Ausgabe 19 Juni 2013 – August 2013 ... - Electrocompaniet

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Ausgabe 19 Juni 2013 – August 2013 ... - Electrocompaniet

ISSN 1867-5166

Ausgabe 19

Juni 2013

August 2013

Deutschland € 11 • Österreich € 12,30

Luxemburg € 13,00 • Schweiz sfr 22,50

www.hifi-stars.de


Technik

Electrocompaniet ECP 1

Klein, stark, schwarz

Der E CP-1 i st s chon s eit d em l etzten J ahrzehnt d es

vergangenen Jahrhunderts im Sortiment des norwegischen

H erstellers E lectrocompaniet z u ἀ nden. Vom

Äußeren her ist seit jeher diese Phonostufe eindeutig

als K ind d es H auses z u e rkennen: s tabiles G ehäuse,

dicke P lexiglasfront u nd v ier g olden s chimmernde

Schrauben zu ihrer Fixierung. Außer zwei LEDs in der

Mitte der 24 Zentimeter breiten Front, die die jeweilige

Betriebsart (MM oder MC) farbig anzeigen, gibt es

auf der Rückseite noch eine Buchse für das mitgelieferte

Netzteil, den Wahlschalter f ür M M- oder MC-

Betrieb, eine Erdungsklemme und je ein Paar unsymmetrische,

verschraubte Cinchbuchsen für den Ein- und

Ausgang.

Einstellmöglichkeiten ἀnde ich nicht und das hat einen

technischen Gr und, d en i ch g leich n äher er läutern

möchte. Die Handhabung des ECP-1 ist dementsprechend

u nkompliziert. P lattenspieler u nd Verstärker

verkabeln, Netzteil einstöpseln (ein Netzschalter existiert

nicht) und schon steht der ersten Hörrunde nichts

mehr im Wege. Apropos Netzteil, das ist eine der Veränderungen,

die die Electrocompaniet-Ingenieure dem

ECP-1 ha ben a ngedeihen l assen. G ab e s i n d er A n-

fangszeit lediglich ein Steckernetzteil, l iegt jetzt ein

größeres, s pezialisiertes W echselstromnetzteil de s

ebenfalls norwegischen Herstellers Mascot bei. Dieses

liefert an seinem Ausgang eher ungewöhnliche 42 V

Wechselspannung. Die Gleichrichtung und Aufbereitung

für die einzelnen Schaltungen des Phonovorverstärkers

ἀndet im Gehäuse selbst statt.

Rauschfreiheit garantiert

Die Werte des ECP-1 lesen sich gut. MC-Signale werden

um 73 dB verstärkt, bewegte Magneten um 34,8 dB.

Das Grundrauschen liegt bei -88 dB und das ist auch

das erste, was nach dem ersten Anschließen der schwarzen

K iste a uffällt – i ch h öre n ichts, k ein R auschen,

keinerlei Geräusch ertönt aus den Lautsprechern. Das

habe ich bei anderen Vertretern dieser Gerätegattung

schon ganz anders wahrnehmen können. Dies spricht

zum einen für das Schaltungslayout, zum anderen aber

auch für die Qualität des Netzteils.

Die Verstärkerschaltung selbst arbeitet mit hohem Ruhestrom.

Das Gehäuse wird im Betrieb handwarm, denn

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die MM- und Ausgangsstufe des ECP-1 ist eine passiv

entzerrte Class-A-Gegentakt-Transistorstufe. Aber es

gibt noch ein interessantes Detail: Die MC-Stufe ist ein

Stromverstärker, der quasi unabhängig von der Ausgangsspannung

der jeweils angeschlossenen Tonabnehmer

arbeiten kann; eine Impedanzanpassung ist nicht

nötig. Auch leise Systeme m it m inimaler Ausgangsspannung

stellen kein Problem für den Norweger dar.

Stromverstärker haben darüber hinaus gegenüber Spannungsverstärkern

eine höhere Bandbreite und können

auch kleinste Signale ohne Rauschprobleme verarbeiten.

Vereinfacht gesagt funktioniert es so: Der Eingangsstrom

„kontrolliert“ in einem Transistor einen höheren

Strom, der parallel angelegt wird. Die Modulation des

geringen Stroms wird innerhalb eines Transistors auf

den größeren Strom gespiegelt, bzw. moduliert. Natürlich

ist es in der Realität etwas komplizierter. Das läßt

sich schon beim Blick auf die zahlreichen Dreibeiner

in der diskreten Schaltung erahnen.

Die e inzelnen Verstärkerstufen a rbeiten j eweils m it

eigener Gegenkopplung (im MC-Eingang in „Zusammenarbeit“

mit dem Tonabnehmer) zur Minimierung

von Verzerrungen – eine Über-Alles-Gegenkopplung

gibt es im ECP-1 hingegen nicht. Das hat der k leine

Phono-Pre mit den großen Verstärkern aus gleichem

Hause gemeinsam.

Unauffällig hat das edle Gehäuse fernab von störenden

Netzteilen in meinem Setup platzgenommen. Spielpartner

ist das Benz ACE L a m R B 300 auf einem Masselaufwerk,

preislich eine passende Kombination. Zusätzlich

habe ich die ECP-1 noch mit einem Goldring

Eroica LX auf einem Music Hall mmf-9.1 gehört. Das,

was Sie in den kommenden Zeilen als Klangbeschreibung

lesen, konnte ich mit beiden Kombinationen hören.

Souveräner Baßbereich

Die erste LP, die den Weg auf den Plattenteller ἀndet,

ist „Yola“ von Eleanor McEvoy. Das Stück „Is‘n‘t it a

little late?“ beinhaltet lediglich Eleanors Stimme und

das unglaublich groovende Schlagzeug von Liam Bradley.

Das erste Adjektiv, das mir einfällt, lautet „exakt“.

Der ECP-1 spielt rhythmisch extrem sauber auf, das

Schlagzeug klingt realistisch mit ordentlich Druck in

den tiefen Lagen, gepaart mit souveräner Kontrolle im

Baßbereich. Eleanor McEvoys Stimme steht frei in der

Mitte des Raumes, der im Nachhall die Melodie noch

ein wenig unterstützt. Während der Darbietung wippe

ich automatisch mit, der Norweger animiert geradezu

dazu. Diese Fähigkeit, den Hörer rhythmisch mitzureißen,

ist mir bereits während der Einspielphase aufgefallen.

Elvis Presley und seine Version von „Fever“ bieten sich

jetzt geradezu an. Ebenfalls zurückhaltend instrumentiert,

aber dafür intensiver als viele andere Einspielungen

dieses Stückes. Der Kontrabaß steht felsenfest auf

seiner Position, ein wenig hinter Elvis, seine Stimme

kommt mit dem dazu gehörigen Schmelz, ohne aber

zu süßlich oder gar seicht zu geraten. Auch hier bleibt

der Electrocompaniet exakt und sauber. Details sind

ebenfalls kein Problem für ihn – Sie kennen die Stelle,

wo Elvis‘ Kettchen zu hören ist? Der ECP-1 zeigt sie

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und vergißt dabei nicht, die Musik zusammenzuhalten.

Das Fingerschnipsen und die Perkussionseinlagen öffnen

das Stereobild nach rechts und links. Generell ist

die Bühne mit dem Phonovorverstärker schön breit, in

die Tiefe geht er auch, aber nicht ganz so wie einige

Konkurrenten. D ie r äumliche A bbildung g erät h ier

minimal kompakter, was aber vielleicht auch der Grund

für den packenden, sehr direkten und nahen Auftritt

der meisten Künstler ist. Sie schweben eben nicht über

die Bühne, sondern stehen mit beiden Beinen auf dem

Boden! Das neue Album von Steven Wilson „The raven

einige an Pink Floyd erinnernde Gitarrenakkorde. Selten

ha be i ch s eine S timme s o k lar u nd o ffen i n d er

Mitte des Stereobildes gehört.

Ungebremste Dynamik

Ein w eiterer A spekt k ommt m it d em w eitestgehend

unkomprimiert und hochdynamisch aufgenommenen

Album a uf: De r E lectrocompaniet v ermag a ll d iese

Dynamikabstufungen ohne Einschränkung an die Anlage

weiterzugeben und bleibt dabei souverän in der

Darstellung über alle Frequenzbänder. Die rhythmischen

that refused to sing“ liegt auf. Es ist meisterhaft von

Alan Parsons aufgenommen und grandios eingespielt

von Wilsons Ausnahmeband. Das sehr komplexe Eröffnungsstück

„Luminol“ löst der ECP-1 mühelos auf,

alle Instrumente sind eindeutig zu identiἀzieren und

realistisch auf der Bühne verteilt. Der Baß von Nick

Beggs sorgt bei mir d irekt f ür Gänsehaut, es ist u n-

glaublich, welche Töne der Mann seinen Saiten entlokken

k ann. A bgrundtief p ulsiert s ein m usikalisches

Können durch meinen Hörraum – das erinnert mich

sehr an meine Emotionen zu diesem Stück während

des Live-Konzertes. Es dauert einige Zeit, bis Steven

Wilson beginnt zu singen, unter seiner Stimme liegen

Akzente, d ie t eilweise w ie G ewehrsalven a rrangiert

sind, überzeugen vor allem durch die Ruhe zwischen

den einzelnen Transienten. Auch wenn die Trommelschläge

nur Millisekunden voneinander getrennt sind,

der ECP-1 schafft es, dazwischen akustisch für Ruhe

und Platz zu sorgen. Er ist also zugleich schnell und

ebenso sattelfest in der Wiedergabe. Zu keiner Zeit gibt

es ein Anzeichen, daß der kleine Norweger jemals ins

Schwimmen geraten könnte. Die Becken, die auf Wilsons

Album durchaus oft zum Einsatz kommen, klingen

nach echten Becken, mit feinem Glanz, aber ohne

jemals zu breit oder gar angezerrt zu wirken. Natürlich

hängt das auch von der Qualität der Aufnahme und

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Pressung ab, aber die ist im Fall Wilson ebenfalls exquisit

und der EC zeigt seine Fähigkeiten! Wo wir gerade

bei Klangfarben sind, möchte ich die Darstellungsmöglichkeiten

d es P hono m it J azz a usloten. Da zu

ziehe ich die LP „Norr“ vom Tingvall Trio heran. Piano,

Baß und Schlagzeug stehen auf der Bühne. Erneut

zeigt der ECP-1 was in ihm und in der Aufnahme steckt:

Das K lavier k lingt i n a llen Registern f arbig, präzise

und stets schnell. Die Transienten werden auch hier

mit a ller vo rhandenen D ynamik a n Verstärker u nd

Lautsprecher weitergegeben. Der zwischen den Lautsprechern

akustisch aufgespannte Raum hat ovale Dimensionen,

etwas breiter als tief, aber immer homogen

und natürlich. Der Baß besitzt auch hier Bodenhaftung,

die Becken strahlen, ohne zu blenden, den Zwischenraum

füllt das von Martin Tingvall virtuos bediente

Tasteninstrument mit seinem Klangkörper wunderbar

aus und ich muß schon wieder mitwippen…

Egal, w ie komplex d ie Musik w ird, egal w ie voll d ie

einzelnen Frequenzbereiche in der Abmischung geraten

sind, immer behält der Vorverstärker die Übersicht.

Das hatte ich in solcher Souveränität von einem Gerät

dieser Preisklasse im Vorfeld nicht unbedingt erwartet.

Und zwischendurch diese Schwärze, diese Ruhe, wenn

die Musik atmen darf, i n den Pausen, d ie so v iel zu

sagen haben. Da schmiert nichts zu, wie es günstigere

Vertreter gerne sanftmütig und ein wenig g leichmacherisch,

vielleicht sogar anbiedernd zu Gehör bringen

– der ECP-1 enthält sich dessen! Im Gegenzug bedeutet

dies: Wenn eine Pressung nun wirklich nicht gut

ist oder die Dynamik einer allzu stark komprimierten

Aufnahme gegen Null geht, dann zeigt es die Phonovorstufe

auch. Ich habe das zum Beispiel mit einigen

für das Radio aufbereiteten Pop-Aufnahmen aus den

90er Jahren festgestellt. Was einmal komprimiert und

plattgemacht wurde, kann auch der ECP-1 nicht mehr

retten.

Eine ehrliche Haut

Anders ist es da bei gut gemachter Elektronica-Musik.

Ich habe mir das Album „Speed Emotions“ des Duos

Marbert Rocel aus dem Regal gezogen. Elektronische

Klangerzeuger, S amples, n atürliche Instrumente und

Stimmen wurden zu einem homogenen Ganzen zusammengefügt.

Der souveräne, knackige und tiefe Baß ist

auch hier wieder äußerst beeindruckend. Der Gesang

erscheint an der richtigen Position in der Mitte zwischen

den Lautsprechern. Was mir gut gefällt ist, daß der ECP-

1 niemals auf den billigen Effekt aus ist. Will sagen: hier

werden S ie n iemals e ine b eeindruckende, a ber eb en

verfärbte „Larger than Life“-Stimme hören! Auf dem

Marbert-Rocel-Vinyl sorgen kleine perkussive Elemente

und Klicks für Würze im Arrangement und ich erwische

mich dabei, wie ich aufs neue den Klangkosmos

dieser feinen Doppel-LP beginne zu erkunden. Alleine

schon wegen der Bearbeitung des Beatles-Themas aus

Eleanor Rigby – hier mit dem Titel „Eleanor Birdbath“

– lohnt sich diese Platte. Ein treibender Rhythmus aus

unterschiedlichen Baßklängen, Perkussion und kleinen

Rhodes-Einsprengseln bilden d as Fundament f ür d ie

fein gespielte Jazzgitarre. All das steigert sich zu einer

mitreißenden Jazz-Elektro-Melange, die ich so gut noch

von kaum einer anderen Formation gehört habe. Der

norwegische P honovorverstärker ma cht e s m öglich,

nochmals in diese von mir schon oft gehörte Musik mit

– fast schon neuem Enthusiasmus – einzutauchen.

Sir Adrian Boult und das New Philharmonia Orchestra

stehen nun auf der Bühne und geben Ralph Vaughan

Williams Symphonie Nummer 6 in e-moll. Der britische

Komponist schrieb diese Symphonie in den Jahren 1944

bis 1947. Ein Kommentar sprach nach der Uraufführung

von der „War Symphony“, dem Vaughan Williams aber

widersprach. Er habe kein Programm hinter dieser Komposition

gehabt, auch wenn der Pianissimo-Epilog durchaus

an ein Land in Trümmern erinnern mag. Düster,

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ruhig, gleichzeitig etwas bedrohlich. Die Einspielung

aus den 60er Jahren wirkt wie eine Traumsequenz, die

Streicher füllen den Raum mit klanglicher Wärme, die

einzelnen Stimmen sind zu erahnen, wenn auch nicht

exakt getrennt. S o k enne ich e s auch aus d em Konzertsaal.

Im Anschluß an die 6. Sinfonie folgt auf dieser Einspielung

„The Lark Ascending“ mit Hugh Bean an der

Solovioline. Er wird wunderbar vom Orchester umrahmt

und setzt d ie dynamischen A kzente auf dem erneut

warmen Teppich der Streicher. Wenn Holz und Blech,

teilweise mit kleinen Soli, einsetzen, entsteht ein musikalisches

Frage-Antwort-Spiel, das nach einem kurzen

H öhepunkt f ast v erstummt, u m d ann i n e inem

gemeinsamen, ein wenig an einen Folk-Song erinnernden

„Schlußgesang“ die Komposition zu beenden. Die

gefühlvolle I nterpretation von Sir Adrian B oult u nd

des New Philharmonia Orchestra treffen jederzeit den

für mich passenden Ton. Sie haben gemerkt, ich vergaß

angesichts der Musik schon fast den Hauptakteur dieses

Artikels – aber das ist eines der größten Komplimente,

das ich dem Electrocompaniet ECP-1 als Phonovorverstärker

machen kann.

Auf den Punkt gebracht

Der ECP-1 stellt sich immer in den Dienst der

Musik, hält die Fäden zusammen und sorgt in

meinem speziellen Fall dafür, daß ich wieder

auf Entdeckungsreise durch meine Vinylsammlung

gehe. Der Baß ist souverän, tief und präzise;

die musikalischen Pausen bekommen eine

beeindruckende Schwärze, die Stimmen bleiben

immer realistisch und die Höhen strahlen seidig

ohne jede Härte! Es gibt also jede Menge

Gründe, warum der ECP-1 schon seit den 90er

Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Programm

von Electrocompaniet eine feste Größe

ist. Und der beste Grund ist die Musik!

Information

Phonovorverstärker Electrocompaniet ECP-1

(MM/MC)

Preis: 1.150 €

Vertrieb:

Electrocompaniet Europe GmbH

Matthias Roth

Rathenaustraße 18

D-91052 Erlangen

Tel: +49 (0) 9131-4002857

Fax: +49 (0) 9131-52997

E-Mail: info@electrocompaniet.de

Internet: www.electrocompaniet.no/de

Frank Lechtenberg

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