Korridor 2:

Visp, Brig, Fiesch, Andermatt, Göschenen. Und Korridor

3: Göschenen, Andermatt, Oberalppass, Disentis.

Damit das Ziel eines integralen Halbstundentaktes

erreicht werden kann, sind in allen drei Korridoren

substanzielle Investitionen in Infrastruktur und Rollmaterial

nötig. Hier eine Auswahl der erforderlichen


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

18

Massnahmen auf Infrastrukturseite:

– Verlängerung der Kreuzungsstelle Ackersand

– Perronverlängerungen in Täsch, Herbriggen,

St. Niklaus und Kalpetran

– Verlängerung der Kreuzungsstation Stalden

– Trasseeumlegung Felssturz Randa

– Ausbau des Bahnhofs Zermatt

– Kreuzungsstelle Sevenett

– Kreuzungsstelle Schwiedernen

– Doppelspur Täsch–Täschsand

– Kreuzungsinsel Glisergrund

– Kreuzungsstellen Wiler und Staflerbord

– Erleichterung des Verlads in Sedrun

– Verlängerung der Kreuzungsstation Tschamutt

– Verlängerung der Kreuzungsstation Nätschen

– Umbau Bahnhof Andermatt

– Neue Kreuzungsstellen zwischen Oberalppass

und Disentis

– Neubau einer Kreuzungsstelle in Filet

– Verlängerung der Kreuzungsstation in Lax

– *Totalumbau Fiesch

– Neue Kreuzungsstation in Betten

– Perronverlängerungen in Bitsch, Mörel und Grengiols

– Doppelspur Oberwald – Eingang Furkatunnel

– Verlängerung Kreuzungsstelle Rotondo Richtung

Realp

* Erneuerung des Gleisunter- und -oberbaus, der Fahrleitungen,

der Sicherheitsanlagen sowie der Stützmauern.

Hinzu kommen gesetzliche Vorgaben, die ebenfalls

Kosten auslösen. Einerseits ist dies die vorgeschriebene,

flächendeckende Sicherung oder Aufhebung von

Bahnübergängen, andererseits die Erhöhung der Tunnelsicherheit.

Für beide gesetzlichen Vorgaben sind

keine Spezialfinanzierungen vorgesehen.

Identifikation mit den verkehrspolitischen Zielen

der Kantone

Die Analyse der Matterhorn Gotthard Bahn ist auf die

Schwerpunkte der kantonalen Verkehrsplanungen sowie

auf die Planung der SBB abgestimmt. Der Kanton

Wallis verfolgt diesbezüglich stellvertretend unter anderem

folgende Ziele, welche die Matterhorn Gotthard

Bahn vollumfänglich unterstützt:

– Abgestimmte Taktangebote über alle Transportunternehmen

hinweg von morgens früh bis

abends spät.

– Beseitigung von Engpässen bei Bahnhöfen und

Haltestellen, Realisierung des Knotenprinzips,

Optimierung der Umsteigebeziehungen auf alle

ÖV-Angebote.

– Beseitigung von Engpässen in den Spitzenzeiten angesichts

einer wachsenden, touristischen Mobilität.

– Verdichtung des Taktes, Bereitstellung grösserer

Gefässe.

– Moderne, attraktive Transportmittel und Haltestellen

für den touristischen Verkehr, Erhalt der touristischen

Wettbewerbsfähigkeit der Walliser Destinationen,

Antizipieren des Wachstums.

– Zugang für Mobilitätsbehinderte und Umsetzung

der Sicherheitsvorgaben der Behörden.

Die Finanzen sind das alles beherrschende Thema

Ob und wie sich der Schweizer ÖV in Folge steigender

Beliebtheit und zunehmender Nachfrage weiterentwickeln

kann, hängt einerseits von der Existenz und

dem allfälligen Ausbau vorhandener Finanzierungsgefässe

ab – andererseits von angekündigten Sparprogrammen

auf Bundes- und Kantonsebene. Die Mittel,

die den konzessionierten Transportunternehmen heute

zur Verfügung stehen, reichen knapp für den lau-


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

19

Kürzere Fahrzeiten für die SBB bedingen kürzere

Fahrzeiten für die regionalen Abnehmer

Kernziele von ZEB und «Bahn 2030» sind die Beseitigung

von Engpässen und die Verkürzung von Fahrzeifenden

Substanzerhalt. Es besteht kein Spielraum für

Erweiterungsinvestitionen, also einen nachfragegerechten

Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Aus Sicht der Matterhorn Gotthard Bahn ist das

Spannungsfeld zwischen nötigen Sparbemühungen

und angemessenen, betriebswirtschaftlich und regionalpolitisch

nötigen Investitionen offensichtlich. Steigende

Frequenzen, steigende Komfortansprüche,

steigende gesetzliche Anforderungen und gleichzeitig

stagnierende bzw. rückläufige Mittel stehen im

Widerspruch zueinander. Aus Sicht der Matterhorn

Gotthard Bahn stellt sich die Frage, ob nicht die Gefahr

besteht, hie und da am falschen Ort zu sparen,

denn es gibt mehrere Imperative und Zusammenhänge,

die berücksichtigt werden müssen.

Frequenzen, Rollmaterial und Infrastruktur

gehören untrennbar zusammen

Es gibt eine eindeutige Wechselwirkung zwischen

steigenden Passagierzahlen, Rollmaterial/Fahrzeugen

und Infrastruktur-Sanierung bzw. -Ausbau: Steigende

Frequenzen bedingen mehr und besseres Rollmaterial

(Fahrzeuge). Dies wiederum führt zu einem erhöhten

Druck auf die Infrastruktur und das wiederum führt

zu Investitionen, die ihrerseits wieder zu höheren Frequenzen

führen. Umgekehrt bringt eine verbesserte

Infrastruktur höhere Frequenzen, wie das Beispiel

Lötschberg-Basistunnel eindrücklich gezeigt hat. Dies

erfordert neues Rollmaterial, um die gesteigerten Frequenzen

aufnehmen zu können. Steigende Frequenzen

können hingegen gar nicht erzielt werden, wenn

Rollmaterial und/oder Infrastruktur nicht auf der Höhe

sind. Oder anders ausgedrückt: Wenn nicht investiert

wird, können die Frequenzen auch nicht gestei-

gert werden. Man kann es drehen und wenden, wie

man will: Frequenzen, Rollmaterial und Infrastruktur

gehören untrennbar zusammen. Ohne die eine Komponente

kann sich eine andere nicht entsprechend

entwickeln. Weil der Handlungsbedarf für Investitionen

in Fahrzeuge und Strecken heute schon gegeben

ist, sind die Wachstumsprognosen der Matterhorn

Gott-hard Bahn im Rahmen des Projektes «MGBahn

2030» entsprechend zurückhaltend. Sie bewegen sich

für die nächsten 20 Jahre – je nach getätigten Investitionen

zwischen minus 6 Prozent und plus 28 Prozent.

Infrastruktur

(Sanierung/Ausbau)

Steigende Frequenzen

Neues Rollmaterial

Aufgrund der Altersstruktur der Personenwagen und

Triebfahrzeuge muss in den nächsten Jahren substanziell

ins Rollmaterial investiert werden. Zurzeit besteht

ein grosser Komfortunterschied zwischen den im Regionalverkehr

eingesetzten Zügen. Zudem ist das ältere

Rollmaterial nicht behindertengerecht. Darüber

hinaus steigern neue Fahrzeuge nicht nur den Komfort,

sondern auch die Fahrplanstabilität. Gleichzeitig

sinken die Lärmemissionen. Neues Rollmaterial muss

die Matterhorn Gotthard Bahn über den Kapitalmarkt

finanzieren. Um die nötigen Eigenmittel dafür zu erwirtschaften,

ist die Matterhorn Gotthard Bahn auf

steigende Erträge angewiesen.


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

20

ten. Das ist natürlich sinnvoll und richtig. Allerdings

darf ein wichtiger Aspekt nicht in Vergessenheit geraten:

Wenn es den SBB gelingt, ihre Fahrzeiten zu verkürzen,

muss dies auch für die regionalen Zubringer

gelten. Es wäre schade und falsch, wenn Reisende

zwar zehn Minuten eher in Brig oder Visp ankommen,

dafür aber dann zehn Minuten länger warten

müssen, bis sie weiterreisen können.

Eine besondere logistische Herausforderung bezüglich

Koordination besteht ausserdem in den unterschiedlichen

Spitzenzeiten zwischen SBB und Matterhorn

Gotthard Bahn. Während die SBB ihre Spitzen in

erster Linie aufgrund des Pendlerverkehrs morgens

und abends an Werktagen aufweist, stellen für die

touristischen Bahnen die Wechseltage die grösste

Herausforderung dar. Im Winter werden die höchsten

Frequenzen an Samstagen erreicht, im Sommer ist es

für die Hinreise Dienstag bis Donnerstag und für die

Rückreise Sonntag. Diese unterschiedlichen Spitzenzeiten

gilt es sauber und kundenorientiert aufeinander

abzustimmen.

Investitionen, die sich in mehrerlei Hinsicht lohnen

Die Matterhorn Gotthard Bahn hat in den nächsten

zwei Dekaden zur Erneuerung der Infrastruktur und

zur Behebung von Engpässen einen Investitionsbedarf

von über 60 Millionen Franken pro Jahr. Hinzu

kommen Investitionen ins Rollmaterial in der Grössenordnung

von 14 bis 16 Millionen Franken pro Jahr,

welche aus eigenen Mitteln finanziert werden müssen.

Bei der Bereitstellung der Infrastrukturmittel gilt

der Grundsatz, dass die Kantone Wallis, Uri und

Graubünden im Rahmen der Bundesmittel mit dem

bestehenden Verteilschlüssel mitziehen müssen.

Wenn ein Kanton ausschert, werden die nötigen finanziellen

Bundesmittel nicht ausgelöst. Jeder investierte

Franken rechnet sich für alle beteiligten Partner

und ist regionalpolitisch, touristisch und ökologisch

sinnvoll eingesetzt.

Was, wenn die nötigen Investitionen

nicht getätigt werden?

Man muss sich natürlich auch die berechtigte Frage

stellen, was geschieht, wenn die nötigen Investitionen

in den kommenden Jahren nicht getätigt werden?

1. Wenn heute gespart, keine Engpässe mehr beseitigt

und nicht mehr ausgebaut wird, so fällt angesichts

steigender Nachfrage einfach alles später an.

Das wird dann entsprechend teurer. Dies trifft auf

jegliche Art von Infrastruktur zu. Nehmen wir das

Beispiel eines Hausbesitzers, der genau weiss, dass

er die Rohre sanieren lassen müsste, es aber vorzieht,

noch ein wenig zuzuwarten und das Geld anderweitig

einzusetzen. Eines Tages wird er diesen

Entscheid bereuen – nämlich dann, wenn er nicht

nur die Rohre, sondern gleichzeitig auch noch die

Fassade sanieren und die Fenster wechseln muss.

2. Einsparungen auf der Infrastruktur- und Fahrzeugseite

erhöhen den Druck, auf der Einnahmeseite

Gegensteuer geben zu müssen – sprich, die Fahrpreise

anpassen zu müssen.

3. Ausbleibende Investitionen werden zu einer abnehmenden

lokalen Beschäftigung im Bauhaupt- und

Nebengewerbe führen und möglicherweise auch

negative Konsequenzen auf die eigene Personalpolitik

haben.


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

21

4. Eine mangelhafte Infrastruktur führt zu fehlendem

Komfort und damit zusammenhängenden Reputationsrisiken,

die sich in einer sinkenden Anzahl Passagiere

niederschlagen können.

5. Fehlen die nötigen Investitionen, wird das touristische

Wachstum gebremst, und der Tourismus gerät

aufgrund mangelnder Mobilität im interkantonalen

und internationalen Wettbewerb unnötigerweise

in Rückstand. Zudem stellt ein Plus an umweltfreundlicher

Mobilität einen klaren Standortvorteil

dar.

Aus diesen Überlegungen heraus empfiehlt es sich,

die Weichen richtig zu stellen und jetzt zu säen, damit

in den nächsten 20 Jahren eine touristisch, ökologisch

und regionalpolitisch reiche Ernte eingefahren

und Fehlentwicklungen vermieden werden können.

Dafür setzt sich die Matterhorn Gotthard Bahn mit

voller Kraft ein.


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Kennzahlen

22


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Anzahl Reisende nach Linien

Mio.

8

7

6

5

4,78 Mio.

0,26

5,29 Mio.

0,25

0,68

5,69 Mio.

0,25

0,61

6,43 Mio. 6,32 Mio.

0,27

0,66

1,57

0,24

0,56

1,58

4

0,64

1,41

1,54

3

2

1

0

1,40

2,61

2,59

2,18

1,95

1,51

0,97

1,01

1,11

1,32

1,35

2005 2006 2007 2008 2009

23

Brig–Zermatt–Brig Visp–Disentis/Göschenen–Visp Täsch–Zermatt–Täsch

Autolinien B

Glacier Express

Frequenzen nach Bahnhöfen

Mio.

8

7

6

0,99

1,01

1,09

1,56

1,63

5

4

2,39

2,44

2,62

2,99

2,99

3

2

1,52

1,55

1,63

1,50

1,46

1

0

1,32 1,38 1,51 1,55 1,42

2005 2006 2007 2008 2009

Bahnhof Andermatt Bahnhof Brig Bahnhof Zermatt Bahnhof Visp


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Kennzahlen

24


Matterhorn Gotthard Bahn Geschäftsbericht 2009

Ertragsentwicklung MG Bahngruppe

Mio. CHF

150

120

90

68,39

74,50

81,00

91,00

81,07

60

30

30,96

30,97

30,02

30,93

30,59

25

0

19,64

19,54

19,92

21,69

23,14

2005 2006 2007 2008 2009

Abgeltungen Infrastruktur Abgeltungen Verkehr Markterlös

M

Kostendeckungsgrad MG Bahngruppe

Mio. CHF

150

120

60% 65% 65% 65% 60%

140

136

125

113

114

90

81

91

81

68

60

74

30

0

2005 2006 2007 2008 2009

Kosten Markterlöse % Kostendeckungsgrad


Die Matterhorn Gotthard Bahn

auf einen Blick

Betriebsaufnahme BVZ Zermatt-Bahn 1891

Betriebsaufnahme Furka Oberalp Bahn 1914

Gründung Matterhorn Gotthard Bahn 2003

Streckennetz

Zermatt – Disentis/Göschenen

Linienbuskonzessionen

St.Niklaus–Grächen/Fiesch–Ernen–Binn

Streckenlänge

144 km

Maximale Steigung

181 Promille

Höchster Punkt Oberalppass (2033 m)

Tiefster Punkt Visp (625 m)

Stationen und Haltestellen 44

Brücken (> 10 m) 60

Längste Brücke Rhonebrücke Brig (176 m)

Höchste Brücke Mühlebachbrücke nach Stalden (45 m)

Tunnels und Lawinengalerien 49

Längster Tunnel

Furkatunnel (15,4 km)

Rollmaterialflotte

381 Schienenfahrzeuge

Vollzeitstellen 525

Anzahl Fahrgäste 2009

6,32 Millionen


03.10 404434

Matterhorn Gotthard Bahn

Bahnhofplatz 7, CH-3900 Brig. Telefon ++41 (0)27 927 77 77, Fax ++41 (0)27 927 77 79, www.mgbahn.ch, info@mgbahn.ch

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