SPEZIAL
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<strong>SPEZIAL</strong><br />
GEschENkE DEs himmELs<br />
die Natur des Burgenlands<br />
GRENzENLos pANNoNisch<br />
Naturfotografie, Wandern und radfahren<br />
NAtüRLichE viELfALt<br />
Nationalpark und Naturparke<br />
BURGENLAND<br />
Natur für ENtdEckEr
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Jürgen Hatzenbichler | Chefredakteur<br />
juergen.hatzenbichler@lwmedia.at<br />
Mein Burgenland<br />
EntdEckungEn In ÖstErrEIchs OstEn<br />
Liebe Leserin, lieber Leser! Von jedem Land gibt es ein<br />
Klischeebild, das meist ein bisschen recht hat – und auch<br />
nicht. Aufgewachsen im „Land der Berge“ – so die Bundeshymne<br />
– weiß man um Gipfel, Wälder am Berghang<br />
und vor allem um ebenfalls besungene Täler.<br />
Und dann kam das Burgenland. Was für eine persönliche<br />
Entdeckung ist jene Ausnahmelandschaft, die sich im Osten<br />
Österreichs dem Besucher auftut! Natur mit weitem<br />
Horizont lädt ein zum Beobachten und Erleben. Naturfotografie<br />
und Birdwatching rund um den Neusiedler See<br />
gewähren freien Blick auf Naturwunder, die hier vor jeder<br />
Haustür zu finden sind. Die Naturparke von Nord bis Süd<br />
vervielfältigen das Naturerlebnis in unzählige Facetten –<br />
von Trockenstandorten über liebliches Hügelland bis zur<br />
Grenzenlosigkeit in die Nachbarländer hinein. Wie wunderbar<br />
wahr werden hier die Bilder: die Weite des Landes,<br />
die Gastfreundlichkeit, der regionale Genuss bei einem<br />
äußerst angenehmen Klima. All das macht dieses schöne<br />
Stück Österreichs zum Naturerlebnis für Entdecker.<br />
editorial<br />
Natur Pur im BurgeNlaNd<br />
Der Wind streift zart über den Neusiedler See<br />
Mario Baier | Burgenland Tourismus<br />
baier@burgenland.info<br />
SehnSucht nach natur<br />
das BurgEnland als ParadIEs<br />
Liebe Leserin, lieber Leser! 33 Prozent der Landesfläche<br />
des Burgenlands sind geschützte Gebiete im Sinne<br />
des Natur- und Landschaftsschutzgesetzes. Die Kulturlandschaft<br />
Fertő/Neusiedler See ist seit 2001 Teil des<br />
UNESCO-Welterbes. Der grenzüberschreitende Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel, sechs Naturparke<br />
sowie zahlreiche einmalige Naturschauplätze machen<br />
das Burgenland zu einem Naturerlebnis-Reiseziel erster<br />
Klasse in Österreich und Europa. Immer mehr Menschen<br />
hegen die Sehnsucht nach Urlaubszielen, die über eine<br />
intakte Natur und geschützte Umwelt verfügen. Touristische<br />
Angebote, die in der Lage sind, diese Aspekte mit<br />
anderen Urlaubserlebnissen wie zum Beispiel dem Kultur-<br />
oder Weinerlebnis zu verbinden, werden in Zukunft<br />
stärker nachgefragt werden.<br />
Mit dem vorliegenden Universum-Spezial „Burgenland“<br />
möchten wir dieser Nachfrage Genüge leisten und das<br />
Burgenland als Paradies und als herausragende Region<br />
für naturnahen Tourismus positionieren.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 3
Willkommen im Burgenland<br />
Natürlich ist das Burgenland eines der schönsten Bundesländer Österreichs. Das Universum<br />
Magazin hat Menschen, die dort leben, von dort stammen oder einfach immer wieder gerne<br />
ins Burgenland fahren, gefragt: Was schätzen Sie an der Natur des Burgenlands?<br />
4 UniversUm S Spezial 2011<br />
Paul gludovatz<br />
FUSSBalltraiNer<br />
Als echter Nord-Süd-Burgenländer, der in Eisenstadt aufgewachsen ist und<br />
seit Jahrzehnten am Eisenberg in Eberau lebt, genieße ich diesen Landstrich, in<br />
dem die Ausläufer der Buckligen Welt in die Pannonische Tiefebene übergehen.<br />
Er hat etwas Liebliches, Sanftes und Idyllisches. Was ich besonders schätze, ist<br />
auch der Menschenschlag hier mitten in der Thermenlandschaft, der mit seiner<br />
Verträglichkeit, Offenheit und Kommunikationsfähigkeit viel zu einem lebenswerten<br />
Umfeld beiträgt. Ich bin dankbar für die Ressourcen dieses Landes. Die<br />
Arbeit im Weingarten hat für mich zu meinen liebsten Beschäftigungen gehört.<br />
Seit ich Trainer in Ried bin, geht sich das alles leider nicht mehr aus.<br />
edi und Johannes kutroWatz<br />
BrüDer UND KlaSSiScheS KüNStler-DUo<br />
Wir sind beide im Burgenland geboren und aufgewachsen, daher herzlich und<br />
leidenschaftlich mit Land und Leuten verbunden. Dieses historische „Grenzland“<br />
– heute ein Land im Herzen, im Zentrum Europas, hat eine besondere<br />
Energie, Ausstrahlung und Kraft – ist Haydn- und Liszt-Land. Die Landschaft<br />
vom Seewinkel bis in den Süden zeigt uns das in atemberaubender Weise –<br />
unser Heimatland!<br />
Christa kummer<br />
orF-Wetter-MoDeratoriN<br />
Die vielfältige Natur des Burgenlands, vom pannonischen Flair des Nordens<br />
bis hin zu den sanften Hügeln des Südburgenlands, zieht mich immer wieder<br />
in ihren Bann. Gemeinsam mit den unterschiedlichen und gleichzeitig so<br />
harmonisch miteinander lebenden Menschen, bleibt jeder Aufenthalt<br />
auf der Sonnenseite Österreichs in einmaliger Erinnerung.<br />
martin Weinek<br />
SchaUSpieler UND WiNzer<br />
Am Burgenland – besonders am Südburgenland, das ja seit mehr als 15 Jahren<br />
meine Wahlheimat ist – schätze ich die landschaftliche Schönheit und das tolle<br />
Klima, das unseren Weinen so viel Kraft verleiht. Dort zu leben, wo andere<br />
Menschen gerne Urlaub machen, ist eine besondere Qualität, die ich in meinem<br />
Leben nicht mehr missen möchte. Zusätzlich ist es vom Südburgenland<br />
aus nicht mehr weit zu unseren Freunden, die in Süddalmatien wohnen.
FoTos: GEPA (1), Kutrowatz (1), M. Baumann (1), Weinek (1), ÖsV/Marsano (1), Power of Earth (1), M. Pauker (1), Georg Popp (1), WWF/Krzei (1)<br />
andreas geritzer<br />
olyMpiaSeGler<br />
Das Burgenland ist seit rund 15 Jahren meine Heimat. In Neusiedl am See habe<br />
ich perfekte Bedingungen, um meinen Beruf als Segler auszuüben. Der Neusiedler<br />
See und die guten Windverhältnisse im Frühjahr ermöglichen mir eine<br />
optimale Vorbereitung und das Ausloten der sportlichen Grenzen. Den perfekten<br />
Ausgleich für den Trainingsalltag finde ich bei Familienausflügen in den Seewinkel<br />
oder in der neuen St. Martins Therme. Ich bin froh, dass meine Kinder im<br />
Burgenland groß werden und die Vielfalt der Region genießen können.<br />
kurt mündl<br />
UNiverSUM-NatUrFilMer<br />
Das Pannonische fasziniert mich privat wie beruflich. Man hat in manchen<br />
Landschaften des Burgenlands sogar das Gefühl, dass man irgendwie gar nicht<br />
in Österreich ist. Viele Tiere brauchen diese Biotope zum Überleben, zum<br />
Beispiel die Großtrappe. Das Burgenland ist insgesamt ein echtes Dorado für<br />
Naturfreaks. Ich fahre immer gerne hin!<br />
Wolfgang BöCk<br />
SchaUSpieler<br />
Das Burgenland steht für sich und ist eben darum so einzigartig. Wo sonst<br />
findet man auf kleinstem Raum und dichtgedrängt so unterschiedliche<br />
Landschaften wie hier? Einen Steppensee, sanfte Hügel, erloschene Vulkane,<br />
unzählige Wälder, Weinberge, Flusslandschaften, strohgedeckte Häuser … Hier,<br />
im „Land der Sonne“, leben viele Volksgruppen miteinander, die es verstehen,<br />
Feste zu feiern. Ich freue mich jedes Jahr darauf, dass ich für eine längere Zeit<br />
hier sein kann. Wenn nämlich die Theaterproben im Schloss Kobersdorf<br />
beginnen und das „Premierenfieber“ einsetzt.<br />
verena PoPP-haCkner<br />
NatUrFotoGraFiN<br />
Die scheinbar unendliche Weite, gepaart mit den einzigartigen Lichtstimmungen<br />
im Burgenland, erfüllt das Herz jedes Landschaftsfotografen. Am Morgen liegt<br />
oftmals noch Nebel zwischen den Hügeln, an heißen Sommertagen ziehen nachmittags<br />
heftige Gewitter über das Land und abends zerfließt die untergehende<br />
Sonne scheinbar am Horizont. Jeder Naturfotograf, der das einmal erlebt, ge fühlt<br />
und gesehen hat, wird – wie auch ich – immer wieder gerne zurückkommen.<br />
hildegard aiChBerger<br />
GeSchäFtSFühreriN WWF ÖSterreich<br />
Das Burgenland zählt für mich zu den schönsten Naturjuwelen Österreichs.<br />
Wer einmal den spektakulären Vogelzug am Neusiedler See beobachten konnte,<br />
muss sich einfach in diese grandiose Landschaft verlieben. Die Natur und<br />
auch die Menschen dort bilden eine untrennbare Einheit, die man in dieser<br />
einzigartigen pannonischen Kultur überall deutlich spüren kann.<br />
Burgenland | Testimonials<br />
Spezial 2011 s UniversUm 5
INHALT<br />
6 UniversUm S Spezial 2011<br />
cover:<br />
Burgenland Tourismus/G. Paldan<br />
das PriNziP vielfalt<br />
Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel Seite 32<br />
Willkommen im Burgenland<br />
08 Geschenke des Himmels<br />
Vom Norden in den Süden – das Burgenland<br />
als Erlebnisregion und Erholungssphäre.<br />
18 Natur im Bild<br />
Naturfotografen porträtieren das Burgenland.<br />
72 Das Burgenland tischt auf<br />
Natürliche Genüsse im Osten Österreichs.<br />
78 Tourismus mit Zukunft<br />
Wo Naturerleben und Nachhaltigkeit eins sind.<br />
natur im Burgenland<br />
32 Alles fließt<br />
Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel.<br />
40 Tiere des Burgenlands<br />
Sieben besondere Bewohner im Porträt.<br />
46 Das Prinzip Vielfalt<br />
Die sechs Naturparke des Burgenlands.<br />
54 Lebensräume des Burgenlands<br />
Acht besondere Biotope im Porträt.<br />
Natur im Bild<br />
Naturfotografen erforschen das Burgenland Seite 18<br />
im Blickfeld<br />
Tiere, Lebensräume und Pflanzen des Burgenlands Seite 40, 54 und 70<br />
das PriNziP vielfalt<br />
Die sechs Naturparke im Burgenland Seite 46 und 60<br />
.
fotos: s. Pollin (1), H. scHön (1), swarovski oPtik (1), rMB (1)<br />
60 Grenzenlos<br />
Vom Burgenland nach Ungarn und Slowenien.<br />
70 Pflanzen des Burgenlands<br />
Acht botanische Besonderheiten im Porträt.<br />
erleBnisse im Burgenland<br />
28 Pannonische Jahrezeiten<br />
Naturfotografen auf Bilderjagd.<br />
42 In luftigen Höhen<br />
Birdwatcher im Beobachtungsparadies.<br />
56 Wunderbar wanderbar<br />
Wanderer durchstreifen Ebene und Hügel.<br />
68 Im Sattel<br />
Radfahren und Reiten im Burgenland.<br />
76 Aus eigener Energie<br />
In der Hochburg der Öko-Energie.<br />
Burgendland service<br />
81 Adressen & Informationen<br />
Alle Kontake auf einen Blick.<br />
IMPRESSUM<br />
uNiversum maGaziN<br />
Österreichs schÖNstes maGaziN – internet: www.universum.co.at<br />
Redaktion Tel.: +43 1 585 57 57-0<br />
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LW Werbe- und Verlags GmbH,<br />
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Geschäftsführer, Herausgeber: Erwin Goldfuss<br />
Mitherausgeber: Oliver Lehmann<br />
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Chefredakteur: Dr. Jürgen Hatzenbichler (DW 301),<br />
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Artdirection: Patrick Püribauer<br />
Mitarbeiter dieser Ausgabe:<br />
Klaus Egle, Mag. Theresa Dirtl, Eva-Maria Gruber, Peter A. Krobath,<br />
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Dieses Universum Magazin Spezial ist in Zusammenarbeit mit Burgenland Tourismus entstanden.<br />
Burgenland Tourismus: Johann Permayer Str. 13, 7000 Eisenstadt<br />
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Projektleitung: Gabriele Koller<br />
Copyright by<br />
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Alle redaktionellen Beiträge sind nach bestem Wissen recherchiert,<br />
es wird jedoch keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen.<br />
Auflage geprüft und veröffentlicht:
8 UniversUm S Spezial 2011<br />
Geschenke<br />
strahlender seewinkel<br />
Der Neusiedler See und seine Lacken,<br />
wie hier die Darscho-Lacke, strahlen<br />
nicht nur in der Abendsonne, sondern<br />
auch als Besonderheiten im Burgenland.
Fotos: F. Wögerer<br />
des himmels<br />
Das Burgenland verfügt mit dem Neusiedler See über ein spektakuläres Naturjuwel.<br />
Doch es lohnt sich, den Blick zu erweitern: Klima, Kultur und Landschaft fügen sich<br />
zu einem einzigartigen Mosaik aus Erlebnisregion und Erholungssphäre.<br />
EinE Erkundung von olivEr lEhmann<br />
BurgEnland | Geschenke des Himmels<br />
Spezial 2011 s UniversUm 9
BurgEnland | Geschenke des Himmels<br />
A<br />
n Vögeln mangelt es im Burgenland<br />
nicht, schon gar<br />
nicht im Seewinkel. Aber das<br />
Exemplar, das an einem sonnigen,<br />
wenn auch frischen März-Tag<br />
den Schilfgürtel vom Aussichtsturm<br />
in der Bewahrungszone Sandeck-<br />
Neudegg aus ins Visier nahm, war ein<br />
ganz besonders seltener Vogel, wenn<br />
auch nicht im üblichen Sinn.<br />
Nick Barton ist einer der weltweit<br />
führenden Evolutionsbiologen.<br />
Seit August 2008 ist er Professor am<br />
Institute of Science and Technology<br />
Austria (IST Austria), dem neu<br />
gegründeten Spitzeninstitut für naturwissenschaftlicheGrundlagenforschung<br />
im Wienerwald. Im Februar<br />
2009 wurde das Mitglied der Royal<br />
Society mit der Darwin-Wallace-Medaille<br />
ausgezeichnet – quasi der Nobelpreis<br />
auf dem Feld der Evolutionsbiologie,<br />
der bis dahin nur alle 50<br />
Jahre vergeben wurde. Was Barton<br />
10 UniversUm S Spezial 2011<br />
vöGel im visier<br />
Der Evolutionsbiologe Nick Barton (li.)<br />
staunte mit Alois Lang (re.) über die<br />
Vielfalt im Nationalpark.<br />
artenreiche voGelwelt<br />
Vögel finden sich zu allen Jahreszeiten<br />
im Nationalpark Neusiedler See -<br />
Seewinkel ein. Dieser Silberreiher (re.)<br />
gehört auch zu diesen Gästen.<br />
unter der gebietskundigen Führung<br />
von Nationalpark-Experten Alois<br />
Lang zu sehen bekam, begeisterte den<br />
Naturwissenschaftler: „Der Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel ist<br />
ein wahres Naturjuwel im Herzen Europas.<br />
Die Lage an der Kreuzung der<br />
Himmelsstraßen eröffnet einzigartige<br />
Möglichkeiten, eine erstaunliche Anzahl<br />
an Vogelarten zu entdecken und<br />
zu beobachten.“<br />
Ein Juwel an sich<br />
Der Neusiedler See ist tatsächlich ein<br />
Juwel unter den Naturschätzen des<br />
Burgenlands, und zwar aus einer Reihe<br />
von Gründen: Mit seinem Schilfgürtel,<br />
den salzhaltigen Lacken und<br />
sumpfigen Wiesen bietet er Lebensraum<br />
für rund 300 Vogelarten (mehr<br />
dazu siehe Seite 42). Der Steppensee<br />
liegt zwischen den letzten östlichsten<br />
Ausläufern der Alpen im Westen und<br />
dem westlichsten Teil der Kleinen ungarischen<br />
Tiefebene, dem Seewinkel,<br />
von der obersten Plattform des Turms Fotos: RMB (1), o. Lehmann (1), M. Horvath (1)
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
im Osten. Die Staatsgrenze zwischen<br />
Österreich und Ungarn folgt keinen<br />
naturräumlichen Vorgaben. Auch aus<br />
biologischer Sicht ist das Gebiet des<br />
Neusiedler Sees ein Grenzraum, geprägt<br />
von Elementen verschiedener<br />
Landschaftsräume: Alpine, pannonische,<br />
asiatische, mediterrane und<br />
nordische Einflüsse machen sich bemerkbar,<br />
was zur hohen Artenvielfalt<br />
erheblich beiträgt.<br />
Der Wasserhaushalt des Neusiedler<br />
Sees und des umliegenden Gebietes<br />
ist fast ausschließlich durch Verdunstung<br />
und Niederschlag bestimmt. Es<br />
gibt keine größeren Flüsse, die Wasser<br />
in die Gegend bringen könnten.<br />
Über Jahrhunderte bestimmte die<br />
Fluktuation der Wasserstände das Leben<br />
der Bevölkerung rund um den<br />
See. Mit rund 1.120 Quadratkilometern<br />
ist das Einzugsgebiet des Sees<br />
im Verhältnis zu seiner Fläche sehr<br />
klein. Der Großteil – über 80% – des<br />
Wasserhaushalts des heute 320 Qua-<br />
dratkilometer großen Sees stammt<br />
also aus Niederschlägen - was immer<br />
wieder zu starken Schwankungen des<br />
Seespiegels geführt hat. Die Abhängigkeit<br />
des Wasserstands von der Ergiebigkeit<br />
der Niederschläge lässt sich<br />
besonders in extrem „nassen“ wie in<br />
extrem „trockenen“ Jahren erkennen.<br />
Die jährlichen Schwankungen des<br />
Wasserpegels betragen bis zu 60 cm:<br />
Werden die Verdunstungsverluste des<br />
Sommers schon im darauf folgenden<br />
Winter durch Regen und Schnee<br />
kompensiert, so können die ersten Regenperioden<br />
des Frühjahrs zu hohem<br />
Wasserstand und zu Überflutungen<br />
führen. Bleiben hingegen die Winterniederschläge<br />
aus, so sinkt der Wasserspiegel<br />
des Neusiedler Sees bereits im<br />
Frühjahr.<br />
Der Schilfgürtel des Neusiedler<br />
Sees ist nach dem Donaudelta der<br />
zweitgrößte zusammenhängende<br />
Schilfbestand Europas. Bis Mitte des<br />
19. Jahrhunderts war er in der jet-<br />
BurgEnland | Geschenke des Himmels<br />
zigen Ausdehnung aber noch nicht<br />
vorhanden. Nur im Südosten und im<br />
Hanság gab es größere Schilfflächen.<br />
Heute umgeben den See rund 178<br />
Quadratkilometer Schilf. Eine Reihe<br />
von Niedrigwasserständen nach der<br />
Regulierung durch den Einserkanal,<br />
aber auch Nährstoffeintrag aus<br />
Landwirtschaft und Ortschaften haben<br />
das konkurrenzstarke Schilfrohr<br />
wachsen lassen. Trotz der Vorherrschaft<br />
von nur einer Pflanzenart ist<br />
der Schilfgürtel sehr abwechslungsreich.<br />
Kanäle und freie Wasserflächen<br />
wechseln mit Schilfbeständen verschiedenen<br />
Alters und daher unterschiedlicher<br />
Struktur.<br />
Salzlacken findet man im europäischen<br />
Binnenland nur im burgenländischen<br />
Seewinkel und in Zentralungarn.<br />
Auf anderen Kontinenten gibt<br />
es zum Teil sehr große derartige Gewässer<br />
(Kasachstan, Mongolei, Australien,<br />
Etoscha-Pfanne), die weltweite<br />
Gesamtzahl solcher Gebiete bleibt<br />
Spezial 2011 s UniversUm 11
BurgEnland | Geschenke des Himmels<br />
dennoch eher gering. Zwischen dem<br />
Ostufer des Neusiedler Sees und dem<br />
Hanság liegen noch rund 45 Lacken,<br />
die wie kein anderes Landschaftselement<br />
den Charakter des Seewinkels<br />
prägen.<br />
Sanfte Hügel statt Land der Berge<br />
Das Naturerlebnis rund um den See<br />
sollte aber den Blick auf den Rest der<br />
Region nicht verstellen: Der wichtigste,<br />
wenn auch auf den ersten Blick banale<br />
Grund für dessen vielfältige Entdeckungsmöglichkeiten<br />
ist die Landschaft.<br />
Zwar mag in der Bundeshymne<br />
das „Land der Berge“ besungen werden.<br />
Doch im Burgenland sucht man<br />
Berge vergeblich: Weite Ebenen, sanft<br />
rollende Hügel-, Wald- und Aulandschaften<br />
und dazu vermeintlich un-<br />
12 UniversUm S Spezial 2011<br />
überschaubare Weinfluren prägen das<br />
Landschaftsbild. Naturschutz genießt<br />
im Burgenland eine lange Tradition.<br />
Der grenzüberschreitende Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel ist als<br />
Naturreservat das markanteste Beispiel.<br />
Doch die sechs Naturparke Neusiedler<br />
See-Leithagebirge, Rosalia-Kogelberg,<br />
Landseer Berge, Geschriebenstein-<br />
Írottkő, Weinidylle und der Dreiländerpark<br />
Raab-Örség-Goričko ergänzen<br />
das Erlebnisangebot.<br />
Der zweite Grund ist das Klima:<br />
Mit rund 300 Sonnentagen im Jahr<br />
ist das Burgenland auch klimatisch<br />
betrachtet eine Ausnahme. Dieses<br />
Geschenk des Himmels lässt Naturprodukte<br />
von höchster Güte, allen<br />
voran Weine von Weltruf, reifen. Doch<br />
auch der Boden sorgt für Wohlbefin-<br />
den: Tief in der Erde schlummern die<br />
reichsten Mineralwasservorkommen<br />
Österreichs, aber auch heißes, heilkräftiges<br />
Wasser, das behagliche Thermallandschaften<br />
für Wohlbefinden<br />
und Gesundheit speist.<br />
Das milde pannonische Klima,<br />
hervorragende Böden und das Können<br />
der Winzer haben Österreichs<br />
zweitgrößtes Weinbaugebiet zur Vorzeigeregion<br />
der neuen Weinkultur<br />
gemacht. Eine Vielzahl an enthusiastischen<br />
jungen Winzern verquickt<br />
auf meisterhafte Art Tradition, Innovation<br />
und modernstes Know-how:<br />
Weine von internationalem Format<br />
sind das Ergebnis. Die Süßweine – ob<br />
Trockenbeerenauslese oder Eiswein<br />
– zählen zum Besten, das die Welt zu<br />
bieten hat. Die Qualität der Weine<br />
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX
Fotos: ARGE Naturparke (1), Burgenland tourismus/Popp & Hackner (1)<br />
welliGes land<br />
Die Hügel- und Bergwelt des Naturparks<br />
Geschriebenstein glüht im<br />
Herbst in den buntesten Farben und<br />
lädt zu Wanderungen ein.<br />
findet in spannender, vielfach atemberaubender<br />
Architektur sichtbaren<br />
Ausdruck.<br />
Be-Lebensmittel aus der Region<br />
Die Kulinarik steht der Weinkultur in<br />
nichts nach. Die burgenländische Küche<br />
schöpft aus einer unglaublichen<br />
Fülle an Naturprodukten: Wo sonst finden<br />
sich dreitausend Sorten Paradeiser<br />
und eine wahre Arche Noah an alten<br />
Obstsorten an einem Ort? Alte Haustierrassen<br />
wie das Mangalitzaschwein,<br />
Graurinder, die im Nationalpark grasen,<br />
Zander, Wels, Karpfen und Hecht<br />
aus dem Neusiedler See werden in den<br />
Weinschenken, Landgasthöfen und<br />
Gourmettempeln zu außergewöhnlichen<br />
Kreationen verarbeitet. Der<br />
erlesene weine<br />
Die burgenländischen Weine sind top,<br />
nicht zuletzt aufgrund vieler junger,<br />
kreativer Winzer, die neben Tradition<br />
auch auf modernes Know-how setzen.<br />
je länGer, je süsser<br />
Wenn die Trauben erst spät im Jahr<br />
gelesen werden, ist es Zeit für die<br />
Süßweine im Burgendland.<br />
Sie zählen zu den besten der Welt.<br />
„Pannonische Herbst“ mit vielen kulinarischen<br />
Events rund um die Taufe<br />
des neuen Weins wird alljährlich zum<br />
ultimativen Erlebnisfestival für Gourmets.<br />
Höhepunkt des bunten Reigens<br />
ist das „Martiniloben“ um den 11. November,<br />
für das die Winzer zu „Tagen<br />
der offenen Kellertüren“ einladen.<br />
So wie sich Klima und Landschaft,<br />
Kultur und Natur einander hervorragend<br />
ergänzen, passen im Burgenland<br />
kulinarische Freuden und körperliche<br />
Aktivität gut zueinander: Keine<br />
Bergwertungen, jedoch vergnügliches<br />
Rad- und Natur erleben bietet ein rund<br />
2.500 Kilometer langes Radwegenetz.<br />
Gerastet wird stilvoll: Auf dem B10<br />
Neusiedler-See-Radweg zum Beispiel<br />
laden elf Design-Rastplätze entlang<br />
BurgEnland | Geschenke des Himmels<br />
der Strecke zu gemütlichen Zwischenstopps<br />
ein. „Roll on“ lautet auch das<br />
Motto der Rolling Area Lutzmannsburg,<br />
wo Roller-Skater auf mehr als 45<br />
Kilometern Skater-Bahnen abfahren.<br />
Golfern stehen vier Golfanlagen zur<br />
Verfügung: Der Golfplatz in Donnerskirchen<br />
breitet sich idyllisch in Schlagweite<br />
zum Schilfrand des Neusiedler<br />
Sees aus. Österreichs größter Golfplatz<br />
– die Reiter’s Golfschaukel Stegersbach-Lafnitztal<br />
– stellt nicht nur<br />
gehobene „erwachsene“ Ansprüche<br />
zufrieden, sondern punktet zudem mit<br />
Kindergolfschule und Abenteuerwald.<br />
Der Thermengolfplatz Rudersdorf-<br />
Loipersdorf bietet sowohl genügend<br />
sportliche Herausforderungen als auch<br />
eine landschaftlich bezaubernde Um-<br />
Spezial 2011 s UniversUm 13
gebung, die Auen der Feistritz und der<br />
Lafnitz. Und der Reiter’s Golf & Country<br />
Club Bad Tatzmannsdorf setzt in<br />
der nach ihm benannten Golf akademie<br />
auf das Wissen von David Leadbetter,<br />
für viele der weltbeste Golflehrer.<br />
Stetige Winde begeistern Segler<br />
und Surfer am Neusiedler See. Die internationale<br />
Surfelite läutet hier jedes<br />
Frühjahr mit dem Surf Worldcup beim<br />
„Summer Opening“ in Podersdorf den<br />
pannonischen Sommer ein.<br />
14 UniversUm S Spezial 2011<br />
Das Burgenland gehört mit dutzenden<br />
Reitställen, Reiter-Gasthöfen und<br />
Bauernhöfen sowie einem 1.300 Kilometer<br />
umfassenden Netz von markierten<br />
Reitwanderwegen zu den größten<br />
und attraktivsten Reitregionen Österreichs.<br />
Pferdefreunde können flächendeckend<br />
im Burgenland das Angebot<br />
zum GPS-Reiten nutzen. Die Geräte<br />
dafür werden den Reitern bei eigens<br />
eingerichteten Verleihstellen kostenlos<br />
zur Verfügung gestellt. Auf sportlich-<br />
aus eiGener muskelkraft<br />
Im Mittelburgenland lässt sich die Landschaft<br />
auf beschauliche Weise erkunden,<br />
und zwar während einer Draisinentour<br />
(li.) auf einer stillgelegten Bahnschiene.<br />
heilsames wasser<br />
Ausspannen in einer der vielen<br />
Thermenlandschaften: ein besonderer<br />
Genuss im Burgendland (re.).
Fotos: U. Bernhart (1), t. Lamm (1), Regionalmarketing Loipersdorf (1), Regionalmarketing Bad tatzmannsdorf (1),<br />
unterhaltsame Weise kann man die<br />
idyllische Landschaft des Mittelburgenlandes<br />
auf einer stillgelegten Bahnlinie<br />
per Draisine erleben.<br />
In Bad Tatzmannsdorf wartet auf<br />
alle Läufer und „Nordic Walker“ die<br />
österreichweit einzigartige 418 Kilometer<br />
umfassende Lauf- & Walking<br />
Arena mit 280 Kilometer Walking- und<br />
Wanderwegen sowie 138 Kilometer<br />
Laufwegen.<br />
Vom Sport ins Spa<br />
Auf den Sport folgt die Entspannung:<br />
Die warmen Quellen des Burgenlands<br />
garantieren Sonnenstunden zu jeder<br />
Jahreszeit. Die Reiter’s Familientherme<br />
Stegersbach – in idyllischer Lage<br />
im südburgenländischen Hügelland<br />
– wirkt mit ihrem Thermalwasser erfolgreich<br />
gegen Verspannungen und<br />
Gelenksprobleme. „Verwöhnen und<br />
Genießen“ wird in der Burgenlandtherme<br />
im traditionsreichen Kurort Bad<br />
Tatzmannsdorf ganz groß geschrie-<br />
ben. Ruhesuchende finden ein Paradies<br />
inmitten des stark mineralisierten<br />
heilkräftigen Thermalwassers und in<br />
der neurömischen Saunalandschaft<br />
„SPANNONIA“. Die Sonnentherme<br />
Lutzmannsburg-Frankenau präsentiert<br />
sich als wahres Familien-Dorado, in<br />
dem auch die Kleinsten auf ihre Kosten<br />
kommen. Im Kurzentrum von Bad<br />
Sauerbrunn werden ganzheitliche Heilmethoden<br />
gepflegt. „Entdecken entspannt“<br />
ist das Motto der St. Martins<br />
Therme & Lodge bei Frauenkirchen<br />
– mit einem einzigartigen Konzept:<br />
An einem acht Hektar großen See, am<br />
Rand des grenzüberschreitenden Nationalparks<br />
Neusiedler See – Seewinkel,<br />
erwarten den Besucher neben dem<br />
klassischen Wellnessangebot Erholung<br />
in einzigartiger Naturlandschaft ebenso<br />
wie Outdoor-Abenteuer mit speziell<br />
ausgebildeten Scouts – Jeep-Safaris<br />
inklusive.<br />
Abgerundet wird das Angebot mit<br />
dem Spektrum an formidabler Kultur,<br />
BurgEnland | Geschenke des Himmels<br />
laufparadies<br />
Das Burgenland verfügt über ein ausgedehntes<br />
Netz an Lauf- und Wanderwegen.<br />
sicher im sattel<br />
Vom Pferd aufs Rad oder umgekehrt<br />
(li.). Beides ist im Burgenland möglich<br />
und empfehlenswert. GPS-Routen gibt<br />
es für Rad- und Reittouren.<br />
die ebenso wie Kulinarik, Gastronomie<br />
und Freizeitvergnügen aus der Vielfalt<br />
der Region schöpft: Fast vierzig Jahre<br />
hat Joseph Haydn in Eisenstadt gelebt<br />
und gewirkt und das ehemalige Provinzstädtchen<br />
zu einem Zentrum der<br />
zeitgenössischen Musikwelt gemacht.<br />
Heute werden Haydns Werke alljährlich<br />
von Mai bis Oktober mit den weltbesten<br />
Haydn-Interpreten an den Originalschauplätzen<br />
aufgeführt – unter<br />
anderem in dem nach ihm benannten<br />
naturerlebnis burGenland<br />
Rad: www.bikeburgenland.at<br />
Therme: www.stmartins.at<br />
Draisine: www.draisinentour.com<br />
Laufen: www.laufarena.at<br />
Alle Informationen: www.burgenland.info<br />
Spezial 2011 s UniversUm 15
BurgEnland | Geschenke des Himmels<br />
haydnsaal auf schloss esterházy<br />
Der Haydnsaal wurde nach dem berühmten Komponisten<br />
benannt und gilt als einer der weltbesten Konzertsäle.<br />
prächtigen Haydnsaal auf Schloss Esterházy,<br />
der als einer der weltbesten<br />
Konzertsäle gilt. Einem weiteren Genie<br />
der Musikgeschichte erweist man<br />
im kleinen mittelburgenländischen Ort<br />
Raiding Reverenz: Zu Ehren des Klaviervirtuosen<br />
und Komponisten Franz<br />
Liszt werden in dem gleich neben seinem<br />
Geburtshaus errichteten Konzerthaus<br />
hochkarätige Musikaufführungen<br />
gegeben. Als Jahresregent gilt dem vor<br />
200 Jahren geborenen „ersten Popstar<br />
der Musikgeschichte“ 2011 besondere<br />
Aufmerksamkeit.<br />
Auch abseits der Klänge von<br />
Haydn und Liszt lohnt ein Blick auf<br />
das kulturelle Angebot von Österreichs<br />
sonnigstem Bundesland. Im<br />
16 UniversUm S Spezial 2011<br />
Operetten-Mekka Mörbisch wird jeden<br />
Sommer auf der riesigen Bühne<br />
am Ufer des Neusiedler Sees klassische<br />
Operette gespielt – mehr als<br />
200.000 Besucher belegen Jahr für<br />
Jahr eindrucksvoll, dass die Operette<br />
lebt.<br />
Lebendige Geschichte<br />
Wenige Kilometer entfernt, in Sichtweite<br />
des Neusiedler Sees, warten<br />
die Opernfestspiele St. Margarethen,<br />
das drittgrößte Open-Air-Festival<br />
Europas, mit einer 7.000 Quadratmeter<br />
großen Naturbühne vor der<br />
monumentalen Sandstein kulisse des<br />
Römersteinbruchs mit grandiosen<br />
Opernvorstellungen auf.<br />
franz liszt lebt<br />
Das Lisztzentrum Raiding vereint architektonisch Tradition<br />
und Moderne. Rechts das Geburtshaus von Liszt.<br />
Der zauberhafte Arkadenhof eines<br />
Schlosses als Bühne, feine Komödien<br />
– die Schloss-Spiele Kobersdorf bieten<br />
Sommertheater in bester Tradition.<br />
Auch der Güssinger Kultursommer<br />
garantiert fröhliche und unterhaltsame<br />
Theaterabende auf der mächtigen<br />
Burganlage, die auf einem erloschenen<br />
Vulkan thront.<br />
Musikalische Glanzpunkte bietet<br />
der „klangfruehling“ mit Eduard und<br />
Johannes Kutrowatz in Stadtschlaining<br />
im Frühjahr. Und im südlichsten<br />
Teil des Burgenlandes lädt „J:opera<br />
Jennersdorf“ zu exquisiten Freiluft-<br />
Opernaufführungen auf Schloss Tabor.<br />
Auf den weltberühmten Musikfestivals<br />
in Wiesen geben brand aktuelle<br />
Fotos: Burgenland tourismus/L. Lammerhuber (1), U. schwarz (1)
Namen aus Jazz, Rock und Pop den<br />
Ton an. Und „Burg Forchtenstein<br />
Fantastisch“ lädt im Juli und August<br />
Groß und Klein zum mittelalterlichen<br />
Spektakel auf einer mächtigen Wehrburg<br />
– hier wird Geschichte lebendig!<br />
Ausstellungen auf dem Barockjuwel<br />
Schloss Halbturn, einst im Besitz von<br />
Kaiserin Maria Theresia, und auf Burg<br />
Forchtenstein, Musical beim Sommer-<br />
Festival auf Schloss Kittsee, Galerien<br />
und die ständigen Ausstellungen und<br />
Erlebnismuseen bilden ein buntes<br />
Kaleidoskop an kulturellen Veranstaltungen.<br />
Zurück an den Neusiedler See.<br />
Das Resümee von Nick Barton gilt<br />
für Mensch wie für Tier: „Was den<br />
Seewinkel zu einem ganz besonderen<br />
Ort macht, ist die Kombination<br />
von Kultur und Natur – und die vorsichtige<br />
Behandlung dieser Reichtümer<br />
über die Jahrhunderte hinweg<br />
durch die Menschen des Seewinkels.<br />
Ich freue mich darauf, an diesen<br />
sehr besonderen Ort wieder zurückzukehren.”<br />
Man darf gespannt sein,<br />
was er sagt, wenn er erst einmal den<br />
Rest des Burgenlands kennen gelernt<br />
hat. c<br />
naturtermine<br />
Erlebnismuseum Lackenbach<br />
Unter dem Motto „Der Natur auf der<br />
Spur“ laufen von März bis Dezember<br />
Sonderausstellungen zur Natur.<br />
Infos: www.esterhazy.at<br />
Pannonian BirdExperience<br />
Vom 15. bis 17. April finden in und um<br />
den Nationalpark Neusiedler See –<br />
Seewinkel Exkursionen, Vorträge und<br />
Workshops zur Vogelwelt statt.<br />
Infos: www.birdexperience.org<br />
Eisenberger Weinerlebnis<br />
Vom 30. April bis 1. Mai dreht sich am<br />
Eisenberg – noch mehr als sonst – alles<br />
um den Wein. Weinliebhaber kommen<br />
hier im Naturpark in der Weinidylle<br />
voll auf ihre Kosten.<br />
Heissa Walpurgisnacht<br />
Auf eine Wildpflanzenwanderung in<br />
Baumgarten/Naturpark Rosalia-Kogelberg<br />
nimmt Kräuterhexe Uschi Zezelitsch,<br />
aus der ORF-Sendung „Natur im<br />
Garten“, am 30. April mit.<br />
Radwandertag<br />
Am 1. Mai heißt‘s „Anradln“ im und<br />
durch den Naturpark in der Weinidylle,<br />
Treffpunkt ist in Moschendorf.<br />
Infos: www.naturpark.at<br />
Die Kelten feiern<br />
Vom 17. bis 19. Juni findet in Schwarzenbach<br />
im Naturpark Landseer Berge<br />
das alljährliche Keltenfest statt.<br />
Kindererlebniswoche<br />
Von 1. bis 5. August haben die Kinder<br />
in Rechnitz im Naturpark Geschriebenstein<br />
das Sagen. Sie erleben die Natur<br />
auf lustige und spannende Weise.<br />
www.naturpark-geschriebenstein.at<br />
Pannonische Naturerlebnistage<br />
Am 17. und 18. September finden erstmals<br />
die Pannonischen Naturerlebnistage<br />
statt. Nationalpark und Naturparke<br />
bieten ein spezielles Programm.<br />
Familienführungen, Tagesauflüge und<br />
kulinarische Höhepunkte locken.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 17
stimmungsvolle körperpflege<br />
Während manche Reiher nach der Brut<br />
fortziehen, bleiben andere das ganze<br />
Jahr über am Neusiedler See<br />
und posieren für Fotografen<br />
wie Hans Schön.
Augenblick | Burgenland<br />
natur im Bild<br />
Jede Jahreszeit hat im östlichsten Bundesland Österreichs ihr eigenes Licht<br />
und ihre eigene Stimmung. Das lockt Naturfotografen an, die das Burgenland<br />
in spektakulären Bildern dokumentieren. Ein fotografischer Streifzug durch<br />
Frühling, Sommer, Herbst und Winter im Burgenland.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 19
Augenblick | Burgenland<br />
20 UniversUm S Spezial 2011
alles regt sich<br />
Die Feldhasen blicken sich im Frühling<br />
nach einem neuen Partner um. Und so<br />
manch ein Hase scheut auch die Kamera<br />
nicht, hier die von Gerhard Kummer.<br />
Bunte frühlingsBoten<br />
An diesem farbintensiven Lilienfeld vor<br />
der Zicklacke im Gebiet des Seewinkels<br />
konnte Franz Wögerer nicht vorbei, ohne<br />
den Kameraauslöser zu betätigen.<br />
Augenblick | Burgenland<br />
Spezial 2011 s UniversUm 21
Augenblick | Burgenland<br />
22 UniversUm S Spezial 2011<br />
alle zimmer Belegt<br />
Im Gebiet des Seewinkels finden sich<br />
viele gefiederte Sommergäste ein, die<br />
Martin Huber immer wieder direkt vor<br />
die Linse laufen. So wie diese beiden:<br />
Stelzen- und Flussuferläufer.<br />
glühender feuerBall<br />
Im untergehenden Licht der Sonne ziehen<br />
die Vögel zu ihren Schlafplätzen. Dass die<br />
Sommer im Burgenland heißer sind und<br />
die Feuerkugel nirgends so rot ist,<br />
beweist Martin Huber eindrucksvoll.
Augenblick | Burgenland<br />
Spezial 2011 s UniversUm 23
Augenblick | Burgenland<br />
24 UniversUm S Spezial 2011
letztes grün<br />
Wenn der Herbst anbricht, wird der Wein<br />
im Burgenland reif. Zwischen den Reben<br />
lugt hin und wieder ein Reh hervor. Marc<br />
Graf war zur richtigen Zeit vor Ort.<br />
Besondere farBen<br />
Über Burg Forchtenstein streift der<br />
Blick von Verena Popp-Hackner und<br />
Georg Popp weit ins Land. Das Bild geht<br />
über die Ausläufer des Rosaliagebirges<br />
hinaus ins Flachland der Tiefebene.<br />
Augenblick | Burgenland<br />
Spezial 2011 s UniversUm 25
Augenblick | Burgenland<br />
26 UniversUm S Spezial 2011<br />
winterstarre<br />
Verena Popp-Hackner und Georg Popp<br />
haben die kalte Zeit des Jahres in<br />
Podersdorf am See eingefangen. Der<br />
Neusiedler See ist nun für eine Weile<br />
von einer eisigen Schicht bedeckt.<br />
wintergäste<br />
Im Winter wird es rund um den Neusiedler<br />
See etwas ruhiger, doch Greifvögel,<br />
wie diese von Gerhard Kummer fotografierte<br />
Kornweihe, haben Hochsaison.<br />
Der Seewinkel ist ihr Winterquartier.
Augenblick | Burgenland<br />
Spezial 2011 s UniversUm 27
ErlEbnis | Naturfotografie<br />
Pannonische<br />
Jahreszeiten<br />
28 UniversUm S Spezial 2011<br />
Ein bEricht von barbara WakolbingEr<br />
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
schilfernte im Winter<br />
Im winterlichen Seewinkel prägt zum<br />
Trocknen aufgeschichtetes Schilf das<br />
Landschaftsbild. Manfred Horvath setzt<br />
es hier stimmungsvoll in Szene.<br />
ErlEbnis | Naturfotografie<br />
Das pannonische Klima und die Lage in der Tiefebene<br />
machen das Burgenland zu einem ganz besonderen Fleck in<br />
Österreich. Im Laufe eines Jahres bietet die außergewöhnliche<br />
Landschaft ein reiches Spektrum an einzigartigen Farben,<br />
Pflanzen und Tieren. Das schätzen Naturfotografen.<br />
Blühende Wiesen, auf denen<br />
Großtrappen balzen, heiße,<br />
flirrende Luft, Salzkrusten<br />
an den Ufern der Lacken,<br />
eine beinahe mediterran anmutende<br />
Landschaft; dann saftige Weingärten<br />
und funkelndes Eis am Neusiedler<br />
See. Im Burgenland steckt mehr, als<br />
auf den ersten Blick augenscheinlich<br />
wird. Als Bundesland mit der<br />
niedrigsten Einwohnerzahl kann das<br />
Burgenland vor allem mit viel unverbauter<br />
Natur und weiten Blicken in<br />
die Ebene glänzen. Das pannonische<br />
Klima der Tiefebene sorgt mit rund<br />
300 Sonnentagen pro Jahr für eine<br />
steppenartige Landschaft, wie sie in<br />
Westeuropa kaum ein zweites Mal zu<br />
finden ist. Aber auch innerhalb des<br />
Burgenlands herrschen Gegensätze:<br />
Der Norden ist geprägt vom Neusiedler<br />
See, den umliegenden Lacken<br />
und der reichen Flora und Fauna,<br />
deren Lebensraum sie schaffen. Im<br />
touristisch weniger erschlossenen<br />
Mittel- und Südburgenland wird es<br />
hügelig, ein bisschen regnerischer<br />
und vor allem ruhig. Die Landschaft<br />
wird nur selten durch eine kleine<br />
Ortschaft oder ein Thermenhotel unterbrochen.<br />
Durch diese einzigartige<br />
Kombination bietet das Burgenland<br />
einer Vielzahl an speziellen Lebewesen<br />
eine Heimat und macht es so zu<br />
einem attraktiven Ziel für Naturfotografen.<br />
Unösterreichisches Burgenland<br />
Das Burgenland widerspricht dem<br />
Klischee vom Alpenland Österreich.<br />
„Diese Weiten, kaum Häuser oder<br />
Strommasten. Wo findet man das in<br />
Europa schon?“, erklärt der Landschaftsfotograf<br />
Georg Popp, was er für<br />
seine Arbeit am Burgenland besonders<br />
schätzt. Auch viele Kollegen haben das<br />
Burgenland für sich entdeckt: Vor allem<br />
im Frühjahr drängen sich im Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel<br />
die Fotografen: „Der Seewinkel ist im<br />
Frühjahr schon etwas ganz Besonderes.<br />
An einem schönen Morgen draußen<br />
zu sein, die vielen Vögel zu beobachten<br />
und in die Weite zu schauen.<br />
Das ist schon sehr speziell“, beschreibt<br />
Popp seinen Lieblingsplatz. Das Licht<br />
sei hier einfach einzigartig. Und auch<br />
die Kollegen von der Tierfotografie<br />
können nur zustimmen: „Das Frühjahr<br />
ist von den Aktivitäten her die schönste<br />
Jahreszeit. Wenn die Vögel balzen und<br />
viele Brutvögel, die hier im Sommer<br />
nisten, schon angekommen sind: Das<br />
ist Action pur und liefert unbegrenzte<br />
Spezial 2011 s UniversUm 29
ErlEbnis | Naturfotografie<br />
Motive“, schwärmt Hans Schön, der<br />
schon seit Jahren im Burgenland fotografiert.<br />
Besonders beeindruckend ist<br />
die Balz der Großtrappen, die bis zu<br />
17 Kilo schwer werden. Da so ein Gewicht<br />
das Fliegen erheblich erschwert,<br />
ziehen es die Hähne vor, auf andere<br />
Art Eindruck zu schinden: Sie plustern<br />
sich zu kugeligen Federbäuschen auf.<br />
Wird es langsam wärmer, verdunstet<br />
das Wasser und die Vogelbalz geht<br />
zu Ende. „Dann beginnt die Makrosaison“,<br />
erklärt Schön. Wenn der See<br />
und die umliegenden Wiesen summen,<br />
sind es vor allem Pflanzen und Insekten,<br />
die es vor die Linse des Fotografen<br />
schaffen. Zikaden, Heuschrecken<br />
und Libellen bevölkern die Seenlandschaft;<br />
das nutzen viele Vogelarten<br />
auch, um sich vor dem Herbst noch<br />
einmal richtig satt zu fressen. Auch<br />
die Gelsen haben Hochsaison – zum<br />
Leidwesen vieler Fotografen, die oft<br />
stundenlang draußen ausharren und<br />
sich dabei möglichst wenig bewegen.<br />
Landschaftsfotografen kämpfen im<br />
Sommer aber nicht nur mit den Mücken:<br />
„Das Licht ist im Sommer oft zu<br />
hart“, seufzt Fotograf Gerhard Kummer,<br />
der den Nationalpark praktisch<br />
vor der Haustüre hat. Zuviel Sonne<br />
kann also auch eine Herausforderung<br />
sein. Glücklicherweise bietet das<br />
Burgenland Ausweichmöglichkeiten:<br />
„Faszinierend sind die Lacken, die<br />
im Sommer austrocknen und kristallisiertes<br />
Salz zurücklassen. Das hat fast<br />
schon afrikanischen Charakter“, meint<br />
30 UniversUm S Spezial 2011<br />
goldene stunde<br />
Das milde Licht am Morgen und am Abend lässt die Vogelwelt<br />
rund um den Neusiedler See noch prachtvoller erscheinen.
Fotos: Beigestellt (5), H. schön (1)<br />
Kummer. Salzlacken entstehen durch<br />
die hohen Temperaturen, oft zeigt das<br />
Thermometer im Burgenland schon<br />
im Juni über 30° Celsius an.<br />
Auch im Winter, wenn es schneit<br />
Nebel und Vogelzüge sind die ersten<br />
Anzeichen für den Herbstbeginn im<br />
Burgenland. Bis Oktober kann man<br />
immer wieder große Vogelschwärme<br />
beobachten, die sich zu ihren Winterquartieren<br />
aufmachen. „Der Herbst<br />
im Burgenland mit seinen erdigen und<br />
warmen Farbtönen ist ein Hochgenuss<br />
für Fotografen“, erklärt Martin<br />
Huber, Naturfotograf und bekennender<br />
Burgenlandliebhaber. Mindestens<br />
einmal im Jahr muss der Steirer Huber<br />
ins Nachbarland: „Das Burgenland ist<br />
zwar Österreich, aber doch komplett<br />
anders als Österreich. Es ist das ideale<br />
Kontrastprogramm zu der Bergwelt,<br />
in der ich zuhause bin.“ Im Spätsommer<br />
und Herbst rücken auch Mittel-<br />
und Südburgenland mit ihren farbenprächtigen<br />
Weingärten stärker in den<br />
Fokus der Landschaftsfotografen.<br />
Und was man fotografiert, kann man<br />
ja auch gleich verkosten: „Natürlich<br />
wird jeder Burgenland-Urlaub auch<br />
genutzt, um den Weinkeller wieder<br />
aufzufüllen“, schmunzelt Huber. Neben<br />
der Weinlese bietet der Herbst in<br />
der Seenlandschaft aber auch noch ein<br />
anderes Spektakel: den Gänsestrich.<br />
Tausende Gänse nutzen Neusiedler<br />
See und Seewinkel zum Überwintern;<br />
in keilförmigen Formationen durch-<br />
naturfotografen bei der arbeit<br />
Verena Popp-Hackner, Georg Popp,<br />
Gerhard Kummer, Manfred Horvath und<br />
Klaus Schneider (von links nach rechts)<br />
sind begeistert von den abwechslungsreichen<br />
Landschaften und der reichhaltigen<br />
Tier- und Pflanzenwelt, die das<br />
Burgenland zu den unterschiedlichen<br />
Jahreszeiten zu bieten hat. Im Frühjahr<br />
schätzen sie die Aktivität der Tierwelt,<br />
im Herbst das besonders schöne Licht.<br />
ziehen sie am Weg von und zu ihren<br />
Schlafplätzen morgens und abends<br />
den Himmel.<br />
Dieses Schauspiel kann sich bis in<br />
den Winter hinein ziehen. Nach und<br />
nach kommen auch die nordischen<br />
Gänse im Seewinkel an. Die kalte Jahreszeit<br />
gehört aber auch den Greifvögeln:<br />
„Im Winter gibt die triste, braune<br />
Landschaft nicht viel her“, meint<br />
Gerhard Kummer. „Dafür kommen<br />
die Greifvögel, die Möwen und die<br />
Gänse.“ Besonders die Kornweihe hat<br />
es Kummer angetan: „Die Kornweihe<br />
jagt für einen Greifvogel unglaublich<br />
tief über dem Boden. Sie braucht etwa<br />
zehn Mäuse am Tag und ist deshalb<br />
viel unterwegs. Ein ideales Fotomotiv.“<br />
Das bewegt Kummer auch dazu,<br />
selbst bei Temperaturen um die minus<br />
15° Celsius außer Haus zu gehen. „Das<br />
Foto-Equipment bleibt das gleiche, nur<br />
der Fotograf braucht ein paar Zwiebelschichten<br />
mehr“, lacht er. Um sich aufzuwärmen,<br />
empfiehlt sich eine Runde<br />
am zugefrorenen Neusiedler See.<br />
Bei Minusgraden verwandelt sich der<br />
Steppensee in den größten natürlichen<br />
Eislaufplatz Mitteleuropas. Naturfotografen<br />
wie Manfred Horvath packen<br />
deshalb auch hier ihre Kamera mit ein:<br />
„Es lohnt sich schon, auch im Winter<br />
loszuziehen. Eingefrorene Muscheln<br />
und Schnecken oder der tauende Neusiedler<br />
See sind spannende Motive. Im<br />
Leithagebirge sind um diese Jahreszeit<br />
Füchse oder Wildschweine unterwegs.<br />
Von wegen ruhige Zeit!“ c<br />
Spezial 2011 s UniversUm 31
Alles fliesst<br />
32 UniversUm S Spezial 2011<br />
Ein BEricht von Julia Kospach
Foto: S. Pollin<br />
Der Naturraum Neusiedler<br />
See, sagt Alois Lang, sei den<br />
Österreichern nicht leicht<br />
zu erklären. „Der Österreicher<br />
ist ein homo alpinus, geprägt auf<br />
Gebirge, steile Täler und tiefe Seen.“<br />
Alois Lang ist im Nationalpark Neusiedler<br />
See – Seewinkel für Öffentlichkeitsarbeit<br />
und Ökotourismus zuständig.<br />
Vom Nationalparkzentrum<br />
in Illmitz aus bemüht er sich um die<br />
Verdeutlichung dessen, was den Steppen<br />
und Feuchtgebietsnaturraum<br />
des Neusiedler Sees so sehr von den<br />
anderen Landschaften Österreichs<br />
unterscheidet und den Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel zu einer<br />
solchen Besonderheit macht.<br />
Umgekehrt könnte man natürlich<br />
auch sagen: Weil die Unwissenheit –<br />
gerade auch bei den heimischen Besuchern<br />
des Nationalparks – groß ist,<br />
gibt es in ihm auch so unendlich viel<br />
zu entdecken. Hier ist alles anders<br />
als in den anderen Naturräumen Österreichs.<br />
Es handelt sich nicht nur<br />
politischhistorisch um ein Grenzland<br />
im Einfluss verschiedener Machtbereiche,<br />
sondern auch biologisch:<br />
Rund um den Neusiedler See treffen<br />
Pflanzen und Tierarten aus alpinen,<br />
pannonischen, asiatischen, mediterranen<br />
und nordischen Gebieten aufeinander.<br />
Das Mosaik ist in dieser flachen<br />
Landschaft strukturierendes Prinzip:<br />
Wie in einem großen Fleckerlteppich<br />
liegen hier groß und kleinflächige<br />
Lebensräume nebeneinander: Feuchtgebiete,<br />
Weideflächen, Wiesengebiete,<br />
Trockenrasen, Sandsteppen und Salzstandorte.<br />
Eine fast baumlose, steppenartige<br />
Landschaft, in der der Wind<br />
seichtes gewässer<br />
Der Neusiedler See und die umliegenden<br />
Lacken zeichnen sich durch einen stets<br />
niedrigen Wasserstand aus. Beste Bedingungen<br />
für futtersuchende Wasservögel.<br />
nationalparK | Neusiedler See – Seewinkel<br />
Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel:<br />
In Österreichs Steppennationalpark muss man<br />
das Schauen neu lernen. In dieser unvergleichlich<br />
vielfältigen Grenzlandschaft, in der Höhenunterschiede<br />
von wenigen Zentimetern über Sein oder<br />
Nicht-Sein entscheiden und 300 Vogelarten durchziehen,<br />
ist Wechsel die einzige Konstante.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 33
nationalparK | Neusiedler See – Seewinkel<br />
ein allgegenwärtiger Begleiter ist, genauso<br />
wie Sand und Salz. Die Lichtverhältnisse<br />
sind deutlich anders als<br />
überall sonst in Österreich, die Sicht<br />
ist weitgehend frei von Erhebungen,<br />
weswegen andere Orientierungspunkte<br />
genutzt werden müssen.<br />
Ein anderes Klima<br />
Um zu verstehen, was das Gebiet ausmacht,<br />
muss man erst einmal über das<br />
Klima sprechen, das die Gegend prägt.<br />
„Am Westufer des Neusiedler Sees, am<br />
Leithagebirge, endet der Einflussbereich<br />
des Atlantiks“, erklärt Alois Lang.<br />
Kommt also eine Schlechtwetterfront<br />
von Westen, die für die meisten Teile<br />
Österreichs Regen bringt, so hört der<br />
Niederschlag im Wiener Becken auf<br />
und erreicht das Burgenland nicht.<br />
Hier regnet es, wenn das schlechte<br />
Wetter aus dem Süden, von der Adria,<br />
kommt. Zugleich ist das Gebiet um<br />
den Neusiedler See von den westlichsten<br />
Ausläufern des kontinentalen Klimas<br />
geprägt. Wenn eine Delegation aus<br />
Kasachstan in den Nationalpark auf<br />
Besuch kommt, gibt es keinerlei Prob<br />
und Flora, die für die Neusiedler See<br />
Gegend typisch ist. Viele der Pflanzen<br />
und Tiere dieses Gebiets gibt es auch<br />
in den Steppenlandschaften Zentralasiens.<br />
Nichts als verständiges Nicken<br />
begegne ihm dann, erzählt Alois Lang.<br />
Schwieriger schon sei es mitunter mit<br />
Delegationen aus Westeuropa. „Was<br />
zum Beispiel ein Goldschakal ist, den<br />
es hier bei uns und weiter im Osten<br />
gibt, weiß man dort nicht mit derselben<br />
Selbstverständlichkeit.“<br />
Der Neusiedler See selbst ist ein<br />
junger Steppensee – der westlichste<br />
Europas. 320 Quadratkilometer umfasst<br />
das Seebecken, 180 davon entfallen<br />
auf den Schilfgürtel. Mit den tiefen<br />
Bergseen, die sonst für Österreich so<br />
typisch sind, hat er nichts gemeinsam.<br />
Er ist extrem seicht, sein Wasser trüb<br />
und leicht salzhaltig und sein Boden<br />
bedeckt von feinkörnigem Sediment.<br />
Bei einer Durchschnittstiefe von nicht<br />
mehr als 1,10 Metern besitzt er eine<br />
Jahresschwankungsbreite von 40 Zentimetern.<br />
Bei einem weit über 100 Meter<br />
tiefen Gebirgssee machen 40 Zentimeter<br />
keinen großen Unterschied. Am<br />
Neusiedler See verändert sich dadurch<br />
aber übers Jahr die Seelandschaft dramatisch.<br />
Einige wenige Zentimeter<br />
Unterschied im Wasserniveau können<br />
die Seefläche um viele Hektar vergrößern<br />
oder verkleinern. Was unter Wasser<br />
lag, kann dann trocken liegen und<br />
umgekehrt. Heftiger Wind verstärkt<br />
dieses Phänomen noch. Bei Sturm verschiebt<br />
sich mitunter der Wasserpolster<br />
als Ganzes um einige hundert Meter.<br />
Das Grundwasser und die Zuflüsse<br />
haben nur wenig Einfluss auf den Wasserstand<br />
des Sees – die Niederschläge<br />
sind der ausschlaggebende Faktor für<br />
seine Befüllung. Das führt immer wieder<br />
zu sehr starken Schwankungen des<br />
Seespiegels – von Hochwasserständen<br />
mit Überschwemmungen bis hin zur<br />
völligen Austrocknung wie zuletzt einmal<br />
im 19. Jahrhundert.<br />
Insgesamt wird das Neusiedler See<br />
Gebiet von einer großen Amplitude<br />
in der Schwankungsbreite zwischen<br />
leme bei der Beschreibung der Fauna FotoS: S. Pollin (3)<br />
34 UniversUm S Spezial 2011<br />
der tAg endet<br />
Das schwindende Licht der Abendsonne<br />
nutzen die Vögel noch für die Nahrungssuche,<br />
bevor sie sich zu ihren Schlafplätzen<br />
zurückziehen.
sAlzige lAcken<br />
Der hohe Salzgehalt in und um die<br />
Lacken des Seewinkels und im<br />
Hanság lässt nur salztolerierende<br />
Pflanzen wachsen.<br />
grosser schnAbel<br />
Der löffelähnliche Schnabel gibt den<br />
Löfflern, die damit im seichten Wasser<br />
Futter aufstöbern, ihren Namen.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 35
nationalparK | Neusiedler See – Seewinkel<br />
extrem nass und extrem trocken bestimmt.<br />
Auch das ist vielen, die das<br />
nördliche Burgenland mit Trockenheit<br />
verbinden, nicht klar. Den Bewohnern,<br />
die dieses Gebiet über die<br />
Jahrhunderte bewirtschaftet haben,<br />
machten solche starken Schwankungen<br />
wenig Freude. Entwässerung der<br />
feuchten, stark zu Überschwemmung<br />
neigenden Gebiete war ihr Ziel. Doch<br />
es ist genau dieser Wechsel zwischen<br />
feucht und trocken, der den spezifischen<br />
Artenreichtum des Gebiets<br />
bedingt. Seit der Gründung des Nationalparks<br />
wird also versucht, das Wasser,<br />
das hier größtenteils Regenwasser<br />
ist, so lange wie möglich – sprich: bis<br />
es von selber wieder verdunstet – im<br />
Gebiet zu lassen.<br />
Gegründet wurde der Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel im<br />
Jahr 1993. Seine Flächen sind allerdings<br />
weder Landes noch Staatsbesitz<br />
– wie jene auf der ungarischen<br />
Seite des Nationalparks –, sondern<br />
gehören rund 1.200 privaten Grundeigentümern,<br />
größtenteils Nebenerwerbsbauern<br />
aus den Ortschaften<br />
im Seewinkel. Sie stellen ihren Besitz<br />
dem Nationalpark gegen eine jährli<br />
36 UniversUm S Spezial 2011<br />
che Ertragsentgangsentschädigung<br />
zur Verfügung.<br />
Aktiver Naturschutz<br />
Der Schutz der Ökosysteme kann im<br />
Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel<br />
nicht nur dadurch erreicht werden,<br />
dass der Mensch die Natur sich selbst<br />
überlässt. Alois Lang gibt ein Beispiel:<br />
„Würden wir die Lackenränder nicht<br />
mähen oder beweiden, würden die<br />
Brutflächen für die dort brütenden Vögel<br />
verloren gehen.“ Ein rein konservierender<br />
Naturschutz, der überhaupt<br />
nicht eingreift, birgt hier das Risiko von<br />
Verschiebungen, im Zuge derer zum<br />
Beispiel extrem invasive Arten wie die<br />
Robinie oder die Ölweide ganze Flächen<br />
zuwuchern würden. Biodiversität<br />
bedeutet also nicht, dass man einfach<br />
zuschaut: Hier muss Naturschutz aktiv<br />
betrieben werden. Ein Managementplan,<br />
der auf umfangreichen, gebietsspezifischen<br />
Forschungsprojekten basiert,<br />
legt Jahr für Jahr aufs Neue fest,<br />
was in den einzelnen Gebieten getan<br />
werden muss. Grundsätzlich orientiert<br />
sich diese Arbeit an den empfindlichen,<br />
gefährdeten Arten, an jenen, die<br />
auf der Roten Liste stehen. Wenn die<br />
sAlziger lebensrAum<br />
Die Verdunstungsrate des Wassers ist in<br />
den heißen Sommern hoch. Viele Lacken<br />
trocknen daher aus und zurück bleibt<br />
eine salzige Kruste.<br />
heimAt für wildpferde<br />
Das Przewalski-Pferd ist die einzige<br />
Unterart des Wildpferdes, die sich<br />
erhalten hat. Im Nationalpark wird<br />
es gezüchtet, auch für die<br />
Auswilderung in der Mongolei.<br />
Maßnahmen für sie stimmen, dann ist<br />
das ein Erfolg. Im Nationalpark Neusiedler<br />
See – Seewinkel geht es um eine<br />
Weiterschreibung der Landnutzungsgeschichte<br />
mit anderen Vorzeichen<br />
– eben nicht mehr wirtschaftlich, sondern<br />
am Naturschutz orientiert.<br />
Der Nationalpark gliedert sich in<br />
mehrere Zonen. In der Naturzone findet<br />
keinerlei Nutzung statt. Die Besucher<br />
haben keinen Zutritt und auch<br />
Pflegemaßnahmen dürfen hier keine<br />
gesetzt werden. Anders in der Bewahrungszone:<br />
Ein Besucherleitsystem<br />
– mit Aussichtstürmen, Informationsschildern,<br />
Wegmarkierungen – ermöglicht<br />
von gekennzeichneten Wegen aus<br />
ein unmittelbares Naturerleben. In dieser<br />
Zone konzentrieren sich auch die<br />
Maßnahmen des aktiven Naturschutzes.<br />
Mit gezielter Beweidung, Heumahd<br />
oder mit Schilfschnitt gelingt es<br />
hier, den Steppencharakter der Landschaft<br />
zu bewahren. 1.200 Rinder,<br />
Pferde oder Esel sind in mehreren Herden<br />
in der Bewahrungszone als eine<br />
Art mobiles Weidekommando im Einsatz.<br />
Eine echte Rarität sind die Weißen<br />
Esel, die im Sandeck ihren Dienst<br />
versehen. Kaum 300 Exemplare dieser<br />
FotoS: S. Pollin (2), Rotholl.at (1), Burgenland tourismus (1)<br />
FotoS: XXXXXXXXXXXXXX
FotoS: XXXXXXXXXXXXXX<br />
gelenkte beweidung<br />
Steppenrinder (o.) zählen neben Pferden<br />
und Eseln zu den wichtigen Mithelfern<br />
im Nationalpark. Ihre Beweidung erhält<br />
die Brutflächen vieler Vögel.<br />
esel im nAtionAlpArk<br />
Wer im Barock etwas auf sich hielt,<br />
besaß weiße Tiere. Von den „Österreichisch-ungarischen<br />
Weißen Eseln“ gibt<br />
es weltweit rund 80 Tiere.<br />
alten Haustierrasse gibt es überhaupt<br />
noch. Die Gruppe im Nationalpark<br />
Neusiedler See stand am Beginn des<br />
ZuchtProgramms zu ihrer Rettung,<br />
das vor ein paar Jahren gestartet wurde.<br />
Was dem Nationalpark international<br />
zu einer solchen Bedeutung verhilft,<br />
ist die Tatsache, dass er sich an einem<br />
HotSpot des europäischen Vogelzugs<br />
befindet und von beiden großen<br />
Hauptmigrationsrouten des Kontinents<br />
seinen Teil an durchziehenden<br />
Vögeln abbekommt. „Birdwatcher<br />
werden hier nie fertig“, sagt Alois Lang<br />
und fügt hinzu: „Das einzig Konstante<br />
ist, dass es immer irgendeinen Wechsel<br />
gibt.“ Manche Vögel bleiben nur einen<br />
Tag, andere vier Wochen. Insgesamt<br />
sind es mehr als 300 Vogelarten, die im<br />
Jahresverlauf das Gebiet des Neusiedler<br />
Sees als Rast und Nahrungsgebiet<br />
nützen, 150 davon brüten auch hier.<br />
Lebensraum-Mosaik<br />
Fünf verschiedene Landschaften findet<br />
man hier: Da ist einmal der See<br />
selbst mit seinem Schilfgürtel, der in<br />
einer abflusslosen Wanne auf rund<br />
113 Metern Seehöhe liegt. Westlich<br />
davon das Leithagebirge, das bis auf<br />
Spezial 2011 s UniversUm 37
nationalparK | Neusiedler See – Seewinkel<br />
450 Meter ansteigt. Im Norden des<br />
Sees liegt, 40 Meter über dem Seebecken,<br />
die 200 Quadratkilometer große<br />
Schotterflur der Parndorfer Platte. Im<br />
Südosten dehnt sich auf 460 Quadratkilometern<br />
der Hanság, der größtenteils<br />
auf ungarischem Staatsgebiet liegt,<br />
und schließlich im Osten – zwischen<br />
Parndorfer Platte und Einserkanal – die<br />
Tiefebene des Seewinkels mit etwa 450<br />
Quadratkilometern Fläche.<br />
Den Nationalpark selbst muss man<br />
sich als ein buntes Mosaik verschiedenartigster<br />
Lebensräume vorstellen – von<br />
den traditionellen, großen Weideflächen,<br />
den „Hutweiden“, über wechselfeuchte<br />
Wiesen und Schilfgebiete bis<br />
zum Seedamm und den Salzlebensräumen<br />
der Lacken: Im Schilfgürtel<br />
mit seinen windstillen, abgeschlossenen<br />
Wasserflächen und Kanälen finden<br />
nicht nur Käfer, Insektenlarven<br />
und Wasserschnecken ein ideales Umfeld,<br />
sondern auch Kleintiere wie die<br />
Sumpf und Wasserspitzmaus, ganze<br />
Kolonien von Löfflern, Graureihern<br />
und Silberreihern oder die rare Moorente.<br />
Schilfsingvögel bauen hier ihre<br />
Nester. Graugänse brüten ebenso im<br />
38 UniversUm S Spezial 2011<br />
Schilf wie die Rohrweihe, die am Neusiedler<br />
See ihren wichtigsten Brutplatz<br />
in Mitteleuropa hat.<br />
Dann sind da die berühmten Lacken<br />
des Seewinkels. Mit ihrem stetigen<br />
Wechsel zwischen sommerlicher<br />
Austrocknung und einer Wassertiefe<br />
bis zu 60 Zentimetern im Herbst<br />
und Winter sind sie hier das prägende<br />
Landschaftselement. Je weniger<br />
Wasser in den Lacken, desto mehr<br />
steigt der Salzgehalt des Lackenwassers.<br />
Hier wachsen Pflanzen, die sich<br />
sonst nur an Meeresküsten ansiedeln<br />
können: Salzkresse, Queller oder Salz<br />
Aster zum Beispiel. Nicht nur des Salzes<br />
wegen sind die Lacken extreme<br />
Lebensräume. Auch die Temperaturschwankungen<br />
sind extrem, die Bandbreite<br />
reicht von 18 Grad bei Nacht bis<br />
38 Grad am Tag. Säbelschnäbler und<br />
Seeregenpfeifer sind typische Vogelarten<br />
im Lackenumfeld. In den Wiesen<br />
und Weiden um die Lacken wohnen<br />
auch Graugänse, Möwen, Seeschwalben,<br />
einige Entenarten und die Wiesenlimikolen,<br />
für die die kurzrasigen<br />
Mähwiesen ein idealer Lebensraum<br />
sind, weil mögliche Bedrohungen in<br />
der weiten, offenen Landschaft für sie<br />
leicht zu entdecken sind.<br />
Der „Waasen“ im Hanság<br />
Der Hanság im Südosten ist ein ehemaliges,<br />
nunmehr verlandetes und<br />
durch Kanäle entwässertes Sumpfgebiet<br />
des Neusiedler Sees. Der kleinere,<br />
burgenländische Teil wird auch<br />
„Waasen“ genannt. In dieser weiten<br />
Niedermoor und Wiesenlandschaft<br />
finden sich rare Pflanzen wie Wasserschwertlilien.<br />
Neben bedeutenden Beständen<br />
von Wachteln, Sumpfohreulen,<br />
Schwarzkehlchen und Neuntötern<br />
liegt hier allen voran ein wesentliches<br />
Verbreitungsgebiet der Großtrappe.<br />
Ihr Brutplatz wurde schon 1973 unter<br />
Vollnaturschutz gestellt. Im Juli oder<br />
August wird im Hanság Heu gemäht,<br />
um den typischen Lebensraum für<br />
den Wiesenbrutvogel zu erhalten.<br />
Mit einem kleinen Wortspiel könnte<br />
man sagen: Die ebene Landschaft des<br />
winterlAndschAft<br />
Mit der Kälte kommt das Eis und verwandelt<br />
den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel<br />
in eine feste Fläche, wenn alles gefriert.<br />
FotoS: XXXXXXXXXXXXXX
FotoS: S. Pollin (3)<br />
greifvogel greift An<br />
Auch Seeadler kommen zum Überwintern in den Seewinkel<br />
und rufen helle Aufregung bei jenen Vögeln hervor,<br />
die ihr Abendessen werden könnten.<br />
Neusiedler Sees ist eben nicht eben.<br />
Höhenunterschiede von nicht einmal<br />
einem Meter können hier riesige Unterschiede<br />
machen, wenn man so will:<br />
über Sein und NichtSein entscheiden.<br />
In den Senken der Wiesen und<br />
Hutweiden zum Beispiel sammelt sich<br />
Niederschlagswasser aus dem Winterhalbjahr<br />
zu kleinen Pfützen oder<br />
zu hektargroßen, flachen Riesenwasserflächen.<br />
Trockene Höhenrücken<br />
können da zu Brutplätzen für Vögel<br />
oder zu Standorten früh blühender<br />
Wiesenpflanzen werden. Auch die<br />
Lacken schwanken zwischen völliger<br />
Austrocknung und über einem halben<br />
Meter Wassertiefe. Heiß oder kalt,<br />
lautet hier die Devise. Auch zwischen<br />
dem hellgrauen „Solontschak“ und<br />
dem dunklen „Solonetz“ – den Salzböden<br />
des Seewinkels – überleben nur<br />
die, die besondere Strategien entwickelt<br />
haben, mit ihrer extremen Umgebung<br />
umzugehen.<br />
Die Vielfalt des Neusiedler SeeGebiets<br />
lebt vom Wechsel. Er ist in dieser<br />
wandelbaren Landschaft mit ihren<br />
vielfältigen Lebensräumen die einzige<br />
Konstante. Wie die Natur selbst kennt<br />
auch der Nationalpark Neusiedler See<br />
– Seewinkel übrigens keine Sperrzeiten:<br />
Er ist zu allen Jahreszeiten geöffnet<br />
und jederzeit interessant. c<br />
nAtionAlpArk<br />
neusiedler see<br />
- seewinkel<br />
Nationalpark-Informationszentrum<br />
(Öffnungszeiten: April bis Oktober:<br />
Mo-Fr 8-17, Sa, So, Feiertag: 10-17,<br />
November bis März: Mo-Fr 8-16 Uhr)<br />
A-7142 Illmitz<br />
Tel. 0043-2175-3442<br />
E-Mail: info@nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.atwww.nationalpark-neusiedlerseeseewinkel.at<br />
wintergAst<br />
Graugänse und andere Gänsearten überwintern<br />
in großen Scharen im Gebiet des<br />
Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 39
Aktuell | Story<br />
6 UniversUm S Spezial 2011<br />
1<br />
2<br />
3<br />
4<br />
5<br />
grosstraPPe (1) (oTis TarDa)<br />
Großtrappen zählen nicht nur zu den schwersten flugfähigen Vögeln der<br />
Welt, sondern auch zu den gefährdetsten. Seit 2005 läuft ein großes österreichisches<br />
Schutzprojekt, das bereits zu einer Wiederbesiedlung von ehemaligen<br />
Brutplätzen im Burgenland führte. Beeindruckend ist die Balz der<br />
rund 17 Kilogramm schweren Männchen, die sich den Weibchen im April<br />
und Mai stolz auf offenen Gras- und Ackerlandschaften präsentieren.<br />
sumPFWühLmaus (2)<br />
(microTus oEconomus)<br />
Als Eiszeitrelikt hat diese Wühlmaus in Österreich einzig im Gebiet des<br />
Neusiedler Sees überlebt. Sie legt ihre Nester in trockenen Schilfbereichen<br />
an und ernährt sich rein vegetarisch, speziell von jungen Röhrichtpflanzen.<br />
Doch die Bestandszahlen im Seewinkel sind rückläufig und<br />
Schutzmaßnahmen für unsere Eiszeit-Überlebende dringend vonnöten.<br />
südrussische taranteL (3)<br />
(Lycosa singoriEnsis)<br />
In den Trockenrasen des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel lebt<br />
die vier Zentimeter große Südrussische Tarantel, die größte heimische<br />
und die größte mitteleuropäischen Spinne. Wichtig für ihren Erhalt sind<br />
gut beweidete Lebensräume. Wenn die Vegetation zu hoch und dicht wird,<br />
verlässt sie ihre bis zu 30 Zentimeter tiefen Erdröhren und wandert ab.<br />
rohrdommeL (4)<br />
(BoTaurus sTELLaris)<br />
Die Schilfgürtel des Neusiedler Sees bieten der Rohrdommel Schutz<br />
und Nahrung. Nachts und in der Dämmerung stakst sie durchs Schilf –<br />
auf der Suche nach leckeren Froschschenkeln. Dabei verschmilzt sie mit<br />
ihrem gescheckten Federkleid perfekt mit dem Hintergrund und verharrt<br />
bei Gefahr regungslos mit nach oben gestrecktem Kopf. Lediglich<br />
der tiefe, dumpfe Ruf der Rohrdommel weist auf ihre Anwesenheit hin.<br />
Lungenenzian-ameisenbLäuLing (5)<br />
(macuLinEa aLcon)<br />
Europaweit gehört dieser zarte Bläuling zu den am meisten gefährdeten<br />
Tagfaltern und ist im Burgenland akut vom Aussterben bedroht. Die<br />
Raupen des Bläulings ernähren sich ausschließlich von einer Pflanze, dem<br />
Lungenenzian, und sind auf die Gastfreundschaft der Knotenameisen angewiesen.<br />
Diese halten die Schmetterlingsraupen für ihre eigenen Larven<br />
und füttern sie durch den Winter. Im Frühling fliegen die Bläulinge aus –<br />
über Moore und Feuchtwiesen, ihren ausschließlichen Lebensraum.<br />
FotoS: S. Pollin (2), Bildagentur Waldhäusl (2), EoL (1), B.C. Schlick-Steiner & F.M. Steiner (1), www.herpetofauna.at (1)
6<br />
tiere<br />
des burgenLands ein Überblick von christine sonvillA<br />
LöFFLer (6)<br />
(pLaTaLEa LEucoroDia)<br />
Der abgeplattete, löffelähnliche Schnabel verleiht diesen<br />
Vögeln ihren Namen. Selbigen benutzen die Löffler<br />
auch, um in den Flachwasserbereichen des Neusiedler<br />
Sees, wo sie in Österreich ihr einziges Brutgebiet haben,<br />
nach Fischen und Fröschen zu stöbern. Zwischen 1990<br />
und 1991 erlosch die Brutkolonie kurzfristig, mittlerweile<br />
kommen sie aber wieder aus ihren afrikanischen<br />
Winterquartieren ins Burgenland zurück.<br />
donaukammmoLch (7)<br />
(TriTurus DoBrogicus)<br />
Der etwa 15 Zentimeter lange und an der Bauchunterseite<br />
kräftig orange gefärbte Donaukammmolch<br />
ist die in Österreich gefährdetste Molchart. Neben den<br />
Donau- und Marchauen steht er auch im burgenländischen<br />
Seewinkel unter Schutz. Die Männchen bilden für<br />
die Brautwerbung im Frühjahr einen stattlichen Kamm<br />
am Rücken aus. Nach erfolgreicher Befruchtung und<br />
Eiablage auf den Blättern von Wasserpflanzen schlüpfen<br />
die kleinen Larven schon nach einigen Tagen.<br />
7<br />
nAtur | tiere<br />
Das Burgenland beherbergt eine Vielzahl<br />
an Tieren. Das universum magazin<br />
stellt sieben besondere Bewohner<br />
des ostens Österreichs vor.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 41
ErlEbnis | Birding<br />
V<br />
on A wie Aaskrähe bis Z wie<br />
Zwergtaucher: Rund 300 Vogelarten<br />
leben im Gebiet des<br />
Neusiedler Sees, 150 davon<br />
als Brutvögel. Das sind 40 Prozent aller<br />
europäischen Arten und 80 Prozent<br />
aller in Österreich vorkommenden Spezies.<br />
Und während im Rest des Landes<br />
die Vogelwelt sich oft nur einige Monate<br />
lang wirklich erkennbar zeigt, ist in<br />
Burgenlands luftigen Höhen eigentlich<br />
immer etwas los, profitiert doch die<br />
Grenzregion zwischen atlantischer,<br />
mediterraner und kontinentaler Klimazone<br />
von der Tatsache, dass hier Vogelarten<br />
aus praktisch allen Ecken des<br />
Kontinents aufeinandertreffen. Nur logisch,<br />
dass sich das Burgenland in den<br />
letzten Jahren zu einem Treffpunkt der<br />
internationalen Birdwatcher-Gemeinde<br />
entwickelt hat.<br />
Im Mittelpunkt des Interesses steht<br />
natürlich der Nationalpark Neusiedler<br />
See – Seewinkel samt den angrenzenden<br />
Regionen. Während in den Alpen<br />
die Natur noch unter der Schneedecke<br />
liegt, tut sich auf den Feldern<br />
rund um den See jede Menge. Bis zu<br />
35.000 Bläss-, Saat- und Graugänse<br />
bevölkern das Gebiet von November<br />
bis Februar. Zu den Wintergästen zählen<br />
zudem Haubenlerche, Zaunkönig,<br />
Rotkehlchen, Amsel, Wacholderdrossel,<br />
Kohl- und Blaumeise, Raubwürger,<br />
Krähenvögel, Haus- und Feldsperling,<br />
Stieglitz, Kernbeißer, Stockenten,<br />
Großer Brachvogel, Haubentaucher,<br />
Silberreiher, Mäusebussard, Bunt- und<br />
Blutspecht.<br />
42 UniversUm S Spezial 2011<br />
In luftIgen HöHen<br />
Der Himmel über dem Burgenland ist das ganze Jahr über von Hunderten<br />
Vogelarten bevölkert. Neben dem Naturparadies in der Nationalparkregion<br />
Neusiedler See – Seewinkel gibt es weitere faszinierende Biotope zu entdecken.<br />
Im Februar beginnen die ersten Gänsescharen<br />
wieder Richtung Norden abzuziehen.<br />
Ein Teil der Graugänse bleibt<br />
hingegen und beginnt Ende des Monats<br />
zu brüten. Erste frühe Zugvögel<br />
wie Kiebitz und Rotschenkel kommen<br />
an. Bald nach ihnen treffen Entenvögel<br />
ein, etwa Löffel-, Schnatter- und Krickenten.<br />
Gänse- und Zwergsäger verlassen<br />
das Gebiet.<br />
Im März sind die Kiebitze bei ihren<br />
gewagten Balzflügen zu sehen. Konkurrenz<br />
um die Aufmerksamkeit machen<br />
ihnen Rotschenkel, Kampfläufer,<br />
Uferschnepfe, Großer Brachvogel und<br />
Säbelschnäbler. Goldregenpfeifer und<br />
Sandregenpfeifer schauen vorbei und<br />
auf den Wiesen des Hanság beginnen<br />
die Trappen mit ihrer famosen Balz.<br />
Im April gibt’s Sumpfohreule und<br />
Wiesenweihe zu entdecken. Limikolen<br />
kommen an oder ziehen durch. Dazu<br />
gehören Stelzenläufer, Flussregenpfei-<br />
EinE Erkundung von olivEr lEhmann<br />
fer, Alpenstrandläufer, Bekassine, Regenbrachvogel,<br />
Dunkler Wasserläufer,<br />
Grünschenkel und der Bruchwasserläufer.<br />
Gegen Ende des Monats treffen<br />
die meisten Rohrsängerarten, Schwalben<br />
und Neuntöter ein. Nachtigall und<br />
Feldlerche beginnen durch ihren Gesang<br />
aufzufallen.<br />
Im Mai herrscht Hochbetrieb. Jede<br />
Menge Limikolen ziehen durch und<br />
Mitte des Monats kommen die bunten<br />
Bienenfresser aus Afrika an, die ihre<br />
Bruthöhlen in den Lösswänden am<br />
Nordufer des Neusiedler Sees beziehen.<br />
Im Juni ändert sich das Gezwitscher.<br />
Die Jungvögel von Stelzenläufer,<br />
Säbelschnäbler, Flussregenpfeifer,<br />
Seeregenpfeifer, Kiebitz, Uferschnepfe<br />
und Rotschenkel beharren lautstark auf<br />
ihrem Futter. Im Juli fokussiert sich das<br />
Geschehen auf jene Lacken, die noch<br />
Wasser führen. Bei niedrigen Wasserständen<br />
lassen sich größere Ansamm-<br />
Fotos: swarovski optik (1), s. Pollin (1)
Im BlIckfeld<br />
Der paradiesische Bienenfresser beginnt<br />
Mitte Mai zu brüten. Für Birdwatcher<br />
(li.) gibt es im Burgenland das ganze<br />
Jahr über reichlich zu beobachten.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 43
44 UniversUm S Spezial 2011<br />
landeanflug<br />
Ein Silberreiher landet am Neusiedler<br />
See. Er ist gerade im Prachtkleid, deshalb<br />
hat er einen dunklen Schnabel und<br />
gelb-orange Beine im oberen Teil.
Fotos: s. Pollin (3)<br />
lungen von Reihern und Löfflern im<br />
Schilfgürtel des Neusiedler Sees ausmachen.<br />
Die ersten Limikolen bereiten<br />
sich schon auf den Herbstzug vor,<br />
indem sie sich noch einmal so richtig<br />
laben.<br />
Im August sammeln sich Arten wie<br />
Weißstorch und Bienenfresser für den<br />
Wegzug. Die Stare jagen in riesigen<br />
Schwärmen über die Weingärten. Im<br />
September setzt der Herbstzug voll<br />
ein: Säbelschnäbler, Flussregenpfeifer,<br />
Sandregenpfeifer, Goldregenpfeifer,<br />
Kiebitz, Sanderling, Zwergstrandläufer,<br />
Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Bekassine,<br />
Großer Brachvogel, Dunkler<br />
Wasserläufer und Bruchwasserläufer<br />
machen sich auf den Weg ans Mittelmeer<br />
oder weiter nach Afrika.<br />
Die Wintergäste landen<br />
Ab Oktober werden die frei gewordenen<br />
Quartiere von Gänsen und anderen<br />
Wintergästen wie der Kornweihe<br />
bezogen, während die letzten Singvögel<br />
wie die Mehlschwalben, Bachstelzen,<br />
Rotkehlchen und Raubwürger abziehen.<br />
Bis in den Jänner hinein folgen<br />
nordische Greifvögel wie Rauhfußbussard,<br />
Kornweihe, Seeadler, Mäusebussard,<br />
Sperber und Merlin, die allesamt<br />
versuchen, die Dauerwintergäste wie<br />
Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Kohl-,<br />
Blau- und Bartmeise sowie Stockenten<br />
zu bejagen.<br />
Doch der ornithologische Reichtum<br />
ist im Burgenland nicht nur auf den<br />
Neusiedler See beschränkt: Die sechs<br />
Naturparke und andere Schutzregionen<br />
bilden eine Biotop-Kette von großer<br />
ökologischer Bedeutung.<br />
Auf der Parndorfer Platte gilt die<br />
Großtrappen-Population als besonders<br />
relevant. Außerdem bildet die Region<br />
die westliche Verbreitungsgrenze des<br />
Kaiseradlers. Typisch für den Naturpark<br />
Neusiedler See-Leithagebirge<br />
sind die Storchennester mitten in den<br />
Dörfern und Städten. Ab April ertönt<br />
das typische Geklapper, ab Juni recken<br />
sich die Hälse der Jungvögel über den<br />
Rand der Nester, während die Eltern<br />
die Wiesen in der Umgebung nach<br />
Nahrung absuchen. Im nördlichen<br />
Leithagebirge findet sich Österreichs<br />
ErlEbnis | Birding<br />
größte Population an Ziegenmelkern,<br />
dämmerungsaktiven Jägern mit bizarr<br />
langen Barthaaren, die sie zum Aufstöbern<br />
von Insekten benutzen. In den<br />
offenen Flächen der reich strukturierten<br />
Kulturlandschaft finden sich auch<br />
Wachtelkönig, Blutspecht, Heidelerche,<br />
Sperbergrasmücke und Neuntöter.<br />
Im Naturpark Rosalia-Kogelberg<br />
gibt es das größte Vorkommen an<br />
Zwergohreulen in Österreich. Die gezielt<br />
naturnah gepflegten Wälder im<br />
Naturpark Landseer Berge bieten<br />
reichlich Platz für verschiedene Spechtarten.<br />
Der Baumwipfelweg in Althodis<br />
im grenzüberschreitenden Naturpark<br />
Geschriebenstein-Írottkő ermöglicht<br />
auf futtersucHe<br />
Watvögel, wie diese Uferschnepfe (o.),<br />
haben oft einen langen, dünnen Schnabel,<br />
um im Schlick nach Nahrung wie<br />
Würmern und Krebstieren zu suchen.<br />
BrutzeIten<br />
Die Graugänse (Mi.) sind schon Ende<br />
Februar mit der Brut beschäftigt. Der<br />
„Gänsestrich“ rund um den Neusiedler<br />
See ist ein riesiges Spektakel.<br />
gern geseHene gäste<br />
In den Dörfern um den Neusiedler See<br />
bauen die Störche (u.) gerne Nester auf<br />
den Schornsteinen der Häuser. Ab Juni<br />
macht sich Nachwuchs bemerkbar.<br />
das Beobachten der Vögel, ohne sie<br />
dabei zu stören. In den Auwiesen des<br />
Zickenbachs im Naturpark in der Weinidylle<br />
singen, nisten und brüten der<br />
Schlagschwirl und das Braunkehlchen.<br />
Ein Juwel des Südens ist die Willersdorfer<br />
Schlucht zwischen Pinkafeld<br />
und Bad Tatzmannsdorf: Wasseramsel<br />
(die einzige schwimmende Singvogelart!),<br />
Wespenbussard, Schwarzstorch,<br />
Wendehals und Schlagschwirl leben in<br />
dem abgeschiedenen Tal. Im Naturpark<br />
Raab-Orség-Goričko schließlich, am<br />
Dreiländereck Österreich-Ungarn-Slowenien,<br />
ist der Eisvogel zu Hause. An<br />
den Ufern der Raab und entlang der<br />
Lafnitz fängt er seine Beute und zieht<br />
seinen Nachwuchs groß. c<br />
Spezial 2011 s UniversUm 45
Paradies für weinliebhaber<br />
Die Gemeinde Eisenberg im Naturpark<br />
in der Weinidylle ist geprägt von sanft<br />
geschwungenen Weingärten.<br />
46 UniversUm S Spezial 2011<br />
Das Leithagebirge steigt vom<br />
Wiener Becken im Norden<br />
sanft an und fällt zum Neusiedler<br />
See steil ab. Es hat<br />
eine Ausdehnung von 30 Kilometern<br />
Länge und neun Kilometern Breite.<br />
Die höchste Erhebung ist bei der<br />
Kaisereiche mit 443 Metern. Geologisch<br />
gehört das Leithagebirge mit<br />
dem kristallinen Kern und den Kalkschichten<br />
zu den Alpen. Der Leithakalk<br />
wurde aus 16 Millionen Jahre<br />
alten Meeresablagerungen gebildet<br />
und ist ein begehrter Baustein. Der<br />
Römersteinbruch St. Margarethen ist<br />
der bekannteste Steinbruch der Region<br />
und die halbe Wiener Ringstraße<br />
bezog den Stein von den Brüchen des<br />
Leithagebirges.<br />
Eichen und Hainbuchen, Robinien<br />
und Haselnusssträucher geben dem<br />
Wald ein lichtes, südliches Gepräge.<br />
Bei Donnerskirchen gibt es einen<br />
der nördlichsten Edelkastanienwälder.<br />
Auf den Südhängen gedeiht der<br />
Wein und zwischen den Weingärten<br />
Alpen und Pannonien, Geschichte und Gegenwart, Wein und Wasser:<br />
Burgenlands Naturparke präsentieren Kultur- und Naturschätze, die von<br />
engagierten Menschen gepflegt und ideenreich weiterentwickelt werden.
Fotos: RMB/F. Kovacs<br />
wachsen Kirsch- und Mandelbäume.<br />
Jois, Winden, Breitenbrunn, Purbach<br />
und Donnerskirchen liegen zwischen<br />
Leithagebirge und Neusiedler See.<br />
Hier ist die ganze Vielfalt des Burgenlands<br />
auf einem Platz zu erleben. Der<br />
Schilflehrpfad bei Purbach führt zum<br />
See und zeigt Flora und Fauna und<br />
das traditionelle Ernten des Schilfes,<br />
das Trocknen und Bündeln, als das<br />
Rohr vor noch gar nicht allzu langer<br />
Zeit noch zum Decken der Häuser in<br />
Verwendung war.<br />
Die Trockenrasen und Hutweiden,<br />
die zwischen Weingärten und Wald<br />
liegen, bilden eine vielschichtige<br />
Landschaft. Im Frühsommer überzieht<br />
ein bunter Blütenteppich die<br />
extensiv genutzten Wiesenflächen.<br />
Davor aber hüllen die weißen Wolken<br />
der Kirschbaumblüte die Hänge des<br />
Leithagebirges ein. Der Kirschblütenweg<br />
führ von Donnerskirchen bis<br />
zu den Anhöhen des Leithagebirges<br />
und überrascht mit einem Panorama<br />
über den See und tausenden blühen-<br />
Burgenland | Die Naturparke<br />
den Kirschbäumen: Kirschblütenfest<br />
in Japan, Kirschblütenrausch im Burgenland.<br />
Ab Mitte Juni gibt es entlang<br />
des Weges genug Möglichkeiten, von<br />
den Bäumen zu naschen, und die<br />
Kirschmärkte bieten vom Kuchen<br />
bis zur Bowle alle Variationen der<br />
roten Früchte, inklusive Kirschleberstreichwurst<br />
und Kirschnudeln.<br />
Die traditionellen Bauformen des<br />
Burgenlands sind noch in den Dörfern<br />
um Purbach erhalten: Streckhöfe<br />
und Angerplätze, Wehrmauern<br />
das PrinziP Vielfalt<br />
ein Bericht von Mella Waldstein<br />
Spezial 2011 s UniversUm 47
und die Stadel, die einen bäuerlichen<br />
Schutzwall um das Dorf bildeten. Zu<br />
den Leithaabhängen hin laufen die<br />
Dörfer in den Kellergassen aus. Die<br />
Presshäuser sind aus grauem, unverputztem<br />
Bruchstein.<br />
Der 286 Meter hohe Königsberg<br />
im östlichen Leithagebirge ist unbewaldet<br />
– deswegen wird er auch „der<br />
Nackerte“ genannt und bietet freie<br />
Aussicht. Hier kommt man an einer<br />
Höhle vorbei, wo bei Grabungen<br />
Knochenfunde von eiszeitlichen Höhlenbären,<br />
Hyänen und Wölfen freigelegt<br />
wurden. Das vollständige Skelett<br />
eines Höhlenbären befindet sich heute<br />
im Turmmuseum Breitenbrunn. Aufgefundene<br />
Mauerreste lassen vermuten,<br />
dass sich auf Windener Boden<br />
einst ein römisches Lager befunden<br />
48 UniversUm S Spezial 2011<br />
berg und see Blick vom Hackelsberg auf den Welterbe-Naturpark Neusiedler See<br />
Leithagebirge. Mit Glück lässt sich auch ein Nachtpfauenauge (kl. Bild) entdecken.<br />
hat. Auch ein römischer Gutshof wurde<br />
ausgegraben und dabei die älteste<br />
Weinpresse Österreichs gefunden, die<br />
im Burgenländischen Landesmuseum<br />
besichtigt werden kann.<br />
Süße Erdbeeren, saure Brunnen<br />
Irgendwann entstand das Klischee<br />
vom flachen Burgenland. Eben ist<br />
es im Seewinkel, überall sonst sanftes<br />
Gewelle, Hügelgewirr und der<br />
Anlauf zum Mittelgebirge. Die Naturpark-Regionen<br />
beweisen es: Im<br />
Norden das Leithagebirge und das<br />
Rosaliengebirge, im Mittelburgenland<br />
die Landseer Berge und der<br />
Geschriebenstein im Günser Gebirge<br />
zwischen Lockenhaus, Rechnitz und<br />
Köszeg/Ungarn sowie die Weinberge<br />
des Südburgenlands.<br />
Die Rosalia ist der Ausklang der<br />
Buckligen Welt im benachbarten Niederösterreich.<br />
Das Gebirge kam zu<br />
seinem Namen, als auf der höchsten<br />
Erhebung, dem Heuberg (748 m),<br />
eine hölzerne Kapelle zu Ehren der<br />
Pestheiligen Rosalia errichtet wurde.<br />
Der Erzbischof von Gran/Ungarn ließ<br />
einen Steinbau aufstellen. Die Wallfahrer<br />
folgten der Reliquie und verehrten<br />
die Schutzpatronin.<br />
Vom Heuberg sieht man auf die<br />
Burg Forchtenstein hin, ansonsten<br />
sieht man zu ihr hinauf. Aus dieser<br />
Perspektive zeigt die Burg, die sich gewaltig<br />
aus dem Rosaliengebirge hervorschiebt,<br />
ihr wahres Gesicht: Macht<br />
und Schutz. Sie wurde im 13. Jahrhundert<br />
als ungarische Grenzfestung<br />
errichtet und von den Fürsten Ester-<br />
Fotos: RMB/F. Kovacs
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
házy im 17. Jahrhundert als Hochschloss<br />
ausgebaut. Im Inneren wird<br />
das Archiv der Esterházys aufbewahrt<br />
sowie die größte private Sammlung<br />
historischer Waffen.<br />
In den Seitentälern der Rosalia wird<br />
Obstbau betrieben. Forchtenstein ist<br />
bekannt für seine Edelkastanien und<br />
die benachbarte Ortschaft Wiesen<br />
für ihre Erdbeeren. Je weiter östlich<br />
man sich im deutschen Sprachraum<br />
bewegt, umso eher wird die Gartenerdbeere<br />
Ananas genannt. Die Fragaria<br />
ananassa ist die Nutzpflanze, die<br />
aus den Züchtungen von Wildsorten<br />
hervorging. In Wiesen ist der Sitz der<br />
staatlichen Erdbeerversuchsanstalt.<br />
Die Sorten, die ab Hof bzw. ab Feld<br />
verkauft werden, sind vor allem Dasileg,<br />
Cery und Valetta.<br />
In der ersten Hauptstadt des Burgenlands<br />
gibt es viel Zeit für Erholung.<br />
Die Kurgäste gönnen sich<br />
nachmittags Kaffee und Kuchen<br />
und genießen die Beschaulichkeit<br />
des Ortes. Als vor 90 Jahren Teile<br />
von Deutsch-Westungarn beim<br />
Friedensvertrag von Trianon Österreich<br />
zugesprochen wurden, war Bad<br />
Sauerbrunn die erste provisorische<br />
naturPark rosalia-kogelberg Der Naturpark lädt ein zu einem Reitausflug<br />
inmitten von Streuobstwiesen mit Blick auf die Burg Forchtenstein in der Ferne.<br />
Burgenland | Die Naturparke<br />
Pflanzen im see<br />
Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist<br />
der zweitgrößte zusammenhängende<br />
Schilfbestand Europas und vielerorts<br />
reich strukturiert.<br />
Hauptstadt des jungen Burgenlands.<br />
Zwei Gründe waren ausschlaggebend;<br />
erstens die Zugverbindung<br />
nach Wien, zweitens die Unterbringung<br />
von Ämtern in repräsentativen<br />
Gebäuden – den Villen des Kurortes.<br />
Die Bauten liegen entlang der Bahnstrecke<br />
und verteilen sich lose um<br />
den Kurpark. Bad Sauerbrunn ist einer<br />
der ältesten Kurorte des Burgenlands.<br />
Fürst Paul Esterházy ließ 1800<br />
eine Mineralquelle untersuchen und<br />
die Paul-Quelle fassen. 1901 wurde<br />
Sauerbrunn zum Kurort ernannt.<br />
Durch die starke Bruchtektonik am<br />
Ostrand der Alpen bildeten sich im<br />
Burgenland eine Anzahl von Mineral-<br />
und Heilquellen. Die Mineralwasser<br />
des Burgenlandes lassen sich in salinare<br />
Wasser, Schwefelwasser, Kaliwasser,<br />
Säuerlinge und Bitterwasser<br />
einteilen.<br />
Von der Rosalia ist es nicht weit zur<br />
Rose. Im Rosarium von Bad Sauerbrunn<br />
blühen 300 Rosensorten, gruppiert<br />
nach alten Sorten, englischen<br />
Züchtungen und nach Farben. Rosenduft<br />
ist vielleicht der Geruch von<br />
glücklichen Tränen, aber dies zu beschreiben,<br />
bleibt Aufgabe der Dichter.<br />
‚<br />
Im Schatten des Vulkans<br />
Der Naturpark Landseer Berge fällt<br />
in die Kategorie „Hügelgewirr“. Im<br />
Westen baut sich das Wechselmassiv<br />
auf und der Blick Richtung Osten<br />
Spezial 2011 s UniversUm 49
gibt freie Sicht zum Neusiedler See<br />
und nach Pannonien. Dazwischen<br />
liegt ein einsames Waldgebiet und die<br />
Ortschaften reihen sich in der Geländefurche<br />
des Sieggrabens. Ein Teil<br />
des Naturparks liegt in Schwarzenbach<br />
auf niederösterreichischer Seite.<br />
Die Wallanlage des keltischen Fürstensitzes<br />
sowie das Freilichtmuseum<br />
geben Einblick in das Leben im Königtum<br />
Noricum im 2. Jahrhundert<br />
vor Christus.<br />
50 UniversUm S Spezial 2011<br />
die kelten in den bergen Ein Regenbogen spannt sich über den Naturpark Landseer<br />
Berge, wo alljährlich in Schwarzenbach/NÖ die Keltenfürsten Einzug halten. Das<br />
Keltenfest (li.) erweckt scheinbar längst vergangene Zeiten zu neuem Leben.<br />
Die Ruine Landsee gehört ihrer Ausdehnung<br />
nach zu den größten in Mitteleuropa.<br />
Mit einer Pulverexplosion<br />
zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann<br />
ihr Verfall. Ein weiterer Brand<br />
und der Tod des Besitzers Nikolaus<br />
I. Esterházy, genannt „der Prachtliebende“,<br />
zwang seinen Nachfolger zu<br />
drastischen Sparmaßnahmen. Landsee<br />
wurde als Wohnsitz aufgegeben,<br />
die Wehrfunktion verlor ihre Bedeutung.<br />
Für Besucher ist der Wohnturm<br />
als Aussichtsplattform instand gesetzt.<br />
Wanderungen auf den Pauliberg<br />
sind wochentags aus Sicherheitsgründen<br />
nicht möglich. Die Arbeiten im<br />
Basaltsteinbruch verbieten es. Samstag<br />
und Sonntag kann dieser burgenländische<br />
Vulkan erforscht werden. Er<br />
entstand durch die Alpenbildung, als<br />
sich die afrikanische Kontinentplatte<br />
unter die europäische schob. Im Stein-<br />
bruch wird Basalt für Bauwirtschaft<br />
und Straßenbau abgebaut. Basalt<br />
entsteht, wenn dünnflüssiges Magma<br />
durch die Erdoberfläche dringt. Tritt<br />
dieses Ergussgestein aus und rollt auf<br />
einer schiefen Fläche ab, so bilden<br />
sich Basaltkugeln, so wie sie hier im<br />
Burgenland zu sehen sind.<br />
Handwerkstechniken, Baumaterialien,<br />
Schornsteinbau, der burgenländische<br />
Maurer und Pendler sowie die<br />
Frau am Bau: Das „museum für baukultur“<br />
in Neutal zeigt, wie spannend<br />
die Geschichte der Lebenswelten aufbereitet<br />
werden kann.<br />
Geschichte verdichtet sich auch in<br />
Kobersdorf. Das Renaissanceschloss<br />
mit seinen markanten Rundtürmen<br />
ist bei den sommerlichen Schloss-<br />
Spielen zugänglich. Gegenüber steht<br />
die Synagoge. Nach der Schlacht von<br />
Mohács gegen die Türken fanden<br />
Fotos: RMB/F. Kovacs
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
Juden aus Ödenburg/Sopron im Jahre<br />
1526 Zuflucht in Kobersdorf und<br />
siedelten rund um das Schloss. Die<br />
jüdische Gemeinde gehört zu den<br />
„Siebengemeinden“ im Bereich der<br />
Esterházyschen Herrschaft. Die Inneneinrichtung<br />
der im historistischen<br />
Stil erbauten Synagoge wurde 1938<br />
von Nationalsozialisten zerstört. Dass<br />
das Gebäude nicht niedergebrannt<br />
wurde, war dem Holzschindeldach des<br />
Schlosses zu verdanken – man fürchtete,<br />
dass es Feuer fangen könnte.<br />
„Kultur im Tempel“ nennt sich<br />
die Veranstaltungsreihe in der Synagoge.<br />
Der jüdische Friedhof liegt am<br />
Ortsrand von Kobersdorf mit seinen<br />
schiefen Grabsteinen zwischen alten,<br />
hohen Bäumen.<br />
Die Hände sind schwarz und die<br />
Nase ist es auch schon und endlich<br />
darf richtig in der Erde gewühlt werden:<br />
Kinder beim Erforschen von<br />
Insekten. Wenn keine Schule ist, sondern<br />
eine Vogelstimmenwanderung<br />
inklusive Sonnenaufgang, macht<br />
Frühaufstehen Spaß. Eine Tour durch<br />
den Naturpark mit Hilfe eines GPS-<br />
Navigationsgeräts vereint technikaffine<br />
Kinder und naturliebende Eltern.<br />
Dies sind Beispiele aus dem Angebot<br />
des Naturparks, die für viele stehen<br />
und insbesondere Familien und<br />
Schulklassen ansprechen. „Der Natur<br />
auf der Spur“ ist auch das moderne<br />
Naturvermittlungsmuseum im Renaissanceschloss<br />
Lackenbach.<br />
Die Alpen sagen Ade<br />
Im Herbst brennt der Geschriebenstein.<br />
Lichterloh flammt das Laub<br />
der ausgedehnten Buchenwälder.<br />
Er ist der höchste Berg (884 Meter)<br />
des Burgenlandes und Westungarns.<br />
naturPark geschriebenstein<br />
Die Aussichtswarte des Geschriebensteins<br />
(re.) lockt genauso wie Burg<br />
Lockenhaus (u.), die letzte echte<br />
Ritterburg des Burgenlands.<br />
Burgenland | Die Naturparke<br />
Das Günser Gebirge ist der östlichste<br />
Ausläufer der Alpen und erstreckt<br />
sich im burgenländisch-ungarischen<br />
Grenzgebiet. Genau an der Grenze<br />
steht die steinerne Aussichtswarte des<br />
Geschriebensteins. Die Grenzlinie des<br />
Eisernen Vorhangs ist auch 20 Jahre<br />
nach dem Zusammenbruch des kommunistischen<br />
Regimes von der Aussichtswarte<br />
zu sehen: Dort, wo der<br />
Stacheldrahtzaun verlief, ist ein junger<br />
Spezial 2011 s UniversUm 51
aktuell | story<br />
Vegetationsstreifen nachgewachsen<br />
und hebt sich deutlich von den Altbaumbeständen<br />
des übrigen Waldgebietes<br />
ab.<br />
Der grenzüberschreitende Naturpark<br />
war der erste im Burgenland und<br />
ist flächenmäßig der zweitgrößte nach<br />
dem Naturpark Raab. 500 Kilometer<br />
Waldwege durchziehen die Buchen-<br />
und Eichenwälder, begleiten Bachläufe<br />
und führen an Orten vorbei, wo<br />
sich Relikte von längst vergangenem<br />
Handwerk finden. In den Wäldern<br />
lebten Köhler, die „das Feuer regierten“.<br />
Bei Unterkohlstätten steigt<br />
der Rauch eines Kohlenmeilers nach<br />
wie vor auf. Es riecht scharf und beißend.<br />
Die Kunst des Köhlers besteht<br />
im Aufschichten der Holzscheiter im<br />
Meiler und in deren kontrolliertem<br />
Brand. Weder darf das Holz in Flammen<br />
aufgehen, noch darf das Feuer im<br />
Inneren ersticken. Das Holz wird grün<br />
geschichtet und vor dem „Schwarzmachen“<br />
muss der Meiler luftdicht<br />
abgeschlossen sein. Ist das Holz auf-<br />
52 UniversUm S Spezial 2011<br />
geschichtet, wird der Meiler mit Reisig<br />
und Erde abgedeckt. Dann wird er befeuert<br />
und brennt und glost über Tage<br />
vor sich hin. Ist der Meiler „schwarz“,<br />
muss er auskühlen. Abschließend wird<br />
er abgetragen und die dunkel glänzende<br />
Holzkohle nach Größe sortiert.<br />
Ebenfalls im Gemeindegebiet von<br />
Unterkohlstätten wurde ein Kalkofen<br />
revitalisiert. Die so genannten Feldöfen<br />
wurden von Bauern betrieben. In<br />
ihnen wurde der Kalkstein zu Baukalk<br />
gebrannt, der einerseits für den Eigenbedarf<br />
diente, andererseits in der<br />
Stadt verkauft wurde.<br />
Das Stiefelmachen hatte hier Tradition,<br />
da es in dieser Region viele k.u.k.-<br />
Garnisonen gab und die Offiziere<br />
Schuhwerk anfertigen ließen. Die museale<br />
Werkstatt eines Stiefelmachers,<br />
ungarisch „Csizmenmacher“ genannt,<br />
ist im Gemeindeamt Rechnitz aufgestellt<br />
und wird von Schuhmachermeister<br />
Julius Koch betreut.<br />
Der Besuch des Kreuzstadels bei<br />
Rechnitz sollte Pflicht sein. Hier wur-<br />
den knapp vor Kriegsende auf zynischste<br />
und menschenverachtendste<br />
Weise 180 ungarische Juden erschossen.<br />
Ihre Gräber wurden bis heute<br />
nicht gefunden.<br />
Hubert Reschl, Trafikant aus Rechnitz,<br />
ist ein rühriger Mensch. Auf sein<br />
Betreiben wurde im benachbarten<br />
Markt Neuhodis die alte Wallnermühle<br />
revitalisiert. Vom Korn, das beim<br />
Bauern geholt wird, bis zum duftenden<br />
Brot können die Besucher alle<br />
Arbeitsschritte begleiten und selbst<br />
mitarbeiten. Da Hubert Reschl Rollstuhlfahrer<br />
ist, war es ihm ein Anliegen,<br />
die Mühle barrierefrei umzugestalten.<br />
Dieser Erfolg war Anstoß für<br />
ein weiteres barrierefreies Projekt: den<br />
Baumwipfelweg. Ohne Stufen und<br />
eben führt er bis in die Höhe von 22<br />
Metern, wo die Besucher unbekannte<br />
Einblicke in die Wipfel nehmen können,<br />
in denen Vögel, Fledermäuse,<br />
Heuschrecken und Hirschkäfer leben.<br />
Für Sehbehinderte wurden lebensgroße<br />
Holzmodelle der Tiere der heimi
Fotos: RMB/F. Kovacs<br />
schen Wälder aufgestellt, um sie ertasten<br />
zu können. Selbstverständlich sind<br />
die Informationstafeln auch in Brailleschrift<br />
gestaltet und via MP3-Player<br />
abhörbar.<br />
Kulturelles Zentrum der Günser<br />
Region ist die ungarische Stadt<br />
Köszeg/Güns: eine Stadtmauer, ein<br />
Schloss, fünf Kirchen, Bürgerhäuser<br />
mit reichem Fassadenschmuck und in<br />
jedem zweiten Hof lockt ein Buschenschank.<br />
Wenn täglich um 11 Uhr die<br />
Kirchenglocken läuten, so gehen die<br />
Uhren von Köszeg nicht falsch, sondern<br />
erinnern bis heute daran, dass im<br />
Jahre 1532 die Stadt 19 Angriffe des<br />
türkischen Heeres abwehrte und die<br />
Janitscharen nach erfolgloser Belagerung<br />
abzogen – um 11 Uhr.<br />
Naturpark in der Weinidylle<br />
Wo ist der Wein? Rundum nur Idylle.<br />
Die Weinberge verstecken sich. Der<br />
Weg zu ihnen führt durch Mischwälder<br />
und erst auf den Hügelkuppen<br />
breiten sich Weingärten wie Fleckerlteppiche<br />
aus. Die Wälder auf den<br />
Nord- und Westseiten der Weinhügel<br />
bieten Schutz gegen die kalten Nordwinde.<br />
Die Hügelkuppen sind gespickt<br />
mit Kellerstöckln. Davor liegen ganz<br />
kleine Weingärten, manchmal nur<br />
vier Zeilen breit. Auch die Kellerstöckl<br />
sind schmalbrüstig, dafür mit<br />
liebevollen Holzverzierungen herausgeputzt.<br />
Bekannt ist der Eisenberg, dicht an<br />
der Grenze zu Ungarn, ein Geheimtipp<br />
der Csaterberg bei Kohfidisch.<br />
Inseln im Waldmeer sind auch die<br />
Weingärten von Deutsch und Kroatisch<br />
Ehrensdorf. Im Kellerviertel<br />
von Heiligenbrunn sind die Presshäuser<br />
mit Stroh gedeckt. Auf den<br />
Schattseiten wächst Moos auf dem<br />
Dach und das Laub der Nussbäume<br />
verströmt seinen herben Duft. Über<br />
100 Keller dieses fast komplett erhaltenen<br />
Kellerensembles stehen unter<br />
Denkmalschutz.<br />
Hier ist die Heimat des Uhudlers.<br />
Er hat zwar ein typisches Erdbeeraroma,<br />
aber eine schlechte Nachrede.<br />
Lange Zeit war er behördlich verbo-<br />
ten. Die Geschichte des Uhudlers<br />
beginnt im 19. Jahrhundert, als Mehltau,<br />
Pilzerkrankungen und zuletzt die<br />
Reblaus zu Zerstörungen der Weinkulturen<br />
führten. Amerikanische Rebsorten<br />
zeigten sich resistent gegenüber<br />
der Reblaus. So wurden solche Sorten<br />
als Unterlagsreben verwendet, die mit<br />
den klassischen europäischen Sorten<br />
veredelt wurden. Kleine Weinbauern,<br />
die nur für den Eigengebrauch<br />
produzierten, konnten sich auf diese<br />
Umstellung nicht einlassen. Die amerikanischen<br />
Sorten wurden unveredelt<br />
angebaut. In der Region um Heiligenbrunn<br />
wird dieser Direktträgerwein,<br />
der vor allem aus den Sorten Isabella,<br />
Noah, Ripatella, Delaware und Othello<br />
besteht, als Uhudler bezeichnet.<br />
naturPark in der weinidylle<br />
Nach einer Kutschenfahrt durch das<br />
denkmalgeschützte Kellerviertel in<br />
Heiligenbrunn (li.) schmeckt ein<br />
edler Tropfen noch einmal so gut.<br />
Hatte man zu viel davon konsumiert,<br />
schimpfte die Frau zu Hause „... und<br />
schaun tuast wia a Uhu!“ So bekam<br />
der Uhudler seinen Namen. Bereits ab<br />
1930 wurden die Direktträgerweine<br />
verboten, manche Weingärten mussten<br />
sogar gerodet werden. Trotzdem<br />
wurde der Wein weiterhin erzeugt und<br />
mit Leidenschaft getrunken. Seit 1992<br />
ist die Produktion und der Vertrieb des<br />
Uhudlers wieder erlaubt und der Wein<br />
als regionale Spezialität zugelassen.<br />
Die Pinka schlängelt sich entlang<br />
der Grenze, einmal auf dieser, dann<br />
wieder auf jener Seite. Außerhalb des<br />
Burgenland | Die Naturparke<br />
schönen Weinortes Deutsch-Schützen<br />
steht auf grüner Wiese eine halbe<br />
Kirche. Der Bau verfiel ab dem 18.<br />
Jahrhundert. Turm und Kirchenschiff<br />
wurden abgetragen, es blieb der Altarraum<br />
stehen. Hie und da sieht man am<br />
Wegrand Kreuze jüngeren Datums<br />
stehen. Die „Amerikakreuze“ wurden<br />
von in die USA ausgewanderten Burgenländern<br />
und Burgenländerinnen<br />
gestiftet. Die große Geschichte, die<br />
sich im Kleinen widerspiegelt, erzählt<br />
das Burgenländische Geschichte(n)haus<br />
am Dorfplatz von Bildein: vom<br />
Werden des Burgenlandes, von Krieg<br />
und Vertreibung, von der Auslöschung<br />
der jüdischen Kultur, von Roma,<br />
Kroa ten, Ungarn, von der Grenze,<br />
Wirtschaftswundern, von Pendlerleben<br />
und Grenzöffnung.<br />
Nach Strem öffnet sich der Wald<br />
und weicht einer Wiesenlandschaft.<br />
Es sind die größten noch erhaltenen<br />
Feuchtwiesengebiete des Burgenlandes.<br />
Diese Flächen sind Heimat und<br />
Rückzugsgebiet vieler seltener und<br />
einzigartiger Pflanzen- und Tierarten.<br />
Da diese Wiesen nicht sehr ergiebig<br />
sind, sind die Arten immer noch akut<br />
bedroht. Wenn die Flächen nicht regelmäßig<br />
gemäht werden, wachsen sie<br />
mit Büschen und Bäumen zu und verschwinden.<br />
In der Ferne ist Güssing mit der<br />
Burgruine auf einem weiteren Ex-Vulkan<br />
zu sehen. Die Stadt ist mit dem<br />
„Energy Globe Award“ ausgezeichnet<br />
und innovative Einrichtungen forschen<br />
an Umwelttechnologien und<br />
produzieren erneuerbare Energie. c<br />
Über den Naturpark Raab-Örség-Goric ˇko<br />
lesen Sie bitte auf Seite 60<br />
naturParke im internet<br />
Neusiedler See Leithagebirge:<br />
www.neusiedlersee-leithagebirge.at<br />
Rosalia-Kogelberg: www.rosalia-region.at<br />
Geschriebenstein-Irottkö:<br />
www.naturpark-geschriebenstein.at<br />
Landseer Berge: www.landseer-berge.at<br />
Naturpark in der Weinidylle: www.naturpark.at<br />
Raab-Örség-Goric ˇko: www.naturpark-raab.at<br />
Alle Infos auch auf: www.burgenland.info<br />
Spezial 2011 s UniversUm 53
Aktuell | Story<br />
Lebensräume<br />
des burgenLands ein Überblick von christine sonvillA<br />
54 UniversUm S Spezial 2011<br />
LebensqueLL see<br />
Wer ans Burgenland denkt, denkt automatisch auch an den<br />
Neusiedler See. Der größte See Österreichs ist ein Steppensee,<br />
gespeist von Niederschlägen und an keiner Stelle tiefer als 1,80<br />
Meter. Rund um den See erstreckt sich ein mächtiger Schilfgürtel,<br />
der zweitgrößte zusammenhängende Schilfbestand<br />
Europas. Obwohl hier eine Pflanzenart dominiert, büßt dieser<br />
Lebensraum nichts an Attraktivität ein. Freies Wasser, enge<br />
Kanäle und Schilf unterschiedlichen Alters wechseln sich ab<br />
und locken eine Unzahl von Tieren an. Besonders bedeutend<br />
ist der Schilfgürtel für die Vogelwelt. Ein reiches Angebot an<br />
Brut-, Rast- und Nahrungsplätzen wartet auf brütende,<br />
durchziehende und überwinternde Vögel.<br />
Feuchte Wiesen<br />
Lange Zeit war es üblich, Feuchtgebiete einfach trocken zu<br />
legen. Heute wird vielerorts umgedacht und der Wert wasserbeeinflusster<br />
Ökosysteme anerkannt. Im Südburgenland gibt<br />
es noch ausgedehnte Feuchtlandschaften, wie die Stremtalwiesen<br />
entlang des gleichnamigen Flusses. Die staunassen Böden<br />
bringen Prachtnelken, Lungenenzian und andere botanische<br />
Raritäten hervor. Auch das selten gewordene Pfeifengras findet<br />
sich hier noch und bildet im Herbst leuchtend gelbe Horste.<br />
Einst wurden diese im Herbst geschnitten und als Einstreu<br />
im Viehstall verwendet. Neue Techniken kommen auch ohne<br />
Einstreu aus, dadurch ging die extensive Bewirtschaftung der<br />
Feuchtwiesen zurück und mit ihr das Pfeifengras.<br />
Das kleine Burgenland<br />
bietet von nass bis trocken<br />
eine erstaunliche Bandbreite<br />
an Lebensräumen.
FotoS: Popp & Hackner (1), RMB/F. Kovacs (1), Naturschutzbund (1), Bildagentur Waldhäusl (1), S. Pollin (1)<br />
trockener boden<br />
nAtur | Lebensräume<br />
Sowohl im Nord- als auch im Südburgenland gibt es san digen,<br />
schottrigen oder felsigen Untergrund. Niederschläge versickern<br />
rasch in diesem lockeren Boden, der von Wind und Sonne<br />
zusätzlich ausgetrocknet wird. Und dennoch konnte eine<br />
speziell angepasste Vegetation auf diesen Böden Fuß fassen<br />
und den Lebensraum der Trockenrasen schaffen. Trockenresistente<br />
Horstgräser, Pflanzen, die rasch blühen und fruchten<br />
oder über Wasserspeicher verfügen, kommen mit diesen Bedingungen<br />
klar. Große Teile dieser Gebiete, wie auch die Parndorfer<br />
Heide oder der südburgenländische Galgenberg bei<br />
Rechnitz, sind geprägt durch jahrhundertelange Beweidung.<br />
Wenn diese wegfällt, verbuschen die Trockenrasen zusehends<br />
und eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt verschwindet.<br />
urige WäLder<br />
Wer hätte angenommen, dass die Parndorfer Platte ursprünglich<br />
mit Flaumeichen bestanden war? Große Teile des Nord-<br />
und Mittelburgenlands waren einst von wärmeliebenden<br />
Eichenwäldern und Eichen-Hainbuchenwäldern bedeckt. Aufgrund<br />
der Nutzbarmachung von ehemaligen Waldflächen für<br />
landwirtschaftliche Zwecke blieb von den urigen Wäldern aber<br />
nicht viel übrig. In Form von Schutzgebieten und Naturwaldreservaten<br />
sind einige dieser Lebensräume annähernd erhalten<br />
geblieben, wie zum Beispiel der Zurndorfer Eichenwald am<br />
nordöstlichen Rand der Parndorfer Platte. In anderen Wäldern,<br />
wie dem Kreutzerwald bei Deutschkreutz, stellt sich durch die<br />
Schutzmaßnahmen langsam wieder die natürliche Dynamik<br />
des Waldes ein.<br />
saLzige standorte<br />
Das Gebiet rund um den Neusiedler See ist umgeben von<br />
pannonischen Salzsteppen und Salzwiesen. Extreme Temperaturen<br />
und die sengende Sonne bewirken hohe und rasche Verdunstung,<br />
wodurch das Grundwasser an die Bodenoberfläche<br />
getrieben wird und die oberen Bodenschichten sich mit Salzen<br />
anreichern. Trockene Sandwiesen kommen neben feuchten<br />
vor. Salzlacken trocknen im Sommer oft ganz aus und hinterlassen<br />
dann eine als Salzpfanne bezeichnete Salzkruste. An<br />
solch extremen Standorten vermögen nur die spezialisiertesten<br />
Pflanzen- und Tierarten zu überleben. Pflanzen wie Queller,<br />
Salzmelde oder Pannonische Salzaster (li.) schaffen wiederum<br />
Lebensraum für so manche Insektenart, die ausschließlich<br />
im Seewinkel beheimatet ist.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 55
ErlEbnis | Wandern<br />
hoch und nieder<br />
Der Pauliberg (li.) im Naturpark<br />
Landseer Berge zählt zu den höchsten<br />
Bergen des Burgenlands.<br />
Im Nordburgenland wandert es<br />
sich dagegen flach.<br />
W<br />
eit ist das Land und die<br />
Wege zum Wandern sind<br />
es auch: Vom Leithagebirge<br />
bis in die sanft hügelige<br />
Landschaft des Südburgenlands findet<br />
sich für jeden Wandergeschmack<br />
und (fast) jeden Schwierigkeitsgrad<br />
das Richtige.<br />
Das Burgendland ist ein Wanderland<br />
erster Güteklasse und wer seine<br />
Wege geht, kann hier allerhand entdecken.<br />
Wandern wir los:<br />
Der entspannende Norden<br />
Vor allem Familien und Genusswanderer<br />
profitieren von den ebenen Gebieten<br />
im Nordburgenland, das vor<br />
allem im Seewinkel eine unglaubliche<br />
Vielfalt an Flora und Fauna bietet.<br />
Von der Parndorfer Platte kommend<br />
bietet sich zum Beispiel ein Besuch<br />
auf den Zitzmannsdorfer Wiesen<br />
nahe Weiden an, der größten Wiese<br />
und dem ältesten Schutzgebiet des<br />
Burgenlands. Von Weiden ausgehend<br />
lässt sich der gemütliche Rundweg<br />
(11 Kilometer) durch das Naturschutzgebiet<br />
in rund 3,5 Stunden bewältigen.<br />
Kiebitz, Bienenfresser und<br />
Wiedehopf sind hier vor allem im<br />
56 UniversUm S Spezial 2011<br />
Frühling zu entdecken. Zwei Beobachtungstürme<br />
bieten Ausblick und<br />
Informationstafeln stellen die pannonische<br />
Wiese vor. Wer noch andere<br />
Wanderziele im Nationalpark Neusiedler<br />
See – Seewinkel kennenlernen<br />
möchte, sollte dem Informationszentrum<br />
in Illmitz einen Besuch abstatten,<br />
um sich mit Routenvorschlägen<br />
und Karten einzudecken. Eine mögliche<br />
Tour führt von der Zicklacke,<br />
vorbei an Unter und Oberstinkersee<br />
in Richtung Hölle.<br />
Eigentlich verdient die schöne<br />
Landschaft sympathischere Namen.<br />
Und das Gasthaus „Zur Hölle“<br />
hat auch nichts mit Dreizack und<br />
Klumpfuß zu tun, vielmehr erfreut<br />
es sich als Einkehrort großer Beliebtheit.<br />
Zurück geht es zum Beispiel am<br />
natürlichen Sanddamm entlang des<br />
Ufers des Neusiedler Sees, vorbei am<br />
Weidegebiet der PrzewalskiPferde<br />
in Richtung Biologische Station. Der<br />
gesamte Rundweg (15 Kilometer) ist<br />
gut beschildert. Viele Tierarten haben<br />
sich mittlerweile an die menschlichen<br />
Besucher gewöhnt und lassen sich<br />
– vor allem durchs Fernglas – gerne<br />
beobachten. Vogelliebhaber kommen<br />
in allen Teilen des Nationalparks auf<br />
ihre Kosten.<br />
Über Stock und Stein<br />
Von der Ebene geht es ein Stück weiter<br />
hinauf in die Region Rosalia und<br />
ins Leithagebirge. Auf durchschnittlich<br />
400 Meter Seehöhe kommen<br />
diese letzten Ausläufer der Alpen,<br />
einzelne Kuppen wie die FranzJosefsWarte<br />
(443 Meter) oder der Sonnenberg<br />
(484 Meter) ragen noch darüber<br />
hinaus. Zwar sind die Anstiege<br />
beschwerlicher, der schöne Ausblick<br />
zum Beispiel von der Aussichtswarte<br />
Sonnenberg belohnt die Mühe aber.<br />
Die Berge werden höher. Rosalien<br />
und Ödenburger Gebirge bilden<br />
den Übergang zum Mittelburgenland.<br />
Rund um das Oberpullendorfer<br />
Becken finden sich im Günser und<br />
Landseer Gebirge die höchsten Gipfel<br />
des Burgenlands: der Pauliberg (rund<br />
750 Meter), der auch heute noch für<br />
den Abbau von Basaltsplitt genutzt<br />
wird, und der Geschriebenstein, der<br />
mit 884 Meter den Höhenrekord hält.<br />
Vor allem im Naturpark Geschriebenstein<br />
wandert es sich auf gut markierten<br />
Wegen trotz der Höhenme<br />
Fotos: RMB/F. Kovacs (1), steveHaider.com (1)
Wunderbar Wanderbar<br />
Ein ÜbErblick von barbara WakolbingEr.<br />
Wer das Burgenland richtig kennenlernen will, geht am besten zu Fuß.<br />
Wandern vom Neusiedler See bis nach Jennersdorf.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 57
aktuEll | story<br />
schöne perspeKtiven<br />
Auf Wanderwegen durch den Naturpark<br />
Rosalia-Kogelberg erblicken Wanderer<br />
die Burg Forchtenstein.<br />
ter bequem – festes Schuhwerk sind<br />
hier allerdings Voraussetzung. Wer es<br />
bis nach Rechnitz geschafft hat, sollte<br />
die Gelegenheit nutzen und auch<br />
gleich den Wein und Jagdlehrpfad im<br />
„Weingebirge“ besuchen.<br />
Die Landschaft im Südburgenland<br />
ist geprägt von langgezogenen schmalen<br />
Hügelrücken, den Riedel. In der<br />
Nähe von Güssing wartet der ClusiusNaturlehrpfad<br />
auf wissbegierige<br />
Wanderer. Auf einem rund drei Kilometer<br />
langen Strecke geht es um den<br />
LimbachStausee herum. Folgt man<br />
der nahegelegenen Strem ein Stück,<br />
verschlägt es einen in die Gegend um<br />
58 UniversUm S Spezial 2011<br />
mat des Uhudlers. Ein gemütlicher<br />
Wanderspaziergang, der mit einem<br />
schmackhaften Gläschen Wein abgerundet<br />
werden darf. Den südlichsten<br />
Winkel des Burgenlands erforschen<br />
Wanderer am besten im DreiLänder<br />
Naturpark RaabÖrségGoričko an<br />
der Grenze zu Ungarn und Slowenien.<br />
Der Park punktet vor allem mit vielen<br />
unterschiedlichen Lehrpfaden: Vom<br />
Naturlehrpfad „Lebensweg“ (2,5 Kilometer),<br />
der ökologische Kreisläufe<br />
erklärt, bis hin zum kinderfreundlichen<br />
Apfelweg (3,8 Kilometer), wo<br />
beim Apfelquiz als Belohnung erfrischender<br />
Apfelmost winkt.<br />
Semmering quer durch das Burgenland<br />
bis nach Ungarn erstreckt sich<br />
ein über 120 Kilometer langes Wandernetz.<br />
Aus allen wichtigen Orten<br />
entlang der Strecke gibt es Zubringerwege,<br />
viele Sehenswürdigkeiten<br />
und Naturschönheiten sind in den<br />
Weg eingebunden. Die Schwierigkeitsstufe<br />
ist durchgehend leicht bis<br />
mittel. Damit ist der alpannonia © <br />
Weg auch bestens für Familien geeignet.<br />
Ausgangspunkte der Hauptstrecke<br />
sind Fischbach in der Steiermark<br />
oder der Semmering, von wo es über<br />
Niederösterreich ins Burgenland<br />
geht. Endpunkt der Strecke ist die<br />
ungarische Kleinstadt Köszeg, zwei<br />
Kilometer hinter der Grenze. Der<br />
alpannonia © Weg ist zu allen Jahreszeiten<br />
ein Erlebnis: Rucksack packen,<br />
Querfeldein<br />
Wer das Burgenland in seiner Gesamtheit<br />
genießen und kennenlernen<br />
möchte, dem sei der alpannonia Schuhe schnüren und das Burgenland<br />
ergehen. c<br />
© (1) Kovacs RMB/F. (1), tourismus<br />
<br />
Burgendland<br />
Heiligenbrunn und damit in die Hei Weitwanderweg ans Herz gelegt. Vom<br />
Fotos:<br />
am baumWipfelWeg<br />
Der Baumwipfelweg Althodis steht auf<br />
elf Türmen, die bis zu 20 Meter hoch<br />
sind. Der Wanderer geht wischen den<br />
Kronen der Bäume durch und kann so<br />
die Natur ganz neu entdecken.<br />
Wanderinfos und Karten finden sie hier:<br />
www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at<br />
www.neusiedlersee-leithagebirge.at<br />
www.naturpark-geschriebenstein.at<br />
www.naturparkraab.at<br />
www.alpannonia.at<br />
www.burgenland.info
DAS BURGENLAND<br />
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Sie den pannonischen Sonnenuntergang bei einem<br />
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roten oder süßen Lieblingsweine direkt mit Ihrem Winzer.<br />
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Grenzenlos | Naturpark Raab<br />
Grenzenlos<br />
Die einst bedrohliche Grenzlinie mit dem Eisernen Vorhang ist heute eine barrierefreie<br />
Binnengrenze inmitten der EU. Und nicht selten ein grenzüberschreitendes<br />
Landschaftsschutzgebiet, wie z. B. beim trilateralen Naturpark Raab-Örség-Goric ˇko.<br />
60 UniversUm S Spezial 2011<br />
ein Bericht von Peter KroBath<br />
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX
Fotos: RMB/F. Kovacs<br />
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
Als ich als 19-Jähriger von<br />
Wien nach Klagenfurt reiste,<br />
zu Fuß, in einem großen<br />
Bogen, also über das Burgenland,<br />
wurde ich eines Tages beinahe<br />
erschossen. Zumindest glaubte<br />
ich das damals. An einem Waldrand<br />
hatte mich eine alte Frau eindringlich<br />
gewarnt, ich solle aufpassen, dass ich<br />
auf meinem Weg nicht zu weit nach<br />
links gerate, weil dort die ungarische<br />
Grenze liege und mich die ungarischen<br />
Wachsoldaten sofort erschießen<br />
würden, ungefragt. Ich nahm mir ihre<br />
Angst zu Herzen und hielt mich so<br />
weit rechts, dass ich nach einer Stunde<br />
an einer Stelle aus dem Wald trat,<br />
der keine hundert Meter von meinem<br />
Eintritt entfernt lag. Die ungarische<br />
Grenze blieb mir als unheimliche Bedrohung<br />
in Erinnerung.<br />
Auch wenn die Todesgefahr der<br />
Sperranlage mit ihrem Minengürtel<br />
nur für Flüchtlinge aus dem Osten<br />
und nicht für österreichische Wanderer<br />
real war, der Eiserne Vorhang prägte<br />
das Lebensgefühl auf beiden Seiten.<br />
Für vier Jahrzehnte war er das Ende<br />
der Welt, zumindest der jeweils eigenen.<br />
Mit einer historischen Ausnah-<br />
Grenzenlos | | Naturpark Raab<br />
naturpark Blick<br />
Vom Stadelberg an der slowenischen<br />
Grenze eröffnet sich der Blick auf den<br />
burgenländischen Teil des Dreiländer-<br />
Naturparks.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 61
Grenzenlos | Naturpark Raab<br />
in Gedenken<br />
Am Friedensweg in Mogersdorf erinnert ein Mahnmal<br />
(o.li) an die vielen Opfer der Türkenschlacht von 1664.<br />
alte Gemäuer<br />
Die Burgruine Neuhaus am Klausenbach (o. re.) ist ein<br />
beliebtes Wanderziel. Ein Burggeist soll hier umgehen.<br />
me: 1956, in einer Tauwetterperiode<br />
nach dem Tod Stalins, wurde der Stacheldraht<br />
erstmals entfernt und nach<br />
der Niederschlagung des ungarischen<br />
Volksaufstandes flüchteten Zehntausende<br />
Ungarn über die Grenze in den<br />
Westen ins Burgenland, etwa über die<br />
legendäre Brücke von Andau.<br />
Vom Wach- zum Aussichtsturm<br />
1957 wurde der nächste, noch massivere<br />
Eiserne Vorhang errichtet und<br />
fiel erst im Sommer 1989. Hunderte<br />
62 UniversUm S Spezial 2011<br />
drei länder vereint<br />
Eine Steinskulptur (re.) markiert das Dreiländereck<br />
zwischen Österreich, Ungarn und Slowenien.<br />
statteten dem Burgenland einen spontanen<br />
Besuch ab und kehrten nicht<br />
mehr zurück. Am 11. September wurde<br />
es dann offiziell: Ungarn kündigte<br />
einseitig das Reiseverkehrsabkommen<br />
mit der DDR. Es war der Anfang vom<br />
Ende des kommunistischen Regimes<br />
im damaligen Ostblock. Mittlerweile<br />
ist die einst bedrohliche Grenzlinie<br />
eine Binnengrenze inmitten der Europäischen<br />
Union, ohne Barrieren, ohne<br />
Kontrollen und – laut Artikel 20 des<br />
Schengener Grenzkodex – an jeder<br />
Stelle frei zu übertreten oder zu über-<br />
schwimmen. Die Mitnahme eines gültigen<br />
Reisepasses oder Personalausweises<br />
ist dennoch weiterhin notwendig.<br />
Die 397 Kilometer lange Staatsgrenze,<br />
die das Burgenland zum<br />
Großteil mit Ungarn, zu kleinen Teilen<br />
auch mit Slowenien und der Slowakei<br />
teilt, ist heute also eine grüne Grenze,<br />
und das nicht nur metaphorisch.<br />
Jahrzehntelang von Menschen weitgehend<br />
gemieden, wurde der Grenzstreifen<br />
eine wichtige Zufluchtsstätte<br />
für Pflanzen und Tiere. Kein Wunder<br />
also, wenn nun auch so manches<br />
DDR-Bürger nutzten die Gelegenheit, Fotos: RMB/F. Kovacs
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
Landschaftsschutzgebiet grenzübergreifend<br />
ist. Zum Beispiel der Naturpark<br />
Geschriebenstein-Írottkő.<br />
Am Geschriebenstein selbst, mit 884<br />
Metern übrigens der höchste Berg<br />
des flachsten Bundeslandes der Alpenrepublik,<br />
steht ein alter steinerner<br />
Aussichtsturm, der sich direkt auf der<br />
Staatsgrenze befindet, so dass man<br />
beim Treppensteigen angeblich ständig<br />
zwischen der österreichischen und<br />
der ungarischen Seite wechselt. Übrigens:<br />
Auch so manch ein Grenzwachturm<br />
des Eisernen Vorhangs dient<br />
heute als Aussichtsturm für Touristen.<br />
Mit der Region Fertő – Neusiedler<br />
See teilen sich Österreich und Ungarn<br />
sogar ein gemeinsames Welterbe.<br />
Im Dezember 2001 wurde die Landschaft<br />
des Neusiedler Sees mit ihren<br />
Ortschaften, Kulturgütern und Naturwerten<br />
als Kulturlandschaft „von<br />
außergewöhnlichem und universellem<br />
Wert“ ausgezeichnet. Selbstredend<br />
wird auch das Management dieses<br />
Erbes von beiden Ländern bestritten.<br />
Das jüngste Projekt: Seit November<br />
2009 gibt es durch die offizielle Anerkennung<br />
des grenzüberschreitenden<br />
Ramsar-Gebiets „Fertő – Hanság“<br />
auch eine bilaterale Zusammenarbeit<br />
beim Schutz von Feuchtgebieten.<br />
Naturpark Raab-Örség-Goric ˇko<br />
Gleich drei Staaten sind beim Naturpark<br />
Raab-Örség-Goričko involviert.<br />
Grenzenlos | Naturpark Raab<br />
Der trilaterale Naturpark umfasst im<br />
Burgenland sieben Gemeinden mit<br />
einer Fläche von 140 Quadratkilometern,<br />
in Ungarn 28 Gemeinden mit<br />
440 Quadratkilometern und in Slowenien<br />
elf Gemeinden mit 460 Quadratkilometern,<br />
wobei in jedem Staat<br />
unterschiedliche Naturschutz-Label<br />
gelten. „Es begann am 13. Juni 1992<br />
in Neumarkt an der Raab, an der österreichisch-ungarisch-slowenischen<br />
Grenze, mit einem Symposium über<br />
die Dorflandschaften Mitteleuropas“,<br />
erinnert sich die Landschaftsarchitektin<br />
Stanka Dešnik, die den slowenischen<br />
Naturpark Goričko leitet.<br />
„Die Idee der Dorflandschaften dreier<br />
Länder, die plötzlich ohne Eisernen<br />
leBensader fluss<br />
Die Raab, namensgebend für den<br />
burgenländischen Teil des Naturparks,<br />
mäandriert hier im Grenzbereich<br />
zu Ungarn.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 63
Grenzenlos | Naturpark Raab<br />
Vorhang da gestanden sind, gefiel mir<br />
sehr, obwohl ich nicht fest überzeugt<br />
war, dass sie einmal realisiert wird.<br />
Das Ganze kam aber doch ins Rollen,<br />
und schließlich entwickelte sich daraus<br />
der grenzüberschreitende Dreiländer-<br />
Naturpark Raab-Örség-Goričko.“<br />
Es folgten Veranstaltungen, Gespräche,<br />
Leitbilder, Umweltcamps,<br />
Anträge und Projekte. Am 12. September<br />
1998 wurden die sieben Gemeinden<br />
Mogersdorf, Weichselbaum,<br />
Jennersdorf, St. Martin an der Raab,<br />
GeleBte tradition<br />
In Kalch bei Neuhaus am Klausenbach<br />
kann das Korbflechten in Kursen erlernt<br />
werden. Die Kürbisse der Region<br />
liefern ein schmackhaftes Öl.<br />
pflanzenvielfalt<br />
Der Dreiländernaturpark verfügt<br />
über eine Fülle an farbenprächtigen<br />
Blütenpflanzen, die auf Wanderungen<br />
entdeckt werden können.<br />
64 UniversUm S Spezial 2011<br />
Minihof-Liebau, Mühlgraben und<br />
Neuhaus am Klausenbach per Verordnung<br />
der Burgenländischen Landesregierung<br />
zum Naturpark erhoben.<br />
Am 8. März 2002 erklärte der ungarische<br />
Premierminister Viktor Orbán<br />
vor dem Nationalparkverwaltungsgebäude<br />
in Öriszentpéter Teile des ungarischen<br />
Grenzgebietes zum Nationalpark<br />
Örség. Am 9. Oktober 2003<br />
erklärte die slowenische Regierung<br />
das Gebiet Goričko zum geschützten<br />
Gebiet. Genauer gesagt: Der herrliche<br />
Krajinski Park Goričko wurde als ein<br />
Gebiet ausgewiesen, in dem die Kulturlandschaft<br />
und die Natur Vorrang<br />
haben und allfällige Entwicklungseingriffe<br />
mit der Natur im Einklang stehen<br />
müssen.<br />
Glockentürme und alte Bäume<br />
„Das Besondere am slowenischen Teil<br />
ist eine klein strukturierte Kulturlandschaft<br />
mit pittoresken Landschaftsbildern“,<br />
sagt Stanka Dešnik. „Unsere<br />
Vorfahren haben durch ihre naturnahe<br />
Lebensweise unbewusst für eine<br />
hohe Biodiversität gesorgt, die gilt
Fotos: RMB/F. Kovacs<br />
es heute bewusst zu erhalten.“ Diese<br />
Biodiversität lässt sich an der Vielzahl<br />
der hier geschützten Arten ablesen:<br />
Die reichen bei den Tieren vom<br />
Schilfrohrsänger über den Wespenbussard<br />
bis zur Zwergohreule, vom<br />
Alpenkamm-Molch über die Langflügel-Fledermaus<br />
bis zum Russischen<br />
Bär. Als Vogel-Beobachtungsorte<br />
empfiehlt die Managerin des Krajinski<br />
Park Goričko den Ledava See<br />
und den Hodoš See. Als kulinarische<br />
Abenteuer für hungrige Fuß- oder<br />
Radreisende das deftige Gulasch Bograc<br />
und die leckeren Strudelgerichte<br />
wie die mehrstöckige Prekmurska gibanica.<br />
Die liebliche Hügellandschaft<br />
des ungarischen Parkteils ragt wie<br />
eine Nase nach Österreich hinein und<br />
trägt den Namen Örség. Örség heißt<br />
auf Deutsch „Wacht“ oder „Warte“<br />
und bringt uns zum Thema Grenze<br />
zurück. Der Name geht auf das<br />
10. und 11. Jahrhundert zurück, als<br />
die Magyaren die Region mit treuen<br />
Grenzwächtern besiedelten. Aus strategischen<br />
Gründen siedelten diese<br />
nicht in Dörfern, sondern in wehrhaften,<br />
stets auf Hügelkuppen postierten<br />
Weilern, so genannten „szer“. Etliche<br />
Grenzenlos | Naturpark Raab<br />
wie in alten zeiten<br />
Die Jost-Mühle in Minihof-Liebau ist<br />
die älteste Schaumühle der Region.<br />
Hier wird noch Getreide gemahlen<br />
wie anno dazumal.<br />
der aus Holz und Lehm gebauten und<br />
mit Roggenstroh gedeckten Häuserensembles<br />
sind erhalten geblieben,<br />
ebenso hölzerne Glockentürme und<br />
ein vielfältiges bäuerliches Handwerk.<br />
In Magyarszombatfa halten entlang<br />
der Hauptstraße ein Dutzend<br />
Töpfer ihre Werkstätten für Besucher<br />
geöffnet. Charakteristische Walmdach-Bauernhäuser<br />
lassen sich im<br />
Freilichtmuseum Pityerszer nahe dem<br />
hübschen Szalafő besichtigen. Urtümliche<br />
Grabpfähle und Glockenstühle<br />
in Pankasz und Gödörháza. Und im<br />
Dörfchen Velemér eine romanisch-<br />
Spezial 2011 s UniversUm 65
Grenzenlos | Naturpark Raab<br />
gotische Pfarrkirche mit einzigartigen<br />
Fresken des berühmten Johannes von<br />
Aquila.<br />
Was sich auf den mäandrierenden<br />
Wegen im Örség-Nationalpark nicht<br />
minder tief ins Gedächtnis einprägt<br />
als all die kulturellen Sehenswürdigkeiten,<br />
ist seine anmutige Natur.<br />
Dieser südwestliche Zipfel ist das regenreichste<br />
und deshalb auch grünste<br />
Gebiet Ungarns. Dichte Wälder,<br />
Moore und seltene Pflanzen prägen<br />
die flache Hügellandschaft. Allein die<br />
66 UniversUm S Spezial 2011<br />
Namen der Themen-Wanderwege<br />
verraten besondere Natur-Erlebnisse:<br />
Quellen-, Femelwald-, Blumenwiesenstraße,<br />
Straße der Glockenstühle oder<br />
Straße der Baum-Methusalems.<br />
Schnaps und Kanutouren<br />
Das österreichische Eck des Dreiländernaturparks<br />
Raab-Örség-Goričko<br />
liegt im südlichsten Winkel des Burgenlandes,<br />
zwischen der Lafnitz im<br />
Norden und dem Stadelberg an der<br />
slowenischen Grenze im Süden. „Das<br />
Besondere an dieser Grenzregion<br />
ist die Vielfalt“, betont Naturpark-<br />
Geschäftsführer Karl Kahr. „Vielfalt<br />
der Natur, der Landschaftsformen,<br />
der Sprachen und Kulturen, der bodenständigen<br />
Speisen und Getränke.“<br />
Eine zukunftsweisende Herausforderung<br />
sei da auch die Bewusstseinsbildung<br />
für eine grenzenlose Gesellschaft,<br />
welche Vorurteile abbaut<br />
und die gemeinsame Zukunft für die<br />
nächste Generation in kleinen Schritten<br />
vorbereitet.<br />
Fotos: RMB/F. Kovacs
eicHes erleBnisanGeBot<br />
Im Naturpark Raab (Bilder re., von<br />
oben) lässt es sich gut wandern, wie am<br />
Lebensweg in Mühlgraben; Lagerfeuerromantik<br />
am Abend; junge Forscher<br />
entdecken Gewässer. In der Jost-Mühle<br />
wird das Müller-Handwerk erklärt.<br />
entdeckunGen vom wasser aus<br />
Auf einer Kanu-Tour (u.), wie sie vom<br />
Naturpark Raab angeboten wird, verbinden<br />
sich praktisches Naturerlebnis und<br />
kleines Abenteuer besonders gut.<br />
Grenzenlos | Naturpark Raab<br />
Der Naturpark Raab zeichnet sich<br />
durch Abgeschiedenheit, Ruhe, kulturelle<br />
Besonderheiten und historisch<br />
brisante Ereignisse aus. Sein Landschaftsbild<br />
wird von Wäldern, Feldern<br />
und zahlreichen Obstgärten geprägt<br />
– eine mosaikartige, über die Jahrhunderte<br />
entstandene Kulturlandschaft.<br />
In den zahlreichen Streuobstwiesen ist<br />
eine Vielzahl an höhlenbrütenden Vogelarten<br />
beheimatet, wie Wiedehopf,<br />
Grünspecht und auch Wendehals. Auf<br />
engstem Raum kann man die unterschiedlichsten<br />
Haus- und Hofformen<br />
bewundern, vom Streck- bis zum<br />
Vierkanthof. Artenreiche Magerrasen<br />
an Kuppen und steilen Hängen verschönern<br />
das Landschaftsbild.<br />
Eine Spezialität des regionalen<br />
Obstbaus ist der so genannte Maschanzker,<br />
eine alte heimische Apfelsorte,<br />
welche man im Südburgenland<br />
in drei Variationen vorfindet. Der Maschanzker<br />
dient als Symbol für die Erhaltung<br />
der Kulturlandschaft und wird<br />
in qualitativ hochwertigen Produkten<br />
wie z. B. dem Maschanzker-Schnaps<br />
oder einem Maschanzker-Chutney<br />
unter die Feinschmecker gebracht.<br />
Die Themenwege des Naturparks<br />
bieten allen etwas, egal ob Familien,<br />
Kulturtouristen oder Naturliebhabern.<br />
Geschichtlich Interessierte<br />
können bei Jennersdorf „Römische<br />
Hügelgräber“ erkunden und auf<br />
dem Weg „Alte Grenze“ dem Verlauf<br />
des Eisernen Vorhangs und anderen<br />
Grenzziehungen vergangener Zeiten<br />
folgen. Der „Friedensweg“ bei Mogersdorf<br />
erinnert an die Gefallenen<br />
im Türkenkrieg 1664 und thematisiert<br />
anhand von Kunstwerken die Sinnlosigkeit<br />
des Krieges. Beliebter Höhepunkt<br />
in Sachen Natur-Abenteuer<br />
sind die geführten Kanu-Touren auf<br />
der Lafnitz und der Raab. c<br />
meHr im internet<br />
Naturpark Raab: www.naturparkraab.at<br />
Spezial 2011 s UniversUm 67
ErlEbnis | Radfahren & Reiten<br />
M<br />
it milden Temperaturen,<br />
stimmungsvoller Blüte oder<br />
farbenprächtigem Blätterwandel<br />
sind Frühling und<br />
Herbst ideale Jahreszeiten, das Burgenland<br />
per Drahtesel oder hoch zu<br />
Ross zu erleben. Der Sommer lädt<br />
nach einer Radtour oder einem Ausritt<br />
wiederum zu angenehmer Rast im<br />
Schatten der Bäume oder zur Abkühlung<br />
im Neusiedler See. Und nach<br />
dem Motto, es gibt kein schlechtes<br />
Wetter, sondern nur die falsche Kleidung,<br />
ist auch der Winter im Burgenland<br />
ein Erlebnis.<br />
Über 15 verschiedene Radrouten<br />
finden sich alleine in der Region<br />
Neusiedler See. Der beliebte Klassiker<br />
darunter ist die 138 Kilometer<br />
lange Runde um den größten Steppensee<br />
Mitteleuropas, der seit 2001<br />
UNESCO-Welterbe ist. Kaum Höhenunterschiede,<br />
landschaftliche Vielfalt<br />
und Kulturschätze entlang des Weges<br />
gestalten diese Runde so attraktiv für<br />
Jung und Alt. „Wir haben insgesamt elf<br />
Design-Rastplätze am Neusiedler See-<br />
Radweg gestaltet, die behutsam in die<br />
Landschaft integriert wurden und Rast<br />
in einzigartiger Atmosphäre bieten“,<br />
so Tourismusdirektor Mario Baier.<br />
Einzigartig an der Steppensee-Runde<br />
ist auch die Möglichkeit, den Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel<br />
naturnahe vom Rad aus zu erleben –<br />
hier sollte ein Besuch im Nationalpark-<br />
Informationszentrum in Illmitz unbedingt<br />
eingeplant werden. Wer nicht die<br />
68 UniversUm S Spezial 2011<br />
große Runde „strampeln“ möchte, den<br />
bringt die Radfähre gemütlich über den<br />
See nach Mörbisch, Illmitz und auch<br />
ins ungarische Fertörákos. Wer gerne<br />
Boot fährt: Radfähren gibt es auch in<br />
anderen Orten rund um den See.<br />
Doch nicht nur der Norden des<br />
Burgenlands ist für Radfahrer attraktiv,<br />
die sanften Hügellandschaften des<br />
Mittel- und Südburgenlands mit ihrem<br />
toskanisch anmutenden Flair laden<br />
zum „Erfahren“ ein, ideal kombinierbar<br />
mit der Einkehr in eine der zahlreichen<br />
Buschenschenken am Weg. Gut<br />
geplant ist schon die halbe Strecke. Für<br />
technophile Radler steht ein Online-<br />
Tourenguide mit einer Vielzahl von<br />
Routen für die Planung zur Verfügung.<br />
Für jede Tour können GPS-Daten heruntergeladen<br />
werden.<br />
Wer es gerne gemütlich mag, für<br />
den hat das Südburgenland in dieser<br />
Saison ein besonderes Zuckerl: 300<br />
E-Bikes stehen ab April an verschiedenen<br />
Stationen zum Ausborgen bereit.<br />
„Die landschaftliche Vielfalt und der<br />
grenzüberschreitende Charakter vieler<br />
Radrouten – ob nach Ungarn im Norden<br />
oder das Dreiländereck im Süden<br />
– gepaart mit unserem abwechslungsreichen<br />
Radwegenetz, machen das<br />
Bur genland zu einem Radlerparadies<br />
par excellence“, so Baier.<br />
Hoch zu Ross<br />
Insgesamt 1.300 Kilometer Wanderreitwege<br />
lassen das Burgenland vom<br />
Weinbaugebiet Neusiedler See bis zur<br />
mobil durchs land<br />
Ob zu Pferd oder mit dem Fahrrad, das<br />
Burgenland bietet ausgedehnte Reit-<br />
und Radwege, die durch die reiche Natur<br />
des östlichsten Bundeslandes führen.<br />
Weinidylle Südburgenland aus der<br />
Sattelperspektive erleben. GPS-unterstützte<br />
Technik sorgt für optimale Orientierung.<br />
Die einzigartige Natur des<br />
Burgenlandes lässt sich auf vielerlei Art<br />
mit dem Pferd erkunden: Ob mehrtägiges<br />
Wanderreiten mit Übernachtungsmöglichkeit<br />
für Reiter und Pferd<br />
in dafür spezialisierten Betrieben, bei<br />
Tagesausflügen auf einer der bestens<br />
markierten Reit-Routen oder während<br />
eines Reiturlaubes, bei dem das Ausspannen<br />
und Erholung mit der Familie<br />
im Vordergrund stehen. Im Nordburgenland<br />
wird die Landschaft vom Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel<br />
geprägt, dessen Flora und Fauna in<br />
dieser Kombination einzigartig ist – jeder<br />
Reitausflug wird zum Naturschauspiel.<br />
Ein abwechslungsreiches Erlebnis<br />
bieten die sechs Themen-Reitwege<br />
im Mittelburgenland, auf denen man<br />
die wunderschöne Landschaft vom<br />
Sattel aus genießen kann. Das Südburgenland<br />
gibt sich romantisch: Üppige<br />
Blumenwiesen, schattige Wälder, stille<br />
Weinberge und Kellerviertel machen<br />
den Charme dieser Landschaft aus. c<br />
mEhr im intErnEt<br />
RadfahRen im BuRgenland<br />
Online Tourenguide: www.radarena.at<br />
allgemeine infos, Übersicht des Radwegenetzes,<br />
gPS-Routen etc.: www.burgenland.info<br />
Radfähren neusiedler See: www.neusiedlersee.com<br />
ReiTen im BuRgenland<br />
allgemeine informationen, Reitbetriebe und<br />
reiterfreundliche Beherbergungsbetriebe,<br />
gPS-Routen: www.burgenland.info<br />
Fotos: Burgendland tourismus/H. schlosser (1), steveHaider.com (1)
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
im sattEl<br />
Ob hoch zu Ross oder am Drahtesel: Die Weiten des Burgenlands lassen sich<br />
durch alle Jahreszeiten hindurch vom jeweiligen Sattel aus naturnah erleben.<br />
2.500 Kilometer Radwege und 1.300 Kilometer Wanderreitwege führen vom<br />
Nationalpark im Norden bis zum Naturpark im Süden, vom Weinbaugebiet<br />
Neusiedler See bis zu den sanften Hügeln des Südburgenlands.<br />
Ein bEricht von thErEsa Dirtl<br />
ErlEbnis | Radfahren & Reiten<br />
Spezial 2011 s UniversUm 69
Aktuell | Story<br />
PFLanzen<br />
des burgenLands<br />
ein Überblick von JuliA kospAch<br />
Die Lebensräume des Burgenlands werden von einigen pflanzen besonders geschätzt.<br />
zWerg-schWertLiLie (1)<br />
(iris pumiLa)<br />
Die Zwerg-Schwertlilie ist ein Steppenbewohner, der im Burgenland<br />
meist auf Kalkfelsböden anzutreffen ist. Besonders<br />
häufig findet sich diese gefährdete Art auf den Vorhügeln des<br />
Leithagebirges. Sie wird maximal 15 Zentimeter hoch und<br />
gehört zu den allerersten Pflanzen des pannonischen Blühreigens<br />
im Frühjahr. Ihre Blüten zeigen einen auffallenden<br />
Farbenpolymorphismus: In ein und derselben Population gibt<br />
es meist bunt gemischt gelb und violett blühende Exemplare.<br />
Die Zwerg-Schwertlilie, die keinen Nektar zu bieten hat,<br />
erschwindelt sich auf diese Weise die Kreuzbestäubung durch<br />
Hummeln, die – etwa von einer gelben Blüte enttäuscht – eine<br />
violette anfliegen und bestäuben, weil sie hoffen, dort Nektar<br />
zu finden.<br />
queLLer oder gLasschmaLz (2)<br />
(saLicornia prosTraTa)<br />
Obwohl die Hauptverbreitung des Quellers an der europäischen<br />
Wattenmeerküste liegt, erlauben Klima und Salz sein<br />
Vorkommen im Seewinkel. Die Pflanze nutzt die kurze Zeit,<br />
nachdem die Lackenränder abgetrocknet sind und es warm<br />
genug ist, zum Keimen und Blühen. Im Winter, wenn sich<br />
die Lacken wieder mit Wasser füllen, ist die Samenreifung<br />
bereits abgeschlossen. Die Samen warten dann im salzhaltigen<br />
Boden der Lacke, bis die Bedingungen zum Austreiben<br />
wieder günstig sind – mitunter auch mehrere Jahre.<br />
70 UniversUm S Spezial 2011<br />
saLzaster (3)<br />
(TripoLium pannonicum)<br />
Die Salzaster ist typisch für Lackenufer im Nationalpark<br />
Neusiedler See – Seewinkel, wo die Oberfläche<br />
durch verdunstendes Wasser mit Salz angereichert<br />
wird. Der Korbblütler wird auf Salzstandorten<br />
fünf bis 25 Zentimeter hoch, auf Schattenstandorten<br />
im Schilf, wo die Pflanze zum Licht strebt, bis zu 80<br />
Zentimeter. Die Salzaster sucht den offenen Boden<br />
der Salzstandorte, um der Konkurrenz mit anderen<br />
Pflanzen zu entgehen. Mit Luftkammern in Wurzeln,<br />
Stängel und Blättern übersteht sie Überstauungen<br />
ihres Standortes. Salz lagert sie bis zu einer<br />
gewissen Konzentration in ihren Blättern ein, steigt<br />
der Salzgehalt, wirft sie einzelne Blätter ab.<br />
2<br />
1
FotoS: RMB/F. Kovacs (1), Bildagentur Waldhäusl (6)<br />
geLbe tagLiLie (4)<br />
(hEmErocaLLis LiLioasphoDELus)<br />
Die Gelbe Taglilie ist die berühmteste Pflanzenart des Südburgenlands.<br />
Ihre schönsten Vorkommen liegen auf feuchten Wiesen am Reinersdorfer<br />
Bach bei Großmürbisch/Veliki Medveš südöstlich von Güssing.<br />
Sie wurde schon Ende des 16. Jahrhunderts von dem bedeutenden<br />
vor-linnéschen Botaniker Carolus Clusius, der eine Zeitlang in Güssing<br />
lebte, beobachtet – ein Indiz dafür, dass die sehr seltene Pflanze bei uns<br />
urheimisch und keine verwilderte Zierpflanze ist.<br />
FeLd-mannstreu (5)<br />
(Eryngium campEsTrE)<br />
Mit seinen Stacheln ist der Feld-Mannstreu gut vor Weidetieren geschützt<br />
und bleibt auf jeder Weide unberührt stehen. Er tritt verstreut<br />
auf und liebt sonnige Kalk-Magerrasen, Wegraine und Dämme. In<br />
Österreich ist er nur im pannonischen Klima des Burgenlands häufiger<br />
anzutreffen. Die mehrjährige krautige Pflanze, die über einen halben<br />
Meter hoch wird, ist ein typischer Bodenroller: Die reife Pflanze wird,<br />
sobald eine bestimmte Windgeschwindigkeit überschritten ist, an einer<br />
Sollbruchstelle am Wurzelballen abgerissen und dann als Ganzes weggerollt<br />
(„Steppenroller“), wobei sie nach und nach ihre Früchte ausstreut.<br />
schachbLume (6)<br />
(FriTiLLaria mELEagris)<br />
Eine Besonderheit ist die vom Aussterben bedrohte Schachblume, die<br />
auf den zeitweise überschwemmten Feuchtwiesen von Hagensdorf und<br />
Luising im Südostzipfel des Burgenlands ganze Großkolonien bildet.<br />
Die glockenförmigen Blüten dieser 15 bis 30 Zentimeter hohen, filigranen<br />
Lilienart zeigen ein signifikantes, gewürfeltes Muster in Purpur und<br />
Helllila, dem die Pflanze ihren Namen verdankt. Sie blüht<br />
zwischen April und Mitte Mai.<br />
heLm-knabenkraut (7)<br />
(orchis miLiTaris)<br />
Das Helm-Knabenkraut gehört zu den Überlebenskünstlern unter den<br />
burgenländischen Pflanzen. Von Mai bis Juni leuchten seine Blüten auf<br />
pannonischen Trockenrasen. Nach der Blüte zieht die Pflanze völlig ein<br />
und verlagert die Nährstoffe in eine unterirdische Knolle, mit der sie<br />
den Rest des Jahres überdauert. Mit einer Höhe von 20 bis zu 65 Zentimetern<br />
zählt das stark gefährdete Helm-Knabenkraut zu den<br />
größten heimischen Orchideen.<br />
3<br />
4<br />
5<br />
6<br />
7<br />
nAtur | Pflanzen<br />
Spezial 2011 s UniversUm 5
Das<br />
BurgenlanD<br />
tischt auf<br />
72 UniversUm S Spezial 2011<br />
Ein BEricht von Klaus EglE<br />
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an<br />
einem Tisch, der sich wie von Zauberhand<br />
mit wunderbaren Köstlichkeiten<br />
deckt, und dabei stehen Gläser, ge füllt<br />
nicht nur mit rotem, sondern auch<br />
mit weißem oder süßem Wein. Dann<br />
befinden Sie sich entweder im Schlaraffen-<br />
oder im Burgenland.
FoTos: stookfood (1), Taubenkobel (1), Nyikospark (1)<br />
im nyikospark<br />
in Neusiedl am See serviert Patron Fritz<br />
Tösch, Obmann der Genussregion Neusiedlersee<br />
Fische, feinste pannonische<br />
Spezialitäten neu interpretiert.<br />
W<br />
enn ich irgendwo Wirt<br />
sein wollte, dann im Burgenland.<br />
Denn nicht nur<br />
wüchsen mir die Weintrauben<br />
praktisch beim Fenster herein,<br />
ich hätte darüber hinaus auch<br />
noch einen vielfältigen Fundus an<br />
hochwertigen regionalen Produkten<br />
vor der Haustüre, die mir das Kochen<br />
zum Vergnügen machten. Ich brauche<br />
aber gar nicht Wirt zu werden. Denn<br />
davon gibt es im Burgenland genug<br />
und die wissen genau, auf was für einem<br />
Schatz sie da sitzen und wie sie<br />
das Beste daraus machen können. Ich<br />
dagegen bleibe bei meinem Leisten<br />
und erzähle Ihnen, was man in dieser<br />
Schatzkiste alles finden kann.<br />
Vieles, das heute auf dem Speisezettel<br />
der guten Lokale zwischen<br />
Neusiedl am See und Jennersdorf<br />
ganz oben steht, hat im Burgenland<br />
eine lange Tradition – es ist nur im<br />
Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten.<br />
Doch in den vergangenen Jahren,<br />
in denen die Sehnsucht der Menschen<br />
nach „richtigem“ Essen immer<br />
größer wurde, ist es gelungen, manches<br />
davon wieder zu entdecken und<br />
zu beleben. So entstand – quasi als<br />
Anti these zum „industrial food“ – ein<br />
dicht gewobenes Netz von engagier<br />
ten Bauern, Züchtern, Produzenten<br />
und Vermarktern, die das Burgenland<br />
zu einer Fundgrube für Genießer<br />
machen. Dreizehn offizielle „Genussregionen“<br />
legen davon Zeugnis<br />
ab – und dass man im Burgenland zu<br />
jedem erdenklichen Anlass und Gericht<br />
den passenden guten Tropfen<br />
findet, ergänzt dieses Bild perfekt.<br />
Vom Gesottenen und Gebratenen<br />
Das Gansl gehört seit jeher zum kulinarischen<br />
Inventar des pannonischen<br />
Raums, hat sich aber als „südbur<br />
Walter eselBöck,<br />
Pionier der kulinarischen Regionalität,<br />
zelebriert in seinem Restaurant<br />
„Taubenkobel“ in Schützen am Gebirge<br />
lukullischen Hochgenuss.<br />
ErlEBnis | Essen & Trinken<br />
genländische Weidegans“ vom etwas<br />
einseitigen Image als fetter Festtagsbraten<br />
emanzipiert, zumal engagierte<br />
Küchenmeister es geschafft haben,<br />
mit viel Einfallsreichtum den Bogen<br />
zwischen regionaler Tradition und<br />
zeitgemäßer Zubereitung zu spannen.<br />
Beim inzwischen zu einigem<br />
Ruhm gelangten Mangalitzaschwein<br />
ist es aber gerade das – übrigens außerordentlich<br />
cholesterinarme – Fett,<br />
das einen wichtigen Bestandteil seiner<br />
Qualität ausmacht. Bevorzugte<br />
Produkte sind Speck in unterschiedlichen<br />
Spielarten, Würste oder Pasteten;<br />
doch auch ein gut gebratenes<br />
Kotelett von den ganzjährig im Freiland<br />
lebenden Tieren überzeugt mit<br />
seinem herrlichen Geschmack. Ebenfalls<br />
wetterresistent ist das Graue ungarische<br />
Steppenrind.<br />
Noch vor zwanzig Jahren praktisch<br />
verschwunden, weiden heute wieder<br />
rund 500 der grauen „Longhorns“<br />
auf österreichischer Seite des Nationalparks<br />
Neusiedler See – Seewinkel.<br />
Sie helfen bei der Landschaftsgestaltung<br />
mit, indem sie dem wachsenden<br />
Schilfgürtel wieder Weideland abtrotzen,<br />
und ihr Fleisch wird aufgrund<br />
seiner kräftigen Aromatik und seiner<br />
festen Struktur geschätzt. Eine weitere<br />
Rarität ist der Zickentaler Moorochse<br />
aus dem Südburgenland, eine<br />
Kreuzung zwischen Galloway und<br />
Angusrindern, deren langsam gewachsenes<br />
und gut gereiftes Fleisch<br />
in der regionalen Gastronomie auf<br />
Spezial 2011 s UniversUm 73
ErlEBnis | Essen & Trinken<br />
reges Interesse stößt. Alle diese Produkte<br />
werden nicht nur hohen qualitativen<br />
Anforderungen gerecht, sie<br />
stehen auch für ein Stück kulinarischer<br />
Identität des Burgenlands. Das<br />
gilt natürlich ebenso für den Neusiedler<br />
SeeFisch: Dank einer Hand<br />
voll gewerblicher Fischer darf man<br />
in den Lokalen rund um den See auf<br />
fangfrischen Zander, Wels, Hecht<br />
und Karpfen oder Räucherfisch wie<br />
Schleie hoffen.<br />
Früchtchen – süß und sauer<br />
Unter der pannonischen Sonne tummelt<br />
sich aber nicht nur allerlei Getier<br />
vom Feder über das Borsten bis zum<br />
74 UniversUm S Spezial 2011<br />
genusslaDen BurgenlanD<br />
Vergessene Safrantradition (li. o.) zu neuem Leben erweckt. Aus der LeithabergKirsche<br />
(li. u.) werden Schnaps und Marmelade gemacht. Genussprodukt Nr. eins ist der Wein.<br />
Flossenvieh, sie verleiht auch Früchten,<br />
Obst und Gemüse die volle Reife.<br />
Wieder bekannt geworden ist etwa die<br />
einstmals legendäre „Joiser Kirsche“,<br />
die heute frisch und in vielfältig veredelter<br />
Form angeboten wird. Was die<br />
Vielfalt angeht, ist freilich „Paradeiserkaiser“<br />
Erich Stekovics unübertroffen:<br />
Mehr als 3.000 verschiedene Sorten<br />
kultiviert er in seinen Feldern in<br />
Frauenkirchen, deren Früchte er nicht<br />
nur frisch verkauft, sondern auch zu<br />
allerlei Eingelegtem – vom Tartar bis<br />
zum Chutney – verarbeitet. Im Süden<br />
des Burgenlands gedeihen Äpfel<br />
und anderes Obst, im sonnigen Seewinkel<br />
das Gemüse, und dann gibt es<br />
da noch eine ganze Reihe an Spezialitäten<br />
– von Kastanien über Marillen<br />
bis zu Spargel und Safran. Auch der<br />
Safran hatte im Burgenland einmal<br />
Tradition, wurde aber erst vor wenigen<br />
Jahren vom „Afficionado“ Johannes<br />
Pinterits zu neuem kulinarischen<br />
Leben erweckt.<br />
Über allem der Rebensaft<br />
Dass im Burgenland auch – übrigens<br />
ganz ausgezeichnetes – Bier gebraut<br />
und edle Brände destilliert werden,<br />
sei zumindest erwähnt. Das burgenländische<br />
Genussprodukt Nummer<br />
eins ist jedoch der Wein. Hier hat sich<br />
in den vergangenen zwei Jahrzehnten<br />
eine regelrechte Revolution ereignet.<br />
gemütlich im innenhof<br />
Max Stiegl verlässt sich in seinem Gut<br />
Purbach fast ausschließlich auf Produkte<br />
der Region.<br />
FoTos: Viceversa/J. Pinterits (1), BMLFUW/R. Newman (1), ÖWM (1), Wein Burgenland/J. Lukan (1), Landhofmühle (1)
FoTos: XXXXXXXXXXXXXX<br />
Dreizehn Genussregionen verwöhnen den Gaumen im Burgenland.<br />
Die pannonische Küche, reich an hochwertigen, regionalen Produkten,<br />
bietet herzhaft Gebratenes genauso wie fangfrischen zarten Fisch<br />
und eine Fülle an Obst- und Gemüsesorten.<br />
Die Weine des Burgenlands sprechen ihre eigene Sprache –<br />
und die lautet: höchster Genuss!<br />
Die Prädikatsweine aus dem Seewinkel<br />
und aus der Mörbischer und<br />
Ruster Gegend zählen zu den besten<br />
und höchst prämierten Weinen der<br />
Welt, und die Rotweine, allen voran<br />
autochthone Rebsorten wie der Blaufränkische<br />
und der St. Laurent, fehlen<br />
auf keiner gut sortierten Weinkarte<br />
des Landes. Weniger bekannt sind die<br />
trockenen Weißweine, doch in bevorzugten<br />
Lagen des Ruster Hügellandes<br />
oder des Leithagebirges erbringen<br />
auch diese beste Qualitäten und ver<br />
binden frische Frucht mit animierender<br />
Säure und einer festen, mineralischen<br />
Struktur.<br />
So, das Tischlein ist nun aufs<br />
Beste gedeckt und mir bleibt nur<br />
noch: Ihnen einen guten Appetit zu<br />
wünschen! c<br />
BurgenlänDische gastlichkeit<br />
Der neue Tag beginnt mit einem<br />
guten Frühstück im Freien<br />
im sonnigen Burgenland.<br />
mehr kulinarisches im nternet<br />
Genusstipps: www.burgenland.info<br />
neues<br />
online portal<br />
Das Burgendland schmeckt<br />
Angebotsplattform für Genussreisen<br />
rund um Wein & Kulinarik. Mit<br />
interaktivem Tourenguide und Tipps<br />
für weinkulinarische Ausflüge, individuelle<br />
Entdeckungsreisen sowie<br />
Beherbergungsbetriebe.<br />
www.burgenland-schmeckt.at<br />
vinaria<br />
Alle Infos rund um edle Tropfen und vielfältige<br />
Weinbaugebiete in einem VINA-<br />
RIA-Sondermagazin.<br />
a la cartE – BEst oF BurgEnlanD<br />
Eine Genussreise durch das kulinarische<br />
Burgenland.<br />
Zu bestellen bei Burgenland Tourismus<br />
Tel.: +43/(0)2682/633 84-0<br />
Spezial 2011 s UniversUm 75
ErlEbnis | Ökoenergie<br />
Aus EigEnER<br />
EnERgiE<br />
Ein Einblick Von EVa-Maria GrubEr<br />
Eine Führung im Biomassekraftwerk und anschließendes Entspannen<br />
im ökoEnergie Garten? Kein Problem. Die Region Güssing versteht sich nun auch<br />
auf Ökotourismus. Energieautark und dafür international renommiert ist sie ja schon längst.<br />
76 UniversUm S Spezial 2011<br />
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX
Foto: www.eee-info.net (2)<br />
Wissen Sie, wie ein Photovoltaik-Modul<br />
funktioniert?<br />
Nein? Blöde Sache – vor<br />
allem, wenn man Kinder<br />
hat, die sich brennend dafür interessieren<br />
und Sie mit Fragen löchern:<br />
Du, Mama? Wie wird aus Sonne<br />
Strom? Oder: Papa, wie kommt über<br />
diese glänzenden Platten die Wärme<br />
ins Wasser? Da ist guter Rat teuer.<br />
Oder Sie packen Ihre Kinder und<br />
fahren ins Burgenland, genauer gesagt<br />
in die Region Güssing zum „Energy<br />
Camp“. Unter dem Motto „Wir<br />
versorgen uns selbst mit Energie“<br />
erfahren die Kids in Österreichs Pionierregion<br />
für „erneuerbare Energie“<br />
auf spielerische Art und Weise, wie<br />
einfach es sein kann, die Energie der<br />
Sonne zu nutzen.<br />
Übernachtet wird in Solarzelten,<br />
deren Solarpaneele am Dach Sonnenenergie<br />
sammeln, die wiederum<br />
am Abend für die Beleuchtung des<br />
Camps sorgt. Das Essen wird mit einem<br />
Solarkocher zubereitet, der Solarboiler<br />
sorgt für warmes Wasser zum<br />
Abwaschen. Um Strom für die musikalische<br />
Unterhaltung am Abend zu<br />
haben, muss man kräftig in die Pedale<br />
des Energiefahrrads treten – denn das<br />
betreibt den CD-Player. Und mit dem<br />
Solarrucksack wird untertags Strom<br />
für Handy, Laptop und Videokamera<br />
gesammelt. Ganz nebenbei erfahren<br />
die Energieexperten von morgen alles<br />
Wissenswerte über Photovoltaik, Solarthermie<br />
und das Potenzial der Sonne<br />
als erneuerbare Energiequelle.<br />
Erlebnis Energietourismus<br />
Hinter der Idee der Energy Camps<br />
steht VISIONe – Vital Solar Innovationenergy.<br />
Ein Forschungsteam vom<br />
Institut für Landschaftsentwicklung,<br />
Erholungs- und Naturschutzplanung<br />
an der BOKU Wien hat sich im<br />
Rahmen des von der EU geförderten<br />
CENTRAL EUROPE Forschungsprogramms<br />
im Projekt „Listen to the<br />
EnERgiE – sElbst gEmAcht<br />
Rund um Güssing sind fossile<br />
Brennstoffe Schnee von gestern.<br />
Die Südburgenländer setzen auf<br />
Biomasse (li.) und bereiten das<br />
Essen am Solarkocher (o.) zu.<br />
voice of villages“ der Aufgabe angenommen,<br />
gemeinsam mit Tourismus,<br />
Politik, Wirtschaft und Bildung Konzepte<br />
für erlebnisorientierten Energietourismus<br />
zu entwickeln, die in einer<br />
Mischung aus Pädagogik, Abenteuer<br />
und Bewegung die Bedeutung von erneuerbaren<br />
Energien vermitteln und<br />
aufzeigen, wie kreativ, unkompliziert<br />
und freudvoll beispielsweise Solarenergie<br />
in den Alltag und die Freizeit<br />
integriert werden kann. Ziel des Teams<br />
um Alexandra Jiricka, Boris Salak und<br />
Ulrike Pröbstl ist es, mit diesem unkonventionellen<br />
Tourismusmodell das<br />
gesellschaftliche Bewusstsein für Sonne<br />
als eine wertvolle Energiequelle der<br />
Zukunft zu schärfen.<br />
Kein Wunder, dass gerade die Region<br />
Güssing zum Austragungsort<br />
der Pilotphase der im Frühjahr 2011<br />
startenden Energy-Camps auserkoren<br />
wurde. Die Stadt hat sich in den letzten<br />
20 Jahren vom verschlafenen Örtchen<br />
im Südburgenland zu Österreichs<br />
Paradebeispiel für eine gelebte Kultur<br />
effizienter und nachhaltiger Energieversorgung<br />
entwickelt: Güssing gilt<br />
ErlEbnis | Ökoenergie<br />
als international bekanntes Vorzeigemodell<br />
für die Autarkie von fossilen<br />
Brennstoffen und Know-how-Experte<br />
in Fragen der Energiegewinnung aus<br />
Biomasse, Biogas und Solarenergie.<br />
Mit zahlreichen Demonstrationsanlagen<br />
und einer Reihe von namhaften<br />
Leitbetrieben im Bereich der Umwelttechnik<br />
ist die Region Ausflugsziel von<br />
Hunderten Ökotouristen pro Woche<br />
aus der ganzen Welt.<br />
Am Biogas-Themenweg<br />
Die Idee hat Schule gemacht: In der<br />
Zwischenzeit bietet das Europäische<br />
Zentrum für Erneuerbare Energien<br />
in Güssing in Kooperation mit zehn<br />
burgenländischen Gemeinden und<br />
der Landesinnung für Holzbau unter<br />
der Marke „ökoEnergieland“ touristische<br />
Erlebnisse der anderen Art: Beispielsweise<br />
eine Führung durch das<br />
weltweit einzigartige Biomassekraftwerk<br />
in Güssing, eine Wanderung am<br />
ersten Biogas-Themenweg in Strem<br />
oder ein Besuch des ökoEnergie Gartens<br />
in Heiligenbrunn.<br />
Öko schließt Genuss nicht aus. Daher<br />
lernen die Ökotouristen in einem<br />
Aufwischen gleich alle Sonnenseiten<br />
des Landes kennen: Die edlen Tropfen<br />
aus den burgenländischen Weinkellern,<br />
die regionalen Schmankerln<br />
sowie die beeindruckende Landschaft.<br />
Und die entdeckt man künftig<br />
am besten auf dem weit verzweigten<br />
Radwegnetz mit dem E-Bike: Die<br />
BEWAG, Burgenlands Energieversorgungsunternehmen,<br />
bietet nämlich<br />
im Zuge der Initiative „Elektro Drive“<br />
Elektrofahrräder zur Miete oder zum<br />
Leasing an. Für die Ladestationen<br />
ist gesorgt: An zehn Orten tankt der<br />
Ökotourist Strom aus 100 Prozent erneuerbaren<br />
Energiequellen. c<br />
EnERgiEpRojEktE im buRgEnlAnd<br />
Nachhaltiger Tourismus : www.energietourismus.at<br />
Regionale Konzepte: www.eee-info.net<br />
Mehr Energie: www.burgendland.info<br />
Spezial 2011 s UniversUm 77
78 UniversUm S Spezial 2011<br />
Tourismus<br />
miT ZukunfT<br />
Touristische Betriebe im Burgenland machen vor, wie sich Urlaub,<br />
Erholung und Naturerleben ganz im Sinne der Nachhaltigkeit<br />
mit Umwelt- und Klimaschutz verbinden lassen.<br />
Fotos: XXXXXXXXXXXXXX
Fotos: st. Martins therme (1), www.villavita.com (1)<br />
Von EVa-Maria GrubEr<br />
Für Claudia Fartek stellt der<br />
Kastanienbaum im Innenhof<br />
der Landhofmühle „ein Symbol<br />
für unsere Verbundenheit<br />
mit der Natur“ dar. Das kleine Familienhotel<br />
Landhofmühle im südburgenländischen<br />
Minihof-Liebau mit seinen<br />
zwölf Zimmern hat sich vor Jahren<br />
dem Umwelt- und Naturschutz sowie<br />
der Nachhaltigkeit verschrieben.<br />
Um das Naturerlebnis zu erhalten,<br />
bemühen sich die österreichweit angesiedelten<br />
Betriebe der Naturidyllhotel-Gruppe<br />
besonders um umweltschonende<br />
Maßnahmen in und um<br />
das Hotel. Zum Teil mit großem Aufwand:<br />
„Das Umweltkonzept der Naturidyll-Hotels<br />
umfasst Bereiche wie<br />
Ressourcen- und Energieschonung,<br />
Reduktion des Wasserverbrauchs sowie<br />
des Abfalls, aber auch Fragen<br />
rund um die Reinigung mit adäquaten<br />
Putzmitteln“, so Frau Fartek. „Wir<br />
setzen zusätzlich noch auf eine naturbewusste<br />
Küche. Zudem kommt der<br />
Großteil unserer Produkte aus der<br />
Region, ist eine Frucht der jeweiligen<br />
Saison und im besten Fall auch noch<br />
aus ökologischer Landwirtschaft.“<br />
Wertvolles Gütesiegel<br />
Die Mühen lohnen sich: Die Hotels<br />
erhalten dafür das höchste Gütesiegel<br />
des Umweltministeriums, das mit<br />
strengen Auflagen und Kontrollen<br />
einhergeht: das Österreichische Umweltzeichen<br />
für Tourismusbetriebe. So<br />
ist die Landhofmühle das bislang einzige<br />
Hotel des Burgenlands, das diese<br />
Auszeichnung führen darf. Im Jahr<br />
2007 wurde der Betrieb zusätzlich mit<br />
dem 1. Platz beim Burgenländischen<br />
Umweltpreis belohnt.<br />
Natur und Naturschutz werden im<br />
Burgenland seit jeher groß geschrieben.<br />
Der Nationalpark Neusiedler See<br />
– Seewinkel lockt jedes Jahr Millionen<br />
Touristen an. Besonders im Erlebnis-<br />
und Wellness-Thermen-Tourismus<br />
punktet die Region um den See.<br />
Die Ende 2009 eröffnete St. Martins<br />
Therme & Lodge – mitten in eine<br />
der ursprünglichsten Naturlandschaf-<br />
ten Europas eingebettet – stellt mit der<br />
Therme auf der einen und der Lodge<br />
auf der andere Seite eine gelungene<br />
Verbindung von Wildnis und Wellnesskultur<br />
her, direkt am Rande des<br />
Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel.<br />
Aus der Region, für die Region<br />
Nach dem Motto „Aus der Region,<br />
für die Region“ ist aus der Initiative<br />
von 13 Gemeinden ein Leitbetrieb<br />
des Seewinkels entstanden. Mit ihrer<br />
Form, die an ein Schneckenhaus erinnert,<br />
fügt sich die St. Martins Therme<br />
& Lodge in diese außergewöhnliche<br />
Region im burgenländischen Seewinkel<br />
perfekt ein. Kein anderes Gesundheits-<br />
und Wellness-Resort in Österreich<br />
hat die natürliche Umgebung<br />
so stark in die Gestaltung miteingebunden.<br />
Die Partnerschaft der 13<br />
Gemeinden des Seewinkels, das Land<br />
Burgenland sowie das Know-how und<br />
die Erfahrung der VAMED Vitality<br />
World, des Marktführers im Bereich<br />
der Gesundheits- und Thermenressorts<br />
in Österreich, sind die Basis für<br />
diesen touristischen Leitbetrieb internationalen<br />
Formats.<br />
Die Therme mit der angeschlossenen<br />
Lodge ist europaweit einzigartig.<br />
Sie bietet ein fachkundiges Outdoor-<br />
Team mit diplomierten Biologen,<br />
Geologen und Naturpädagogen, das<br />
den Gästen die besondere Natur der<br />
Region Seewinkel näher bringt. Wer<br />
lieber auf „Großwild-Fotosafari“ geht,<br />
kann sich auf die Suche nach den „Big<br />
Five des Seewinkels“ machen: Ungarisches<br />
Steppenrind, Wasserbüffel, Przewalski-Wildpferde,<br />
Gold schakal und<br />
Seeadler. Das Team von St. Martins<br />
möchte seine Gäste für die Re gion<br />
und die Natur sensibilisieren und begeistern.<br />
Nomen est omen – so könnte man<br />
beim Hotel Wende sagen. Das 4-Sterne-Haus<br />
in Neusiedl am See hat im<br />
Jahr 2009 auf einen energiefreundlichen<br />
Betrieb umgestellt. Die neue<br />
Ausstattung mit einer innovativen<br />
Gebäudetechnik bringt dem Hotel<br />
eine Einsparung von mehr als 28<br />
Zu Gast | Natur & Wirtschaft<br />
Prozent der benötigten Primärenergie.<br />
So wird beispielsweise das Wasser<br />
statt mit teurem Heizöl mit Sonnenenergie<br />
aufgewärmt. Die Kosten der<br />
Umrüstung rechnen sich spätestens<br />
in 10 Jahren. Denn Jahr für Jahr können<br />
hier etwa 22.000 Euro für Energie<br />
und Wasser eingespart werden.<br />
Für sein Umweltbewusstsein wurde<br />
das Hotel Wende Anfang 2010 von<br />
der Europäischen Union als erstes<br />
im naTurraum<br />
Wie eine Schnecke fügt sich die<br />
St. Martins Therme & Lodge (li.) in<br />
die Natur des Seewinkels ein. Sie<br />
ist europaweit einzigartig.<br />
miT eigener krafT<br />
Das Hotel und Feriendorf VILA<br />
VITA Pannonia hat ein eigenes<br />
Energiezentrum mit Biomassekraftwerk<br />
und Photovoltaik.<br />
Spezial 2011 s UniversUm 79
innenhof idylle<br />
Im Innenhof der Landhofmühle lässt<br />
es sich perfekt ausspannen. Zudem<br />
spendet der prächtige Kastanienbaum<br />
seinen Gästen kühlenden Schatten.<br />
„Green Building“-Hotel in Österreich<br />
ausgezeichnet.<br />
Ökotouristisches Zentrum<br />
Naturbewusstsein genießt auch im<br />
Hotel und Feriendorf VILA VITA<br />
Pannonia in Pamhagen hohe Priorität.<br />
Trendwende<br />
Das Hotel Wende (u.) hat 2009 seinen<br />
Betrieb energiefreundlich gemacht.<br />
Jährlich werden nun 22.000 Euro für<br />
Wasser und Energie eingespart.<br />
80 UniversUm S Spezial 2011<br />
Auf 200 Hektar Fläche bietet die Anlage<br />
mitten im UNESCO-Welterbe-<br />
Gebiet Fertő/Neusiedler See ein landschaftliches<br />
Urlaubsparadies für Groß<br />
und Klein. Damit die intakte Natur<br />
auch langfristig Anziehungspunkt für<br />
die Gäste des Feriendorfs bleibt, engagiert<br />
sich die VILA VITA Pannonia<br />
aktiv im Umweltschutz: „Das im<br />
Frühjahr 2010 eröffnete ‚Anneliese<br />
Pohl Energiezentrum‘ ist ein ökotouristisches<br />
Zentrum für erneuerbare<br />
Energien mit Biomasse-Heizwerk und<br />
Sonnenkollektoren für die Warmwasserbereitung<br />
und einer Photovoltaikanlage<br />
zur Stromerzeugung für die<br />
Beleuchtung des Energiezentrums“,<br />
erläutert Generaldirektor Bernd Jandl.<br />
„Damit sparen wir pro Jahr bis zu 797<br />
Tonnen Kohlendioxid ein.“ Integrierter<br />
Konferenzraum, angrenzender<br />
Energiepark sowie ein 25 Meter hoher<br />
Aussichtsturm machen die VILA<br />
VITA zu einer innovativen und ökologisch<br />
wertvollen Attraktion. So lernen<br />
die Gäste nicht nur die Landschaft<br />
kennen, sondern auch schätzen.<br />
Ebenfalls ein Musterbetrieb ist die<br />
Firma Naglreiter, ein mit dem Österreichischen<br />
Umweltzeichen für<br />
Gastronomiebetriebe ausgezeichneter<br />
Familienbetrieb: Bäckerei, Konditorei,<br />
Restaurant und Handel vereint das<br />
Haus. Vergeben wurde das Umweltzeichen<br />
insbesondere an die Naglreiter<br />
Erlebnisrestaurants in Neusiedl am<br />
See und Gols. Die Rohstoffe für die<br />
Bäckerei werden in bester Qualität regional<br />
im Seewinkel zugekauft, in einer<br />
ortsansässigen Mühle vermahlen<br />
und direkt in die Backstube geliefert.<br />
Damit, so das Umweltministerium,<br />
beweise die Firma Naglreiter nicht nur<br />
Engagement für die Umwelt, sondern<br />
unterstütze auch die regionale Landwirtschaft.<br />
Aus der Region für die Region,<br />
ist halt am besten. c<br />
die BeTrieBe im inTerneT<br />
Hotel Landhofmühle: www.landhofmuehle.at<br />
St. Martins Therme & Lodge: www.stmartins.at<br />
Hotel Wende: www.hotel-wende.at<br />
VILA VITA Pannonia: www.vilavitapannonia.at<br />
Naglreiter: www.naglreiter.com<br />
Urlaub im Burgenland: www.burgenland.info<br />
Fotos: Landhofmühle (1), steveHaider.com (1)
Burgenland | Service<br />
BUrgenland KontaKte<br />
WichTiGE ADRESSEN hoMEpAGE iNfoS<br />
Burgenland Tourismus www.burgenland.info Informiert umfassend über das Burgenland und sämtliche Angebote zu den<br />
Themen Natur, Kultur, Sport, Wellness, Wein & Kulinarik.<br />
Das Burgenland<br />
schmeckt<br />
Nationalpark Neusiedler<br />
See – Seewinkel<br />
Mittel- und<br />
Südburgenland<br />
www.burgenland-schmeckt.at Angebotsplattform für Genussreisen rund um Wein & Kulinarik. Mit<br />
interaktivem Tourenguide und Tipps für weinkulinarische Ausflüge,<br />
individuelle Entdeckungsreisen sowie Beherbergungsbetriebe.<br />
www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at Alles zum Neusiedler See und dem Seewinkel, Infos über den Nationalpark,<br />
den speziellen Naturraum, die Tier- und Pflanzenwelt.<br />
www.suedburgenland.info,<br />
www.sonnenland.at<br />
Infos zu speziellen Angeboten aus dem Mittel- und Südburgenland sowie zu<br />
den Burgenland-Gutscheinen.<br />
Region Neusiedler See www.neusiedlersee.com Infos rund um den See, Tipps für Birdwatcher, Radfähren, Neusiedler See Card<br />
und vieles mehr.<br />
Naturparke Burgenland www.naturparke.at Übersicht über alle Naturparke, Projekte und Naturparkbroschüre mit<br />
Programmen für 2011.<br />
Naturparkbroschüre 2011 www.burgenland.info/static/files/<br />
naturparkbroschuere_2011.pdf<br />
Naturpark<br />
in der Weinidylle<br />
Welterbe Naturpark<br />
Neusiedler See –<br />
Leithagebirge<br />
Naturpark<br />
Geschriebenstein-ĺrottkő<br />
Naturpark<br />
Landseer Berge<br />
Naturpark<br />
Raab-Örség-Goričko<br />
Naturpark<br />
Rosalia – Kogelberg<br />
alpannonia©-<br />
Weitwanderweg<br />
Alle Veranstaltungen der sechs Naturparke des Burgenlands für das Jahr 2011.<br />
www.naturpark.at Der Naturpark in der Weinidylle liegt im Südburgenland und bietet ein<br />
vielfältiges Angebot an Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten.<br />
www.neusiedlersee-leithagebirge.at Der Welterbe-Naturpark Neusiedler See – Leithagebirge befindet sich<br />
zwischen der pannonischen Tiefebene und den Ausläufern der Alpen,<br />
eine einzigartige Region.<br />
www.naturpark-geschriebenstein.at Der grenzüberschreitende Naturpark Geschriebenstein-ĺrottkő bietet<br />
eine Vielzahl an Attraktionen für jedes Alter.<br />
www.landseer-berge.at Der Naturpark Landseer Berge lockt mit einem umfangreichen Angebot an<br />
Führungen, Sehenswürdigkeiten, Freizeit- und Sportaktivitäten.<br />
www.naturparkraab.at Der burgenländische Teil des Dreiländer Naturparks (Österreich, Ungarn,<br />
Slowenien) bietet eine bunte Palette an Erlebnistouren, Themenwegen,<br />
Natur- und Kulturprogrammen.<br />
www.naturparke.at/de/Naturparke/<br />
Burgenland/Rosalia-Kogelberg<br />
Der „süße“ Naturpark Rosalia – Kogelberg liegt am Ostrand des Wiener<br />
Beckens und ist geprägt vom Ödenburger und vom Rosalien-Gebirge.<br />
www.alpannonia.at 120 Kilometer grenzenloses Wander-Genusserlebnis vom Semmering<br />
bis Köszeg in Ungarn.<br />
Naturnah Urlauben www.landhofmuehle.at Naturidyll-Hotel Landhofmühle in Minihof-Liebau.<br />
Naturnah Urlauben www.stmartins.at St. Martins Therme & Lodge bei Frauenkirchen.<br />
Naturnah Urlauben www.hotel-wende.at Hotel Wende in Neusiedl am See.<br />
Naturnah Urlauben www.vilavitahotels.com Hotel und Feriendorf VILA VITA Pannonia in Pamhagen.<br />
Nachhaltiger Tourismus www.energietourismus.at Energieschonender Tourismus zum Erleben der erneuerbaren Energien.<br />
Europäisches Zentrum<br />
für erneuerbare Energien<br />
www.eee-info.net Das EEE entwickelt nachhaltige, regionale und kommunale Konzepte zur<br />
Energieeinsparung und Nutzung und Erzeugung von erneuerbarer Energie.<br />
SunSHIne rePOrT<br />
Ab sofort und bis Oktober: regelmäßig topaktuelle Wettervorhersagen fürs Wochenende<br />
aus der Region Neusiedler See. Per Gratis-SMS aufs Handy.<br />
Jetzt anmelden auf www.burgenland.info<br />
Spezial 2011 s UniversUm 81
Burgenland | Service<br />
Unterwegs im BUrgenland<br />
Einen Online-Tourenguide finden Sie<br />
auf der Seite von Burgenland Tourismus:<br />
www.burgenland.info<br />
Mattersburg<br />
7<br />
3<br />
Oberwart<br />
eisenstadt<br />
4<br />
6<br />
5<br />
JennersdOrf<br />
82 UniversUm S Spezial 2011<br />
güssing<br />
2<br />
1<br />
OberpullendOrf<br />
neusiedl aM see<br />
1) nationalpark<br />
Der Nationalpark Neusiedler See –<br />
Seewinkel ist ein Ausnahmelebensraum<br />
rund um den Steppensee.<br />
2) leithagebirge<br />
Der Welterbe-Naturpark Neusiedler<br />
See – Leithagebirge verbindet pannonische<br />
Tiefebene und Alpenausläufer.<br />
3) rosalia – kogelberg<br />
Der Naturpark Rosalia – Kogelberg<br />
ist geprägt vom Ödenburger<br />
und vom Rosalien-Gebirge.<br />
4) landseer berge<br />
Der Naturpark Landseer Berge<br />
präsentiert das Mittelburgenland von<br />
seiner erlebnisreichsten Seite.<br />
5) geschriebenstein<br />
Der grenzüberschreitende Naturpark<br />
Geschriebenstein-ĺrottkő bietet eine<br />
Vielzahl an Attraktionen für alle.<br />
6) weinidyll<br />
Der Naturpark in der Weinidylle liegt<br />
im Südburgenland und verführt zum<br />
Erholen in der Natur.<br />
7) raab<br />
Der grenzenlose Naturpark Raab-<br />
Örség-Goričko verbindet Österreich<br />
mit Ungarn und Slowenien.<br />
foToS: planet observer (1), popp-hackner (1), RMB/f. Kovacs (6)
P A N N O N I S C H W O H N E N<br />
Pannonisch Wohnen ist mehr, als nur gut untergebracht sein. Das ist Wohnen in schlichtem, jedoch gediegenem, hochästhetischem<br />
Ambiente. Das ist Konzentration auf sich selbst. Auf die Ursprünglichkeit von Natur und Landschaft ringsum. Auf Wein- und Tischkultur.<br />
Aufs Genießen. Orte und Einrichtungen erzählen Geschichte(n). Vom gefühlvoll überholten Kellerstöckl über das modernisierte<br />
Landgut bis zum edlen Winzerhof: Sie spüren, Sie sind bei Individualisten zu Gast. Sinnlichkeit lockt. Im Burgenland.<br />
Burgenlands schönste Seiten.<br />
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Burgenland Tourismus, Tel. +43/2682/63384-0 | info@burgenland.info | www.burgenland.info
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www.burgenland.info