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rudolf steiner gesamtausgabe vorträge - Freie Verwaltung des ...

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Allein ein so abstraktes

Allein ein so abstraktes Lernen, wie wir es heute tun, war dasjenige nicht, was ein mittelalterlicher Student trieb. Er sollte auch Übungen machen, und das gewöhnliche Lernen war auch mit Übungenmachen verbunden. Es war eine innerliche Praxis und Praktik, die durchzumachen war; allerdings nicht in einer so robusten Weise wie die Jogapraktik des Atmens, sondern es war eine schon mehr nach innen verlegte Praxis, aber doch eine Praxis. Ein Niederschlag, der heute wenig verstanden wird, hat sich erhalten in dem, was man im Mittelalter die sieben freien Künste nannte, die derjenige durchmachen mußte, der auf eine höhere Erkenntnis Anspruch machte. Grammatik, das, was die praktische Handhabe der Sprache ist, war damit gemeint. Die Rhetorik, die nun nicht nur die Handhabung, sondern die schöne Handhabung der Sprache bedeutete. Die Dialektik, die Handhabung der Sprache von der inneren Kraft des Denkens aus. Und hatte man diese drei durchgemacht in innerer Praxis als Übungen, dann kam die Arithmetik, wiederum nicht unsere abstrakte Arithmetik, sondern jene Arithmetik, die sich einlebte in die Dinge, die ein deutliches Bewußtsein davon hatte, daß der Mensch alles innerlich bildet. Und so lernte man innerlich praktizierend Geometrie. Die Geometrie wurde ganz als mit dem Menschen verwoben praktisch zu einem Eigentum des Menschen gemacht, zu seiner Handhabe gemacht. Dann mündete das Ganze ein in das, was man Astronomie nannte. Der Mensch gliederte sein Wesen in den Kosmos ein. Er lernte erkennen, wie sich sein Haupt auf den Kosmos bezieht, wie seine Lunge, sein Herz ein Ergebnis des Kosmos ist. Man hatte nicht eine vom Menschen abgezogene Astronomie, sondern eine Astronomie, in der der Mensch voll darinnenstand. Und dann lernte man Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 8 2 Seite: 7 2

das Weben und Walten des göttlichen Wesens, das die Welt durchwebt und durchwellt, kennen in der siebenten Stufe, die man mit Musik bezeichnete, was aber nicht die heutige Musik ist, sondern ein höheres, lebendiges Ausbilden desjenigen, was mehr gedanklich ausgebildet war in der Astronomie. So übte der Mensch in einer späteren Zeit sich in innerlicher Praxis. Dasjenige, was früher Atmungsübungen waren, war jetzt mehr eine innerliche Seelenpraxis. Und wozu kam man? Man kam allmählich dazu im Laufe der menschlichen Zivilisationsgeschichte, den Gedanken in Absonderung zu haben von der Sinneswahrnehmung. Das mußte erst errungen werden. Die Griechen haben den Gedanken noch in der Welt gesehen, wie man Farben und Töne sieht. Daß der Gedanke von uns als etwas von uns Erzeugtes erfaßt wird, als etwas, was nicht darinnensteckt in den Dingen, daß das so empfunden wurde in der Seelenverfassung und daß es heute so empfunden werden kann, das ist ein Ergebnis des Übens in der Grammatik, Rhetorik und so weiter bis zur Musik. Dadurch wurde der Gedanke losgelöst von den Dingen. Man lernte frei im Gedanken sich bewegen. Dadurch wurde endlich dasjenige herbeigeführt, was uns nun wiederum selbstverständlich ist, was wir heute haben ohne diese Übungen, was wir heute vorfinden, wenn wir an unsere Schulen kommen, was geboten wird in den einzelnen Wissenschaften, wie es gestern geschildert wurde. Und gerade so, wie man in den früheren Zeitaltern durch Übungen hat vorwärtskommen sollen - in älteren Zeiten durch die Joga-Atmungsübungen, später durch die Übungen, die von der Grammatik bis zur Musik liefen, so daß man aus den Joga-Atmungsübungen als Selbstverständlichkeit bekam die griechisch-lateini- Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 8 2 Seite: 7 3

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