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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

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Hufrolle bei dieser

Hufrolle bei dieser Gruppe von Pferden zurückführt. DYSON (2003) gibt ein durchschnittliches Alter zwischen 7 und 9 Jahren an, in dem erkrankte Pferde klinisch apparent werden. Allerdings sind Lahmheiten auch bereits in jüngerem Alter möglich. Im Hinblick auf eine geschlechtsspezifische Verteilung zeigt sich, dass Wallache häufiger von dieser Erkrankung betroffen sind als Stuten und Hengste (ACKERMANN et al. 1977, ROSE et al. 1978). Eine Rasseprädisposition für die Podotrochlose scheint insbesondere für Warmblüter und American Quarterhorses zu bestehen (ROSE et al. 1978). Die Angaben für die Prävalenz bei Warmblütern liegen zwischen 14,9 % (DIK und VAN DEN BROEK 1995) und 87,6 % (BOS et al. 1986), wobei diese Erkrankung bei Bayrischen, Hessischen, Holsteiner Warmblütern und Trakehnern häufiger beobachtet wird als bei Hannoveranern und Oldenburgern (WINTER et al. 1996, WILLMS et al. 1999). Araber, Ponies, Trab- und Galopprennpferde sowie Islandpferde scheinen seltener betroffen zu sein (WINTZER 1964, HICKMANN 1989, HIESTAND 1999). Bezüglich der Vererbung spricht HERZOG (2001) von einer polygen bedingten familiären Disposition und gibt eine Heritabilität von 0,25 an. Andere Autoren bestätigen das familiär gehäufte Auftreten des Podotrochlose-Syndroms (BOS et al. 1986, WINTER et al. 1996), wobei die geschätzte Heritabilität im Bereich zwischen 0,06 und 0,3 angegeben wird (WINTER et al. 1996, DIK et al. 2001). 3.1.3.3 Ätiologie und Pathogenese LITZKE (1999) definiert die Podotrochlose als eine chronische, degenerative und progressive Erkrankung der Hufrollenbestandteile, also des Strahlbeins, der tiefen Beugesehne und des Hufrollenschleimbeutels. Die exakte Ätiologie und Pathogenese des Podotrochlose-Syndroms ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch werden im Wesentlichen zwei Einflussfaktoren beschrieben, von denen - 18 -

angenommen wird, dass sie an der Entstehung der Podotrochlose beteiligt sind: Veränderungen der biomechanischen Belastung der Hufrolle sowie hämodynamische Störungen. Das Strahlbein mit der Bursa podotrochlearis fungiert als Gleitlager für die tiefe Beugesehne (LITZKE 1999) und ist hierdurch während der Stützphase des Beines starken Druckbelastungen, während der Vorführphase hingegen Zugbelastungen ausgesetzt. Dies bedingt einen auch unter physiologischen Bedingungen stattfindenden alterungsbedingten Umbauprozess des Strahlbeins, welcher in der Literatur als „Remodelling“ bezeichnet wird (DÄMMRICH et al. 1983, POOL et al. 1989). Der mediane Längsschnitt durch das Strahlbein eines Fohlens zeigt eine beinahe quadratische Fläche, welche mit fortschreitendem Alter des Pferdes eine rechteckige bis keilförmige Kontur annimmt (LITZKE 1999). Durch den Einfluss äußerer Faktoren wie Stellungsanomalien des Hufes und der Gliedmaße kommt es zu einer Verstärkung der auf die Hufrollenbestandteile einwirkenden biomechanischen Kräfte und somit letztlich zu einem Überschreiten der physiologischen Anpassungsfähigkeit des Strahlbeins (DÄMMRICH et al. 1983). COLLES und HICKMANN (1977) sowie FRICKER et al. (1982) beschreiben hämodynamische Störungen im Bereich des Strahlbeins in Form von Arteriosklerose, Intimaverdickung und Thrombenbildung. DYSON (2003) weist allerdings darauf hin, dass es bisher noch nicht gelungen ist, eine Hufrollenerkrankung experimentell auszulösen und somit die aufgeführten Faktoren als spekulativ anzusehen sind. Von den vermuteten pathologischen Abläufen sind alle Strukturen der Hufrolle betroffen. Durch Osteoklastenaktivität kommt es zu lakunenartigen Ausweitungen der Canales sesamoidales, welche sich in der radiologischen Untersuchung als keulenförmige Aufhellungen darstellen (LITZKE 1999). Der Autor - 19 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover