Hamburger China-Nachrichten - Hamburger China-Gesellschaft eV

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Hamburger China-Nachrichten - Hamburger China-Gesellschaft eV

H a m b u r g e r C h i n a - G e s e l l s c h a f t e . V .

2/09

Hamburger China-Nachrichten

Aktiv in der Verbotenen Stadt

Anwalt in China

Chinareise 2009

Veranstaltungen/Kurse


Liebe Leserinnen und Leser!

Die Hamburger China-Gesellschaft e.V. (HCG)

hat für Sie wieder ein umfangreiches und abwechslungsreiches

Programm zusammen gestellt.

Die �emen reichen von Rechtsstaatsdialog

über virtuelle Welten, deutsche Aktivitäten

in China bis hin zu Taiwans Demokratie. Bekannte

und kompetente Referenten werden Ihnen diese �emen nahebringen,

die sich auch in den ausgewählten Artikeln dieser Ausgabe widerspiegeln.

Wandel und Neuerungen sind Teil des Lebens und auch die Hamburger China-Nachrichten

(HCN) stehen vor einer Veränderung. Drei Jahre habe ich

dieses Heft mit viel Freude als Redakteurin betreut, aber jetzt muss ich mich

aus beruflichen Gründen zurückziehen. Umso mehr freue ich mich, dass sich

bereits eine Nachfolgerin gefunden hat, die mit ihren journalistischen Erfahrungen

die HCN bereichern wird.

Ich möchte an dieser Stelle allen freiwilligen Helfern danken, die mit ihrer Arbeit

die Erstellung der HCN durch Übersetzungen, Artikel, Korrektur Lesen,

Anzeigen Akquise, Redaktionsarbeit, und, und, und, erst möglich machen.

Sie alle haben mitgeholfen, um Ihnen liebe Leserinnen und Leser, drei Mal im

Jahr die Hamburger China-Nachrichten mit Veranstaltungen und Artikeln zur

Verfügung stellen zu können.

Ich bin mir sicher, die HCN werden Sie auch in Zukunft zum Besuch der exzellenten

HCG-Veranstaltungen bewegen und mit guten Artikeln unterhalten.

Ihre Annett Kahl

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Programmübersicht,

Inhaltsverzeichnis

Vorträge / Veranstaltungen / Workshops / Kurse

Artikel und Berichte

Striche und Zahlen – Dr. Susanne Schäffler-Gerken Seite 18

Die virtuelle Verbotene Stadt macht Geschichte erlebbar – Interview mit Jürgen

Spanger Seite 22

Erster April (Teil 1) – Huang Xiaoling (Übersetzung Rupprecht Mayer) Seite 27

Anwalt in China – Dr. Rolf Geffken Seite 32

Rezept: Eichhörnchen-Fisch – Julian Chen Seite 37

Deutsch - Chinesisches Kulturnetz – Anke Rönspies Seite 39

Buchbesprechung: Margarete und Martin Kummer: China Special – Maos Reich

und China heute – Andreas Ahrens Seite 42

Sonstiges

Kursanmeldung Seite 43

Dit un Dat / Impressum Seite 44

Beitrittsformular Seite 45

Die Hamburger China-Gesellschaft e.V. Seite 46

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Übersicht

HCG-Veranstaltungen

Datum Veranstaltung HCN

16. April 2009

19.00 Uhr

27. April 2009

19.00 Uhr

9. Mai 2009

10.00 - 18.00 Uhr

14. Mai 2009

19.00 Uhr

18. Juni 2009

19.00 Uhr

25. Juni 2009

19.00 Uhr

13. Juli 2009

17.30 Uhr

16. Juli 2009

19.00 Uhr

August

und Oktober

2009

Oktober 2009

Der Deutsch-Chinesische Rechtsstaatsdialog - Prof. Dr. iur. Stoll

Ort: Yu Yuan – Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 HH

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder frei

HCG Shanghai-Club: Aktiv in der Verbotenen Stadt – P. Kusterer

und J. Spanger

Ort: IBM-Forum, Beim Strohhause 17, 20097 HH

Eintritt: frei

Der China-Faktor: Fünf Schlüssel zum Erfolg! – Workshop mit

Dr. R. Landmann, Dr. O. Prüfer und Lin Xiuyong

Ort: Restaurant NI HAO, Wandsbeker Zollstr. 25-29, 22041 HH

Kosten: € 196.- / für HCG-Mitglieder € 175.-

Zwei Länder gemeinsam in Bewegung - Botschaft Dr. W. Röhr

Ort: Yu Yuan – Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 HH

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder frei

S. 7

S. 8

S. 9

S. 10

Wie chinesisch ist Taiwans Demokratie? – Dr. H.-W. Schütte

Ort: Yu Yuan – Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 HH

S. 11

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder und Mitglieder der Bambusrunde

frei

HCG Shanghai-Club: Letzte Zuflucht Shanghai - S. Schomann

Ort: Restaurant NI HAO, Wandsbeker Zollstr. 25-29, 22041 HH

Kosten: € 20,- pro Person (inkl. chinesischem Menü und Tee)

Hong Kong: Weltstadt und Tor nach China - Stephen Kai Wong

Ort: Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, 20457 HH

Eintritt: frei

Meine Schulzeit in Deutschland und China – Lin Xiuyong

Ort: Yu Yuan – Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 HH

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder frei

Chinesisch-Kurse für Schüler ab 12 Jahren

Ort: Geschäftsstelle der HCG, Hindenburgstr. 54 a, 22297 HH

Eintritt: frei

HCG- Chinareise: Erlebte Gegensätze – Gelebte Freundschaft

Beijing, Xian, Guangyuan, Chengdu, Leshan, Shanghai

Hamburger China-Gesellschaft e.V. (HCG), Fon: 040 / 2508415, Fax: 040 / 50097043, www.hcg-ev.de

S. 12

S. 13

S. 14

S. 17

S. 20


Vortrag

April 2009

Der Deutsch-Chinesische Rechtsstaatsdialog

Prof. Dr. jur. Peter-Tobias Stoll

Donnerstag, 16. April 2009, 19.00 Uhr

Ort: Yu Yuan – Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 Hamburg

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder frei

Der Deutsch-Chinesische Rechtsstaatsdialog wurde

1999 von den Regierungen Deutschlands und Chinas

initiiert. Eine Fülle von Projekten und Begegnungen

unter Beteiligung öffentlicher, akademischer und gesellschaftlicher

Organisationen sichern einen aktiven

Austausch.

Der Rechtsstaatsdialog dient dem Ziel, die Entwicklung

des Rechtstaats in der Volksrepublik China zu

fördern. Er trägt damit in den Worten von Bundesjustizministerin

Zypries dem Gedanken Rechnung,

dass „die Gewährleistung persönlicher Grundrechte,

die Bindung staatlichen Handelns an die Gesetze und

individueller Rechtsschutz gegenüber Behörden durch unabhängige Gerichte

[als] Elemente des Rechtsstaatsprinzips ... nicht nur Garanten der bürgerlichen

Freiheit, sondern auch wichtige Voraussetzungen für dauerhaften wirtschaftlichen

Erfolg [sind]“.

Der Vortrag stellt die umfangreichen Aktivitäten in den Zusammenhang mit

der Entwicklung des Rechtssystems in China und fragt nach den Erfolgen und

Problemen dieses Dialogs und seines Verhältnisses zu dem parallel geführten

Menschenrechtsdialog.

Prof. Dr. jur. Peter-Tobias Stoll lehrt öffentliches Recht, insbesondere Völkerrecht

an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.

Er ist zugleich Direktor des Deutsch-Chinesischen Instituts für Rechtswissenschaft

der Universitäten Göttingen und Nanking.

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HCG Shanghai-Club

April 2009

Aktiv in der Verbotenen Stadt

Vortrag von Peter Kusterer und Jürgen Spanger

Montag, 27. April 2009, 19.00 Uhr

Ort: IBM-Forum, Beim Strohhause 17, 20097 Hamburg.

Eintritt: frei, im Anschluss Getränke und Fingerfood

In freundlicher Zusammenarbeit mit IBM Deutschland

Virtuelle Welten, die über das Internet betreten

werden können, dienen dem Erlebnis einer anderen

Identität oder Zeit. Durch „The Virtual

Forbidden City (VFC): Beyond Space and Time

“ öffnet jetzt eine historische, chinesische Welt

ihre Tore. Spezialisten von IBM haben zusammen

mit dem Palastmuseum in Peking einen

der fünf wichtigsten Paläste der Welt virtuell zum Leben erweckt.

Der Vortrag beginnt mit einer Einführung in das Engagement von IBM in diesem

speziellen Projekt und die Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit den

Partnern des Palastmuseum. Danach wird die virtuelle Welt ganz real. Jürgen

Spanger führt die Gäste des Shanghai Clubs in einer Life-Vorführung durch

die Verbotene Stadt und wird einzelne Sehenswürdigkeiten vorstellen. Die

Führung bietet zugleich Anlass zur Diskussion über die Möglichkeiten als auch

Grenzen der virtuellen Welten, Geschichte und Kultur verfügbar zu machen.

Peter Kusterer ist seit 25 Jahren bei der IBM in einer Vielzahl von nationalen

und internationalen Positionen tätig. Seit 2008 leitete er den Bereich Corporate

Citizenships & Corporate Affairs der IBM in Deutschland. Jürgen

Spanger ist studierter Diplom-Bibliothekar und Informationsmanager und seit

2006 bei IBM tätig. Er betreut u.a. die Virtual Forbidden City.

Für die Teilnahme an diesem Vortrag ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Bitte melden Sie sich mit Name und Telefonnummer bei der HCG an, telefonisch

(040/2508415) oder per E-Mail (info@hcg-ev.de).


Workshop

Mai 2009

Der China-Faktor: Fünf Schlüssel zum Erfolg!

Leitung: Dr. R. Landmann und Dr. O. Prüfer

Koreferent: Lin Xiuyong

Samstag, 9. Mai 2009, 10.00 - 18.00 Uhr

Ort: Restaurant NI HAO, Wandsbeker Zollstraße 25-29, 22041 Hamburg

Kosten: € 196.- / für HCG-Mitglieder € 175.-

Leistungen: Seminarunterlagen, alkoholfreie Getränke, Kaffeepause, Imbiss am

Mittag

Galt die Beschäftigung mit dem chinesischen Denken noch bis vor wenigen

Jahren im Westen als exotische Liebhaberei, so kann die Vernachlässigung

dieses Themas heute teure Folgen haben. Das Wissen über die Grundlagen

chinesischer Geschäftspraktiken wird zunehmend zu einem Faktor, der über

Gelingen oder Misserfolg in Kontakten mit chinesischen Unternehmen entscheidet.

Dieses Wissen geht über die richtige Etikette und die Besonderheiten

chinesischer Geschäftsgepflogenheiten hinaus. Es geht um die praktische Frage,

wie Entwicklungen günstig beeinflusst werden können.

Fünf zentrale Aspekte stehen im Mittelpunkt des Workshops: Guanxi, Timing,

Positionierung, indirektes Vorgehen und gezielte Beeinflussung von Entwicklungen.

Der Workshop erläutert diese Aspekte und vermittelt Grundlagenwissen

für eine erfolgreiche deutsch-chinesische Zusammenarbeit.

Dr. Rainer Landmann (Sinologe) und Dr. Oliver Prüfer (MBA Fudan Universität

Shanghai) trainieren und beraten Führungskräfte internationaler und nationaler

Unternehmen. Lin Xiuyong ist Dolmetscher und betreut chinesische

Delegationen aus Politik und Wirtschaft.

Verbindliche Anmeldung bitte bis zum 30. April 2009 mit dem Formular auf

Seite 43. Die Gebühren überweisen Sie bitte vor dem Workshop auf das Konto der

HCG (Konto-Nr. 609 50 205, Postbank Hamburg, BLZ 200 100 20) mit dem

Betreff „China-Faktor“ sowie Name und Telefonnummer.

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Vortrag

Mai 2009

Zwei Länder gemeinsam in Bewegung

Vortrag von Botschafter Dr. Wolfgang Röhr

Donnerstag, 14. Mai 2009, 19.00 Uhr

Ort: Yu Yuan–Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 Hamburg

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder frei

Die Veranstaltungsreihe “Deutschland und China - Gemeinsam

in Bewegung” ist die bisher größte Präsentation

Deutschlands im Ausland. Sie steht unter der gemeinsamen

Schirmherrschaft von Bundespräsident Prof. Dr.

Horst Köhler und Staatspräsident Hu Jintao. Von 2007

bis 2010 stellt sich Deutschland in Regionalmetropolen

Chinas als moderner, kreativer und zukunftsorientierter

Partner vor.

Die Veranstaltungsreihe will gegenseitiges Verstehen

und Vertrauen als Grundlage erfolgreicher Kooperation fördern. Im Rahmen

von mehrmonatigen Deutschlandwochen findet ein umfangreiches

deutsch-chinesisches Programm mit Symposien zu Fragen aus Politik, Recht,

Wirtschaft und Wissenschaft, Pop-Festival, Ausstellungen, Filmwochen,

Theater-, Musik- und Tanzdarbietungen u.v.a.m. statt. Höhepunkt ist eine

„Deutschland-Promenade“, während der in einer ansprechend gestalteten Ausstellung

auf einem zentralen öffentlichen Platz Visionen für die nachhaltige

Stadtentwicklung präsentiert werden.

In seinem Vortrag wird Botschafter Dr. Röhr auf Hintergründe, Ziele, �emen

und Partner der Veranstaltungsreihe eingehen.

Botschafter Dr. Wolfgang Röhr blickt zurück auf eine über zehnjährige dienstliche

Erfahrung in China. Er war in den achtziger und neunziger Jahren an

der Botschaft Peking tätig und von 2002 bis 2006 Generalkonsul in Shanghai.

Seit 2007 ist er im Auswärtigen Amt als Leiter des Arbeitsstabes Deutschland-

China verantwortlich für die Veranstaltungsreihe “Deutschland und China -

Gemeinsam in Bewegung”.


Vortrag

Juni 2009

Wie chinesisch ist Taiwans Demokratie?

Vortrag von Dr. Hans-Wilm Schütte

Donnerstag, 18. Juni 2009, 19.00 Uhr

Ort: Yu Yuan – Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 Hamburg

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder und Mitglieder der Bambusrunde frei

In Zusammenarbeit mit dem Taipei Freundeskreis Bambusrunde e.V.

Taiwan ist die erste funktionierende parlamentarische

Demokratie auf chinesischem Boden. Maßgebende

Triebkraft bei ihrer Entstehung war die Demokratische

Fortschrittspartei, die für eine eigenständige taiwanische

Nation eintritt. Ihr steht nicht nur die Ein-China-Doktrin

gegenüber, die von der Volksrepublik China propagiert

wird, sondern auch ein Unwillen in einem großen

Teil der politisch-wirtschaftlichen Elite des Landes, sich

mit Taiwan dauerhaft zu identifizieren - zum Schaden der

taiwanischen Demokratie?

Nachdem es 2008 zum zweiten Mal durch demokratische Wahlen zu einem

Machtwechsel in Taiwan kam und die neue Regierung einen bislang sehr erfolgreich

verlaufenden Entspannungsprozess eingeleitet hat, sieht sie sich einer

vehementen Opposition seitens taiwannationalistischer Kreise gegenüber. Jener

Kräfte, die einst unter hohem persönlichen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte

fochten. Sie halten Taiwans demokratische Errungenschaften angesichts

der Annäherung an die Volksrepublik China für gefährdet - zu Recht?

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Entstehung der taiwanischen Demokratie,

ihrer heutigen Form und ihrem möglichen Vorbildcharakter für ähnliche Entwicklungen

im chinesischen Kulturraum.

Dr. Hans-Wilm Schütte ist assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter des

Hamburger Instituts für Asien-Studien und publizierte dort regelmäßig in der

Zeitschrift China aktuell über aktuelle Entwicklungen in Taiwan.

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HCG Shanghai Club

Juni 2009

Letzte Zuflucht Shanghai

Lesung und Vortrag von Stefan Schomann

Donnerstag, 25. Juni 2009, 19.00 Uhr

Ort: Restaurant Ni Hao, Wandsbeker Zollstraße 25-29, 22041 Hamburg

Kosten: € 20,- pro Person (inkl. chinesischem Menü und Tee)

Stefan Schomann zeichnet in seinem 2008 erschienenen

Buch „Letzte Zuflucht Schanghai“ eine Liebesgeschichte

im Shanghai der vierziger Jahre nach. Zugleich liefert

er ein lebhaftes Bild der deutschen und österreichischen

Emigranten in dieser Zeit.

Robert Sokal, ein junger Flüchtling aus Wien, verliebt

sich in Chenchu Yang, eine Chinesin aus gutem Hause.

Gegen die Widerstände ihrer Familien und trotz der gewaltsamen

Umbrüche ihrer Zeit werden die beiden ein

Paar. Robert Sokal entwickelte sich später zu einem der bedeutendsten Biologen

der Gegenwart, obwohl - oder vielleicht ja auch weil - er an einem so ungewöhnlichen

Ort wie Shanghai studiert hat.

Das Buch beruht auf einer wahren, ungewöhnlichen und höchst dramatischen

Geschichte. Ungewöhnlich, da es sonst zwischen den rund 18.000 mitteleuropäischen

Flüchtlingen und der chinesischen Bevölkerung nur wenig Kontakt

gab.

Der Autor wird aus seinem Buch lesen und dabei auch Fotos aus den Familienalben

der Sokals präsentieren. Im Anschluss besteht Gelegenheit, Herrn Schomann

Fragen zum Buch, zur Recherche und zum Schicksal der Porträtierten

zu stellen.

Stefan Schomann, Jahrgang 1962, lebt als freier Autor und Journalist in Berlin

und Peking. Er schreibt vor allem für GEO, daneben für den Stern, DIE ZEIT

und die Frankfurter Rundschau.


Vortrag

Juli 2009

Hong Kong: Weltstadt und Tor nach China

Vortrag von Stephen Kai Wong

Montag, 13. Juli 2009, 17.30 Uhr

Ort: Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, 20457 Hamburg

Eintritt: frei (Vortragssprache Englisch), im Anschluss Gelegenheit zum Austausch

bei Getränken und Fingerfood

In Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg, der Deutschen Hong

Kong Gesellschaft e.V. und dem Ostasiatischen Verein e.V. (OAV), Unterstützt

vom Restaurant NI HAO

Unter dem Grundsatz “ein Land, zwei Systeme” ist zu

erwarten, dass Hong Kongs kapitalistisches System und

sein Lebensstil unangetastet erhalten bleiben. Das Basic

Law, das einer Verfassung gleich kommende Dokument

der Sonderverwaltungszone, sichert wichtige Grundsätze

wie “ein Land, zwei Systeme“, „ein hoher Grad an Autonomie“

und „die Bewohner regieren Hong Kong“. Das

Rechtsstaatsprinzip, mit einer unabhängigen Justiz, ist

Hong Kongs größte Stärke. Es bildet einen Grundpfeiler

für Hong Kongs Erfolg als ein führendes internationales, wirtschaftliches und

finanzielles Zentrum.

Hong Kong teilt mit dem Festland die Sprache und die Kultur und kann

sich auf mehr als 150 Jahre Handels- und Investitionserfahrung auf dem

Festland berufen. Die zwischen dem Festland und Hong Kong geschlossene

“Vereinbarung über eine engere wirtschaftliche Partnerschaft” (CEPA) als ein

Freihandels-Pakt ermöglicht es den in Hong Kong ansässigen Firmen, sich die

enormen wirtschaftlichen Chancen des Festlands noch weiter zu erschließen.

Stephen Kai Wong ist Direktor des neuen “Hong Kong Economic and Trade

Office“, demnächst mit Sitz in Berlin. Von 1996 bis 2007 arbeitete er für das

UN Zentrum für Menschenrechte in Genf und befasste sich dort mit Gesetzen

zur praktischen Umsetzung des Prinzips “Ein Land, zwei Systeme”.

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Vortrag

Juli 2009

Meine Schulzeit in Deutschland und China

Vortrag von Lin Xiuyong

Donnerstag, 16. Juli 2009, 19.00 Uhr

Ort: Yu Yuan – Teehaus, Feldbrunnenstr. 68, 20148 Hamburg

Eintritt: € 3,- / für HCG-Mitglieder frei

Lin Xiuyong, 1973 in Nanning, China geboren, wanderte

im jungen Alter von 15 Jahren mit seiner Familie

nach Deutschland aus. Er musste sich ohne jede Vorbereitung

in kürzester Zeit an eine völlig fremde Kultur

und Sprache anpassen und im deutschen Schulalltag mit

seinen verwirrenden Gewohnheiten und Regeln zurechtfinden.

So hat er die beiden unterschiedlichen Bildungssysteme

aus eigenen Erfahrungen kennen gelernt. Dabei

entdeckte er durchaus Unterschiede in den Bereichen

Lernmethoden, Wertvorstellungen und auch bei den zwischenmenschlichen

Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler.

Herr Lin wird in seinem Vortrag über seine Erlebnisse und Erfahrungen aus

seiner deutschen Schulzeit und die damit verbundene Anpassung an eine fremde

Kultur berichten. Außerdem wird er auch Vergleiche mit dem chinesischen

Schulalltag ziehen. Nach dem Vortrag gibt es Gelegenheit, sich mit Herrn Lin

auszutauschen.

Lin Xiuyong ist Dolmetscher und betreut z.B. chinesische Delegationen aus

Politik und Wirtschaft. Er ist in dem Bereich Deutsch-Chinesischer Kulturaustausch

tätig und arbeitet auch als Sprach-Dozent.


Sprachkurse

Frühjahr – Herbst 2009

Zhang Fang Liu Ping

Nancy Sengbusch-Zhang

Sie wollen nach China reisen? Sie interessieren sich für andere Kulturen und

Sprachen? Sie möchten wissen, wie ein Drittel der Menschheit miteinander

kommuniziert? Lernen Sie Chinesisch! Mit den erfahrenen chinesischen Lehrkräften

der HCG bringt der Sprachunterricht in kleinen Gruppen Spaß und

Erfolg.

Die Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene finden stets in Abendkursen

in kleinen Gruppen mit mindestens 6 Teilnehmern statt. Der Schwerpunkt

liegt auf dem aktiven sprachlichen Austausch, außerdem haben Sie

die Möglichkeit, die Schrift zu erlernen. Je nach Kenntnisstand können Sie

Grundwissen erwerben oder Ihre Sprachfähigkeit ausbauen. Die Lehrkräfte

bieten auf Wunsch Einstufungsgespräche an.

Im Anfängerkurs lernen Sie einfache Sätze und erhalten Einblick in die grammatischen

Grundlagen der Umgangssprache. Sie üben das freie Sprechen und

das Schreiben von ersten Schriftzeichen.

Der Aufbaukurs I bietet allen, die einfache Grundkenntnisse besitzen, die

Möglichkeit, kurze Dialoge zu üben und den Wortschatz in Sprache und

Schrift zu erweitern.

Im Aufbaukurs II sichern Sie Ihr Sprachwissen und lernen, wie man sich in

Alltagssituationen ausdrückt. Ihre Grammatik- und Schriftkenntnisse werden

ausgebaut.

Für sprachlich vorgebildete Teilnehmer/-innen empfehlen wir die Studiosus-

Gruppe. Hier festigen Sie Ihre Sprechpraxis. Daneben lesen Sie auch längere

Texte. Dieser Sprachkurs arbeitet mit dem Lehrbuch der Universität Hamburg.

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Herbst 2009

12 Unterrichtstermine

(nicht während der Schulferien und an Feiertagen)

Kursgebühren Mitglieder der HCG: € 90,-, Nichtmitglieder: € 110,-

SHANGHAI

Herr Liu

Zeit: Dienstag, 18.00 - 19.30 Uhr

XIAN

Herr Liu

Zeit: Dienstag, 19.45 - 21.15 Uhr

NANJING

Frau Sengbusch-Zhang

Zeit: Mittwoch, 18.00 - 19.30 Uhr

HONGKONG

Frau Zhang

Zeit: Freitag, 16.30 - 18.00 Uhr

SHANGHAI

Herr Liu

Zeit: Dienstag, 18.00 - 19.30 Uhr

SHANGHAI Studiosus

8. September bis 8. Dezember

Kursnr.: Shang_Sep09

XIAN Anfängerkurs

8. September bis 8. Dezember

Kursnr.: Shen_Sep09

NANJING Aufbaukurs I

9. September bis 9. Dezember

Kursnr.: Nan_Sep09

HONGKONG Aufbaukurs II

11. September bis 11. Dezember

Kursnr.: Hong_Sep09

SHANGHAI Studiosus

8. September bis 8. Dezember

Kursnr.: Shang_Sep09

Kursgebühren: Mitglieder der HCG 90 €, Nichtmitglieder 110 €.

Ort: Geschäftsstelle der HCG, Hindenburgstraße 54 a (U-Bahnhof Alsterdorf),

Parkplatz vorhanden. Auskunft: Dr. Susanne Schäffler-Gerken, Telefon

44 08 17, E-Mail: info@hcg-ev.de. Für die Anmeldung füllen Sie bitte das

Formular auf Seite 43 aus. Das Anmeldeformular können Sie auch von der

Homepage herunterladen: www.hcg-ev.de.

Schicken Sie Ihre Anmeldung bitte spätestens 10 Tage vor Kursbeginn per Post

oder per Fax an die HCG.

Die Kursgebühr überweisen Sie bitte auf das Konto der HCG: Kontonummer

609 50 205, Postbank Hamburg, Bankleitzahl 200 100 20.


Ferienkurse 2009

Chinesisch-Kurse für Schüler ab 12 Jahren

Die chinesische Sprache und Schrift birgt für uns Europäer immer noch und

immer wieder eine Fülle von Überraschungen. Jugendliche lieben diese Exotik

mindestens ebenso wie Erwachsene und können zumeist sehr leicht mit den

fremden Sprach- und Schriftelementen umgehen.

Für neugierige Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren bietet die HCG in den

Schulferien drei Mal einen 5-tägigen Einführungskurs Chinesisch an:

Ferienkurs A vom 3. bis 7. August,

Ferienkurs B vom 17. bis 21. August,

Ferienkurs C vom 12. bis 16. Oktober.

Der Unterricht fi ndet jeweils täglich von 11.00 bis 12.30 Uhr in der Geschäftsstelle

der Hamburger China-Gesellschaft, Hindenburgstraße 54 a (U-Bahnhof

Alsterdorf) statt. Der Einführungskurs ist speziell für junge Menschen gedacht,

die sich in den Ferien erste Kenntnisse in der chinesischen Sprache verschaff en

wollen. Kleine Dialoge und leicht verständliche Schriftzeichen werden im täglichen

Unterricht von unserer geschulten chinesischen Lehrkraft vermittelt.

Die Kursgebühr beträgt 40 Euro pro Teilnehmer/in.

Auf den Hamburger Ferienpass wird

eine Vergünstigung von 5 Euro gewährt.

Weiter Auskünfte zu den Kursen erteilt

Frau Dr. Susanne Schäffler-Gerken, Telefon

040/440817, E-Mail: info@hcg-ev.de.

Für die verbindliche Anmeldung füllen Sie

bitte das Formular auf Seite 43 aus und

schicken es an die HCG. Das Anmeldeformular

können Sie auch von der

Homepage herunterladen: www.

hcg-ev.de.

Bitte überweisen Sie die Kursgebühr

auf das Konto der Hamburger

China-Gesellschaft e.V. (Konto-Nr.

609 50 205, Postbank

Hamburg, BLZ 200 100 20).

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Schriftzeichen

leicht gemacht

Teil 6: Striche und Zahlen

von Dr. Susanne Schäffler-Gerken


Anzeige, Norddeutsche Affinerie

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Chinareise 2009

Erlebte Gegensätze – Gelebte Freundschaft

HCG-Reise: 10. – 23. Oktober 2009

Für Mitglieder beträgt der Reisepreis € 1.695,- p.P. / Einzelzimmerz. € 195,-

Für Nichtmitglieder € 1.840,- p.P. / Einzelzimmerzuschlag € 195,-

Das vergangene Jahr war geprägt von Gegensätzen. Einerseits traf China eines

der schwersten Erdbeben seiner Geschichte, andererseits erlebten wir eine

herzliche Solidarität in Hamburg mit den Opfern. Einerseits wurden zahllose

junge Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt, andererseits begann sich eine

herzliche Freundschaft zwischen den Schülern und Lehrern der Guangping-

Grundschule in Sichuan und den Mitgliedern der Hamburger China-Gesellschaft

aufzubauen. Stellvertretend für die Mitglieder überbrachte Frau Carla

Michel unsere Spende für den Aufbau und sofort wurde der Wunsch laut, dass

doch die Mitglieder im Herbst 2009 die Grundschule besuchen und an der

Freude in den Bergen teilhaben sollen.

Frau Carla Michel hat sich gerne bereit erklärt, die Reiseleitung

für diese ganz besondere Mitgliederreise zu

übernehmen. Sie pflegt auch weiterhin den direkten

Kontakt mit der Schule und mit der Freundschaftsgesellschaft

in Chengdu. Wir haben nun also gemeinsam eine

„Route der Gegensätze und der Freundschaft“ erarbeitet:

Am 10. Oktober fliegen Sie von Frankfurt nach Beijing.

Dort besuchen Sie am 11. und 12.10. die imponierenden

Neubauten wie den Schwimmwürfel und das Vogelnest

und erleben die Kunstfabrik mit ihren modernen

Künstlern. Eine Fahrt durch die Reste der Altstadt und ein Bummel über den

Blumenmarkt sowie eine Fahrt mit der hochmodernen U-Bahn lassen nicht

nur das moderne China erspüren. Mit dem Nachtzug geht es dann weiter nach

Xian.

Am 13. und 14. erleben Sie die alte Kaiserstadt mit der „Tonarmee“ des ersten

chinesischen Kaisers, der Großen Wildganspagode, dem einmaligen Stelenwald

und der restaurierten Stadtmauer. Selten besucht, aber von einmaligem Reiz ist

die Grabanlage der Tang-Kaiser mit dem Figurenweg aus Granit in der Gegend

des damaligen Changan. Am Abend reisen Sie dann mit dem Nachtzug in die

Berge.

Am 15. Oktober erreichen Sie die Kreisstadt Guangyuan und fahren mit dem

Bus weiter zur Guangping-Grundschule. Hier werden Sie von den Schülern

und Lehrern erwartet und Sie können die neue Aula ansehen, die von den


Spenden erbaut wurde. Es

gibt kein Dorf in der Nähe

– nur die Schule. Und Sie

werden mit den Kindern

einen Tag in ihrer Umgebung

verbringen. Abends

fahren Sie dann zurück

nach Guangyuan.

Der 16. Oktober steht für

eine Fahrt durch das Gebiet

um Guangyuan zur Verfügung.

Hier wird weiterhin an den Schäden des vergangenen Jahres gearbeitet

und die wunderschöne Landschaft straft die Bilder des Erdbebens Lügen.

Am 17. Oktober fahren Sie mit einem Zwischenaufenthalt im Sanxingdui-

Museum nach Chengdu und besuchen die Freundschaftsgesellschaft, die die

HCG bei der Spendenvergabe – zusammen mit unserer Partnerorganisation in

Shanghai - so aktiv unterstützte. Sie beschließen den Tag mit einem Besuch in

einem der berühmten Teehäuser der Stadt.

Am 18. Oktober besichtigen Sie die Schätze der Stadt und fahren hinaus zum

Panda-Ressort. Ein Tagesausflug am 19. Oktober führt Sie zu dem überwältigenden

Großen Buddha von Leshan und den zauberhaften buddhistischen

Tempelanlagen in seinem Schatten.

Am 20. Oktober fahren Sie hinaus zum historischen Wasserprojekt Dujiang-

yan und fliegen danach wieder in das Zentrum

der chinesischen Moderne, nach

Shanghai. Hier besuchen Sie die Vertretung

der Freien und Hansestadt Hamburg und

werden von unseren chinesischen Partnern,

SPAFFC, erwartet. Natürlich steht auch eine

Hafenrundfahrt, der Besuch des Yu Gartens

und des Teehauses sowie eine Fahrt in

das Neubaugebiet auf dem Programm. Der

letzte Tag steht dann zur freien Verfügung

und am 23. Oktober fliegen Sie zurück nach

Deutschland.

Das ausführliche Programm mit den umfangreichen

Leistungen fordern Sie bitte bei

unserer Geschäftsstelle per Mail oder Post

an oder schauen Sie auf unsere Homepage

www.hcg-ev.de.

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Interview

Die virtuelle Verbotene Stadt macht

Geschichte erlebbar

Interview mit Jürgen Spanger

IBM und das Palastmuseum in Peking haben einen der

fünf wichtigsten Paläste der Welt für alle Internetnutzer

geöffnet. �e Virtual Forbidden City: Beyond Space and

Time ist eine bislang einzigartige, interaktive, dreidimensionale

virtuelle Welt, in die Besucher völlig eintauchen

können. Praktisch jeder, der Zugang zum Internet hat,

kann sich virtuell in Raum und Zeit in die Welt der

Ming- und Qing-Dynastie vor hunderten von Jahren versetzen

lassen.

Wir haben mit Jürgen Spanger über dieses Projekt gesprochen. Er verantwortet

ausgewählte Corporate Social Responsibility Projekte bei IBM Deutschland

und betreut von Hamburg aus deutschlandweit dieses Non-Profit-Projekt der

IBM.

HCN: Herr Spanger, China, IBM, das Palastmuseum und die Verbotene Stadt,

eine auf den ersten Blick nicht gerade typische Kooperation, was verbirgt sich

hinter diesem spannenden Projekt?

Herr Spanger: Mit der Virtual Forbidden City (VFC) machen wir Geschichte

und Kultur der Ming- und Qing-Dynastie für alle Menschen erlebbar, die Zugang

zum Internet haben – und das vollkommen kostenlos. Ein Klick auf den

Link www.beyondspaceandtime.org genügt.

Über einen Zeitraum von drei Jahren haben Spezialisten von IBM zusammen

mit dem Palastmuseum in Peking dieses kulturelle Erbe Chinas virtuell zum

Leben erweckt. Erstmalig wurde eine virtuelle Welt ausschließlich für eine der

wichtigsten historischen Stätten entworfen. Durch den Einsatz modernster

IBM Technologien können Besucher als Avatar – als künstliche Person - virtuell

an Führungen zu historischen �emen, wie z.B. „Drachen der Verbotenen

Stadt“ teilnehmen, Sehenswürdigkeiten und Artefakte in Gruppen erkunden.

Sie können ihren Avatar aber auch individuell bewegen und sich z.B. im Bogenschießen

oder Kricket versuchen oder im jahrtausendealten chinesischen

Brettspiel Weiqi.

Sie werden als Besucher Teil der virtuellen Welt und haben, wie auch in der

realen Verbotenen Stadt, eine Karte zu Hand, auf der alle Sehenswürdigkeiten,

Artefakte und Aktivitäten eingetragen sind und selbstverständlich erhalten Sie

zu jeder Sehenswürdigkeit eine detaillierte Beschreibung und auf Wunsch ein

Bild des Originalschauplatzes.


Wir haben bei der Realisierung VFC Web2.0 Komponenten eingebaut, die es

den Besuchern ermöglichen, sich mit den Tour Guides und anderen Besuchern

via Chat auszutauschen. Sie können Fotos aufnehmen, diese via E-Mail an

Freunde oder an Ihre Online-Netzwerk-Kontakte direkt aus der Virtual Forbidden

City senden.

HCN: Herr Spanger, können Sie uns kurz erklären, wie diese Partnerschaft mit

der chinesischen Regierung zu Stande kam und wieso IBM involviert ist?

Herr Spanger: Die Partnerschaft ist zurückzuführen auf die Beziehungen der

IBM in China zur chinesischen Regierung.

Das Palastmuseum hatte schon länger großes Interesse daran, seine architektonischen

Sehenswürdigkeiten auch virtuell zu zeigen und war sehr offen für

unsere Technologien und Expertise.

IBM geht weltweit Partnerschaften mit Organisationen ein, um sie darin zu

unterstützen, mit innovativen Technologien Projekte wie dieses zu verwirklichen.

HCN: Welche Möglichkeiten bietet eine virtuelle Welt, um historische Stätten

zu zeigen – hätte es nicht auch eine informative Webseite getan?

Herr Spanger: Die Virtual Forbidden City vermittelt einen Eindruck von

Größe und Raum, den eine Webseite nicht bieten kann. Durch das Eintauchen

in eine virtuelle Welt wird Geschichte auf ganz besondere Weise erlebbar

gemacht. Dazu gehören auch Interaktionsmöglichkeiten, z.B. selbst eine Tour

für ihre Freunde in der Virtual Forbidden City zu führen, die eine Webseite

nicht bieten kann.

HCN: Wie erzeugt die Virtual Forbidden City ein authentisches Bild der realen

Verbotenen Stadt?

Herr Spanger: Voraussetzung dafür ist eine sorgfältige Recherche und Dokumentation.

Unser Team bei IBM China hat daher sehr viel Zeit mit der Dokumentation

verbracht. Darüber hinaus hat uns das Palastmuseum exzellentes

Material über die Verbotene Stadt zur Verfügung gestellt.

HCN: Wie können „virtuelle Welten“ die Art und Weise, wie wir mit unserem

historischen und kulturellen Erbe umgehen, verändern?

Herr Spanger: Es wird keine singuläre Zukunft im Management von kultu-

23


24

Interview

rellem Erbe geben. Doch Technologie, und das wird an diesem Beispiel ganz

besonders deutlich, kann hier eine Schlüsselrolle spielen. Virtuelle Welten bieten

eine phantastische Plattform, um Wissen über Kultur und Geschichte zu

vermitteln. Die Möglichkeit, sich virtuell in historischen Stätten zu bewegen

und nachempfinden zu können, wie die Menschen gelebt haben, welche Sitten

und Gebräuche sie hatten und die Bauwerke sogar betreten zu können, macht

Geschichte zu einem einzigartigen Erlebnis.

HCN: Wie viel Zeit und Geld musste investiert werden, dieses Projekt zu realisieren

und hat es sich gelohnt?

Herr Spanger: IBM hat nicht nur drei Millionen US Dollar über einen Zeitraum

von 3 Jahren in dieses Projekt investiert, sondern darüber hinaus haben

IBM Experten ihr Know-How eingebracht. Diese Investitionen haben sich gelohnt,

die Benutzerzahlen sprechen für sich: Wir haben Ende Oktober offiziell

die VFC in Peking vorgestellt und bereits in den ersten beiden Tagen haben

sich 140.000 Nutzer registriert, aktuell sind es 248.000!

HCN: Wie sehen die Pläne mit Virtual Forbidden City in Deutschland aus?

Herr Spanger: Projekte wie Virtual Forbidden City sind Teil unserer „Smarter

Education“-Strategie, mit der wir durch Einsatz von innovativen Technologien

neue Ansätze im Bildungsbereich ermöglichen. Wir sehen daher Virtual Forbidden

City als eine Bildungsplattform, die jedem offen steht, der sich über die

Kultur Chinas informieren möchte. Mittel- und langfristig wollen wir durch

Partnerschaften im Bildungsbereich den Mehrwert der Virtual Forbidden City

für Schule und Lehre aufzeigen.

HCN: Herr Spanger, nennen Sie mir bitte drei Gründe, wieso ich die Virtual

Forbidden City besuchen sollte.

Herr Spanger: Sie sind an der Kultur und Geschichte Chinas interessiert. Sie

können/möchten nicht 12 Stunden im Flugzeug sitzen, um sich die verbotene

Stadt anzuschauen. Sie sprechen Englisch oder Chinesisch.

HCN: Bedarf es besonderer Systemvoraussetzung, um die Virtual Forbidden

City zu besuchen?

Herr Spanger: Sie benötigen lediglich einen PC oder ein Notebook, das den

aktuell üblichen Konfigurationen entspricht. VFC ist Betriebssystemunabhängig

und läuft somit unter Windows/Mac OSX und Linux.


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Kurzgeschichte

Erster April (Teil 1)

von Huang Xiaoling, aus dem Chinesischen von Rupprecht

Mayer

Morgens um acht trat ich durch das Portal unseres grossen,

weissen Botschaftsgebäudes. Geheimer Stolz wärmte mir

das Herz. Wer hätte es sich vor zwanzig Jahren träumen lassen,

dass China einmal ein solches Objekt in bester Citylage

kaufen könnte? Und heute fuhr ich, ein kleiner Nachwuchsdiplomat,

schon einen BMW und lebte in einer stattlichen

Wohnung, und wenn ich dienstlich mit ihnen zu tun hatte,

dann bewiesen die eigentlich als leicht arrogant geltenden

Einwohner unseres Gastlandes D. die größte Beflissenheit.

Ich gehörte, um einen in der Heimat aktuellen Begriff zu gebrauchen, zur

Mittelklasse. „Das chinesische Volk ist aufgestanden“, so hatte es der alte Mao

ausgedrückt. Auf eine solche Bemerkung hin hatte ein reich gewordener alter

Schulfreund die Brauen hochgezogen und ungläubig gefragt, ob das ein Witz

sei, über den er lachen solle. Er war nicht auf der Höhe seiner Zeit.

„Huang,“ ein Anruf von Botschaftsrat Wu riss mich aus meinen Gedanken,

„morgen ist die Verhandlung wegen des Unfalls von Lin Xiangyang. Gehen Sie

hin!“

„Jawohl!“ Zum Glück konnte Wu nicht sehen, wie sich meine Miene verdüsterte.

Wenn man in einer Behörde arbeitet, dann folgt man Weisungen. Es

war meine Bestimmung, mich mit unangenehmen Dingen und mit unangenehmen

Leuten auseinandersetzen zu müssen.

Wieder dieser Lin Xiangyang. Kennengelernt hatte ich ihn bei einem unserer

Empfänge für neu eingetroffene Studenten. Jeder stellte sich da selbst vor, und

manche machten das ganz witzig, aber in der Regel blieb es bei ein oder zwei

trockenen Sätzen. Nur einer hatte sich kerzengerade aufgerichtet und eine regelrechte

Rede vom Stapel gelassen: „Ich komme von einer / wunderschönen

Insel / vor der Südostküste unseres Vaterlandes / es gibt dort / goldene Strände

/ die Lichter der Fischerboote / das Morgenrot über dem Meer / und bizarr

geformte Klippen / ich möchte hier / das modernste Know-how erlernen / um

meiner Heimat / den Aufschwung zu bringen.“ Das war ein Pathos, wie man

es heutzutage nur noch selten hört. Ich verkniff mir ein Grinsen und musterte

diesen Lin Xiangyang aus den Augenwinkeln. Ein Enthusiasmus, wie ich ihn

schon lange nicht mehr erlebt hatte.

Als ich Lin das nächste Mal sah, waren schon zwei Jahre vergangen. Es gab eine

Anhörung an seiner Universität, in einer idyllischen kleinen Stadt. Anders als

27


28

China

in Hamburg

in China gibt es in D., das lange aus unabhängigen Fürstentümern bestanden

hatte, allerorten Universitäten, auch in Kleinstädten mit nicht einmal hunderttausend

Einwohnern. Die Universität war eine der ältesten des Landes, und

die Maschinenbau-Fakultät, an der Lin studierte, war in der ganzen Welt berühmt.

Lin Xiangyang hatte bei der Zwischenprüfung geschummelt, und nach

den jahrhundertealten Regeln dieser Hochschule stand darauf die umgehende

Zwangsexmatrikulation. Es war traurig zu sehen, wie Lins Blick, in dem einst

ein Feuer gelodert hatte, nun plötzlich leer geworden war. Die Professoren,

die an der Anhörung teilnahmen, drückten ihr Bedauern darüber aus, dass die

Studenten aus China, die früher fast ausnahmslos eine Elite gebildet hätten,

jetzt doch sehr durchmischt seien. Viele gebe es, die wie Lin wegen ihrer Jobberei

das Studium nicht mehr auf die Reihe brächten.

Lin schlug sich als Studienabbrecher ein halbes Jahr schlecht und recht durch.

Dann weigerte sich das Ausländeramt, seinen Aufenthalt zu verlängern, und

Lin stellte Antrag auf Asyl. Doch ausser einer allgemeinen „Verfolgung durch

die Behörden“ konnte er dafür keine Begründung beibringen. Doch das Asylverfahren

in D. ist für seine Langwierigkeit berühmt, und so vergingen weitere

zwei Jahre, bis ich ihm im Verwaltungsgericht wieder begegnete. Das Leben im

Asylanten-Container hatte Lins Augen vollends den Glanz genommen. Sein

Antrag wurde abgelehnt. Es war nicht mehr wie in den frühen 90er Jahren,

die Erfolgsquote der Asylanträge von Chinesen war drastisch gesunken. Nach

der Verhandlung brach man mit Lin in Richtung Flughafen auf, er sollte nach

China zurückgeführt werden. Doch unterwegs gelang ihm die Flucht, und danach

hörte ich nichts mehr von ihm. Er war wohl wie so viele Chinesen in die

Illegaligät abgetaucht und spülte im Keller eines Chinarestaurants Geschirr.

Vor zwei Wochen nun klingelte mein Bereitschaftstelefon, als ich gerade mit

chinesischen Freunden einen Ausflug machte. Es war am Tag des chinesischen

Totenfests. Die Strassenbahn hatte einen chinesischen Staatsbürger überfahren,

der unvermittelt auf das Geleis gesprungen war. Die Polizei identifizierte ihn

als den seit fast zwei Jahren verschwundenen Lin Xiangyang. Als ich die Klinik

erreichte, war er schon tot. Seine Augen standen noch weit offen, und aus seinen

erstarrten Pupillen traf mich ein so unendlich trauriger Blick, dass ich ihm

am liebsten mit eigener Hand die Lider

geschlossen hätte.

Das Gericht, vor dem der Unfall verhandelt

wurde, war in einer mittelalterlichen

Burg untergebracht. Davor wuchsen

Linden mit dichten Kronen, der Marmorboden

in der Halle des Gerichts

glänzte wie ein Spiegel, und Statuen


griechischer Göttinnen musterten einen durch fünf Jahrhunderte hindurch.

Ein bärtiger Richter in schwarzer Robe schüttelte mir freundlich die Hand und

eröffnete die Verhandlung.

Später geriet plötzlich alles ausser Kontrolle. Der Rechtsanwalt der Strassenbahngesellschaft

hatte den Sachverhalt dargestellt und mit den Worten geschlossen:

„Der Unfall ist voll und ganz auf die Selbsttötungsabsicht des Herrn

Lin zurückzuführen. Die Anklage wegen fahrlässiger Tötung entbehrt jeder

Grundlage.“ Kaum war dieser Satz übersetzt, da stürzte sich Lins Mutter, die

bis dahin stumm wie ein Stein dagesessen hatte, wie eine Löwin auf den Anwalt,

packte ihn an seiner thaiseidenen Krawatte und brachte den netten und

verbindlichen, an Gregory Peck erinnernden Herrn zu Fall. Weiss der Himmel,

woher die hagere alte Frau die Kraft dazu genommen hatte. Im Gerichtssaal

brach das Chaos aus. Die Gerichtswachtmeister zerrten die beiden auseinander,

Gregory Pecks Heldengesicht hatte einen wächsernen Ton angenommen, und

er bekreuzigte sich in einem fort. Die alte Frau giftete weiter in einer Sprache,

die niemand verstand, und nach ihren hasserfüllten Blicken zu urteilen hätte

sie Gregory Peck am liebsten aufgefressen.

Meine Position als offizieller Vertreter Chinas war gründlich lädiert. Ich musste

uns nicht nur beim Richter entschuldigen, sondern auch begütigend auf

Gregory Peck einwirken, damit er nichts gegen Lins Mutter unternahm. Die

Verhandlung war zu Ende, die Klage von Lins Mutter abgewiesen. Beim Abschied

gab sie mir den Spruch mit auf den Weg: „Du bist eine Schande für uns

Chinesen!“ Aber wer hatte hier China wirklich blamiert?

Huang Xiaoling stammt aus Hangzhou und studierte Germanistik in Shanghai.

Sie ist Dolmetscherin und Übersetzerin am Deutschen Generalkonsulat in Shanghai.

Sie hat in China bereits erste Kurzgeschichten in Zeitungen und Zeitschriften

veröffentlicht.

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China Heute

Anwalt in China

von Dr. Rolf Geffken

Während der Kulturrevolution

gab es in China praktisch keine

Rechtsanwälte und die Justiz

besaß keine nennenswerte

Funktion. Dies begann sich

zwischen 1960 und 1970 zu

ändern. Die offizielle Statistik

von 1979 nennt immerhin

2.000 Anwälte in einem Land

von mehr als einer Milliarde

Einwohnern. Heute sind in

China so viele Anwälte zuge-

Der Autor mit der Pekinger Arbeitsrechtsanwältin Dr. Huifang Xiao

lassen wie in Deutschland, etwa

150.000. Damit hat China

weiterhin die geringste Anwaltsdichte der Welt.

Da die VR China seit 1999 in ihrer Verfassung das Regieren mit Gesetzen propagiert

und praktiziert, wächst auch die Nachfrage nach Anwälten im Reich

der Mitte unaufhörlich. Unabhängige Rechtsberatung und Prozessvertretung

werden von Unternehmen und Arbeitnehmern, von einzelnen Bürgern, aber

auch von regierungsunabhängigen Organisationen nachgefragt. Für junge

Jurastudenten steht dabei die Beratung und Vertretung von chinesischen und

ausländischen Unternehmen als Berufswunsch oben an.

Die Berufsperspektive junger Wirtschaftsanwälte besteht derzeit hauptsächlich

in einer beratenden und vertragsgestaltenden Tätigkeit, gleichzeitig gibt es

in China einen rasanten Aufschwung des Schiedsgerichtswesens. Dafür und

für die Zurückhaltung gegenüber dem allgemeinen Justizsystem gibt es zwei

Gründe. Zum einen leidet das chinesische Rechtssystem immer noch unter

einem mangelhaften Vollzug, das heißt Rechtsnormen existieren, entfalten

aber keineswegs immer und überall Wirksamkeit. Zum anderen ist nach wie

vor das Vertrauen in die chinesische Justiz begrenzt. Richter und Gerichte gelten

in den Augen der Bevölkerung nicht als unabhängig, denn die politischen

Organe sind der Justiz übergeordnet. Es besteht eine jährliche Berichtspflicht

der Gerichte gegenüber den Volkskongressen und einzelne Gerichtsentscheidungen

werden durch den jeweiligen Volkskongress einer Prüfung unterzogen.

Ursprünglich besaßen chinesische Richter keine juristische Ausbildung, sondern

waren verdiente Parteikader. Auch heute gehört der „nichtjuristische“


Richter keineswegs der Vergangenheit an. In China sind zudem Entlassungen

von Richtern möglich und Richter dürfen außerhalb ihrer richterlichen Funktion

rechtsberatend tätig sein.

Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass in China selbst ein unpolitischer

Wirtschaftsanwalt großes Interesse an einer justizfreien Schlichtung von Streitigkeiten

haben muss, sodass das Schiedsgerichtswesen auf dem Vormarsch ist.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass es das anhaltende Wirtschaftswachstum

und der Prozess der Verrechtlichung waren, die die ökonomische Situation

der Anwälte gegenüber Richtern privilegierten und deshalb den Nährboden

für Korruption bildeten. Ganz falsch ist die oft gehörte und immer wieder kolportierte

Unterstellung, für die Korruption sei die KP China verantwortlich.

Mehr als einmal erwies sich die KP als Institution, die Korruptionserscheinungen

bekämpfte und bisweilen verhinderte, wenngleich insgesamt wenig

erfolgreich.

In Strafprozessen tätige Rechtsanwälte gelten als dem Gericht und der sozialistischen

Legalität und nicht gegenüber dem Angeklagten verantwortlich. Das

chinesische Strafgesetzbuch bestimmt, dass jeder in der Justiz Tätige bestraft

wird, wenn er vorsätzlich Personen deckt, von denen er weiß, dass sie eine

Straftat begangen haben. Ein ähnliches Problem ist die Vorschrift, nach der

Kontakte von Anwälten mit ihren Mandanten und mit Zeugen strafrechtlichen

Sanktionen unterliegen. Auf einem internationalen Symposium an der

Qinghua-Universität wurde kürzlich ganz offen die damit verbundene Einschränkung

von Anwaltsrechten diskutiert und kritisiert.

Trotz der hohen Zahl von Arbeitnehmern und Arbeitsmigranten gibt es wenig

Arbeitnehmeranwälte. Zwar befassen sich die großen Wirtschaftsrechtskanzleien

in Shanghai oder Peking inzwischen auch mit dem Arbeitsrecht, allerdings

kennt der chinesische Anwaltsstand bisher keine Fachanwälte. Beratung

oder Prozessvertretung von Arbeitnehmern gilt zudem vielen Berufsanfängern

als nicht erstrebenswert. Ein chinesischer Wanderarbeiter mit € 50,00 bis

€ 80,00 Verdienst ist eben kaum in der Lage, ein ansehnliches Honorar zu zahlen.

Obwohl ein Gesetz derartiges Verhalten verbietet, sagte ein Vertreter einer

großen Kanzlei in Kanton, er empfände diese Klienten als Belästigung und

schicke sie wieder weg, wenn sie sich zu ihm verirren würden.

Auch hier erweist sich das chinesische Recht immer noch als Soft-Law, wenn

es sich um den Schutz einkommensschwacher Bevölkerungsschichten handelt.

Die Qualität der Arbeitsrechtsprechung der Volksgerichte ist zweifelhaft und

die bei den Arbeitsverwaltungen angesiedelten Schiedskommissionen genießen

eine höhere fachliche Akzeptanz bei allen Beteiligten als die Gerichte. Gleichzeitig

lässt das gewachsene Rechtsbewusstsein chinesischer Arbeitnehmer bei

zunehmendem Konfliktpotenzial in den Betrieben und Firmen eine ständig

33


34

wachsende Zahl von Arbeitsrechtsfällen erwarten. Verstärkt wird diese Tendenz

unter anderem durch die Kampagne zur Wahrnehmung eigener Rechte. Um

die Jahreswende 2007/2008 fanden sich in zahlreichen Wohngebieten Beijings

Comictafeln, die zur Wahrnehmung von Rechten aufforderten.

Wenn deutsche Anwaltsorganisationen oder einzelne Anwälte Partner und

Kollegen in China zum Dialog einladen, sollten sie immer bedenken, dass es

trotz der fehlenden Spezialisierung der Anwälte in China massive Klassenunterschiede

zwischen den großen etablierten und international agierenden

Kanzleien und einzelnen

Anwälten, die sich den

Problemen der gesellschaftlichen

Randgruppen annehmen,

gibt.

Immer noch werden zahlreiche

anwaltliche Funktionen

nicht von Anwälten

wahrgenommen. Dies gilt

vor allem im Bereich der

Vertretung einkommens-

Mit Comics für mehr Rechtsbewusstsein: Anschlagtafeln in Beijing, 2008

schwacher Arbeitnehmer,

enteigneter kleiner Haus-

besitzer und vieler vom Strafrecht bedrohter Angehöriger ärmerer Schichten.

Betroffene werden vielfach von Hochschullehrern, nebenamtlich tätigen Verwaltungsbeamten

oder sogar von Richtern (!) vertreten.

Da chinesische Anwälte keinen materiellen Anreiz zur Interessenvertretung

von sozial benachteiligten Schichten haben, hat die Nachfrage nach qualifizierten

Anwälten halbstaatliche Kanzleien hervorgebracht, die sozial benachteiligte

Betroffene vertreten, sofern deren Fall im öffentlichen Interesse liegt. In

Beijing wird diese Arbeit von einer der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften

angeschlossenen Kanzlei, der Dongfang Law Firm (DFLF) übernommen.

Die bei der DFLF tätige Anwältin Xiaofei Mao berichtete kürzlich

auf einer Veranstaltung der HCG gemeinsam mit dem Verfasser im Yuyuan

Teehaus in Hamburg.

Wegen der direkten Anbindung dieser Kanzlei an die Akademie sowie an zentrale

politische Institutionen münden viele ihrer Aktivitäten unmittelbar in

Gesetzesvorschläge und andere Initiativen zur Verbesserung der Rechtslage.

Leider bleiben die Auswirkungen dieses Konzepts angesichts der Größe des

Landes begrenzt. Deutsche Rechtsfakultäten haben bisher trotz des aufwendig

betriebenen Deutsch-Chinesischen Rechtsstaatsdialogs wenig zu einer Verbesserung

beigetragen. Auf internationalen Kongressen, Symposien und anderen


Veranstaltungen der DFLF fehlten bisher deutsche Kanzleien und Rechtswissenschaftler.

Hier besteht grosser Nachholbedarf.

Im November 2008 fand in Tianjin die 1. Deutsch-Chinesische Anwaltskonferenz

statt. Zu den Initiatoren und Organisatoren der Konferenz gehörte der Hamburger

Rechtsanwalt, Dr. Rolf Geffken von der Anwaltskanzlei Rat & Tat. Er ist Leiter

des Instituts für Arbeit ICOLAIR.

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36

Rezept

Auf grossflächigen Plakaten wurde Anfang 2008 in Beijing

zur Stärkung des Rechtsbewusstseins und rechtsstaatlicher

Strukturen aufgefordert


Rezept

Zutaten für 3-4 Personen

1 Wolfsbarsch oder Rotbarsch oder Zander (mit Kopf ! ca. 1-1,5 Kilo)

2 Eßl. geröstete Pinienkerne

frischer Koriander

Für die Marinade:

10 dünne Scheiben frischer Ingwer

3 zerdrückte Knoblauchzehen

3 Frühlingszwiebeln (in groben Streifen)

1 Eßl. Kochwein oder trockener Sherry

1 Eßl. Sesamöl

1 Prise Zucker, etwas Salz und Pfeffer

2 Eier

Lassen Sie den Fisch beim Kauf bereits entschuppen und ausnehmen! Zuhause

den Fisch kalt abwaschen und trocknen. Die Kiemen und den Kopf (nicht die

Schwanzflosse!) abschneiden, den Kopf beiseite legen. Jetzt den Fisch filetieren,

dabei möglichst die Schwanzflosse erhalten. Die Mittelgräte und die restlichen

Gräten in den Filets mit einer Pinzette entfernen. Kreuzweise das Fischfleisch

einschneiden – dabei die Haut nicht verletzen.

Für die Zubereitung der Marinade Ingwer, Knoblauch und Frühlingszwiebel

mit Salz, Pfeffer, Zucker, Kochwein und Sesamöl in eine flache Schale geben

und mit 2 Eiern kräftig aufschlagen.

Die vorbereiteten Fischfilets gut mit der Marinade einreiben und darin ca. ½

Stunde ziehen lassen. Kurz vor der Zubereitung den Fisch aus der Marinade

nehmen, abstreifen und fein, aber gleichmäßig mit Kartoffelstärke bestäuben.

Den Fischkopf als Dekoration ebenfalls mit der Marinade anfeuchten und mit

dem Kartoffelmehl be-stäuben.

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Zutaten für die Sauce:

1 Karotte (in kleinen Stücken)

1 Zitrone mit Schale in Scheiben (Bio)

1 Orange mit Schale in Scheiben (Bio)

3 Chilischoten (in Streifchen)

3 Stücke Ingwer (grob gehackt)

¾ l Wasser

1 große Tomate (geschält und entkernt)

2 Eßl. Tomatenmark

je ½ rote und grüne Paprika (in kleinen Würfeln)

1 Scheibe frische Ananas (in kleinen Würfeln)

Weißweinessig, Salz, Zucker,

Kartoffelstärke

Für die Zubereitung der Sauce 3/4 l Wasser mit den Karotten-, Zitronen-,

Orangen- und Ingwerscheiben sowie den in Ringe geschnittenen Chilischoten

mind. eine halbe Stunde köcheln lassen. Durch ein Sieb streichen und zurück

in den Topf geben. Gehackte Tomatenstücke und das Tomatenmark hinzugeben,

aufkochen. Kartoffelstärke in etwas kaltem Wasser anrühren und die

Sauce damit binden. Ananas- und Paprika-Würfel hinzugeben und mit Weißweinessig,

Salz und Zucker fein süß-säuerlich abschmecken.

Einen Wok oder eine tiefe Pfanne mit reichlich Rapsöl (ca. 2 l) füllen und

erhitzen (ca. 180 Grad). Den Fisch vorsichtig in das Öl gleiten lassen, immer

wieder mit dem Öl übergießen. In 8-10 Minuten goldbraun braten. Auf

Küchenpapier abtropfen lassen und auf eine vorgewärmte Platte legen. Den

Fischkopf ebenfalls braten und dekorativ vor dem Fischfilet anrichten.

Die Sauce auf und um den Fisch gießen, mit den gerösteten Pinienkernen bestreuen

und mit frischem Koriander dekorieren.


China - Deutschland

Deutsch - Chinesisches Kulturnetz

von Anke Rönspies

Was geschieht aktuell im deutsch-chinesischen Kulturaustausch?

Wie weit ist die Vernetzung beider Länder auf

kultureller Ebene vorangeschritten? In welchen Punkten

unterscheidet sich das Kulturleben in China und

Deutschland grundlegend, wo liegen Gemeinsamkeiten?

Diese und weitere Fragestellungen auf einer gemeinsamen

Plattform zu bündeln war der Ursprungsgedanke,

der der Gründung des Deutsch-Chinesischen Kulturnetzes

vorausging. Durch das Engagement des Goethe-

Instituts und der Robert Bosch Stiftung konnte die Idee eines bilateralen Internetportals

2007 umgesetzt werden. Im November 2008 feierte das Deutsch-

Chinesische Kulturnetz seinen einjährigen Geburtstag – und blickt auf erste

Erfolge zurück: Neben der stetig steigenden Anzahl der Leser zeigen auch viele

Leserbriefe, dass die Internet-Seite www.de-cn.net eine Lücke für all jene geschlossen

hat, die am deutsch-chinesischen Kulturaustausch interessiert sind.

Anzeige Yuan Ye

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40

Das Deutsch-Chinesische Kulturnetz

präsentiert unterschiedliche

Perspektiven und kulturelle Positionen

zu Themen, die Menschen

an den Schnittstellen des deutschchinesischen

Kulturaustausches

bewegen. Im Schnitt dreimal wöchentlich

werden im „Magazin“

in Rubriken wie Film, Literatur,

Musik, Architektur, Bildung, Medien

oder Jugendaustausch Beiträge

zu kulturellen Ereignissen und Entwicklungen

beider Länder veröffentlicht.

Die Artikel sind über einen

Newsletter der Website abonnierbar.

Die Besonderheit des Kooperationsprojektes ist vor allem die Zweisprachigkeit

der Seite – dies gab es in solch umfassender Form bis dato weder in Deutschland

noch in China: Jeder Beitrag wird auf Deutsch und Chinesisch veröffentlicht

– Anliegen beider Seiten finden Gehör, Ziel ist es, einen Dialog der

Kulturen in Gang zu bringen.

Wie unterscheidet sich die deutsche Gastfreundschaft von der chinesischen?

Welche Rolle spielen die heutigen Intellektuellen in China – und wie sieht es

mit dieser Frage in Deutschland aus? Zu diesen und weiteren Fragestellungen

wird in der Rubrik „In der Diskussion“ zunächst jeweils von einem deutschen

und einem chinesischen Autor ein Beitrag veröffentlicht. Im „Forum“ der

Website haben die Leser die Möglichkeit, sich selbst an der Diskussion zu beteiligen.

Renommierte Autoren wie die Schriftstellerin Sibylle Berg oder der

chinesische Intellektuelle Chen Danqing konnten für Beiträge gewonnen werden.

Auch kritische �emen wie die Tibet-Frage wurden in der Vergangenheit

aufgegriffen.

Um ihre anspruchsvollen Aufgaben bestmöglich zu erfüllen, ist die deutschchinesische

Redaktion auf Deutschland (München und Berlin) und China

(Peking) verteilt. Nur durch die Vernetzung vor Ort kann eine vielseitige Berichterstattung

gewährleistet werden. 2009 wird die Redaktion verstärkt demographische

und ethische Fragestellungen thematisieren. Die Redaktion freut

sich auf einen anregenden Austausch im Jahr des Büffels.

Anke Rönspies ist Redakteurin für das Deutsch-Chinesische Kulturnetz in München.

Sie studierte Sinologie, Japanologie und Psychologie in Erlangen, Xiamen

und München sowie Kulturmanagement in Hagen.


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Buchbesprechung

Margarete und Martin Kummer: China

Special – Maos Reich und China heute

Verlag + Herausgeber: M. und M. Kummer, Hamburg, 2008,

€ 6,50, Bestellungen: www.maos-reich-china-heute.de

Margarete und Martin Kummer

sind freie Journalisten und Autoren.

Im April 1976 bereiste Martin

Kummer die Volksrepublik China

als akkreditierter Jour-nalist. Exakt

dreißig Jahre später führte er diese

Reise mit seiner Ehefrau und Kollegin

Margarete Kummer auf derselben

Route noch einmal durch.

Herausgekommen ist der Versuch eines direkten Vergleichs Chinas am Ende

der Kulturrevolution und dem China von heute. Beleuchtet und verglichen

werden hierbei unter anderem der Wandel in der Kleidung, die Rolle von Parolen,

die Ein-Kind-Politik, aber auch der Umstieg vom Fahrrad ins Auto. Die

neuen Techniken im Medienbereich finden ebenso Erwähnung wie die veränderten

Essgewohnheiten. Abschließend werden die Ziele von Maos Erben sowie

die Wünsche der heutigen Chinesen einer Würdigung unterzogen.

Gleich zu Beginn beim Schildern der Reiseroute fällt auf, dass die Autoren lediglich

fünf der großen Städte Chinas genauer bereist haben. Auf dem Lande

jedoch fallen die Unterschiede zwischen gestern und heute erheblich geringer

aus als in Peking und Schanghai. Auch die Bildunterschriften wirken bisweilen

holz-schnittartig und aus dem Zusammenhang gerissen. Vieles erinnert an

einpräg-same Zeitungsüberschriften, stellt somit eine Aneinanderreihung von

Versatz-stücken und / oder bisweilen auch Binsenweisheiten dar. Wenn man

dann auch noch feststellen muss, dass Eigennamen oftmals falsch geschrieben

sowie die Benutzung diakritischer Zeichen nicht stringent durchgehalten

wurde, bleibt ein fahler Beigeschmack haften. Derartige handwerkliche Fehler

dürfen einfach nicht auftauchen.

Lohnenswert machen das Magazin die durchgängig interessanten und auch

guten Fotos. Sie sind in der Regel für sich alleine aussagekräftiger als die jeweiligen

Kommentare.

Andreas Ahrens


" Name Vorname

KURS-ANMELDUNG

Bitte in Druckschrift ausfüllen und einsenden an die:

Hamburger China-Gesellschaft e.V.

Hindenburgstraße 54a,

22297 Hamburg

Hiermit melde ich mich verbindlich für den folgenden Kurs/die folgenden

Kurse an:

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PLZ Ort

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Ich bin HCG-Mitglied Nichtmitglied

Ort, Datum, Unterschrift

Fax: 040 / 50 09 70 43

Mail: info@hcg-ev.de

Ich möchte Kursbeiträge sparen und Mitglied werden

43


44

Dit un Dat

HCG-Geschäftsstelle

einmal wöchentlich geöffnet!

Öffnungszeiten: Montags, 14.00 – 17.00

John Rabe

Kinofilm über „den Guten Deutschen von

Nanjing“

Kinostart: ab 2 April 2009

Sammlung Ostasien

Führungen durch die neu eröffnete Sammlung

Termin: 12.04.2009, 14.00 Uhr; 22.04.2009,

12.30 Uhr; weitere Termine erhalten Sie beim

Museum

Ort: Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz,

20099 HH, Tel.: (040) 428 134-27 32,

www.mkg-hamburg.de

Förderprogramm „Grenzgänger“

Recherchestipendien für Autoren zu Mittel-,

Ost- und Südosteuropa oder China

Bewerbungstermin: 30.4.2009

Informationen: Robert Bosch Stiftung und

Literarisches Colloquium Berlin,

www.bosch-stiftung.de

China Spektakular

Konzert des NDR Sinfonieorchesters

Tan Dun, Crouching Tiger Concerto mit Live-

Filmprojektion (Ausschnitte aus Crouching Tiger,

Hidden Dragon von Ang Lee) und Werke

von Chen Qigang

Termin: 26.06.2009, 20.00 Uhr

Karten: € 16,– / ermäßigt € 8,–, Kartenreservierung:

(040) 270 949-49

Ort: Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 HH,

www.kampnagel.de

Impressum:

Hamburger China-Gesellschaft e. V.

(HCG), Hindenburgstraße 54a,

22297 Hamburg

Tel.: 040/2 50 84 15

Fax: 040/ 50 09 70 43

Mail: info@hcg-ev.de

Internet: www.hcg-ev.de

Herausgeber: HCG e.V.

Redaktion: Annett Kahl

Übersetzung: Lin Xiuyong, Feng Li, Nancy

Sengbusch-Zhang, Lin Weizhong

Druck: Druck & Medien Kontor,

Rotenburg/Wümme

Layout: Li Xiang

Anzeigen: Karl-Heinz Fahlbusch

Mail: fahlbusch@dumk.de

Namentlich gekennzeichnete Beiträge

geben nicht unbedingt die Meinung der

HCG wieder.

Die Redaktion behält sich Kürzungen von

eingesandten Beiträgen vor.

Bildnachweise/Copyright

C. Michel (Titel, S. 20, 21), K. Oetjen

(Titel), Dr. R. Geffken (Titel, S. 32, 34),

J. Spanger (Titel, S. 22, 34), A.E.

Schöttler (S. 21), R. Claussen (S. 28),

C. Heino (S. 29, 30), J. Chen (S. 37, 38),

A. Rönspies (S. 39, 40), Lao Du (S. 41),

M. Kummer (S. 42)


"

"

Hamburg China-Gesellschaft e.V.(HCG),

Hindenburgstraße 54 a, 22297 Hamburg, Fon: 040/2 50 84 15, Fax NEU! : 040/50 09 70 43

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Bankverbindung: Konto Nr. 609 50 205, Postbank Hamburg, BLZ 200 100 20

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Die Hamburger China-Gesellschaft e.V. (HCG)

Die Hamburger China-Gesellschaft (HCG) wurde 1974 als Ortsverein

der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft gegründet; sie

ist die älteste Chinavereinigung in Hamburg. Mit der Gesellschaft für

die Freundschaft mit dem Ausland in Shanghai wurde 1988 ein Partnerschaftsvertrag

geschlossen. Seit 1992 trägt die Gesellschaft ihren

heutigen Namen.Die HCG möchte das Interesse an China fördern,

freundschaftliche Beziehungen zwischen Chinesen und Deutschen animieren

und damit dem Ziel der Völkerverständigung dienen. Realisiert

wird dieses Ziel durch regelmäßige Veranstaltungen, Seminare, Sprach-,

Koch- und Malkurse, Ausstellungen und Informationsfahrten etc., in

denen Fragen zu Kultur, Wirtschaft, Politik, Recht u.a. durch kompetente

Referenten und Lehrer beantwortet werden. Die HCG bemüht

sich um eine unabhängige, sachliche und fachlich hochwertige Präsentation

und ordnet sich weder politischen noch religiösen Organisationen

unter.

HCG-Mitglieder erhalten freien Eintritt zu Vorträgen, Ermäßigungen

bei Kursen und anderen Veranstaltungen sowie die Informationszeitschrift

Hamburger China-Nachrichten“. Die HCG ist aufgrund ihres

Vereinsziels durch Bescheinigung des Finanzamtes Hamburg-Mitte-

Altstadt als gemeinnützig anerkannt. Spenden sowie der Mitgliedsbeitrag

sind steuerlich absetzbar. Zur Zeit beträgt der Regelbeitrag

€ 60,- (ermäßigt € 40,-) pro Jahr für Privatpersonen und € 200,- für

Firmen.

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