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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

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dem

dem Pferd vermeidbare Schmerzen zu ersparen. Da der Grad der Lahmheit nicht unbedingt mit dem Grad der röntgenologisch darstellbaren Veränderungen übereinstimmen muss (DABAREINER et al. 2003), kann eine Bewertung des Leidensgrades nicht anhand von Röntgenaufnahmen erfolgen, sondern setzt zwingend eine Berücksichtigung der klinischen Symptomatik voraus. Bei der Spaterkrankung liegt nach HERZOG (2001) eine polygen vererbte Prädisposition mit einer Heritabilität bis zu 0,25 zugrunde. Aufgrund der Komplexität der Pathogenese (neben erblicher Disposition wirken weitere Einflussgrößen auf das Erkrankungsgeschehen ein) und wegen der breiten Spanne bezüglich des Lebensalters, in dem diese Erkrankung klinisch manifest werden kann, erscheint eine umfassende, langfristig angelegte Dokumentation der Daten betroffener Pferde sowie die obligatorische, während des Zuchteinsatzes regelmäßig durchführte Röntgenuntersuchung als notwendige Voraussetzung, um Anlageträger identifizieren zu können. Einzelne Zuchtverbände setzten das Freisein von Spat bei Hengsten für die Zulassung zur Körung voraus. Wichtig erscheint aber darüber hinaus die Möglichkeit eines nachträglichen Abkörens solcher Hengste, die sich zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits im Zuchteinsatz befinden. Außerdem sollten bereits vorhandene und möglicherweise im Zuchteinsatz befindliche Pferde einem standardisierten, im Zuchtprogramm der jeweiligen Zuchtverbände festgelegten Kontrollregime (beispielsweise in regelmäßigen Abständen durchgeführte klinische und röntgenologische Untersuchungen) unterzogen werden. - 36 -

3.2 Atmungsorgane 3.2.1 Hemiplegia laryngis / Kehlkopfpfeifen 3.2.1.1 Symptomatik An Hemiplegia laryngis erkrankte Pferde fallen durch ein typisches, nur unter Belastung einsetzendes, inspiratorisches Atmungsgeräusch auf. Die Einschränkung der Atmung kann zu Dyspnoe und Reduzierung der Leistungsfähigkeit führen (AINSWORTH und HACKETT 2004). 3.2.1.2 Rassezuordnung, Epidemiologie und Vererbung Nach VERTER et al. (1999) sind vom Kehlkopfpfeifen überwiegend große Pferderassen betroffen, wobei die Erkrankung häufiger bei Hengsten und Wallachen festgestellt wird als bei Stuten. Bei Arabern und Ponies gehört die Hemiplegia laryngis zu den seltenen Diagnosen (AINSWORTH und HACKETT 2004). OHNESORGE et al. (1993) konnten durch die laryngoskopische Untersuchung von 24 Hengsten und deren Nachkommen nachweisen, dass die Nachkommen von an Hemiplegia laryngis erkrankten Pferden signifikant häufiger die gleichen pathologischen Veränderungen des Kehlkopfs aufwiesen als die Nachkommen nicht von dieser Erkrankung betroffener Pferde. Es wird eine dominante Vererbung mit unterschiedlicher Expressivität und Penetranz angenommen (HERZOG 2001). Der Autor verweist hierbei auf Untersuchungen, die den Verdacht familiärer Häufungen dieser Erkrankung untermauern. In der Literatur wird für diese Erkrankung eine Prävalenz zwischen 3 und 8 % angegeben (LOPEZ-PLANA et al. 1993). 3.2.1.3 Ätiologie und Pathogenese Das Kehlkopfpfeifen wird durch eine Lähmung des linksseitigen Nervus laryngeus recurrens bedingt, deren Folge eine Atrophie der durch diesen versorgten Kehlkopfmuskulatur (M. - 37 -

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