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Inklusive Leidenschaft. Lesben, Schwule ... - Berlin.de

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115 Für diejenigen

115 Für diejenigen unter uns Behinderten, denen es neben dem Absenken von Bordsteinen, dem Einklagen von rollstuhlgerechten Wohnungen und Theatern, materieller Grundsicherung, dem Recht auf Schule und Ausbildung, Mitspracherecht bei städtebaulichen Veränderungen, darüber hinaus auch um die Artikulation ureigenster emotionaler Bedürfnisse ging, begann ein sehr schmerzhafter Prozess. Einige wenige entschieden sich, nur noch mit anderen Behinderten arbeiten und leben zu wollen. Es entstand in den frühen 80-er Jahren der trotzige Begriff des „Krüppels“ und der „Krüppelgruppe“, von denen aus vielerlei Gründen, die vielleicht heute Nachmittag auf dem Podium angesprochen werden können, kaum mehr Impulse übrig geblieben sind. Schöne schwule Welt Wenn es um Kritik an manchen Verhaltensweisen der Nichtbehinderten ging, mit denen wir zusammenlebten und unsere Bedürfnisse teilten oder die als Zivildienstleistende Dienstleistungen erbringen sollten, haben wir als Menschen mit einer Behinderung zu oft geschwiegen. Eine öffentliche Auseinandersetzung um die vielfältigen Abhängigkeiten von Nichtbehinderten fand kaum statt. Und sie ist auch heute nach wie vor sehr selten, weil sie schlichtweg sehr schmerzhaft ist. Nichtsdestotrotz – ich habe mich ab Anfang der achtziger Jahre erst langsam und dann immer selbstbewusster für die schwule nichtbehinderte Welt entschieden. Ich habe in schwulen Projekten gearbeitet, habe kritisiert und eingeklagt – Schwules in erster Linie. Eine öffentliche Auseinandersetzung über schwule Verkehrsformen untereinander gab es nicht. Habe ich mich wirklich einmal geäußert, blieb diese Kritik im Halböffentlichen stecken. Wenn ich daran denke, mit welchem Medienaufwand die Schwulenbewegung in den achtziger Jahren jede Diskriminierung etwa eines nicht genehmigten „schwulen Bücherstandes“ in der Fußgängerzone durch die „heterosexuelle Feindeswelt“ dokumentierte, kommen mir heute noch die Tränen. Die Ausgrenzung in den eigenen Reihen wurde geflissentlich übersehen. „Wer nicht wahrgenommen werden kann, weil er oder sie nicht dabei sein kann, den oder die gibt es nicht – so einfach ist das.“ So aggressiv habe ich mich vor über 20 Jahren in einem Artikel zum Spannungsverhältnis zwischen behinderten schwulen Männern und der schwulen Subkultur geäußert. Diese Mechanismen kurz aufzuzeigen, ist mir wichtig. Denn wollen wir berechtigterweise während dieser Tagung Ansätze der UN-Behindertenrechtskonvention, der strukturellen Prävention und der Partizipation schwuler Behinderter zusammenbringen und mit einander verweben, brauchen wir neue

116 Schöne schwule Welt Denk- und Handlungsansätze. Und die beginnen wie immer im Kleinen und Persönlichen. Schon lange vor dem theoretischen Überbau der strukturellen Prävention oder der Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention in nationales und Landesrecht beschäftigte sich die Deutsche Aids Hilfe mit dem Recht Kranker auf Sexualität. Wir verdanken es hauptsächlich den Aids-Hilfen, dass Themen wie chronische Erkrankung, Behinderung und Sterben auf der einen Seite, Sexualität – und hier insbesondere Homosexualität – auf der anderen Seite in den letzten 25 Jahren nun miteinander verwoben ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurden. Umgekehrt hat die Selbsthilfebewegung der Menschen mit HIV und Aids ihren Weg in die Behindertenbewegung hier in Deutschland noch nicht gefunden bzw. erst gar nicht angetreten. Sie bleibt nach wie vor ihren Herkunfts-Communities, also vor allem der Schwulengemeinde deutlich enger verbunden. Zwar tragen sehr viele Menschen mit HIV und Aids den Behindertenausweis in der Tasche, die Bezeichnung „behindert“ würden viele nach wie vor von sich weisen, sie ist anscheinend nicht „sexy“ genug. Dies ist umso erstaunlicher, als in der Altersgruppe der 18- bis 65-jährigen schwulen Männer überproportional viele über einen Behindertenausweis verfügen. Da viele Kompensationsleistungen der Schwerbehindertenausweise nur im Zusammenhang mit Erwerbstätigkeit gewährleistet werden, liegt die Bearbeitung dieses Themas sicher noch vor uns. In Berlin gibt es schätzungsweise 350.000 Menschen mit Behinderungen. Bei etwa 150.000 schwulen Männern reden wir immerhin von 15.000 schwulen Männern mit Behinderungen. Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Das Recht, eigene Bedürfnisse zu artikulieren, und das Recht auf die eigene Sexualität sind aufgrund der offenen Auseinandersetzung um HIV und Aids heute leichter anzusprechen als vor der Aids-Krise. Es gibt nun mal gehörlose Schwule oder lesbische Rollstuhlfahrerinnen. Als Teil der Community müssen wir lernen, mit den Minderheiten in unseren eigenen Reihen respektvoll umzugehen. Dabei sollten wir bei aller berechtigter Inklusionseuphorie, die besonderen Eigenheiten der Einzelnen und des Einzelnen, die sie / ihn zu etwas ganz Besonderem machen, niemals „aus den Augen verlieren“.

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