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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Eine zweifelsfreier

Eine zweifelsfreier Nachweis der genetischen Grundlagen monogen vererbter Erkrankungen kann nur durch die Identifizierung des entsprechenden Gens bei bekanntem, den Mendelschen Gesetzen folgendem Erbgang erfolgen (COLLINDER und RASMUSON 2000). Die Grundlage für weitere Forschung bildet das Equine Genomprojekt. Aus dem Wissen darüber, welche Gene für welche Funktion kodieren, erwächst die Möglichkeit, Mutationen dieser Gene bestimmten Krankheitsbildern zuzuordnen. Bei einzelnen monogen vererbten Erkrankungen wie zum Beispiel der Hyperkalämischen periodischen Paralyse oder dem „Overo lethal white syndrome“ ist eine entsprechende Form der Diagnostik bereits verfügbar (z. B. bei der Laboklin GmbH, Bad Kissingen, oder bei Vetmedlab, Ludwigsburg) und kann mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand durchgeführt werden. Umso unverständlicher erscheint die Tatsache, dass diese Untersuchungen bei den entsprechenden Zuchtverbänden noch keinen obligatorischen Bestandteil des Zuchtprogramms darstellen. Während monogen vererbte Erkrankungen mit bekanntem Erbgang in der Regel verhältnismäßig einfach zu charakterisieren und strukturieren sind, gestaltet sich die Diagnostik komplexerer Erberkrankungen weitaus aufwändiger. Nach COLLINDER und RASMUSON (2000) besteht bei derartigen Erberkrankungen ein wesentliches Problem im Einfluss genetischer Interaktionen und Umweltfaktoren bei Vorliegen einer genetischen Disposition. Ein Hinweis auf eine potentiell erbliche Erkrankung beziehungsweise Disposition ist immer dann gegeben, wenn das jeweilige Krankheitsbild innerhalb einer Zuchtlinie oder bei eng verwandten Individuen vermehrt auftritt. - 88 -

5 Zusammenfassung Die Bedeutung des Pferdes für den Menschen hat in den vergangenen 50 Jahren einen grundlegenden Wandel vom Nutztier zum Freund, Freizeitpartner und Sportgerät vollzogen. Diese Veränderung hat einen erheblichen Einfluss auf die Betrachtung und Bewertung der Bedingungen der Pferdenutzung, -haltung und -zucht durch den Menschen bewirkt, die heute zunehmend emotional geprägt ist. Im Hinblick auf den Umgang mit Erkrankungen des Pferdes im Allgemeinen und erbliche Erkrankungen und Dispositionen im Speziellen ist diese geänderte Betrachtungsweise von großer Bedeutung. Eine Vielzahl moderner Therapieformen ermöglicht heute eine effektive Behandlung von Individuen, die noch vor einigen Jahrzehnten euthanasiert beziehungsweise geschlachtet worden wären. Dabei spielen oftmals nicht nur pragmatische Kosten-Nutzen-Abwägungen, sondern auch die emotionalen Beweggründe eine Rolle. Die Tatsache jedoch, dass moderne Behandlungsmethoden die Möglichkeit beinhalten, einen Patienten in einen schmerzens-, leidens- und schadensfreien, somit also tierschutzgesetzeskonformen Zustand zu therapieren, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die verantwortlichen Personen, namentlich vorrangig Tierärzte, aber auch Pferdezüchter und Pferdehalter, nicht nur eine Verpflichtung gegenüber dem erkrankten Einzeltier, sondern auch gegenüber den nachfolgenden Generationen haben. Diese Verpflichtung zur Einflussnahme auf die Zucht ist keine fakultative Empfehlung, sondern zwingende, obligatorische, in Deutschland durch das Tierschutzgesetz im Grundgesetz verankerte rechtliche Vorgabe, die auch in der Pferdezucht ihre Anwendung finden muss. Dieser Rechtsstatus entkräftet die von Züchterseite oft geäußerte Sorge um den „Verlust wertvollen Zuchtmaterials“ bei Einsatz härterer Selektionskriterien. Diese fast schon traditionell geäußerte Sorge sollte zwar nicht unberücksichtigt bleiben, stellt jedoch in der rechtlichen Bewertung keinen „vernünftigen Grund“ dar, der eine „Qualzucht“ rechtfertigen kann. - 89 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover