22. Großer Bürger- und Polizeiball - bei Polizeifeste.de

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22. Großer Bürger- und Polizeiball - bei Polizeifeste.de

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LIZEI

EIN ARTNER

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Kreisgruppe Harburg

Gewerkschaft der Polizei

22. Großer Bürger- und Polizeiball

Winsen/Luhe • 06. März 2010


www.VDPolizei.de

06.03.2010,

20.00 Uhr

Stadthalle

in Winsen/Luhe

POLIZEI -

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Harburg

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Jan Krüger, Buchholz in der Nordheide

Fotos: Die Verfasser

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© 2010

Bürger- und Polizeiball

Grußworte

Programm

Artikel

Danksagung

Großer

3

7

15

24

05/2010/56

VERLAG DEUTSCHE POLIZEILITERATUR GMBH

Anzeigenverwaltung


Grußwort

Auch wir als Polizei sehen die Notwendigkeit

der stärkeren Vernetzung

mit unserem Nachbarn Hamburg als

wichtige Voraussetzung an, um auch

in Zukunft auf kriminelle Strukturen

und wachsende Verkehrströmungen

sachgerecht reagieren zu können.

Sehr verehrte Gäste, liebe Kolleginnen

und Kollegen,

ein neues Jahrzehnt hat begonnen. Vor uns

steht eine Vielzahl von Veränderungen,

sowohl im privaten als auch im dienstlichen

Bereich.

Der wirtschaftliche Aufschwung kommt

nur langsam in Gang und hat in allen

Bereichen seine Spuren hinterlassen. Dennoch

sollten wir alle zuversichtlich in die

Zukunft schauen und uns auf unsere Stärken

besinnen. Auch dieses Tal werden wir

durchschreiten.

Gerade in unsicheren Zeiten ist es beruhigend

zu wissen, dass wir in einer wirtschaftlich

gut aufgestellten Region leben.

Der Landkreis Harburg verfügt über

eine sehr niedrige Arbeitslosenquote

und hat immer noch ausreichend Wachstumspotenzial.

Nicht ohne Grund wird der Landkreis

Harburg auch als Speckgürtel Hamburgs

bezeichnet. Eine Vernetzung mit Hamburg

erscheint daher immer wichtiger; nicht nur

auf politischer und wirtschaftlicher Ebene

– die Metropolregion Hamburg

gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Auch wir als Polizei sehen die Notwendigkeit

der stärkeren Vernetzung mit unserem

Nachbarn Hamburg als wichtige Voraussetzung

an, um auch in Zukunft auf

kriminelle Strukturen und wachsende Verkehrströmungen

sachgerecht reagieren zu

können.

In diesem Jahr werden wieder Nukleartransporte

nach Gorleben durchgeführt.

Damit einhergehend werden die Einsatzanlässe

in dieser Region zu nehmen.

Dies wirkt sich auf die Arbeitsbelastung

aller Kolleginnen und Kollegen im Landkreis

Harburg aus. Diesen Herausforderungen

werden wir uns stellen.

Ich wünsche der Veranstaltung einen

guten Verlauf und möchte mich bei den

Organisatoren und Ausrichtern aus der

Gewerkschaft der Polizei herzlich

bedanken.

Uwe Lehne

Polizeidirektor

Leiter der Polizeiinspektion Harburg

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Grußwort

Liebe Gäste, liebe Freunde der Polizei,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute feiern wir den 22. Bürger- und Polizeiball

der Gewerkschaft der Polizei,

Kreisgruppe Harburg, in der Stadthalle

Winsen/Luhe.

Die vorherigen 21 Bälle führte ich gemeinsam

mit der Bundespolizei, ehemals

Bundesgrenzschutz, durch. Da die räumliche

Nähe durch die Auflösung des Standortes

Winsen seit Jahren nicht mehr besteht

und sich die verantwortlichen GdP-Mitstreiter

der Bundespolizei im wohlverdienten

Ruhestand befinden, wird der Ball

jetzt erstmalig ohne die Bundespolizei ausgerichtet.

Ich möchte dieses Grußwort nutzen,

zumindest auf dem Papier, den Scheinwerferkegel

auf die beiden Kollegen zu

richten, die vor 21 Jahren den Ball ins

Leben gerufen und seither organisiert

haben.

Reiner Tews und Dieter Brunjes waren die

Organisatoren der ersten Stunde. Herzlichen

Dank für die jahrelange tolle

Zusammenarbeit mit euch.

Die „Neuen“ im Team möchte ich aber

auch vorstellen und herzlichen begrüßen.

Jan Krüger und Torsten Bahlinger

haben das Organisationsteam ergänzt und

bereits ihre Ideen zum diesjährigen Ball

eingebracht.

Danke sagen möchte ich aber auch den

vielen Geschäftsleuten, großen und kleinen

Unternehmen und auch den vielen

Privatleuten, die durch ihre finanzielle

Unterstützung dafür gesorgt haben, dass

dieser Ball stattfinden kann. Natürlich

seien auch die vielen Besucherrinnen und

Besucher des heutigen Abends erwähnt,

die teilweise durch ihre jahrelange Treue

zum Gelingen dieses Balles beitragen.

Erfolgreiche Arbeit insbesondere bei uns,

der Polizei, ist auch immer im Sinne und

Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Die

Entwicklung in bestimmten Kriminalitätsfeldern

bereitet uns aber erhebliche Sorgen.

Dazu gehört besonders die zunehmende

Gewalt gegen Polizeibeamtinnen

und -beamte. Hierauf müssen wir alle,

Polizisten, Bürgerinnen und Bürger, wir

als Personalräte und Gewerkschaftler und

insbesondere unsere Politiker, ein ganz

besonderes Augenmerk richten.

Der zweite Bereich, der uns in der Polizeiinspektion

Harburg Sorgen bereitet, ist

die Eigentumskriminalität. Täter vieler

Nationalitäten, deutsche Staatsbürger eingeschlossen,

nutzen die guten verkehrlichen

Anbindungen in und aus unserem

Landkreis, um sich hier durch Einbrüche

in Häuser und Wohnungen zu bereichern,

um danach wieder in der benachbarten

„Glitzerstadt“ Hamburg unterzutauchen.

Auch hier sind wir alle aufgefordert, aufmerksam

zu sein und Auffälligkeiten den

Polizeidienststellen mitzuteilen. Hinsehen

statt wegsehen!

Nur mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger

können wir die Täter auf frischer Tat

dingfest machen und einer gerechten

Bestrafung zuführen.

Für den heutigen Abend wünsche ich allen

Gästen ein paar sorgenfreie und entspannte

Stunden bei guter Musik mit der Band

„Test“ und dem Showprogramm.

Peter Sperling

Hans-Ulrich Koch

Tosten Bahlinger

und Jan Krüger

Gewerkschaft der Polizei (GdP)

Kreisgruppe Harburg

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Programm

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Harburg

Programm

TEST

SHOWBAND

„FRIENDS“

SPORTAKROBATIK

DES SV HOLM-SEPPENSEN e. V.

„DIKE-LINERS“

DIE LINE-DANCE-TRUPPE

AUS DER ELBMARSCH

Wir wünschen allen Besuchern

des heutigen Ballabends frohe

Stunden in beschwingter und

heiterer Atmosphäre.

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Programm

Die Musiker:

Ivonne Lemke:

Gesang

Detlef Tehel:

Bass, Gesang

Frank Freisleben:

Gitarre, Gesang

Matthias Barnick:

Keyboards, Gesang

Andreas Mucha:

Drums

Maik Ossadnik:

Gesang, Gitarre

TEST

Spielfreude und ein hohes musikalisches Niveau sind das Markenzeichen einer Band, die im

Jahr 2006 ihr 25 jähriges Jubiläum feierte. Ihr Name: TEST. Das abwechslungsreiche Programm

dieser Band ist ein Garant für den Erfolg verschiedenster Veranstaltungen und reicht

von aktuellen Tophits über Rock- und Popklassiker bis hin zu unvergessenen Oldies und

Evergreens. Ergänzt wird die professionelle Präsentation durch eine aufwendige Lichtshow

und einen super Sound. Die fünf Live-Musiker um Frontfrau Ivonne verstehen es dabei, sich

den Publikumsgegebenheiten anzupassen. Wer auch immer Test erlebt, wird mitgerissen von

fetzigen Rhythmen, mehrstimmigen Chorsätzen und nie enden wollender Spielfreude. Dabei

ist die sechsköpfige Band stolz darauf, zu den wenigen zu gehören, die wirklich live spielen.

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Programm

DIKE LINERS

Linedance kommt aus den USA und unterscheidet sich grundsätzlich von den Tänzen hier in Europa.

Üblicherweise wird bei den europäischen Tänzen paarweise getanzt. Das ist im Linedance

nicht so. Hier tanzt man in Linie nebeneinander ohne einen Tanzpartner. Ist die Linie voll, beginnt

dahinter die nächste, bis die Tanzfläche voll ist. Soll aber auf der Tanzfläche zu Beginn der Musik

kein Chaos ausbrechen, tanzt jeder die gleichen Tanzschritte. Und damit es nicht so langweilig

wird, gibt es eine nahezu unbegrenzte Anzahl von vorgegebenen Tanzschritten, die passend zur

Musik dargeboten werden, den Choreographien - (vorsichtige Schätzungen sprechen von ca. 32

000 verschiedenen Tanzschritten und Tänzen) Charakteristisch sind die je Choreographie verschiedenen

Blöcke mit (meist) 8 Tanzschritten verschiedenen Art. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt

es 2, 3, 4 und mehr Blöcke. Ist man am Ende des letzten Blockes angelangt, beginnt der Tanz

wieder von vorn. Die Schwierigkeit besteht demzufolge darin, diese Tanzschritte zu lernen, zu

Üben und im Gedächtnis zu behalten und – quasi auf Abruf – bei den ersten Klängen der Musik

den Tanz zu beginnen. Da der Linedance aus den USA kommt, wird nach Countrymusic getanzt,

aber auch Rock, Pop, Beat und ähnliches ist mit Linedance tanzbar.

Line Dance wird, wie der Name schon sagt, in Linien neben- und hintereinander getanzt. Es sind

festgelegte, sich wiederholende Figuren, die synchron von der Gruppe getanzt werden... Also im

Prinzip ein FORMATIONSTANZ. Niemand muss Angst haben, seinem Partner auf die Füße zu treten.

Jeder tanzt sozusagen „solo“ aber halt gleichzeitig und synchron mit den anderen. Line Dance

ist somit weder mit dem klassischen Ballroom Dance noch mit anderen Country- und Western

Paartanz Formen zu vergleichen. Line Dance tanzt man zu allen möglichen Rhythmen, die man

aus der Tanzschule kennt. Sei es nun ein Foxtrott, Walzer, Rumba oder Cha Cha. Man tanzt aber

auch zu einem Boogie Woogie oder Twist, Rock und zeitgenössischer Musik. Es gibt Tänze die

aus nur wenigen einfachen Schrittfolgen bestehen, ab 16 Taktschlägen bis zu anspruchsvolleren

über 128 Taktschlägen. Wobei es nicht unbedingt die Zahl der Takte ist, welche ausschlaggebend

an der Schwierigkeit eines Tanzes sind. Die Tänze setzen sich aus einfachen Grundfiguren zusammen,

wie Grapevine, Shuffle, Rock-Step, Coaster Step etc die je nach Choreographie variiert

und abwechslungsreich aneinandergefügt werden. Diese Tänze werden entweder zu den 4 Seitenwänden

(Walls) getanzt oder 2 Wände und auch nur zu einer dies hängt von der jeweiligen

Choreographie ab.

Die Dike Liners wurden 2007 im MTV Jahn Obermarschacht gegründet und sind seitdem bei Festen

und Veranstaltung in der Region zu sehen.

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Programm

Preisgekrönte Showtalente: Die „FRIENDS“

vom SV Holm-Seppensen haben den großen

„Stern des Sports“ in Bronze gewonnen

Es klingt, als hätte ein Drehbuchautor sich die

ganze Geschichte ausgedacht: Im Frühjahr hat

die Showgruppe „Friends“ bei der Volksbank

Nordheide eG angeklopft. Sie suchte einen

Sponsor für neue Trainingsanzüge. Die Bank

sagte zu, stellte aber eine „Bedingung“ – im

Gegenzug sollte die Gruppe des SV Holm-Seppensen

bei der Preisverleihung der „Sterne des

Sports“ auf lokaler Ebene auftreten.

Man wurde sich schnell einig. Doch weil Martina

Matthies-Rathjen, die bei der Volksbank

Nordheide eG für die „Sterne des Sports“ zuständig

ist, ein echtes Händchen für aussichtsreiche

Bewerber hat, forderte sie den

Verein auch gleich auf, selbst bei dem Wettbewerb

mitzumachen. Gesagt, getan – die

„Friends“ reichten ihre Bewerbung ein und

holten den ersten Platz. Sie setzten damit ein

Ausrufezeichen unter die Erfolgsgeschichte

dieses Jahres.

Vorher hatte die Akrobatikgruppe aus Niedersachsen

nämlich schon auf Bezirks- und Landesebene

die Prädikate „hervorragend“ und

„ausgezeichnet“ für ihre erfolgreiche Arbeit

verliehen bekommen. Beim Turnfest in Frankfurt

am Main sind die „Friends“ dann in die Top

15 der besten deutschen Showgruppen ge-

wählt worden. Seit Pfingsten tragen sie den Titel

„Showgruppe des Deutschen Turner Bundes“

– zu Recht, wie die Akrobatik-Gruppe mit

ihrem Auftritt zur Musik von „König der Löwen“

bei der Preisverleihung im Gasthof Böttcher in

Nenndorf bewies.

Dabei hat alles ganz klein angefangen: 1990

hatte die Akrobatikgruppe im Kinderturnen des

Vereins gerade mal sechs Mitglieder. Nachdem

die sechs Mädchen beim Heideblütenfest aufgetreten

waren und das Publikum begeisterten,

gab es einen rasanten Sprung bei den Anmeldungen.

Heute zählt die Akrobatik 50 Mitglieder

im Alter von acht bis 57 Jahren. Außerdem besitzt

die Abteilung eine eigene Nachwuchsgruppe,

vor allem junge Mädchen begeistern

sich dafür. Die „Friends“ gelten inzwischen als

überregionales Aushängeschild des 600 Mitglieder

starken Vereins. Diese Entwicklung beeindruckte

auch die Jury der Arbeitsgemeinschaft

der Volksbanken im Landkreis Harburg:

Sie kürte die „Friends“ zu den Gewinnern auf

Bronzeebene. Dafür gab es ein Preisgeld von

1.500 Euro und ein Ticket für das Landesfinale

in Hannover.

© www.sterne-des-sports.de

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Polizei

SCHUTZENGEL

im Landkreis Harburg

Das Schutzengelprojekt wird vom Landkreis Harburg, der Polizeiinspektion

Harburg, dem ADAC, der Verkehrswacht Harburg-Land e. V. und dem

Präventionsrat Seevetal gefördert und betreut.

Ziel ist die Senkung der schweren Verkehrsunfälle

mit Beteiligung junger

Fahrer im Alter von 18 - 24 Jahren.

Sie sind überproportional an schweren

Verkehrsunfällen beteiligt und die Schutzengel,

junge Frauen im Alter von 16 - 24

Jahren, sollen versuchen, ihre männlichen

Altersgenossen vom Rasen und riskanten

Fahrweisen abzuhalten.

Auch wer betrunken oder bekifft Auto

fährt, verliert den Respekt der jungen

Frauen, die nachgewiesen einen großen

Einfluss auf die jungen Männer haben

und sich auf keinen Fall zu fahruntüchtigen

Bruchpiloten ins Auto setzen sollten.

Sie sind oftmals die letzten, die die

jungen Männer vor einem Verkehrsunfall

noch lebend gesehen haben.

Als Dankeschön für ihren Einsatz erhalten

die Schutzengel gegen Vorlage ihres

Schutzengelausweises bei bestimmten

Geschäften und Einrichtungen Vergünstigungen.Unter

www.schutzengel.

landkreis-harburg.de ist eine stets aktu-

alisierte Liste eingestellt. „Mit dem 50.

Unterstützer sind wir auf einem guten

Weg“, so Polizeikommissar Dirk Poppinga,

„aber noch lange nicht am Ziel!“

Denn das Ziel ist und bleibt, möglichst

viele Verkehrsunfälle zu verhindern und

das geht nur gemeinsam. Polizei, Schutzengel,

Förderer und Sponsoren ziehen

hier gemeinsam an einem Strang. Es

wäre schön, wenn sich Geschäftsleute

aus dem gesamten Landkreis an der

Aktion beteiligen würden.

Die Aktion kann auch durch direkte

Spenden unterstützt werden. Wer dies

möchte, kann sich beim LK Harburg,

Frau Bergmann-Noeres unter Tel. 04171

– 693 747 oder unter www.schutzengel.

landkreis-harburg.de erkundigen.

Verkehrssicherheitsberater Dirk Poppinga (v.l.), Schutzengel Nadine Witzke und Gerrit Heinrich, Geschäftsführer der Fa. Blödorn GmbH,

dem 50. Sponsor des Projektes.

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Amoklauf

AMOKLAUF

„Amoktaten, leider ein Phänomen unserer Zeit“

Historische Entwicklung

und kulturelle Bedeutung

des Begriffs „Amok“

Ursprünglich handelt es sich bei dem

malaiischen Wort „amuck“ um einen

Kriegsruf, der übersetzt „wütend“ oder

„rasend“ bedeutet. Mit dem Schlachtruf

„amuck“ leiteten malaiische Krieger den

Krieg oder ihre eigenen Tötungshandlungen

ein, wobei sie auf das eigene Überleben

keine Rücksicht nahmen. Was diese

Form des Amoklaufs betrifft, handelt es

sich um ein kriegstaktisches, sozial anerkanntes

Verhalten einer gesamten Gruppe,

das in den folgenden Jahrhunderten

auch religiös beeinflusst wurde, im Sinne

eines Krieges gegen Ungläubige (Adler,

2000).

Vermutlich entwickelte sich parallel zu

diesem Gruppen-Amoklauf eine frühere

Form des individuellen Amoklaufs, bei

dem der Täter so lange mordete, bis er

selbst getötet wurde, um auf diese Weise

der Versklavung zu entgehen und somit

sein Ansehen zu retten (Lübbert, 2002).

Obwohl hier nur ein einzelner Täter handelte,

war auch diese Form von Amok

offenbar eine sozial anerkannte Reaktionsweise.

Weitere Gemeinsamkeiten des

Gruppeamoks und des individuellen

Amoks bestehen darin, dass es sich hierbei

um bewusste und überlegte Verhaltensweisen

handelte, denen scheinbar keine

psychischen Erkrankungen zugrunde

lagen und von denen Freunde und Familie

bewusst verschont blieben.

Was die Ursachenforschung betrifft wird

zu Beginn des 19. Jahrhunderts der typische

Amoklauf erstmalig als unerwartet

und nicht vorsätzlich beschrieben; Familienmitglieder

und Freunde sind nun

ebenfalls als Opfer von den Tätern betroffen.

Gegen Ende des Jahrhunderts werden

mit dem Aufkommen von Psychiatrie und

Psychologie erstmals psychische Störungen

wie Demenzerkrankungen, psychische

Epilepsie oder „periodischer Wahnsinn“

als mögliche Ursache für den individuellen

Amoklauf vermutet. Sogar auch

verschiedene körperliche Krankheiten wie

Magenerkrankungen, Geschwüre, Malaria

oder Syphilis wurden in Verbindung

mit Amok gebracht, der deshalb auch als

„in fectious murder“ (ansteckender Mord)

bezeichnet worden ist.

Jedoch nicht nur psychische sondern auch

psychosoziale Ursachen werden für die

Amoktaten des 19. Jahrhunderts von verschiedenen

Autoren beschrieben. Scheinbar

ereignen sich die Taten vor allem in

Lebenssituationen, in denen die Ehre des

Täters gefährdet war und die von diesem

als ausweglos angesehen wurde. Einige

Autoren sehen den Amoklauf als eine

Möglichkeit des Täters, den (drohenden)

Ehrenverlust und die damit einhergehenden

inneren Spannungen durch eine extreme

Verhaltensweise zu bewältigen, für die

ihm später keine Verantwortung zugeschrieben

werden kann. Die kulturelle

Bewertung des Amoklaufs veränderte sich

jedoch im Laufe der Jahrhunderte, weshalb

die Täter nun mit harten Strafen für

ihr Verhalten rechnen mussten. Im Laufe

der Zeit hat sich der „traditionelle Amoklauf“

immer weiter verändert, bis er seine

heutigen Erscheinungsformen erreichte.

Amok wird heute als bewusste und

geplante Handlung betrachtet.

Nachfolgend wird deutlich, dass in der

heutigen Zeit nicht alle Formen von Amok

gleich sind und zwischen seinen verschiedenen

Ausprägungen durchaus erhebliche

Unterschiede bestehen können.

Subformen von Amok und

die Verwendung des Begriffs

Das FBI hat ein Manual in Anlehnung an

Systeme zur Klassifikation von Krankheiten

und psychischen Störungen entwickelt:

das „Crime Classification Manual“.

Darin werden drei Arten von Mehrfachtötungen

unterschieden:

1. Serienmorde, bei denen die einzelnen

Opfer (mindestens drei) in größeren

zeitlichen Abständen ermordet

werden,

2. „Spree killings“, bei denen von einem

Täter, bei einer Tatgelegenheit, an

mehr als einem Ort mehrere Personen

umgebracht werden. Hierfür existiert

kein entsprechender deutschsprachiger

Ausdruck. Im Deutschen werden

daher auch solche Taten zumindest als

„Amok“ bezeichnet.

3. Massenmorde, bei denen nach der

Klassifikation des FBI bei einem zeitlich

begrenzten Tatereignis mehrere

Personen an einem Ort Opfer werden.

Amoktaten sind eine Form von Massenmorden.

Zweitens terroristische Anschläge,

bei denen deutlich mehr als eine Person

beteiligt ist, bei denen vielmehr religiöse

oder politische Beweggründe eine

Rolle spielen und bei denen die Täter ihre

Opfer nie mit den eigenen Händen töten.

Drittens opferspezifische Massenmorde,

von denen kleinere Gruppen wie Familien,

Banden oder Sekten betroffen sind.

Häufig ereignen sich diese Taten in einem

privaten Rahmen.

Es werden drei verschiedene

Formen des Amoklaufs

unterschieden

1. Der „klassische“ Amoklauf, bei dem

ein in den meisten Fällen erwachsener

Täter für Außenstehende zunächst

ohne erkennbaren Grund an einem öffentlichen

Ort wahllos Personen tötet.

2. Sogenannte „School Shootings“, die

sich dahingehend vom klassischen

Amoklauf unterscheiden, dass sie von

jugendlichen oder heranwachsenden

Tätern begangen werden und sich an

einem ganz besonderen öffentlichen

Ort ereignen – der Schule oder einem

mit der Schule verbundenen Ort wie

Schulweg oder Bushaltestelle.

3. „workplace violence“ – Hierbei handelt

es sich um Fälle von schwerer Gewalt

am Arbeitsplatz; sie ähneln

17


Karin Lange

Amoklauf

Serienmorde

Mehrfachtötungen

Massenmorde

spree killings

genozide /

zivile Massaker

terroristische

Anschläge

Amoktaten

opferspezifische

Massenmorde

„klassischer“

Amoklauf

School

Shootings

workplace

violence

Einordnung von Amok in die verschiedenen Formen der Mehrfachtötungen und Subformen von Amok.

School Shootings in vielfacher Hinsicht.

Diese Taten wurden ebenfalls geplant

und zumindest einige Opfer

werden bereits im Vorfeld durch den

Täter ausgewählt. Die Täter stehen im

Berufsleben, sind deutlich älter und

wählen den Tatort (ebenfalls durchaus

bewusst) zielgerichtet aus: ihren Arbeitsplatz.

In den letzten Jahren haben gerade School

Shootings eine große Aufmerksamkeit auf

sich gezogen. In Verbindung mit School

Shootings handelt es sich um zielgerichtete,

bewaffnete Angriffe mit Tötungsabsicht

der Lehrer oder Mitschüler, bei denen

entgegen dem etwas irreführenden Begriff

nicht nur Schusswaffen zum Einsatz kommen,

sondern unter anderem auch Klingenwaffen,

stumpfe Gegenstände oder

Bomben. Ganz bewusst wird die Schule als

Tatort gewählt. Die gravierendste Form

von schwerer, zielgerichteter Schulgewalt,

worunter jeder gezielte Angriff, bezogen

auf ein oder mehrere Opfer zu verstehen

ist, der sich im Rahmen der Schule ereignet,

sind School Shootings (shoot, schießen).

Was die Bezeichnung von School

Shootings als Amoklauf bzw. als Amoklauf

an Schulen betrifft, ist irreführend und

sollte daher vermieden werden, weil der

Amoklauf im Alltag häufig als spontane

und ungeplante Verhaltensweise verstanden

wird. Untersuchungen aus den USA

sowie erste Ergebnisse aus Deutschland

zeigen dagegen, dass School Shootings

häufig längerfristige Entwicklungen vorausgehen

und diese ebenfalls über einen

längerfristigen Zeitraum vorbereitet sowie

geplant werden. Deshalb verwundert es

auch nicht, dass die Opfer solcher Taten

meistens nur zum Teil zufällig sind. In vielen

Fällen haben die Täter bereits im Vorfeld

bestimmte Opfer ausgewählt. Im zweiten

Schritt weitet sich die Tat dann auch

auf andere Personen aus. Sogar ähnliche

Ereignisse, die sich an den Universitäten

ereignen, werden in den Medien als

„Amokläufe“ bezeichnet, obwohl diese

Taten in ihrer Erscheinungsform offenbar

vor allem den School Shootings ähneln.

Schwere, zielgerichtete

Schulgewalt in Deutschland

Nicht nur in den letzten Jahren, sondern

noch vor wenigen Monaten (Amoklauf

von Winnenden) erregten vielmehr die

School Shootings und andere Fälle schwerer,

zielgerichteter Schulgewalt das öffentliche

Interesse. Leider geraten die Taten

trotz des großen Medienrummels im Laufe

der Jahre zunehmend in Vergessenheit

– was zur Folge hat, dass die Anzahl

schwerer zielgerichteter Gewalttaten an

deutschen Schulen meist unterschätzt

wird.

Ein schweres School Shooting ereignete

sich am 11. März 2009 in Winnenden, Nähe

Stuttgart. Der 17-jährige Tim Kretschmer

tötete 15 Menschen und nach einem

Schusswechsel mit der Polizei tötete er sich

schließlich selbst. Laut Darstellung der

Ermittler wird der Tathergang wie folgt

beschrieben:

Um 9.30 Uhr betrat er mit einem dunklen

Tarnanzug bekleidet seine ehemalige

Albertville-Realschule. Er suchte das

Obergeschoss auf, dort schoss er mit einer

Pistole Neun-Millimeter-Beretta 92 (hierbei

handelt es sich um eine halbautomatische

Pistole, das heißt: Nach einmaligem

Durchladen lässt sich das gesamte Magazin

mit 15 Schuss abfeuern), die er aus dem

Schlafzimmer seines Vaters entwendet

hatte, auf Lehrer und Schüler. Er verletzte

hierbei neun Schüler und drei Lehrer

tödlich. Die Beamten sahen beim Eintreffen

der ersten Streifen den 17-jährigen

kurz am Ende der Treppe. Sofort schoss

er und flüchtete aus dem Gebäude. Seine

Flucht erfolgte über das angrenzende

Gebäude einer psychiatrischen Klinik,

dort erschoss er einen Mitarbeiter des

Krankenhauses. Der Täter kidnappte

gegen 9.50 Uhr ein Auto, am Steuer des

dunkelgrünen VW Sharan saß Igor Wolf,

41. Der Täter, auf dem Rücksitz sitzend,

hielt Wolf die Waffe an die rechte Schläfe

und sagte: „Auf, fahr los!“ Zunächst fuhren

sie Richtung Tübingen, dann wieder

zurück, auf der B297 vorbei an Reutlingen,

Metzingen, nach Nürtingen, dort auf

die B313 bis zum Autobahnkreuz Wendlingen.

Es stand ein Streifenwagen am

Straßenrand, der Fahrer erhielt den

Befehl, auf die Autobahn A8 abzubiegen;

Wolf lenkte seinen Wagen auf den Grünstreifen

und schmiss sich aus dem noch

rollenden VW. Mit dem Zündschlüssel

floh er; „ich bin in Winnenden gekidnappt

worden“, das war das Erste, was die Polizeibeamten

vernahmen. Tim K. brauchte

ein neues Auto. Der Täter rannte in das

Gewerbegebiet Wertstraße, gelangte zu

einem Autohaus, dort erschoss er einen

Angestellten sowie einen Kunden, die sich

in einem Verkaufsgespräch befanden.

Kretschmer geht ins Freie und steht auf

19


Karin Lange

Amoklauf

einem Parkplatz. Lässig steht er dort. Ein

Polizist bemerkt ihn. Schüsse fallen. Kretschmer

wird zweimal in die Beine getroffen.

15 Menschen hat er getötet, jetzt setzt

er sich den Lauf an die Schläfe, er drückt

ein letztes Mal ab. Es ist 12.30 Uhr.

Was bleibt ist Ratlosigkeit.

Es treten folgende Fragen auf, die immer

gestellt werden nach diesen Taten, wie:

Warum? Wer war Tim Kretschmer? Wie

kann das sein, dass Eltern es noch nicht

einmal mitbekommen, wenn ihr Kind

einen Massenmord plant? Oder anders

formuliert: Wie kann es sein, dass Eltern

es scheinbar nicht merken, was in ihrem

Kind vorgeht?

Der Vater Tims sei als Mitglied eines Schützenvereins

im legalen Besitz von 15

Schusswaffen gewesen, wovon sich 14 in

einem Tresor und eine weitere im Schlafzimmer

befunden hätten. Ebenfalls habe

der 17-jährige Munition in größeren Mengen

im Elternhaus heimlich entwendet.

Der Jugendliche war Gastschütze im

Schützenverein. Seine Opfer brachte er

durch gezielte Kopfschüsse um. Im vergangenen

Jahr absolvierte der Täter die

Mittlere Reife an der Albertville-Realschule.

Tim K. schien bis dahin als ganz normaler,

zwar zurückhaltender Teenager

eingestuft zu werden, der Tischtennisspieler

war und Kraftsportler. Was die Familie

von Tim Kretschmer betrifft, so war

diese seitens des Bürgermeisters Jürgen

Kiesl von Leutenbach normal innerhalb

der Gemeinde und des Vereinslebens integriert.

Kultusminister Helmut Rau berichtete,

dass es sich um einen nach außen

„völlig unauffälligen“ Jungen handle, der

„nie in irgendeiner Form“ aus dem Rahmen

gefallen ist. Es mutmaßt der Minister, dass

Tim eine „doppelte Identität“ gehabt habe.

Ein Amoktäter, schreibt Soziologe Wolfgang

Sofsky, wolle nicht matern oder quälen,

„sondern sofort töten“. Vergleichbar mit

einem Terrorangriff gehe dem Verbrechen

keine Warnung voraus. Sofort erreicht die

Gewalt ihren Höhepunkt. Gegenwehr sei

„nahezu ausgeschlossen“. Die Lehrerin warf

sich noch zwischen Waffe und Schülerin;

sie wurde vom Täter tödlich getroffen.

Was die Vorgehensweise Kretschmers

betrifft, so heißt es, er habe gezielt auf

Mädchen geschossen, er habe gezielt Jagd

auf Jugendliche gemacht, die in seiner

Nachbarschaft gewohnt hatten. Außerdem

heißt es, er sei ein Außenseiter gewesen,

ein isolierter, verklemmter und einsamer

Junge, der sich für erlittene Demütigungen

habe rächen wollen.

Foto:F. Aumüller, digitalstock.de

21


Amoklauf

Gegenüber der Musterungsbehörde der

Bundeswehr teilte Kretschmer mit, dass

er über einen längeren Zeitraum wegen

Depressionen behandelt werde. Ulrich

Hegerl von der Universität Leipzig – einer

der führenden Depressionsforscher des

Landes – hält jedenfalls diesen

Zusammenhang für „völlig abwegig“.

Hegerl hierzu: „Mag sein, dass Kretschmer

einmal an Depressionen gelitten habe“, aber

im „Zustand der Krankheit“ sei er auf jeden

Fall nicht zu einer solchen Tat „fähig“

gewesen.

Dem schließt sich die Frage an: Im Zustand

welcher Krankheit sind Menschen zu derartigen

Verbrechen fähig? Die Forschung

lässt darüber keinen Zweifel, dass Amoktäter

irgendeinen psychischen oder körperlichen

Fehler aufweisen.

Amoklauf in Erfurt und

Emsdetten

Der Amoklauf in Winnenden löste in zwei

deutschen Städten Emotionen der Ratlosigkeit

und tiefen Betroffenheit aus und

zwar in Erfurt und Emsdetten. Auch dort

waren die Schulen zum Schauplatz von

Amokläufern geworden. Der 19-jährige

Robert S. tötete am 26. April 2002 in der

thüringischen Landeshauptstadt am Gutenberg-Gymnasium

zwölf Lehrer, eine

Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten.

Schließlich tötete auch hier der

Täter sich selbst. Insgesamt forderte diese

Tat 17 Todesopfer.

Im münsterländischen Emsdetten stürmte

am 20. November 2006 der ehemalige

18-jährige Schüler Sebastian B. seine ehemalige

Realschule (Geschwister-Scholl-

Schule) und schoss wahllos um sich und

zündete mehrere Rauchbomben, durch die

weitere Menschen verletzt wurden. Neben

drei Schusswaffen führte der Täter mehrere

Rohrbomben mit sich, die er zum Teil

an seinem eigenen Körper befestigt hatte.

Dadurch kann angenommen werden, dass

schließlich noch Schlimmeres durch den

frühen Selbstmord des Täters verhindert

wurde. Er verletzte 37 Menschen zum Teil

schwer, bevor er seine Waffe gegen sich

selbst richtete. In mehrfacher Hinsicht ist

die Tat von Sebastian B. äußerst beunruhigend.

Im Vergleich zu den Amoktätern

von Erfurt und Winnenden handelte es

sich bei ihm nicht nur um einen Täter, der

in Verbindung mit seiner Tat neben

Schuss- und /oder Klingenwaffen auch

Sprengstoff mit sich führte (genauso wie

die von ihm verherrlichten Täter aus Littelton,

Dylan Klebold und Eric Harris),

sondern auch um den ersten deutschen

School Shooter, der bewusst und beabsichtigt

auch auf seine Mitschüler schoss. Wie

Klebold und Harris hinterließ B. ein Tagebuch

und Filmaufnahmen, in denen er seine

Tötungsphantasien sowie Tatmotive

festgehalten hatte, dabei sich selbst als den

überlegenen Rächer darstellte. Sebastian

B. präsentierte diese Materialien der

Öffentlichkeit, indem er sie unmittelbar

vor seinem Tod über das Internet verbreitete.

Ein hasserfüllter Abschiedsbrief ging

dem Amoklauf in Emsdetten voraus, den

Sebastian B. per

Internet veröffentlichte.

„Ihr habt Euch

über mich lustig

gemacht“, heißt es

unter anderem in diesem

Brief. Der stets in

schwarz gekleidete

Ex-Schüler brachte

auf mehreren Internetseiten seinen Hass

gegenüber der Schule zum Ausdruck. Den

Lehrern warf er vor, dass sie in sein Leben

eingegriffen hätten und ihn auf einem

„Schlachtfeld“ zurückließen. Außerdem

kündigte er Vergeltung an: „Ich will

Rache!“ schrieb er und: „Ihr müsst alle

sterben!“. Staatsanwalt Schweer hält den

ebenfalls gefundenen Abschiedsbrief für

authentisch. Darin heißt es: „Ihr habt Euch

über mich lustig gemacht, dasselbe habe

ich nun mit Euch getan, ich hatte nur einen

ganz anderen Humor“. Der Brief schließt

mit den Worten: „Ich bin weg…“ 13

Sprengkörper und Schusswaffen hatte der

Ex-Schüler Sebastian B. bei sich, als er am

Montag (20.11.2006) seinen Amoklauf

durch die Geschwister-Scholl-Realschule

startete. Bereits vor seinem Amoklauf war

der 18-jährige mit einer Schusswaffe aufgefallen.

Deshalb hätte er sich am Dienstag

(21.11.2006) vor dem Jugendgericht

Rheine wegen des Verstoßes gegen das

Waffengesetz verantworten sollen. Ein

Gerichtssprecher teilte mit: „Er hatte auf

einer Open-Air-Veranstaltung Bier getrunken

und eine Gaspistole gezogen. Daraufhin hatten

ihn Passanten angezeigt. Die Polizei

erschien und nahm ihm die Pistole ab.“ Der

18-jährige hatte zwar einen so genannten

kleinen Waffenschein besessen, so der

„Ihr habt Euch über mich

lustig gemacht, dasselbe

habe ich nun mit Euch getan,

ich hatte nur einen

ganz anderen Humor“.

Sprecher weiter. Der erlaubte ihm lediglich,

so genannte Gas- und Signalwaffen

unter sehr strengen Auflagen mit sich zu

führen. Nicht jedoch diese ohne Not auf

einer öffentlichen Veranstaltung zu zücken.

Sebastian B. jobbte unauffällig in einem

Baumarkt. Ein Unternehmenssprecher sagte:

„Aushilfskräfte werden für Inventur- und

Lagerarbeiten eingesetzt. Sie haben keinen Kundenkontakt,

weil dafür bestimmtes Fachwissen

notwendig wäre“. Die rund 700 Schüler und

Lehrer versuchen die schrecklichen Eindrücke

des Amoklaufs an der Geschwister-Scholl-Schule

zu verarbeiten.

Bedingt durch den Amoklauf in Winnenden

kommt bei den Schülern und Lehrern

der Schulen in Erfurt und Emsdetten

alles wieder hoch. Erfurts Oberbürgermeister

Andreas

Bausewein teilte

mit, dass die Stadt

als Konsequenz auf

den Amoklauf von

2002 mehr Schulsozialarbeiter

eingestellt

habe, die dabei

helfen sollen, dass

Schüler wie Robert S., der keinen Schulabschluss

schaffte, nicht durchs Raster fallen.

Bereits bei den geringsten Anzeichen

einer ähnlichen Tat oder Tatdrohung werde

Kontakt zur Polizei und zum Kultusministerium

aufgenommen. Vor Ort seien

alle sensibler geworden. Gewalt darf nicht

verharmlost werden. „Es ist außerdem auch

wichtig, das über all das gesprochen wird“,

teilte der thüringische Landespolizeipfarrer

Karl-Josef Wagenführ mit. Als einer der

ersten Seelsorger war er bei dem Amoklauf

von Erfurt an der Schule. Wichtig für

ihn ist die psychologische Arbeit, denn

sogar heute noch gibt es vor Ort

Gesprächsangebote.

Emsdetten wie Erfurt boten Winnenden

spontane Hilfe an, bezogen auf die Verarbeitung

der Tat. In Verbindung mit der

Verarbeitung setzt die Stadt Emsdetten auf

Prävention. Heute hat die Realschule zwei

halbe Stellen für einen Schulpsychologen

eingerichtet. Laut Stadtsprecherin Margit

Krupa habe sich „die Gesprächskultur“ in

der Stadt verbessert. Das bedeutet, jeder

achte mehr auf den anderen. „Die Menschen

sprechen sich nun gegenseitig viel eher

an, wenn sie das Gefühl haben, da stimmt was

nicht“, erklärte Krupa. Die gesamte Schule

wurde umgebaut, um die Schüler nicht

täglich mit dem Ereignis und den Bildern

22


Karin Lange

Amoklauf

von damals zu konfrontieren. Gabriele

Sonsmann, Verwaltungsdirektorin des

Marienkrankenhauses, das erste Verletzte

aufnahm, erinnert sich, dass die Ärzte

damals nicht sofort durch die Polizeibarrikaden

kamen. „Jetzt gibt es Absprachen

mit der Polizei, damit so etwas nicht mehr passieren

kann“, sagte Sonsmann

Sieger in der Welt des Spiels

Geht es um gewalttätige Videospiele im

Internet, wie Counter-Strike oder doom,

dann ist Sebastian, von seinen Mitschülern

„Basti“ genannt, nicht mehr zurückgezogen.

Er ist dann in seiner Welt, dann

wird er aktiv. Sogar bei Kriegsspielen im

Wald steht er – teils schwer bewaffnet im

Tarnanzug – in vorderster Front. Jugendforscher

Professor Klaus Hurrelmann

bringt es wie folgt auf den Punkt: „In der

fiktiven Welt des Spiels war er kein Verlierer,

er fühlte sich stark.“

Selbsthass und Erniedrigung

Sein Internettagebuch gleicht erschreckenden

Hassäußerungen. „Ich lerne nicht

mehr, ich beteilige mich nicht mehr und ich

tue eigentlich gar nichts mehr, außer vor

mich hinvegetieren. Es ist die Hölle auf

Erden…“, heißt es in einem Eintrag vom

7. Juli 2005. Sebastian B. fühlt sich erniedrigt,

gedemütigt sowohl von Lehren als

auch von Mitschülern. „Ich hasse es immer

der Doofmann für alle zu sein“, schrieb er

am 23. Mai. Zuvor berichtet er über seelische

Wunden, die ihm vor allem zwischen

der 5. und 8. Klasse zugefügt worden

seien. Einmal sei ihm ein glühender Fahrradschlüssel

auf der Hand ausgedrückt

worden.

Letzte Zuflucht: Netzwelt

Experten meinen, es sei ein deutliches

Warnzeichen, wenn Jugendliche nur noch

vor dem PC sitzen. Gerade bei jungen

Männern seien oft psychische Krankheiten

schuld, dass sie sich in die virtuelle

Welt des Internets stürzen. „Die Betroffenen

ziehen sich deprimiert in eine andere Welt

zurück. Sie flüchten aus der Realität“, sagt

Bert te Wild von der Medizinischen Hochschule

Hannover. Innerhalb einer Studie

untersuchte er 23 Probanden, die sich über

einen langen Zeitraum täglich mehr als

sechs Stunden im Internet aufgehalten

haben. Das Ergebnis: Von den Untersuchten

wiesen 80 Prozent Depressionen auf,

andere Angst- oder Persönlichkeitsstörungen.

Ein Mensch wie Sebastian B. passe

genau in dieses Bild, sagte Wildt. In der

Realität habe sich der 18-jährige zum ständigen

Verlierer und als „Doofmensch“

abgestempelt gefühlt. Dagegen habe er

sich im Internet in Kampfvideos als mächtigen

Mann darstellen können. Bezogen

auf die Internetforen habe ihn niemand

unterbrochen oder ausgelacht. Das Internet

wurde als Möglichkeit gesehen, vor

der Krankheit wegzulaufen. „Online finden

sie oft, was ihnen im richtigen Leben fehlt:

Kontakte, Gruppengefühl, vielleicht sogar eine

Romanze“, sagte

Wildt. Dieses führe

bei machen Menschen

so weit, dass

sie sich etwa mehr

als 15 Stunden pro

Tag in Online-Rollenspiele

zurückziehen

und dabei verwahrlosen.

„Ich kenne

Fälle, da wurde bis

zur Räumungsklage

keine Miete mehr gezahlt, nicht mehr gegessen

und nicht mehr ans Telefon gegangen“.

Die Waffe vermittelt für

kurze Zeit ein Gefühl der

totalen Kontrolle

Die Amoktäter Robert S., Sebastian B.,

Matti S. und jetzt Tim K. haben nicht

durch Zufall ähnliche Lebensläufe. In

ihrem Leben fanden sie sich nicht mehr

zurecht, sie fühlten sich gedemütigt; sie

waren jung, männlich und frustriert. Laut

Aussage von Joachim Kersten, Soziologe

an der Deutschen Hochschule der Polizei

in Münster, haben die Täter einen gemeinsamen

Auftritt, ob Erfurt, Emsdetten,

Finnland oder jetzt Winnenden. Weiter-

Warum passierte, was

passiert ist?

Diese Frage verfolgt die

Überlebenden nach dem

Amoklauf genauso beharrlich,

wie die grausigen

Bilder vom Geschehen.

hin erklärt Kersten: „Durch Demütigungen,

die der Täter ertragen hat, sieht er sich

selbst als Opfer“. Die negativen Ereignisse,

die diese jungen Männer erfahren, empfinden

sie schnell als Kränkungen. „Der

Täter ist isoliert, aber auch kein Unbekannter

seiner Umgebung“, sagt Kersten. Eine

zurückhaltende, eher freundliche Art sei

typisch. Oft habe der Täter ein Problem

mit seinem Selbst, als schwach und klein

empfindet er sich. Gepaart mit der Faszination

für Waffen und dem Gedanken an

Gewalt werde die „Selbstaufrichtung“

zum zentralen Thema seines Lebens, so

Kersten. Der Nachahmungseffekt kann

Auslöser für eine Tat sein, ergänzt Kersten.

Von dem Amokschützen wird die

Gewalthandlung regelrecht inszeniert.

Der Täter nimmt dabei seinen eigenen

Tod in Kauf. Wenn er die Bilder eines

anderen Massakers sieht, so will er genauso

groß und beherrschend

sein, wie

das, was er sich

angeschaut hat,

erklärt Kersten.

Zum typischen Profil

der Umstände

gehöre, dass der

Täter über Waffen

verfügt, wie in Winnenden.

Laut Experte

handelt der Täter

nicht im Affekt. Vielmehr sei die Tat der

Abschluss unbewältigter Konflikte und

einer oft jahrelangen Fehlentwicklung.

Als „Moving targets“ (Ziele in Bewegung)

nimmt der Amokläufer Menschen

nur noch wahr. Kersten erklärt, „er erlebe

den Tod des inneren Selbst“. Trotzdem die

Steuerung der Impulse ausgeschaltet ist,

wirkt er während der Bluttat kontrolliert,

berechnend und klar; schießt jedoch

wahllos auf alles was sich bewegt, für ihn

erkennbar noch lebt. Lehrer und Schüler,

von denen er sich beleidigt fühlt, können

die ersten Opfer sein, sagt Kersten. Dann

schießt er willkürlich. Die Frage, auf die

es nie eine Antwort geben wird: Warum

passierte, was passiert ist?

Diese Frage verfolgt die Überlebenden

nach dem Amoklauf genauso beharrlich

wie die grausigen Bilder vom Geschehen.

Literatur und Quellenangaben: Der Spiegel Nr. 12/16.März 2009, S. 31 ff.,

FOCUS Nr. 12/16. März 2009 S.27 ff., Rheinische Post, Donnerstag 12. März 2009,

A3 Land & Leute/A4 Politik, www.wdr.de themen/panorama, H. Scheithauer/R. Bondü,

Amoklauf/Wissen was stimmt, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2008

23


Danksagung

www.VDPolizei.de

VIELEN

DANK!

Liebe Inserenten!

Mit der Beteiligung in der Festschrift anlässlich unseres Polizeiballes

haben Sie uns sehr geholfen. Wir danken Ihnen dafür sehr herzlich!

Liebe Leser!

Alle Inserate dieser Festschrift verdienen Ihre Aufmerksamkeit.

Bitte berücksichtigen Sie diese Unternehmen bevorzugt bei Ihrer

nächsten Disposition.

Ihre

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Harburg

Hinweis:

Der nächste Polizeiball findet am 05. März 2011 statt!

Liebe Unternehmer und Sponsoren,

vielen Dank für die freundlichen Gespräche und die

rege Beteiligung auch in diesem Jahr.

Ich wünsche Ihnen viele gute Geschäfte und verbleibe

bis auf Weiteres mit herzlichen Grüßen

Stefan Gröbel

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