Aufrufe
vor 3 Jahren

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Leistungskriterien

Leistungskriterien und Exterieurmerkmalen orientiert. Es steht dennoch außer Frage, dass derartige Defekte je nach Art und Ausprägung der Erkrankung eine Beeinträchtigung des Tieres im Sinne des § 11 b des Tierschutzgesetzes darstellen. HIRT (2003) bewertet die Begriffe „Schmerzen, Leiden und Schäden“ folgendermaßen: „Erheblichkeit braucht nicht gegeben zu sein […] Die Schmerzen, Leiden usw. brauchen auch nicht länger anhaltend zu sein. – Schmerz […] muss auch nicht zu erkennbaren Abwehrreaktionen führen. […] Ein Schaden liegt bereits dann vor, wenn der Zustand eines Tieres dauerhaft auch nur geringfügig zum Negativen verändert wird“. Diese Auslegung von Paragraph 11b des deutschen Tierschutzgesetzes verdeutlicht die Notwendigkeit, erbliche Erkrankungen und Dispositionen des Pferdes hinsichtlich ihrer Tierschutzrelevanz neu zu bewertet und den Handlungsbedarf im Hinblick auf mögliche zuchthygienische Maßnahmen zu bestimmen. Bereits im August 2002 hat die Bundestierärztekammer in ihrer Stellungnahme zum Entwurf „Leitlinien des BMVEL über Zuchtziele der Nutztierzucht unter Tierschutzaspekten“ darauf verwiesen, in der Zucht „den Grad an Verbindlichkeiten einzelner Maßnahmen zu überdenken, um Konsequenzen bei Nichtbeachtung zu ermöglichen“. Diese zuchthygienischen Konsequenzen sollten vom Status der Freiwilligkeit in verpflichtende Maßnahmen überführt werden. Als Defizite der zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügbaren Rechtsgrundlagen werden fehlende Vorgaben bezüglich „Durchführung von Gentests, Dokumentation sowie Klärung von Erbgängen und Fristen zur Ausmerzung von Anlageträgern genannt“. Die angesprochene Stellungnahme führt für die Tierart „Pferd“ im Speziellen allerdings lediglich das Kehlkopfpfeifen als relevante, da vermutlich dominant vererbte Erkrankung auf. Weitere Erberkrankungen erscheinen durchaus gleichermaßen tierschutzrelevant und werden im Folgenden in kurzer Übersicht mit entsprechenden Empfehlungen für zuchthygienische Maßnahmen dargestellt. - 72 -

Leidensgrad ausgewählter Erbdefekte und mögliche Massnahmen Erbdefekte Osteochondrosis dissecans angeborener und erworbener Sehnenstelzfuß des Fohlens Podotrochlose-Syndrom tierschutzrechtliche Bewertung / Leidensgrad gering- bis hochgradige Schmerzen möglich erhebliche Einschränkungen des Wohlbefindens durch Unfähigkeit zum selbständigen Stehen und hierdurch bedingte Einschränkung der Milchaufnahme der Fohlen nicht auszuschließen, Folgeschäden durch Dekubitus / Infektionen möglich in Abhängigkeit vom Status der Erkrankung mittelgradige Schmerzen möglich, bedingt durch die fehlende Möglichkeit einer anatomischen Heilung ist von einem permanenten und fortschreitenden Schaden auszugehen empfohlene Massnahmen Forschungsbedarf zur exakten Klärung der Bedeutung der Erblichkeit innerhalb der multifaktoriellen Ätiologie, Erweiterung verpflichtender, regelmäßiger Untersuchung von Zuchttieren (klinische Untersuchung, Röntgendianostik), Dokumentation entsprechender Daten Zuchtausschluss betroffener Tiere, Dokumentation von Erkrankungsdaten zur genauen Klärung der erblichen Zusammenhänge Zuchtausschluss erkrankter Tiere, regelmäßige, verpflichtende Untersuchungen (Lahmheits- und Röntgendiagnostik) von Zuchttieren, bei Diagnosestellung Nachverfolgung und Untersuchung möglicherweise bereits vorhandener Nachkommen, Dokumentation entsprechender Daten - 73 -

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...
Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover