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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Kryptorchismus oder

Kryptorchismus oder Periodischer Augenentzündung insofern Berücksichtigung finden, als dass nach Diagnosestellung bei Zuchttieren eine verpflichtende, zentrale Erfassung entsprechender Krankheitsdaten erfolgen muss. Dies wäre eine wesentliche Hilfestellung bei der Beseitigung der teilweise defizitären Datenstrukturen im Hinblick auf erbliche beziehungsweise potentiell erbliche Defekte und Dispositionen des Pferdes. An dieser Stelle sei auf eine weitere Besonderheit der Pferdezucht hingewiesen: Tritt bei Zuchtpferden eine erblich bedingte Erkrankung erst mit fortgeschrittenem Alter auf, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass im vor der Diagnosestellung erfolgten Zuchteinsatz die Erkrankung bereits an folgende Generationen weitergegeben wurde. Um Erberkrankungen bereits vor ihrer klinischen Manifestation zu entdecken, sollten geeignete Formen einer regelmäßigen Untersuchung von Zuchttieren überdacht und als rechtliche Vorgabe in die Satzungen aufgenommen werden. Beispielsweise könnten in regelmäßigen Abständen durchgeführte, standardisierte Röntgenuntersuchungen im Hinblick auf orthopädische Erkrankungen eine frühzeitige Diagnosestellung ermöglichen. Auch bereits existierende Nachkommen sollten einem angemessenen Kontrollregime unterzogen werden. In den Zuchtprogrammen der Pferdezuchtverbände sind die Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung bereits etablierte Methoden, die jedoch bisher ausschließlich dazu genutzt werden, um Leistungs- und Exterieurmerkmale zu bewerten. Die Einbeziehung von Daten über erbliche Erkrankungen und Dispositionen in diese Bewertungsmodelle sollte überdacht werden. Dabei müssen pferdezuchtspezifische Besonderheiten wie die langen Generationsintervalle und geringe Reproduktionsrate berücksichtigt werden. Wie bereits aufgeführt ist eine standardisierte, langfristige Datenerfassung hierzu unumgänglich. Da in der ernstzunehmenden Pferdezucht die - 92 -

Abstammungen bereits seit Jahrzehnten dokumentiert werden ist eine wichtige Voraussetzung für das Auffinden familiärer Zusammenhänge bereits erfüllt. Für eine tierschutzgesetzkonforme Umsetzung eines entsprechenden Bewertungs- und Kontrollsystems innerhalb der Pferdezucht erscheint es überaus wichtig, den neben der Tierärzteschaft vorrangig mit der Zucht befassten Personen, namentlich Pferdezüchtern und Richtern in den Bewertungskommissionen der einzelnen Zuchtverbände, eine im Hinblick auf tierschutzrechtliche Aspekte umfassendere Ausbildung zukommen zu lassen. Kein Zuchtkriterium und kein Rassestandard stellt einen ausreichenden und „vernünftigen Grund“ dar, der eine potentiell mit Erbdefekten und hierdurch bedingt mit Schmerzen Leiden oder Schäden einhergehende Zucht tolerierbar macht. Ein Bewusstsein für diese Tatsache muss bereits an der Zuchtbasis aufgebaut werden. Der Einsatz molekulargenetischer Untersuchungen stellt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch eine Randerscheinung in der Pferdezucht dar. Aufgrund der hohen Anzahl von potentiellen Erbdefekten des Pferdes, ihrer teilweise unterschiedlichen Relevanz für verschiedene Zuchtlinien sowie der Komplexität multifaktorieller Erkrankungen ist ein routinemäßiger Einsatz dieser Methoden bisher nur bei wenigen Erkrankungen (beispielsweise Letales Weißes-Fohlen-Syndrom oder Hyperkaliämische Periodische Paralyse) möglich. Der zu erwartende Wissenszuwachs im Bereich der Molekulargenetik wird in Zukunft weitere Möglichkeiten der Diagnostik offenbaren, jedoch ist der zeitliche Rahmen dieser Entwicklung schwer abschätzbar. Daher sollten, um eine im Sinne der hier dargestellten Tierschutzgesetze frühzeitige Einflussnahme auf die Pferdezucht zu gewährleisten, die bereits etablierten Kontrollmechanismen in der aufgezeigten Weise ausgebaut und konsequent genutzt werden. Eine regelmäßige Aktualisierung der Zuchtanforderungen in den Zuchtprogrammen der einzelnen Pferdezuchtverbände erscheint eine wichtige Maßnahme, um neugewonnene - 93 -

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