Vom Geschenk, das keines ist. Wie eine Stadt sich selbst verkauft.

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Vom Geschenk, das keines ist. Wie eine Stadt sich selbst verkauft.

Vom Geschenk, das keines ist.

Wie eine Stadt sich selbst verkauft.

10. 3. 2010

Christian Kurth, Bonn-Endenich, hat die derzeit in der Bonner Bevölkerung

vertretenen Meinungen zum Thema „Festspielhaus contra Beethovenhalle“ gesammelt.

Hier seine Zusammenstellung:

• Ein besonderes Festspielhaus ist nur etwas für die Oberen Zehntausend!

Otto Normalverbraucher wird sich die sündhaft teuren Konzertkarten nicht leisten können.

• Für die jüngere Generation ist ein Festspielhaus eher von geringem Interesse.

Dort soll ja vornehmlich die Musik von Beethoven und Komponisten seiner Art gespielt

werden. Für Jazz, Pop, Disco-Sound und Rockmusik ist da kein Platz. Wer will schon

Rapper in solch „heiliger Halle“?

• Das Festspielhaus soll auf den Trümmern der Beethovenhalle entstehen.

Das wäre ein kultureller Frevel sondergleichen, das reinste Barbarentum. Musikkultur

gegen Baukultur!

• Die Festspielhaus-Verfechter lassen es an Respekt vor der Identität Bonns fehlen.

Die Institutionen, die sich zu einem besonderen Festspielhaus-Förderverein

zusammengeschlossen haben, treten für einen Abriss der Beethovenhalle ein. Insofern

kann ihnen der Vorwurf nicht erspart bleiben, dass ihnen das Kulturdenkmal

Beethovenhalle augenscheinlich nichts wert ist: seine herausragende Architektur, seine

städtebauliche Markanz, seine besondere Tradition im Bonner Bürgerleben und nicht

zuletzt sein einzigartiger geschichtlicher Zeugniswert für die „Bonner Republik“.

• An der Bürgerschaft vorbei.

Die Bonner Bürgerinnen und Bürger wurden an den Planungen bisher nicht beteiligt.

Ihnen wurde jede Mitsprache verweigert. Nur ein kleiner Personenkreis wurde in die

Beratungsergebnisse der DAX-Unternehmen eingeweiht, darunter auch einige Vertreter

des Stadtrates. Eine reine Alibi-Veranstaltung! Die Stadt hat sich den DAX-Unternehmen

ausgeliefert.

• Das Gelände der Beethovenhalle wurde allein aus finanziellen Gründen ausgesucht.

Die Sponsoren wollen das Gebäude finanzieren, nicht aber das Baugrundstück bezahlen

und auch nicht die aufwendigen Außenanlagen. Dafür muss die Stadt selber aufkommen.

Aus solch reinen Kostengründen hat die frühere Oberbürgermeisterin den Stadtrat auf das

Areal der Beethovenhalle gelenkt – und nicht, weil dieser Standort als Optimum gilt.

Die Bedenken vieler Ratsmitglieder hat sie dabei vom Tisch gewischt.

• Erst hat die Stadt die Beethovenhalle verkommen lassen, um sie dann für „abbruchreif“ zu erklären.

Investiert in die Beethovenhalle wurde seit Jahren nichts mehr. Konkrete Vorbereitungen

für gewisse Erhaltungs- und Instandsetzungsinvestitionen wurden, seit der

„Festspielhaus“-Gedanke hochkam, völlig auf Eis gelegt. Die Beethovenhalle wurde

schlecht geredet, gar zu einer Art „Unperson“ erklärt: Der 50. Jahrestag ihrer Einweihung

im September 2009 durfte von Seiten der Stadt schon nicht mehr gefeiert werden.

• Die Beethovenhalle bietet weiterhin die Voraussetzung für erfolgreiche Beethoven-

Feste


„Mit dem Beethovenfest hat die Stadt in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich

bewiesen: Internationale Ausstrahlung und lokale Verwurzelung, hochkarätige

Festveranstaltungen … gehen zusammen.“ Das ist die Aussage des Festspielhaus-Vereins

(Flyer „Das Festspielhaus …, März 2010). Wenn die Beethovenhalle die Basis für eine

solche Erfolgsbilanz war, warum soll sie das nicht auch in Zukunft weiter sein können?

• Mit dem städtischen Jahreszuschuss für das Festspielhaus wäre die Beethovenhalle

bald luxussaniert.

Der jährliche Betriebskostenzuschuss der Stadt für das Festspielhaus wird derzeit auf 4,8

Mio EUR kalkuliert. Mit diesem Betrag könnte die Stadt in wenigen Jahren aus der

Beethovenhalle ein supermodernes Festspielhaus machen. Dann bräuchte sie die

unsicheren DAX-Unternehmen nicht.

• Denkmalschutz-Auflagen gelten für die Bürger. Die Stadt ihrerseits hebelt sie aus.

Dass die Beethovenhalle unter Denkmalschutz steht, scheint die Stadt überhaupt nicht zu

„stören“. Denkmalschutz mögen doch – bitte sehr - die privaten Denkmaleigentümer

betreiben! Bei ihnen hält sie umso fester den Daumen drauf. Für die Stadt dagegen, die ja

selber sogar gesetzliche Denkmalbehörde ist, gilt das nicht. Für sie gibt es bezüglich der

Beethovenhalle offenbar nichts abzuwägen. Entschlossen will sie dieses so

ungewöhnliche Baudenkmal zum Abbruch freigeben.

• Wenn die Beethovenhalle fallen sollte, würde es jahrelange Rechtsstreitigkeiten

geben.

Schon jetzt haben Bonner Bürger, die die sichtbare Geschichte ihrer Stadt bewahren

wollen, angekündigt, jedmöglichen Rechtsweg zu beschreiten, die Beethovenhalle vor

dem Angriff der Abriss-Fanatiker zu schützen. In der öffentlichen Güterabwägung

zwischen dem geschützten Baudenkmal und einem noch zu errichtenden Hallenbau

rechnen sie sich beste Chancen aus. Aber der Weg durch viele Instanzen wird Zeit kosten.

Das kann Jahre dauern. Darunter würde zweifellos der Festspielhaus-Zeitplan leiden. Da

wäre es zweifellos sicherer, von vorneherein auf einen anderen Platz auszuweichen.

• Alt-OB Daniels plädiert für einen anderen Platz.

Dr. Hans Daniels, der ehemalige langjährige Oberbürgermeister, hat sich für einen

alternativen Standort ausgesprochen. Er weiß, wie sehr sich die Bonnerinnen und Bonner

mit der Beethovenhalle identifizieren. Daniels fühlt sich seiner Vaterstadt verantwortlich;

er ist ihr Ehrenbürger.

• Der Bauplatz in der Bonner „Kuhl“ widerspricht aller sonstigen Schönfärberei.

Wie könnte die „Architektur von Weltklasse“, als die die erwählten Pläne von Zaha Hadid

(„Diamant“) und von Francois Valentiny („Welle“) gerühmt werden, sich in dem

städtebaulich eher ärmlichen Umfeld der Beethoven-Halle wohlfühlen? Ein krasser

Widerspruch! (Nur die Mieten in der Nachbarschaft würden steigen.) – Da wären doch

beispielsweise die Areale der Kinderklinik (ab 2011 leerstehend), des Stadtgartens am

Alten Zoll, das Gelände der Gronau oder das der Rheinaue bei weitem angemessener! Sie

alle gehören der Öffentlichen Hand.

• Die alten Griechen nannten so etwas Danaer-Geschenk.

Das Angebot der drei Unternehmen Deutsche Post, Deutsche Telekom und Postbank, in

Bonn ein Festspielhaus zu errichten und dieses dann großherzig den Bonnern zu

„schenken“, ist nicht das, was man normalerweise unter einem Geschenk versteht. Denn

es ist mit Bedingungen, Auflagen und Folgekosten verbunden. So soll die Stadt dafür die


Beethovenhalle opfern, das Grundstück hergeben, das schwierige Umfeld herrichten und

sich schließlich auch noch jährlich mit Millionen an den laufenden Betriebskosten

beteiligen.

• Was gebaut wird, entscheiden allein die DAX-Unternehmen.

Welche Architektur-Planung am Ende zum Zuge kommt, liegt einzig und allein in der

Hand der drei DAX-Unternehmen. Darauf beharren sie – nach der Devise: Vogel friss

oder stirb!

Der ganze Vorgang hat ein wenig den Charakter von Nötigung.

• Den Bürgern wird Sand in die Augen gestreut.

Die DAX-Unternehmen und ihre Claqueure behaupten in der Öffentlichkeit, den Bonnern

etwas Gutes tun zu wollen. Tatsächlich steuern sie allenfalls eine Anschubfinanzierung

bei – und überlassen auf Dauer den Großteil der Lasten eines Festspielhauses den Bonner

Steuerzahlern. Die haben aber mit dem Finanzmoloch WCCB, mit heruntergekommenen

Schulen, mit verlotterten Grünanlagen und mit schadhaften Straßen schon genug am Hals.

Diese Konsequenzen ihres vermeintlichen Geschenks zu verschweigen, ist unseriös!

• Den DAX-Unternehmen geht es nicht eigentlich um Beethoven und um unsere Stadt.

Vielmehr wollen sie sich mit der Stararchitektur eines Festspielhauses selbst ein

„Denkmal“ setzen. Der eigentliche Sinn des Bonner Investments zielt auf weltweites

Unternehmensmarketing, auf Imagepflege rund um den Globus. Ihre „Erbauer“ wollen

sich von aller Welt als Förderer der Kunst feiern lassen. Am Ende dürfte die Musik dabei

eher eine Nebenrolle spielen.

• Die DAX-Firmen sind keine Wohltätigkeits-Unternehmen.

Mit den Ausgaben für das Festspielhaus können sie ihre steuerbaren Betriebserlöse

verringern und damit Steuern sparen. Als direkte Folge davon gingen auch unserer Stadt

nennenswerte Steuereinnahmen verloren.

Die DAX-Herren geben das ihnen anvertraute Geld ihrer Aktionäre aus und lassen sich

dafür feiern. Mäzenatentum sieht anders aus. Die schmerzlichen Löcher im Bonner

Steuersäckel interessieren sie nicht.

• Bisher ist alles eine Fahrt ins Blaue.

Denn bis heute liegen zwar mündliche Zusagen der drei DAX-Unternehmen vor, dass sie

ein Festspielhaus errichten wollen. Auch von einer Summe von 75 Millionen Euro ist die

Rede. Aber rechtsverbindlich hat die Stadt noch gar nichts in Händen. So ist auch

„überhaupt noch nicht sichergestellt, zu welchen Kosten die Pläne der Architekten

umsetzbar sind!“ Das bestätigt die Stadt Bonn höchstselber (Internetseite Stadt Bonn 20.

1. 2010).

Und wenn dann die Unternehmen ´mal (wieder) keine Gewinne machen, wie

beispielsweise 2008 und 2009 die Postbank, (die im übrigen bis 2011 keine Dividende

zahlen kann), dann sieht es noch schlechter aus.

• Und wieder muss die Sparkasse ´ran.

Mit der WCCB- Tragödie ist unsere Stadt auf Jahre hinaus bis über die Halskrause

belastet. Für die gewaltigen Millionen-Schulden bei der Sparkasse KölnBonn hat sie

bekanntlich die Haftung übernommen. Dabei steckt sie ja ohnehin schon in den roten

Zahlen. Heute bereits müssen die Bonner Kultureinrichtungen den Wegfall des

traditionellen Sponsorings der Sparkasse beklagen. Und nun soll genau diese Sparkasse,

die gerade die Entlassung von 1000 Mitarbeitern angekündigt hat, auch noch zur

Finanzierung des Festspielhaus-Betriebs herangezogen werden. Täuschen wir uns nicht:


am Ende geht alles zu Lasten der Bonner Bürgerinnen und Bürger.

• Festspielhaus nur saisonal geöffnet?

Ob ein Festspielhaus so gut funktioniert, wie das ihre Promoter glauben machen wollen,

ist selbst für die Stadt Bonn zweifelhaft. Denn sie rechnet bereits damit, es wegen der

Befürchtung ungenutzter Überkapazitäten nur „festivalzentriert“ zu betreiben. Das heißt,

die Räumlichkeiten könnten außerhalb der Festspielsaison leer stehen. Und das bei einem

Betrag an die 5 Millionen Euro, die die Stadt alljährlich für den Betrieb zusätzlich

aufbringen müsste.

• Wenn die Beethovenhalle erst einmal abgerissen wäre - und die Bauherren-

Gemeinschaft dann pleite gehen sollte…

… dann würden die Bonner in die Röhre schauen.

Auszuschließen ist das nicht. Denn die Zusagen der DAX-Unternehmen sind ja eh zu

knapp kalkuliert. Und wenn nur eines von ihnen wegbrechen sollte, ist bereits das

Dilemma da: Die Stadt ist dann jeglicher Heimstatt für ihre Beethoven-Festspiele beraubt.

(Von etwaigen wieteren Bauruinen ganz zu schweigen.) Und auch das Grundstück dürfte

dann verloren sein.

• Die Baukosten-Vorhersage ist reine Schönfärberei.

Es besteht allgemeine Übereinstimmung darüber, dass mit den angekündigten 75

Millionen Euro ein Festspielhaus in Wirklichkeit nicht zu erstellen ist. Das räumen auch

die DAX-Unternehmen ein. Fachleute rechnen mit mindestens 100 Millionen. Am Ende

werden es gut und gerne 150 Millionen sein – oder gar noch mehr. Wer soll dafür

geradestehen? Nur Hasardeure können sich in ein solches Abenteuer stürzen. Wenn „der

Kostenrahmen nicht einzuhalten ist, muss neu überlegt und entschieden werden“. So

kündigt die Stadt Bonn das heute schon an (Internetseite Stadt Bonn 20. 1. 2010).

• Die Festspielhaus-Auseinandersetzung lässt einen Riss quer durch die Bürgerschaft befürchten.

Die Diskussion um die Machbarkeit eines Festspielhauses und den damit verbundenen

Abriss der Beethovenhalle droht die Bonner Bürgerschaft zu spalten. Festspielhaus-

Befürworter kümmert offenbar eine Verantwortung für die Stadt als Ganzes nicht.

• Die Geschichtsvergessenheit führender Politikern schmerzt.

Es verwundert, dass hochkarätige Politiker in Bonn wie in Düsseldorf und Berlin den

Abrissplänen zur Beethovenhalle keinen Widerstand entgegensetzen. Andernorts treten sie

sogar für den Wiederaufbau kriegszerstörter Prachtbauten ein (Berlin, Potsdam, Dresden

u. a.), die sie als unverzichtbar für die Identität dieser Städte erachten. Hinsichtlich der

früheren Bundeshauptstadt aber, die für die großen Jahre der Bonner Republik steht,

zeigen sie sich geschichtsvergessen. Das schmerzt das Bonner Wählervolk.

• Selbst Abrissbefürworter halten die Beethovenhalle für „zukunftsfähig.

Zwar behaupten die Festspielhaus-Befürworter vordergründig, dass die Beethovenhalle

„aus baulichen und wirtschaftlichen Gründen nicht mehr zukunftsfähig“ sei. Dabei aber

räumen sie ausdrücklich ein, dass dies nur „im momentanen Zustand“ der Fall sei.

Allgemein unbestritten ist dabei, dass sich die Renovierungskosten in überschaubarem

Rahmen halten.

• Die Beethovenhalle hat sich bewährt. Das Festspielhaus dagegen ist unsicheres Terrain.

Im Gegensatz zu den puren Festspielhaus-Verfechtern fürchtet das Bonner Bürgertum, -

das sich seit jeher seiner Stadt verpflichtet fühlt und sich demgemäß in Gesellschaft und


Politik spezifisch für das Wohl seiner Stadt einsetzt -, die Auswirkungen eines

Festspielhauses auf das gesamte Kulturleben unserer Stadt: Verlust der traditionellen

Veranstaltungsstätte der Bonner Bürgergesellschaft bei gleichzeitig untragbaren

Folgekosten für ein Festspielhaus. Die Erfahrungen mit dem WCCB machen ihm Angst.

• Ein Festspielhaus mit einer Laufzeit von 20 Jahren.

Bekanntlich wird die Lebenszeit von Gebäuden inzwischen auf immer kürzere Fristen

kalkuliert. Gelänge den Konzernen ihr barbarischer Akt, hätte das Denkmal

Beethovenhalle gerade mal 50 Jahre bestanden. Für das geplante Festpielhaus wäre

allerdings nach nur 20 Jahren bereits Schluss. Das könnten dann einige seiner jetzigen

Protagonisten selber noch erleben.

• Das Festspielhaus soll der Tempel der Glamour-Gesellschaft werden.

Wer sind die Verfechter eines Festspielhauses? Unübersehbar gehören dazu viele Bonner

Neubürger. Sie fühlen sich in der Beethovenhalle nicht zeitgemäß aufgehoben. Ihre

Devise ist stattdessen der modische Mainstream. Klar ist: Eine elitäre Gesellschaft will

sich selber feiern, in einem glamourösen Gebäude – und dabei ist ihr die Ikone Bonner

Bürgerlebens mehr als egal: nieder mit der Beethovenhalle! Dahinter verbirgt sich nichts

anderes als ein kulturell verbrämter Egoismus.

• Die Festspielhaus-Architektur ist modischer „Weltgeschmack“

Die Festspielhaus-Verfechter sind auf Blendwerk aus. Die ausgewählten Architekturen

verkörpern die allerletzten Modeströmungen: spektakuläre Trendarchitektur der bizarren

Solitäre, isoliert in die Landschaft gestellt, ohne Rücksicht auf das städtebauliche Umfeld.

Es geht um den Bilbao-Effekt, um das Spektakulum, das zum internationalen

„Wallfahrtsort“ wird. Abgehobene Bauherren wollen mit den immer gleichen Architekten

glänzen, die an allen Orten der Welt ihre extravaganten Landmarken hinterlassen – als

solitäre Fremdkörper. Das erinnert stark an den seinerzeitigen Architekten-Wettbewerb

um den PostTower. Der 1. Preisträger, der verantwortungsvoll eine Einbindung seines

Bauwerks in das historische Umfeld des Regierungsviertels geplant hatte, wurde von Post-

Vorstand Zumwinkel zurückgewiesen.

• Das breitgefächerte Bonner Kulturleben wird unter einem Festspielhaus leiden.

Schon heute haben es die vielfältigen Einrichtungen des reichen Bonner Kulturlebens

finanziell nicht leicht. Die städtischen Einrichtungen, wie Oper, Schauspiel, Orchester und

Museen, werden mit weiteren Kürzungen rechnen müssen. Und die privaten

Einrichtungen, die bisher schon allzu karg bezuschusst wurden, werden an den Rand des

Ruins geraten. Ein Festspielhaus, das jährlich mit annähernd 5 Millionen Euro

subventioniert werden soll, wird mancher Institution den Garaus machen: Die

„Bussi“-Gesellschaft gewinnt, die klassische Bürgergesellschaft verliert.

• Subventionszusagen der Stadt für Vereine, die aus der Beethovenhalle abziehen.

Die ehemalige Bonner Oberbürgermeisterin hat noch zu ihrer Amtszeit den großen

Karnevalsveranstaltern Subventionen aus dem städtischen Steuertopf zugesagt, wenn sie

denn nach einem – von ihr favorisierten - Abriss der Beethovenhalle ihre Heimstatt

verlören und stattdessen beispielsweise die vermutlich erhöhten Saalmieten etc. eines

WCCB zu tragen hätten. Damit hat sie in der Auseinandersetzung um den Fortbestand der

Beethovenhalle nicht wenige dieser traditionsbewussten Vereinigungen mundtot gemacht.

• Städtische „Verehrung“ für die DAX-Unternehmen.

Auf allen Ebenen forciert die Spitze der Stadt das Festspielhaus-Projekt. Unkritisch

besingt sie es auf ihren Internetseiten. Alle technischen, personellen und räumlichen


Möglichkeiten stellt sie ihm zur Verfügung. Den Bürgern aber reinen Wein

einzuschenken, das traut sie sich nicht – nach der bekannten Devise: Investoren darf man

nicht verärgern (siehe Hyundai und das WCCB)!

• Einseitige Gutachter.

Die DAX-Unternehmen, alleinige Herren des Verfahrens, haben einen „Gutachter“

aufgeboten, der sogenannte Businesspläne für die zukünftige Veranstaltungsplanung und

die dann laufende Finanzierung des Festspielhauses erarbeiten soll. Seine Expertisen sind

allerdings mit Vorbehalt zu genießen, wenn man erfährt, dass er auf den Posten des

zukünftigen Festspielhaus-Intendanten reflektiert.

• Die Festspielhaus-Initiative indoktriniert.

Wer nicht mit objektiven Zahlen arbeitet, wer nur den Sonnenstrahl am Himmel (über

einer düsteren Stadt) preist und nicht an den Verstand der Bürgerinnen und Bürger,

sondern allein an deren Gefühle appelliert, der handelt nicht seriös. Hier ist durchaus auch

Arroganz im Spiel.

Die Festspielhaus-Verfechter scheuen nicht einmal vor einer Indoktrinierung von Kindern

und Schülern zurück: Diese sollen sich „für das Neue, das Moderne“ aussprechen. Und

der Festspielhaus-Verein zitiert die Jugendlichen dann auch noch im Internet.

• Die Befürworter der Beethovenhalle lässt die Stadt im Regen stehen.

Den Institutionen, die das Festspielhaus-Projekt öffentlich verfechten und unbeirrt den

Abriss der Beethovenhalle verlangen, räumt die Stadt jede Unterstützung ein. Auch wenn

dies zu Lasten der Steuerzahler geht. Selbst das Briefporto für Massenaussendungen zu

übernehmen, hat die Stadtverwaltung keine Skrupel. Das breite bürgerschaftliche

Engagement dagegen, das sich gegen die Abrisspläne der Beethovenhalle zur Wehr setzt,

wird von der Stadt ignoriert. Es findet bei ihr weder Rückhalt noch aktive Unterstützung.

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