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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

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3.1.6.4 Diagnostik Das

3.1.6.4 Diagnostik Das bereits aufgezeigte klinische Bild des Spat umfasst keine Symptome, die als pathognomonisch für diese Erkrankung angesehen werden können (DABAREINER et al. 2003). Es ist daher erforderlich, den Umfang der durchzuführenden Diagnostik zu erweitern, um den Verdacht zu verifizieren: Der positive Ausfall einer Sprunggelenksbeugeprobe (auch als „Spatprobe“ bezeichnet), also eine Verstärkung der Lahmheit nach vorausgegangener 2-minütiger Beugung, kann einen zusätzlichen Hinweis darstellen (PARK und LEBEL 1989). Darüber hinaus werden diagnostische Anästhesien verwendet, um die Quelle des Schmerzes zu lokalisieren (DABAREINER et al. 2003). Eine häufig durchgeführte Form ist die Anästhesie des Intertarsalgelenks. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass das Intertarsalgelenk mit dem Tarsometatarsalgelenk kommunizieren kann (WISSDORF et al. 1998). Um ein größeres Maß an diagnostischer Sicherheit zu erlangen kann zusätzlich das Tarsometatarsalgelenk anästhesiert werden. DABAREINER et al. (2003) geben an, dass das negative Ergebnis einer Gelenksanästhesie das Vorliegen einer Spaterkrankung nicht zwingend ausschließt. Die Röntgenuntersuchung des Tarsus stellt ein weiteres diagnostisches Hilfsmittel dar, wobei das Sprunggelenk hierbei in mehreren Projektionen dargestellt wird, um die Gelenkspalten, die Struktur im Bereich der Knorpel-Knochengrenzen sowie das mögliche Vorliegen von Exostosen beurteilen zu können (DIETZ und DE MOOR 1999). Der Grad der Lahmheit korreliert nicht zwingend mit dem Grad an röntgenologisch darstellbaren pathologischen Veränderungen (DABAREINER et al. 2003). 3.1.6.5 Therapie Das grundlegende Therapieziel bei der Behandlung von an Spat erkrankten Pferden ist das Erreichen eines schmerzfreien Zustands (DABAREINER 2003). Der Autor führt hierzu die - 34 -

Verwendung nichtsteroidaler Antiphlogistika in Kombination mit einem orthopädischen Hufbeschlag an. Ein Korrekturbeschlag dient der Beeinflussung der Zehenrichtung und soll über eine Erhöhung des medialen Eisenschenkels die Belastung der Gliedmaße nach lateral verlagern (PARK und LEBEL 1989). Es existieren zahlreiche chirurgische Behandlungsmöglichkeiten des Spats, die unterschiedlichen Zielsetzungen folgen. WAMBERGS (1959) rhombenförmige Umschneidung der Spatexostosen basiert auf der Annahme, dass der Schmerz seinen Ursprung im Wesentlichen im Weichteilgewebe findet. Durch eine Unterbrechung der Innervation soll der Schmerz in der entsprechenden Region ausgeschalten werden. PARK und LEBEL (1989) gehen allerdings davon aus, dass eine Schmerzfreiheit nur dann erreicht wird, wenn eine vollständige Ankylose des distalen Intertarsalgelenks und des Tarsometatarsalgelenks vorliegt und befürworten daher folgende Therapieform: Bei der Arthrodese soll durch eine mechanische Zerstörung von mindestens 60 % der Gelenkfläche sowohl des distalen Intertarsal- als auch des Tibiotarsalgelenks eine nachfolgende Versteifung der Gelenke erreicht werden. 3.1.6.6 Tierschutzrechtliche Bewertung und mögliche zuchthygienische Maßnahmen Der Leidensgrad erkrankter Pferde wird durch den chronisch-progressiven Verlauf dieser Erkrankung bestimmt. So können frühe Erkrankungsstadien zunächst mit nur geringgradigen Einschränkungen wie beispielsweise Bewegungsstörungen einhergehen. Bei weiterem Fortschreiten kann der Grad an Schmerzen, der sich in Form von Lahmheiten manifestiert, erheblich zunehmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass wiederkehrende Überbelastungen eine wesentliche Bedeutung in der Ätiologie des Spat haben. Bei Vorliegen der entsprechenden Diagnose ist demzufolge neben den notwendigen therapeutischen Maßnahmen eine Berücksichtigung und Anpassung der möglichen Belast- und Nutzbarkeit des betroffenen Pferdes notwendig, um ein Fortschreiten der Erkrankung nicht unnötig zu beschleunigen und - 35 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover