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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

speziellen Beispiel

speziellen Beispiel durch eine chirurgische Therapie eine Heilung und somit eine Beseitigung des Leidens und eine Wiederherstellung der Leistung erreicht werden kann. Eine derartige Argumentation ist zwar im Hinblick auf das Individuum im Einzelfall schlüssig und vertretbar, ignoriert aber auf kurzsichtige Art und Weise die möglichen Konsequenzen für die Zucht beziehungsweise für die Population. Ist ein solches Pferd bereits zur Zucht eingesetzt worden oder wird es in Zukunft eingesetzt? Wie viele Nachkommen gibt es? Existieren Nachkommen, die bereits mit dem identischen klinischen Bild auffällig geworden sind? Um im Sinne des Tierschutzgesetzes dafür Sorge zu tragen, dass den Individuen nachfolgender Generationen keine unnötigen Schmerzen, kein Leiden und keine Schäden zuteil werden, ist es unbedingt notwendig, beim Vorliegen entsprechender Diagnosen für eine umfassende Dokumentation der medizinischen Daten zu sorgen, die Beziehung des erkrankten Einzeltieres zur Population (Abstammung, Nachkommen) herauszustellen und konsequente zuchthygienische Maßnahmen einzuleiten. Dies erscheint umso wichtiger bei solchen Erberkrankungen, deren Erblichkeit zwar bewiesen, aber deren genetische Grundlagen und Vererbungsmodus noch unklar sind. Andernfalls sind die Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen schwer abschätzbar. In der Pferdezucht ist eine häufig genannte Argumentation die Sorge um den Verlust wertvollen Zuchtmaterials. Dieses Argument ist darum bemüht, sich jeglicher tierschutzrechtlicher Diskussion zu entziehen. Wie auch bei der Zucht anderer Spezies darf der Tierschutzgedanke in der Pferdezucht nicht durch wirtschaftliche Erwägungen in den Hintergrund gedrängt oder gar ignoriert werden. Gänzlich anders als in der Sportpferdezucht stellen sich die Zuchtziele im Bereich der Hobbyund Freizeitpferde dar. Die Maßgaben bezüglich Leistungskriterien sind in der Regel nicht so hoch gesetzt wie in der professionellen Zucht. So zeichnet sich in diesem Bereich der Pferdezucht eher ein Trend zur Individualisierung ab. Das selbst gezogene Pferd muss den persönlichen Ansprüchen des Privatzüchters genügen. Das bedeutet zum einen eine - 80 -

Orientierung an der angedachten Nutzungsrichtung, beinhaltet zum anderen aber auch nicht selten das Bestreben danach, bestimmte körperliche Merkmale wie zum Beispiel bestimmte Fellfarben oder Scheckungsmuster zu erreichen. In diesem Zusammenhang sei als Beispiel das Overo lethal white syndrome genannt, welches bei der Verpaarung heterozygoter Anlageträger bei homozygoten Nachkommen unweigerlich zur Erkrankung und damit zum Verenden bzw. zur Euthanasie der betroffenen Individuen führt. Eine solche Verpaarung erfüllt entsprechend § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes den Tatbestand der Qualzucht. Unabhängig davon, ob Verpaarungen dieser Art durch Unkenntnis, Ignoranz oder kompromisslose Umsetzung persönlicher Wunschvorstellung bei der Zucht durchgeführt werden, zeigt dieses Beispiel, dass die Zuchtkriterien in der Freizeitpferdezucht noch uneinheitlicher und schwerer erfassbar erscheinen als dies in der Sportpferdezucht der Fall ist. Auch hier entsteht der Eindruck, dass das Tierschutzinteresse deutlich hinter individuellen Zielen und Kriterien rangiert. 4.3.5 Die Wahrnehmung und Äußerung von Schmerzen durch das Pferd Wer sich mit dem Tierschutz im Bereich der Pferdehaltung und –zucht auseinandersetzt, muss die artspezifischen Besonderheiten und Verhaltensweisen hinsichtlich der Schmerzwahrnehmung und –äußerung des Pferdes berücksichtigen. Zahlreiche Spezies geben Schmerzäußerungen in visueller oder akustischer Form von sich, die in der menschlichen Wahrnehmung oft prototypisch als Leidensäußerung empfunden werden, so beispielsweise Klagelaute, eine veränderte Körperhaltung und Mimik. Das Pferd nimmt hierbei eine besondere Stellung ein. Als Fluchttiere versuchen Pferde, sich einer Gefahrensituation durch Entkommen zu entziehen. Unter zivilisatorischen Bedingungen sind entsprechende Situationen natürlich nicht oder nur in Ausnahmefällen zu erwarten. - 81 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover