BG RCI Magazin Ausgabe März/April 2013 - Berufsgenossenschaft ...

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BG RCI Magazin Ausgabe März/April 2013 - Berufsgenossenschaft ...

Baustoffe - Steine - Erden . BeRGBAu . Chemische Industrie . Lederindustrie . Papierherstellung und Ausrüstung . Zucker

4. Jahrgang . 3/4 März/April 2013

Zeitschrift für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie

Arbeitsbedingte Rückenbelastungen –

die Ursachen sind vielfältig

Förderpreis 2013: BG RCI vergibt „Arbeitsschutz-Oscar“

BG RCI: „Downloadcenter Prävention“ auf Erfolgskurs

Motorradfahrer – die am stärksten gefährdeten

Verkehrsteilnehmer


Editorial

BG RCI.magazin 3/4 2013

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Vor wenigen Tagen haben wir zum 16. Mal den

Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit

verliehen. Insgesamt haben sich seit 1997

knapp 10.000 Frauen und Männer aus über

4.000 Betrieben mit mehr als 5.000 Ideen

an dem Wettbewerb beteiligt. Ein Ergebnis,

das sich sehen lassen kann!

Der Förderpreis ist ein Marktplatz der Möglichkeiten,

die ausdrücklich zum Nachahmen

auffordern. Auch wenn die Neuentwicklungen

branchenbezogen eingereicht werden,

so können sie doch meist mit wenig Anpassungsaufwand

und geringen Kosten branchenübergreifend

realisiert werden. 16 Jahre

Förderpreis haben eindrucksvoll gezeigt,

welch innovatives Potential in den deutschen

Unternehmen vorhanden ist. Darüber hinaus

hat er verdeutlicht, dass Arbeitssicherheit

nicht „verordnet“ werden kann, sondern im

Kopf beginnt. Und dass die besten Ideen direkt

aus dem betrieblichen Alltag kommen.

Wir freuen uns darüber, dass wir mit dem Förderpreis

der BG RCI dazu beitragen können,

diesen Ideen-Schatz zu heben.

Sie alle haben sich entschieden, Verantwortung

zu übernehmen, für sich und für andere.

Sie haben sich Gedanken darüber gemacht,

wie ihre Arbeitsumgebung noch sicherer und

damit gesünder gemacht werden kann. Vor allem

aber haben sie den Mut gefunden, diese

innovativen Ideen nicht nur im eigenen Betrieb

umzusetzen, sondern sie der Gemeinschaft

zur Verfügung zu stellen. Damit sind

diese Frauen und Männer zu Vorbildern für

uns alle geworden.

Der Förderpreis ist mit einer Gesamtgewinnsumme

von 100.000 Euro nicht nur der

höchstdotierte Preis zur Verbesserung von

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am

Arbeitsplatz in Deutschland, sondern war

auch Vorreiter für andere Initiativen dieser

Art. Auch darauf sind wir stolz, zeigt es uns

doch, wie wichtig und richtig seine Einrichtung

war und ist.

Die Verbesserungsvorschläge tragen dazu

bei, Unfälle zu vermeiden. Viele der Ideen

verringern Belastungen beim Heben,

Tragen oder bei bestimmten Bewegungsabläufen

und verhindern damit auch arbeitsbedingte

Erkrankungen. Gerade mit

Blick auf den demografischen Wandel und

die damit verbundene längere Lebensarbeitszeit

sind diese Beiträge außerordentlich

wertvoll. Der Förderpreis sorgt dafür,

dass diese Ideen allen zur Verfügung stehen.

Kopieren ist ausdrücklich erwünscht!

Ich freue mich darauf, wenn wir auch im

nächsten Jahr wieder sagen können: Sie sind

ausgezeichnet!

Ihr

Ulrich Meesmann

Mitglied der Geschäftsführung

Sicher arbeiten – gesund leben!

Wir unterstützen Sie dabei.

www.bgrci.de

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3/4 2013 BG RCI.magazin Inhalt

Blickpunkt

Editorial2

Innovative Ideen für sicheres Arbeiten

BG RCI vergibt „Arbeitsschutz-Oscar“ 4

Zur ganzheitlichen Betrachtung

der Rückengesundheit

Ergebnisse einer Interviewbefragung der BG RCI6

Arbeitsbedingte Rückenbelastungen –

die Ursachen sind vielfältig

Von den protecT-Kongressen der BG RCI8

Richtiges Heben und Tragen 9

BG RCI: Branchenübergreifendes

„Downloadcenter Prävention“ auf Erfolgskurs 10

„Kompendium Arbeitsschutz mobil“ –

ein Klassiker wird „neu erfunden“ 11

Grundlegend überarbeitet und neu erschienen

Merkblatt A 002 „Gefahrgutbeauftragte“ 12

„Schlema VII“: Gefahrstoffbelastungen bei

Instandhaltungs arbeiten durch Servicefirmen 13

Aus den Branchen

Baustoffe - Steine - Erden

Notfallmanagement: Zwei Unternehmen proben

den Ernstfall 16

Bergbau

K+S KALI GmbH, Werk Zielitz

Kühler Kopf beim Anbohren von Gasblasen

Tiefbohrtechniker lernen in 500 Meter Teufe19

Vom „schwarzen Raucher“, der zum

Weltkulturerbe wurde

Das Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar20

Chemische Industrie

Gefährliche Verwechslungen verhindern

Broschüre der IVSS-Sektion Chemie greift

ein unfallträchtiges Thema auf22

BG RCI-Gütesiegel „Sicher mit System“

MÜNZING Liquid Technologies GmbH

ausgezeichnet23

Rezensionen

„Tabellenbuch der Chemie“ 24

„Betriebliches Gefahrstoffmanagement“ 24

LederIndustrie

Heimtextil Frankfurt 2013

Die BG RCI stellt ergonomisch optimierten

Näharbeitsplatz vor 26

Vom Briefbeutel zum Hightech-Rucksack

Deuter – eins der ältesten Mitgliedsunternehmen

der BG RCI aus der Branche Lederindustrie27

Papierherstellung und Ausrüstung

Risiken erkennen – Unfälle vermeiden 28

Zucker

Südzucker

Monatsthemen zum Arbeitsschutz in neuer Form 30

Berichte und Informationen

Moderne Personalpolitik

Neues Förderprogramm unterstützt kleine

und mittlere Unternehmen 32

63. Berlinale

Erfolgreiche Premiere für „GOLD – Du kannst

mehr als du denkst“ 33

Ersatz-Rechenzentrum für die BG RCI

Redundanz schafft Sicherheit 34

30.000 Motorradfahrer

verunglückten 2011 bundesweit 35

Bundesweite Aktion am 15. Juni 2013

„Tag der Verkehrssicherheit“

Auch Unternehmen sind zur Teilnahme aufgerufen 36

Impressum 36

Titelbild:

Die Entstehung von Rückenbeschwerden hat viele unterschiedliche Ursachen,

bei denen nicht nur körperlich schwere oder einseitige Arbeit, sondern auch

psychische Belastungen eine große Rolle spielen.

Foto: dguv

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Blickpunkt

BG RCI.magazin 3/4 2013

Innovative Ideen für sicheres Arbeiten ausgezeichnet

BG RCI vergibt „Arbeitsschutz-Oscar“

Der Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit 2013 – mit 100.000 Euro der höchstdotierte Arbeitsschutzpreis

in Deutschland – wurde am 5. April 2013 in der Alten Oper in Frankfurt am Main verliehen. Thema des diesjährigen

Preises war „Gesundheit im Betrieb“.

Der „Arbeitsschutz-Oscar“ wurde in diesem

Jahr zum 16. Mal verliehen. An dem Wettbewerb

2013 haben 761 Frauen und Männer mit

331 Beiträgen teilgenommen. Für ihre kreative

Arbeit erhielten nun 62 von ihnen 18

Förder- und Sonderpreise. Insgesamt haben

„Sie hatten den Mut, Verantwortung zu übernehmen“,

würdigte Festredner Dr. Markus Merk,

mehrfacher deutscher „Schiedsrichter des Jahres“

und dreimaliger „Weltschiedsrichter“, das

Engagement der Preisträger.

sich seit 1997 knapp 10.000 Menschen aus

über 4.000 Betrieben mit mehr als 5.000

Ideen an dem Wettbewerb beteiligt. Das Besondere:

der Preis ist personengebunden

und geht direkt an die Sieger des Wettbewerbs.

An der diesjährigen Preisverleihung

in der Alten Oper nahmen rund 500 Gäste

teil. Musikalisch untermalt wurde die Fest-

„Wir alle wissen, dass sich Arbeitssicherheit

nicht verordnen lässt. Wir brauchen

Menschen, die sich mit Esprit und Verantwortungsgefühl

der Sache annehmen. Menveranstaltung

von dem amerikanischen Jazzensemble

„PROJECT Trio“.

„Sie hatten den Mut, Verantwortung zu übernehmen“,

würdigte Festredner Dr. Markus

Merk, mehrfacher deutscher „Schiedsrichter

des Jahres“ und dreimaliger „Weltschiedsrichter“,

das Engagement der Preisträger.

Mut und die Bereitschaft, Verantwortung zu

übernehmen, seien neben Begeisterungsfähigkeit,

Identifikation und dem Willen, getroffene

Entscheidungen auch zu realisieren,

der Schlüssel zum privaten wie beruflichen

Erfolg. „Es geht darum, gemeinsam zu wirken

und Erfolge gemeinsam zu sichern“, so

Merk weiter. Dies gelte nicht nur auf dem

Fußballplatz, sondern eben auch für den

Förderpreis.

Mit dem Förderpreis werden wegweisende

Ideen in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

ausgezeichnet. Ziel des

Preises ist es, „Initiativen auszulösen und

Ideen zum Durchbruch zu verhelfen“, wie

Wolfgang Daniel, Vorstandsvorsitzender der

BG RCI, erklärte. „Es geht darum, die Menschen

in den Unternehmen dazu zu bringen,

die vielen guten Ansätze zur Verbesserung

der Arbeitssicherheit, die jeden Tag entstehen,

aus den Schubladen ihrer Schreibtische

und Werkbänke zu holen, weiterzuentwickeln

und auszuarbeiten“, so Daniel weiter.

Dieser „Ideen-Schatz“ soll somit einer

breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht

werden. Dabei ist Kopieren ausdrücklich

erwünscht.

Dr. Uwe Müller, Vorsitzender des Präventionsausschusses

des Vorstands der BG RCI

(l.), überreichte den branchenübergreifenden

BG RCI-Förderpreis an Carsten Hahn, Hahn-Trainings-Systems

TM, sowie Jörg Even und Norbert

Pastuschek, ExxonMobil Production Deutschland

GmbH (v.l.).

4


3/4 2013 BG RCI.magazin Blickpunkt

Die Gewinner des Förderpreises Arbeit · Sicherheit · Gesundheit 2013 der BG RCI wurden am 5. April in Frankfurt geehrt.

Fotos: bgrci/Armin Plöger

schen, die voranschreiten, den Weg zeigen

und andere mitreißen“, verdeutlichte Dr.

Christoph Hommertgen, Vorsitzender der

Vertreterversammlung der BG RCI, bei der

Preisverleihung. Dies hätten die Preisträgerinnen

und Preisträger getan. „Damit sind

Sie zu Vorbildern für uns alle geworden.“

Vorbildlich und wegweisend ist auch der

Ansatz, der mit dem branchenübergreifenden

Förderpreis der BG RCI für die beste Idee

zum Thema „Gesundheit im Betrieb“ ausgezeichnet

wurde. Er ging an zwei Mitarbeiter

der ExxonMobil Production Deutschland

GmbH und einen Mitarbeiter der Hahn-Trainings-Systems

TM für ihr generationen-

übergreifendes „Fitnessprogramm – nicht

nur für Atemschutzgeräteträger. Der demografische

Wandel fordert Maßnahmen“. Das

Unternehmen arbeitet mit gesundheitsgefährdenden

und brennbaren gasförmigen

Stoffen. Im Notfall müssen einige Mitarbeiter

unter schwerem Atemschutz für die Sicherheit

der Belegschaft sorgen können. Bei

arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen

wurde festgestellt, dass sich aufgrund

der demografischen Entwicklung der Anteil

älterer Mitarbeiter erhöht hatte, deren Fitness

diesen Anforderungen nicht mehr genügte.

Um trotzdem eine funktionierende

Arbeitssicherheitsorganisation zu erhalten,

wurde ein individuell zugeschnittenes Fitnessprogramm

aufgelegt. Bereits nach drei

Monaten waren die Teilnehmer in einer deutlich

besseren körperlichen Verfassung als

vorher. Mittlerweile können alle Beschäftigte

an dem Programm teilnehmen.

Diese und die vielen anderen ausgezeichneten

Entwicklungen und Programme zeigen,

„wie viele innovative Ideen in den Köpfen

gespeichert sind“, sagte Thomas Köhler,

Sprecher der BG RCI-Geschäftsführung,

bei der Festveranstaltung am Vorabend

der Preisverleihung. Gleichzeitig dankte er

den „Unterstützern“, also den Frauen und

Männern, die als Ausbilder oder Kollege,

als kritischer Betrachter oder wohlwollender

Ratgeber die Preisträger bestärkt oder

das betriebliche Umfeld geschaffen haben,

das die ausgezeichneten Ideen hervorgebracht

habe. Sie alle hätten Verantwortung

für ihre Mitmenschen übernommen. „Solche

Menschen suchen und brauchen wir alle“,

verdeutlichte Köhler.

Neben dem brachenübergreifenden Förderpreis

vergab jede der sechs Branchen der

BG RCI – Baustoffe - Steine - Erden, Bergbau,

Chemische Industrie, Lederindustrie,

Papierherstellung und Ausrüstung sowie Zucker

– jeweils einen Förderpreis und bis zu

zwei Sonderpreisen. Erstmals wurde auch

ein Sonderpreis für ein innovatives Herstellerprodukt

verliehen.

Wolfgang Daniel, Vorstandsvorsitzender der

BG RCI, eröffnete den Festakt zur Verleihung des

BG RCI-Förderpreises Arbeit · Sicherheit · Gesundheit

2013.

„Sie sind Vorbilder für uns alle“, würdigte

Dr. Christoph Hommertgen, Vorsitzender der

Vertreterversammlung der BG RCI, die Preisträgerinnen

und Preisträger.

Die ausgezeichneten Arbeiten stellen wir in

den nächsten Ausgaben des BG RCI.magazins

ausführlich vor. Weitere Informationen

finden Sie unter www.bgrci-foerderpreis.de.


Ulrike Jansen

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Blickpunkt

BG RCI.magazin 3/4 2013

„Denk an mich. Dein Rücken“

Zur ganzheitlichen Betrachtung

der Rückengesundheit

Ergebnisse einer Interviewbefragung der BG RCI

Rückenbeschwerden zählen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und gehen mit persönlichem Leid der

Betroffenen, hohen Fehlzeitenkosten sowie Produktionsausfällen einher. Die Entstehung von Rückenbeschwerden

hat viele unterschiedliche Ursachen, bei denen nicht nur körperlich schwere oder einseitige Arbeit, sondern auch

psychische Belastungen eine große Rolle spielen. Die BG RCI verfolgt mit der Präventionskampagne „Denk an mich.

Dein Rücken“ das Ziel, die Belastungen des Rückens bei der Arbeit sowie die Ausbreitung von Rückenbeschwerden

zu verringern. Sie will in den kommenden drei Jahren ihre Mitgliedsbetriebe zum Thema „Prävention von Rückenbeschwerden“

intensiv informieren und beraten.

Damit der psychische Aspekt der Rückengesundheit

im Betrieb zielgerecht und zum

Wohl der Beschäftigten angepackt werden

kann, ist es notwendig, genau zu wissen, wo

Unternehmern und Mitarbeitern der Schuh

drückt. Ist schon die Rückengesundheit sehr

stark von individuellen Fragestellungen und

Bewertungen beeinflusst, so ist insbesondere

der psychische Aspekt ohne die Berücksichtigung

der individuell unterschiedlich

bewerteten psychischen Belastungen

kaum darstellbar.

Es liegt also nahe, sich zunächst ein Bild zu

machen, ob es in den Unternehmen eine

Sensibilität hinsichtlich dieser Fragestellungen

gibt. In einer Befragung sollten Mitarbeiter

verschiedener Mitgliedsunternehmen

der BG RCI zu der psychischen Belastungen

im Betrieb Stellung nehmen und diese mit

der Rückengesundheit in einen Zusammenhang

bringen. So wurde zunächst nach der

Organisation von Gesundheitsfördermaßnahmen

gefragt. Hierbei stellte sich heraus,

dass sich alle befragten Betriebe mindestens

schon einmal mit dem Thema „Gesundheit“

befasst hatten. Ob diese Maßnahmen

wirksam waren, konnte jedoch nur bei einer

Minderheit ermittelt werden.

Die Relevanz psychischer Belastungen bei

Rückenerkrankungen wurde von der überwiegenden

Mehrheit der Befragten erkannt.

Über die Berücksichtigung psychischer Belastungen

bei betrieblichen Gesundheits-

„Die Firma hatte mal eine Trainerin engagiert,

die mittags Gymnastikübungen angeleitet

hat. Die Übungen sollte man dann

alleine weiterführen. Das Ganze ist schließaktionen

konnte jedoch keiner berichten.

Somit konnten auch die Fragen nach einer

Wirksamkeitskontrolle im Zusammenhang

von psychischer Belastung und Rückengesundheit

nur negativ beantwortet werden.

Eine systematische Einbindung dieser speziellen

Fragestellung in die betrieblichen Abläufe

war somit ebenfalls nicht zu erwarten.

Da die Interviews im Zuge einer „qualitativen

Befragung“ mit offenen Fragen durchgeführt

wurden, konnten die Interviewer

typische Antworten herausfiltern. Um eine

unbeeinflusste und unabhängige Befragung

zu gewährleisten, wurde das Institut für Psychologie

der TU Darmstadt beauftragt. Die

Interviews erfolgten durch drei Studentinnen,

die jeden der Teilnehmer ca. zehn Minuten

lang befragten.

Die Ergebnisse

Die Befragung fand im Bildungszentrum

Haus Laubach der BG RCI statt. Befragt wurden

Seminar-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer

aus verschiedenen Mitgliedsunternehmen

der BG RCI.

Im Ergebnis stellen sich die Maßnahmen

betrieblicher Gesundheitsförderung sehr

unterschiedlich dar. Sie reichen von klassischen

Arbeitsschutzmaßnahmen, z.B. der

Gefährdungsbeurteilung und Maßnahmen

zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung,

bis hin zu einer umfassenden und ganzheitlichen

Erhaltung sowie Förderung der Mit-

arbeitergesundheit. Typische Aussagen

hierzu waren:

„Betriebliche Gesundheitsförderung bedeutet

für uns, dass wir den Mitarbeiter als Ganzes

sehen.“

„Jeden Tag gesund nach Hause kommen

und irgendwann gesund in Rente gehen.“

Bei allen teilnehmenden Mitgliedsunternehmen

gilt das Thema „Rückengesundheit“

als große Herausforderung. Viele Unternehmen

bieten präventive Maßnahmen zur Rückengesundheit

an, wie z.B. Rückenschulen.

Nach Auskunft der Befragten handelt es sich

dabei aber eher um einzelne Maßnahmen,

die wenig nachhaltig organisiert sind:

„Dem Problem Rückenschmerzen wird erst

dann Aufmerksamkeit geschenkt, wenn das

Kind in den Brunnen gefallen ist, meist erst,

wenn Rückkehrgespräche geführt werden.

Präventiv wird nichts gemacht.“

„Wir haben zum Beispiel ein EDV-Programm,

welches an allen Bildschirmarbeitsplätzen

installiert ist und die Mitarbeiter daran erinnert,

5 Minuten Rückengymnastik zu machen.“

6


3/4 2013 BG RCI.magazin Blickpunkt

lich im Sande verlaufen. Die Frau ist jetzt

wieder da, ich weiß nicht, wie es jetzt wird.

Und dann gibt es noch die Betriebssportgruppen.

Das ist aber kein spezielles Rückentraining.

Da gibt es eine Fußball-, eine

Prellball- und eine Tischtennisgruppe.“

Auch die Wirksamkeit der Maßnahmen wird

nur in Einzelfällen überprüft:

„Bei Mitarbeitern, bei denen etwas aufgefallen

ist, wird mal nachgefragt, ob es besser

geworden ist.“

„Nein, die Wirksamkeit wird nicht überprüft,

es findet nur die betriebsärztliche Untersuchung

regelmäßig statt.“

Lotte Schwärzel, Eva Maria Eckert und Katrin

Kaiser (v.l.), Studentinnen am Institut für Psychologie

der TU Darmstadt, interviewten …

… Seminarteilnehmer wie Frank Busch im Haus

Laubach der BG RCI zur Rückengesundheit.


Fotos: ls

Die Hälfte der Befragten war sich über den

Zusammenhang von Rückenbeschwerden

und psychischer Belastung nicht bewusst.

Auch in den bereits angebotenen Maßnahmen

zur Stärkung und Erhaltung der Rückengesundheit

fand dieser Zusammenhang

kaum Beachtung:

„Ich denke, dass bei vielen Krankheiten die

Psyche eine Rolle spielt. Das eine kann das

andere auslösen.“

„Nein, ich habe noch nicht gehört, dass es

einen Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen

und psychischer Belastung gibt.“

„Ich denke, Burn-out ist ein Thema, das sich

durch die ganze Industrie zieht. Wir haben

selber Fälle. Und wenn ich mit den Leuten

spreche, dann ist es auch ein Punkt, dass

Rückenschmerzen auftreten. Insofern glaube

ich schon, dass das zusammenhängt. Die

Last ist zu schwer zum Tragen. Denn man

sagt ja auch, der Rücken ist das Seelenbild

des Menschen. In gefährlichen Situationen

fährt es einem manchmal so richtig in den

Rücken.“

„Nein, es gibt noch keine Maßnahmen zum

Thema Rücken und Psyche. Das ist aber geplant.

Ideen werden diskutiert, und dann

wird entschieden, ob sie umgesetzt werden

können.“

In der Regel wird die betriebliche Gesundheitsförderung

von einzelnen Akteuren oder

einem „Kreis der Wohlgesinnten“ angegangen,

darunter Betriebsärzte, Sicherheitsfachkräfte,

Betriebsräte, Suchtbeauftragte

und andere Mitarbeiter, denen das Thema

„Gesundheit“ am Herzen liegt. Geht es im

Arbeitsschutz primär um das Vermeiden

oder Beseitigen gesundheitsgefährdender

Arbeitsbedingungen und Belastungen, so

zielt die berufsgenossenschaftliche Unterstützung

auf das nachhaltig wirksame

Schaffen und Erhalten gesundheitsförderlicher

Arbeitsbedingungen und Kompetenzen.

Diese beiden Ziele sollten in einem

strategischen betrieblichen Gesundheitsmanagement

vereint, in der Unternehmenskultur

verankert und durch das Management

maßgeblich unterstützt und vorangetrieben

werden.

Die Interviews bestätigen folgende Beobachtungen:

Gesundheitsmaßnahmen zum

Thema „Rückengesundheit“ sind nicht strategisch

in die Unternehmensprozesse integriert,

sondern bestehen aus einzelnen,

in ihrer Wirksamkeit kaum überprüften Adhoc-Maßnahmen.

Damit liegt auf der Hand, wie die Kampagne

„Denk an mich. Dein Rücken“ im Bereich

der psychischen Faktoren strategisch

ausgerichtet sein sollte. Es gilt, langfristig

wirksame Maßnahmen einzuführen, diese

einer Wirksamkeitsbetrachtung und schließlich

einer fortwährenden Verbesserung zu

unterziehen.

Die Kampagne „Denk an mich. Dein Rücken“

will den Unternehmen in der Prävention von

Rückenbeschwerden und der Förderung der

Rückengesundheit dabei helfen, langfristig

wirksame Maßnahmen zu entwickeln. Dabei

wird empfohlen, die Gründe von Rückenbeschwerden,

insbesondere den Zusammenhang

mit psychischen Belastungen, zu

berücksichtigen. Diese Gründe sind gekennzeichnet

durch sehr individuelle Faktoren,

die unterschiedlichen Einflüssen unterliegen.

Um diesen individuellen Ursachen

gerecht zu werden, ist es notwendig, die

Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen

zu überprüfen, um auf die Veränderungen

reagieren zu können und damit den Erfolg

der Maßnahmen nachhaltig zu sichern.

Dr. Helmut Nold, BG RCI, Mainz

7


Blickpunkt

BG RCI.magazin 3/4 2013

Arbeitsbedingte Rückenbelastungen –

die Ursachen sind vielfältig

Von den diesjährigen protecT-Kongressen der BG RCI

Die beiden diesjährigen protecT-Veranstaltungen standen ganz im Zeichen

des Rückens. Auf ihnen wurde der Startschuss für die neue, noch bis Ende

2015 laufende Präventionskampagne der BG RCI „Denk an mich. Dein Rücken“

gegeben. Das Programm reichte von der Vorstellung erfolgreicher Einzelmaßnahmen

und Gesamtkonzepte aus den Mitgliedsbetrieben über die Präsentation des

reichhaltigen Informations- und Mitmachangebotes der BG RCI bis hin zu Vorträgen

und Podiumsdiskussionen.

Das Thema brennt den Unternehmen auf

den Nägeln. Kein Wunder also, dass die Veranstaltungshäuser

in Bad Wildungen und

Dresden mit über 500 Gästen nicht nur bis

auf den letzten Platz belegt, sondern am

Ende der jeweils zweitägigen Kongresse

auch alle Materialien restlos vergriffen waren.

Erstmals in der Geschichte der protecT

wird es daher im Herbst noch eine dritte

Veranstaltung geben; aber auch diese ist

bereits ausgebucht.

Rund 80 Prozent der Rückenschmerzen haben

ihre Ursache in verspannter Muskulatur.

Die beste Therapie dagegen ist Bewegung.

„Sie sollten einmal am Tag so richtig

ins Schwitzen kommen“, erklärte Deutschlands

wohl prominentester Mediziner, Prof.

Dr. Dietrich Grönemeyer, den begeisterten

Teilnehmern der protecT. Der Anfang dazu

kann schon beim morgendlichen Zähneputzen

gemacht werden: „Abwechselnd

jeweils auf einem Bein stehen und dabei

Kniebeugen machen“, so der Tipp des „Rücken-Papstes“.

Diese drei Minuten sorgten

nicht nur für das körperliche, sondern auch

für das innere Gleichgewicht: „Jeder kann

privat und bei der Arbeit viel dafür tun, dass

der Rücken lange gesund und fit bleibt.“

Ziel der Rücken-Kampagne ist es, „die arbeitsbedingten

Rückenbelastungen im Unternehmen

zu erkennen und zu reduzieren,

die Ursachen für Rückenbeschwerden zu beseitigen

und damit die Rückengesundheit

der Beschäftigten zu fördern“, erklärte Kampagnenleiter

Dr. Helmut Nold, Leiter des KC

Gesundheitsschutz der BG RCI. Lange und

häufige Ausfalltage von Beschäftigten haben

ihre Ursache oft in Rückenbeschwerden.

Ungünstige Arbeitsbedingungen, das Be-

wegen schwerer Lasten, immer wiederkehrende

gleiche Handhabungsaufgaben oder

Bewegungsmangel bei lang andauerndem

Stehen oder Sitzen ohne wirksame Pausen

belasten das Muskel-Skelett-System. Hinzu

kommt der „Stress“ aufgrund von psychischen

Belastungsfaktoren, die oft mit Rückenbeschwerden

in Verbindung gebracht

werden. Als besonders gravierend wird die

Problematik dort angesehen, wo sich körperliche

Belastungen mit einem hohen Niveau

psychischer Belastungen verbinden.

Rückenerkrankungen erfolgen zunehmend

auch vor dem Hintergrund einer immer älter

werdenden Belegschaft. „Wir wollen Sie

mit unserer Kampagne dabei unterstützen,

diesen Herausforderungen gerecht zu werden“,

so Ulrich Meesmann, Mitglied der Geschäftsführung

der BG RCI.

Kniebeugen schon beim Zähneputzen: „Rücken-Papst“

Prof. Grönemeyer demonstriert,

was man alles für seinen Rücken tun kann.

Im Mittelpunkt der protecT-Veranstaltungen

stand die Frage, welche Gesundheitsprogramme

und Maßnahmen (Verhältnisprävention)

zielführend sind und wie die Belegschaft

motiviert werden kann, diese auch

anzunehmen (Verhaltensprävention). „Das

Ziel der betrieblichen Prävention von Rückenbeschwerden

muss die Verhinderung

der Chronifizierung durch Reduktion von Risikofaktoren

und der Stärkung von Ressourcen

sein“, erläuterte dazu Prof. Dr. Bernd

Zimolong von der Ruhr-Universität Bochum.

Betriebliche Gesundheitsförderung funktioniere

aber nur, wenn Arbeitsgestaltung, Führung

und Personalentwicklung, Information

und Kommunikation sowie Gesundheitsaktivitäten

aufeinander abgestimmt seien und

die Unternehmenskultur prägten.

Für Dr. Thomas Linz von der Bayer Pharma

AG in Berlin ist eines völlig klar: Systematischer

Gesundheitsschutz im Betrieb funktioniert

nur, wenn „man sich aktiv dem Thema

stellt“. Fast 30 Prozent aller Akutberatungen

beim Betriebsarzt sind bei Bayer durch

Schmerzen im Schulter-Nacken- bzw. Lendenwirbelbereich

verursacht. Meist spielten

dabei psychische Belastungen ebenfalls

eine Rolle. „Die Ursachen sind aber vielfältig

und die Reaktionsmuster sehr individuell“,

berichtete Linz. Bayer hat daher ein Gesundheitsprogramm

entwickelt, das alle Unternehmensbereiche

umfasst. Neben Aufklärung

und individueller Beratung durch den

Betriebsarzt und die Sicherheitsfachkraft

gehört dazu die ergonomische Arbeitsplatzausstattung

sowie die Ermittlung und Reduzierung

psychischer Belastungsfaktoren.

Hinzu kommt ein reichhaltiges Sport-, Ausgleichs-

und Seminarangebot. „Besonders

wichtig aber ist es, die Leute zu motivieren,

8


3/4 2013 BG RCI.magazin Blickpunkt

in sich hineinzuhören. Man muss das Handy

auch mal ausschalten!“, so sein Appell.

Aber auch im kleineren Maßstab funktionieren

Programme zur Rückengesundheit,

wie das Beispiel des mittelständischen

Baustofffachbetriebs M. & J. Schmickler

aus Sinzig zeigt. Die Belegschaft trainiert

unter fachlicher Anleitung seit kurzem in

einem Fitnessstudio. „Neben der körperlichen

Fitness fördern die gemeinsamen

sportlichen Aktivitäten der Kollegen auch

das soziale Miteinander im Betrieb“, erklärte

Geschäftsführer Norbert Schmickler.

Am Ende der zweitägigen protecT-Veranstaltungen

waren sich alle Anwesenden einig:

jeder kann ganz persönlich viel für seinen

Rücken tun. Für die Unternehmen zahlt sich

jeder in die Rückengesundheit der Belegschaft

investierte Cent doppelt und dreifach

aus. Die Motivation der Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter steigt, der Krankenstand

Freuen sich über die prominente Unterstützung

durch Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer (2.v.r.):

BG RCI-Kampagnenleiter Dr. Helmut Nold, Ulrich

Meesmann, Mitglied der Geschäftsführung

der BG RCI, und BG RCI-Präventionleiter Helmut

Ehnes.

Fotos: bgrci/jön

sinkt und damit bleibt die Produktivität erhalten.

Nicht zuletzt genießen Firmen mit

einem entsprechenden Gesundheitsprogramm

auch einen Wettbewerbsvorteil bei

der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Im Zeichen

des demographischen Wandels und

der immer knapper werdenden Fachkräfte

ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.

Das Forum protecT ist ein zweimal jährlich

stattfindender Kongress für Führungskräfte,

Unternehmer aus dem Unternehmermodell

und Spezialisten aus den Mitgliedsbetrieben

der BG RCI. Seine Schwerpunkte sind

die arbeitsschutzrelevanten Aspekte aus

den Bereichen Unternehmensorganisation

und Führung. Weitere Informationen sowie

die Referate zum Herunterladen finden Sie

unter www.forum-protect.de.

Mehr zu „Denk an mich. Dein Rücken“ unter

www.bgrci.de, Seiten ID: #1926.


Ulrike Jansen, BG RCI, Heidelberg

„Denk an mich. Dein Rücken“

Richtiges Heben und Tragen

Schnell noch das schwere Werkstück zur Werkbank getragen oder den Zementsack vom

Transporter gehoben: Ob am Bau, im Handwerk oder in der Produktion – noch immer müssen

viele Beschäftigte bei der Arbeit schwere Lasten bewegen. Sind Bewegungen oder der

Umgang mit Lasten zu einseitig und extrem, können dabei hohe Belastungen für Rücken

und Gelenke entstehen.

Foto: dguv

Um Überbeanspruchungen und daraus

resultierende Gesundheitsschäden zu

vermeiden, empfehlen die Träger der Präventionskampagne

„Denk an mich. Dein

Rücken“ daher:

Hilfsmittel verwenden

Immer, wenn es möglich ist, Hilfsmittel wie

Hebehilfen, Tragegurte, Tischwagen oder

Hubkarren zum Transportieren schwerer

Lasten verwenden.

Schwere Lasten vermeiden

Die eigene Kraft nicht überschätzen und

Lasten lieber aufteilen und in mehreren Teilen

transportieren. Nicht teilbare schwere

Lasten zu zweit tragen.

Ergonomische Körperhaltung beachten

Beim Heben von schweren Lasten: Befindet

sich die Last auf dem Boden, mit geradem

Rücken von vorn möglichst dicht an die Last

herantreten, beim Bücken das Gesäß nach

hinten schieben und die Knie nicht weiter

als 90 Grad beugen. Die Last nicht ruckartig,

sondern mit gleichem Tempo durch

Streckung der Hüft- und Kniegelenke körpernah

anheben. Beim Anheben, Umsetzen

und Absetzen von Lasten die Wirbelsäule

nicht verdrehen; Richtungsänderungen

durch Umsetzen der Füße mit dem ganzen

Körper vornehmen.

Beim Tragen von Lasten: Eine aufrechte Körperhaltung

einnehmen und nicht ins Hohlkreuz

fallen und die Last so dicht wie möglich

am Körper tragen. Beide Körperseiten

gleichmäßig belasten und nach Möglichkeit

Hilfsmittel wie Sack- oder Schubkarren oder

Tragegurte verwenden.

Körperliche Fitness

Die körperliche Verfassung spielt eine große

Rolle bei der Prävention von Muskel-Skelett-

Erkrankungen. Regelmäßige Bewegung wie

Gymnastik und Dehnübungen sowie Spaziergänge

helfen, den Körper fit zu halten. Nicht zuletzt

kann eine gesunde und ausgewogene Ernährung

die eigene Gesundheit unterstützen.

„Denk an mich. Dein Rücken“

In der Präventionskampagne „Denk an mich.

Dein Rücken“ arbeiten die Berufsgenossenschaften,

Unfallkassen, ihr Spitzenverband

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung

(DGUV), die Sozialversicherung für Landwirtschaft,

Forsten und Gartenbau und die Knappschaft

zusammen. Gemeinsam verfolgen sie

das Ziel, Rückenbelastungen zu verringern.

Weitere Informationen unter www.deinruecken.de.

dguv

9


Blickpunkt

BG RCI.magazin 3/4 2013

BG RCI: Branchenübergreifendes

„Downloadcenter Prävention“ auf Erfolgskurs

Über 1.000 Downloads pro Tag

Die Anfänge waren bescheiden: ein paar Formulare, ein paar ausgewählte Anhänge aus Merkblättern – so startete

vor etwa zehn Jahren der „Formularshop“ der früheren Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie. Damals hätte

wohl niemand gedacht, dass sich die Angebotspalette – nicht zuletzt durch die Fusion zur BG RCI – innerhalb weniger

Jahre so rasant entwickeln würde.

Inzwischen hat sich das Downloadcenter unter

downloadcenter.bgrci.de zu einem wichtigen

branchenübergreifenden Serviceangebot der

BG RCI gemausert. Über 1.000 abgeschlossene

Downloads pro Tag entsprechen einem

Gigabyte heruntergeladener Daten und zeugen

von einer regen Nutzung und Akzeptanz

in den Mitgliedsunternehmen.

Breite Angebotspalette

Viele Nutzer schätzen besonders, dass sich

die Downloadangebote der BG RCI an einer

Stelle im Netz gebündelt befinden, wodurch

sie mit wenigen Klicks die Angebote sichten

und nutzen können. Der strukturierte Aufbau,

der auch vom Medienshop der BG RCI

(medienshop.bgrci.de) vertraut ist, sowie ein

umfangreiches Stichwortregister ermöglichen

eine rasche Orientierung in einer breiten Angebotspalette:

• Eine stetig steigende Zahl von Arbeitsschutzvorschriften

und -informationen

(Printprodukten) im Volltext: Alle von der

BG RCI erlassenen Unfallverhütungsvorschriften

und BG-Regeln, wichtige branchenspezifische

BG-Informationen und

eine steigende Anzahl von Merkblättern

der BG RCI

• Das bewährte Angebot von Checklisten und

Formularen aus Merkblättern zum direkten

Ausfüllen am Computer und Ausdrucken

auf DIN A4

• Umfangreiche Angebote zur Gefährdungsbeurteilung,

z.B. das Programm „GefDok

light“ auch für PC-unerfahrene Anwender

und das Merkblatt A 016 „Gefährdungsbeurteilung

– sieben Schritte zum Erfolg“ im

Volltext

• GHS-Informationen: Die GHS-Merkblätter

M 060 und M 060-1 im Volltext und die –

auch fremdsprachigen – GHS-Plakate

• Über 450 Betriebsanweisungen, branchenübergreifend

und branchenspezifisch, teilweise

fremdsprachig

• Plakate

• Unterweisungsmaterialien, z. B. Powerpoint-Präsentationen

der beliebten Sicherheitskurzgespräche

(SKG) und eine

Auswahl aufgearbeiteter Unfallbeispiele

aus dem Merkblatt A 030 „Unfallbeispiele

aus der Praxis“

• Betriebsschilder für Mitgliedsbetriebe der

BG RCI

• Eine Symbolbibliothek mit über 100 Zeichen

zur Sicherheitskennzeichnung

Insgesamt stehen den Mitgliedsbetrieben und

der Allgemeinheit über 800 unterschiedliche

Angebote zum kostenlosen Herunterladen zur

Verfügung. Mit der Kombination aus Downloadcenter,

Medienshop und dem kostenpflichtigen

„Kompendium Arbeitsschutz“

(Infos unter www.kompendium-as.de) bietet

die BG RCI allen Akteuren im Arbeitsschutz

einen umfassenden und bequem recherchierbaren

Pool an Informationen und Arbeitshilfen

für die erfolgreiche Sicherheitsarbeit im

Betrieb.

Die Neuheiten 2013

Das Downloadcenter wird kontinuierlich erweitert.

Seit kurzem stehen den Nutzern weitere

attraktive Angebote zur Verfügung:

• Ausgewählte Merkblätter der BG RCI als

web-optimierte Fassungen im Volltext

• Angebote der aktuellen Kampagne „Denk

an mich. Dein Rücken“

• Außerdem ist vorgesehen, die Symbolbibliothek

unmittelbar nach Inkrafttreten der

neuen ASR 1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“

an die dann

teilweise neuen Symbole anzupassen und

damit u. a. auch die Norm DIN EN ISO 7010

zu berücksichtigen.

Verlinkung mit Homepage

und Medienshop der BG RCI

Das Downloadcenter kann unter downloadcenter.bgrci.de

direkt aufgerufen oder über

Links von der Homepage der BG RCI aus erreicht

werden (z. B. über Prävention > Präventionsmedien).

Viele Nutzer kommen auch über

den Medienshop zum Downloadcenter: Gibt

es zu einer bestellbaren Druckschrift ein ergänzendes

elektronisches Angebot, so springt

man mit einem Klick auf den Button direkt

dort hin. Durch Verknüpfung der Suchfunktionen

von Medienshop und Downloadcenter

ist es neuerdings sogar möglich, trotz fehlender

Treffer im Medienshop auf passende Angebote

im Downloadcenter hingewiesen zu

werden. Dr. Imke Birkenstock, BG RCI,

Heidelberg

10


3/4 2013 BG RCI.magazin Blickpunkt

Fotos: bgrci

„Kompendium Arbeitsschutz mobil“ – ein Klassiker

wird „neu erfunden“

Im Jahr 1995 stellte die damalige BG Chemie als erster Unfallversicherungsträger ihr Vorschriftenwerk auf CD-ROM zur

Verfügung. Schon 1996 gab es mit dem „Kompendium Arbeitsschutz“ die erste Internetfassung des Vorschriften- und

Regelwerks. Seither hat sich die Anwendung zum Standardwerk für die Mitgliedsbetriebe der BG RCI entwickelt. Nun

hat die BG RCI gemeinsam mit einem Verlagspartner das Kompendium „neu erfunden“.

Mit über 1.700 Publikationen enthält das

„Kompendium Arbeitsschutz“ der BG RCI

alle für die Mitgliedsbetriebe relevanten

Arbeitsschutz-Publikationen. Die immer

weitere Verbreitung des mobilen Internets

auf Smartphones und Tablet-PCs

eröffnet auch für die Nutzung des Kompendiums

neue Möglichkeiten. Rechtzeitig

zur „Volljährigkeit“ des „Kompendium

Arbeitsschutz“ stellt die BG RCI daher ihr

umfangreiches Regelwerk, wiederum als

erster deutscher Unfallversicherungsträger,

optimiert für mobile Endgeräte zur

Verfügung.

Dazu war es allerdings notwendig, die bewährte

Technik quasi neu zu erfinden: Bei

der seit Januar 2013 verfügbaren mobilen

Fassung des Kompendiums handelt es sich

um eine sogenannte „Web-App“. Das ist

eine Optimierung für die mobile Anwendung,

deren Technik und Inhalte komplett

im Internet abgelegt sind. Auf mobilen Endgeräten

ist daher weder eine Installation

noch eine lokale Datenablage notwendig.

Benötigt werden lediglich ein Webbrowser

und der Zugriff auf die Internetanwendung.

Unter diesen Voraussetzungen ist die Anwendung

auf nahezu allen mobilen Endge-

räten von iPhone, iPad, Android-Handys

oder -Tablets bis zu Blackberrys nutzbar.

Der Datenbestand ist identisch mit dem

der bekannten Internetfassung und aufgrund

der mindestens einmal im Monat

durchgeführten Updates stets hochaktuell.

Durch die neue Technik kann man

nun auch unterwegs (in einer Sitzung, auf

einer Tagung oder einfach während einer

Betriebsbegehung) schnell und komfortabel

im Kompendium recherchieren, ohne

erst das Notebook aufbauen zu müssen.

Die groß gestalteten Schaltflächen und

der sequenzielle Ablauf der Anwendung

ermöglichen auch auf mobilen Endgeräten

mit kleinen Displays und Touch-Bedienung

eine einfache Nutzung. Die über 200.000

aktiven Querverweise (Hyperlinks) und

Suchmöglichkeiten (im Volltext oder auf

bestimmte Elemente beschränkt) sind genauso

vorhanden wie der bewährte PDF-

Manager, der es ermöglicht, aus den jeweils

relevanten Inhalten PDF-Dokumente

zu erstellen.

Neben der neuen Web-App wird natürlich

auch die bewährte PC-Fassung des Kom-

pendiums, die via DVD oder Internet nutzbar

ist, weiterhin gepflegt. Ein kostenloser

Testzugang zur Web-App und zur Internetfassung

kann über www.kompendium-as.

de beantragt werden. Dort finden Sie in

Kürze auch einen Videoclip, der die Nutzung

des mobilen Kompendiums demonstriert,

und weitere Informationen zu Nutzungsmöglichkeiten

und Preisen.

Für die neue Web-App gilt derselbe Preis

wie für die PC-Fassung. Wer beide Anwendungen

nutzen möchte, zahlt einen Aufpreis

von 3 Euro pro Monat.

Und da auch der EDV-Einsatz manchmal

an seine Grenzen stößt und ein konventionelles

Druckexemplar mitunter seine Vorteile

hat, gibt es selbstverständlich alle

BG-Schriften weiterhin auch als Drucksachen.

Bestellen können Sie über medienshop.bgrci.de.

Die Bestellung ist für Mitgliedsbetriebe in

einer der Betriebsgröße angemessenen

Anzahl in der Regel kostenlos.

Dr. Imke Birkenstock, BG RCI,

Heidelberg

11


Blickpunkt

BG RCI.magazin 3/4 2013

A 002

BGI 824

Grundlegend überarbeitet und neu erschienen

Merkblatt A 002 „Gefahrgutbeauftragte“

Gefahrgutbeauftragte

Allgemeine Themen 2/2013

Unternehmen, die an der Beförderung gefährlicher Güter beteiligt sind, müssen Gefahrgutbeauftragte bestellen.

Wann und wie Gefahrgutbeauftragte bestellt werden und welche Voraussetzungen sie dafür erfüllen müssen, ist im

neuen Merkblatt A 002 „Gefahrgutbeauftragte“ beschrieben.

Während des gesamten Beförderungsablaufs,

beginnend beim Verpacken und

Verladen gefährlicher Güter bis hin zum

Entladen und Auspacken, gelten die Vorschriften

über die Beförderung gefährlicher

Güter. Gefahrgutbeauftragte überwachen

die Einhaltung dieser Vorschriften und setzen

sich dafür ein, dass alle beteiligten Personen

in der Lage sind, eine Beförderung

unter optimalen Sicherheitsbedingungen

zu gewährleisten.

Die Funktion eines Gefahrgutbeauftragten

oder einer Gefahrgutbeauftragten kann von

jedem Beschäftigten, unabhängig von der

Position im Unternehmen, ausgeführt werden.

Die Person, die zum Gefahrgutbeauftragten

bestellt werden soll, muss jedoch

an einer Schulung teilgenommen und eine

Prüfung vor einer Industrie- und Handelskammer

abgelegt haben. Je nach den vom

Unternehmen genutzten Verkehrsträgern

muss der Schulungsnachweis für den Straßen-,

Schienen-, Binnenschiffs- und/oder

Seeschiffsverkehr gelten. Der Schulungsnachweis

gilt fünf Jahre und kann durch Be-

stehen einer Verlängerungsprüfung jeweils

um weitere fünf Jahre verlängert werden.

Wenn Unternehmen ausschließlich an der

Beförderung kleiner Mengen bestimmter

gefährlicher Güter beteiligt sind, besteht

die Möglichkeit, von der Bestellung eines

Gefahrgutbeauftragten befreit zu sein. Unabhängig

von der Bestellpflicht eines Gefahrgutbeauftragten

müssen die Gefahrgutvorschriften

während des gesamten

Beförderungsablaufs beachtet werden.

Das neu aufgelegte Merkblatt A 002 „Gefahrgutbeauftragte“

• klärt die rechtlichen Verantwortlichkeiten,

• informiert über die gefahrgutrechtliche

Unterweisung von Mitarbeitern,

• informiert über die Schulung von Fahrern,

• benennt die Aufgaben von Gefahrgut-

beauftragten und beschreibt detailliert

die Durchführung dieser Aufgaben,

• beantwortet häufig gestellte Fragen,

• beschreibt mögliche Folgen bei Pflichtverletzungen

und

• liefert nützliche Informationen für die

Arbeit von Gefahrgutbeauftragten, wie

z.B. Muster für Jahres- und Unfallbericht.

Die BG RCI bietet Seminare an, in denen

Beschäftigte die Schulung zum Gefahrgutbeauftragten

für die Verkehrsträger Straße

und Schiene absolvieren können. Die

Seminare sind von der zuständigen IHK

anerkannt. Die Prüfung kann direkt im

Anschluss an den Lehrgang in Maikammer

vor der IHK abgelegt werden. Nähere

Informationen finden Interessierte unter

seminare.bgrci.de.

Das Merkblatt A 002 ist über den Medienshop

unter medienshop.bgrci.de zu beziehen.

Mirja Telgmann, BG RCI, Heidelberg

12


3/4 2013 BG RCI.magazin Blickpunkt

Gefahrstoffbelastungen bei Instandhaltungsarbeiten

durch Servicefirmen

Von Dr. Ralph Hebisch

Beiträge aus dem Gefahrstoff-Symposium „Schlema VII“ in Weimar, 2012

Industrieanlagen werden regelmäßig instand gehalten, damit ein möglichst kontinuierlicher Produktionsprozess

sichergestellt ist. Neben den geplanten Revisionen sind es Betriebsstörungen, die einer schnellen Behebung bedürfen.

Häufig werden die notwendigen Instandhaltungsarbeiten durch Servicefirmen erledigt, die sich mehr oder weniger

auf diese Aufgaben spezialisiert haben. Zum Teil entstanden die Firmen durch Ausgründungen aus Produktionsbetrieben.

Die als Auftragnehmer tätigen Servicefirmen

bewegen sich auf einem hart umkämpften

Markt. Die Ausführung der Aufträge erfordert

häufig den Einsatz an ständig wechselnden

Standorten. Auch die Einsatzzeiten erstrecken

sich oft über die Nacht oder das Wochenende.

Bereits bei früheren Untersuchungen der Bundesanstalt

für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

(BAuA) zeigte sich, dass die Belastungen

der Beschäftigten gegenüber Gefahrstoffen

bei Instandhaltungsarbeiten außerhalb des

Normalbetriebs höher sind als im Normalbetrieb

1 . Es wurde daher ein Untersuchungsprogramm

entwickelt, bei dem Servicefirmen

begleitet wurden, die bei verschiedenen Auftraggebern

– sowohl der gleichen wie auch

unterschiedlicher Branchen – im Rahmen

von Reparaturen, Wartungen und Reinigungen

tätig waren.

Nachfolgend werden die Ergebnisse der Untersuchungen

dargestellt. Die drei als Servicefirma

A, B und C bezeichneten Betriebe waren

bei Revisionsarbeiten in Müllverbrennungsanlagen,

in Tanklagern der Mineralölindustrie

bzw. bei Instandhaltungsarbeiten in verschiedenen

Industriebetrieben tätig.

Vorgehensweise

Während des Einsatzes der Servicefirmen erfolgten

Arbeitsplatzmessungen, um die Belastungen

der Beschäftigten gegenüber Gefahrstoffen

zu ermitteln. Grundlage für die

Durchführung der Messungen war die Technische

Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 402 2 . Es

wurden bevorzugt personengetragene Probenahmen

durchgeführt. Allerdings kamen auch

stationäre Probenahmen zum Einsatz; insbesondere,

wenn die Beschäftigten bei ihren Tätigkeiten

durch die Probenahmevorrichtungen

behindert wurden. Die Tätigkeitsfelder der verschiedenen

Servicefirmen wurden so ausgewählt,

dass Belastungen gegenüber Gasen

und Dämpfen sowie Partikeln erfasst wurden.

Bei den Instandhaltungsarbeiten in Müllverbrennungsanlagen

und Mineralöltanklagern

waren die Messungen gut planbar, da diese

Revisionen regelmäßig in vorgegebenen

Abständen erfolgen. Die von verschiedenen

Auftraggebern eingesetzte Servicefirma C war

üblicherweise nachts und während der Wochenenden

tätig. Da die Mitarbeiter zum Teil

noch während einer Schicht für verschiedene

Auftraggeber an unterschiedlichen Standorten

tätig wurden, gestaltete sich die Planung relativ

schwierig. So war es nur möglich, die Belastungen

gegenüber Gefahrstoffen bei jeweils

einem Auftraggeber pro Schicht zu ermitteln.

Ergebnisse

Revisionsarbeiten in

Müllverbrennungsanlagen

Bei früheren Untersuchungen der BAuA zu den

Staubbelastungen in Müllverbrennungsanlagen

(MVA) wurden während der Revisionsarbeiten

höhere Staubbelastungen festgestellt.

Dies wurde zum Anlass genommen, eine auf

MVA spezialisierte Servicefirma näher zu betrachten.

Die Servicefirma A war bei den Revisionen mit

jeweils etwa 10 bis 15 fest angestellten Mitarbeitern

tätig. Es handelte sich dabei um Facharbeiter

mit einer Berufsausbildung in Metallund

Elektroberufen. Nur in Ausnahmefällen

wurden Leiharbeiter eingesetzt.

Die Arbeitsplatzmessungen erfolgten in vier

MVA während der jährlichen Revision der

Anlagen. Die Vorgaben der Auftraggeber zur

Arbeitssicherheit waren Vertragsbestandteil

für die Revisionsarbeiten. Eine Gefährdungsbeurteilung

existierte nur in Ansätzen

und lag deutlich unter den Anforderungen

der Gefahrstoffverordnung. Zum Teil waren

die Revisionsbereiche als Schwarzbereiche

gekennzeichnet, so dass für das Stammpersonal

Zugangsbeschränkungen bestanden.

Von der MVA wurde ein Koordinator für die Revision

eingesetzt. Allerdings erledigte dieser

seine Aufgabe neben dem üblichen Tagesgeschäft

und war somit nicht immer erreichbar.

Für die Arbeitsplatzmessungen wurden Tätigkeiten

mit hohen Staubbelastungen ausgewählt.

Dazu zählen insbesondere die Reinigung

von Filtern und der Oberfläche der

Rauchgasreinigung sowie Arbeiten am Überhitzer

des Verbrennungsofens. Neben den als

Schwerpunkt gemessenen Belastungen gegenüber

der alveolengängigen Staubfraktion

wurde auch die einatembare Staubfraktion gemessen.

Inhaltsstoffe in den Staubfraktionen

wurden nicht bestimmt. Diese Belastungen

können auf der Grundlage der bestimmten

Staubbelastungen näherungsweise aus den

13


Blickpunkt

BG RCI.magazin 3/4 2013

Abb. 1

betriebsinternen Überwachungen der Immissionen

ermittelt werden.

Die erforderlichen Reinigungsarbeiten erfolgten

häufig in engen Räumen und über Kopf.

Hartnäckige Ablagerungen wurden mechanisch

mit Werkzeug entfernt (Abb. 1). Die Arbeiten

am Überhitzer umfassten die Reinigung

der Überhitzerrohre, deren Vermessung und

ggf. den Ersatz ganzer Rohrbündel. Wenn dies

erforderlich war, wurden die Rohrbündel mit

einer Trennschleifmaschine herausgetrennt

und die Ersatzrohrbündel eingesetzt und verschweißt.

In vielen Fällen wiesen die tätigkeitsbezogen

ermittelten Belastungen sowohl für die alveolengängige

als auch die einatembare Staubfraktionen

deutliche Überschreitungen der

Arbeitsplatzgrenzwerte von 3 mg/m³ bzw.

10 mg/m³ auf 4 . Da die Beschäftigten bei den

Arbeiten wegen der Enge häufig nur eine Probenahmevorrichtung

tragen konnten, wurde

nur die alveolengängige Staubfraktion gemessen.

Auch in diesen Fällen lag die gemessene

Belastung durch diese Staubfraktion so

hoch (deutlich oberhalb 10 mg/m³), dass eine

Grenzwertüberschreitung für die einatembare

Staubfraktion eingeschlossen war.

Für die Reinigung der Gewebefilter wurden

die höchsten Belastungen ermittelt. Diese

betrugen für die alveolengängige und die

einatembare Staubfraktion bis zu 262 mg/m³

bzw. 9.240 mg/m³. Da alle Tätigkeiten häufig

über die gesamte Schichtlänge andauerten,

können die ermittelten Belastungen auch

als mögliche Schichtmittelwerte angesehen

werden.

Die Beschäftigten trugen während ihrer Arbeiten

partikelfiltrierende Halb-/Viertelmasken

der Klasse P3. In Anbetracht der ermittelten

Staubbelastungen muss darauf hingewiesen

werden, dass diese für die ausgeübten

Tätigkeiten bei der Revision in MVA nicht ge-

eignet sind. Ist bei den durchzuführenden

Reinigungstätigkeiten ein Einstieg in die Anlagen

erforderlich, so sollte dabei grundsätzlich

Atemschutz mit ausreichender Schutzwirkung

(z. B. TM2P, TH3P oder Schlauchgeräte)

getragen werden.

Revisionsarbeiten in Tanklagern

der Mineralölindustrie

Zur Sicherstellung des ordnungsgemäßen

Betriebs und aus Umweltschutzgründen

müssen Öltanks in mehrjährigen Abständen

instand gehalten werden. Dazu werden

sie leer gepumpt und anschließend gespült,

um Ölreste und Gatsch (verunreinigter Ölschlamm)

zu entfernen.

Die Servicefirma B ist als Generalunternehmen

für Reparaturarbeiten an Tanks und

Rohrleitungen üblicherweise in Form von

Jahresrahmenverträgen tätig. Für die Erlangung

derartiger Aufträge muss sie über alle

erforderlichen Zertifizierungen der Mineralölindustrie

und ein Qualitätsmanagementsystem

verfügen. Die Firma ist ständig mit

bis zu zwölf Mitarbeitern an einem Tanklagerstandort

tätig. Falls erforderlich, werden

für die Tankrevision weitere Mitarbeiter von

anderen Standorten angefordert. Nur sehr

selten kommen zusätzlich Beschäftigte von

Personaldienstleistern zum Einsatz.

Bei den Instandhaltungsarbeiten musste die

Servicefirma B die Vorgaben der Mineralölindustrie

zum Arbeitsschutz erfüllen. Der

Auftraggeber benannte einen Koordinator,

der gegenüber der Firma Weisungsrecht hatte.

In einem Fall stellte er wegen Verstoßes

gegen die Sicherheitsrichtlinien die Arbeiten

ein. Erst nach Beseitigung aller Mängel

durften die Arbeiten wieder aufgenommen

werden. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit

der Servicefirma erstellte vor Tätigkeitsaufnahme

eine Gefährdungsbeurteilung

und leitete die erforderlichen Maßnahmen

ein.

Arbeitsplatzmessungen erfolgten in drei Tanklagern

an insgesamt fünf Tanks mit einem

Fassungsvermögen von 30.000 m³ bis

100.000 m³. Vor Tätigkeitsbeginn wurde mit einem

Photoionisationsdetektor (PID) eine Frei -

messung bezüglich der Kohlenwasserstoffdämpfe

durchgeführt. Während der Messungen

wurden folgende Tätigkeiten ausgeführt:

• Erneuerung der Tankdachschere (Tankdachentwässerungsanlage),

• Arbeiten an Tankdachstützen (Hülsrohre

und Stützen, Ersatz der Teller (Abb. 2)),

• Ersatz von Tankmesseinrichtungen.

Kohlenwasserstoffdämpfe wurden stets als

Summe gemessen. Deren Konzentration betrug

in allen Fällen weniger als 10 ppm (parts

per million). Die erforderliche Freimessung

bezüglich der Kohlenwasserstoffdämpfe sollte

daher vor der Tätigkeitsaufnahme bevorzugt

mit einem PID erfolgen. Aufgrund des ungenügenden

Auflösungsvermögens von Messgeräten

für die Überwachung der unteren

Explosionsgrenze (UEG) sind diese bei den

ermittelten Kohlenwasserstoffkonzentrationen

nicht zu empfehlen.

Wegen der in erster Linie durchgeführten

Trenn- und Schweißarbeiten wurde der

Schwerpunkt der Untersuchungen auf die

Messung der Belastungen durch die alveolengängige

und die einatembare Staubfraktion

fokussiert. Die Belastungen gegenüber

der alveolengängigen und der einatembaren

Staubfraktion bei den verschiedenen

Tätigkeiten in den Tanks betrugen 0,2–2,5

mg/m³ bzw. 1–9 mg/m³. Da die Tätigkeiten

auch über die gesamte Schicht andauern können,

sind die gemessenen Konzentrationen

auch als Schichtmittelwerte zu betrachten.

Nur in einem Fall wurde bei umfangreichen

Schweißarbeiten der Arbeitsplatzgrenzwert

für die alveolengängige Staubfraktion mit

14


3/4 2013 BG RCI.magazin Blickpunkt

Abb. 2

Fotos: bgrci/nul; BAuA

3,65 mg/m³ überschritten. Um solche hohen

Belastungen zu vermeiden, sollten zur

besseren Durchlüftung der Tanks vor Beginn

der Arbeiten die Wetterschutzbleche und die

Tankabdichtung ausgebaut werden. In Einzelfällen

kann es durchaus erforderlich sein,

dass die Beschäftigten bei umfangreichen

Schweißarbeiten einen belüfteten Schutzhelm

tragen.

Instandhaltungsarbeiten mit wechselnden

Tätigkeitsfeldern

Die Servicefirma C führte Instandhaltungsarbeiten

in verschiedenen Branchen durch.

Auf diesem hart umkämpften Markt wurden

vor allem Anlagenreinigungen übernommen.

Diese finden typischerweise außerhalb der

Produktionszeiten der Auftraggeber statt, d.h.

ab Freitagabend bis über das gesamte Wochenende.

Die betrieblichen Ansprechpartner

konnten im Regelfall nur über einen Notdienst

hinzugezogen werden.

Der Anteil von Leiharbeitskräften betrug bei

der Servicefirma C bis zu 50 Prozent; ebenso

war der Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund

sehr hoch. Ob bei den damit

durchaus vorhandenen Sprachproblemen die

Informationen zu Tätigkeiten mit Gefahrstoffen

immer verständlich ankamen, konnte bei

den Untersuchungen nicht geklärt werden.

Die Palette der relevanten Gefahrstoffe war

bei dieser Servicefirma sehr weitreichend. So

waren Belastungen durch Lösemitteldämpfe

bei Reinigungsarbeiten in Lackier- und Farbmischanlagen

oder einer Stanzerei dominierend,

wogegen eine Anlagenreinigung zum

thermischen Spritzen mit Belastungen durch

Stäube und deren Inhaltsstoffe einherging.

Die durchgeführten Reinigungsarbeiten wurden

im Regelfall von zwei Mitarbeitern der Servicefirma

gleichzeitig bei den Auftraggebern

ausgeführt. Sie dauerten oft die ganze Schicht

oder auch nur wenige Stunden. In solchen Fällen

fuhren die Beschäftigten dann noch zu

einem weiteren Auftraggeber. Dort wurden

dann meist Tätigkeiten ausgeführt, die mit

andersartigen Stoffbelastungen verbunden

waren. Eine messtechnische Überwachung

dieser Beschäftigten während einer Schicht

bei verschiedenen Auftraggebern war nicht

möglich, da es gerade bei dieser Art von Servicetätigkeiten

besonders schwierig ist, das

Einverständnis der Auftraggeber zu erhalten.

Die verfügbare persönliche Schutzausrüstung

der Beschäftigten war solchen wechselnden

Aufträgen nicht angemessen. Zum Teil fuhren

die Beschäftigten auch mit verschmutzter

oder angefeuchteter Arbeitskleidung zum

nächsten Auftraggeber.

Die ermittelten Stoffbelastungen lagen wiederholt

in der Größenordnung der relevanten

Arbeitsplatzgrenzwerte und zum Teil auch darüber.

Hier kam erschwerend hinzu, dass bei

einem Auftraggeber während der Reinigungsarbeiten

die für den üblichen Produktionsbetrieb

installierte Hallenlüftung abgeschaltet

war. Neben den inhalativen traten auch dermale

Belastungen auf, da die Arbeitskleidung

mehrfach durchfeuchtet war und deren Wechsel

nicht beobachtet werden konnte.

Resümee

Instandhaltungsarbeiten in Industriebetrieben

zeigen eine große Bandbreite an möglichen

Aufgabenstellungen, aber ebenso an

möglichen Stoffbelastungen sowie an Schutzmaßnahmen

und der Art der Zusammenarbeit

zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.

Die Belastungen der Beschäftigten während

der Instandhaltungsarbeiten liegen höher als

bei Normalbetrieb. Wiederholt wurden Belastungen

nahe den Arbeitsplatzgrenzwerten

und – zum Teil sogar sehr – deutlich darüber

ermittelt. Ursache dafür sind z. B. Arbeiten

in engen Räumen, die Öffnung von Anlagen

und Anlagenteilen und zum Teil auch abgeschaltete

technische Schutzmaßnahmen. Die

Betreuung der Servicefirmen durch einen Koordinator

des Auftraggebers erwies sich oft

als verbesserungsbedürftig. Die getroffenen

Schutzmaßnahmen waren wiederholt unzureichend.

Infolge der ermittelten Defizite beim Schutz

der Beschäftigten während der Instandhaltungsarbeiten

erscheint eine einheitliche Regelung

erforderlich, z. B. in Form einer Technischen

Regel für Gefahrstoffe (TRGS).

Unter www.baua.de ist der komplette Bericht

zu den Instandhaltungsarbeiten durch Servicefirmen

verfügbar. Für die Durchführung

der Arbeitsplatzmessungen gilt unser Dank

Gerhard Kuhlmann und Frank Elbeshausen

von der bregau GmbH & Co. KG in Bremen.


Dr. Ralph Hebisch

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und

Arbeitsmedizin (BAuA)

Gruppe „Gefahrstofflabor“

Friedrich-Henkel-Weg 1–25

44149 Dortmund

Literatur

1 Hartwig, S., Rupp, A., Puls, E. Kim; J.-H., Binder,

F.: Reinigung und Instandhaltung von Industrieanlagen

– Stoffbelastungen. Schriftenreihe

der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und

Arbeitsmedizin, Gefährliche Arbeitsstoffe –

GA 61, Wirtschaftsverlag NW, Bremerhaven,

2003

2 Technische Regeln für Gefahrstoffe, TRGS 402

„Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen

bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen – Inhalative

Exposition“, GMBl 2010 Nr. 12 S., 231–253

(25.2.2010), berichtigt: GMBl 2011, S. 175 [Nr.

9] (30.3.2011)

3 Hebisch, R., Fröhlich, N., Keischgens, M.:

Staubbelastungen an Arbeitsplätzen in Müllverbrennungsanlagen,

Forschungsbericht

zum Projekt F 1504, Bundesanstalt für Arbeitsschutz

und Arbeitsmedizin, Dortmund

2008

4 Technische Regeln für Gefahrstoffe, TRGS

900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“, BArbBl. Heft

1/2006, S. 41–55, zuletzt geändert und ergänzt:

GMBl 2012, S. 11 [Nr. 1] (12.1.2012)

15


Aus den Branchen

Baustoffe - Steine - Erden

BG RCI.magazin 3/4 2013

Mit dem Tragetuch wird der Verletzte

durch die Öffnung ins Freie geholt. Dort

steht die Drehleiter bereit.

Notfallmanagement:

Zwei Unternehmen proben den Ernstfall

Voraussetzung für richtiges Handeln im Notfall ist das regelmäßige Üben der richtigen Handgriffe. Das gilt für Ersthelfer

und Rettungskräfte gleichermaßen. Daher sind Übungen zur Rettung verletzter Personen oder zum richtigen

Verhalten im Brandfall für Unternehmen wichtiger Bestandteil eines wirksamen betrieblichen Notfallmanagements.

Zu dieser Erkenntnis kamen die Betriebsleiter

zweier Mitgliedsunternehmen der

BG RCI der Branche Baustoffe - Steine - Erden:

Karl-Heinz Lühring, Betriebsleiter der

Firma Wümme-Beton in Rotenburg/Wümme,

lud die Feuerwehr zu einer Rettungsübung

am Transportbeton-Mischfahrzeug

ein. Uwe Schridde, Betriebsleiter des Rump

& Salzmann Gipswerks Uehrde, Harz, inszenierte

eine groß angelegte Feuerwehr- und

Rettungsübung im Steinbruch.

Rettungsübung im Transportbetonwerk

Wie in jedem anderen Betrieb auch, stehen

die Mitarbeiter von Wümme-Beton

regelmäßig vor der Aufgabe, die Fahrmischertrommeln

von ausgehärteten Betonresten

befreien zu müssen – eine schwere,

gefährliche und unbeliebte Arbeit. Angeregt

durch den Förderpreis der BG RCI, beauftragte

Betriebsleiter Karl-Heinz Lühring ein Unternehmen,

das die maschinelle Reinigung

von Mischfahrzeugen mittels Hochdruckwasserstahl

als Dienstleistung anbietet,

und machte dabei interessante Erfahrungen.

Bis zu einer Restbetonmenge von 750 bis

maximal 1.000 Kilo sind mit diesem Verfahren

sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Es ist

eine geeignete Methode zur Entlastung der

Mitarbeiter und zur Vermeidung von Gefahren

bei der manuellen Reinigung. Befinden

sich jedoch größere Betonmengen im

Fahrzeug, werden die Bruchstücke so groß,

dass sie die Trommel beim Herausfördern

beschädigen, so dass diese im Anschluss

mit korrodierenden Beulen übersät ist. Das

stellten auch andere Unternehmen der Branche

fest.

Je nach Betonsorte, Witterung und Lage der

Baustelle ist es aufgrund des begrenzten

Fahrzeugbestands unrealistisch, so kurze

Reinigungsintervalle zu organisieren,

dass die Restbetonmenge von 1.000 Kilo

nicht überschritten wird. Das hat zur Folge,

dass der Einsatz des automatischen Reinigungsverfahrens

zwar einen entscheidenden

Beitrag zur Vermeidung von Gefahren

und Gesundheitsbelastungen bei der Trommelreinigung

darstellt, jedoch wird die manuelle

Entfernung von Betonresten dadurch

nicht überflüssig.

Wümme-Beton nimmt im Rahmen des Unternehmermodells

die alternative sicherheitstechnische

und betriebsärztliche Betreuung

in Anspruch. Karl-Heinz Lühring hatte im Verlauf

eines Beratungsgesprächs mit der zuständigen

Sicherheitsingenieurin der BG RCI

von den Erfahrungen mit der Fahrmischerreinigung

berichtet und antwortete auf die

Frage, welche Vorkehrungen er für die Rettung

eines bewusstlosen Mitarbeiters aus

der Trommel getroffen habe: „Dann holen

wir die Feuerwehr.“ Aber weiß die örtliche

Feuerwehr, wie es in so einem Fahrzeug

aussieht? Die Freiwillige Feuerwehr Rotenburg/Wümme

wollte die Probe aufs Exempel

machen und folgte einer Einladung des

Unternehmens zu einer Rettungsübung mit

der Aufgabenstellung „Person bewusstlos

in der Mischertrommel“.

Nach Erläuterungen zum Fahrzeug und zum

Ablauf der Reinigungsarbeiten probierten

16


3/4 2013 BG RCI.magazin

Aus den Branchen

Baustoffe - Steine - Erden

Unübersichtliche Lage nach einem simulierten

Brand im Schotterwerk. Endlich kommen

die Atemschutzgeräteträger.

Schwierige Rettung eines verletzten

Mitarbeiters aus dem Bagger.

die Retter zunächst aus, welche Trage durch

die enge Öffnung der Mischertrommel passt,

da sie sich für den Rettungsschlitten als zu

eng erwies. Vier Feuerwehrleute kletterten

in die Trommel und beförderten den „Verletzten“

schließlich mit dem Tragetuch

ans Tageslicht. An der Drehleiter wurde er

übernommen und sicher auf den Boden

gebracht.

Für einen zweiten Versuch stellte sich ein

Mitarbeiter von Wümme-Beton zur Verfügung.

Jetzt ging die Rettung reibungslos

vonstatten. Wohlbehalten konnte der Verletzte

von der Trage steigen. „So eng ist es

da drinnen gar nicht“, stellte ein Feuerwehrmann

anschließend fest. „Eine interessante

Übung“, resümierte der Ortsbrandmeister.

Bei Wümme-Beton ist man sich nach dieser

Übung sicher, dass verletzte Mitarbeiter im

Ernstfall von kundiger Hand schnell gerettet

werden können – ein gutes Gefühl. Trotzdem

hoffen alle, dass es nie dazu kommt. Grundlage

für die Vermeidung von Zwischenfällen

sind die Maßnahmen zur Risikominderung,

wie sie sich aus der Gefährdungsbeurteilung

für die Trommelreinigung ergeben.

Rettungs- und Löschübung im Steinbruch

Uwe Schridde, Betriebsleiter bei Rump &

Salzmann, nimmt regelmäßig die sicherheitstechnische

und betriebsärztliche Beratung

im Rahmen des Unternehmermodells

der BG RCI in Anspruch. Der zuständige Betriebsarzt

hatte die Aus- und Fortbildung der

Ersthelfer in Verbindung mit einer realistischen

Unfalldarstellung angeregt und hierfür

das Angebot eines Erste-Hilfe-Lehrinstituts

vorgeschlagen. Das Institut ist neben

Brandschutzausbildungen spezialisiert auf

die Aus- und Weiterbildung von Sanitätern

und Ersthelfern im betrieblichen Umfeld.

Die auf die speziellen Gegebenheiten eines

Betriebs zugeschnittenen Übungen werden

sorgfältig geplant. Unfallszenarien werden

mit geschminkten „Verletzten“ realistisch

nachgestellt. In zahlreichen Gesprächen

auch mit der örtlichen Feuerwehr entstand

der Plan, eine Großübung durchzuführen

mit Verletzten, Bränden und Explosionen an

verschiedenen Betriebspunkten gleichzeitig.

Die Szenerie stellt sich in etwa so dar:

Bei einem Sprengunfall werden zwei Mitarbeiter

durch Steinflug verletzt, das Schotterwerk

gerät in Brand, zwei Mitarbeiter werden

durch ein brennendes Fahrzeug verletzt,

ein Mitarbeiter ist verletzt in einem Bagger

eingeklemmt, der auf einer mit Fahrzeugen

nicht erreichbaren Sohle steht. Eine weitere

Person muss aus großer Höhe vom Zugang

des Schotterwerks gerettet werden.

An der Übung beteiligt waren schließlich:

• die Feuerwehren aus Uehrde, Schwiegershausen

und Osterode mit rund 50 Feuerwehrleuten,

• das Lehrinstitut für die Planung und Darstellung

realitätsnaher Verletzungen,

• die DLRG aus Bad Grund für die Wiederbelebungsübungen

an einer Puppe mit

dem Defibrillator,

• eine Sprengtechnik-Firma für die Rauchentwicklung

und die Simulation von Explosionen

sowie

• alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

Firma Rump & Salzmann.

Nachdem zu Übungsbeginn der Notruf abgesetzt

worden war, erreichte zuerst die

Feuerwehr Uehrde den Betrieb und übernahm

zunächst die Einsatzleitung. Die Anfahrt

der Feuerwehr Osterode verzögerte

sich durch einen realen Unfall auf der Zufahrtsstraße

nach Uehrde. Da bei der Feuerwehr

Uehrde lediglich ein Feuerwehrmann

als Atemschutzgeräteträger einsatzbereit

war, konnten die Verletzten im verrauchten

Schotterwerk nicht gerettet werden. Auch

17


Aus den Branchen

Baustoffe - Steine - Erden

BG RCI.magazin 3/4 2013

Viele Hände werden gebraucht, um den „Verletzten“

die Halde hinaufzubefördern. Fotos: bgrci

ein Löschangriff war nicht möglich, da die

Feuerwehr Uehrde über kein Tanklöschfahrzeug

verfügt und im Werk kein Wasseranschluss

vorhanden ist. Die Wasserversorgung

aus Uehrde konnte erst nach über

einer Stunde hergestellt werden.

Im Ernstfall wären die Verletzten im verrauchten

Bereich gestorben, das Feuer

hätte sich ausgebreitet und auch den Dieseltank

erfasst. Das Tanklöschfahrzeug

aus Osterode löschte den Fahrzeugbrand

auf der Halde. Die im Bagger eingeklemmte

Person wurde nach ihrer Rettung im betriebseigenen

Rettungsschlitten von der

Feuerwehr Schwiegershausen mittels einer

Leiterkonstruktion über eine Halde von

etwa acht Metern Höhe in einen sicheren

Bereich gebracht. Die verletzte Person auf

dem Schotterwerk wurde von der Drehleiter

aus gerettet.

Während die Feuerwehren die Löscharbeiten

abschlossen, hatten die Mitarbeiter von

Rump & Salzmann Gelegenheit, unter Anleitung

der DLRG ihre Fähigkeiten zur Herz-

Lungen-Wiederbelebung mit Hilfe eines automatischen

Defibrillators aufzufrischen.

Ein derartiges Gerät steht im Betrieb für den

Ernstfall zur Verfügung.

Zum Abschluss der Großübung trafen sich

alle Beteiligten am Grill, erleichtert darüber,

dass es „nur eine Übung“ war. Beispielhaft

war die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren

und der Unternehmensmitarbeiter. Defizite

zeigten sich in der Kommunikation und bei

der Ausrüstung sowohl der Feuerwehren als

auch des Betriebs.

Betriebsleiter Uwe Schridde plant nach Auswertung

der Übung, die von der BG RCI im

Rahmen des Prämiensystems gefördert wurde,

eine Reihe weiterer Maßnahmen, um für

den Ernstfall noch besser gerüstet zu sein.

Zum Beispiel werden Anzahl und Kennzeichnung

der Erste-Hilfe-Koffer sowie der Feuerlöscher

optimiert. Der Rettungsschlitten

wird künftig auch für Betriebsfremde gut

sichtbar untergebracht. Die Feuerwehr erhält

aktualisierte Lagepläne und Telefonlisten.

Im Betrieb wird eine stromunabhängige

Löschwasserversorgung installiert. Außerdem

wird die Unterstützung der Feuerwehr

Uehrde bei der Anschaffung eines Tanklöschfahrzeugs

erwogen.

Fazit

Der Ablauf der Übungen in den beiden

Unternehmen macht deutlich, dass auch

eine überdurchschnittliche Ausrüstung mit

Rettungsmitteln, wie Rettungsschlitten und

Defibrillator, oder eine große Zahl an Ersthelfern

sowie ein hoher Ausbildungs- und

Unterweisungsstand aller Mitarbeiter ohne

das praktische Üben nicht automatisch zum

Erfolg führen. Fehler bei vermeintlich selbstverständlichen

Abläufen werden erst im Praxistest

erkennbar – Fehler, die bei der Rettung

von Verletzten unter Umständen über

Leben und Tod entscheiden.

Daraus folgt, dass die Ausbildung möglichst

vieler Mitarbeiter als Ersthelfer in

Verbindung mit einer realistischen Unfalldarstellung,

die Zusammenarbeit mit der

Feuerwehr und das regelmäßige Üben von

Brandbekämpfung und Rettung als wesentliche

Bestandteile des betrieblichen Notfallmanagements

unabhängig von Branche,

Betriebsgröße und Mitarbeiterzahl für die

Unversehrtheit der Mitarbeiter und für den

Bestand des Betriebs unverzichtbar sind.

Gleichsam nebenbei stellen sich positive

Effekte ein wie etwa Kosteneinsparungen

durch vermiedene oder geminderte Folgen

von Verletzungen und Sachschäden.

Das gestärkte Gemeinschaftsgefühl der Belegschaft

und ein Gefühl der Sicherheit unter

den Mitarbeitern, die wissen, dass Kollegen

und Feuerwehr helfen können und

dass die nötige Ausrüstung vorhanden ist,

wirken sich positiv auf das Betriebsklima

aus und damit auf Motivation und Leistung

aller Beschäftigten.


Kerstin Jetschin, Dr. Bernhard Kirchner,

BG RCI, Langenhagen

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3/4 2013 BG RCI.magazin Aus den Branchen

BeRGBAu

Neue Ladergeneration im K+S-Werk Zielitz mit 18 Tonnen Schaufelinhalt und kombiniertem Diesel- und Elektroantrieb.

Fotos: k+s

K+S KALI GmbH, Werk Zielitz

Kühler Kopf beim Anbohren von Gasblasen

Tiefbohrtechniker lernen in 500 Meter Teufe

Im Grubenbetrieb des Kaliwerks Zielitz ist in einem stillgelegten Abbau ein

spezieller Ausbildungsstützpunkt für Bergbautechnologen der Fachrichtung

Tiefbohrtechnik in Betrieb genommen worden. Hier – in rund 500 Meter Teufe

– wird vor allem das Anbohren einer unter großem Druck stehenden Gasblase

simuliert. Dies ist eine kritische Situation, die bei Erkundungsbohrungen

immer wieder auftritt.

Simulation an einem einzementierten Standrohr.

Die zukünftigen Tiefbohrspezialisten lernen,

das unter Gasdruck stehende Bohrloch zu

sichern und zu kontrollieren. Dr. Norbert

Mocka, Leiter Produktion und Technik unter

Tage: „Mit unserem neuen Ausbildungsstützpunkt

– die erste Einrichtung dieser Art

in Deutschland – erreichen wir eine praxisnahe

Ausbildung auf hohem Niveau.“ Die

neue Ausbildungsstrecke ermöglicht es,

mehrere typische bohrtechnische Arbeiten

zu simulieren und zu üben. Sie ergänzt

das bisherige Ausbildungskonzept im Kaliwerk

Zielitz.

Welch hohen Stellenwert der neue Ausbildungsbereich

hat, bewertet Jörg Feldberg,

Leiter Geologie und Exploration des Kaliwerks

so: „Bei den Erkundungsbohrungen

kann es immer vorkommen, dass Gas- oder

Flüssigkeitsblasen angebohrt werden. Dann

müssen die zukünftigen Tiefbohrtechniker

einen kühlen Kopf bewahren und die notwendigen

Arbeitsschritte einleiten.“ Bei der

Gestaltung des neuen Ausbildungsstützpunktes

waren auch Auszubildende aus

dem zweiten Lehrjahr aktiv eingebunden.

Die neue untertägige Ausbildungseinrichtung

wird künftig nicht allein für die Zielitzer

Azubis genutzt. „Sie ist auch für alle Unternehmen

ein Anlaufpunkt, die dem Ausbildungsverbund

Tiefbohrtechnik angehören“,

erläutert Eberhard Hoppe von der Erdöl-Erdgas-Workover

aus Salzwedel, der die Tätigkeit

des Verbundes koordiniert. Im neuen

Ausbildungsstützpunkt, der auch der Weiterbildung

zahlreicher Quereinsteiger dienen

soll, werden zukünftig 12 Auszubildende

aller 3 Lehrjahre geschult sowie rund 30

erfahrene Mitarbeiter aus dem Bereich Exploration

weitergebildet. Vor Ort werden zukünftig

auch die Abschlussprüfungen ausgebildeter

Tiefbohrtechniker des Werkes Zielitz

sowie der Schwesterwerke Werra, Bernburg

und Braunschweig-Lüneburg abgenommen.

Uwe Handke, K+S KALI GmbH, Kassel

Auszubildende setzen manuell einen Packer zum

Abdichten von Erkundungsbohrlöchern.

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Aus den Branchen

BeRGBAu

BG RCI.magazin 3/4 2013

Blick in die ehemalige Waschkaue

des Erzbergwerks Rammelsberg.

Fotos: Weltkulturerbe Erzbergwerk

Rammelsberg (2); bgrci/Sommer (3)

Vom „schwarzen Raucher“, der zum Weltkulturerbe wurde

Das Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar

„Glück auf!“ – Mit dem alten Bergmannsgruß empfängt Christoph Werner die kleine Besuchergruppe in der ehemaligen

Waschkaue des Bergwerks Rammelsberg. Bis zur Einstellung der Erzförderung im Jahre 1988 hatten sich Werner

und seine Kollegen hier für die Arbeit unter Tage umgezogen. Die Kleiderkörbe für mehrere hundert Bergleute hängen

noch an der Decke. Seither begleitet Werner mehrmals am Tag interessierte Gruppen auf verschiedenen Routen durch

das ausgedehnte Stollensystem, dem die UNESCO 1992 – zusammen mit der Altstadt von Goslar – den Status „Weltkulturerbe“

verlieh.

Heute Morgen geht es zunächst mit der kleinen,

elektrisch betriebenen Grubenbahn einige

hundert Meter ebenerdig in den Berg

bis zum sogenannten Richtschacht. „Von hier

ging es dann für die Bergleute im Seilkorb in

die Tiefe“, berichtet Werner. Eine solche Fahrt

bleibt uns verwehrt: mit dem Förderbetrieb

wurde auch die Wasserhaltung eingestellt,

und so lief die Grube planmäßig nach und

nach voll Wasser.

Wasser ist ein Problem, mit dem der Bergbau

am Rammelsberg in seiner über tausendjährigen

Geschichte oft zu kämpfen hatte. Im

frühen Mittelalter unterhöhlte die Abbautätigkeit

vieler einzelner Grubenbesitzer den

Berghang. So kam es zu Riss- und Spaltenbildungen,

die den Wasserzudrang begünstigten.

Dokumente aus dem 13. Jahrhundert erwähnen

bereits einen Entwässerungs stollen,

der später als „Rathstiefster Stollen“ bezeichnet

wurde. Metallsulfate haben hier über viele

Jahrhunderte farbintensive Ablagerungen gebildet

und lassen sich bei einer gesonderten

Abenteuertour bewundern.

Als es um 1320 zu einer über viele Jahre andauernden

Kälteperiode mit ungewöhnlich

starken Niederschlägen kam, versperrten

Überflutungen schließlich den Zugang zu

den tieferen erzführenden Schichten. Erst

die Entwicklung neuer Pumptechniken erlaubte

ab dem 16. Jahrhundert die Wasserhaltung

im Bergwerk und damit die Fortsetzung

der Erzgewinnung. Untertägige

Kehr- und Kunsträder nutzten als Antrieb

Oberflächenwasser, das in einem Stauteich

aufgefangen und über Wasserläufe

in den Berg hineingeleitet und nach getaner

Arbeit wieder abgeführt wurde. „Wasser

hebt Wasser“, lautete lange Zeit die Devise.

„Die hölzernen Konstruktionen lassen

sich heute noch bei der Führung durch den

Roeder-Stollen besichtigen“, verweist Werner

auf eine weitere Tour durch den Berg.

In der Verlängerung der Tagesförderstrecke,

über die wir eingefahren waren, finden sich

in Materialbuchten Exponate, die den technischen

Fortschritt des Erzabbaus dokumentieren:

ein Bohrhammer etwa, mit dem in

körperlicher Schwerstarbeit Sprenglöcher

ins Erz getrieben wurden, oder ein Bohrwagen,

mit dem dieselbe Arbeit effektiver,

aber auch wesentlich lauter bewerkstelligt

wurde. Während das gebrochene Gestein

lange Zeit in Körben oder Wagen zu den Förderschächten

transportiert wurde, waren es

im Rammelsberg zuletzt mobile Schrapper,

die das abgesprengte Erz zu Rolllöchern förderten,

über die es hinunter zur zentralen

Sammelstelle im Füllort des Schachtes fiel.

„Von dort aus ging es dann in sogenannten

Granby-Wagen hinauf in die Aufbereitung“,

erklärt Werner zum Abschluss der einstündigen

Führung.

Um dem übertägigen Weg des Erzes zu folgen,

schließe ich mich Reinhard Eisenhofer

an, der durch die Gebäude der Aufbereitung

führt. Zunächst geht es 255 Stufen hinauf bis

an die obere Hängebank des Rammelsberg-

Schachts, wo die Förderwagen aus einer Tiefe

von 490 Metern ankamen. Dort wurden

sie entleert und dann zurück in den Berg

geschickt. „Nächstes Jahr brauchen wir den

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3/4 2013 BG RCI.magazin Aus den Branchen

BeRGBAu

Das Fördergerüst des

Hauptschachts kündet

noch heute vom Erzbergbau.

Blick in den

Roederstollen.

In riesigen Eindickern sedimentierten

die getrennten Erzfraktionen.

Enge Gassen und

niedrige Häuser: das Viertel

der Bergleute in Goslar.

beschwerlichen Weg nicht mehr zu gehen“,

tröstet Eisenhofer. Dann wird zur Personenbeförderung

der alte Schrägaufzug wieder

in Betrieb genommen, mit dem von der Inbetriebnahme

des Gebäudes 1936 bis zur

Fertigstellung des Schachtes zwei Jahre

später die Erzwagen hinauftransportiert

wurden. Dass die Anlage genau in dieser

Zeit gebaut und das Bergwerk von einem

eher mittelständischen Unternehmen zu einem

bedeutenden und voll mechanisierten

Großbetrieb mit rund tausend Beschäftigten

wurde, hat seinen Grund auch in der Zusammensetzung

des Erzes. „Im Mittelalter standen

ursprünglich der Zwei-Prozent-Anteil an

Kupfer und ein wenig Silber im Interesse der

Bergleute, später gewannen auch der hohe

Gehalt an Blei mit zwölf Prozent und dann

Zink mit 21 Prozent als kriegswichtige Metalle

an Bedeutung.“ Zusammen mit dem

ebenfalls nutzbaren Baryt hat das Rammelsberger

Erz einen verwertbaren Anteil von

über 60 Prozent – rekordverdächtig. Und

sogar Gold ist dabei – zwar nur etwa ein

Milligramm pro Kilogramm Gestein, aber

bei rund 300.000 Jahrestonnen, die in den

Spitzenzeiten der Anlage gefördert wurden,

kam auch da etwas zusammen.

Da die unterschiedlichen Wertminerale im

Erz stark miteinander verwoben sind, musste

es zur Trennung aufwändig aufgeschlossen

werden. Mit unglaublichem Lärm und

riesiger Kraft zertrümmerten nacheinander

Backenbrecher, Kegelbrecher und Kugelmühlen

die Brocken auf Staubkorngröße.

Dann kam die Chemie ins Spiel. In 266 Flotationszellen

wurden nacheinander unterschiedliche

Reagenzien zugegeben und im

sogenannten Schwimmschäumverfahren

die unterschiedlichen Metallverbindungen

getrennt ausgefällt. Nach der Sedimentation

in riesengroßen Eindickern wurde das

letzte Wasser über mannshohe Vakuumtrockenfilter

abgesaugt und dann ging es,

Der Rammelsberg –

Kulturerbe der Menschheit

Mehr als tausend Jahre gab es Bergbau

am Rammelsberg in ununterbrochener

Folge. Zusammen mit der Altstadt von

Goslar bildet das Erzbergwerk mit seiner

hochrangigen über- und untertägigen

Denkmalsubstanz aus allen Betriebsphasen

ein einzigartiges Ensemble

montanhistorischer Sachzeugen, das die

Geschichte des Bergbaus und seiner Kultur

im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar

macht. Das eindrucksvolle historische

Montanrevier steht seit 1992 in

der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes

und wurde 2010 um die Oberharzer Wasserwirtschaft

erweitert.

in farblich getrennten Konzentratwagen, zu

den Hüttenwerken ins nahegelegene Oker-

Harlingerode.

Wieso es am Harz so reiche Erzvorkommen

gibt, erklärt Kurator Johannes Großewinkelmann:

„Vor 370 Millionen Jahren entstand

hier in der Tiefe eines Urmeeres eine hydrothermale

Quelle, durch deren röhrenförmige

Mündung heißes kupfer- und zinkhaltiges

Wasser austrat. In dem kalten Tiefenwasser

des Meeres wurden die Mineralien in Form

einer Rauchfahne ausgefällt, was man als

‚Black Smoker‘, als ‚schwarzen Raucher‘ bezeichnet.“

Als das Wasser zurückgegangen

war, blieb im Boden eine erzreiche Schicht

zurück. Ein Schatz, der nicht erst im frühen

Mittelalter geborgen wurde, wie man heute

weiß.

Aus den Chroniken des Widukind von Corvey

und des Thietmar von Merseburg wurde

der Beginn der Bergbautätigkeit auf das Jahr

968 datiert, doch lassen archäologische

Befunde darauf schließen, dass schon in

der Römerzeit Erze aus dem Rammelsberg

verwendet wurden. Darüber und über vieles

mehr informiert die angeschlossene Ausstellung

zur Industrie- und Kulturgeschichte

der Region.

Dr. Joachim Sommer, BG RCI, Heidelberg

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Aus den Branchen

Chemische Industrie

BG RCI.magazin 3/4 2013

Gefährliche Verwechslungen verhindern

Broschüre der IVSS-Sektion Chemie greift ein unfallträchtiges Thema auf

Eine Verwechslung von Chemikalien ist relativ häufig Ursache schwerwiegender Ereignisse. Im Oktober letzten Jahres

machte ein Lebensmittelkonzern in Fallingbostel Schlagzeilen, nachdem versehentlich Salpetersäure in einen Reinigungsmitteltank

mit Natronlauge gepumpt worden war. Die Vermischung führte zu einer heftigen Reaktion, Katastrophenalarm

wurde ausgelöst. In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Prozesssicherheitszentrum hat die Sektion

für Prävention in der chemischen Industrie der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) eine Broschüre

aufgelegt, in der Maßnahmen zur Vermeidung von Chemikalienverwechslungen beschrieben sind.

„Aber sonst war in dem Kesselwagen mit

dem Bodenauslauf immer das Amin drin.“

Ein ungläubig-verzweifelter Blick des Anlagenfahrers

wanderte zwischen den austretenden

Dämpfen und der Beschriftung des

Bahnwagens hin und her. Die Unachtsamkeit

des Mitarbeiters hätte um ein Haar zu

einer gefährlichen Reaktion geführt, wenn

der Kesselwagen an der Füllstelle des betrieblichen

Tanklagers noch vollständig befüllt

gewesen wäre.

Die vermutete Amino-Verbindung wurde üblicherweise

in vierachsigen, isolierten Bahnkesselwagen

mit Bodenauslauf angeliefert.

Eine andere, regelmäßig abgefüllte Chemikalie

war Epichlorhydrin, das in zweiachsigen,

nicht isolierten Bahnkesselwagen mit

Steigrohr bezogen wurde.

Am Ereignistag wurde Epichlorhydrin in einem

Bahnkesselwagen angeliefert, der wie

üblich ordnungsgemäß beschriftet, zweiachsig

und nicht isoliert war, neben dem

Steigrohr jedoch zusätzlich einen Boden-

ablauf besaß. Die Flüssigkeit war vom Betriebspersonal

zunächst bestimmungsgemäß

über das Steigrohr entnommen und

der Kesselwagen danach an der Übernahmestelle

stehengelassen worden. Als zwei

Mitarbeiter der nächsten Schicht den Auftrag

erhielten, einen Bahnkesselwagen mit

Amino-Verbindung zu entleeren, schlossen

sie fälschlicherweise die entsprechende Leitung

an den Bodenauslauf des Epichlorhydrin-Bahnkesselwagens

an. Beim Öffnen

der Armaturen gelangte eine Restmenge

von etwa 20 Kilogramm Epichlorhydrin zu

Produktresten in der Amin-Leitung, eine Reaktion

setzte ein. Die Fokussierung allein

auf den Stutzen hätte bei einer größeren

Menge fatale Folgen haben können.

Dieses und zehn weitere Ereignisse sind in

der Broschüre „Verwechslung von Chemikalien“

beschrieben und zeigen typische Fehler,

die in der Vergangenheit zu Ereignissen

geführt haben. Mit den beschriebenen technischen

und organisatorischen Maßnahmen

soll die unkontrollierte Vermischung mög-

lichst verhindert werden. Gleichzeitig wird

bei jeder Methode auch auf deren Grenzen

und Fehlerquellen hingewiesen. Bei allen

Konzepten spielen der Mensch und seine

Zuverlässigkeit eine wichtige Rolle. Einerseits,

weil er durch Fehlhandlungen selbst

Ereignisse auslösen kann, andererseits,

weil er durch seine vielfältigen Wahrnehmungsmöglichkeiten

und Erfahrungen umfassender

als jede technische Einrichtung

zur Erkennung und Lösung eines Problems

beitragen kann.

Die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter ist daher ein zentraler Ansatzpunkt

aller Maßnahmen. Die Beschäftigten

sollen geschult sein, Anzeichen für mögliche

Verwechslungen zu erkennen. Beispiele für

solche Beobachtungen sind:

• Differenzen zwischen Transportpapieren

und Etiketten

• Unübliche Bezeichnungen auf den Etiketten

• Fehlende oder schlecht lesbare Etiketten

• Unpassende Kupplungsstücke und

Schläuche

• Eine andere Gebindeart als üblich

• Ungewohnte Farbe eines Materials

• Veränderte Teilchengröße oder Konsistenz

• Unterschiedliches Gewicht von Gebinden

Ein Patentrezept, wie Verwechslungen von

Chemikalien mit letzter Sicherheit ausgeschlossen

werden können, ist allerdings mit

keiner Methode gegeben.

Die Lage der Stutzen an einem Kesselwagen darf

nicht als Identifikationsmerkmal für den Inhalt

herangezogen werden.Foto: IVSS Sektion Chemie

Die Broschüre „Verwechslung von Chemikalien“

ist in deutscher und englischer Sprache

erschienen und kann zum Preis von

9 Euro bestellt werden bei der IVSS-Sektion

Chemie, Kurfürsten Anlage 62, 69115 Heidelberg,

Tel. 06221/5108-3500 oder über

issa.chemistry@bgrci.de.

Dr. Joachim Sommer, BG RCI, Heidelberg


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3/4 2013 BG RCI.magazin Aus den Branchen

Chemische Industrie

Foto: © Karramba Production - Fotolia.de

BG RCI-Gütesiegel „Sicher mit System“

MÜNZING Liquid Technologies GmbH für

vorbildliches Arbeitsschutz-Management ausgezeichnet

„Das Gütesiegel wird nachhaltig dazu beitragen, das bereits hohe Niveau des Arbeitsschutzes innerhalb des Unternehmens

zu halten und weitere Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.“ So lautet das Fazit, das

Istok Skerbis, Fertigungsleiter der Münzing Liquid Technologies GmbH, Rottweil, anlässlich der Gütesiegel-Verleihung

zieht.

Nachdem das im Nordschwarzwald beheimatete

Unternehmen bereits seit 2002 nach

DIN ISO 9001:2000 und seit 2006 nach DIN

ISO 14001:2003 zertifiziert ist, entschlossen

sich die Verantwortlichen, ihr Arbeitsschutz-

Management-System einer Überprüfung

durch die BG RCI zu unterziehen. Nachdem

die Vor-Ort-Begutachtung im Oktober 2012

erfolgreich verlief, kann sich die Münzing

Liquid Technologies GmbH jetzt als „Gütesiegel-Betrieb“

bezeichnen.

Bereits 1930 wurde das Unternehmen durch

die Brüder Ludwig und Paul Bader gegründet.

So firmierte es bis Ende 2011 als L. P.

Bader & Co. GmbH. Nachdem in den ersten

Jahrzehnten Rostschutzöle produziert wor-

den waren, werden seit 1976 mit 45 Mitarbeitern

jährlich mehrere tausend Tonnen

LUBA-print Wachsdispersionen hergestellt.

Diese Wachsdispersionen – fein verteilte

Wachse in Flüssigkeiten – dienen im Lackund

Farbenbereich dazu, Oberflächen zu

schützen und ihnen bestimmte Eigenschaften

wie Kratzfestigkeit, eine besondere Haptik

oder Glanz zu verleihen. Seit 2009 gehört

das Unternehmen zur Münzing-Gruppe, die

in Heilbronn ansässig ist.

Das Gütesiegel soll der Überprüfung und

Optimierung des Arbeitsschutzmanagement-Systems

innerhalb eines Unternehmens

dienen. Im Zuge der Bewertung werden

vielfach Schwachstellen erkannt und

beseitigt. Als Konsequenz sinkt das Risiko

von Arbeitsunfällen und Betriebsstörungen

signifikant, was wiederum dazu führt, dass

Ausfallzeiten reduziert werden und die betriebliche

Effizienz steigt. Das Gütesiegel

wird nach Überprüfung aller wesentlichen

Anforderungen für drei Jahre verliehen. Im

Anschluss kann seine Gültigkeit – nach einer

erneuten Prüfung – verlängert werden.

Das Gütesiegel, dessen Erlangung für die

Mitgliedsbetriebe kostenfrei ist, ermöglicht

es den Unternehmen, die erfolgreiche Integration

des Arbeits- und Gesundheitsschutzes

in die betrieblichen Abläufe von neutraler

Stelle bestätigen zu lassen.


Dr. Rolf Rupp, BG RCI, Heidelberg

Die Erlangung des Gütesiegels „Sicher mit System“ ist auch für die Münzing Liqiud Technologies GmbH in Rottweil ein Meilenstein: Geschäftsführer

Hans-Hugo Bremkamp, Dr. Rolf Rupp von der BG RCI, Fertigungsleiter Istok Skerbis und Frank Martin, Qualitätsmanagement-Beauftragter (v.l.) freuen

sich, dass das Ziel erreicht wurde.

Fotos: Münzing Liquid Technologies

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Aus den Branchen

Chemische Industrie

BG RCI.magazin 3/4 2013

Rezension

„Tabellenbuch der Chemie“

Für das Labor in Forschung

und Anwendungsentwicklung,

aber auch in vielen

anderen Bereichen,

in denen Chemikalien

verwendet

werden, sind Datensammlungen

zu

den Stoffen unverzichtbar.

Oft werden

dabei auch Daten

benötigt, die

nicht zwingend zum Datenbestand eines

Sicherheitsdatenblatts gehören. Nicht jedem

Anwender stehen dabei die Regalwände

füllenden umfangreichen Datensammlungen

großer Bibliotheken zur Verfügung.

Und auch die heute weit verbreiteten Datenbanken

haben ihren Preis. Sicher finden

sich Informationen auch im Internet,

allerdings gibt es dort auch Einschränkungen.

Die aufgefundenen Informationen

müssen zunächst – oft zeitaufwändig– geordnet

und bewertet werden, und im Internet

finden sich immer wieder auch Fehler,

zumindest häufiger als in einem gut lektorierten

Buch.

So kommt ein Band gelegen, in dem eine

große Bandbreite von Stoffdaten für das

„Alltagsgeschäft“ gesammelt ist. Als Handexemplar

am Arbeitsplatz hält er viele wichtige

Informationen bereit, so dass man sich

um den Zugang zu den „großen“ Sammlungen

häufig nicht bemühen muss.

Von umfangreichen Umrechnungshilfen

zwischen verschiedenen Einheiten über

eine Übersicht zur Kennzeichnung von

Gefahrstoffen und Druckgasflaschen bis

zu – natürlich nur knapp gehaltenen – Sicherheitshinweisen

in der Mikrobiologie

finden sich eine Fülle von chemischen und

physikalischen Daten wie Dichten, Löslichkeiten

oder Reaktionsenthalpien anorganischer

und organischer Stoffe. Als hilfreich

wird mancher Leser es empfinden, dass an

vielen Stellen der Daten-Tabellen kurze und

prägnante Texte oder Skizzen den jeweiligen

Sachverhalt erläutern, beispielsweise

zur photometrischen Messung oder zu

diffraktometrischen Verfahren. Sicherlich

könnte man sich für spätere Auflagen noch

die eine oder andere weitere Ergänzung

wünschen, z. B. eine Beschreibung der

herangezogenen Datenquellen oder einen

Hinweis auf die vereinfachte Kennzeichnung

für Laborflaschen (www.laborrichtlinien.de).

Aber auch in der vorliegenden

Form ist das Werk eine nützliche Hilfe im

Alltag.

Michael Wächter: Tabellenbuch der Chemie,

Wiley-VCH, Weinheim 2012, 506 Seiten,

mit zahlreichen Abbildungen. ISBN

978-3-527-32996-0.

Dr. Thomas Brock, BG RCI, Heidelberg

Rezension

„Betriebliches Gefahrstoffmanagement“

Den Umgang mit

Gefahrstoffen im

betrieblichen Umfeld

erfolgreich und

vor allem sicher

zu managen, ist

eine grundlegende

Anforderung, um

nachhaltig für die

Sicherheit und den

Gesundheitsschutz

von Beschäftigten

zu sorgen. Doch die

Materie ist kompliziert. Man braucht vertiefte

Kenntnisse im deutschen und europäischen

Gefahrstoffrecht, im Gefahrgutrecht,

aber etwa auch Kenntnisse in der Wirkweise

und Toxikologie wie in der Lagerung von

Gefahrstoffen. Nur wer sich hierüber einen

umfassenden Überblick verschafft hat, ist in

der Lage, effiziente Maßnahmen zum Schutz

der Beschäftigten festzulegen. Nach wie vor

ist die Chemiebranche einer der Motoren

der aktuell guten wirtschaftlichen Entwick-

lung in Deutschland. Doch parallel steigt

auch die Komplexität der Anforderungen an

ein effizientes betriebliches Gefahrstoffmanagement.

Um Hilfestellung anzubieten, ist in der Reihe

„Handbücher zum Betriebssicherheitsmanagement“

des Erich Schmidt-Verlags der

Band „Betriebliches Gefahrstoffmanagement“

erschienen. Er stellt den Schutz vor

Gefährdungen durch Chemikalien in den

Mittelpunkt, wobei die inhaltliche Themensetzung

deutlich über den reinen Gefahrstoffschutz

hinausgeht. So werden die

Voraussetzungen und Bedingungen für ein

effizientes Management von Gefahrstoffen

von deren Produktion über den Einsatz,

den Transport bis hin zur Vermarktung dargestellt.

Besonders herauszuheben sind die vielfältigen

praktischen Beispiele mit ihren umfassenden

Erläuterungen, Arbeitshilfen,

Checklisten und Musterformularen, die dem

Leser in der Praxis Unterstützung bieten. Da

in dem Buch immer auch Bezug zum aktuellen

Rechtsrahmen genommen wird, ist es

auch als Fachkompendium, dessen Kapitel

aufeinander aufbauen, nutzbar. Stichwortverzeichnis

und Zusammenfassungen erlauben

eine schnelle Recherche. In einer Zeit,

die von sehr schnellem Wissenszuwachs

und einem unübersichtlichen, meist elektronischen

Angebot geprägt ist, ist es hilfreich,

mit einem solch übergreifenden Werk

Informationen zeitgemäß und umfassend

zusammengetragen zu sehen. Da Qualität

und Stimmigkeit der Inhalte gewährleistet

sind, ist dieses Werk allen interessierten

Lesern zu empfehlen.

Der Verlag hat bereits angekündigt, weitere

Themen aufzugreifen, so etwa den Explosionsschutz,

die Anlagen- und Verfahrenstechnik

oder die Sicherheit von Druckbehältern

und Aufzugsanlagen.

Dr. Harald Wellhäußer, BG RCI,

Heidelberg

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3/4 2013 BG RCI.magazin Aus den Branchen

Dr. iur. Rolf Bonnermann

Zum Tod des langjährigen Direktors der Bezirksverwaltung Bochum

der ehemaligen Bergbau-Berufsgenossenschaft

Fast vier Jahrzehnte stand Dr. Bonnermann in herausragender Funktion im Dienst

der gesetzlichen Unfallversicherung der Bergleute. Ihnen war er als Sohn eines

Fahrsteigers schon von Kindheit an tief verbunden. Bis zuletzt, als er längst im Ruhestand

war, hat er sich mit den Belangen des Bergbaus

und der gesetzlichen Unfallversicherung intensiv beschäftigt

und in hohem Maße identifiziert.

Seine Arbeit war bestimmt von der ihm eigenen, besonderen

Gewissenhaftigkeit. Als Jurist hat er seine Ziele erfolgreich

und mit großem Nachdruck verfolgt. Daneben

widmete er sich zahlreichen medizinisch-rechtlichen Fragestellungen

und hat hierüber umfangreich publiziert. Dank

seiner überaus bescheidenen, zurückhaltenden, ruhigen,

zugleich aufgeschlossenen und familiären Art genoss er

unter seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie im Kreis der Kollegen größte

Wertschätzung. Sein offenherziges Wesen und seine beispielhafte Zuverlässigkeit

waren vielen beispielgebend. Geboren in Gelsenkirchen, ist Dr. Bonnermann am

8.2.2013 im Alter von 82 Jahren in Bochum verstorben. nul

Ansgar Pawelke

Im Dienst der Papierindustrie und der

Berufsgenossenschaft

Die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und

chemische Industrie trauert um Ansgar Pawelke.

Der am 20.2.2013 Verstorbene gehörte

dem Vorstand der ehemaligen Papiermacher-Berufsgenossenschaft

von 1968 bis

1993 an. Nach seiner langjährigen Tätigkeit

als Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der

Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie

e.V. war er maßgeblich am Aufbau

des ostdeutschen Arbeitgeberverbands der

Papierindustrie sowie am Aufbau der Standorte

der Berufsgenossenschaft in Dresden und

Pirna beteiligt. Durch sein Engagement und

seine weitreichenden Fachkenntnisse hat er

sich bleibende Verdienste erworben. Die Berufsgenossenschaft

Rohstoffe und chemische

Industrie gedenkt seiner in Dankbarkeit.


bb

„Das wird einmal ein tüchtiger Mensch“

Zum Tode von Josef Deforth

Zu seinem 60. Geburtstag überreichte ihm

Oberbürgermeister Jockel Fuchs den Wappenteller

der Stadt Mainz, ein Jahr später schickte

ihm der damalige Bundespräsident Karl

Carstens eine Urkunde und verlieh ihm das

Bundesverdienstkreuz am Bande. Josef Deforth,

viele Jahrzehnte Hauptgeschäftsführer

der am Mainzer Lerchenberg beheimateten

früheren Lederindustrie- und Papiermacher-

Berufsgenossenschaft, war bekannt für sein

vielseitiges soziales Engagement, sein Organisationsgeschick

und sein beherztes, weitsichtiges

Handeln.

51 Jahre stand er im Dienst der beiden Berufsgenossenschaften,

die heute mit weiteren

Partnern zur neuen Berufsgenossenschaft

Rohstoffe und chemische Industrie

fusioniert sind. Als Fünfzehnjähriger hatte

Josef Deforth eine Verwaltungslehre bei der

damaligen Süddeutschen Eisen- und Stahl-

Berufsgenossenschaft begonnen, die schon

damals eine Gemeinschaft mit den Berufsgenossenschaften

der Lederindustrie und der

Papiermacher eingegangen war. Als Halbwaise

hatte er das Humanistische Gymnasium

in Mainz verlassen, um der Mutter das

Schulgeld von einundzwanzig Reichsmark

zu ersparen. „Das wird einmal ein tüchtiger

Mensch“, schrieb ihm sein Lehrer in das Abschlusszeugnis.

Nach dem Kriegseinsatz in

Kreta und zweijähriger Gefangenschaft in den

Vereinigten Staaten kehrte er zurück zu seiner

Berufsgenossenschaft, und die Arbeit in

der Sozialversicherung wurde ihm seither zur

Lebensaufgabe. Vom Sachbearbeiter stieg er

über zahlreiche Stationen auf zum Hauptgeschäftsführer

der beiden Berufsgenossenschaften.

Der Neubau des Verwaltungsgebäudes

auf dem Lerchenberg ist eng mit seinem

Namen verbunden – ein Beispiel für seine

vielfachen Anstrengungen um eine erfolgreiche

Verwaltungsvereinfachung.

Viele Erfolge in der Prävention von Arbeitsunfällen

und Berufskrankheiten und in der

Rehabilitation von Verletzten und Berufserkrankten

gehen zurück auf seine Initiative.

Auch auf der Ebene des Spitzenverbandes

der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

tragen zahlreiche Entwicklungen seine

Handschrift. Dies gilt in besonderer Weise für

die Förderung der

Nachwuchskräfte

in der gesetzlichen

Unfallversicherung.

Seine große Leidenschaft

galt

dem Sport, insbesondere

dem Tennis,

dem Skilauf

und dem Rudern.

Einst, zu seiner Zeit beim Mainzer Ruderverein,

hütete er sogar das Tor der Hockey-Nationalmannschaft.

Auf dem Hockeyplatz hatte er,

wie er einmal seiner örtlichen Zeitung verriet,

auch seine Ehefrau Hilde kennengelernt. Am

5.2.2013 im Alter von 93 Jahren, ist der gebürtige

Mainzer in seiner Heimatstadt gestorben.


nul

25


Aus den Branchen

Lederindustrie

BG RCI.magazin 3/4 2013

2

3

1

4

1 und 4: Der ergonomisch optimierte

Näharbeitsplatz.

2: Das höhenverstellbare Gestell

ermöglicht das Nähen

im Sitzen oder Stehen.

3: Armauflagen reduzieren

die Belastungen bei längerem

Nähen.

Fotos: bgrci

Heimtextil Frankfurt 2013

Die BG RCI-Branchenprävention Lederindustrie

stellt ergonomisch optimierten Näharbeitsplatz vor

Nach längerer Abstinenz präsentierte sich die Branchenprävention Lederindustrie der

BG RCI 2013 wieder auf der Heimtextil, der Leitmesse für Wohn- und Objekttextilien weltweit.

Auf dem Stand des Zentralverbands Raum und Ausstattung stellte sie als neues Aktionsmedium

einen ergonomisch optimierten Näharbeitsplatz vor.

Insbesondere die Raumausstatter

suchten den Kontakt zur BG RCI. Vor dem

Hintergrund der neuen Präventionskampagne

„Denk an mich. Dein Rücken“ hatte

sie ihr Beratungsangebot unter das Motto

„Ergonomischer Arbeiten durch individuelles

Anpassen!“ gestellt.

Das höhenverstellbare Gestell des optimierten

Näharbeitsplatzes ermöglicht es,

die Nähmaschine individuell auf die opti-

Reges Interesse der Messebesucher in Frankfurt.

male Arbeitshöhe einzustellen. Dies setzt

einen höhenverstellbaren Arbeitsstuhl voraus,

der eine Anpassung an die Körpergröße

der betreffenden Person ermöglicht.

Die Arbeitsplatte mit dem im Gestell eingebauten

Elektromotor kann sehr weit nach

oben gefahren werden, so dass auch ein

Arbeiten im Stehen möglich ist. Dies empfiehlt

sich immer dann, wenn über einen

längeren Zeitraum genäht werden muss.

Zusätzlich wurde der Fußraum erweitert.

Dazu wurde eine breitere Traverse eingesetzt

und der Antrieb der Maschine außerhalb

des Kniebereichs positioniert. Eine

weitere ergonomische Verbesserung sind

die zusätzlichen Armauflagen. Sie ermöglichen

es, die Arme beim Nähen abzustützen.

Die Armauflagen lassen sich verstellen

und können je nach Bedarf auch ganz

entfernt werden.

Die Vorteile solcher Optimierungen lassen

sich natürlich am Objekt selbst am besten

vermitteln. Deshalb steht der optimierte

Näharbeitsplatz für den betrieblichen Alltagstest

je nach Verfügbarkeit zum Abruf

bereit. In Ihrem Betrieb können Sie und

Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

selbst erkennen, welche der vorgestellten

Verbesserungsmöglichkeiten auch

an Ihren Nähmaschinenarbeitsplätzen

realisierbar sind.

Wenn Sie interessiert sind, in Ihrem Betrieb

die Möglichkeiten zur Verringerung

arbeitsbedingter Rückenbelastungen zu

ermitteln, nehmen Sie Kontakt auf mit Herbert

Scheuer. Er ist der Fachberater der

BG RCI-Branchenprävention Lederindustrie

bei Fragen rund um den Einsatz von

Nähmaschinen. Sie erreichen ihn telefonisch

unter 06221/5108-25470 oder per

E-Mail unter herbert.scheuer@bgrci.de.

Bei ihm können Sie sich auch über die Ausleihbedingungen

des ergonomisch optimierten

Näharbeitsplatzes informieren.



Burkhard Rehn, BG RCI,

Mainz

26


3/4 2013 BG RCI.magazin Aus den Branchen

Lederindustrie

Hermann Buhl vor der Erstbesteigung

des Nanga Parbat.

Fachmesse von einst: Deuter präsentiert Rucksäcke

und Zelte.

Der Rucksack „Tauern“: bei Expeditionen im Bewährungstest.

Vom Briefbeutel zum Hightech-Rucksack

Deuter – eins der ältesten Mitgliedsunternehmen der BG RCI aus der Branche Lederindustrie

Der Name Deuter ist vielen in Verbindung mit Rucksäcken bekannt. Sie gibt es für das Wandern, Klettern und immer

öfter auch für weitere spezielle Bedürfnisse. Die Ursprünge des Unternehmens liegen jedoch in einem anderen Produktbereich.

Vor vielen Jahren begann alles mit Erzeugnissen für eine besondere, hoheitliche Aufgabe.

Hans Deuter hatte seine Firma 1898 in

Augsburg gegründet. Die erste Geschäftstätigkeit

mit hoheitlichem Charakter

war die Belieferung der

königlich-bayerischen Post

mit Briefbeuteln und -säcken.

1905 kam der Verleih

von Zelten hinzu.

Fünf Jahre später gehörten

Tornister, Rucksäcke,

Brotbeutel, Lagerund

Stallzelte zum

Lieferprogramm. Vieles

ging schon damals

an die Armee. 1914

beschäftigte Deuter

80 Arbeiter und 12 Angestellte.

Moderner Rucksack mit

integriertem Trinksystem

und Trinkschlauch.

Fotos: deuter

1919 wurde die Sackproduktion in eine eigene

Aktiengesellschaft ausgegliedert. Der

weiter unter dem Namen Hans Deuter firmierende

Betrieb konzentrierte sich jetzt

auf die Herstellung von Lederwaren, Rucksäcken,

Koffern und Zelten. Mit Beginn des

Zweiten Weltkriegs produzierte das Unternehmen

verstärkt Ausrüstungsgegenstände

für die Wehrmacht.

Schon in den 1930er Jahren kamen erstmals

Deuter-Rucksäcke bei Himalaya-Expeditionen

zum Einsatz. Im Laufe der Jahre stattete

Deuter mehrfach Bergexpeditionen aus. So

zum Beispiel die Erstbesteigung des 8.125

Meter hohen Nanga Parbat durch Hermann

Buhl im Jahre 1953. Fünf Rucksäcke dieser

Expedition waren schon damals versuchsweise

aus der Kunstfaser Perlon gefertigt.

1968 stellte das inzwischen als Deuter Industriewerke

AG firmierende Unternehmen

eine erste Serie von Nylon-Rucksäcken vor.

Schon bald avancierte es zum größten Produzenten

von Koffern und Rucksäcken in

Deutschland. 1984 wurde das weltweit bekannte

Rückensystem „deuter-aircomfort“

patentiert. 1989 spaltete sich der Unternehmensbereich

Reisegepäck und Rucksäcke

als Deuter Sport GmbH & Co. KG von der

Muttergesellschaft ab, und es folgte die

Ausweitung des Rucksackangebots für die

unterschiedlichsten Kundenbedürfnisse.

Seit 2000 ist Deuter nach eigenen Angaben

bei den Rucksäcken Marktführer.

Hauptabsatzgebiet ist Westeuropa, das

Unternehmen ist aber auch international

tätig. Denn die Produktion reagierte stets

auf die Anforderungen der Zeit. Mussten

die ersten Briefbeutel und -säcke weder Eis

noch tagelangen Schneestürmen standhalten,

wurde ihren modernen Nachfolgern

schon sehr viel mehr abverlangt. Dass sich

die Postbeutel von einst in ein mit vielen

Finessen produzierten Rucksack, mit dem

heute Ex trembergsteiger unterwegs sind,

gemausert haben, das konnte Hans Deuter

wohl nicht vorausahnen.

Burkhard Rehn, BG RCI, Mainz

27


Aus den Branchen

Papierherstellung und Ausrüstung

BG RCI.magazin 3/4 2013

1: Zwischen dem Aufgabetisch

(l.) und dem rückwärts

laufenden Plattenband

entsteht eine Einzugsstelle

(Pfeil).

2: Die Einzugsstelle zwischen

Papierrolle und Tragwalze

(Pfeil). Erst nach dem Anheben

der Papierrolle mit dem

Kran konnte der Verletzte befreit

werden.

Risiken erkennen – Unfälle vermeiden

Unfälle? Unfälle haben in unserer Vorstellung immer nur die anderen. Einem selbst, so meinen wir, wird schon nichts

zustoßen. Diese Annahme wiegt uns in trügerischer Sicherheit. Kommt dazu noch die plötzliche Konfrontation mit

einer Abweichung vom gewohnten Ablauf, agieren wir meist, ohne groß darüber nachzudenken. Die fehlende Wahrnehmung

der Gefahr hat leider oft schmerzhafte Konsequenzen.

Der folgende Blick auf das Unfallgeschehen

in der Branche Papierherstellung und

Ausrüstung der BG RCI soll Ihnen helfen,

die oftmals erfolgreich verdrängten Gefährdungen

wieder besser wahrzunehmen. Anhand

der kurzen Schilderungen kann jeder

für sich entscheiden, ob ein solcher oder

ähnlicher Unfall nicht auch ihm hätte widerfahren

können.

Der kurze Weg

Bei der Papierherstellung anfallende Restrollen

werden dem Produktionsprozess wieder

zugeführt. Dazu muss das Papier von

der Hülse getrennt werden, zum Beispiel mit

Hilfe einer Rollenspaltmaschine. In dem betrachteten

Fall legt der Bediener der Maschine

die Restrollen mit Hilfe eines Staplers auf

den Aufgabetisch (Foto 1, links). Von dort

aus werden die Restrollen mit Hilfe eines

Plattenbandes unter das Messer gefahren

und gespalten. Danach werden die (Papier-)

Schwarten und die Hülse wieder aus dem

Messerbereich herausgefahren, damit der

Bediener die Hülse gefahrlos entnehmen

kann. Dazu muss er auf das Plattenband

steigen. Der definierte Zugang auf das Band

wird mit Hilfe eines Lichtgitters überwacht

und schaltet gefährliche Bewegungen der

Anlage zuverlässig ab. Ein weiteres Lichtgitter

befindet sich vor dem Messerbalken.

Im vorliegenden Fall stand der Mitarbeiter

auf dem Plattenband, direkt vor dem Aufgabetisch,

als das Band – für ihn unerwartet –

anlief. Dabei wurde er mit dem linken Fuß

Gefährliche Kletterei

Einzugstellen treten an Maschinen der

Papierherstellung und Ausrüstung sehr

häufig auf. Mehrere Walzenpaare mit entsprechend

vielen Einzugstellen weist zum

Beispiel ein Online-Kalander auf, eine Main

die Einzugstelle zwischen Plattenband

und Aufgabetisch eingezogen. Schwere

Quetschungen und Brüche waren die Folge.

Zum Zeitpunkt des Unfalls befand sich die

Anlage im Automatikbetrieb. Die Auswertung

des Steuerungsprotokolls ergab, dass

das Plattenband ohne Auslösung des Lichtgitters

am Zugang betreten worden war. Die

Überprüfung der Steuerung und der Sicherheitseinrichtungen

ergab keinen Hinweis

auf ein Versagen der Technik.

Es ist davon auszugehen, dass der Mitarbeiter

einen anderen als den abgesicherten

Weg auf das Band genommen hatte. Sicher

wurde dieses Verhalten dadurch begünstigt,

dass das Plattenband von der Seite aus

zu besteigen und dieser unsichere Weg der

kürzere war. Nach dem Unfall wurden die

vorhandenen Schutzeinrichtungen überprüft

und der Zugang auf das Plattenband

durch bauliche Maßnahmen erschwert.

30 Sekunden warten

Mit Hilfe einer Rollenschneidemaschine

wird die Papierbahn in verschieden breite

Rollen geschnitten und auf Papphülsen aufgewickelt.

Während des Wickelvorgangs ist

der Zugang zur Aufrollung verwehrt. Ein Aufenthalt

in diesem Bereich ist bei laufender

Maschine sehr gefährlich, da zwischen den

aufwickelnden Papierrollen und der vorderen

Tragwalze sowie zwischen Andruckwalze

und Papierrollen Einzugstellen bestehen.

Der Zugang zu diesem Gefahrbereich ist

durch die hochgeschwenkte Rollenabsenkbühne

in Verbindung mit seitlich trennenden

Schutzeinrichtungen verwehrt. Nach

Beendigung des Wickelvorganges werden

die Tragwalzen bis zum Stillstand gebremst

und die Andruckwalze wird angehoben. Die

Nachlaufzeit beträgt etwa 30 Sekunden.

Ohne den Stillstand der Maschine abzuwarten,

stieg ein Maschinenführer auf die

Rollenabsenkbühne. Mit dem rechten Fuß

geriet er dabei in die Einzugstelle und wurde

bis zum Knie eingezogen. Er erlitt dabei

so schwere Verletzungen, dass sein Unterschenkel

amputiert werden musste.

Das Aufsteigen in den Gefahrbereich der

auslaufenden Maschine wurde durch eine

Lücke zwischen der feststehenden trennenden

Schutzeinrichtung und der beweglichen

Rollenabsenkbühne erleichtert. Die

500 Millimeter breite Aussparung vermeidet

Quetschverletzungen an dieser Stelle.

Die vorhandene Schutzeinrichtung wurde

durch eine bewegliche trennende Schutzeinrichtung

ergänzt. Quetschverletzungen

werden so weiterhin verhindert, gleichzeitig

wird der Zugang zur Rollenabsenkbühne

versperrt (Foto 2).

28


3/4 2013 BG RCI.magazin Aus den Branchen

Papierherstellung und Ausrüstung

3: Nach dem Aufsteigen

auf die Schutzeinrichtung

war die Einzugsstelle

(Pfeil) für den

Maschinengehilfen erreichbar.

5: Die untere Querstrebe

der Pulper-Absturzsicherung

ist nicht als Aufstieg

gedacht. Auch hier

zeigt der Pfeil auf die

Einzugstelle.

4: Das Umgreifen der

Schutzeinrichtung führte

zu schweren Verletzungen.

Der Pfeil markiert die Auflaufstelle.

Fotos: bgrci/sg

schine, die mit Druck und Temperatur eine

Veredelung der durchlaufenden Papierbahn

bewirkt. Jede Verunreinigung der Walzen

mindert die Qualität und muss umgehend

beseitigt werden. Auch an dem Unfalltag

wurde die manuelle Reinigung der Walzen

von einer Kalanderfahrbühne aus bei zunächst

stehender Maschine durchgeführt.

Nach dem Wiederanlauf bemerkte ein Maschinengehilfe

noch Farbreste an den drehenden

Walzen. Kurzerhand stieg er auf die

Schutzeinrichtung vor dem Walzenstapel

des Kalanders, um an die darüberliegenden

und mit einer Geschwindigkeit von

15 Metern pro Minute drehenden Walzen

zu gelangen. Bei der manuellen Reinigung

im Bereich der Einzugstelle eines Walzenpaares

wurde seine linke Hand eingezogen.

Schwere Quetschungen, Brüche und

die Amputation des Ring- und des Mittelfingers

waren die Folge.

Viele Bereiche an Maschinen der Papierherstellung

sind durch Umzäunungen abgesichert,

um den Zugang zu produktionstechnisch

bedingten Gefahrstellen, hier die

Einzugstellen der Kalanderwalzen, während

des Betriebs zu verhindern. Jedem Bediener

sollte aber bewusst sein, dass das Auf- oder

Übersteigen an solchen Stellen und der Eingriff

in die Maschine zu schweren Verletzungen

führen können. Durch erneute Unterweisungen

der Mitarbeiter soll dieses Verhalten

künftig ausgeschlossen werden (Foto 3).

Gezielter Eingriff

Anlässlich der Durchführung von Einstellarbeiten

an einer Kartonmaschine bemerkte

der Maschinenführer Verschmutzungen

an der sogenannten Kniewalze, die er mit

Hilfe eines Hochdruckreinigers mit einer

1,2 Meter langen Lanze entfernte. Bei einer

Maschinenbreite von 2,6 Metern erreicht

der Druckwasserstrahl des auf Führerseite

stehenden Hochdruckreinigers nur etwa

den halben Walzenmantel direkt, so dass

auf der Triebseite Verschmutzungen zurückblieben.

Im weiteren Verlauf der Rüstarbeiten erreichte

der Maschinenführer die Triebseite

der Maschine. Er kontrollierte auch hier

die Walze auf Verschmutzungen, griff durch

das Geländer und um die seitlich angebrachte

Verdeckung der Auflaufstelle, um

die von ihm entdeckten Faseranhaftungen

mit der Hand zu entfernen. Der Maschinenführer

wurde dabei mit seinem rechten Arm

zwischen Walze und Filz eingezogen und

schwer verletzt.

Die Installation einer geführten Reinigungsvorrichtung

(wie im BG RCI.magazin, Ausgabe

7/8 2013, S. 16, beschrieben) ermöglicht

die sichere Reinigung über die gesamte

Walzenbreite und verringert das Risiko, an

dieser Stelle eingezogen zu werden (Foto 4).

Unerlaubter Aufstieg

Die Aufrollung an Papier-, Karton- und

Streichmaschinen nutzt Eisenkerne, sogenannte

Tamboure, auf die die Bahn aufgewickelt

wird. Die Bahn wird zwischen der

angetriebenen Tragwalze und dem Tambour

hindurchgeführt und auf dem Tambour aufgewickelt.

Zwischen der Tragwalze und dem

Tambour entsteht dabei eine Einzugstelle,

die in der Regel so hoch liegt, dass sie

vom Fußboden aus nicht erreichbar ist. Das

Prinzip des ausreichenden Sicherheitsabstands

ist an dieser Gefahrstelle jedoch nur

dann wirksam, wenn in diesem Bereich keine

begehbaren Einbauten vorhanden sind.

Nach mehreren erfolglosen Aufführvorgängen

an einer Streichmaschine versuchten

die Mitarbeiter, eine kurz vor der Aufrollung

gerissene Bahn manuell weiter aufzuführen.

Der an der Aufrollung positionierte

Mitarbeiter bemerkte, dass auch dieser

Aufführversuch zu scheitern drohte, weil

sich die Bahnspitze an der Aufrollung staute.

Kurzentschlossen stieg er auf die untere

Querstrebe der Absturzsicherung des

unter der Aufrollung befindlichen Pulpers

(Stofflöser). Bei dem Versuch, die Bahn mit

der rechten Hand zwischen Tragwalze und

Leertambour hindurchzuführen, wurde er

eingezogen. In der nur wenige Zentimeter

breiten Einzugstelle erlitt er schwere Verletzungen

der rechten Hand.

Nach dem Unfall wurden einige Umbauten

in diesem Bereich vorgenommen. Die Nachrüstung

einer glattflächigen Verkleidung

und die Verlegung der unteren Querstrebe

verhindern nun das Aufsteigen. Das manuelle

Aufführen an der Maschine wurde ausdrücklich

verboten (Foto 5).

Lassen Sie es nicht so weit kommen!

Die Schilderung der Unfälle macht die verschiedenen

Ursachen deutlich, die zu den

Verletzungen geführt haben. Es wird aber

auch deutlich, dass in allen Fällen die Möglichkeit

einer Verletzung von den Mitarbeitern

nicht in Betracht gezogen wurde. Gehen

Sie mit gutem Beispiel voran. Helfen

Sie mit, konkrete Risiken an Ihrem Arbeitsplatz

zu benennen und auszuschalten. Es

lohnt sich.

Reinhard Seger, BG RCI, Mainz

29


Aus den Branchen

Zucker

Unterweisungsvideos

BG RCI.magazin 3/4 2013

zum

Erfolg!

Wie sag ich´s

Lehmann I

QR-Code zu weiterführenden

Videoangeboten

der Südzucker AG.

Mit

Sicherheit

Monatsthema

Wie sag ich´s

Lehmann II

„Immer hinschauen und

ansprechen“

Südzucker

Monatsthemen zum Arbeitsschutz

in neuer Form

Verantwortung

übernehmen

Februar 2013

Die Beschäftigten für die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu

sensibilisieren, auf mögliche Gefährdungen aufmerksam zu machen, Denkanstöße

zu liefern und regelmäßig ins Gespräch zu kommen – das sind die Ziele der

regelmäßigen Monatsthemen zum Arbeitsschutz bei der Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt.

Dabei ist neben den Gesprächen zwischen Vorgesetzten und

Mitarbeitern auch der Austausch der Belegschaft untereinander von besonderer

Bedeutung.

Durch die Nutzung des mobilen Internets können aufgrund anfallender

Datenmengen Kosten entstehen. Bitte beachten Sie, dass der Verbindungs-aufbau

automatisch erfolgen kann. Bitte informieren Sie sich vorab bei Ihrem

Netzanbieter/Vertragspartner über die Ihrem Tarif entsprechenden Datengebühren.

Monatsthemen im SÜDZUCKER Intranetportal:

Südzucker Intranet > Arbeitsschutz > Schulung > Monatsthemen Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz

Monatlich wird ein Thema, wie beispielsweise

Lärmschutz, Arbeiten in Behältern

und engen Räumen, Gefahrstoffe, Erste

Hilfe, Bildschirmarbeit oder Gefahrenwahrnehmung

erarbeitet. So etwas gab

es auch schon in der Vergangenheit. Neu

ist die didaktische Aufbereitung unter Nutzung

unterschiedlicher moderner Medien

und die effektive Bereitstellung dieser

„Arbeitsschutz-Gesprächsthemen“ über

das Firmen-Intranet. So werden zu jedem

Thema immer eine Powerpoint-Präsentation,

ein Poster und ein Faltblatt erstellt.

Darüber hinaus finden die Mitarbeiter im

Intranet jeweils passende Video-Links zu

verschiedenen Angeboten im Internet,

„Sehen und gesehen werden“: Manfred Reißmann,

Thorsten Grieb und Thomas Weber (v.l.)

aus der Mess- und Regelabteilung des Südzucker-Werks

Ochsenfurt diskutieren über das

Monatsthema.

Südzucker-Sicherheitsfachkräfte Steffen Krämer

(l.) und Martin Lesch.

etwa der Mediathek für Arbeitsschutz und

Gesundheitsförderung (MAG) oder die Videoseiten

der Deutschen Gesetzlichen

Unfallversicherung (DGUV). Auf den

Postern und Faltblättern befinden sich

QR-Codes, mit denen Smartphonenutzer

ebenfalls auf die Videoangebote geführt

werden.

Die zentral erstellten Monatsthemen

sind für alle Vorgesetzten eine effektive

und zeitsparende Grundlage, um mit

ihren Mitarbeitern anhand wichtiger Arbeitsschutzthemen

kontinuierlich im Gespräch

zu bleiben. Bei der optischen Aufbereitung

der Themen wird Wert auf eine

ansprechende und einladende Gestaltung

gelegt, denn die Beschäftigung damit soll

auch „Spaß“ machen und zur Umsetzung

des Erlernten motivieren. Die Monatsthe-

men werden in den Südzucker-Werken mit

sehr großer Akzeptanz angenommen und

bilden einen weiteren Baustein der unternehmenseigenen

Aktion „… mit Sicherheit

zum Erfolg“.

Im Einzelnen bestehen die „Monatsthemen

zum Arbeitsschutz“ bei Südzucker

aus folgenden Elementen:

• Powerpoint-Präsentation: Grundlage für

verschiedene Verwendungen

• Poster im DIN A2-Format: Blickfang an

markanten Stellen im Betrieb, macht zugleich

deutlich: „Arbeitssicherheit und

Gesundheitsschutz sind hier wichtig!“

• Faltblatt: Mobile Variante zum späteren

Nachlesen, auch zur privaten Verwendung

• Videos mit zeitgemäßen, anschaulichen

und unterstützenden Beispielen.

Auf dem jeweiligen Poster und dem Faltblatt

sind QR-Codes aufgebracht, über

die Videos per Smartphone abgespielt

werden können.


Steffen Krämer, Martin Lesch,

Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt

30


3/4 2013 BG RCI.magazin Aus den Branchen

Flyer (o.) und Poster zu den Südzucker-Monatsthemen.

Zucker

Mit

Sicherheit

August

2011

zum

Erfolg!

Monatsthema

Bildschirmarbeitsplätze

• Grundlage ist die Bildschirmarbeitsplatzverordnung

(BildscharbV Stand 31.10.2006)

• Bildschirmarbeit definiert sich über 3 Punkte

Beschäftigte

• Definition Bildschirmarbeitsplatz

• Arbeitsplatz mit Bildschirmgerät, dass

ausgestattet sein kann mit

– Einrichtungen zur Erfassung von Daten

– Software, die den Beschäftigten bei der

Ausführung ihrer Arbeitsaufgaben zur Verfügung

steht

– Zusatzgeräten und Elementen, die zum Betreiben

oder Benutzen des Bildschirmgeräts gehören

– sonstigen Arbeitsmitteln

– sowie die unmittelbare Arbeitsumgebung

• Definition Beschäftigte

• Mitarbeiter, die gewöhnlich bei einem nicht

unwesentlichen Teil ihrer normalen Arbeit ein

Bildschirmgerät benutzen

• Definition Bildschirmgerät

• Bildschirm zur Darstellung alphanumerischer

Zeichen oder zur Grafikdarstellung, ungeachtet

des Darstellungsverfahrens

Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz

Bildschirmarbeit – mögliche Gefährdungen

• Muskelskelettsystem

–durch die statische Haltearbeit beim Sitzen in

ungünstiger oder abwechslungsarmer Haltung

–sich ständig wiederholende Belastung kleiner

Muskelgruppen beim Schreibe

• Sehapparat

–ungünstige Sehbedingungen

–Blendung

• psychische Beanspruchung

–ungünstige Anordnung der Arbeitsmittel

höhere Anforderungen an die Konzentration

–und die Wahrnehmung

Körperhaltung

• Zwischen Ober- und Unterarm soll ein rechter bis

stumpfer Winkel beim Arbeiten mit der Tastatur oder

Maus bestehen

–Stuhlhöhe anpassen

• Die Handgelenke sollen beim Schreiben nicht nach

oben abgeknickt werden

–Stuhlhöhe anpassen

–Neigung und Aufstellungshöhe der Tastatur anpassen

• Häufiges Drehen des Kopfes und/oder verdrehtes

Sitzen sind zu vermeiden

–Ausrichtung der am häufigsten benötigten Arbeitsmittel

vor Arbeitsbeginn

–Jede Winkligkeit spiegelt sich in einer unbewusst

verwinkelten Körperhaltung wieder

• Der Arbeitstisch und der Arbeitsstuhl sind so

aufzustellen, dass eine freie Bewegungsfläche resultiert

• Zwischen Ober- und Unterschenkel soll ein rechter

bis stumpfer Winkel bestehen, wobei der Fuß voll

auf dem Boden stehen muss

–Stuhlhöhe anpassen

–Fußstütze verwenden

• Empfohlener Sehabstand

–50 – 80 cm

• Der Kopf soll gerade oder leicht nach

vorn geneigt gehalten werden können

– Obere Kante des Bildschirms

darf höchstens so hoch sein wie

das Auge

– Der Monitor ist entsprechend

aufzustellen bzw. die Sitzhöhe zu wählen

Sehen

• Im Monitorumfeld sind gleichmäßige

Helligkeiten zu gewährleisten

• Blendungen/Reflexionen/Spiegelungen auf dem

Bildschirm vermeiden

• Freien Blick nach Außen möglichst gewährleisten

• Ständige Adaption (Anpassung) verhindern

• Ständige Akkommodation (Fokussieren) verhindern

• Angebot: angemessene Untersuchung der Augen und

des Sehvermögens durch eine fachkundige Person

Zur Behebung von Missständen…

• Vorgesetzten informieren

• Zuständigen IT Support informieren

• ASI Fachkraft informieren

Monatsthemen im SÜDZUCKER Intranetportal:

http://intranet.szgroup.net/sz/de-de/Arbeitsschutz/

Mitarbeiter/Monatsthemen/Pages/default.aspx

Mit

zum

Sicherheit

Tischhöhe 720 mm

5-15°

Erfolg!

August 2011

Beschäftigte

Monatsthema

Bildschirmarbeitsplätze

Grundlage ist die Bildschirmarbeitsplatzverordnung BildscharbV (Stand 31.10.2006)

Bildschirmarbeit definiert sich über 3 Punkte

•Zwischen Ober- und Unterschenkel

soll ein rechter bis

stumpfer Winkel bestehen,

wobei der Fuß voll auf dem

Boden stehen muss

Bildschirmarbeitsplatz

Bildschirmgerät

Bildschirmarbeitsplatz

Bildschirmgerät

Gemäß BG Merkblatt T044 kann sie bereits ab

einer täglichen Arbeitszeit von mehr als

2 Stunden relevant sein

> 90°

> 90°

Oberschenkel

waagerecht

Sehen

•Im Monitorumfeld sind gleichmäßige Helligkeiten zu

gewährleisten

•Blendungen/Reflexionen/Spiegelungen auf dem

Bildschirm vermeiden

•Freien Blick nach Außen möglichst gewährleisten

•Ständige Adaption (Anpassung) verhindern

•Ständige Akkommodation (Fokussieren) verhindern

•Angebot: angemessene Untersuchung der Augen und

des Sehvermögens durch eine fachkundige Person

Zur Behebung von Missständen

•Vorgesetzten informieren

•Zuständigen IT Support informieren

•Sicherheitsfachkraft informieren

Bildschirmarbeit – mögliche Gefährdungen

•Muskelskelettsystem

•Sehapparat

•psychische

Beanspruchung

Körperhaltung

Oberarm senkrecht

•Rechter Winkel zwischen Ober- und Unterarm

•Die Handgelenke nicht nach oben abknicken

•Häufiges Drehen des

Kopfes und/oder

verdrehtes Sitzen

sind zu vermeiden

•Der Arbeitstisch und der Arbeitsstuhl sind so aufzustellen,

dass eine freie Bewegungsfläche resultiert

•Empfohlener Sehabstand

•Der Kopf soll gerade oder leicht nach vorn geneigt

gehalten werden können

Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz

Mit

zum

Sicherheit

Erfolg!

Februar 2013

Die Unfallpyramide

Jeder Verletzung gehen schätzungsweise

10 unsichere Handlungen voraus.

Wodurch wird unser Verhalten beeinflusst?

•Interesse an der Gesundheit

(eigene, der Kollegen und Mitarbeiter)

•Stellenwert der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes

in der Unternehmenskultur

•Unternehmenskultur = das sind wir!

•Rückmeldung (Feedback), sowohl bei

positivem Verhalten, also auch bei

Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften

Unterweisungsvideos

Wie sag ich´s

Lehmann I

Wie sag ich´s

Lehmann II

Verantwortung

übernehmen

1 Unfall

mit

Todesfolge

30 schwere Unfälle

300 leichte Unfälle

3.000 Erste-Hilfe Fälle

30.000 unsichere

Handlungen und

Bedingungen

Durch die Nutzung des mobilen Internets können aufgrund anfallender

Datenmengen Kosten entstehen. Bitte beachten Sie, dass der Verbindungsaufbau

automatisch erfolgen kann. Bitte informieren Sie sich vorab bei Ihrem

Netzanbieter/Vertragspartner über die Ihrem Tarif entsprechenden Datengebühren.

Monatsthema

„Immer hinschauen & ansprechen“

positive

Konsequenzen

positives

Verhalten

Unsichere Handlungen

•Warum unternehmen wir unsichere Handlungen?

•Wie kommt es, dass wir Gefahren nicht wahrnehmen, obwohl wir es

besser wissen sollten?

• Gesundheit hat erst einen Wert, wenn sie nicht mehr da ist

• Gewöhnung und Erfahrung

Wenn wir wiederholt die Erfahrung machen, dass eine unsichere

Handlung keine negativen Auswirkungen hat, „lernen“ wir, dass diese

Handlungsweise vermeintlich sicher ist.

• Routine

• Natürliche Instinkte schützen uns nicht vor den

Gefahren einer technisierten Welt

• Wahrnehmung erfolgt immer nur bei

vorhandenem Interesse

Konsequente Vermeidung unsicherer Handlungen!

negative

Konsequenzen

negatives

Verhalten

Rückmeldung (Feedback)

beeinflusst unser Verhalten

•Rückmeldung (Feedback) zum

sicherheitsgerechten Verhalten ist

auf und zwischen allen Ebenen

gewollt und erforderlich:

• Führungskräfte gegenüber den Mitarbeitern

• Führungskräfte und Mitarbeiter untereinander

• Mitarbeiter gegenüber den Führungskräften

• Führungskräfte und Mitarbeiter gegenüber

Partnerfirmen und anderen Betriebsfremden

•Verwenden meine Kollegen

z.B. die notwendige PSA?

„Immer hinschauen & ansprechen“

Wir!

•Wir interessieren uns dafür, wie eine Arbeit ausgeführt wird

•Wir sprechen sichere und unsichere Handlungen an

•Wir achten aufeinander / Wir helfen einander

•Umgangston immer:

•Wir tun es für „UNS“ / Wir übernehmen Verantwortung

•Freundlich, respektvoll, bestimmt, angemessen

Erwische andere,

Verhalten wird unbewusst beeinflusst

wo sie es gut machen!

Es gibt immer eine unbewusste

Beeinflussung des Verhaltens der

Mitarbeiter!

•keine negativen Konsequenzen bei

positivem Verhalten

•keine positiven Konsequenzen bei

negativem Verhalten

•Rückmeldung (Feedback) nach dem

Prinzip: “Lob (und Tadel)”

Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz

Südzucker Intranet > Arbeitsschutz > Schulung > Monatsthemen

Fotos und Illustrationen: Südzucker

31


Berichte und Informationen

BG RCI.magazin 3/4 2013

Moderne Personalpolitik

Neues Förderprogramm unterstützt

kleine und mittlere Unternehmen

Das Förderprogramm „unternehmensWert: Mensch“ des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundes unterstützt

kleine und mittlere Unternehmen dabei, in ihrem Betrieb eine moderne Personalpolitik umzusetzen. Interessierte Unternehmen

können ab sofort die kostenlose Erstberatung wahrnehmen und eine Förderung beantragen.

Eine moderne, mitarbeiterorientierte Personalpolitik

steht im Mittelpunkt des neuen

Förderprogramms für kleine und mittlere Unternehmen

(KMU), das vom Bundesministerium

für Arbeit und Soziales initiiert und aus

Mitteln des Europäischen Sozialfonds und

des Bundes finanziert wird. „unternehmens-

Wert: Mensch“ wurde als Modellprogramm

mit einer Laufzeit bis Ende 2014 aufgelegt

und will Betriebe in bundesweit 30 Modellregionen

bei der Umsetzung einer zukunftsorientierten

Personalpolitik unterstützen.

36 regionale Beratungsstellen bieten ab sofort

Informationen zum Programm und eine

kostenlose Erstberatung an.

„unternehmensWert: Mensch“ umfasst

drei Beratungsschritte. Mittelständische

Unternehmen kontaktieren eine regionale

Beratungsstelle und können dort eine kostenlose

Erstberatung in Anspruch nehmen.

Dabei wird der konkrete Handlungsbedarf

analysiert und ermittelt, ob die grundsätzlichen

Fördervoraussetzungen vorliegen. Ist

beides gegeben, erhält das Unternehmen

einen Beratungsscheck und kann

die Förderung einer vertiefenden,

autorisierten Fachberatung

beantragen.

Die Fachberatung ist

ein zentrales Element

des Programms, weil

es dabei um konkrete

Verbesserungsschritte

im Unternehmen geht.

Helmut Ehnes, Leiter der Prävention der BG RCI und Vorsitzender

der „Offensive Mittelstand“, hier mit Rallye-

Fahrerin Jutta Kleinschmidt bei der Präsentation des Programms

„Guter Mittelstand: Erfolg ist kein Zufall“.


Foto: bgrci/jön

Informationen zum Programm sowie den beteiligten

Beratungsstellen und Fachberaterinnen und

Fachberatern sind unter www.unternehmens-wertmensch.de

zu finden.

Gemeinsam mit einem Fachberater werden

Ziele formuliert, Handlungsschritte festgelegt

und gemeinsam mit den Beschäftigten

der Umsetzungsprozess im Betrieb angestoßen.

Berücksichtigt werden dabei vier zentrale

personalpolitische Handlungsfelder:

Personalführung, Chancengleichheit und

Diversität, Gesundheit, Wissen und Kompetenz.

Mit dem Beratungsscheck können sich Unternehmen

80 Prozent der Kosten einer Fachberatung

bezuschussen lassen, 20 Prozent

müssen sie selber tragen. Die Fachberatung

kann – abhängig vom konkreten Unterstützungsbedarf

– zwischen einem und 15 Tagen

dauern und maximal 1.000 Euro (netto) pro

Tag kosten. Förderberechtigt sind Unternehmen

aus einer Modellregion, die weniger als

250 Beschäftigte haben und seit mehr als

fünf Jahren bestehen.

Ein weiteres Unterstützungsangebot bietet

die „Offensive Mittelstand“. Jeder Unternehmer

kann hier professionelle Hilfe

in Anspruch nehmen. Die freien oder institutionellen

Berater sind der Internetseite

der „Offensive Mittelstand“ (www.offensive-mittelstand.de)

zu entnehmen. Die genannten

Berater haben eine Schulung zu

den Zielen und Hintergründen der „Offensive

Mittelstand“ durchlaufen und erfüllen

damit auch Kriterien, die an die Fachberater

des Förderprogramms „unternehmensWert:

Mensch“ gestellt werden.

Helmut Ehnes, Leiter der Prävention der BG

RCI, ist Vorsitzender der „Offensive Mittelstand“

und fasst deren Ziele wie folgt zusammen:

„Die Initiative ‚Offensive Mittelstand

– Gut für Deutschland‘ ist eine nationale,

nichtkommerzielle und unabhängige Initiative,

die sich das Ziel gesetzt hat, die Wettbewerbsbedingungen

für den Mittelstand

zu verbessern. Die mehr als 150 Partner der

Initiative stammen hauptsächlich aus Bund

und Ländern, Unternehmerverbänden, Fachverbänden,

Innungen, Handwerkskammern,

von Qualitätssiegeln, Unfallversicherungen,

Forschungsinstituten, Krankenkassen und

Dienstleistern.“

Der Unternehmens-Check „Guter Mittelstand“

der Initiative Neue Qualität der Arbeit

(INQA) ist das zentrale Instrument, das

mittelständische Betriebe dabei unterstützt,

den Herausforderungen des Marktes gut vorbereitet

begegnen zu können. Der Check

fasst in elf relevanten Themenfeldern die

Erfahrungen erfolgreicher Unternehmen

und die Erkenntnisse arbeits- und organisationswissenschaftlicher

Forschung kurz

und prägnant zusammen.

Viele autorisierte Berater haben sich auf bestimmte

Themen des INQA-Unternehmens-

Checks spezialisiert. Sie bieten regional Seminare

an, in denen der Unternehmer unter

Anleitung den Unternehmens-Check durchführt

und mit einem individuellen Maßnahmenplan

für seinen Betrieb nach Hause geht.

Jeder Unternehmer kann mit dem Unternehmens-Check

innerhalb von 90 Minuten ermitteln,

welche Potentiale in seinem Betrieb

bisher noch ungenutzt sind. Dazu bewertet

er individuell seinen Handlungsbedarf, fasst

seine Ergebnisse in einem Maßnahmenplan

zusammen und setzt diesen im Betrieb um.

Ergänzend zum INQA-Unternehmens-Check

wurden zwei neue Checks veröffentlicht, in

denen speziell die Themenfelder Personal

und Innovation behandelt werden. Diese

Unterlagen können Interessierte kostenlos

anfordern bei der

„Offensive Mittelstand –

Gut für Deutschland“

Theodor-Heuss-Str. 160

30853 Langenhagen

Telefon: 06221/5108-22612

Fax: 06221/5108-22198

E-Mail: info@offensive-mittelstand.de

Internet: www.offensive-mittelstand.de

Burkhard Rehn, Elmar Neuhaus,

BG RCI, Mainz und Langenhagen

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3/4 2013 BG RCI.magazin Berichte und Informationen

63. Berlinale

Erfolgreiche Premiere für „GOLD – Du kannst mehr als du denkst“

Bundespräsident Gauck zeigt sich begeistert

Am Ende des Films schließt sich ein Kreis:

Wie schon zu Beginn verfolgt die Kamera

eine Schwimmerin, die mit kräftigen Zügen

durchs Wasser zieht. Vom Zoom geht

es in die Totale. Die Schwimmerin, Kirsten

Bruhn, ist nur noch ein kleiner Punkt in einem

grünblau glänzenden Ozean. Als das

Licht im Kinosaal nach dieser Szene wieder

angeht, brandet Applaus auf. Minutenlang

gibt es stehende Ovationen für den Regisseur,

sein Team, die Produzenten und die

drei Prota gonisten. Kein Zweifel: Die Premiere

von „Gold – Du kannst mehr als du

denkst“ bei der 63. Berlinale war ein Erfolg.

Teilnehmer der Paralympischen Spiele – der Australier

Kurt Fearnley (r.), die Deutsche Kirsten Bruhn (l.),

der Kenianer Henry Wanyoike (hinten l.) – und andere

Gäste mit Bundespräsident Joachim Gauck und seiner

Partnerin Daniela Schadt bei der Premiere des Films

„Gold – Du kannst mehr als Du denkst“ während der

63. Berlinale im Februar 2013.


Foto: picture alliance/dpa

Goldmedaillengewinnerin Kirsten Bruhn.

Foto: Malte Wittmershaus/dguv

Regisseur Michael Hammon dankt zuerst

Bundespräsident Joachim Gauck für die

Ehre, die er dem Film durch seinen Besuch

erweist: „Sie setzen damit ein Zeichen und

zeigen der Gesellschaft, wie wichtig es ist,

inklusiv zu sein.“ Den drei Athleten dankt

Hammon dafür, dass sie ihn „in ihr Leben

gelassen haben“. Immer wieder gab es während

der Vorstellung Szenenapplaus für

Henry Wanyoike, Kurt Fearnley und Kirsten

Bruhn. Offen und eindrucksvoll schildern

sie, ihre Familien und Freunde, was es heißt,

eine Behinderung anzunehmen und trotz

vieler Widerstände ein eigenes Leben aufzubauen.

„Wir wollen kein Mitleid. Es wird

Zeit, dass die Gesellschaft uns eine Chance

gibt“, sagt Henry Wanyoike im Film. Diese

Chance beginnt in der Regel mit einer guten

Rehabilitation, mit Menschen, die nicht

allein die Behinderung sehen, sondern die

Fähigkeiten jedes Einzelnen fördern und zu

schätzen wissen.

Fast spielerisch wechselt der Film die Kontinente.

Die Kamera verbindet drei Schicksale,

die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Das Bindeglied ist der Sport, der für alle drei

Protagonisten Antrieb und Lebenselixier ist.

Höhepunkt sind die Paralympischen Spiele

in London: Mit Spannung erleben die Zuschauer

noch einmal die Anspannung der

Wettkämpfe, den Jubel oder die bittere Niederlage

– die für die meisten doch nur neuer

Ansporn ist. Produzent Andreas F. Schneider

dankt zum Schluss der gesetzlichen Unfallversicherung

für ihre Unterstützung und allen

Beteiligten für das große Geschenk dieses

Films.

dguv/nul

33


Berichte und Informationen

BG RCI.magazin 3/4 2013

882 Rechnereinheiten finden in dem 100 Quadratmeter

großen Gebäude Platz: Reiner Krause,

Leiter des BG RCI-Kompetenz-Centers Rechenzentrum,

vor einem der 21 neuen Racks.

Das neue Redundanz-Rechenzentrum der

BG RCI befindet sich auf dem Gelände der

BG RCI-Bezirksdirektion Bochum.

Nahmen das neue Redundanz-Rechenzentrum

der BG RCI symbolisch

in Betrieb: BG RCI-IT-Leiter Karsten

Winschuh und Hans-Jörg Piasecki,

zuständiger Geschäftsführer der

BG RCI. Fotos: bgrci/mp/nul

Ersatz-Rechenzentrum für die BG RCI

Redundanz schafft Sicherheit

Bochum ist der Standort des Rechenzentrums der BG RCI. Hier laufen alle Datenströme zusammen, von hier gehen sie

bundesweit an alle Standorte der neuen Berufsgenossenschaft. Doch was, wenn es in diesem einen Rechenzentrum

einmal zu einem Totalausfall kommen sollte?

„In einem solchen Fall wäre die gesamte

BG RCI betroffen“, sagt Reiner Krause, „und

die Bildschirme blieben dunkel.“ Krause ist

Leiter des zuständigen BG RCI-Kompetenz-

Centers in Bochum und hatte von höchster

Stelle den Auftrag, die neue Berufsgenossenschaft

gegen die schlimmen Folgen eines

solchen Ausfalls zu wappnen. Jetzt steht

er voller Stolz neben einem nagelneuen 540

PS-Schiffsmotor, der automatisch anspringt,

sollte das Stromnetz einmal nichts mehr hergeben

und auch die riesigen Ersatzbatterien

all ihre Energie bereits abgegeben haben.

Selbst dann könnte das neue Rechenzentrum

dank eines 5.000-Liter-Dieseltanks 14 Tage

autark weiterarbeiten – so sehen sie aus, die

Grundvoraussetzungen unserer hochmodernen

Datenwelt.

Batterien, Schiffsmotor und Dieseltank sind jedoch

nur einige der Zutaten, die das neue Redundanz-Rechenzentrum

ausmachen. Untergebracht

in einem neu errichteten, von außen

eher unscheinbaren, kleinen Klinkergebäude,

beherbergt das neue Zentrum gewaltige Rechnerkapazitäten.

Wir befinden uns auf dem

Gelände der Bezirksdirektion Bochum der

BG RCI. Hier, im Innenhof, umgeben von den

drei mächtigen Flügeln des Verwaltungsgebäudes

aus der Nachkriegszeit, trifft Krause

die Vorbereitungen zur Eröffnungsfeier und erklärt

unermüdlich, was es mit der Redundanz

auf sich hat. Denn das „historische“ Rechenzentrum

der BG RCI befindet sich nicht an dieser

Stelle, sondern im Gebäude des Bochumer

BG RCI-Hauptverwaltungsstandorts in etwa

einem Kilometer Entfernung. „Das ist eine unglaublich

günstige Situation“, meint Krause.

„Wer ist schon in der Lage, in solch unmittelbarer

Nähe jeweils auf eigenem Gelände zwei

Rechenzentren zu betreiben“, fragt er sichtlich

zufrieden. „Die Datenverbindungen laufen

unterirdisch einmal die Straße entlang,

die beide Gebäude miteinander verbindet. So

haben wir uns kostspielige Datenleitungen zu

weit entfernten Standorten erspart. Wenn es

künftig in einem der beiden Rechenzentren zu

einer ernsthaften Störung kommt, kann das

jeweils andere Zentrum sofort einspringen,

ohne dass es in der weiteren BG RCI-Welt jemand

bemerkt.“ Fast zwei Wochen habe man

dann Zeit, nach einem Totalausfall alle wichtigen

Systeme wiederherzustellen.

Auch der für die IT zuständige BG RCI-Geschäftsführer

Hans-Jörg Piasecki zeigt sich

begeistert: „Wir haben die Qualität und Verfügbarkeit

unserer Kernsysteme deutlich

verbessert. Mit beiden Zentren erreichen wir

eine Kapazität von 120 Prozent. Davon können

wir auch weiteren Interessenten aus dem

Unfallversicherungsbereich etwas anbieten.

Über erste Kooperationen denken wir bereits

nach.“ 21 Racks finden in dem nur 100 Quadratmeter

großen Gebäude Platz, 882 Rechnereinheiten

können darin untergebracht

werden. Außerdem stehen vier Sonderstellflächen

für künftige Erweiterungen zur Verfügung.

Rechenzentrumsleiter Krause schwärmt

von Warm- und Kaltgangsystemen für eine

fein dosierte Kühlung, von den Wärmepumpen,

die einen Teil der Abwärme in den Heizungskreislauf

der Bezirksdirektion zurückgeben:

„Alles ist doppelt vorhanden und so

ressourcenschonend wie möglich. Dank einer

speziellen Datenverbindung findet eine permanente

Spiegelung zwischen den beiden Rechenzentren

statt.“ Und dann spricht er noch

von der Auslegung der LAN-Verbindungen und

der Speichernetzwerke, von der Zugangssteuerung,

der Einbruchmeldeanlage, der Brandfrüherkennungs-

und -löschanlage und ist mit

Karsten Windschuh, IT-Leiter der BG RCI, einig:

„Wir befinden uns mit der neuen Einrichtung

und den erreichten Qualitäts- und Verfügbarkeitsstandards

am oberen Ende des derzeit

technisch Machbaren.“

Nachdem das Bundesversicherungsamt in

Bonn das Bauvorhaben in Höhe von 1,4 Millionen

Euro im Jahr 2011 bewilligt hatte, begannen

im November 2012 die Rohbauarbeiten.

Im Frühjahr 2012 folgte der aufwändige Innenausbau,

und im Oktober des gleichen Jahres

begann die IT der BG RCI, das neue Zentrum

kontinuierlich zu bestücken. Am 18. Februar

2013 wurde das Redundanz-Rechenzentrum

eingeweiht. BG RCI-Architekt Schmitt:

„Vor allem freuen wir uns, dass wir durch die

Eigenleistungen bei der Planung und Bauüberwachung

und dank eines konsequenten

Controllings den ursprünglich veranschlagten

Kostenrahmen eingehalten haben.“


Norbert Ulitzka, BG RCI, Bochum

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3/4 2013 BG RCI.magazin Berichte und Informationen

Deutscher Verkehrssicherheitsrat:

ABS für alle Motorräder. Foto: dvr

30.000 Motorradfahrer verunglückten 2011 bundesweit

Motorradfahrer gehören zu den am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Im vergangenen Jahr sind 708 Biker

auf unseren Straßen ums Leben gekommen, ein Anteil von 17,6 Prozent an allen im Straßenverkehr Getöteten. 556

verloren ihr Leben auf Landstraßen und Autobahnen. Insgesamt sind über 30.000 Motorradfahrer verunglückt. Die

häufigsten Unfallursachen sind nicht angepasste Geschwindigkeit, mangelnder Sicherheitsabstand und Fehler beim

Überholen.

Aus Sicht des Deutschen Verkehrssicherheitsrates

(DVR) sind diese Zahlen nicht akzeptabel.

„Es bedarf konkreter präventiver

Maßnahmen, die Sicherheit der Motorradfahrer

zu erhöhen“, fordert DVR-Präsident

Dr. Walter Eichendorf.

Motorräder und Leichtkrafträder sollten unbedingt

mit ABS ausgerüstet sein. Im November

2012 stimmte das Europäische Parlament

für die serienmäßige Ausstattung

von Motorrädern ab 125 Kubikzentimetern

mit ABS, ab 2017 für alle neuen Fahrzeuge

und bereits ab 2016 für alle neuen Fahrzeugtypen.

Diese Entscheidung wird vom

DVR ausdrücklich unterstützt. „Allerdings

ist es aus Sicht der Verkehrssicherheit bedauerlich,

dass Krafträder ab 50 Kubikzentimeter

von der ABS-Pflicht ausgenommen

sind“, sagt der DVR-Präsident. Unabhängig

davon fordert der DVR die Hersteller schon

jetzt zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung

auf, alle Motorräder mit ABS auszurüsten.

Eine große Rolle spielen auch Licht und

Sichtbarkeit. In diesem Zusammenhang

sei zu begrüßen, dass Krafträdern die Verwendung

von Tagfahrleuchten ermöglicht

werden soll. Die Motorradfahrer sollten auf

geeignete, passende Kleidung mit Protektoren

achten und sich gut sichtbar machen,

das gelte auch für den Helm.

„Darüber hinaus ist die Teilnahme an Sicherheitstrainings

auf der Straße oder einem

Platz dringend zu empfehlen“, unterstreicht

Eichendorf. Das Training sollte den

DVR-Richtlinien entsprechen.

Neben Mensch und Maschine kommt es

aber auch auf sichere Straßen an. Bereits

mit wenigen Mitteln kann viel erreicht werden.

Zum Beispiel kann eine Unfallkurve

mit einem Unterfahrschutz sehr wirkungsvoll

entschärft werden. Die einfache Montage

unterhalb der Schutzplanke lässt einen

solchen Unfallbrennpunkt schnell aus

den Schlagzeilen verschwinden. Quer zur

Fahrbahn verlaufende Rüttelstreifen könnten

ebenfalls als wirkungsvolles und kostengünstiges

Mittel eingesetzt werden,

die gefahrenen Geschwindigkeiten zu reduzieren.

Das Unfallgeschehen im Zusammenhang

mir dem Motorrad sollte nach Auffassung

des DVR systematisch, detailliert und differenziert

erfasst und ausgewertet werden.

Das Notrufsystem eCall sollte auch

auf Motorräder ausgeweitet werden.

Ein weiterer wichtiger Sicherheitsaspekt

ist die Überwachung. „Eine intensivierte

Geschwindigkeitsüberwachung kann

die Verkehrssicherheit vor allem an unfallbelasteten

Streckenabschnitten infolge

hoher Überschreitungsquoten wesentlich

erhöhen“, sagt Eichendorf. Dabei sei die

mobile Überwachungsvariante mit Anhaltekontrollen

durch die Polizei zu bevorzugen.

dvr/n

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Berichte und Informationen

BG RCI.magazin 3/4 2013

ZKZ-Nr.: 57433 ISSN 2193-102X

Bundesweite Aktion am 15. Juni 2013

„Tag der Verkehrssicherheit“

Auch Unternehmen sind zur Teilnahme aufgerufen

Unter dem Motto „Gemeinsam für mehr Sicherheit!“ dreht sich am 15. Juni

wieder alles um das große Thema Verkehrssicherheit. Wie jedes Jahr am dritten

Junisamstag findet 2013 bereits zum neunten Mal der „Tag der Verkehrssicherheit“

statt.

Unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister

Dr. Peter Ramsauer ruft der

Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) im

Rahmen dieses bundesweiten Aktionstages

auch in diesem Jahr alle Mitglieder, Organisationen,

Institutionen, Städte und Gemeinden,

Unternehmen, soziale Einrichtungen

und alle weiteren Interessierten dazu auf,

mit Veranstaltungen und Aktionen auf das

Thema Verkehrssicherheit aufmerksam zu

machen. Dabei lautet die zentrale Botschaft:

Jeder kann dazu beitragen, die Unfallzahlen

zu senken.

Das Herzstück des Tages bilden die großen

Publikumstage auf zentralen Plätzen in großen

und kleinen Städten und Gemeinden.

„Doch es sind gerade auch kleinere Aktionen,

die dem Tag der Verkehrssicherheit

sein einmaliges, vielfältiges Gesicht geben:

Ein Thementag im Kindergarten oder in der

Schule, ein Tag der offenen Tür in einem Unternehmen

oder auch das einfache Aufhängen

eines Banners lenken die Aufmerksamkeit

auf das Thema Verkehrssicherheit und

regen zum Nachdenken an“, betont DVR-

Präsident Dr. Walter Eichendorf. Dabei gibt

es keine Vorgaben zu genauen Inhalten oder

Zielgruppen, jeder Mitstreiter kann seinen

Möglichkeiten entsprechend die passende

Beteiligung auswählen. „Der DVR freut sich

sehr, wenn sich viele Partner und Mitstreiter

am Tag der Verkehrssicherheit beteiligen,

und bietet gerne seine Unterstützung bei der

Ideenfindung an“, hob Eichendorf hervor.

Auf der Online-Plattform www.tag-derverkehrssicherheit.de

sind Checklisten,

Logos und bebilderte Dokumentationen

der vergangenen Verkehrssicherheitstage

zu finden. Es besteht die Möglichkeit, eigene

Verkehrssicherheitsaktionen zum Tag

der Verkehrssicherheit anzumelden, darzustellen

und somit eine breite Öffentlichkeit

darüber zu informieren. Aktionen oder Veranstaltungen

können über www.tag-der-verkehrssicherheit.de/site/anmeldung.aspx

angemeldet werden.

Jede Organisation, die sich am Tag der Verkehrssicherheit

2013 beteiligt, kann sich

auch mit der Homepage verlinken. Ansprechpartnerin

für den Tag der Verkehrssicherheit

in der Bonner DVR-Geschäftsstelle

ist Laura Breuer, Tel.: 0228/40001-34,

E-Mail: LBreuer@dvr.de.


dvr/n

Impressum

Herausgeber

Berufsgenossenschaft

Rohstoffe und chemische Industrie

Kurfürsten-Anlage 62

D-69115 Heidelberg

Verantwortlich

Thomas Köhler, Ulrich Meesmann, Hans-Jörg Piasecki

Chefredaktion

Ulrike Jansen

Redaktionsleitung

Norbert Ulitzka, Bochum

Redaktionsassistenz

Marina Prelovsek, Bochum

Kontakt

Redaktion BG RCI.magazin

Postfach 10 04 29, D-44704 Bochum

Hunscheidtstraße 18, D-44789 Bochum

Telefon 06221/5108-57006, Telefax 06221/5108-57098

E-Mail redaktion@bgrci.de

Internet www.bgrci.de

Redaktion

Dr. Michael Glück, Dr. Matthias Kluckert,

Jörg Nierzwicki, Burkhard Rehn,

Reinhard Seger, Dirk Zimmermann

Grafik

Daniela Stork, Bochum

Druck und Versand

te Neues Druckereigesellschaft mbH & Co. KG, Kempen

BGRCI.

Auflage

94.000

Erscheinungsweise

6 Ausgaben jährlich

Für unverlangte Einsendungen keine Gewähr.

Mit Autorennamen oder Namenszeichen versehene

Beiträge geben ausschließlich die Meinungen der

jeweiligen Verfasser wieder.

Personenbezeichnungen beziehen sich gleichermaßen

auf Frauen und Männer, auch wenn dies in

der Schreibweise nicht immer zum Ausdruck kommt.

Zitierweise: BG RCI.magazin, Heft, Jahrgang, Seite

© BG RCI, Heidelberg

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit

Genehmigung des Herausgebers.

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