Entwicklungsland D 2002 - ELAN

elan.rlp.de

Entwicklungsland D 2002 - ELAN

D_Layout_5 09.08.2002 16:36 Uhr Seite 1

Entwicklungsland

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ist Deutschland ein Entwicklungsland,

wie es im Titel dieser Zeitung

zu lesen ist? Wir von ELAN

sind davon überzeugt.

Natürlich setzen wir Deutschland

oder Rheinland-Pfalz nicht mit Ländern

wie Bangladesch oder Ruanda

gleich. Unser Entwicklungsrückstand

ist anders gelagert. Die Mehrheit der

deutschen Bevölkerung lebt nicht unter

dem Existenzminimum wie zwei

Drittel der Menschen in der sogenannten

Dritten Welt, die von weniger

als 50 Euro im Monat leben müssen.

Warum also Entwicklungsland D? Weil

das im Rahmen von Wirtschaftswachstum

und Globalisierung gepflegte

„Immer weiter so“ nicht zukunftsfähig

ist. So ist unbestritten,

dass ein Umdenken sowohl global wie

lokal notwendig ist, wenn wir unseren

Kindern eine lebenswerte Zukunft

ermöglichen wollen.

Ausgabe für Rheinland-Pfalz 2002

Deutschland

ein Entwicklungsland?

Dabei denken wir zumeist an die

Umwelt, an das Artensterben oder an

die Klimakatastrophen. Doch zur Zukunftsfähigkeit

gehört auch die Frage

der weltweiten sozialen Gerechtigkeit.

Das haben uns nicht zuletzt die

Terroranschläge in New York und Washington

deutlich vor Augen geführt.

Soziale Gerechtigkeit ist eine Voraussetzung

für nachhaltigen Frieden.

Die Welt rückt zusammen. Probleme

in Ländern der sogenannten Dritten

Welt betreffen auch uns, unseren Lebensstil,

unsere Zukunftsperspektiven.

Und die Anstrengungen vieler

Entwicklungsländer, es dem reichen

Norden gleich zu tun, führen uns vor

Augen: Unsere Entwicklung enthält

Begrenzungen, die ein Nachahmen

durch Entwicklungsländer unmöglich

macht.

Würden die Menschen weltweit den

gleichen Energieverbrauch oder durchschnittlichen

PKW-Besitz pro Haushalt

haben wie in Deutschland, die

Welt würde kollabieren. Ein Vorbild

also, dass keines ist. Daher Entwicklungsland

D!

Diese Zeitung und die Ausstellung

Entwicklungsland D" wollen auf diese

Problematik aufmerksam machen

und das Bewusstsein der Menschen in

Rheinland-Pfalz dafür schärfen, dass

Fragen der Entwicklungspolitik uns

alle betreffen. Jeder Einzelne von uns

hat die Möglichkeit, soziale wie ökologische

Nachhaltigkeit mit zu gestalten

– das zeigen die Beispiele in dieser

Zeitung. Im Sinne einer lokalen

Agenda 21 setzen wir auf den Dialog

aller gesellschaftlichen Kräfte, sowohl

in Politik und Wirtschaft wie unter

den zahlreichen zivilgesellschaftlichen

Akteuren des Landes. Damit aus

dem Entwicklungsland D ein zukunftsfähiger

Teil dieser Welt werden

kann.

Thomas Oelerich

Vorsitzender ELAN e.V.

Foto aus der Ausstellung Entwicklungsland D, © Arbeitsgemeinschaft der Landesnetzwerke in Deutschland

Wir haben jetzt einen

Zweitwagen.

Den braucht meine Frau

zum Shopping

und für die Kinder.

Joseph Kabui (Neu-Guinea)

Zeitung zur Ausstellung

Entwicklungsland D.

Entwicklungspolitisches

Landesnetzwerk

Rheinland-Pfalz (ELAN)

Themen Seite

Textilien 2

Agenda 21 3

Entwicklungspolitische Bildung 4

Fairer Handel 5

Ruanda 6

Partnerschaften 7

Migration 8

Grußwort

Es ist bewundernswert,

wie viele Bürgerinnen

und Bürger unseres Landes

Rheinland-Pfalz bereit

sind, über ihren eigenen

Lebenskreis hinauszuschauen

und sich für

Menschen anderer Länder

einzusetzen, die unter schwierigen Bedingungen

ihr Dasein zu gestalten versuchen.

Die Vielzahl entwicklungspolitischer

Initiativen in Rheinland-Pfalz

umfasst fairen Handel, den Kampf gegen

Landminen, Schulprojekte und

ökologische Landwirtschaft, um nur

einige Beispiele zu nennen. Ich freue

mich sehr, dass mit dem Entwicklungspolitischen

Landesnetzwerk ELAN eine

Institution entstanden ist, die die Aktionen

in diesem Bereich koordiniert

und die Mitglieder unterstützt, aber

auch eigene Projekte – wie die Ausstellung

Entwicklungsland D“ –

durchführt.

In diesem Jahr begeht

Rheinland-Pfalz das 20jährige

Bestehen seiner Partnerschaft

zu Ruanda, über die

in dieser Zeitschrift ebenfalls

berichtet wird. Diese

Zusammenarbeit zwischen

einem Land der Bundesrepublik

und einem Staat in Afrika

entstand aus der Idee,

die Mittel für Entwicklungshilfeprojekte

zu bündeln

und so ihre Wirksamkeit zu steigern.

Umgesetzt wurde sie im direkten Kontakt

der Projektpartner miteinander.

Diese Form der „Graswurzelpartnerschaft“

hat sich auch in den schwierigen

Zeiten des Genozids bewährt und

gilt als beispielhaft in Europa.

Ich darf diese Gelegenheit nutzen, allen,

die sich in entwicklungspolitischen

Initiativen engagieren, sehr

herzlich für Ihren Einsatz zu danken,

und wünsche Ihnen, weiterhin viel

ELAN“ und Erfolg bei Ihrer wichtigen

Arbeit.

Kurt Beck,

Ministerpräsident

Die Ausstellung

Entwicklungsland D

tourt durch

Rheinland-Pfalz

„Wir haben jetzt einen Zweitwagen.

Den braucht meine Frau zum

Shopping und für die Kinder“,

bemerkt Joseph Kabui aus Neu-Guinea

auf einem Plakat der Ausstellung

Entwicklungsland D. Mit landestypischer

spärlicher Urwald-Bekleidung

und Pfeil und Bogen auf der Schulter

schaut er dem deutschen Ausstellungsbetrachter

direkt in die Augen.

Der ist zunächst verwirrt, denn die

Aussage passt zur deutschen, aber

nicht zu Josephs Lebensrealität.

An sechs Stationen der Ausstellung

provozieren widersprüchliche Bild-

Text-Aussagen und regen zu Diskussionen

über die dargestellten Themen

an: Globalisierung, Textilien, Klima

und Energie, Armut und Reichtum,

Ernährung und Landwirtschaft, Verpackung

und Müll. An den mit Bildern

und Objekten bestückten Stationen

werden globale Auswirkungen

des Handelns der Bewohner der reichen

Staaten dieser Welt verdeutlicht.

Der Besucher wird zum Nachdenken

über sein eigenes Handeln

angeregt.

Zunächst mit Stoff verdeckte Tafeln

zeigen dem vom Thema Betroffenen,

wie eine nachhaltigere Lebensweise

im Alltag möglich ist.

Barbara Mittler

Ausstellungstermine und -orte

in Rheinland-Pfalz 2002

•1. – 8. 9. Polch

Ev. Kirchengemeinde Mayen-Maifeld

• 9. – 12. 9. Kirchheim-Bolanden

Nordpfalz Gymnasium

• 12. – 20. 9. Obermoschel

Evangelisches Gemeindehaus

• 27. – 28. 9. Mainz

Erbacher Hof

• 14. – 23. 10. Mainz

Heinrich-Böll-Stiftung

• 25. 10. – 15. 11. Trier

Katholische Akademie

• 16. – 20. 11. Speyer

Gedächtniskirche

• 21. 11. – 2. 12. Kusel

Rathaus

• 3. – 15. 12. Neuwied

Rathaus (Stadtverwaltung/Foyer)

Entwicklungszusammenarbeit im Aufwind

Das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz, ELAN e.V.

ELAN ist das Netzwerk der

entwicklungspolitischen Organisationen

in Rheinland-Pfalz.

Es wurde nach dreijähriger Vorarbeit

im Oktober 2001 gegründet. Mit finanzieller

Hilfe der Landesregierung

und der in Rheinland-Pfalz vertretenen

Kirchen wurde im Juni 2002 ein

Büro in Mainz eröffnet und eine

hauptamtliche Mitarbeiterin eingestellt.

ELAN sieht seine Hauptaufgaben in

drei Bereichen:

• Vernetzung, Koordination und Beratung

der entwicklungspolitischen

Gruppen im Land,

• Angebot an Veranstaltungen zu entwicklungspolitischen

Themen,

• Lobbyarbeit gegenüber der Landesregierung

und anderen Akteuren im

Land.

Das Spektrum der entwicklungspolitischen

Gruppen und Aktivitäten im

Land ist breit gefächert. Es reicht von

Weltläden, kirchlichen Gruppierungen,

Partnerschaftsvereinen und

Nord-Süd Arbeitskreisen, die sich mit

Themen wie dem fairen Handel, der

Lokalen Agenda 21 oder der Ächtung

von Landminen beschäftigen. Mit ihrer

Arbeit leisten die Gruppen einen

Beitrag zur Lösung von Problemen

und decken gleichzeitig weltweite Zusammenhänge

auf. Denn längst sind

Kriege, Hungersnöte, Krankheiten

und Umweltkatastrophen keine isolierten

Ereignisse mehr – die Menschen

befinden sich weltweit in

wechselseitiger Abhängigkeit und

sind aufeinander angewiesen.

Über das Servicebüro von ELAN

können Kontakte zu Gruppen

in Rheinland-Pfalz geknüpft

werden. Aber es

kann auch praktische Hilfe

angefragt werden:

Rat und Tipps gibt es bei der

Planung von Eine-Welt-Tagen,

der Vermittlung von Referenten

oder der Vorbereitung

von entwicklungspolitischen

Materialien für die Bildungsarbeit.

ELAN hofft, durch seine Arbeit dazu

beizutragen, den Stellenwert entwicklungspolitischer

Themen in der

Landespolitik und in den Kommunen

zu erhöhen.

Barbara Mittler,

Referentin ELAN e.V.

Kontakt: ELAN e.V.

Kaiser-Wilhelm-Ring 2

55118 Mainz

Tel.: 0 61 31- 972 08- 67

Fax: 0 61 31- 972 08- 69

E-Mail: elan-rlp@t-online.de

www.elan-rlp.de


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2 \ Entwicklungsland D

TEXTILIEN

AGENDA 21

Entwicklungsland D

Foto aus der Ausstellung Entwicklungsland D, © Arbeitsgemeinschaft der Landesnetzwerke in Deutschland

DasJilSander-

Kostüm

war ja schon

zwei Jahre alt

Ich hab’s jetzt

nach Deutschland

gespendet

Majvong Jathotu (Laos)

Kontakt:

Kampagne für saubere Kleidung

Hans-Böckler-Str. 39

40476 Düsseldorf

Tel.: 02 11-43 01 -317

Fax: 02 11-43 01 -500

E-Mail: ccc-d@dgb-bildungswerk.de

www.internetauftritt.de

FAIRWERTUNG

ARBEIT

SCHAFFEN

UMWELT SCHONEN

Fair-Wertung:

Alle Sammler, die mit diesem Zeichen

werben, verwenden die Erlöse für ihre

gemeinnützige Arbeit.

Kontakt:

BDKJ-Bolivienreferat

Mirjam Elsel

Weberbach 70, 54290 Trier

Tel.: 06 51- 97 71-110

Fax: 06 51- 9771-199

bolivienreferat@bdkj-dv-trier.de

Die dunkle Seite der glitzernden Modewelt

Die Kampagne „Fit for Fair“ setzt auf

menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Frauen

JedeR hat sie, jedeR trägt sie –

ob Schuhe oder Bekleidung, für

den Sport oder den Alltag, ob von

C&A, Karstadt oder Steilmann, von

adidas, Nike oder Reebok, ob aus

Leder, Baumwolle oder Synthetik:

mit unserer Kleidung tragen wir

die Globalisierung auf unserer

Haut.

Kaum ein Produkt wird so global hergestellt

wie Bekleidung und Sportartikel.

Fast 90 Prozent der in Deutschland

verkauften Kleidung stammt aus

Osteuropa oder der Dritten Welt.

Die Arbeitsbedingungen sind in vielen

Betrieben katastrophal. Die Beschäftigten

sind meistens Frauen zwischen

18 und 25 Jahren. Sie werden

bei niedrigen Löhnen, unter regelmäßiger

Missachtung von Arbeitsrechten

und Schutzbestimmungen oft

zu Überstunden gezwungen. Die jungen

Frauen schneidern die Kleidung

und Sportartikel, die den Massenkonsum

des Nordens ermöglichen. Aus

Angst um ihre Arbeitsplätze setzen

sich viel zu wenig Beschäftigte zur

Wehr. Sie brauchen die internationale

Unterstützung und den Druck auf die

großen Bekleidungs- und Sportartikelkonzerne,

in deren Auftrag sie arbeiten.

Die Kampagne für

saubere Kleidung

Um gemeinsam mit den Beschäftigten

menschenwürdige Arbeitsbedingungen

durchzusetzen, haben kirchliche,

gewerkschaftliche und entwicklungspolitische

Gruppen die Kampagne für

saubere Kleidung gegründet. Das

Ökumenische Netz Rhein Mosel Saar

e.V. ist seit 1996 Mitglied dieser Kampagne.

Die Kampagne für saubere Kleidung

informiert die Öffentlichkeit über die

dunkle Seite der glitzernden Modewelt.

Die KonsumentInnen werden ermuntert,

gegen die ausbeuterischen

Arbeitsverhältnisse zu protestieren

und Druck auf die Konzernleitungen

auszuüben, um bei der Kleiderproduktion

soziale Mindeststandards und

deren Überwachung zu erreichen.

„Mit dem, was ich verdiene,

kommen wir nicht hin.

Mein Mann arbeitet in einer

Ziegelsteinfabrik, wo er

den Mindestlohn von 164

Euro verdient. Aber auch

das reicht nicht, denn wir

haben ja vier Kinder und

jede Menge Fixkosten.“

Gloria Delgado

Kleidersammeln für eine Freundschaft

Die Bolivienpartnerschaft der

Katholischen Jugend im Bistum Trier

Wichtiger Bestandteil der Bolivienpartnerschaft

der Katholischen

Jugend im Bistum Trier ist

die Kleidersammlung mit ihrem

Erlös für Projekte in Bolivien.

Jedes Jahr sammeln 9000 Jugendliche

und junge Erwachsene an fünf

Samstagen im Bistum Trier aussortierte

Kleider der Verbraucher und verladen

sie in Säcken auf Waggons und

LKWs. Die Kleidersäcke werden in

Fachbetrieben sorgfältig von Hand

sortiert und je nach Qualität dem

Recycling zugeführt oder als tragfähige

Kleidung weiter verkauft.

Gesammelt wird unter dem Zeichen

von FairWertung. FairWertung ist der

Dachverband von 150 gemeinnützigen

Organisationen. Diese sammeln

Textilien und Kleider nach strengen

Richtlinien, kontrollieren die Sortierung

und die Vermarktung. FairWertung

garantiert die Einhaltung der

Richtlinien und damit eine entwicklungspolitische

und ökologisch verträgliche

Verwertung der gesammelten

Stücke.

Die Bolivien-Kleidersammlung ist gemeinnützig,

bei den zuständigen

Behörden angemeldet und genehmigt.

Veranstaltet wird sie seit 1966

vom Bund der Deutschen Katholischen

Jugend (BDKJ) im Bistum Trier

mit maßgeblicher Unterstützung der

katholischen Jugendzentralen und

den Verantwortlichen in den Pfarreien.

Der BDKJ übernimmt die organisatorischen

Vorarbeiten und sorgt für

den Verkauf der gesammelten Kleidung

an Händlerfirmen. Der Erlös aus

dem Verkauf fließt an zwei Partnerorganisationen

in Bolivien, deren hoffnungsvolle

Arbeit unterstützt wird:

Die Stiftung „Solidarität und Freundschaft

Chuquisaca– Trier“ unterhält

Foto: Eugen Reiter

über 40 Zentren in einer der ärmsten

Regionen Boliviens, in denen ca. 2000

Jugendliche aus dem ländlichen

Raum eine Grund- oder Ausbildung

bekommen. Die Zentren wirken mit

beim Aufbau von lokalen solidarischen

Organisationen und fördern die

nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation

der Menschen vor Ort.

Foto: © Christliche Initiative Romero (C.I.R.)

„Fit for Fair“

macht die Globalisierung

konkret

Ein Absatz aus dem Verhaltenskodex

des Weltverbandes der Sportartikelhersteller

lautet: „Unsere Organisation

fördert Fairness, Anstand, gegenseitiges

Verständnis und hohe ethische

Maßstäbe nicht nur im Sport,

sondern auch in den Fabriken, die

Sportartikel herstellen.“

Dennoch beobachtet die Kampagne

für saubere Kleidung seit drei Jahren

große Sportartikelkonzerne wie adidas

und Puma vor allem aufgrund ihrer

schlechten Produktionsbedingungen.

Die 29jährige Gloria Delgado näht

Sportartikel in einer Fabrik in El Salvador.

Sie berichtet: „Die Arbeitsplätze

werden von Kameras überwacht.

Auch vor und in den Toiletten sind sie

installiert. Wir werden beobachtet,

damit wir während der Arbeit keine

Zeit verlieren. Das ist eine Form des

Drucks, damit wir die hohen Stückquoten

erfüllen können.“ Mit ihrer

Klage steht sie nicht allein. ArbeiterInnen

aus Zulieferbetrieben globaler

Markenfirmen berichten über menschenunwürdige

Arbeitsbedingungen.

Den Managern der großen Sportartikel-Unternehmen

ist das bekannt.

Die „global players“ in der Sportswear-Industrie

haben sich Verhaltenskodizes

auferlegt. Die darin festgeschriebenen

Sozialstandards sollen

auch für Zulieferer gelten. Das Problem:

die Standards werden oft nicht

umgesetzt.

Unter dem Motto „Fit for Fair – für

menschenwürdige Arbeitsbedingungen

in der weltweiten Sportbekleidungsindustrie“

mobilisiert die Kampagne

besonders junge Leute, damit

sie sich für menschenwürdigere Produktionsbedingungen

einsetzen.

Und wer soll

die Global-Player

kontrollieren?

Der „Fit for Fair“-Kongress der Kampagne

für saubere Kleidung brachte

Anfang Mai 2002 die Beteiligten der

Bekleidungsindustrie zusammen. Manager,

Arbeiterinnen, Gewerkschaften,

Sportverbände, die Kampagne

für saubere Kleidung, PolitikerInnen

und VerbraucherInnen diskutierten,

was geschehen muss, damit Sportartikel

das Label „menschenwürdig“ verdienen.

Welche Konzepte versprechen

Erfolg? Reichen freiwillige Vereinbarungen

oder sind Gesetze nötig? Wie

können PolitikerInnen handeln? Die

Gespräche bewirkten, dass Puma noch

im Jahr 2002 Verhandlungen mit der

Kampagne zur Unterzeichnung eines

unabhängigen Kodizes zur Umsetzung

von Pilotprojekten aufnehmen

will. Die Gespräche zeigten aber auch,

dass noch mehr öffentlicher Druck

auf die Konzerne nötig ist, damit sie

künftig ihre Standards umsetzen und

kontrollieren. Dieser Druck soll auch

bewirken, dass die Politik ihre gesetzgeberischen

Möglichkeiten wahrnimmt.

Dr. Sabine Fehrenschild

Fertig für den Abtransport: Von den Jugendlichen gesammelte Kleidersäcke

Das nationale Team der Jugendpastoral

Boliviens koordiniert die kirchliche

Jugendarbeit, betreibt Lobbyarbeit

im Interesse der Jugendlichen,

veranstaltet Seminare und Schulungen

und erstellt Materialien für die

Jugendarbeit.

Matthias Pohlmann

Bürger engagieren sich

Die Lokale Agenda 21 in Rheinland-Pfalz

Die Agenda 21 ist ein weltweites

Entwicklungsprogramm für das 21.

Jahrhundert. Sie wurde 1992 in Rio

de Janeiro auf dem Gipfeltreffen

für Umwelt und Entwicklung von

über 170 Staaten, einschließlich

der Bundesrepublik Deutschland,

unterzeichnet. Das umfangreiche

Dokument des Programms hält fest,

was heute weltweit getan werden

muss, um auch den nachfolgenden

Generationen eine lebenswerte Zukunft

zu sichern.

Die Agenda 21 geht vom Leitbild der

Nachhaltigkeit aus: natürliche Lebensgrundlagen

sollen erhalten, wirtschaftlicher

Wohlstand ermöglicht

und für soziale Gerechtigkeit gesorgt

werden.

Apfel-Mango-Saft

Die Welt in

einer Flasche!

Der Apfel-Mango-Saft von der

Bannmühle in Odernheim am Glan

schmeckt nicht nur gut. Er leistet

einen aktiven Beitrag dazu, die

schwierige Situation der KleinbäuerInnen

im Süden und Norden

zu verbessern.

Philippinische KleinbäuerInnen liefern

die Mangos, die nach den Kriterien

des Fairen Handels produziert und

gehandelt werden. Die Stiftung PRE-

DA (People, Recovery, Empowerment

and Development Assistance Foundation)

unterstützt die ProduzentInnen

bei der Qualitätskontrolle und Vermarktung.

Der Verkauf durch den Fairen

Handel sichert die Existenz der

KleinbäuerInnen auf dem Land und

wirkt der Landflucht entgegen.

Die Äpfel sind lokal angepasste Sorten,

die auf Streuobstwiesen der Vorderpfalz

angebaut werden. Dessen Bewirtschaftung

ist ein wichtiger Beitrag

zum Erhalt der Kulturlandschaft

und Umwelt.

Die Äpfel werden mit dem Mangopuree

auf der Bannmühle zum Apfel-

Mango-Saft verarbeitet. Der Saft wird

nur im Umkreis von 100 Kilometern

vermarktet, um unnötige Transportkilometer

zu vermeiden.

Sowohl die Mangos als auch die Äpfel

der Streuobstwiesen sind als Tafelobst

schwer zu vermarkten. Als Apfel-

Mango-Saft ergeben sie einen wohlschmeckenden

Multivitamintrank und

schaffen Einkommensmöglichkeiten

für kleinbäuerliche Betriebe im Süden

und Norden.

Der Apfel-Mango Saft stellt somit ein

gutes Beispiel dar, wie auch auf lokaler

Ebene globale Themen angegangen

werden können.

Christoph Albuschkat

Ökologische, ökonomische und soziale

Entwicklungen können in Zukunft

nicht mehr getrennt voneinander betrachtet

werden.

Globale Programme sind nur wirksam,

wenn sie an vielen Orten und von vielen

Menschen umgesetzt werden. Viele

Aufgaben stellen sich vor Ort, und

können auch nur dort gelöst werden.

Wegen ihrer Nähe zu den Bürgern haben

die Gemeinden den Auftrag erhalten,

eine lokale Agenda 21 zu verabschieden:

ein Entwicklungsprogramm

vor Ort für ihr eigenes Umfeld.

In Rheinland-Pfalz hat sich die Landeszentrale

für Umweltaufklärung -

LZU- als Koordinationsstelle für kommunale

Aktivitäten im Rahmen der

lokalen Agenda 21 etabliert. Hier

Das Erdmobil ist ein Gemeinschaftsprojekt

der pfälzischen

Gruppe Kunan Mink’a und ihrer

Partnergruppe in Bolivien.

Beide Seiten sind stolz auf den

mit Informationen, Experimenten

und Arbeitshilfen gefüllten

Anhänger zum Thema Umwelt und

Entwicklung.

Diese Kooperation macht deutlich,

dass es sich bei der Agenda 21 um

eine weltumspannende Gemeinschaftsaufgabe

für eine tragfähige

Umwelt und Entwicklung handelt.

Durch die Auseinandersetzung mit

der eigenen Lebenssituation wird ein

Reflektionsprozess bei allen Beteiligten

in Gang gehalten. Dadurch

kommt es zu einem Transfer von

Wenn Nudeln

zum Äquator

werden

Eine-Welt-

Projektwoche

an Ludwigshafener

Schule

Die Stadt Ludwigshafen startete

in Zusammenarbeit mit der

Initiative Lokale Agenda 21 und

dem Pädagogischen Zentrum

im Juli 2002 im lokalen Pflanzenschauhaus

ein Modellprojekt

„Eine Welt“.

Die Schüler der fünften Klassen der

Ludwigshafener Integrierten Gesamtschule

Gartenstadt testeten dort in

vier Einheiten von jeweils einer Woche

Lehrmaterialien und Ausstellungen

zum Thema Entwicklungszusammenarbeit,

die später an interessierten

Schulen eingesetzt werden sollen.

Ziel des Projektes: Den Gedanken

„global denken – lokal handeln“ an

den Schulen umzusetzen.

In der ersten Woche ging es den

Schülerinnen und Schülern um geographische

und ökologische Verhältnisse

in der Welt. Stolz präsentierten

Luise, Sebastian und Isabell ihre

selbstgebastelte Weltkarte mit Materialien,

die ertastbar sind: „Die Bohnen

- das ist Amerika, die Wolle Afrika,

das Schleifpapier stellt Europa

dar, die Watte Asien und der Kork

können sich die Kommunen und ihre

Bürger über eine nachhaltige Lebensweise

informieren und beraten lassen.

Systematisch unterstützt die

Landesbehörde in Mainz die Kommunen

vor Ort bei der Planung von

Agenda-Prozessen.

185 Gemeinden beschäftigen sich mit

den Agenda-Anliegen. Dort engagieren

sich Bürgerinnen und Bürger, Verbände,

Kirchen, Umweltorganisationen,

Eine-Welt-Initiativen, Vertreter

der Wirtschaft und Politik gemeinsam

für eine zukunftsfähige, nachhaltige

Entwicklung. Viele regionale und lokale

Märkte bieten frische Lebensmittel

aus der Umgebung an, der lokale

Reparaturführer, wie ihn zum Beispiel

die Stadt Mainz anbietet, enthält

Für eine Globalisierung, mit der es sich leben lässt

Der Wissenstransfer mit dem Erdmobil

Wissen und zu einem besseren Verstehen

der Lebenszusammenhänge.

Eine Bolivianerin erstellt Arbeitmaterial

für deutsche Kinder – die deutschen

Arbeitsmaterialien kommen in

Bolivien zum Einsatz.

Die im Erdmobil vorgestellte Pflanzenkläranlagentechnik

wird helfen,

das Abwasserproblem der bolivianischen

Stadt Independencia zu lösen.

Dass eine Industrienation den Lehmbau

schätzt, ist für die Partner in

Bolivien überraschend und verändert

den Blick auf die eigene Wohnwelt.

Nach über 15 Jahren Partnerschaft

zwischen der Kunan Mink’a und den

Freunden in Bolivien ist das Erdmobil

ein belebender Faktor und ein

steht für Australien. Eine lange Nudelreihe

zeigt den Äquator und der

Tüll demonstriert die Regenwaldzone“,

erklärten sie freudig. Die Elfund

Zwölfjährigen betrachteten in

der selben Woche im Schulgarten des

Pflanzenhauses mit kleinen Spiegeln

und Kaleidoskopen das Blätterdach

der tropischen Pflanzen, maßen Niederschläge,

erprobten den Boden und

lauschten Urwaldgeräuschen.

In der zweiten Projektwoche machten

sich die Schüler mit Gesellschaft und

Schüler basteln die ertastbare Weltkarte.

Kultur in der Dritten Welt vertraut.

Höhepunkt der Aktivitäten: der Bau

einer Lehmhütte, angeleitet von Auszubildenden

im Bereich Garten- und

Landschaftsbau der Stadt Ludwigshafen.

Tropische Nutzpflanzen werden in der

dritten Einheit im September unter

Adressen von Handwerkern in der

Nachbarschaft. Hohe Energiekosten

für eine Anfahrt entfallen. Neue

Wohnformen ermöglichen die Hilfe

zwischen jungen und alten Menschen,

und Nord-Süd-Partnerschaften

ebnen den Weg zu Völkerverständigung

und Solidarität.

Bei der Verwirklichung eines kommunalen

Zukunftsprogramms sind der

Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Alle Bürger sind aufgerufen, sich in

ihrer Gemeinde zu engagieren. Denn

wie ein afrikanisches Sprichwort sagt:

„Viele kleine Leute an vielen kleinen

Orten, die viele kleine Dinge tun,

werden das Gesicht der Erde verändern!“

Michael Staaden, Barbara Mittler

Schritt in Richtung jener Globalisierung,

mit der es sich leben lässt.

Thomas Henrich

die Lupe genommen. Die Schülerinnen

und Schüler werden Kaffee rösten

und Bananenkisten schleppen.

Sie erfahren, unter welchen Umständen

und Arbeitsbedingungen Gleichaltrige

in Brasilien oder Peru arbeiten

müssen, was sie verdienen, wie sie leben

und ihre Freizeit verbringen.

In der letzten Woche wird Fazit aus

dem Gelernten gezogen: die lehrreichsten

und spannensten Materialien

werden zu einem Paket zusammengeschnürt

und stehen künftig

allen interessierten Schulen zur Verfügung.

Die Landeszentrale für Umweltaufklärung

finanziert das Projekt aufgrund

seines Modellcharakters mit

13.800 Euro.

Stadt Ludwigshafen

Foto: Freundeskreis Kunan Mink’a

Foto: Stadtverwaltung Ludwigshafen – Kommunikation & Marketing

Die Landeszentrale für Umweltaufklärung

– LZU

ist eine 1990 gegründete Einrichtu

Landes Rheinland-Pfalz. Sie unterste

mittelbar der rheinland-pfälzische

weltministerin Margit Conrad und ha

Sitz im Ministerium für Umwelt und F

in Mainz.

Aufgaben:

• Aufklärung über die aktuelle

Umweltsituation

• Informationen zur Umweltpolitik

• Hilfe zu umweltgerechtem Verhalte

• Impulse zur Umwelterziehung

• Koordination der Lokalen Agenda 2

Service zur Lokalen Agenda 21:

• Individuelle Beratung der Kommun

zu Themen nachhaltiger Entwicklu

und Agenda-Organisation

• Agenda-Prozessberatung

• Bereitstellung von Informationsmaterial,

Literaturversand

• Seminar- und Weiterbildungsangeb

• Veranstaltungsangebot

• Finanzielle Förderung von Agenda-

Aktivitäten der Kommunen

• Informationsdatenbanken im

Internet: www.umdenken.de

Kontakt:

Kaiser-Friedrich-Strasse 1

55116 Mainz

Tel.: 0 61 31-16- 44 33

Fax: 0 6131-16-46 29

E-Mail: lzu@umdenken.de

Das Erdmobil

ist ein Anhänger, vollgepackt mit In

tionen, Experimenten und Arbeits

rund um die Themen Umwelt und En

lung. Es eignet sich für den Einsatz in

len, auf Jugendfreizeiten sowie bei F

Es kann gebucht werden bei:

Freundeskreis Kunan Mink’a

Steffi und Thomas Henrich

Kirchgasse 3

67822 Finkenbach

Tel.: 0 6362-8327

www.erdmobil.de

Kontakte:

Bannmühle

Hans Pfeffer

Staudernheimer Str. 1

55571 Odernheim

Tel.: 0 6755-10 53

www.bannmuehle.de

PREDA:

www.preda.org

Kontakt:

Schul- und Umweltgarten

Wollstrasse 151

67059 Ludwigshafen

Tel.: 0621- 5 04 3374


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4 / Entwicklungsland D ENTWICKLUNGSPOLITISCHE BILDUNG

FAIRER HANDEL

Entwicklungsland D

Kontaktadressen der Freiwilligendienste

der Kirchen:

Katholische Freiwilligendienste:

Sozialer Dienst für Frieden und

Versöhnung im Ausland/SDFV

Arbeitsgemeinschaft im Bistum Trier e.V.

Postfach 1340, 54203 Trier

Fax: 0651-71 05-585

E-Mail: peter.nilles@bgv-trier.de

www.zivi.bistum-trier.de

Bewerber nur aus dem Bistum Trier

Evangelische Freiwilligendienste:

Amt für Jugendarbeit der

Evangelischen Kirche im Rheinland

Büro Rheinland Süd

Ulrich Suppus

Mainzer Str. 73, 56068 Koblenz

Fax: 02 61-1 26 75

E-Mail: ulrich.suppus@gmx.net

EIRENE – Internationaler Christlicher

Friedensdienst e.V.

Postfach 1322

56503 Neuwied

Tel.: 0 26 31- 8379- 0

www.weitblick.de

Kontakte:

Carl Duisberg Gesellschaft e.V.

Bettina Trietsch

Kaiser-Wilhelm-Ring 2

55118 Mainz

Tel.: 0 61 31-61 48 11

Fax: 0 6131-61 48 18

www.cdg.de

Servicestelle

Kommunen in der Einen Welt

Tulpenfeld 6

53113 Bonn

Tel.: 02 28 - 24 34-630, -631, -632

Fax: 02 28 - 24 34-635

E-Mail: info@sevice-eine-welt.de

www.sevice-eine-welt.de

Infos für Schulen:

Das Pädagogische Zentrum

bietet – neben anderen Fachgebieten –

zu Themen des Globalen Lernens:

• eine Fachbibliothek

• Unterrichtsmaterialien

• Veranstaltungen zur Lehrerfortbildung

Ansprechpartnerin:

Dorothea Werner-Tokarski

Pädagogisches Zentrum

Rheinland-Pfalz

Europaplatz 7-9, 55543 Bad Kreuznach

Tel.: 06 71-8 40 88 -47 (Mo + Do)

Fax: 06 71-8 40 88 -10

Kontakt Norma Estrada:

Freundeskreis Kunan Mink’a

Kirchgasse 3

67822 Finkenbach

Tel.: 0 6362-8327

Foto: Carl Duisberg Gesellschaft

Carlos (Bildmitte) mit seinen deutschen Freunden

„Training für eine nachhaltige Entwicklung“

ist Leitlinie für alle Aktivitäten

der Carl Duisberg Gesellschaft

e. V. (CDG) in der Entwicklungszusammenarbeit:

Die Weiterbildungsprogramme

für Fach- und

Führungskräfte aus Entwicklungsländern

orientieren sich am Leitbild

einer ökonomisch effizienten, ökologisch

nachhaltigen und sozial gerechten

Entwicklung, wie sie die in

Rio 1992 verabschiedete AGENDA

21 beschreibt.

Mit unterschiedlichen Trainingsangeboten

bildet die CDG jährlich mehr als

6.000 Fach- und Führungskräfte aus

über 100 Entwicklungsländern fort.

Im Mittelpunkt steht die praxisorientierte

Auseinandersetzung mit innovativen

und zukunftsorientierten

Technologien und Strategien sowie

die Fähigkeit, eigenständige Lösungen

zu entwickeln. Größter Auftraggeber

ist das Bundesministerium für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung (BMZ).

Projekte der CDG-Landesstelle Hessen

und Rheinland-Pfalz sind u.a.:

• Industrieller Umweltschutz und

saubere Produktionsverfahren in Lateinamerika,

• Entsorgung von gefährlichen industriellen

Abfällen in Lateinamerika,

• Management von Siedlungs- und

Industrieabfällen in China,

• Umweltorientierte Unternehmensführung

in der chinesischen Leichtindustrie.

Ein bolivianischer Blick auf die deutsche

Gesellschaft – Norma Estrada zieht Bilanz

Wie kommt es dazu, dass ich,

eine junge Bolivianerin, in

Deutschland bin?

Im Rahmen der Agenda 21-Kooperation

zwischen dem Kulturzentrum

Ayopayamanta/Ayopaya (Bolivien)

und dem Erdmobil-Projekt des Freundeskreises

Kunan Mink’a (siehe Seite

3, Anm. der Red.) im Donnersbergkreis

in der Pfalz arbeite ich für ein

Jahr in Deutschland.

Eines verbindet die bolivianische und

deutsche Arbeit: die Kinder stehen

im Mittelpunkt. Dem Grund kommt

man schnell auf die Spur: Mit Kindern

macht man große Schritte, mit

Erwachsenen nur kleine.

Etwas, was uns trennt, möchte ich

auch nennen: Die deutsche Regierung

fördert in viel größerem Umfang sozial

schwache Menschen und kinderreiche

Familien in ihrem Land.

Für uns in Bolivien werden Sozialund

Bildungsprojekte erst durch die

Zusammenarbeit mit Gruppen wie

dem deutschen Bolivien-Freundeskreis

Kunan Mink´a möglich. Viele

Dörfer Ayopayas sind so abgelegen,

dass es schwer ist, einen Lehrer für

die Kinder zu finden. Umwelterziehung

und Agenda 21 bleibt in Ayopaya

privaten Initiativen überlassen.

Worin liegt der Wert meines

Aufenthaltes hier in Deutschland?

Deutschland ist für mich im Gegensatz

zu Ayopaya ein multikulturelles

Land. Diese Erfahrungen weiten meinen

Horizont und werden meine Arbeit

in Bolivien bereichern.

Andererseits ist Deutschland für mich

ein etwas trauriges Land mit wenig

Tanz und Musik. Beides vermisse ich

sehr. Ich habe erfahren, dass es auch

jenseits von Analphabetismus und

Alkohol – zwei große Probleme bei

uns – kulturelle Armut geben kann.

Der Amoklauf des Jugendlichen in Erfurt

fiel in meine Zeit in Deutschland.

Auch mich hat er bewegt: Ich halte

ihn für eine Folge des Egoismus und

der übergroßen Freiheit der Jugendlichen

in Deutschland. Andererseits

habe ich Jugendliche bei der Arbeit

mit dem Erdmobil kennen gelernt,

die ausgesprochen offen und interessiert

waren an dem, was außerhalb

ihrer eigenen Welt geschieht.

Norma Estrada

Carlos kommt von der Insel Sal,

einer der 12 Kapverdischen Inseln,

die westlich von Senegal in

Afrika liegen. Mit neunzehn Jahren

bewarb sich Carlos direkt nach

dem Abitur auf ein Stipendium

des deutschen Bundesministeriums

für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung.

Dank seiner sehr guten mathematisch

– naturwissenschaftlichen Kenntnisse

hatte er Glück und erhielt ein

Stipendium, um Bauingenieur zu

werden. Für die Dauer seines Aufenthalts

in Deutschland wird er fachlich

und sozial von der Carl Duisberg Gesellschaft

e.V. (CDG) begleitet.

Die CDG – mit Zentrale in Köln und

Büros in allen Bundesländern – gibt

jährlich 20.000 Menschen aus über

100 Ländern der Erde die Chance, eine

internationale berufliche Zusatzqualifikation

zu erwerben. Sie bildet

Nachwuchsführungskräfte aus, die im

Training für eine nachhaltige Entwicklung

Carl Duisberg Gesellschaft / InWEnt in Rheinland-Pfalz

Botschafter

zwischen den Welten

In Rheinland-Pfalz arbeitet die CDG

seit mehr als 40 Jahren mit dem Wirtschafts-

und Wissenschaftsministerium

zusammen, vor allem bei Fortbildungen

für Nachwuchsführungskräfte

aus China sowie Mittel- und Osteuropa.

Das Wissenschaftsministerium

und die Bundesregierung fördern Stipendiaten

aus Afrika die von der CDG

betreut ihr Studium an Fachhochschulen

in Rheinland-Pfalz absolvieren.

Die entwicklungspolitische Informations-

und Bildungsarbeit in Rheinland-Pfalz

soll in Zukunft einen

größeren Raum einnehmen. In diesem

Sektor würde die CDG gerne verstärkt

mit lokalen und regionalen

NGO’s zusammenarbeiten. Die Kooperation

mit dem rheinland-pfälzischen

Anschluss in ihren Heimatländern

zukunftsfähige wirtschaftliche und

soziale Entwicklungsprozesse fördern.

Carlos studiert jetzt im 7. Semester

und wird demnächst mit seiner Diplomarbeit

beginnen. Er hat die

Chance genutzt, sich in einem neuen

Kulturkreis ohne Rückhalt der Familie

zurechtzufinden. Und er ist stolz

auf sein Heimatland. „Ich will meinen

deutschen Freunden von dem Leben

auf den Kapverdischen Inseln erzählen,“

Botschafter seines Landes

will er sein.

Und er ist sich jetzt schon sicher,

dass seine Auslandserfahrung, die

sich in der Persönlichkeitsentwicklung,

in den hervorragenden Sprachkenntnissen

und dem Erwerb sozialer

Kompetenzen widerspiegelt, im Heimatland

von Nutzen sein wird.

Bettina Trietsch

Netzwerk ELAN, das sein Büro in

Mainz im gleichen Hause neben der

CDG bezogen hat, ist ein erster

Schritt.

Die neue „Servicestelle Kommunen In

Der Einen Welt“ der CDG in Bonn unterstützt

die Vielfalt entwicklungspolitischer

Arbeit der NGO’s und Kommunen

auch in Rheinland-Pfalz mit

neuen Ideen und Anregungen.

Auf Wunsch des BMZ fusioniert die

Carl Duisberg Gesellschaft in diesem

Jahr mit der Deutschen Stiftung für

Internationale Entwicklung (DSE). In

Zukunft werden beide Institutionen

den gemeinsamen Namen „InWEnt –

Internationale Weiterbildung und

Entwicklung gemeinnützige GmbH“

tragen. Die Aufgaben der CDG in

Rheinland-Pfalz und die Ansprechpartner

bleiben erhalten.

Dr. Hans-Jürgen Brandt

Mein Broker meint, ich soll die Aktien

jetzt umschichten. Und stärker

auf Chemie-Werte setzen.

Helmut Fitzek

(z. Zt. Köln)

Foto aus der Ausstellung Entwicklungsland D, © Arbeitsgemeinschaft der Landesnetzwerke in Deutschland

Nicht nur eine Affaire

– ein Agenda Kaffee für

Ihre Region oder Ihre Stadt

An vielen Orten in Rheinland-

Pfalz wird er schon getrunken. Er

heißt Bin, Café Mayence, Palatino,

Mosel-Café, Rhein-Hunsrück-

Café... Die Familie der Agenda

Kaffees wächst. Bald könnte es

den Mittelrhein Café geben.

Hinter all diesen Kaffees steht das

Motto der Lokalen Agenda 21 „Global

denken – lokal handeln“. Einzelne

Maßnahmen auf lokaler Ebene sollen

dazu beitragen, eine global zukunftsfähige

Entwicklung zu erreichen.

Fair gehandelte Agenda Kaffees sind

ein Teil dieser Entwicklung. Sie

Der Weltladen Unterwegs in

Mainz, einer der 60 Weltläden in

Rheinland-Pfalz, zog 1999 in ein

neues großes Ladenlokal um. Abwechslungsreich

gestaltete Schaufenster

laden Vorbeigehende zum

Reinschnuppern in das Fachgeschäft

des Fairen Handels ein. Ziel

der Arbeit des Weltladens ist es,

fairgehandelte Waren zu verkaufen

und über Handelsverflechtungen

und deren weltweite Konsequenzen

aufzuklären.

Herr Bongartz schaut sich am liebsten

bei einem Cappuccino die neusten Buchempfehlungen

an. Gelegentlich erklingt

ein Didgeridoo, ein australianisches

Blasrohr, oder eine Djembé, eine

afrikanischeTrommel, wenn MusikerInnen

im Weltladen ihre Klänge ausprobieren.

Frau Schleifert holt sich gerne Inspirationen

für Ihre Kochleidenschaft im

Laden. Exotische Gewürze aus Sri

wollen eine Verbindung herstellen

zwischen den Verbrauchern in

Deutschland und den Kaffeebauern in

den Ländern des Südens. Der Faire

Handel schafft bessere Lebens- und

Arbeitsbedingungen für die ProduzentInnen,

die den hochwertigen

Biokaffee anbauen. Durch einen lokaltypischen

Namen und ein entsprechendes

Logo für den Kaffee

können neue Zielgruppen für den Fairen

Handel gewonnen werden: Menschen,

die sich durch den lokalen Bezug,

und durch eine besondere Kaffeequalität

ansprechen lassen.

Kaffee aus Kolumbien, Honig aus

China und Orangensaft aus Mexiko

– die Globalisierung macht auch

vor unserem Frühstückstisch nicht

Halt.

Wir haben uns daran gewöhnt, Tag für

Tag Lebensmittel aus vielen Ländern

der Erde zu genießen. Doch mit diesen

Vorzügen der Globalisierung sind

auch Nachteile verbunden. Die fortschreitende

Liberalisierung des Welthandels,

die von der Welthandelsorganisation

WTO vorangetrieben wird,

führt zu einem immer stärkeren Wettbewerb

zwischen den Produzenten

weltweit. Kleinbäuerliche Betriebe in

den Ländern des Südens konkurrieren

so mit der hochindustrialisierten

Landwirtschaft im Norden. Aus diesem

Konkurrenzkampf gehen die kleinen

Betriebe – auch im Norden – als

Verlierer hervor. Allein in Rheinland-

Pfalz ist die Zahl der landwirtschaftlichen

Betriebe von 1991 bis 2001 von

51.000 auf 32.000 gesunken. In Chiapas/Mexiko

verlassen während der

derzeitigen Kaffeepreiskrise pro Woche

etwa 500 Familien ihr Land, um in

den Städten nach besseren Lebensbedingungen

zu suchen.

Durch menschenwürdige Arbeitsbedingungen

und gerechte Preise

schafft der Faire Handel der Weltläden

den KleinbäuerInnen in den Ländern

des Südens eine Lebensperspektive.

Darüber hinaus informieren Weltläden

die Öffentlichkeit über die Auswirkungen

der Agrarpolitik der Europäischen

Union und der WTO und leisten

politische Lobbyarbeit, um gegen die

ungerechten Strukturen der Weltwirtschaft

anzugehen. Sie haben Erfolg!

Lanka, Quinua-Nudeln aus Bolivien,

Mango Chutney aus Thailand verhelfen

Ihr zu neuen kulinarischen Kreationen.

Informationen über Herkunft und

Herstellung der einzelnen Produkte

werden im Weltladen gerne weitergegeben.

Die über 30 ehrenamtlich engagierten

MitarbeiterInnen möchten

über die Nachhaltigkeit des Fairen

Handels und die ungerechten Welthandelsbestimmungen

informieren.

Sie wollen Aufmerksamkeit und Bewusstsein

für Aktionsmöglichkeiten in

Deutschland schaffen. Durch den Verkauf

von fair gehandelten Produkten

im Weltladen werden aber auch die Lebensbedingungen

tausender Kleinbauern-

und Handwerkerfamilien in den

Entwicklungsländern direkt verbessert.

„Wir sind sicher, dass unser Engagement

im Süden und hier bei uns

wirkt!” versichert Frau Heinzel, eine

langjährige Mitarbeiterin des Ladens.

In Weltläden, Bioläden, Bäckereien,

Museen, Kantinen, bei Stadtfesten

oder öffentlichen Anlässen – Agendakaffees

werden mittlerweile an zahlreichen

Stellen im Land verkauft und

Welthandelspolitik – im Weltladen um die Ecke

„Before you’ve finished eating breakfast this morning,

you’ve depended on half the world.“ (Martin Luther King)

Grafik: Chr. Bauer

Preis

150

140

130

120

110

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

Preisentwicklung beim Kaffee, Sorte Robusta

Zu Klängen von Didgeridoo und Djembé

Der Mainzer Weltladen informiert über den Fairen Handel

Ihre Forderung nach fairen Regeln für

den Welthandel mit Nahrung werden

zur Zeit bei der WTO diskutiert.

Christoph Albuschkat

Jan.98 Jul.98 Jan.99 Jul.99 Jan.00 Jul.00 Jan.01 Jul.01 Jan.02 Apr.02

Preis gepa-Bio

Preis gepa

Weltmarkt (Börse London)

Foto: Christian Bauer

Angaben in US-Cents pro Engl. Pfund (= 453,6,gr) Quelle: gepa

Foto: Angelika Schroers

Der Weltmarktpreis für Kaffee liegt derzeit

(Mitte 2002) so niedrig wie seit vielen

Jahren nicht mehr. Als Importorganisation

des Fairen Handels zahlt die gepa im

Moment mehr als das Doppelte des Weltmarktpreises

und gewährt den Produzenten

außerdem einen verlässlichen Mindestpreis.

Immer wieder sind Schüler oder Gruppen

von kirchlichen Gemeinden oder

der Volkshochschule im Laden zu Gast.

Sie wollen Genaueres über Bananen,

Schokolade oder Kaffee erfahren. Im

Vorfeld des Gipfels der Vereinten Nationen

zur Nachhaltigen Entwicklung

in Johannesburg werben 10 Mainzer

Prominente für den Fairen Handel.

ausgeschenkt. So entstehen neue

Möglichkeiten, Menschen mit dem

fairen Handel in Verbindung zu bringen.

Achim Dührkoop

Faires Fasten

Die Fastenaktion des Katholischen

Deutschen Frauenbundes

Die Fastenaktion des Katholischen

Deutschen Frauenbundes ist etwas

anders als normale Fastenwochen:

hierbei geht es nicht um den Verzicht

auf Alkohol oder Süßigkeiten, sondern

um bewussten Genuss. Daher

ruft der Katholische Deutsche Frauenbund

dazu auf, in der Fastenzeit

nur Lebensmittel aus Fairem Handel

und biologischem Anbau zu sich zu

nehmen. Das fördert die eigene Gesundheit,

unterstützt die Produzenten

in den Ländern des Südens und

leistet einen wirksamen Beitrag zum

Erhalt der Umwelt. Ein weiterer Vorteil:

durch die bewusste Auswahl

hochwertiger Lebensmittel bestehen

zahlreiche Möglichkeiten, neue Rezepte

auszuprobieren. Zum Beispiel:

Quinua-Gemüsesuppe.

Christoph Albuschkat

Im Weltladen erhältlich:

Quinua,

das Korn aus den

Anden.

„Das Besondere der Bio-Mango-Marmelade

ist,dass sie lecker schmeckt,

aus ökologischem Landbau kommt

und eine gute Politik unterstützt, weil

Sozialministerin

Dreyer probiert Bio-

Marmelade aus dem

Weltladen

sie fair gehandelt ist,” äussert sich Sozialministerin

Dreyer überzeugt. „Wir

möchten die Menschen zum Nachdenken

bringen”, sagen die Mainzer

WeltladenmitarbeiterInnen „und bieten

Ihnen Handlungsmöglichkeiten

durch den Kauf von fairgehandelten

Produkten.”

Angelika Schroers

Haben Sie Interesse an der

Rheinischen Affaire?

Wenn Sie einen Agenda-Kaffee in

Kommune im Rheinland einführen mö

beraten wir Sie gerne. Informationsm

sowie ein ausgearbeitetes Gestaltun

zept liegen bereits vor.

ELAN, Tel.: 0 61 31- 9 72 08 - 67

Die regionalen Kaffees in Rheinland-P

von links: Worms Café, Café Palatino,

Rhein-Hunsrück-Kaffee (verdeckt), Ca

Mayence (oben), Bin fair-Kaffee (Bin

Mosel Kaffee, Die Rheinische Affaire

Quinua Gemüsesuppe

Zunächst:

2 Esslöffel Öl

1 Zwiebel würfeln

1 große Möhre würfeln

1 Scheibe Sellerie würfeln

10-15 cm helle Lauchstange

in dünne Ringe schneiden

2-3 Kartoffeln würfeln

Alles andünsten, dann:

• mit 1 Liter heißem Wasser

ablöschen, aufkochen lassen

• 120 g gewaschene Quinua dazusch

• 15-20 Minuten bei mäßiger Hitze

gar kochen

Anschließend:

2 Gemüsebrühwürfel

150 ml frische Sahne

reichlich feingehackte Frühlingskräut

unterrühren

Zum Schluss:

mit Salz, Pfeffer und Muskat abschme

Weltladen-Dachverband

Der Dachverband der deutschen Wel

hat seinen Sitz in Mainz. Er berät We

und Aktionsgruppen in allen Fragen d

ren Handels, bereitet die Kampagnen

Weltläden vor und erstellt begleiten

formationsmaterialien.

Weltladen-Dachverband

Christoph Albuschkat

Hindenburgplatz 2, 55118 Mainz

Tel.: 0 61 31- 6 89 07- 80, Fax: -99

E-Mail: c.albuschkat@weltlaeden.d

www.weltlaeden.de

Fairer Handel der Weltläden bedeu

•Höhere Abnahmepreise und garant

Mindestpreise für die ProduzentInn

• Langfristige Lieferverträge und dad

Abnahmegarantien

•Vorfinanzierung der Produkte

• Schulung und Beratung,

z.B. bei der Umstellung auf biologi

Landwirtschaft

• Not-for-profit-Orientierung

• Informations- und Bildungsarbeit

Weltladen Unterwegs

Angelika Schroers

Christofsstr. 9, 55116 Mainz

Tel.: 0 6131-22 69 43

Fax: 0 61 31-22 63 44

weltladen-mainz@gmx.de

Eine Besonderheit im Weltladen Unt

ist die Fachbibliothek zu entwicklun

tischen Themen. Wer lieber Romane v

torInnen aus den Ländern des Süden

findet hier eine interessante Auswahl


D_Layout_5 09.08.2002 16:39 Uhr Seite 6

6 / Entwicklungsland D RUANDA

PARTNERSCHAFTEN

Entwicklungsland D

Foto: Marion Hilden

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Rheinland-Pfalz-Ruanda

• Bildung

Bau, Ausstattung und Renovierung von

Primarschulen in ländlichen Gebieten,

Übernahme des Schulgeldes von

bedürftigen Kindern und Waisen

• Sozialwesen

Schul- und berufliche Ausbildung für

Straßenkinder, humanitäre Hilfe für bedürftige

Menschen

• Infrastruktur

insbesondere Projekte der Trinkwasserversorgung

• Aus- und Weiterbildung, Forschung

Austausch zwischen berufsbildenden

Institutionen, Universitäten und Fachhochschulen,

gemeinsame Forschungsprojekte,

Entsendung von Lehrkräften

• Gesundheitswesen

Bau und Ausstattung dezentraler Gesundheitszentren

und Krankenstationen

• Landwirtschaft

Erforschung und Umsetzung von Methoden

des ökologisch angepassten Landbaus

• Gewerblicher Sektor

Schaffung beruflicher Alternativen zur

Landwirtschaft, Ausbildung von Hand -

werkern, Bau und Ausstattung von Werkstätten,

Förderung der Vermarktung von

Produkten

• Frauenförderung

Ausstattung und Fortbildung der Frauen

in Kleinkooperativen zur Ermöglichung

eines zusätzlichen Einkommens

• Förderung des Breitensports

Errichtung von Sportfeldern mit Hilfe des

rheinland-pfälzischen Landessportbundes,

Ausbildung von Betreuern

Weitere Informationen über die

Partnerschaft Rheinland-Pfalz–Ruanda:

www.rlp-ruanda.de

O

„Ruanda“ – Ideen für

die Unterrichtsgestaltung

Deutschunterricht:

• „Übersetzen“ eines Piktogramm-Briefes

in einen geschriebenen Brief

• Märchen und Geschichten aus Afrika

Musikunterricht:

• Bau von Musikinstrumenten (Rassel,

„Ikikembe“ = afrikanisches Klavier)

• Afrikanische Lieder

Religionsunterricht:

• Beispiele christlichen Umgangs mit

Armut und Reichtum

Bildende Kunst:

• Bau eines ruandischen Gehöftes

auf einem Hügel

Ansprechpartner:

Werner Magin, Pestalozzischule

Fußgönheimer Straße 17

67112 Mutterstadt

Tel.: 0 62 34 -92 85 45

Entwicklungspolitik zum Anfassen

20 Jahre Partnerschaft Rheinland-Pfalz – Ruanda

Rheinland-Pfalz beschritt mit der

1982 begründeten Partnerschaft

mit Ruanda einen neuen Weg der

Entwicklungspolitik.

Entwicklungszusammenarbeit sollte

nicht länger anonymen Institutionen

überlassen bleiben, sondern

zu einem Anliegen aller Bürgerinnen

und Bürger werden.

Tour-Teilnehmer in Mainz mit einem Mitglied

der neugegründeten Troupe Jumelage

Die Pestalozzi-Grundschule Mutterstadt

verbindet seit 1984 eine

Partnerschaft mit der Primarschule

Gakanka in der Präfektur

Gikongoro in Ruanda.

Ziel der Partnerschaft ist es, den Alltag

in Ruanda und Deutschland ein

kleines Stück weit zu teilen. Da die

sechs- bis zehnjährigen Kinder nicht

dieselbe Sprache sprechen, ist eine

Kommunikation schwierig. Mit Piktogramm-Briefen,

bei denen leicht verständliche

Bildsymbole verwendet

werden, haben die Lehrer der Pestalozzi-Grundschule

den Schülern die

Möglichkeit eröffnet, malend von ihrer

Schule, der Familiensituation oder

dem deutschen Alltag zu berichten.

Die Antwort aus Ruanda auf die ersten

Piktogramm-Schreiben aus Mutterstadt

kam realistisch gezeichnet

zurück, wurde im Unterricht „gelesen“,

und in eine normale Briefform

Die Menschen in Rheinland-Pfalz sollten

für die Probleme der südlichen

Länder sensibilisiert werden und die

Möglichkeit erhalten, selbst in Projekten

mitzuwirken.

In beiden Ländern wird die Partnerschaft

auf breiter Basis von den Kommunen

und gesellschaftlichen Gruppen

getragen. Über 50 rheinlandpfälzische

Gemeinden, 220 Schulen,

Pfarreien, Verbände und Vereine unterhalten

Beziehungen zu ihren Partnern

in Ruanda.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung

schafft den institutionellen und

organisatorischen Rahmen für die

Partnerschaft. Sie veröffentlicht regelmäßig

Informationen über das Partnerland,

vermittelt Kontakte zwischen

Radeln für die

Partnerschaft

Sprachbarrieren malend

überwinden

Interkulturelles Lernen in einer

Schulpartnerschaft

Ganz im Zeichen des zwanzigjährigen

Bestehens der Partnerschaft Rheinland-Pfalz–Ruanda

stand die diesjährige

Tour Fair Play d’Europe, die

nun bereits zum vierten Mal stattfand.

Die Tour, vom Landessportbund

und der Europäischen Akademie des

O

transferiert. Ein Ausschnitt lautete:

„Ich heiße Mubanzankabo. Morgens

um 6.30 Uhr gehe ich schon zur

Schule.“ Im Laufe der Zeit entwickelte

sich eine rege Brieffreundschaft

zwischen den Kindern. Die Zeichnungen

enthielten eine Fülle von Informationen

über das Leben in Ruanda

und Deutschland: landestypische Gewohnheiten

und Feste, über das Leben

in der Stadt und auf dem Land,

Tiere und die landestypischen Kinderspiele.

Die deutschen Kinder versuchten,

sich das Leben in Afrika vorzustellen.

Während eines Schulfestes gestalteten

die vierten Klassen der Pestalozzischule

einen afrikanischen Markt.

Zuvor wurden im Unterricht afrikanische

Gepflogenheiten besprochen.

Die Mädchen trugen afrikanische

Kleider, flochten sich afrikanische

Zöpfchenmuster, banden sich eine

den rheinland-pfälzischen und den

ruandischen Partnern und bezuschusst

gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen

Partnerinitiativen Entwicklungsprojekte.

In den vergangenen 20

Jahren hat die Landesregierung mit

76 Millionen DM Projekte in Ruanda

unterstützt, weitere 20 Millionen DM

wurden von der rheinland-pfälzischen

Bevölkerung aufgebracht. Die

bislang über 1000 Projekte wurden

nach dem Grundsatz „Hilfe zur

Selbsthilfe“ verwirklicht und sollen

die Lebensbedingungen der Menschen

in Ruanda nachhaltig verbessern.

Die Anregungen zu den Projekten

kommen von den ruandischen

Bürgern.

Rheinland-Pfalz unterhält in Kigali

Sports veranstaltet, führte rund 150

Jugendliche aus verschiedenen europäischen

Ländern auf rund 1.000

Radkilometern durch die Grenzregionen

von Rheinland-Pfalz. Die „Troupe

Jumelage“ des Vereins Partnerschaft

Rheinland-Pfalz, eine Musikund

Trommlergruppe, bereitete der

Radlertruppe bei ihrem Zwischenstop

in Mainz einen afrikanischen

ein Koordinationsbüro, das die Vorhaben

plant, betreut und die Mittelausgaben

kontrolliert. So wird gewährleistet,

dass jede Spende ihrem Zweck

zugeführt wird, und die Spender einen

genauen Nachweis über den Verbleib

ihres Geldes erhalten.

Zeitlich begrenzte, humanitäre Hilfsaktionen

begleiten die langfristig angelegten

Projektvorhaben. Ein wesentliches

Anliegen der Partnerschaft

ist die persönliche Begegnung von

Menschen. Durch Briefkontakte und

Besuche sollen sie die Kulturkreise

und Lebensbedingungen ihrer Partner

kennen lernen; diese Kenntnisse

können Verständnis und Toleranz vertiefen

sowie Vorurteile abbauen.

Dr. Carola Stein

Empfang mit heißen Trommelrhythmen.

Ziel der Tour: der Fair-Play-Gedanke

soll vom Sport auch auf die

Entwicklungszusammenarbeit übertragen

werden. Der Spendenerlös der

Tour in diesem Jahr fließt in ein Projekt

im rheinland-pfälzischen Partnerland

Ruanda.

Cornelia Schuck-Klebow

oben: Piktogrammbrief aus Mutterstadt –

Barbara, 8 Jahre, erzählt von sich und ihren

Eltern, der Schule und dem Tagesgeschehen.

links: Antwortschreiben aus Gakanka –

Leben und Lernen auf dem Land in Afrika

Puppe auf den Rücken und versuchten

handelnd ihre Waren zu verkaufen.

Ein besonderer Glücksfall für die

Schule ist der beinahe jährliche Besuch

von Gästen aus Ruanda an der

Grundschule, die auch in den Schulunterricht

eingebunden werden. Immer

wieder zeigt sich eindrucksvoll,

wie wichtig und unersetzbar eine persönliche

Begegnung ist!

Werner Magin

Barbara Mittler

Gemeinsam die Eine Welt gestalten:

40 Jahre Partnerschaft Bolivien– Bistum Trier

Als der aus dem saarländischen

Püttlingen stammende Erzbischof

Jose Clemente Maurer seinen Trierer

Bischofsbruder Matthias Wehr

im Jahr 1959 bat, seinem Bistum

Sucre in Bolivien in „brüderlicher

Hilfe“ unter die Arme zu greifen,

war nicht abzusehen, dass daraus

ein wirkungsvoller Dauerbrenner

entstand.

Die zunächst entstehende auf materieller

Hilfe beruhende Patenschaft

entwickelte sich in den kommenden

Jahrzehnten zu einer lebendigen gegenseitigen

Partnerschaft.

Der Beginn der

Patenschaft

Die drastische Armut Boliviens verlangte

den Aufbau von Gesundheitsstationen,

Schulen und Internaten

sowie die Förderung der landwirtschaftliche

Entwicklung.

Bei den Kollekten der Trierischen Kirche

kamen seit Beginn der Patenschaft

insgesamt 11,6 Millionen DM

zusammen. Die Bolivienhilfe der Katholischen

Jugend erbrachte über

25,3 Millionen DM.

Vorurteile und Unkenntnis prägten zu

Beginn das Verhältnis zwischen dem

Evangelischen Kirchenkreis Koblenz

und dem Evangelischen Kirchenkreis

Agusan auf den Philippinen.

Das erste gemeinsame Ziel: Wir wollten

uns kennen lernen. Und das

klingt einfacher, als es ist. Nicht nur

die räumliche Distanz trennte uns,

auch Kultur, Klima, Geschichte und

Politik beider Länder unterscheiden

sich.

Eine große Stärke der Partnerschaften

im kirchlichen Kontext ist der gemeinsame

Glaube, der eine Verbindung

über alle Grenzen hinweg

schafft.

Ein sich Kennenlernen gelingt nur

durch gegenseitige Besuche. Wir haben

uns auf den Weg gemacht, begegneten

der Fremdheit und dem Kulturschock.

Aber aus den vielen Fehlern

haben wir am meisten gelernt, und

die Begegnung als große Bereicherung

erfahren.

Eine intensive Art des Kennenlernens

war der gegenseitige Austausch von

Mitarbeitenden in der Kirche. Auch

hier bestätigte sich: Gemeinsam Gottesdienst

feiern und beten ermutigt,

Fremdheit und Dissonanzen auszuhalten.

Auch nach der persönlichen Begegnung

wollten wir in Kontakt bleiben.

Dank der modernen Medien ist dieses

Vorhaben sehr erleichtert worden.

Persönliche Begegnung

ist Trumpf

Bereits im Jahr 1962 reisten drei Trierer

Priester und eine Reihe von Ordensschwestern

und Entwicklungshelfer

in das bolivianische Partnerbistum.

Begegnungsreisen ermöglichen

bis heute einen lebendigen Austausch

und tiefgehendes Kennenlernen. Freiwillige

tragen mit ihrem Dienst in Bolivien

dazu bei, die Begegnung lebendig

zu halten. Lokale Partnerschaften

von Boliviengruppen schaffen ein intensives

Netz der Zusammenarbeit.

Von Patenschaft zu

Partnerschaft

Heute ist das ganze Land Bolivien in

die Partnerschaft einbezogen. Das

wachsende Selbstbewusstsein der Bolivianer

verschob die Rolle des Bittstellers

hin zu einem mitplanenden

Partner. Das wechselseitige Vertrauen

in die Kompetenz des Partners ist auf

dem gemeinsamen Weg gewachsen.

Entscheidungen über Projekte werden

heute in Bolivien getroffen.

Gemeinsam Lernen

und Handeln

Das Ernstnehmen des Partners als eigenständig

Handelndem wirkte sich

schnell auf die politische Dimension

der Partnerschaft aus. In der jüngsten

Etappe der Partnerschaft hat das gemeinsame

Engagement für den Schuldenerlass

einen hohen Stellenwert erhalten.

In einer Weltsituation, in der

die globale Komplexität zunimmt,

kann das konkrete interkulturelle

Mit den Augen der

Anderen sehen

Partnerschaft im evangelischen Kontext

Eine gemeinsame Zeitung versorgt

beide Partner mit Informationen. Und

es existiert ein Partnerschaftsvertrag,

der gerade um fünf Jahre verlängert

wurde.

Wir und unser philippinischer Partner

fühlen uns internationalen kirchlichen

Zusammenschlüssen verbunden.

Dazu gehören die Vereinte Evangelische

Mission und der Ökumenische

Rat der Kirchen.

Dies hat inhaltliche Konsequenzen:

Der Prozess Gerechtigkeit, Frieden

und Bewahrung der Schöpfung wird

von unserer Partnerschaft getragen.

Wir erleben in der Begegnung die Differenzen

des reichen Europas und den

wirtschaftlich schwachen Philippinen.

Gestartet wurden gemeinsame Projekte

beispielsweise im Gesundheitsbereich,

bei den Agusan die Arbeitskraft

und Koblenz die Finanzierung beisteuerte.

Hat diese Partnerschaft etwas verändert?

Wir haben gelernt, viele unserer

eigenen Probleme mit den Augen der

Partner zu sehen. Das macht kritikfähig.

Unsere Partner bemerkten

die Schwachstellen des „goldenen Westen”.

Unser erstes Ziel, uns wirklich kennen

zu lernen, ist erreicht.

Dorothea Seeliger

Foto: Eugen Reiter

Entwicklung

braucht

Entschuldung

Seit über vier Jahren ist das Engagement

für einen Erlass der Auslandsschulden

ein Schwerpunkt in

der Partnerschaft des Bistums Trier

mit der Kirche Boliviens.

In Trier wie in Bolivien mobilisierte

man Menschen für die internationale

Kampagne „Erlaßjahr

2000“, die einen weitreichenden

Erlass der Auslandsschulden der

armen Länder zugunsten der armen

Menschen forderte.

Die untragbare Last der Auslandsverschuldung

dieser Länder hatte zur

Folge, dass etwa Bolivien ein Drittel

seiner Exporteinnahmen für die Zahlung

der Zinsen und Tilgungsraten

seiner Schulden aufbringen musste,

anstatt zum Beispiel Schulen bauen

und Lehrer einstellen zu können.

Im Bistum Trier unterschrieben über

100.000 Menschen die Forderung der

Kampagne „Erlaßjahr 2000“. Beim internationalen

Aktionstag der Kampagne

am 19. Juni 1999 zum Gipfeltreffen

der sieben führenden Industrienationen

(G7) in Köln beteiligten sich

viele Gruppen zusammen mit Gästen

aus Bolivien. Über 12 Millionen Unterschriften

wurden weltweit gesammelt

und Bundeskanzler Schröder als

Gastgeber des Gipfels übergeben. Das

Ergebnis des Gipfels: 41 hochverschuldete

Länder sollen einen Schuldenerlass

erhalten.

Voraussetzung dafür: Die Erarbeitung

eines Armutsbekämpfungsplans in

diesen Ländern unter Beteiligung der

dortigen Zivilgesellschaft.

Durch die Mitsprache der Menschen

wurde in Bolivien eine breite Allianz

der Zivilgesellschaft geschaffen. Bewusstsein

wurde geweckt, dass die

Lernen zwischen zwei Völkern unterschiedlicher

Kontinente helfen, undurchsichtige

Vorgänge zu durchschauen.

Durch aufmerksames Kommunizieren,

Teilen und Verstehen

wird der Reichtum erfahrbar, der in

der Kultur und im Lebenswissen des

Partners liegt. Im Miteinander können

innovative Lösungsversuche für

soziale und politische Probleme entwickelt

und angegangen werden. Die

Partnerschaft hält so die Vision lebendig:

„Gemeinsam können wir die

Eine Welt neu gestalten!“

Eugen Reiter

arme Bevölkerung Nutznießer des

Schuldenerlasses sein muss, und die

Gelder nicht in Korruption und Misswirtschaft

versickern dürfen. Die Bolivianische

Kirche hat sich für eine effektive

Verwendung der Mittel und

deren gesellschaftliche Kontrolle eingesetzt.

Die Regierung musste einen

regierungsunabhängigen Kontrollmechanismus

gesetzlich verankern.

Bolivien erhielt 2001 als zweites Land

überhaupt einen Schuldenerlass im

Umfang von 1,2 Milliarden US $. Die

Mittel werden nun nicht mehr für

Zins- und Tilgungszahlungen aufgebracht,

sondern für die soziale Entwicklung

des Landes verwendet.

Die große Herausforderung ist die effektive

Verwendung dieser Finanzmittel.

Die Menschen in Bolivien können

dabei weiter auf die Unterstützung

durch die Gemeinden im Bistum Trier

zählen. „Zukunft braucht Entschuldung“

lautet die Inschrift auf der im

Jahr 2000 gegossenen Trierer Entschuldungsglocke.

Sie mahnt bei den

Stationen in bisher über 50 Orten,

dass das Engagement für eine Lösung

der Auslandsverschuldung zugunsten

der Armen weitergehen muss: Wir

wollen, dass der Schuldenerlass wirklich

den Armen zu Gute kommt!

Ludwig Kuhn

Neue Erfahrungen für die deutschen P

ner: Zampoñada (Panflötenmusik) im

vianischen Hochland.

Kontakt für die Partnerschaft

Bolivien-Bistum Trier:

Diözesanstelle Weltkirche

Ludwig Kuhn

Hinter dem Dom 6, 54290 Trier

Tel.: 0651-71 05-396

Fax: 0651-71 05-125

weltkirche@bgv-trier.de

Bundestagspräsident Thierse begrüßt

die Bischöfe Boliviens an der Trierer

Entschuldungsglocke vor dem Reichstag.


D_Layout_5 09.08.2002 16:40 Uhr Seite 8

8 / Entwicklungsland D MIGRATION

Dr. Lea Ackermann ist Gründerin und Vorsitzende

von Solwodi und wurde für ihre Arbeit

1998 mit dem Preis „Frau Europas“ ausgezeichnet.

Kontakt:

Solwodi e.V.

Propsteistrasse 2, 56154 Boppard

Tel.: 0 6741- 22 32

Fax: 0 6741-23 10

E-Mail: solwodi@t-online.de

Anerkennung von Asylberechtigten

Am 9. Juni 2002 wurde das neue Bundesamt

für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ins

Leben gerufen. Unter anderem ist das Amt

zuständig für die Asylverfahren. Auch die

Einwanderung ausländischer Fachkräfte und

die Integration von Ausländern fällt in seinen

Aufgabenbereich.

Nähere Informationen:

www.bmi.bund.de

Asyl in Rheinland-Pfalz (RLP)

Die Quote der Asylsuchenden ist seit 1995

in der Bundesrepublik und in RLP rückläufig.

Die Asylsuchenden werden nach einem

Schlüssel auf die Bundesländer verteilt:

Aufnahmequote Rheinland-Pfalz: 4,7%

Aufgenommene Asylsuchende 2001: 4244

(Quelle: Bundesamt für die Anerkennung ausländischer

Flüchtlinge in: Wir leben in Rheinland Pfalz, Landesbeauftragte

für Ausländerfragen bei der Staatskanzlei,

Mainz Februar 2002)

Die Asylsuchenden werden zunächst bis zu

drei Monate in der Aufnahmeeinrichtung für

Asylbegehrende in Trier untergebracht. Im

Anschluss daran werden sie auf die Kommunen

des Landes verteilt.

Hoffnung auf ein

besseres Leben in Deutschland

Die Frau als Ware

Wir alle haben schon einmal von

dubiosen Heiratsagenturen

gehört, die junge Frauen aus Asien,

Afrika und Mittel- und Osteuropa

an deutsche Männer vermitteln.

Mangelnde Zukunftsperspektiven,

hohe Arbeitslosigkeit und

bittere Armut im Heimatland treiben

die Frauen in die Hände der

Heiratsvermittler.

Oft lassen sie Familie und Kinder im

Heimatland zurück, für die sie sich

weiterhin verantwortlich fühlen. Sie

hoffen auf ein besseres Leben in

Deutschland und die Chance, ihre Familie

in der Ferne finanziell zu stützen.

Doch die Frauen wagen oft einen

Schritt – frei nach Wolf Biermann –

„vom Regen in die Jauche“. In einigen

Fällen sind sie Demütigungen,

Mousanmilou Affo aus Togo in

Afrika ist ein Musterbeispiel für

Integration. Und das, obwohl die

Integration in vielen Fällen ein

regelrechtes Integrationsproblem

bedeutet. 1991 musste er aus Togo

flüchten. Er wurde mit seinem

Bruder bei einer Demonstration

für Menschenrechte verhaftet. Der

Bruder verschwand im Gefängnis,

seine Mutter wurde in ihrem Haus

umgebracht.

Als er flüchten konnte, erhoffte er

sich in Deutschland ein Leben ohne

Furcht und Folter.

Affo bekam zwar kein Asyl, wurde

aber geduldet, weil bei einer Abschiebung

Folter oder Tod drohte. Er lernte

Deutsch und fand bei einer Konditorei

eine Beschäftigung, für die das

Arbeitsamt keinen deutschen Bewerber

vermitteln konnte. Doch plötzlich

empfanden die Behörden im Novem-

Vergewaltigungen und der Gewalt

durch die deutschen Ehemänner ausgesetzt.

Dies betrifft in vielen Fällen

auch die Kinder der Frauen: Sie sind

im schlimmsten Fall den pädophilen

Neigungen der Väter schutzlos ausgeliefert.

Wenn die Frauen sich mit ihrem Hilferuf

an den Verein Solwodi wenden,

der ausländische Frauen in Notsituationen

berät, haben sie oft schon einen

langen Leidensweg hinter sich.

Die Mitarbeiterinnen von Solwodi

bringen sie zunächst sicher in einer

Schutzwohnung unter, so dass sie der

Willkür des Ehemannes nicht länger

ausgesetzt sind. In der folgenden Zeit

unterstützt Solwodi sie bei Behördengängen

und Aufenthaltsfragen.

Besteht der Wunsch nach Rückkehr

in das Herkunftsland, so ermöglicht

Leben ohne Furcht und Folter

Kirchenasyl ist gelebte Solidarität

doch aufgehoben. Affos Arbeitgeber

und die Gesellschaft für christlich-jüdische

Zusammenarbeit wandten sich

an Ministerpräsident Kurt Beck und

den Petitionsausschuss des Landtages.

Da dies aber keine Aussetzung

der Abschiebedrohung zur Folge hatte,

gewährte Dechant Heinz Brubach

kurzerhand in der Trierer Innenstadtpfarrei

St. Antonius Kirchenasyl:

„Jeder sagt, ich habe getan, was ich

Menschen Affo. Vier Monate musste

er in den Kirchenräumen leben. Erst

Ende März wurde eine erneute Duldung

und befristete Arbeitserlaubnis

ausgesprochen. Neue Fakten zur Menschenrechtslage

in Togo ermöglichen

jetzt ein neues Asylverfahren. „Ich

habe den Eindruck, die Dinge haben

sich gefährlich verschoben, staatlichen

Stellen geht es nur noch um

Verhinderung, nicht mehr um Hilfe“,

Solwodi über das Rückkehrerinnen-

Programm einen Neustart in ihrer

Heimat.

Eine andere Möglichkeit, in Deutschland

Fuß zu fassen, erhoffen sich viele

Frauen über eine feste Arbeitsstelle.

So werden sie zu leichter Beute für

Menschenhändler, die ihnen eine legale

und seriöse Arbeit versprechen.

In Deutschland angekommen ist der

Traum beendet: die vermeintlichen

Arbeitsvermittler bemächtigen sich

ihrer Pässe, und Zuhälter zwingen sie

mit brutalster Gewaltanwendung in

die Prostitution.

Werden die Opfer bei Razzien aufgegriffen,

sind sie meist völlig verängstigt.

Auch hier setzt sich Solwodi

zur Unterstützung der Frauen ein:

Mitarbeiterinnen sorgen dafür, dass

sie sicher untergebracht werden, begleiten

die Opfer, die zugleich Zeuginnen

sind, in den Prozessen gegen

die Täter und leisten psychosoziale

Betreuung. Dies ist oft kostenintensiv,

aber unentbehrlich für die Bekämpfung

des Menschenhandels. Eine

Gesellschaft, die friedliches Zusammenleben

und Gerechtigkeit anstrebt,

muss Gewalt in jeder Form

ahnden und den Opfern ausreichende

Unterstützung gewähren.

Dr. Lea Ackermann

Ausgegrenzt

und abgeschoben –

Flüchtlinge in

Rheinland-Pfalz

Flüchtlinge werden in diesem

Land per Gesetz zu einer Randgruppe

gemacht.

Sie werden in Sammelunterkünften

untergebracht und dürfen nicht arbeiten.

Für Flüchtlingskinder besteht

keine Schulpflicht. Sie dürfen sich

nur in einem bestimmten Bezirk aufhalten

und haben ein Anrecht auf

gekürzte Sozialhilfe. So schafft sich

unsere Gesellschaft ihre Parias. Integrationsmaßnahmen

gibt es nicht.

Nicht anerkannt, haben Flüchtlinge

ihren „gewöhnlichen Aufenthalt“

noch im Verfolgerland. Die Hälfte der

Flüchtlinge bleibt nach oft jahrelangen

Verfahren in Deutschland.

In den vergangenen Jahren wurden

aus Rheinland-Pfalz tausende Menschen

in ihr Heimatland, ins ehemalige

Jugoslawien, abgeschoben oder

gezwungen „freiwillig“ auszureisen.

Impressum

Herausgeber:

Entwicklungspolitisches Landesnetzwerk

Rheinland Pfalz e.V. (ELAN)

Kaiser-Wilhelm-Ring 2

55118 Mainz

Tel.: 0 61 31- 9 72 08-67

Fax: 0 61 31- 972 08-69

E-Mail: elan-rlp@t-online.de

www.elan-rlp.de

Redaktion:

Angelika Schroers

Barbara Mittler

Christoph Albuschkat

Achim Dührkoop

Die mit Namen von VerfasserInnen gekennzeichnete

Artikel geben nicht unbedingt die

Meinung der Redaktion wieder.

Layout: Christian Bauer

Druck: Engelhardt&Bauer, Karlsruhe

Auflage: 30.000

Mainz, August 2002

vom Evangelischen Entwicklungsdienst

(EED) durch den ABP gefördert

Foto: Ernst Mettlach

ber 2001, die Lage in Togo habe sich

so verändert, dass der „Abschiebe-

Hinderungsgrund“ weggefallen sei.

Der erfolgreiche Einspruch beim

Rechtsausschuss des Kreises Trier-

Saarburg wurde von der Aufsichtsund

Dienstleistungsdirektion Trier je-

Kirchenasyl in St. Antonius, Trier: Solidarität mit Moussanmilou Affo

kann, und wäscht seine Hände in Unschuld“,

war das Motiv für Brubach,

sich aktiv einzuschalten.

Eine breite ökumenische Solidarität

setzte ein. Durch Unterschriftensammlungen,

Gottesdienste, Sachund

Geldspenden unterstützen die

kommentierte abschließend der evangelische

Pfarrer Guido Hepke den

bedrückenden Vorgang.

Eugen Reiter

Europa mauert sich ein

Europa mauert sich ein, um sich

vorm Elend der Welt abzuschotten.

Rheinland-Pfalz hat diese Festungsmentalität

für 10.000.000 Euro in Beton

gegossen: In Ingelheim steht ein

Abschiebegefängnis für 150 Häftlinge

mit einer 5,5 Meter hohen Mauer.

Ihr Vergehen: Sie wollten nicht

zurück ins Herkunftsland.

Daneben gibt es ein „Ausreisezentrum“.

Die hier wohnenden sollen dazu

bewegt werden, freiwillig in Ihre

Ausreise einzuwilligen. Für einige

dauert der Aufenthalt dort bereits

mehr als 2 Jahre. Das Ausreisezentrum

verstößt gegen das Gebot der

Menschenwürde und verletzt die

Menschenrechte der hier zwangsweise

Untergebrachten. Die Bilanz ist

ausgesprochen dürftig: Von 174 nach

Ingelheim zugewiesenen sind fünf

Personen „freiwillig ausgereist“, jedoch

92 Menschen untergetaucht.

Flüchtlingsinitiativen fordern die sofortige

Schließung.

Der Abschiebekomplex Ingelheim ist

zum Sinnbild staatlicher Flüchtlingspolitik

geworden, die uns zum Entwicklungsland

in Sachen Menschenrechte

und Menschenwürde macht.

Sigi Pick

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