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(Aus-)Bildung

Entwicklung der Arbeitslehre – PART 1)

MA bis 19. Jhdt. („vorberufliche Arbeitserziehung“)

> Wie wurde Arbeit Thema

schulischen Unterrichts ? <

Geschichte der

Arbeitserziehung und

vorberuflichen Bildung

17. Mai 2011

Sarah Olszewski / Marcel Eitzen / Valentin Schubert / Michael Frohnapfel


Überblick

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Wissenserwerb / (Aus-)Bildung

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TENDENZEN

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Wissenschaftsströmungen

• Systematisierungen des Erziehungsdenkens:

– Johann Friedrich Herbart (1776‐1841): „Allgemeine Pädagogik“ (1806)

– Friedrich Daniel Schleiermacher (1786‐1834):„Pädagogische

Vorlesungen“ (1813/1814)

– Wilhelm Dilthey(1833‐1911): „Über die Möglichkeiten einer

allgemeingültigen pädagogischen Wissenschaft“ (1888)

• 18./19. Jahrhundert: Verfestigung des Worts Bildung als Begriff,

• Anfänge in der Antike:

– Semantisch‐metaphorisch entstammt der Begriff Bildung dem Feld des

Bildens als Gestaltung und dem von Bildlichkeit.

– Wortgeschichte: Imaginatio ahd. bildunga bildunge (Mystik)

– Meister Eckart (1260‐1328) unter Einfluss der Imago Dei Vorstellung:

formatio Bildung

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Zeitgeschichte

• Von der Antike bis in die Moderne:

– kanonische ( materiale) Bildung der Septem Artes Liberales

• 19. Jahrhundert: Verfestigung des Bildungsbegriffs durch die

Neuorganisation des Bildungswesens

• Bedeutende Einschnitte:

– Anselm von Canterbury (1033‐1109) deutet die Erbsünde um und

eröffnet damit erneut die Möglichkeit der Selbst‐ und Weltgestaltung

– Bei Giovanni Pico della Mirandola (1463‐1494) in „Über die Würde

des Menschen“ wird der Mensch im Rahmen der göttlichen Ordnung

zum Bildhauer seiner selbst

– Johann Amos Comenius (1529‐1670): Bildung für alle Menschen /

Einteilung der Lebenszeit in Zyklen mit spezifischen Bildungsaufgaben

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HISTORIE DER ARBEITSLEHRE

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Geschichte der Arbeitslehre

• Kurzer allgemeiner Abriss zur Entwicklung der Schule seit dem Mittelalter

• Vom Mittelalter bis Mitte 18. Jh. Bildung u. Erziehung

hauptsächlich in Elementar- u. Lateinschule

• Elemantarschule:

• Kirchlich

• Für ärmere Bevölkerung

• Rudimentärer Lese - und selten Schreibunterricht

• Mangelhafte Unterrichtsqualität

• Lateinschule:

• Höhere Stände

• Latein u. (antike) Literatur

• Realitätsfern


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Wandel der Schule zu stärkerer

Realitätsbezogenheit

1) Merkantilismus

• Die auf Reichtum ausgerichtete Wirtschaftsweise des absolutistischen

Staates

2) Pädagogischer Realismus

Wandel zu rationalistischer Weltanschauung

• Empirisch- wissenschaftliches Denken

• Steigende Bedeutung exakter Naturwissenschaften

• Neue Entdeckungen und Erfindungen

Entsprechender Einfluss auf Pädagogik/Schule indiziert durch initiiert durch:


Entsprechender Einfluss auf Pädagogik/Schule

indiziert durch initiiert durch:

Wolfgang Ratke (1571 – 1635)

• Elementarunterricht in Muttersprache u. Naturkunde

• Führt den Begriff Didaktik ein

• Einfluss auf Comenius

J. A. Comenius (1592 – 1670) - Didactica Magna (1657)

• Alle alles mit Blick auf das Ganze Lehren

• Fächer wie Statistik, Mechanik, Ökonomik

• Praktische Tätigkeit der Schüler 1) Anschaulichkeit 2) Erwerb allg. Kenntnisse 3) Erkennen

der individuellen Neigung

Zusammengefasst:

• Abwendung inhaltlicher Ausrichtung auf Antike

• Muttersprache statt Latein

• Sachbezogene Fächer, statt ausschl. Sprachunterricht


Situation d. Berufsvorbereitung – u.

Ausbildung

• Veränderte Schulform nicht der Regelfall

• Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben u. Rechnen

werden als ausreichend erachtet

• Lehre bis zu 12 Jahren

• Qualität der Ausbildung alleine von

Betrieb/Lehrmeister abhäng

• Merkantilistische Schriften des 18. Jhdt. beklagen

Ausbildungssystem: Kinder werden unzureichend

bzw. gar nicht auf späteren Beruf vorbereitet

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Die drei Hauptgründe:

1) Fehlende Ausbildungsfähigkeit: Höherer Stand v. Kulturtechniken als

Voraussetzung v.a. in kaufm. Ausbildung

Konsequenz: Gründung v. Schreib- Rechen- Buchhalter- u. deutschen Schulen

Unterricht berufsbezog. Qualifikationen wie Briefe schreiben – Wechselrechnen -

Geldrechnen - Buchführen - Handelssprache (Franz. It.)

2) Ungenügende Praktische Lehre: Unwürdige Lehrbedingungen, schlechte

Lehrmeister Ergebnisse

Konsequenz: Schul. Berufsvorbereitung, um mehr Effektivität d. Lehre zu

Ermögliche

3) Ab dem 18. Jhdt. (Industrialisierung) relevant: Starker Anstieg theoretischen - u.

praktischen Wissens nicht mehr ohne schulisches Lernen u. Studium v. Literatur, in

der Praxis lernbar

Konsequenz: u.a. Entwurf des eigens darauf ausgerichteten Pädagogiums A.H.

Frances

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Berufsvorbereitung im System von

Biografisches:

• 1656 – 1730

• Kaufmannslehre in Lyon

• Polyhistor

Paul Jacob Marperger

• 1700 – 1730 Publikation mehrerer wirtschaftspädagogischer Schriften

Sein Ausbildungssystem in vier Phasen (hier am Bsp. der Kaufmannslehre,

Gültigkeit auch für Handwerk u. Verwaltung)

1) Vorbereitungszeit bis zum Berufseintritt: Besuch der Schreib-, Rechen- und

Buchhalterschule, um neben Kulturtechniken auch Buchführung u. Grundkenntnisse

in Fremdsprachen zu lernen

2) Lehre & Besuch der Kaufmannsakademie

3) Gehilfenjahre

4) Berufl. Weiterbildung als selbstständiger Kaufmann

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Grundlagen der AL

Marpergers erste Phase der Berufsausbildung

=

heutige Arbeitslehre

• Hat schon 1715 theoretisch ausgearbeitete Grundlage

• Wird seit Mitte d. 18. Jhdt. in Anfängen praktiziert

• Erstmalige Aufstellung v. Berufseignungsanforderungen, als

weiterer Punkt in dem Marperger der Schule die

Verantwortung für den berufl. Werdegang zuspricht

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Entstehung der Realschule


- Lateinschule für akademische Berufe

- Schreib-, Rechen- und Buchhalterschulen für

Handels- und Handwerksberufe


- J.J Hecker fordert eine 3. Art von Schule:

eine ökonomische und mathematische

Realschule

- 1747 gründete er in Berlin eine

Universalschule


Philanthropinismus


Pestalozzi (1746 -1827)

• Philanthropist, Schul- / Sozialreformer, Philosoph & Politiker

• Vorläufer der Anschauungspädagogik

– und der daraus Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen

Reformpädagogik

• Pädagogisches Ziel:

– die ganzheitliche Volksbildung,

– Stärkung der Menschen für das selbständige und

kooperative Wirken in einem demokratischen

Gemeinwese.

– Eltern sollten befähigt werden, mit dieser Bildung im

Elternhaus zu beginnen und ihren Kindern entsprechende

Vorbilder zu sein

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• Gegenentwurf zum Gymnasium

• Widerstandscharakter

• Bilden allg. praktische Fähigkeiten aus

• Neuhumanisten fordern Spezialschulen


Inwiefern bedeutet schulische Berufsvorbereitung

eine frühe berufliche Spezialisierung?

Die bayerische Hauptschule

Angebot der

Ganztagsklasse

Berufsorientierende

Bereiche

Individuelle

Förderung

Kooperationen

Sozial- und

Arbeitsverhalten


Leistungsmerkmale der Hauptschule

Berufsorientierende

Bereiche

Vertiefte Berufsorientierung ab der Jahrgangsstufe 8 in den

berufsorientierenden Bereichen Technik, Wirtschaft und Soziales

Die Spezialisierung auf einen berufsorientierenden Bereich ab der

Jahrgangsstufe 8 ermöglicht einen vertieften Wissenserwerb im gewählten

arbeitspraktischen Bereich.


Unterschied zwischen Realschulen

und Philanthropine?


• Philanthropen wollen eine Allgemeinbildung

mit Arbeitspädagogischen Einschlag

• Realschulen primär eine Berufsbildung, ohne

allgemeine Fächer zu vernachlässigen


ARBEITS- UND INDUSTRIESCHULEN

IN DER VORINDUSTRIELLEN ZEIT

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Industrieschulen

• Industrieschulen: Vorbereitung für niedere Beruf: Tageslöhner in

Landwirtschaft, Manufakturen, bei Handwerkern

• merkantilistisches Motiv: Steigerung der Volkswirtschaftlichen

Produktivität durch berufliche Tüchtigkeit aller (auf Reichtum gerichtete

Wirtschaftsweise des absolutisitschen Staates → Hemmungslose

Ausbeutung der Menschen; aber nicht als Ewrklärung für Armut gesehen,

sondern Faulheit der niederen Schichten)

• sozialpädagogisches Motiv: dem Betteln entgegen wirken

• Charakter: Armen- und Waisenanstalten, Arbeits-, Werk- und

Manufakturhäuser für Kinder und Erwachsene;

• Arbeit: Spinnen, Stricken, Weben

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Europäischer Vergleich

• Holland, England: 16Jhd. Arbeitshäuser für Armenkinder → später

Industrieschulen

• London 1730: 1318 Armenanstalten; 19.348 Jungen; 3911 Mädchen

• Ziel: eine gute Erziehung(sittlich, religiös) und Berufsvorbereitung

• „Die armen Kinder werden nicht nur auf eine bessere Art und zu besseren Sitten

erzogen, sondern dadurch auch an ein gewerbefleißiges Leben gewöhnt und

nützliche Glieder des Gemeinwesens“

• Deutschland: 17- 19.Jhd. Kameralisten und Pädagogen greifen Ideen auf: Arbeit,

Unterricht, Erziehung

• Arbeitslehre → Armen und Berufspädagogik

• Curriculum: Armenpflege, Armenerziehung, produktive Arbeit,

Berufsvorbereitung, religiöse Unterweisung

• Orte für Arbeits-, Werks- und Waisenanstalten mit Spinnsaal usw: Braunschweig,

Halle, Darmstadt, Mainz, Kassel, Hamburg, Bremen, Bielefeld, Fulda, Potsdam,

Berlin

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Volksschulen

• Volksschulen: Ende 18jhd. → Pädagogen diskutieren

„Erziehung durch Arbeit“

• Ferdinand Kindermann (1740- 1801): Reformation des

Volksschulwesensim Sinne des Industreischulwesens (1780) in

Böhmen:

• 674 Industrieschulen in Böhmen; 231 Westfalen,

Würtemberg: 1807/8: 450; 1822: 342

• Religiöser Elementarunterricht, mit ökonom. Nutzen: Spinnen,

Flechten, Stricken der Kinder

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Philanthropinismus

• Aufklärungspädagogik: 17./18Jhd. Erziehung des Menschen zur

Vernünftigkeit durch Ausbildung der Verstandeskräfte zum Zwecke

der Wohlfahrt der Menschen (PHILANTHROPINISMUS)

• Ende: Verhältnis von Arbeit, Unterricht, Erziehung nicht im

Gleichgewicht:

• Industrieschulen → fabrikähnliche Einrichtungen; Volksschulen →

arbeitsfremd

• Seckendorff 1670: „Auf das Studium müsste in diesen Häusern

garnich..., sondern allein auf Hantierung gedacht werden“

• Wagemann 1791: „Die Industrieschulen haben den Zweck, daß die

Kinder nur über das, was sie später machen wollen, nachdenken“

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Neuhumanismus

• Kritik des Neuhumanismus: Erziehung zur Animalität; Bildung zur Bestialität

• Zur Theorie und Praxis der vorberuflicehn Arbeitserziehung für Mittel- und

Oberschichtkinder im 19.Jhd

• „Alle unsere Schulen haben den allgemeinen Fehler an sich, daß die Jugend in

denselben mit keinem Wort von denḿselben unterrichtet wird, was sie einmal

in dem bürgerlichen Leben nöthig hat“ (Justis 1758, bedeutend für 19.Jhd.)

• Abwertung der Berufsschule: „Es gibt nur zwei Arten von Schule:

Erziehungsschulen und Berufsschulen; und das unterscheidende Merkmal in

der ersteren ist, daß sie sich ausschließlich mit der Menschenbildung

beschäftigt“ (Niethammer Anfang 19Jhd)

• „Was des Erwerbs und Fortkommens wegen gelernt wird, dabei kümmert man

sich nicht um die Frage, ob dadurch der Mensch schlechter oder besser werde.“

(Herbart)

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Gründe für die Wandlung

• Kritik des Neuhumanismus: schlechte Realität der Industrieschulen;

Abwertung von Real- und Handelschule → Rechtfertigung für Berufs- und

Wirtschaftsferne Lateinschule und Gymnasium

• Arbeitslehre aus Bereich der Bildungstheorie gedrängt

• Veränderung wirtschaftlicher und naturwissenschaftlicher Verhältnisse:

Maschinenkunde, Werkstoffkunde → Intellektuelle Fähigkeiten nötig

• „ ..die jetzige Gewerbetätigkeit und insbesondere die genannte Fabrikation

(ruht) weit mehr auf Benützung der Naturtätigkeiten und Beachtung der

natürlichen Eigenschaften als auf jener Handgeschicklichkeit. Eine

zweckmäßige Benützung der Naturtätigkeiten kommt nicht allein der Tätigkeit

der Hand zur Hilfe, sondern macht diese zum Teil sogar überflüssig...Wer aber

genötigt ist, die Naturkräfte zu benutzen..., der kann nichts anderes, als daß er

sich Kenntnisse zu verschaffen sucht.“ (Klöden, 1827)

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Neuhumanismus / Aufklärung

• Mit Aufklärung und Neuhumanismus erhält der Bildungsbegriff

seine spezifische Bedeutung als Fachterminus

– Seit Kant steht Bildung auch für die Möglichkeit des Menschen,

mündig und frei zu sein

– Dieser Gedanke leitet sich von Aristoteles‘ Denkfigur des

unbewegten Bewegers ab, die Aristoteles auf Gott

bezieht und Kant auf den Menschen überträgt

• Mit der Säkularisierung wird die Bildsamkeit des

Menschen zunehmend anthropologisch ausgelegt

• Funktionalisierung von Bildung ab dem 19. Jahrhundert

(Bildungszertifikate)

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Humboldt (1767 – 1835)

Bildung als Selbstzweck des Menschen

Bildung als Wechselwirkung von Ich und Welt

• Neuhumanismus:

– Verhältnis des Menschen zur Welt als individuelle

Selbstbestimmung

– Frage nach der Selbstzweckhaftigkeit des Menschen

Bildung = Arbeit an der individuellen Bestimmung des Menschen

und ist auf die Totalität des Menschen als endlich‐leiblichen Wesens

gerichtet.

Bildung als Ausformung der individuellen Kräfte basiert auf

Freiheit und Gleichheit, ist unabhängig von Standesgrenzen und

gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen

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Systematik nach Humboldt

• Dreistufiges Bildungswesens (sukzessiv):

– Elementarunterricht, Schulunterricht, universitärer Unterricht

• Elementarunterricht

– Möglichst allgemeine Vermittlung der elementarsten Kenntnisse –

Lesen, Schreiben, Rechnen

– Zudem geografischer, geschichtlicher und naturhistorischer Unterricht

für die, denen nur eine kurze Schulbildung möglich ist

• Schulunterricht

– Wissenschaftspropädeutikum im Anschluss an den

Elementarunterricht, „Lernen des Lernens“ als selbstständiges

Aufsuchen von Gegenständen und die Ausbildung der

„intellectuell‐mechanischen Kräfte“

• Hochschule

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Handelsschulen

• Handelsschulen werden weniger oder wandeln sich zu

(Handels-)Realschulen und nähern sich dem Gymnasium

• Unterrichtsfächer dreiklassige Handelsschule, ab 10

Lebensjahr: Religion, Deutsch, Rechnen, Mathematik,

Naturkunde, Geografie, Geschichte, Französisch, Italienisch,

Englisch, Kalligrafie, Zeichnen, Gesang

• Schultypen: Handlesrealschule, Realschule, Handelsschule,

Gewerbeschule, Höherebürgerschule

• → Allgemeinbildung, allgemeine vorberufliche

Arbeitserziehung: naturwissenschaftlicher Schwerpunkt,

Sprachenbildung

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Zielgruppe: Nichtstudierende

Bürgerkinder

• Zielgruppe: Nichtstudierende Bürgerkinder

• a) Kaufleute, Buchdrucker, Chemiker, Pharmazeuten, Besitzer und Aufseher in

Fabriken, Manufakturen, Landgütern, Maschinenbauer, Mechanicus, Opticus,

andere technische Künste, Baumeister

• b) Bau-, Berg- und Hütten-, Forst-, Finanz-, und Steuerwesen, ähnliche

Administrativefächer und Staatsdienst, Militär, Chirugie, Veterinärkunde,

Kanzelei, Justiz, Post, Volksschullehrer

• „ Die Kaufleute, Fabrikherren, die Schiffsleute und u. Dgl. konnten es sich nicht

verhehlen, daß ihre Söhne in den niedrigen Schulen zu wenig lernten, in den

Gymnasien aber Kenntnisse sich aneigneten, welche, wenn sie auch nicht

unnütz waren, doch zu fern von dem lagen, was man eigentlich wünschte.“

(Rotter 1862)

• Klassische Bildung ↔ berufliche Bildung: wertvolles Statussymbol ↔

Nützlichkeitskramschule

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Zur Theorie und Praxis der vorberuflichen

Arbeitserziehung für Unterschichtskinder im 19 Jhd.

• Unterschichtskinder: Handwerker, Bauern, Arbeiter, niedere Angestellte, Krämer etc.

• bei Lehre: Volksschule, Sonntags- und Gewerbeschulen; Berufsvorbereitende Schulen

gab es selten (Bauschulen)

• → meist keine Lehre z.B. Bauer, Krämer, Arbeiter

• Arbeitserziehung geringes Maß in Volks- Frei- und Armenschulen

• „Allen diesen Schulen war gemeinsam, daß sie überfüllt waren, daß schlecht

vorgebildete Lehrer in ihnen wirkten, der Schulbesuch äußerst unregelmäßig war und

sich oft nur auf kurze Zeit erstreckte. Die Anzahl der Armen- und Freischüler war in den

Großstädten sehr hoch. In Berlin bestand Ende der dreißiger Jahre mehr als die Hälfte

aller Schulkinder aus Armen- und Freischülern.“

• Curriculum: Elementarlernen (lesen usw.), religiöse Erziehung, Armenschulen:

produktive Handarbeit

• religiöse Weltanschauung → Haltung zur Arbeit → Fleiß, Gehorsam

• Kinderarbeit in Landwirtschaft, Industrie und Bergbau

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KONTEXTUALISIERUNG

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WO LAGEN DIE SCHWIERIGKEITEN:

VERKNÜPFUNG BERUF – SCHULE ?

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WANN BESTAND / BESTEHT DIE

BEREITSCHAFT ZUR BERUFSWAHL?

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WISSEN VS. STATUS ?

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Quellenangaben:

• Benner, Dietrich (1995): Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie. Eine

problemgeschichtliche Studie zum Begründungszusammenhang

neuzeitlicher Bildungsreform. Weinheim/München.

• Dauenhauer, Erich (1974): Einführung in die Arbeitslehre. München.

• Dedering, Heinz (2000): Einführung in das Lernfeld Arbeitslehre. München.

• Dörpinghaus, A./ Poenitsch, A./ Wigger, L. (2008): Einführung in die

Theorie der Bildung. Darmstadt.

• Horkheimer, Max (1952): Begriff der Bildung. In: Ders. (1985): Gesammelte

Schriften. Bd. VIII: Vorträge und Aufzeichnungen 1949–1973. Frankfurt a.

M., S. 409–419.

• Kuhn, T. S. (1978): Die Entstehung des Neuen. Studien zur Struktur der

Wissenschaftsgeschichte. Hrsg. v. L. Krüger. Frankfurt a.M.

12. Mai 2011 Anna Hummel / Michael Frohnapfel 43

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