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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Zeitraum von bis zu 5

Zeitraum von bis zu 5 Monaten möglich. Bei ausgeprägterem Verlauf dieser Erkrankung ist eine chirurgische Therapie indiziert: Ziel des chirurgischen Eingreifens ist eine möglichst vollständige Beseitigung der funktionellen Beeinträchtigung des Kehlkopfs. Hierzu kann im Rahmen einer Ventrikelektomie eine Exstirpation des linken Ventrikels erfolgen (VERTER et al. 1999). Eine weitere Behandlungsmethode ist die Durchführung einer Laryngoplastik, bei welcher der linke Aryknorpel in Abduktionsstellung gebracht werden soll (MARKS et al. 1970). 3.2.1.6 Tierschutzrechtliche Bewertung und mögliche zuchthygienische Maßnahmen Das bloße Vorhandensein einer Hemiplegia laryngis ist für betroffene Pferde zunächst nicht mit Leiden verbunden, da diese Erkrankung in der Regel erst unter Belastung zu einer Leistungseinschränkung führen kann. Lediglich bei hochgradig ausgeprägten Krankheitsfällen kann das Kehlkopfpfeifen eine deutliche Dyspnoe bedingen. Nach Diagnosestellung muss berücksichtigt werden, inwieweit erkrankte Pferde belastet werden dürfen, ohne dass diese vermeidbares Leid erfahren, oder ob weitere therapeutische Maßnahmen (beispielsweise chirurgische Therapie) die Voraussetzung darstellen, um das Pferd zukünftig tierschutzkonform einsetzen zu können. Nach derzeitigem Wissensstand wird eine Erblichkeit dieser Erkrankung stark angenommen (HERZOG 2001). Die familiären Häufungen bei Nachkommen erkrankter Stuten erscheinen als zusätzlicher Hinweis. Solange betroffene Pferde nicht von der Zucht ausgeschlossen werden, ist das Risiko einer weiteren Verbreitung dieser Erkrankung nicht kontrollierbar. Entsprechend hat die Bundestierärztekammer im Jahr 2002 in ihrer Stellungnahme zum Entwurf „Leitlinien des BMVEL über Zuchtziele der Nutztierzucht unter Tierschutzaspekten“ das Kehlkopfpfeifen als einzige erbliche Erkrankung des Pferdes angegeben, bei der verpflichtende zuchthygienische Maßnahmen durchgeführt werden sollten. Wichtig erscheint - 40 -

allerdings die Tatsache, dass erfolgreich therapierte Patienten klinisch keine Auffälligkeiten mehr aufweisen und somit möglicherweise unerkannt am Zuchtgeschehen teilnehmen können. Es sollte daher ein verpflichtender Eintrag der Diagnose in die entsprechenden offiziellen Papiere (beispielsweise Equidenpass oder Zuchtpapiere) in Erwägung gezogen werden. 3.3 Männliche und weibliche Geschlechtsorgane 3.3.1 Kryptorchismus 3.3.1.1 Symptomatik Die vom Kryptorchismus betroffenen Hengste fallen in der Regel zunächst einzig durch das Fehlen eines oder beider Hoden im Skrotum auf (SAMPER 2004). Während bei jungen Hengsten meist keine weiteren klinischen Auffälligkeiten zutage treten, kann sich mit zunehmendem Alter ein bösartiges, widersetzliches Verhalten entwickeln. Darüber hinaus unterliegen ältere abdominale Kryptorchiden einem erhöhten Risiko der tumorösen Entartung (WISSDORF 1998, SCHNEIDER 1999). Im Gegensatz zu sterilen beidseitigen Kryptorchiden weisen einseitige Kryptorchiden eine eingeschränkte Fruchtbarkeit auf (STICKLE und FESSLER 1978). 3.3.1.2 Rassezuordnung, Epidemiologie und Vererbung Ein Auftreten von Kryptorchismus ist bei unterschiedlichen Pferderassen möglich. HAYES (1986) konnte jedoch nachweisen, dass einzelne Rassen (American Saddle Horse, American Quarter Horse, Percheron, Ponies) statistisch signifikant überrepräsentiert sind. SCHNEIDER (1999) bezeichnet den Kryptorchismus als eine der häufigsten Entwicklungsstörungen beim Pferd. Im Rahmen statistischer Untersuchungen von Kryptorchiden konnte festgestellt werden, dass der abdominale Kryptorchismus bedeutend häufiger zu finden ist als der inguinale Kryptorchismus. Bei Bestehen eines einseitigen - 41 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover