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rudolf steiner gesamtausgabe vorträge - Freie Verwaltung des ...

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her die religiösen

her die religiösen Inhalte. Und die Jugend, wenn sie heute heranwächst, trägt durch etwas Geheimnisvolles, das ich heute nicht erörtern kann, durch Geheimnisse, die mit ihr geboren werden, die Sehnsucht nach Schöpferischem auf allen Gebieten des Lebens. Sie findet dieses Schöpferische auf wissenschaftlichem Gebiet. Das genügt ihr nicht. Sie sehnt sich auf künstlerischem Gebiet nach tief Schöpferischem, sie sehnt sich auch auf sittlichreligiösem Gebiet nach tief Schöpferischem. Deshalb versteht heute die Jugend das Alter nicht, das Alter die Jugend nicht. Deshalb ist eine Kluft zwischen beiden. Das alles charakterisiert ja im Grunde unser gegenwärtiges Zeitalter, aber es zeigt noch nicht den tiefen Zwiespalt im Menschen selber, der zu alldem, was ich jetzt geschildert habe, eigentlich erst geführt hat. Und um diesen tiefen Zwiespalt in der menschlichen Natur selber zu finden, müssen wir schon auf die Eigentümlichkeit dieser menschlichen Natur hinschauen, wie sie sich gerade im wissenschaftlichen Zeitalter, das heißt seit der Mitte des 15. Jahrhunderts herausgebildet hat. Da sehen wir, wenn wir so recht unbefangen auf den heutigen Menschen hinblicken, zwei entgegengesetzte Pole in seiner Natur. Diese zwei Pole beherrschen ja im Grunde genommen unser ganzes Geistesleben. Aber sie befriedigen nicht unsere menschlichen Bedürfnisse. Und diese zwei Pole, sie sind auf der einen Seite jenes starke, innerliche, intensive Selbstbewußtsein, das der moderne Mensch in den letzten Jahrhunderten herausgebildet hat, und auf der anderen Seite die besondere Art, wie der Mensch durch seine neuzeitlichen Fähigkeiten dazu gekommen ist, die Welt zu begreifen. Sehen wir uns einmal diese polarischen Gegensätze näher an. Wenn ich vom Selbstbewußtsein, vom Ichbe- Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 8 2 Seite: 3 0

wußtsein des modernen Menschen rede, so meine ich keineswegs allein dasjenige, was sozusagen in der Einsamkeit der Philosophenstube entsteht. Aus dem Selbstbewußtsein des Menschen, das heißt der Selbsterfassung der Idee, des Begriffes hat Hegel in grandioser Weise eine Weltanschauung entwickelt. Wir sehen in der Hegelschen Philosophie nur eben eine unendlich geniale Ausgestaltung desjenigen, was das Selbstbewußtsein in sich erfahren kann, wenn es in vollem Umfange seiner selbst eben gewahr wird. Und wir sehen auf der anderen Seite in den Anti-Hegelianern, wie sie, wenigstens wenn sie Philosophen sind, auch ausgehen vom Selbstbewußtsein. Sie verachten die Hegelianer, verachten jene breite Ausbildung im Ideell-Geistigen, wie sie durch Hegel erreicht worden ist aus dem menschlichen Bewußtsein heraus. Sie wollen bei einem Punkte bleiben, auf den sie immer wieder hinschauen, bei ihrem Selbstbewußtsein, das sich nicht ausbreitet, wie bei Hegel, aber sie gehen auch vom Selbstbewußtsein aus. Allein, indem man so charakterisiert, selbst wenn man mehr ins konkret-wissenschaftliche und philosophische Gebiet heruntersteigt, von diesem philosophischen Erfassen des Selbstbewußtseins aus kann man nicht allzuviel von der Natur des gegenwärtigen Zeitalters charakterisieren aus dem Grunde, der mir einmal besonders stark in einem Gespräch mit Eduard von Hartmann vor Augen trat. Wir sprachen über dasjenige, was erkenntnistheoretisch erreicht werden kann durch eine Kritik, eine Analyse des Selbstbewußtseins, und da sagte Eduard von Hartmann: Man sollte über solche Dinge heute überhaupt keine Bücher drucken lassen, sondern sie bloß hektographieren, damit sie nur in wenigen Exemplaren, vielleicht in sechzig Exemplaren vorhanden sind, denn nur so viel Menschen *) 4 Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 8 2 Seite: 31

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