Aufrufe
vor 3 Jahren

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

werden. Die Bestimmung

werden. Die Bestimmung entsprechender Richtlinien darf nicht allein den Pferdezuchtverbänden obliegen. Die bereits aufgeführten Methoden Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung bieten einen praxiserprobten Rahmen, innerhalb dessen auch Erberkrankungen Berücksichtigung finden müssen. Bei der Bearbeitung des Literaturteils dieser Dissertation zeigte sich mehrfach bezüglich einzelner Erberkrankungen ein Mangel an verfügbaren Daten. Die Durchführung entsprechender Studien ist oftmals kosten- und zeitintensiv. Wichtig erscheint daher die Erstellung einer Prioritätenliste, in welcher die entsprechenden Erbdefekte hinsichtlich ihrer tierschutzrechtlichen und wirtschaftlichen Relevanz bemessen werden. Darüber hinaus existieren in der Pferdepraxis vielfach Daten, die, isoliert betrachtet, nur über einen begrenzten Informationswert für die Zuchthygiene verfügen. Die Vernetzung einzelner Daten wie beispielsweise die Befunde von Ankaufsuntersuchungen aus der tierärztlichen Praxis, statistische Daten von Versicherungsgesellschaften sowie Daten, die seitens der Züchter aufgenommen werden könnten, würden die Möglichkeit einer umfassenderen Bewertung von Erberkrankungen bieten. Da in der ernstzunehmenden Pferdezucht seit vielen Generationen die Abstammung einzelner Zuchtlinien dokumentiert wird, ist ein wichtiges Kriterium für die populationsgenetische Bewertung erblicher Defekte und Dispositionen bereits erfüllt. - 86 -

4.4.2 Molekulargenetische Diagnostik – Möglichkeiten und Grenzen Neben den genannten klassischen Formen der Pferdebeurteilung für die Zucht gewinnen molekulargenetische Untersuchungsmethoden in der erbpathologischen Diagnostik immer mehr an Bedeutung. Der rasante Wissenszuwachs innerhalb dieses Wissenschaftszweigs macht die Nutzung eines regelmäßig aktualisierbaren, schnell verfügbaren Informationsmediums notwendig, welches in Form der Internetdatenbank „Online Mendelian Inheritance in Animal (OMIA)“ über die Adresse http://omia.angis.org.au/ zur Verfügung steht. Zurzeit (Stand Dezember 2006) sind in dieser Datenbank 189 Erkrankungen des Pferdes gelistet, bei denen ein erblicher Hintergrund bereits nachgewiesen wurde oder eine Erblichkeit stark angenommen wird. Ferner sind in dieser Datenbank 30 Erkrankungen mit monogener Vererbung sowie 18 Erkrankungen, bei denen bereits Erkenntnisse auf molekulargenetischer Ebene vorliegen, aufgeführt. Der Ursprung dieser Datenbank liegt in dem entsprechenden humanmedizinischen Pendant „Mendelian Inheritance in Man“. Dies erscheint veterinärmedizinisch bedeutungsvoll, da immer wieder Analogien zwischen einzelnen, beim Mensch oder anderen Spezies und beim Pferd beschriebenen Erberkrankungen auffallen, sowohl im Hinblick auf ihre Pathogenese, als auch auf ihren genetischen Ursprung. Als Beispiel sei an dieser Stelle das „Overo lethal white syndrome“ des Pferdes und Morbus Hirschsprung des Menschen genannt. Dieser Sachverhalt kann insofern nutzbar gemacht werden, da ein Wissensvorsprung über die genetischen Voraussetzungen von Erberkrankungen einer Spezies bei vorhandenen analogen Erkrankungen des Pferdes als Orientierung herangezogen werden kann. Natürlich kann durch einen Vergleich allein noch kein Nachweis der molekulargenetischen Grundlagen erfolgen, da ähnliche oder sogar identischen klinische Symptome durchaus eine unterschiedliche Ätiologie aufweisen können. Als Beispiel hiefür lässt sich die Osteochondrosis dissecans aufführen, die von nichterblichen, entwicklungsbedingten Erkrankungen des Skelettsystems abzugrenzen ist. - 87 -

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...
Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover