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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

die damit

die damit verbundene Diskussion über die Tierschutzrelevanz von Erberkrankungen und erblichen Dispositionen. Als Grundlage des Tierschutzgesetzes in der Bundesrepublik Deutschland und in der Schweiz dient unter anderem auch das Bedarfsdeckungs- und Schadensvermeidungskonzept (TSCHANZ 1993). Hierbei stellt die Bedarfsdeckung die notwendige Voraussetzung eines Individuums für den Selbstaufbau und die Selbsterhaltung dar (SAMBRAUS 1997). Die Schadensvermeidung beinhaltet die Befähigung eines Lebewesens, schädigende Faktoren aus der Umwelt zu vermeiden (SAMBRAUS 1997). TSCHANZ (1993) nennt in diesem Zusammenhang den Begriff des „Typus“ als Referenz für die normale Merkmalsausprägung eines Individuums und schafft somit eine objektiv nachweisbare und überprüfbare Vergleichebene als Grundlage für die tierschutzrechtliche Bewertung von Zuständen. Nach Auslegung von HACKBARTH und LÜCKERT (2002) geht es im Paragraph 1 des deutschen Tierschutzgesetzes nicht darum, dem Tier jede Einschränkung seines Wohlbefindens zu ersparen, sondern darum, gemäß dem Verhältnismäßigkeitsprinzip sicherzustellen, dass dem Tier „nicht ohne vernünftigen Grund vermeidbare, das unerlässliche Maß übersteigende Schmerzen, Leiden oder Schäden“ zugefügt werden. Die Autoren führen weiter aus, dass die erfolgreiche Erfüllung dieser Zielsetzung von der konsequenten Durchsetzung dieses Gesetzes abhängen. Die Bedeutung des Tierschutzgesetzes für die Pferdezucht im Speziellen lässt sich anhand der genauen Analyse von § 11 b darstellen, die im Folgenden vorgenommen wird. - 70 -

4.3.2 Die Anwendbarkeit von § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes in der Pferdezucht Der § 11 b des Tierschutzgesetzes Deutschlands betrifft nach HACKBARTH und LÜCKERT (2002) „Züchtungen und bio- oder gentechnische Maßnahmen an Wirbeltieren, die Schmerzen, Leiden und Schäden mit sich bringen“. Wie bei anderen Tierarten stellt sich auch in der Pferdezucht die Frage, ab wann eine Zucht die Grenze zur Qualzucht überschreitet. Die im Hinblick auf die Thematik „Qualzucht“ bereits bestehenden deutschen Gerichtsurteile betreffen Züchtungen, bei denen so genannte ästhetische Zuchtziele unter rücksichtloser Inkaufnahme ausgeprägter körperlicher Einschränkungen und Anomalien der betroffenen Tiere verfolgt wurden. In der Pferdezucht finden sich zahlreiche Erberkrankungen, die oberflächlich betrachtet nicht als Qualzucht bewertet werden. Wie stark beeinträchtigt ist ein an Kehlkopfpfeifen erkranktes Pferd? Welche Schmerzen verursacht eine durch Spat bedingte Lahmheit? Kann eine solche Erkrankung eines Individuums in einen tierschutzkonformen Zustand therapiert werden und welche zuchthygienischen Maßnahmen müssen nach einer entsprechenden Diagnosestellung getroffen werden? Nach Auffassung von HACKBARTH und LÜCKERT (2002) muss „die Beeinträchtigung des Tieres, das heißt das Auftreten von Schmerzen, Leiden oder Schäden nicht tatsächlich eintreten, um die Voraussetzungen dieser Verbotsnorm zu erfüllen. Ausreichend ist die realistische Möglichkeit, dass Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten“. LORZ und METZGER (1999) sowie KLUGE (2002) und HIRT (2003) kommen zur gleichen Auffassung. Die Schwierigkeit, den Tatbestand der Qualzucht in der Pferdezucht nachzuweisen, besteht darin, dass es sich bei den meisten Erberkrankungen und erblichen Dispositionen nicht um gewünschte und geförderte Merkmalsausprägungen handelt, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden einhergehen, sondern oftmals um ignorierte oder „geduldete“ Erkrankungen als Randerscheinung einer Zucht, die sich überwiegend an - 71 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover