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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Der Einsatz von

Der Einsatz von Repellentien und entsprechender Schutzkleidung (Ekzemerdecken) reduziert die Aktivität der blutsaugenden Insekten. Durch die lokale Applikation und orale Verabreichung von Glukokortikoiden in wohlbemessener Dosierung kann eine bereits manifeste klinische Symptomatik deutlich abgeschwächt werden (SCHÄFER et al. 1999, REES 2004). Es existieren zahlreiche Ansätze einer ursächlichen Therapie wie beispielsweise auf immunologischer Basis, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch keinen reproduzierbaren Erfolg sicherstellen können. 3.4.1.6 Tierschutzrechtliche Bewertung und mögliche zuchthygienische Maßnahmen Die Frage nach der Tierschutzrelevanz des Sommerekzems verlangt vom Betrachter besondere Aufmerksamkeit, da sich Pferde in ihrer Art und Weise, mangelndes Wohlbefinden oder Schmerzen zu äußern, deutlich von anderen Spezies unterscheiden. Nach PICK und PICK (1997) sollte eine sich dem Betrachter wenig offensichtlich präsentierende Schmerzäußerung (zum Beispiel ausbleibende Lautäußerung) nicht dazu verleiten, den Schmerz, den ein solches Individuum empfindet, als gering einzustufen. Ein hochgradig am Sommerekzem erkranktes Pferd, welches sich, durch massiven Juckreiz getrieben, die Haut bis auf „das rohe Fleisch“ abscheuert, wird gewiss in erheblichem Umfang leiden. Für das betroffene Individuum erscheint im Sinne des Tierschutzgesetzes eine angemessene Therapie unumgänglich und durchaus effektiv möglich (SCHÄFER et al. 1999, REES 2004). Die Erblichkeit dieser Erkrankung wird zwar stark angenommen, jedoch steht der Nachweis noch aus (OLDRUITENBORG-OOSTERBAAN 1987, MARTI et al. 1992). Dies ist hinsichtlich der Durchführung zuchthygienischer Maßnahmen für die tierschutzrechtliche Bewertung des Sommerekzems von Bedeutung. Solange die Erblichkeit dieser Erkrankung nicht nachgewiesen wird, können züchterische Maßnahmen auf Grundlage des Tierschutzgesetzes nur schwer durchgesetzt werden. Dennoch enthebt dieser Sachverhalt Tierärzte und Züchter nicht ihrer tierschützerischen Verantwortung. Durch umfassende - 46 -

Dokumentation von Krankheitsfällen unter Berücksichtigung der familiären Zusammenhänge müssen weitere Erkenntnisse über die Erblichkeit des Sommerekzems angestrebt werden. Darüber hinaus bleibt zu hoffen, dass durch den Wissenszuwachs im Bereich der Molekulargenetik ein tiefergehendes Verständnis dieser Erkrankung ermöglicht wird und damit eventuelle Ansatzpunkte für zuchthygienische Maßnahmen gefunden werden. 3.4.2 Letales Weißes-Fohlen-Syndrom (LWF), Overo lethal white syndrome 3.4.2.1 Symptomatik Die vom LWF-Syndrom betroffenen Fohlen weisen postpartal zunächst eine physiologisch erscheinende Entwicklung auf. Morphologisch auffällig sind eine vollständig fehlende oder eine auf den Maulbereich und den Schweifansatz begrenzte Pigmentierung der Haut sowie eine Blaufärbung der Iris. Der Saugreflex ist normal ausgeprägt, eine Milchaufnahme erfolgt im Rahmen von etwa 2 Stunden nach der Geburt (LIGHTBODY 2002). In der Chronologie der Erkrankung besteht die erste pathologische Abweichung in einem Ausbleiben des Mekoniumabgangs. Im weiteren Verlauf treten in einem Zeitrahmen von 5 bis 24 Stunden post partum erste Krankheitssymptome in Form von Kolikerscheinungen wie Unruhe, Schwitzen, Wälzen und einem Anstieg von Körpertemperatur, Herz- und Atemfrequenz auf (HERZOG 2001). LIGHTBODY (2002) berichtet von einem vollständig weiß geborenen Fohlen einer weitgehend einfarbigen American Quarter Horse Stute, welches bereits 12 Stunden post partum Koliksymptome zeigte und nach einem protrahierten Krankheitsverlauf sowie erfolgloser Therapie nach 2 Tagen euthanasiert wurde. - 47 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover