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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

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Hufbeinbeugers (LITZKE

Hufbeinbeugers (LITZKE und DIETZ 1999). Die Autoren bezeichnen hierbei die Prognose als gut, solange der Hufvorderwandwinkel unter 90 Grad beträgt und keine Schädigung des Hufgelenks vorliegt. 3.1.2.6 Tierschutzrechtliche Bewertung und mögliche zuchthygienische Maßnahmen Der Leidensgrad beim angeborenen wie auch beim erworbenen Sehnenstelzfuß hängt stark von der Ausprägung des klinischen Bildes ab. Während leichte Verlaufsformen durchaus spontan abheilen können oder durch einfache Maßnahmen (beispielsweise ergänzende Mineralstoff- und Vitaminfütterung) zur Abheilung gebracht werden können, gehen schwere Erkrankungsformen mit starken Beeinträchtigungen einher. So können betroffene Fohlen unter Umständen nicht selbständig aufstehen und stehen bleiben, wodurch die Milchaufnahme bei der Mutterstute nicht möglich ist (HERZOG 2001). Darüber hinaus kann es beim angeborenen Sehnenstelzfuß durch ein Fußen auf dem Fesselkopf zum Dekubitus mit nachfolgenden Infektionen kommen (LITZKE und DIETZ 1999). Derartig ausgeprägte Verlaufsformen dieser Erkrankung sind nicht mit dem Bedarfsdeckungs- und Schadensvermeidungskonzept (TSCHANZ 1993, SAMBRAUS 1997) vereinbar. In der überwiegenden Zahl der Erkrankungsfälle kann durch der entsprechenden Symptomatik angemessene therapeutische Maßnahmen dem betroffenen Individuum geholfen werden, in einen schmerzens-, leidens- und schadensfreien Zustand zu gelangen (KÖHLER und LEENDERTSE 1996, LITZKE und DIETZ 1999, HUNT 2003). Dies beinhaltet jedoch für den praktizierenden Tierarzt die Gefahr, diese Erkrankung nicht hinsichtlich ihrer Erblichkeit zu berücksichtigen. Notwendige zuchthygienische Maßnahmen werden dementsprechend nicht eingeleitet. Im Hinblick auf die Population sollte auf Grundlage des angenommenen autosomal-rezessiven Erbgangs ein Zuchtausschluss erkrankter Pferde erfolgen, unabhängig davon, ob es sich um einen erblichen Defekt oder eine erbliche Disposition für schnelles Wachstum handelt, da das Risiko eines erneuten Auftretens - 16 -

innerhalb der Folgegenerationen nicht abschätzbar ist. HERZOG (2001) empfiehlt den Zuchtausschluss von Anlage- und Merkmalsträgern des angeborenen Sehnenstelzfußes. Auch im Fall des Sehnenstelzfußes erscheint eine Dokumentation sinnvoll, um familiäre Häufungen zu registrieren, Anlageträger ausfindig zu machen und diese aus dem Zuchtgeschehen zu tilgen. 3.1.3 Podotrochlose – Syndrom 3.1.3.1 Symptomatik Aufgrund des chronisch-progressiven Charakters dieser Erkrankung besteht die erste, in der Regel vom Reiter selbst wahrgenommene Auffälligkeit zunächst im Auftreten einer bilateralen Bewegungsstörung der Vordergliedmaßen, die durch eine kürzere und flachere Aktion gekennzeichnet ist (LITZKE 1999). In Abhängigkeit von Verlauf und Dauer der Erkrankung kann sich eine gering- bis mittelgradige Lahmheit zeigen (STASHAK 2002). Da in der Regel beide Extremitäten erkrankt sind, tritt die Bewegungsstörung meist bilateral auf (WRIGHT 1993). Ein häufig beobachtetes Symptom der Podotrochlose ist Wendeschmerz (WRIGHT 1993, LITZKE 1999). Im Stand der Ruhe kann ein wechselseitiges Be- und Entlasten der erkrankten Gliedmaßen in Form von nach vorn gestellten Hufen (LITZKE 1999) beobachtet werden. Ein Zusammenhang zwischen Hufform, Hufstellung und dem Auftreten der Podotrochlose wird im Schrifttum beschrieben. So beschreiben einige Autoren Hufe mit niedrigen Trachten, eine nach palmar gebrochene Zehenachse, Trachtenzwanghufe sowie Unterschiede zwischen rechter und linker Hufform (TURNER 1989, LITZKE 1999). 3.1.3.2 Rassezuordnung, Epidemiologie und Vererbung Das Podotrochlose-Syndrom als eine der häufigsten Lahmheitsursachen beim Pferd gilt als „Berufskrankheit“ des Reitpferdes, was LITZKE (1999) auf die spezifische Belastung der - 17 -

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