Aufrufe
vor 3 Jahren

Ein Plädoyer für die Erhaltung - Gesellschaft Historischer Neumarkt ...

Ein Plädoyer für die Erhaltung - Gesellschaft Historischer Neumarkt ...

vor 800 Jahren zu

vor 800 Jahren zu begehen. Auch wenn die genannten Keller wohl alle erst nachmittelalterlich sind, bleiben sie als Zeugen der Monumentalisierung, der »Versteinerung« dieses ehemals vorstädtischen Bereichs im 16. bis 18. Jahrhundert von Bedeutung. Nicht zuletzt interessiert die an der Stadtgeschichte Dresdens Anteilnehmenden die genaue Lage der mittelalterlichen Stadtmauer südwestlich des Neumarktes und die Ausbildung des Frauentores. Hier sollten weitere intensive Forschungen angestellt werden, ehe die Tiefgarage auf dem Neumarkt endgültig projektiert wird. Denn diese Reste der mittelalterlichen Stadtumwehrung dürfen keinesfalls blindlings »geopfert« werden. Es gibt gute Beispiele im internationalen Maßstab, wie solche ergrabenen Reste in Neubauten - auch Tiefgaragen - eingefügt werden können. Schließlich ein Wort zur virtuellen Demonstration von historischen Beständen: Sie sind in unserer Zeit durchaus von Bedeutung als Möglichkeit insbesondere didaktischer Information über das zeitgenössisch Erkannte. Damit wird aber nicht die »Aura«, die Ausstrahlungskraft, auch nur eines einzigen historisch überlieferten Steines ersetzt. Hüten wir uns vor der Überschätzung des Medialen und erhalten wir nach Möglichkeit das Original! Tabula rasa im Untergrund von Dankwart Guratzsch Als eine hochrangig besetzte Jury am 23. Oktober 2002 im Großen Saal der Johannisirche in Magdeburg die Preise des "Bundesweiten Wettbewerbs 2001-2002" überreichte, da wurde auch die Stadt Magdeburg selbst geehrt: "Überzeugend gelungen ist, die große historische Vergangenheit durch archäologische Freilegungen sichtbar zu machen und damit zur Imageverbesserung der Stadt beizutragen," begründete das Gremium die Zuerkennung einer Silberplakette in der Konkurrenz "Leben in historischen Innenstädten und Ortskernen - Zukunft für urbane Zentren und Räume." Die sächsische Landeshauptstadt Dresden kann sich auf einen derartigen Preis keine Hoffnung machen. Denn hier geschieht gerade das Gegenteil. Hier hat die Landesarchäologin Judith Oexle den komplett erhaltenen Kellern am Neumarkt, also dem Letzten, was im Kernbereich von der untergegangenen Stadt Dresden erhalten geblieben ist, die Denkmalwürdigkeit aberkannt. In der Konsequenz heißt dies, daß die für die Konservierung von unterirdischen Denkmalen zuständige Amtsleiterin ihren Segen dazu gibt, die einzigen authentischen Zeugnisse, die von der Altstadtbebauung im Neumarktbereich übrig geblieben sind, auszubaggern, so wie es bereits mit den Kellern an der Webergasse geschehen ist, also das Gedächtnis der Stadt wie eine Festplatte zu löschen. Man muß sich fragen, vor welchem Erfahrungshintergrund und welchem Geschichtsverständnis diese Stellungnahme abgegeben worden ist. Dresden, das mit einem Todesareal von 15 Quadratkilometern ein Ausnahmeschicksal im Zweiten Weltkrieg wie Hiroshima erlitten hat, dessen Ausgrabungsstätten Archäologen aller Kontinente angezogen haben, weil jeder Stein, jede Scherbe von diesem Schicksal, das zu den Menschheitskatastrophen des vergangenen Jahrhunderts zählt, kündet, weil sich an der Verfärbung der Gewölbewände noch heute die Temperaturen von einigen tausend Grad ablesen lassen, die in diesen Todesfallen in den Stunden des Feuersturms geherrscht haben: dieses mitteleuropäische Pompeji soll auf Tieflader gekippt und auf den Müll gefahren werden? Unwillkürlich drängt sich eine unselige Erinnerung auf. Der letzte, der so verantwortungslos war, die Vergangenheit dieser Stadt pauschal in Frage zu stellen, war der Oberbürgermeister Walter Weidauer. Vor der Geschichte macht er eine erbarmungswürdige Figur. Verheerend sind die Folgen der fachlichen Stellungnahme für die Wiederaufbaupläne am Neumarkt. Denn damit gehen den Investoren Fördermittel für die Erhaltung der Keller verloren. Gleichzeitig wird dem Wiederaufbauplan des Neumarktensembles auch aus denkmalpflegerischer Sicht buchstäblich das Fundament entzogen: Gibt man die Keller preis, werden die Leitbauten zu bloßen Attrappen. Hier ist auf Vergleichsbeispiele zu verweisen wie etwa das Schloß in Berlin. Dort wurden selbst banale Heizungskeller freigelegt, um den Wiederaufbau auf exakt diesen authentischen Stümpfen vorzubereiten. Oder die Städte Elbing in Westpreußen und Stettin am linken Ufer der Oder: Hier haben polnische Stadtplaner die Fundamente der von Bulldozern abgeräumten Altstädte ausgegraben und sorgfältig stabilisiert, um auf diesen Mauerresten in akkurat derselben Parzellierung neue Altstadtquartiere zu errichten, die die geschichtlinien Lebenslinien dieser einst deutschen Städte nachzeichnen.

Am Neumarkt geht es um nichts anderes. Die Zeugnisse des alten Dresden werden dringend benötigt - und zwar einschließlich des authentischen Pflasters und der Gehwegplatten -, um die Reste städtischer Identität zu sichern und das ehrgeizige und vorbildlose Vorhaben der archäologischen Rekonstruktion der Frauenkirche und von Teilen des Neumarktes sachgerecht, und das heißt künstlerisch wie auch wissenschaftlich angemessen, zu vollenden. Dresden hat die einmalige Chance, um die viele deutsche Städte das einstige Elbflorenz heute beneiden: in einer groß angelegten flächenhaften Aufbauleistung ein Stück Identität zurückzugewinnen - also Eigenschaften, die einmal die Bedeutung und die Einzigartigartigkeit dieser Stadt ausgemacht haben. Dies ist nicht nur aus künstlerisch-städtebaulichen oder historisch-konservatorischen Gründen geboten, sondern auch aus den elementaren ökonomischen und politischen Überlebensinteressen der Stadt. Die Chipfabriken sind nicht nach Dresden gekommen, weil Dresden über Plattenbauten, Gewerbegebiete, Wasserwerke und Mülldeponien verfügt. In der beinharten Konkurrenz der Metropolen im zusammenwachsenden Europa haben nur diejenigen Städte eine Chance, die ihre Unverwechselbarkeit zu bewahren und zu entwickeln wissen. Dresden, das sein Gesicht angesichts der riesigen Neubauaufgaben zwischen Hauptbahnhof und Albertplatz, zwischen Gruna und Cotta noch völlig wandeln wird, hat es dabei - wie der Vergleich mit Leipzig zeigt - schwerer als andere Städte. Das neue Dresden wird eine hoch moderne, chrom- und glasblitzende Stadt mit Fassaden von klirrender Kälte und niederschmetternder Banalität sein. Es muß das wenige, was sich an eigenständiger gewachsener Substanz festhalten oder zurückgewinnen läßt, wie einen kostbaren Schatz hüten und verteidigen.

Profilierung findet Stadt - Gesellschaft Historischer Neumarkt ...
Exposé Quartier VI - Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden eV
Plädoyer für neue Wege in der politischen Streitkräfteplanung - VSWW
02 / 09 Ein Plädoyer für die Stärkung von prozessualer Qualität, Teil 1
Die Lindström-Story - Gesellschaft für Historische Tonträger
Gesellschaft für Informatik 13.04.2011 - GI Regionalgruppe Köln
Mitteilungen - Norddeutsche Gesellschaft für Otorhinolaryngologie
Untitled - Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde
Pläne für die nachhaltige urbane Mobilität – Planen für Menschen
Mitteilungen der Gesellschaft für Landeskunde Oberösterreichischer ...
20.11.2004 – Ein Feldbesuch - Schweizerische Gesellschaft für ...
Zukunft am Meer - BIS Bremerhavener Gesellschaft für ...
SchnupperkurS für hiStoriScheS fagott und oboe ... - Susanne Regel
Unser Flyer für November/Dezember 2007 - Historische Kleinkälte ...
DGG_D168_Prospekt_Part 1.cdr - DGG - Deutsche Gesellschaft für ...
hannoversche gesellschaft für neue musik hannoversche ...
Vorprogramm_07_Druck.pdf - Österreichische Gesellschaft für ...
Unternehmen in China - Gesellschaft für Unternehmensgeschichte eV
Flyer Symposium - Institut für Kirche und Gesellschaft
programm - Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin
Programm - Österreichische Gesellschaft für Senologie
Fachhumangenetik - Deutsche Gesellschaft für Humangenetik eV
Clusterpolitik - HWF Hamburgische Gesellschaft für ...
Programm herunterladen - GNP Kongressportal. Gesellschaft für ...
Untitled - Österreichische Gesellschaft für Neurologie
Weiterbildungsstandards der DGfB - Deutsche Gesellschaft für ...
Programm - Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin
MEDIZIN - Deutsche Gesellschaft für Pneumologie
Auf der Flucht vor dem Klima - Deutsche Gesellschaft für die ...
Mitteilungen 2010 - Norddeutsche Gesellschaft für ...