WARUM GLAUBEN? - Lutherkirche Wiesbaden

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WARUM GLAUBEN? - Lutherkirche Wiesbaden

Zu jung – zu alt? von Volkmar Thedens-Jekel Dafür bist du noch zu klein!« Manche Kinder akzeptieren diese Feststellung klaglos. andere fühlen sich gekränkt und kämpfen fortan gegen diese Einengung ihrer Möglichkeiten. Aber es gibt in der Tat Grenzen: Zehnjährige sollten noch nicht ein Auto steuern dürfen, Zwölfjährige nicht noch spät abends in der Stadt unterwegs sein – Gefahren drohen, die sie noch nicht einschätzen und denen sie nicht angemessen begegnen können. Es gibt da allerdings eine breite Zone des Lebensalters, in der die fremden Bereiche erobert und ausprobiert werden wollen, damit man sich als Erwachsene/r in der Freiheit bewegen kann. In einer längerer Phase bis zum Erwachsensein hat manche Jugendliche, mancher Jugendlicher andererseits vielleicht auch das Gefühl, noch nicht bereit zu sein für die Aufgaben, die ihm oder ihr gestellt werden. Am anderen Ende des Lebensalters nehmen die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen immer mehr ab. Nicht immer stimmt das Lebensgefühl mit diesen Realitäten überein, oft fühlt man sich innerlich z. B. mit 65 Jahren noch wie ein 40-jähriger. Es ist ein mühsamer Prozess, zu akzeptieren, dass manches nicht mehr so geht wie früher. Und dem Bewusstsein, auf das Ende des Lebens zuzugehen, weicht man gerne noch lange aus. Von außen aber werden Alterungsprozesse klar wahrgenommen, manchmal auch grausam scharf formuliert: »Was will denn der Opa hier?« Schnell fühlt man sich dann abgeschoben, als »altes Eisen« ins Lager gelegt. In der Bibel gibt es einige Stellen, in denen beschrieben wird, wie Gott diese Einordnung »zu jung!« oder »zu alt!« durchbricht. Ein Beispiel dafür ist die Berufung und Sendung Abrahams (Gen 12,1–6), in der Abraham als Mann von 75 Jahren beschrieben wird – eigentlich ein Alter, in dem man sich zur Ruhe setzt. Stattdessen sendet Gott ihn in ein völlig fremdes Land, mutet ihm zu, in diesem Alter noch einmal alles zu riskieren – und schenkt ihm eine großartige Verheißung, deren Erfüllung wir bis heute be obachten können. Ein anderes Beispiel ist die Berufung des Propheten Jeremia (Jeremia 1,4–10): Als Gottes Ruf ihn trifft, ist sein erster Einwand: »Ich bin zu jung!« Aber Gott lässt dieses Argument nicht gelten: Auch wenn er Jeremia eine schwere Aufgabe zumutet, die dieser sein ganzes Leben hindurch tragen wird, bleibt Gott bei seiner Berufung. Jeremia erweist sich als begabter Sensor für die falschen Entwicklungen seiner Zeit und als mutiges Sprachrohr für die kritischen Worte Gottes an die Verantwortlichen, was ihm nicht gerade ein gemütliches und ruhiges Leben ermöglicht. Aber er bleibt seiner Berufung zeit seines Lebens treu, so schwer es ihm manchmal fällt (vgl. seine Klage in Jeremia 20,9–11). Ein drittes Beispiel ist die Auswahl des Nachfolgers von König Saul; der Prophet Samuel wird von Gott nach Bethlehem zu Isai gesandt mit dem unklaren Hinweis, dass einer von dessen Söhnen der auserwählte neue König sei. Die Vorstellungen des erfahrenen alten Propheten werden völlig konterkariert, denn Gott wählt sich nicht einen der stattlichen erwachsenen Söhne des Isai zum nächsten König. Gott entscheidet sich für David, der so jung ist, dass er vom Vater überhaupt nicht berücksichtig worden war für das »Königs-Casting« (1. Samuel 16). Der entscheidende Hinweis Gottes ist: »Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.« (1. Samuel 16,7) Es gibt also kein Lebensalter, in dem Gott uns nicht anspricht. Er lässt sich durch keine Äußerlichkeit etwas vormachen. Gott schaut in unser Herz hinein und weiß genau, welche Aufgaben wir bewältigen können. Und manchmal werden uns unserer Fähigkeiten erst bewusst, wenn wir uns auf den Ruf Gottes einlassen, wenn wir die Aufgabe, die uns gegeben ist und die uns vielleicht zu schwer erscheint, annehmen. Andererseits sollten wir uns vor Altersklischees hüten und wahr nehmen, welche Potentiale andere tatsächlich haben. 5 himmel und erde | November – Februar 2013

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