edition 8

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edition 8

Geschichte eines Giftmörders –

Radiografie einer Gesellschaft

Sergio Ramírez

Strafe Gottes

Mehr als ein Kriminalroman

Aus dem Spanischen übersetzt von Thomas Brovot.

Ca. 560 Seiten, gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen,

ca. Fr. 38.–, c 29.80, ISBN 978-3-85990-178-0,

erscheint im September

Anfang der dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde in

León, der damals zweitgrössten Stadt Nicaraguas, dem Guatemalteken

Oliverio Castañeda, der seine Frau, seine Geliebte und

deren Vater umgebracht hatte, der Prozess gemacht, an dessen

Ende er als Giftmörder hingerichtet wurde.

Dieser historische Kriminalfall, mit dem er aus seiner Zeit als

Jura-Student in León vertraut war, diente Sergio Ramírez als

Vorlage für seinen Roman Castigo divino (Strafe Gottes), den

er 1985-87, als schriftstellernder Vizepräsident von Nicaragua,

schrieb. Der Autor schildert den Prozess, in dem zunächst alles

auf Castañedas Schuld hindeutet; er leuchtet die sozialen,

ökonomischen und amourösen Verstrickungen der Hauptfiguren

aus und deutet schliesslich die Möglichkeit einer überraschenden

Verschiebung der Schuldfrage an. Dabei entfernt sich Ramírez

vom Fall Castañeda, so wie er überliefert ist, und zeigt die Brüchigkeit

von Zeugenaussagen und Sachverständigengutachten

auf und die gewaltige Wirkung von Vorurteilen, Eigeninteressen

und politischen Zwängen auf den Verlauf des Prozesses.

Strafe Gottes ist vordergründig eine spannende Kriminalgeschichte,

auf einer zweiten Ebene aber die subtile Radiografie

der nicaraguanischen Gesellschaft am Vorabend des Abzugs der

us-amerikanischen Invasionstruppen und des Beginns der Somoza-Diktatur.

Ausserdem ist es eines der humorvollsten Bücher,

die Lateinamerika uns geschenkt hat. Der Humor liegt in

der Spache, mit der der Autor die Absurdität einer auf tönernen

Füssen stehenden Formalkultur aufdeckt, deren Maxime lautet:

Das Gesetz wird befolgt, aber nicht erfüllt.

Mit Strafe Gottes gelang Sergio Ramírez der Durchbruch in die

erste Reihe der lateinamerikanischen Literatur. Der Roman wurde

in viele Fremdsprachen übersetzt und 1990 mit dem Dashiell-

Hammett-Preis für ›schwarze Literatur‹ ausgezeichnet. Dies ist

die deutsche Erstausgabe.

Sergio Ramírez wurde 1942 in Masatepe, in der Kaffeezone Nicaraguas,

geboren. Er kann auf eine lange Liste literarischer Werke

zurückblicken, mit Übersetzungen in 15 Sprachen. Auf dieser

Liste stehen neun Romane, acht Erzählungsbände und 19 Bücher,

die in die Kategorien Essay, politische Schriften, Testimonio

und Textsammlungen gehören. In deutscher Sprache liegen

bisher neun Titel vor, darunter in der edition 8 der Erzählband

Vergeben und vergessen (2004).

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