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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

4.2.3 Zuchtziel des

4.2.3 Zuchtziel des Westfälisches Pferdestammbuch e.V. „Gesundheit und Freisein von Erbfehlern“ werden in der Satzung dieses Verbandes als erwünschte Eigenschaften angegeben (SATZUNG DES WESTFÄLISCHEN PFERDESTAMMBUCHES 2005). 4.2.4 Zuchtziel des Verbands hannoverscher Warmblutzüchter e.V. Im Zuchtprogramm dieses Verbandes wird das „Freisein von Erbkrankheiten“ als erwünschte Eigenschaft sowie starke Gebissmängel und Spat als unerwünschte Eigenschaften aufgeführt. Die Zulassung zur Hengstkörung wird „bei Erscheinungen, die auf eine vererbbare Krankheitsdisposition schließen lassen“ und „erheblichen röntgenologischen Befunden“. verweigert. Die Untersuchung der Hengste erfolgt durch vom Verband bestimmte Tierärzte SATZUNG DES VERBANDES DER HANNOVERSCHEN WARMBLUTZÜCHTER 2005). 4.2.5 Zuchtziel des Verbandes der Züchter des Oldenburger Pferdes e.V. In der Satzung dieses Verbandes werden eine „robuster Gesundheit“ und „Erbgesundheit“ als allgemeine, erwünschte Eigenschaften aufgeführt. Darüber hinaus werden folgende Erberkrankungen genannt, welche die Körung eines Hengstes verhindern: − Kehlkopfpfeifen − periodische Augenentzündung − Anomalien des Gebisses und der Hoden. Die Untersuchung muss durch ein tierärztliches Attest bestätigt werden (SATZUNG DES VERBANDES DER ZÜCHTER DES OLDENBURGER PFERDES 2004). - 66 -

4.2.6 Beurteilung von verbandsinternen Zuchtzielformulierungen unter tierschutzrechtlichen Gesichtspunkten Die hier exemplarisch aufgeführten Zuchtziele erlauben einen Einblick, welchen Stellenwert erbliche Defekte und Dispositionen in den Vorgaben der einzelnen Zuchtverbände einnehmen. Auffällig ist hierbei die Spannweite der genannten Anforderungen, welche von allgemeinen Begriffen wie „robuste Gesundheit“ und „Freisein von Erbfehlern“ bis hin zur konkreten Angabe einzelner Erberkrankungen reicht. Bei den allgemein gehaltenen Kriterien der Zuchtzielsetzungen besteht bezüglich erblicher Erkrankungen die Gefahr einer weit auslegbaren Interpretation solcher Begriffe wie „Gesundheit“. Dies wird zusätzlich durch die Tatsache erschwert, dass einige der dargestellten Erkrankungen erst im Zusammenwirken mit bestimmten Umweltfaktoren wie zum Beispiel Haltungs- und Fütterungsbedingungen klinisch manifest werden. Zeigt sich die klinische Symptomatik bei einem Zuchttier erst mit fortgeschrittenem Lebensalter, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass erbliche Defekte an mehr Individuen der Folgegenerationen weitergegeben wurden, umso größer. Mit konkreter definierten Begriffsbestimmungen würden sich die Zuchtverbände selbst verpflichten, einen kritischeren und damit zielgerichteten Einfluss auf die Selektion innerhalb einer Population auszuüben, ohne den Fortbestand rassespezifischer Eigenschaften und Merkmale zu gefährden. Darüber hinaus wäre eine offizielle Anerkennung einzelner Erkrankungen als erbliche Erkrankungen seitens der Zuchtverbände ein wesentliches Kriterium bei der Zuchtauswahl. Einige Verbände bestimmter Rassen (beispielsweise Haflinger und Shetland Ponys) gehen diesen Weg und führen explizit bestimmte Erberkrankungen auf, die zum Zuchtausschluss betroffener Hengste führen. Dieser Fortschritt in der Zuchtzielsetzung beinhaltet allerdings eine deutliche Einschränkung in der Praxis. So muss zur Umsetzung dieser Zuchtkriterien die Diagnose einer entsprechenden Erberkrankung vorliegen. Eine klinische Untersuchung durch - 67 -

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