9. Internationales MitOst-Festival in Budweis Neues ... - MitOst e.V.

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9. Internationales MitOst-Festival in Budweis Neues ... - MitOst e.V.

#25 Sommer

2012

9. Internationales MitOst-Festival in Budweis

Zu Gast in Budweis

Neues Engagement

Aktuelle Fragen der Beteiligung

Projekte & Initiativen

Das Vereinsjahr im Überblick


Liebe Leserinnen und Leser,

neue Formen der Kommunikation bringen neue Formen

des alltäglichen Miteinanders hervor. Das wurde in den 15

Jahren, die der Verein MitOst besteht, deutlich. Aus heutiger

Sicht erscheint die Gründung eines Vereins mit festen

Strukturen nicht mehr zeitgemäß. Aber gerade diese Basis

hat uns alle Entwicklungen aufnehmen und weitertragen

lassen. Um den vielen neuen Formen des Engagements

zu begegnen, stellten wir 2011 das Thema »Neues Engagement«

in den Mittelpunkt. Auch das 9. MitOst-Festival

stand im Zeichen neuer medialer und gesellschaftlicher

Beteiligung.

Viel Vergnügen beim Lesen

wünschen

Christoph Schulz (Vorstand)

und Antje Kohlrusch (Redaktion)

Wir danken den Förderern

des 9. Internationalen MitOst-Festivals.

Das Projekt »Internationale Netzwerkstatt Neues Engagement«

wurde unterstützt durch das Programm »Europa für

Bürgerinnen und Bürger« der Europäischen Union.

Und wir danken unseren lokalen Partnern:

Barevný děti

Kredance

Město České Budějovice

Jihočeský kraj

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MitOst-Magazin Nr. 25


Inhaltsverzeichnis

9. Internationales MitOst-Festival

Wie war’s? 4

Budweis von A bis Z 6

Kultur erleben 7

Humor von zwei Seiten 8

Neues Engagement

Der neue Bürger 10

Fall Russland: Welchen Bürger brauchen wir? 12

Selber machen – neue Formen des Engagements 13

Im Tandem: kulturelles und kreatives Engagement 14

Projekte & Initiativen – das Vereinsjahr im Überblick

15 Jahre MitOst: MitFeiern 16

Salon Alt-Moabit 20

Beim Vorstand nachgefragt 21

Alles neu macht der Mai 24

Projekte 2011 26

kultur-im-dialog.moe 30

MitOst-Magazin Nr. 25 3


9. Internationales MitO

Wie war’s?

Von Katharina Krimm

Mischa Badasyan (Russland)

Was hat dir an Budweis gut gefallen?

Ich habe gar nicht damit gerechnet,

dass Budweis ein so großes kulturelles

Angebot hat – Kinos, Theater, ich habe

ganz viele Plakate gesehen. Es gibt sogar

Kinderfestivals.

Wie fandest du das Festival?

Ich bin schon länger mit dabei und

wie immer gab es ein volles und

vielfältiges Programm. Es gab viele

Workshops und ich konnte gar nicht

so viele besuchen, da ich selbst zwei

Workshops angeboten habe. Es ist das

erste Festival, bei dem ich selbst etwas

gemacht habe und es ist für mich eine

gute Erfahrung gewesen.

Was nimmst du für dich mit nach

Hause?

Ich mache auf jeden Fall weiter bei den

Festivals und möchte mich noch mehr

als in diesem Jahr im Programm einbringen.

Marcel Wolf (Deutschland)

Was hat dir an Budweis gut gefallen?

An Budweis hat mir die Altstadt an

sich gut gefallen, vor allem der große

Marktplatz. Ich habe mich insgesamt

sehr wohl gefühlt.

Wie fandest du das Festival?

Am Festival hat mir die offene Atmosphäre

gefallen, der informelle Bereich,

dass man viele interessante Leute kennengelernt

hat, die Partys am Abend,

aber auch die Workshops. Es war eine

wirklich angenehme Mischung.

Was nimmst du für dich mit nach

Hause?

Ich nehme vor allem mit, mich wieder

und mehr gesellschaftlich zu engagieren,

weil das bei mir etwas eingeschlafen

ist. Ich spüre, dass diese Erfahrungen

etwas in mir bewirkt. Außerdem

finde ich die Workshops sehr hilfreich.

Linnéa Mühlenkamp (Deutschland)

Was hat dir an Budweis gut gefallen?

Budweis hat mir sehr gut gefallen,

die Stadt hatte einen wunderbaren

Charme, der durch das tolle Wetter

noch besser zur Geltung kam. Auch

die Festivalzentrale war perfekt gewählt.

Leider hatte ich keinen Kontakt

zu den Menschen dort, da das straffe

Programm des Festivals nicht viel

freie Zeit zuließ.

Wie fandest du das Festival?

Für mich als Neuling bei MitOst war

das Festival besonders aufregend. Ich

habe die Bekanntschaft vieler netter

Menschen gemacht, die Strukturen

des Vereins besser kennengelernt und

die internationale Atmosphäre des

Festivals genossen. Die Seminare fand

ich inspirierend und ansprechend gestaltet.

Durch den Austausch über

Projekte und Ideen sowie durch die

Seminare habe ich viele Formen des

Engagements kennengelernt, gerade

auch aktuelle und zeitgemäße.

Was nimmst du für dich mit nach

Hause?

Vieles hat mich zum Nachdenken bewegt.

Insgesamt habe ich viele Eindrücke

und Ideen mit nach Hause genommen.

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MitOst-Magazin Nr. 25


st-Festival in Budweis

Angéla Nagy (Ungarn)

Was hat dir an Budweis gut gefallen?

An Budweis mag ich sehr, dass es eine

Kleinstadt ist, man aber trotzdem am

Wochenende viele Leute auf der Straße

sehen und viel unternehmen kann.

Es ist eine lebendige Stadt, die Leute

waren sehr nett zu mir und haben immer

versucht, mir zu helfen.

Wie fandest du das Festival?

Hier hat mir die Atmosphäre besonders

gut gefallen. Jeden Tag war es ein

gutes Gefühl, in der Festivalzentrale

zu arbeiten. Die Leute waren sehr

entspannt und alle waren offen. Die

Arbeit bei der Organisation war zwar

anstrengend, es hat mir aber viel Spaß

gemacht, weil ich Leute habe, mit denen

ich gerne zusammenarbeite und

deshalb war es für mich auch nicht so

schwer.

Was nimmst du für dich mit nach

Hause?

Ich nehme vor allem mit, dass ich

mit meinen Ideen nicht alleine bin.

Manchmal erscheint es mir so, aber

das stimmt nicht, weil es Leute gibt,

die sich wie ich engagieren, und den

Wunsch haben, etwas zu verändern.

Alexandra Chomová (Slowakei)

Was hat dir an Budweis gut gefallen?

An Budweis hat mir gefallen, dass es,

obwohl es eine architektonisch sehr

hübsche Stadt ist, sie nicht so von Touristen

überfüllt ist. Ich komme gerade

aus Prag und da konnte man sich

überhaupt nicht bewegen. Hier ist es

sehr harmonisch, was mir gut gefällt.

Wie fandest du das Festival?

Auf dem Festival bin ich dieses Jahr

zum ersten Mal. Am meisten gefällt

mir, dass man auswählen kann, was

man machen will. Es gab ein sehr breites

Angebot an Workshops und das

Rahmenprogramm war auch super.

Ich habe jeden Tag von morgens bis

abends etwas gemacht, aber niemals

hatte ich das Gefühl, dass ich überarbeitet

oder gelangweilt wäre.

Was nimmst du für dich mit nach

Hause?

Vor allem sehr, sehr viel Mut. Ich habe

herausgefunden, wie viele Möglichkeiten

man bei MitOst hat. Ich habe Leute

kennengelernt, mit denen ich etwas

anfangen kann. Diese Unterstützung

und Inspiration, die ich hier gesammelt

habe, ist ein Schatz.

Larissa Pavlyshynets (Ukraine)

Was hat dir an Budweis gut gefallen?

In Budweis haben mir vor allem die

engen Straßen gut gefallen. Man kann

sich zwar leicht verlaufen, aber man

spürt an jedem Fleck die schöne Atmosphäre

von Budweis. Es hat mir

auch gut gefallen, dass hier eine gewisse

Ordnung herrscht.

Wie fandest du das Festival?

Mit hat es gut gefallen, dass es eine so

große Menge an Workshops gab und

das Programm so effizient war. Man

hatte keine Zeit sich zu erholen oder zu

schlafen, das ist aber genau die Sache,

die ich vom Festival erwartet habe.

Was nimmst du für dich mit nach

Hause?

Ich nehme eine große Anzahl von Methoden

mit, die ich in meinem weiteren

Engagement benutzen kann. Ich

organisiere an der Uni einen Club für

Studenten, die Deutsch lernen möchten

und dort kann ich diese Methoden

anwenden. Dank dem Festival habe

ich sehr viel Neues darüber erfahren,

wie man Leute neugierig machen und

motivieren kann.

MitOst-Magazin Nr. 25 5


Budweis von A bis Z

von Katharina Krimm

A

B

C

D

E

F

G

H

J

K

M

N

O

P

R

S

T

U

V

W

Z

wie: Altstadt, die in Budweis wirklich sehenswert ist.

wie: Bankgebäude, welches den Reichtum der zugehörigen Bank verdeutlicht,

oder: barocker Brunnen, an dem wir uns auf dem Marktplatz versammelten,

oder: Brauereien, von denen es in Budweis einige gibt.

wie: Ceské Budejovice – 95.000 Einwohner und ein sehr lebendiger Ort.

wie: dauerbeschäftigt – sowohl unser Stadtführer als auch die anderen Organisatoren des Festivals.

wie: Engagement, das unser Stadtführer für uns aufbrachte,

oder: EU-Werbung, die uns auf dem Marktplatz in Form von Informationsständen präsentiert wurde, sogar in

deutscher Sprache.

wie: Fotoapparate, die unzählige Teilnehmer dabei hatten,

oder: fette Fliege, die aus noch ungeklärter Ursache am Stadtturm befestigt ist,

oder: frittierter Käse, der unglaublich lecker schmeckt und überall in den Restaurants angeboten wird.

wie: grandioses Wetter, das das Festival und natürlich unsere Stadtführung begleitete.

wie: historische Gebäude und Gassen mit besonderem Flair.

wie: jeder kann sich einbringen, was man bei den täglich wechselnden Events auf dem Marktplatz sehen konnte.

wie: Kastanien, die man im herbstlichen Budweis an vielen Orten finden und vielseitig verwenden konnte.

wie: Moldau und Maltsch, an deren Zusammenfluss Budweis liegt und deshalb schon immer vom Wasser

geprägt wurde,

oder: Marianische Kirche, eine der ältesten Kirchen der Stadt.

wie: nette Menschen, die einem in Budweis begegneten,

oder: Nikolauskirche, die man in Budweis besichtigen kann.

wie: Offenheit der tschechischen Menschen,

oder: Ordnung, die in der Altstadt herrschte

wie: Pfähle, auf denen viele Gebäude der von Wasser geprägten Stadt gebaut sind, z.B. auch der Stadtturm von

1549.

wie: Restaurants, von denen es in Budweis viele gibt, und die oft schöne Biergärten haben.

wie: Stadtplan, mit dem uns Zdenek den ehemaligen Verlauf der Stadtmauer deutlich machte,

oder: Slavie, der Ort der Festivalzentrale und Treffpunkt für viele Aktivitäten.

wie: Tiere, die an vielen Gebäudefassaden zu sehen waren,

oder: Touristen, die im Gegensatz zu Prag glücklicherweise nicht in größeren Mengen zu sehen waren.

wie: U Beranka, einem sehr netten Innenhof mit Ökomarkt,

oder: Umbau – ein Wort, das auf der Stadtführung sehr häufig fiel, da die Gebäude der Stadt immer mit der

architektonischen Mode gingen.

wie: viele Leute, die sich für die Stadtführung interessierten.

wie: Waffenkammer der Stadt, die heute das Motorradmuseum beherbergt.

wie: zweieinhalb erhaltene Wachtürme aus dem 14. Jahrhundert, die heute renoviert sind und besichtigt werden

können.

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MitOst-Magazin Nr. 25


Kultur beleben

Tereza Dobiásová war eine der Hauptorganisatorinnen des MitOst-Festivals in Tschechien. In

einem Interview mit Katharina Krimm denkt sie über die Organisation, Gelungenes, Misslungenes

und mögliche Zukunftsideen nach.

Wie waren die letzten Tage während des Festivals für dich?

Es war fein. Es war wirklich sehr viel Arbeit, auch ein bisschen

Stress dabei, aber eigentlich war alles nicht so schlimm.

Es war schön und hat mir gut gefallen.

Was hat dich bei den Vorbereitungen am meisten beschäftigt?

Das ist eigentlich schwer zu sagen, da es viele verschiedene

Punkte zu beachten gab. Sehr viel Zeit hat die Zusammenstellung

des Programms in Anspruch genommen, aber das

ist für mich Arbeit, die ich sehr gerne mache. Dabei haben

mir auch sehr viele Menschen geholfen, denen ich wirklich

dankbar bin. Das war für mich der schönste Teil der Arbeit,

das machte mir am meisten Spaß. Es gab aber auch andere

Sachen, die ich persönlich nicht so gerne mache, die aber

dazugehören, wie zum Beispiel Einladungen schreiben, alle

offiziellen Dinge klären und so weiter.

Welche Eindrücke waren für dich ganz besondere in den

letzten Tagen?

Das ist wiederum schwer zu sagen, da die Tage sehr voll waren

und man manchmal einfach von Moment zu Moment

leben musste. Der erste Tag – Mittwoch – war echt speziell

für mich. Ich habe um acht in der Früh angefangen und

dann bis ein Uhr in der Nacht moderiert und performt und

viele verschiedene Sachen gemacht. Es war unglaublich, was

ich alles gemacht habe und deshalb war es der intensivste

Tag für mich und die schwerste Arbeit, weil es der Anfang

war und man alles ins Rollen bringen musste.

Wie wurde das Festival von der Stadt Budweis aufgenommen?

Auf der offiziellen Ebene wurde es sehr positiv aufgenommen.

Die Stadt hat geholfen, die Gebäude und Räume kostenlos

zur Verfügung gestellt und wir haben Unterstützung

bekommen. Außerdem ist der Bürgermeister zur Eröffnung

gekommen, was für uns wirklich wichtig war. Wie das Festival

letztlich von der Stadt Budweis aufgenommen wurde,

kann man jetzt noch nicht sagen. Das wird man erst in der

Nachbereitung sehen.

Was würdest du den Organisatoren für das nächste Festival

mitgeben?

Es gibt wirklich viele Sachen, die man erst im Laufe der

Organisation und des Festivals bemerkt. Es sind zwar Kleinigkeiten,

man muss sie aber beachten. Mir persönlich ist

vor allem eines aufgefallen in diesem Jahr: Ich selbst arbeite

eigentlich viel mit Theater und Bewegung. Als ich das Festival

vorbereitet habe, ist mir dies aber irgendwie ein bisschen

entfallen. Auf einem Workshop haben die Menschen diskutiert,

wie sie das nächste Festival gerne haben möchten. Sie

haben gesagt, dass sie eigentlich viel mehr sensuelle Sachen

erleben und Dinge selbst machen wollen. Da ist mir aufgefallen,

dass das stimmt und man nicht immer sprechen und

schauen muss, sondern man auch viel selbst machen kann.

Darauf könnten die Organisatoren des nächsten Festivals

achten, denke ich. Generell ist es wichtig ein großes Team

zu haben, auf das man sich verlassen kann. Das Festival

sollte außerdem mit der Stadt verbunden werden.

Was möchtest du persönlich noch loswerden?

Was mir wirklich viel Spaß gemacht hat in den letzten Tagen

und Wochen, war, die Menschen zusammenzubringen.

Ich habe die letzten Tage wirklich genossen und das Festival

hat mir auch geholfen mit meiner Arbeit hier. Ich werde in

Zukunft viel in Slavie arbeiten und möchte es wieder zum

Leben erwecken. Das Festival war eine wichtige Aktion für

das Haus. Außerdem konnte ich selbst in den letzten Tagen

meine Arbeit auch ein bisschen von außen betrachten. Ich

bin jetzt mehr imstande zu formulieren, was ich mache und

wie ich etwas mache, was für meinen Einsatz wichtig ist.

MitOst-Magazin Nr. 25 7


Humor von zwei Seiten

Jan Faktor las auf dem MitOst-Festival in Budweis aus seinem Roman »Georgs Sorgen um

die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag«. In Prag geboren

und aufgewachsen zog Jan Faktor 1978 nach Ostberlin und engagierte sich dort in der

Untergrund-Literaturszene. Im Anschluss an die in der Reihe »Literarischer Mix« – »Literární

šleh« stattgefundene Lesung sprach Katharina Molitor mit dem Autor.

Wie würden Sie die ca. 650 Seiten Ihres Romans kurz zusammenfassen?

Das geht schlecht! Es sind im Grunde mehrere Bücher in

einem, denn es geht nicht nur um Georgs Familie, sein Jugendleben

und eine etwas anrüchige Liebesbeziehung. Für

mich ist es ein brisantes politisches Buch – gefüllt mit vielen

geschichtlichen Hintergrundfakten, die ich gründlich

recherchiert habe. Georgs detailbesessene Ich-Form-Plauderei

ist also alles andere als eindimensional. Die Sexualität

spielt im Buch eine wichtige Rolle, die unanständigen Textpassagen

wären an sich aber peinlich, wenn die anderen

Schichten fehlen würden. Zu Ihrer Frage, wenn Sie wollen:

Das Buch ist in erster Linie eine Abrechnung mit der totalitären

Tschechoslowakei. Die Verlogenheit des damaligen

»parteieigenen« Staates – vor allem nach der Okkupation

von 1968 – hat mich persönlich lange genug gequält, das

Rebellische in mir nur verstärkt.

Wie sind Sie auf diesen langen Titel gekommen?

Ich wollte im Titel unbedingt Prag unterbringen – vor allem

für die deutschen Leser. Dieser Bezug sollte auf den ersten

Blick klar sein; für mich ist es ein durch und durch tschechisches

Buch, ein Buch über mein Prag von damals. Ich

habe schon vor 25 Jahren angefangen den Roman zu schreiben,

damals noch auf Tschechisch – und er hieß nur »Georgs

Sorgen um die Vergangenheit« (also: »Jiříkovy starosti

o minulost«); Punkt. An dem langen Titel habe ich dann

natürlich lange gebastelt. Prag kommt darin eher unauffällig

vor, und das war Absicht. Weil der »heilige Hodensack«

den Titel so dominiert, fällt es nicht weiter auf, dass ich den

ganzen Aufwand vor allem wegen der Ortsbezeichnung betrieben

habe.

Ihre früheren Bücher (bis auf den letzten Roman »Schornstein«)

haben ähnlich lange Titel – stand dahinter die

gleiche Taktik?

Ich habe beim Schreiben von Anfang an experimentiert und

habe auch immer gern provoziert – und außerdem wollte ich

mich möglichst nie formal wiederholen. Im Grunde habe

ich versucht, anders zu schreiben als alle anderen, nichts

und niemanden nachzuahmen. Zu der Titelproblematik:

Üblicherweise haben die Bücher prägnante, hoch poetische

Einwort- oder einfach kurze Titel, lange Titel sind eher verpönt.

Im Grunde steckt hinter meiner ausufernden Titelästhetik

ein kleiner Scherz: Als ob ein Titel – wenn er so lang

ist – über das ganze Buch wesentlich mehr sagen könnte

als ein kurzer. Das ist natürlich Quatsch. Lange Titel bringen

einfach eine gewisse Ironie ins Spiel. Einen mitunter so

absurden Titel kann man doch nicht ganz ernst nehmen,

oder? Die etwas absurde Pseudofülle im Titel hat schon bei

meinem ersten Georg-Buch (1989) gut funktioniert. Sie soll

auch ein Hinweis darauf sein, dass ich mich als Autor nicht

ganz so ernst nehme.

Sie haben vorhin beschrieben, dass Georg keine schnulzige

pathetische Lyrik mag – Sie scheinbar auch nicht?

Warum haben Sie die Komik als Variante gewählt, um

über das Leben während einer politisch trostlosen Zeit zu

schreiben?

Weil ich keine Kunst mag, die jammert, klagt und um

Mitleid bittet. Die eigentliche Verarbeitung der eigenen

Vorgeschichte ist – denke ich – erst dann vollbracht, wenn

man über die Dinge wieder lachen kann. Wenn man alles

überstanden hat und wieder mit Leichtigkeit über die egal

wie tragischen Ereignisse sprechen kann, dann hat man sie

auch überwunden. Dann ist einiges offenbar gut ausgegangen.

Im Grunde bedeutet für mich ein humorvoller Zugang

die höhere Form der künstlerischen Verarbeitung, also

auch mehr Qualität an Überwindung.

Warum haben Sie das Buch auf Deutsch geschrieben, wo

doch Tschechisch Ihre Muttersprache ist?

Ich schreibe seit 1985/86 auf Deutsch. Ich spreche im Alltag

kaum Tschechisch, deshalb bin ich im Tschechischen nicht

mehr wirklich sicher. Und mein Publikum war und ist einfach

seit dreißig Jahren in Deutschland. Erst beim Übersetzen

der ersten Kapitel habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir

macht, wieder auf Tschechisch zu arbeiten. Wie anders und

originell ich mich immer noch ausdrücken kann … und

was für eine wunderbare Sprache das Tschechische ist. Und

wie anders! Aber trotzdem ist meine erste Sprache, in der

mir die Dinge einfallen und in der meine Ideen besser fließen,

inzwischen das Deutsche.

Ihr Roman wird im Laufe des nächsten Jahres ins Tschechische

übersetzt, nachdem Sie aber schon einige bisherige

Übersetzungsvorschläge abgelehnt haben. Fällt es

Ihnen sehr schwer, den eigenen Text abzugeben und von

jemand anderem übersetzen zu lassen?

Das Problem ist, dass viele tschechische Übersetzer, die davon

leben müssen, eher mit Unterhaltungsliteratur zu tun

haben und sehr schnell arbeiten müssen. Sie würden meinen

Text glätten und sprachlich vereinfachen. Es gab viele

Gründe, warum die Suche so lange gedauert hat, aber inzwischen

ist alles gut ausgegangen. Theoretisch könnte ich

die Arbeit – mit einem guten Lektor – auch selbst leisten,

leider bin ich furchtbar langsam. Mir fehlt der tägliche Umgang

mit der Sprache, ich muss dauernd in Wörterbüchern

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MitOst-Magazin Nr. 25


nachschlagen. Manchmal würge ich ewig an einem einzigen

Satz, und erst nach einer weiteren Stunde fällt mir endlich

eine noch viel elegantere Lösung ein. Manchmal habe ich

an einem Vormittag nur eine einzige Seite geschafft. Schon

aus zeitlichen Gründen ginge das nicht.

Ergeben sich eigentlich ungewöhnliche Schwierigkeiten,

wenn man für deutsche Leser über Tschechien schreibt?

Ja und nein. Viele Deutsche kennen Prag und das Land

ganz gut, haben seit Langem tschechische Freunde. Natürlich

musste ich für die Deutschen einiges genauer beschreiben,

Zusammenhänge erläutern – teilweise waren es

natürlich Dinge, die den meisten Tschechen geläufig wären.

Beim Übersetzen habe ich dann mit Freude einiges einfach

weggelassen, kam dadurch wenigstens etwas schneller

voran. Im Grunde ist es aber ein tschechisches Buch, in

erster Linie für meine Heimat, mein »Tschechenland« geschrieben.

Mir ist es enorm wichtig, dass das Buch auch auf

Tschechisch erscheint.

Ja sehr! Die Reaktionen haben mir sehr zu denken gegeben.

Das Buch ist – charakterlich sozusagen – schon sehr tschechisch,

denke ich. Ich hatte sofort das Gefühl, der Roman

ist fürs Tschechische wie geschaffen. Es gibt außerdem noch

ein Filmprojekt. Eine Prager Produktionsfirma will das

Buch unbedingt verfilmen, man wartet aber natürlich auf

die Übersetzung. Der Produzent meint, ein Buch über diese

Zeit, über ein derartiges Familienleben – und vor allem

in dieser Art – gibt es im Tschechischen noch nicht. Wann

aber die Drehbuchschreiber werden loslegen können, und

ob es zur Realisierung überhaupt kommt, das steht in den

Sternen.

Haben Sie schon einen Plan für das nächste Buch?

Ich habe viele Ideen, leider noch keine wirklich zwingende.

Nach einem so grundsätzlichen Buch ist es nicht ganz einfach,

wieder durchzustarten. Weil ich aber nicht jammern

will, möchte ich jetzt Schluss machen.

War es heute Ihre erste deutsch-tschechische Lesung?

Nein. Aus dem Roman »Schornstein« gab es vor vier Jahren

schon eine Lesung bei der Buchmesse in Prag.

Sie sagten, Sie hätten die Textauszüge relativ frei ins

Tschechische übersetzt. Bei der abwechselnden Lesung

vorhin hat dann das tschechische Publikum viel lauter

gelacht und wir haben uns gefragt, ob es wirklich der gleiche

Text war. Ist es interessant für Sie, die unterschiedlichen

Reaktionen zu beobachten?

MitOst-Magazin Nr. 25 9


Neues Engagement

Der neue Bürger

In der Reformära der späten 1960er- und frühen 70er-Jahre wurde der Begriff Bürger wegen

seiner Engstirnigkeit und seines Konservatismus zum Feindbild. Inzwischen erlebt der Ausdruck

eine Umdeutung. Ist der Bürger zur positiven Sozialfigur geworden? Von Heiner Keupp

Es ist notwendig, einen Unterschied zu begreifen, den die

deutsche Sprache nicht gut auszudrücken vermag, den Unterschied

zwischen dem bourgeois und dem citoyen. Es geht

dabei um die Differenz zwischen dem Menschen, der sich am

kapitalistischen Wirtschaftsgeschehen stromlinienförmig

beteiligt und den Profit als seine Haupttriebfeder betrachtet,

und jenem Menschen, der den Anspruch hat, im Sinne der

Aufklärung und unter Wahrung elementarer Menschenrechte

sich an der Gestaltung der eigenen Lebensverhältnisse

zu beteiligen. Diese selbstbewussten Bürgerinnen

und Bürger, die sich einmischen, unbequem sein können,

die Macht kontrollieren, sich für Bürgerrechte engagieren

und den staatlichen Instanzen nicht als Untertan gegenüberstehen,

die sich die Wahrung und Weiterentwicklung

demokratischer Lebensformen zu ihrem Anliegen gemacht

haben, galt es erst zu entdecken. Und ich habe sie in den

unterschiedlichsten Projekten des bürgerschaftlichen Engagements

entdeckt.

Diesen Bürgertypus möchte ich in unseren Diskurs über

bürgerschaftliches Engagement hereinholen und meine

Fragen in vier thesenartigen Schritten aufnehmen und versuchen,

sie zu beantworten:

1. Bürgerschaftliches Engagement widerlegt den Diskurs

zu den Ichlingen

2. Bürgerengagement als soziales Kapital – von gleicher

Relevanz wie das ökonomische oder das öffentliche Kapital

3. Bürgerengagement als Agency: Wege aus der Ohnmacht

4. Experimentierbaustellen für zukunftsfähige Lösungen

Bürgerschaftliches Engagement widerlegt den Diskurs

zu den Ichlingen

Noch zu Beginn dieses Jahrtausends gab es gute Gründe,

Argumente gegen den konservativen Ichlinge-Diskurs zu

formulieren (Keupp 2001). Inzwischen werden die Ichlinge

von einer krisenbeunruhigten Gesellschaft als Leitbild

verabschiedet. So hat Horst W. Opaschowski (2010) seinem

Trendbuch den Titel »Wir! Warum Ichlinge keine Zukunft

mehr haben« gegeben und ein anderer Bestsellerautor, Richard

David Precht (2010), will »Die Kunst, kein Egoist zu

sein« vermitteln. Opaschowski richtet den Egomenschen

ein Begräbnis erster Klasse aus: »Hedonisten, hemmungslose

Ichlinge passen nicht ins Bild von Krisenzeiten, auch

und gerade im zwischenmenschlichen Bereich werden

Prinzipien wie Verlässlichkeit und Beständigkeit wieder

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MitOst-Magazin Nr. 25


Bedeutung zugeschrieben.« (S. 19). »Immerhin 88 Prozent

der Bundesbürger (Männer: 85 %; Frauen: 90 %) sagen, dass

für Egoismus in der Gesellschaft immer weniger Platz ist

und sie den Zusammenhalt suchen« (ebd).

Bürgerengagement als soziales Kapital – von gleicher

Relevanz wie das ökonomische oder das öffentliche Kapital

Die Ökonomie und vor allem das Finanzkapital scheinen

das einzige Gravitationszentrum politischen Handelns

geworden zu sein, dazu noch eines, das global irrlichtert,

national kaum mehr zu fassen ist und keine sicheren Orientierungspunkte

setzt. Ist es da nicht angesagt, den Blick

auf Einsichten zu erweitern, die wir in den letzten Jahren

gewonnen haben? Ich denke da an das Modell von Jeremy

Rifkin, der die Gesellschaft der Spätmoderne in dem Bild

eines dreibeinigen Hockers zu fassen versuchte. Die drei

Beine sind das ökonomische, das öffentliche und das soziale

Kapital. Aber Rifkin sieht eine Verkürzung der Perspektive,

die das soziale Kapital in seiner Zukunftsrelevanz vernachlässigt:

»Die politische Debatte verharrt bis heute im

Spannungsfeld von Markt und Staat – und wird so den Herausforderungen

und Chancen des neuen Zeitalters immer

weniger gerecht. Würde der gemeinnützige Bereich als dritte

Säule zwischen Markt und Staat ernst genommen, änderte

sich das Wesen des politischen Diskurses grundlegend.

Denn endlich würde sich eine vollkommen neue Sicht von

Politik und Wirtschaft, vom Wesen der Arbeit und Gesellschaft

eröffnen« (1997).

Bürgerengagement als Agency: Wege aus der Ohnmacht

Forschungen zur Lebensqualität haben aufzeigen können,

dass neben materiellen, sozialen und ökologischen Ressourcen

für Menschen von entscheidender Bedeutung ist, dass

sie Handlungsoptionen und Gestaltungschancen haben.

Diese Bedingungen individueller und kollektiver Handlungsfähigkeit

stehen im Mittelpunkt der Agency-Theorie

von Albert Bandura (1997). Selbstwirksamkeitserfahrungen

entstehen für Subjekte in Alltagssituationen, in denen

sie eigene Optionen entwickeln und erproben können. Sie

können auf diese Weise in ihren Lebenswelten Grundlagen

für ihre Handlungsfähigkeit und ein Vertrauen in die eigene

Handlungswirksamkeit erwerben. Ich bin davon überzeugt,

dass das bürgerschaftliche Handeln in diesem Sinne

die Lebensqualität positiv beeinflusst, weil es Selbstwirksamkeitserfahrungen

ermöglicht und Ohnmachtsgefühle

überwinden kann.

Experimentierbaustellen für zukunftsfähige Lösungen

Der gesellschaftliche Modernisierungsschub, der vor allem

seit den 1970er Jahren den gesellschaftlichen Grundriss

der Bundesrepublik nachhaltig verändert hat, hat in Form

neuer sozialer Bewegungen und Initiativen auch eine selbstaktive

Gestaltungskraft hervorgebracht. Die sozialen Experimentierbaustellen,

die den Freiwilligensektor zu einem

Innovationsgenerator haben werden lassen, sind als »emanzipatorische

Antworten auf Risiken der aktuellen Modernisierungsprozesse«

zu verstehen. Das ist aber nicht nur

rückwärtsgewandt eine sinnvolle Funktionsbeschreibung

des bürgerschaftlichen Engagements. In ihm steckt auch ein

großes Zukunftspotential. Aus der kleinen radikalen Minderheit,

die einst die Bundesrepublik aus der politischen

und psychologischen Immobilität der 50er- und frühen

60er-Jahre befreien wollte, aber oft in ihrem eigenen elitären

Zirkeln stecken blieb, ist gerade durch die Bürgerinnen und

Bürger, die man zunächst eher als Gegner sah und sie erst

spät als Citoyens erkannte, eine zivilgesellschaftliche Entwicklung

begonnen worden, die allerdings noch erhebliche

Entwicklungspotentiale hat, und deren Förderung höchste

Priorität haben sollte.

Der Soziologe und Psychologe Heiner Keupp war Professor

für Sozial- und Gemeindepsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität

München und ist seit 2008 im Ruhestand.

Keupp engagiert sich für die Erforschung und praktische

Förderung bürgerschaftlichen Engagements.

MitOst-Magazin Nr. 25 11


Fall Russland:

Welchen Bürger brauchen wir?

Wirtschaftliche und soziale Herausforderungen lagen in Russland in den letzten Jahren im

Fokus. Übersehen wurde dabei, dass auch die Zivilgesellschaft einer Förderung und Unterstützung

bedarf. Von Zoya Lukyanova, Sergei Tereshenkov

Die zivilgesellschaftliche Bildung in Russland stößt auf

dieselben Hürden, die für das ganze postsowjetische Land

charakteristisch sind. In den 1990er Jahren konzentrierte

man sich in erster Linie auf akute wirtschaftliche, soziale

und politische Probleme, die schnellstmöglich angegangen

werden sollten. Als Ergebnis mangelt es momentan am gesetzlichen

Rahmen für zivilgesellschaftliche Bildung, wobei

dieses Thema seit 2009 planmäßig mit dem der Patriotenbildung

verschmolzen wird: Auf der Staatsebene wurde der

Gesetzesentwurf »Zivilgesellschaftliche Bildung der Bevölkerung

der Russischen Föderation für die Jahre 2005-2008«

vorbereitet; ihm folgte das entsprechende Staatsprogramm

für die Jahre 2006-2010; für die Jahre 2011-2015 wurde allerdings

bereits ein Konzept der patriotischen Bildung gebilligt.

Man stellt sich also immer mehr die Frage, welchen

Bürger Russland im Endeffekt braucht – eine Persönlichkeit,

die die Realität kritisch reflektiert und sich ständig

an deren Verbesserung beteiligt, oder bloß einen Patrioten,

der das Gefühl der Liebe, Pflicht und Treue gegenüber

dem Vaterland pflegt? Nachteile der Gesetzesnormen auf

der föderalen Ebene lassen sich zum Teil durch die regionale

Komponente kompensieren: Diverse Dokumente zur

Entwicklung der zivilgesellschaftlichen Bildung gibt es

bzw. gab es in den Gebieten Brjansk (2006 – 2010), Lipezk

(2009 – 2012), Nischnij Nowgorod (2009 – 2013). Eine Reihe

von Dokumenten sind zurzeit in der Vorbereitungsphase

– Republik Dagestan (2013 – 2017), Region Krasnojarsk,

Gebiet Swerdlowsk und dergleichen. Die Region Perm,

deren Mittelpunkt oft als Hauptstadt der russischen Zivilgesellschaft

genannt wird, trug viel zur Entwicklung der

zivilgesellschaftlichen Institutionen sowie der fachlichen

Gesetzgebung bei. Früher wurde hier das Zielprogramm

»Entwicklung der politischen Kultur und zivilgesellschaftlichen

Bildung von der Bevölkerung der Region Perm für

die Jahre 2007-2011« verabschiedet, dessen neue Redaktion

für die nächste Periode (2013-2017) gerade debattiert wird.

1993 wurde die Gedenkstätte für die Geschichte politischer

Repressalien »Perm 36« eröffnet, die sich auf dem Gelände

des ehemaligen Lagers für politische Gefangene befindet.

Seit 2005 wird dort das Internationale Zivilgesellschaftliche

Forum »Pilorama« veranstaltet, das Fachleute und das

breite Publikum zur Diskussion aktueller historischer, politischer

und sozialer Themen anregt. Eine Novelle stellt in

diesem Jahr die Anknüpfung des Events an das Europäische

Jugendforum »Pilorama Lab« dar, das für junge Fachleute

gedacht ist, die bereits positive zivilgesellschaftliche Arbeitserfahrungen

gesammelt haben und an neuen Kontakten,

Kompetenzen und Fertigkeiten interessiert sind. Das

Beispiel der Region Perm und weiterer Gebiete zeigen die

Richtlinien für das Schaffen eines überregionalen gesetzlichen

Rahmens in Russland. Dabei sollten insbesondere die

folgenden Punkte berücksichtigt werden:

• Zusammenfassung aller entstandenen regionalen Programme

mit deren wissenschaftlicher und methodischer

Unterstützung in den Regionen und Kommunen

• Vertiefung der Konzeptinhalte, d. h. nicht bloße Deklaration

der Verbesserung der Rolle zivilgesellschaftlicher

Bildung, sondern konkrete Beschreibungen von Umsetzungsmechanismen,

-programmen und -instrumenten

• Schaffen eines Ausbildungssystems für Fachkräfte aus

dem zivilgesellschaftlichen Bereich

• Trennung der patriotischen Bildung vom Bereich der zivilgesellschaftlichen

Bildung

»Das System der zivilgesellschaftlichen

Bildung im Bildungssystem der Region

Perm wird aufgebaut. Allerdings

bleibt das Problem des Ausformens

vom rechtlichen Bildungsmilieu in

den Bildungsinstitutionen immer

noch aktuell. Wegen des rechtlichen

Analphabetismus werden Rechte von

Teilnehmern des Bildungsprozesses

ständig gebrochen: Dies könnte u. a.

durch Erhöhung vom Rechtswissen

Studierender, Schüler und ihrer Eltern

überwunden werden«.

Tatjana Margolina, Bevollmächtigte für Menschenrechte

in der Region Perm

»Sollte sich das Forum »Pilorama

Lab« als eine langfristige Initiative

erweisen, würde es zu einem weiteren

Bestandteil unseres sich entwickelnden

Projekts des Europäischen Zentrums

»Demokratische Kultur« heranwachsen,

das sich als eine Kommunikationsund

Bildungsplattform für aktive

junge Leader mit Beteiligung von

Fachleuten aus den entsprechenden

Bereichen versteht«.

Tatjana Kurssina, Exekutivdirektorin (Gedächtniszentrum

für die Geschichte politischer Repressalien

»Perm 36«)

12

MitOst-Magazin Nr. 25


Selber machen –

neue Formen des Engagements

Nach ihrem Workshop »Selber Machen – Neue Formen des Engagements« sprach Diplom-

Designerin Andrea Nienhaus aus Berlin mit der Workshopteilnehmerin Katharina Krimm, um

Ziele und Aufgaben des Neuen Engagements zu konkretisieren.

Was für eine Verbindung hast du zu MitOst?

Ich bin über meine Kollegin zu MitOst gekommen. Sie hat

mich angesprochen, da ich durch mein Arbeitsfeld sehr gut

zu diesem Festival gepasst habe.

Was waren die Ziele deines Workshops?

Ich wollte euch einen Überblick über das Vokabular geben,

das im Zusammenhang mit Neuem Engagement verwendet

wird. Mein Ziel war es, den Blick der Teilnehmer zu erweitern.

Ihnen zeigen, wie sie neue Ideen für eigene Projekte

bekommen und die Beispiele vor allem als Inspiration nutzen.

Wie kommst du dazu, dich mit der Thematik Neues Engagement

zu beschäftigen?

Mich hat schon immer interessiert, wie sich einerseits Sinn

und Inhalt und andererseits Gestaltung und visuelle Kommunikation

verbinden lassen. Allein für »schöne Bilder«

interessiere ich mich nicht, sondern ich stelle mir zusätzlich

immer die Frage: Wofür stehen sie? Bereits während meines

Studiums an der Universität der Künste in Berlin habe ich

mich sehr engagiert. Über einen studentischen Sozialmarketing-Wettbewerb

bin ich damals in die Thematik eingestiegen.

Gemeinsam mit Freunden war ich oft an eigenen

Projekten beteiligt. Bei den Beispielen, die ich im Workshop

gezeigt habe, habe ich selber mitgemacht oder sie mitentwickelt.

Was ist Neues Engagement für dich?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter denen man das Thema

betrachten kann. Ein Teil davon ist, dass es eher darum

geht, sich punktuell zu engagieren, sofort loslegen kann,

und man sich nicht langfristig in die Strukturen einer Vereinigung

einarbeiten muss. Das ist auf jeden Fall ein Aspekt,

die neue Kombination von Ansätzen ein weiterer. Ein

Beispiel dafür ist der Sozialhelden e.V.. Zum einen geht es

um soziales Engagement, zum anderen soll es Spaß machen

und ganz einfach sein. Wir ermöglichen es Menschen, sich

in ihrem Alltag »nebenbei« zu engagieren. Mit einem unserer

Projekte »pfandastisch helfen« zeigen wir das. Hier kann

man seinen Pfandbon ganz einfach einer gemeinnützigen

Organisation spenden. Resultat ist, dass sich jemand im Supermarkt

drei Sekunden engagiert. Neues Engagement hat

demnach zwei Seiten: Auf der einen Seite habe ich die Möglichkeit,

eine solche Engagementstruktur zu »be«nutzen,

beispielsweise als schneller Spender. Oder ich habe die

Möglichkeit, selber diese Strukturen aufzubauen, zu organisieren

und Projekte durchzuführen. Als Organisatoren

stecken wir da natürlich langfristiger drin und entwickeln

Ideen über einen längeren Zeitraum. Neue Formate und

Initiativen wie der »Park(ing) Day«, Carrotmob oder Bäume

pflanzen mit Wikiwoods haben zudem einen verstärkten

Eventcharakter. Die Anleitung zu diesen Formaten sind

quasi als »open source Quellcode« im Internet zu finden

und können gleichzeitig und global durchgeführt werden.

Das ist auch neu.

Wie siehst du Neues Engagement im Zusammenhang mit

dem Thema Nachhaltigkeit?

Wir haben bei unseren Projekten nicht gemessen, was die

Konfrontation damit bei den Menschen bewirkt. Es ist aber

sehr gut möglich, dass die Begegnungen der Initiativen mit

den Beteiligten etwas auslösen. An prominente Denkanstöße

erinnert man sich wahrscheinlich anders, als an eine

traditionelle Infoveranstaltung, weshalb solche kurzen Projekte

mit hohem Erlebniswert durchaus sinnvoll sind.

Was erhoffst du dir vom Neuen Engagement?

Manchmal engagieren sich Menschen extrem für eine Sache,

sind dabei aber auch sehr dogmatisch und urteilen hart

über diejenigen, die sich nicht in dieser Intensität engagieren.

Dieses polare »Ganz oder gar nicht« halte ich für keine

gute Option. Es wäre schön, wenn für diejenigen, die bisher

nicht von sich behaupten würden, sie engagieren sich, durch

die neuen Formen Engagement ganz selbstverständlich

wird, weil es nicht aufwändig, sondern eben ganz einfach

ist. Ich wünsche mir darüber hinaus, dass Engagement in

großen Teilen der Gesellschaft verinnerlicht wird und es ein

Bewusstsein für den wichtigen gesellschaftlichen Beitrag

gibt, den engagierte Menschen ehrenamtlich leisten.

Vielen Dank für deinen Workshop und das Interview!

Sehr gerne.

MitOst-Magazin Nr. 25 13


Im Tandem: kulturelles und kreatives

Engagement

Gemeinsam mit der European Cultural Foundation (Amsterdam) führt MitOst drei Programme

durch, die den Austausch zwischen Kulturmanagern aus der EU und den Ländern Ukraine,

Moldau sowie der Türkei beziehungsweise aus Europa und der arabischen Region fördern.

Durch die offene Form des informellen Austausches entstehen nicht nur Partnerschaften,

sondern auch kreative Ansätze, die künstlerische Projekte mit neuem bürgerschaftlichen

Engagement verknüpfen. Von Sylvana Jahre

Der Schlüssel für kulturelles und kreatives Engagement

liegt in der Diversität der Akteure, denn dadurch werden

bisherige Selbstverständlichkeiten erklärungsbedürftig und

Routinen infrage gestellt. Die gewohnten Mechanismen

greifen nicht mehr, was zu neuen Denkweisen und innovativen,

kreativen Herangehensweisen der transnationalen

Projektzusammenarbeit führt. Genau dies passiert bei Tandem

seit Anfang 2011.

Ziel des ersten Zusammentreffens war es, mögliche Kooperationspartner

kennenzulernen, eine gemeinsame Projektidee

zu entwickeln und sich schließlich zu einem Tandem

zusammenzuschließen. 24 Projekte zwischen Moldau –

EU – Ukraine und 16 Projekte zwischen der Türkei und

der EU werden gefördert. Über den Förderzeitraum finden

verschiedene Treffen und Arbeitsaufenthalte in der Türkei,

der Ukraine, Moldau und verschiedenen Ländern der EU

statt. Projekte werden ausgearbeitet und durchgeführt, und

schließlich erfolgen Präsentationen der Ergebnisse teilweise

in den Ländern selbst, aber auch auf den Abschlussveranstaltungen

im Mai in Chisinau (Moldau) und im November

2012 in Istanbul (Türkei). Darüber hinaus werden in Workshops

und Seminaren bürgerschaftliche und professionelle

Kompetenzen gestärkt. Denn internationale Projekte brauchen

neben Managern, Führungspersonen und Kuratoren

noch eine vierte Rolle, und zwar die der Kulturübersetzer.

Sie werden für ein erfolgreiches grenzüberschreitendes Zusammenarbeiten

auf Augenhöhe benötigt.

Zwei Projekte sollen exemplarisch zeigen, welche neuen

Horizonte sich eröffnen können, wenn ein Möglichkeitsraum

geschaffen wird, der mit den gewohnten Denkweisen

bricht und damit eine neue Verbindung von Kunst/Kultur

und zivilgesellschaftlichem Engagement entstehen lässt.

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MitOst-Magazin Nr. 25


Adventures of Trashpeople

Die »Abenteuer der Müllmenschen« sind Geschichten, erzählt

von Kindern und Jugendlichen (zwischen 8 und 12

Jahren) in Großbritannien und der Türkei. Obwohl die

Kinder während der Projektarbeit nicht reisen, findet ein

reger Austausch zwischen den Ländern mithilfe von Facebook,

Skype und anderen Medien statt.

Der eigene Hausmüll wird zunächst gesammelt, um dann

zusammen mit einer Künstlerin oder einem Künstler eine

3D-Müll-Person zu basteln und eine Fotostory zu produzieren.

Was passiert in dem kurzen Leben eines Müllmenschen,

wenn er oder sie die Chance hat, aus der Mülltonne

zu fliehen und echte Abenteuer zu erleben?

Jeweils sechs verschiedene Gruppen aus unterschiedlichen

Nachbarschaften arbeiten in Crook (England) mit Patrick

Burton (Jack Drum Arts), und Canakkale (Türkei) mit Erdinc

Alniak (Mavitay) zusammen. Die Geschichten spielen

in den Gegenden, aus denen die Gruppen kommen, und

werden allein anhand von Fotos erzählt. Durch das Projekt

wird den Kindern gezeigt, dass sie sich in ihrem Lebensraum

entfalten und kreativ sein können; dies wiederum

führt zu einer stärkeren Identifikation mit dem Ort. »Adventures

of Trashpeople« bereitet den Weg für Jugendliche,

um mehr Verantwortlichkeiten zu entwickeln und damit

zukünftig eher bereit zu sein, gemeinnützige Aufgaben im

Quartier zu übernehmen.

Unlimited Areas

Dieses Projekt verfolgt, wie das Tandem-Programm insgesamt,

die Idee, durch Unterschiedlichkeit auf der Grundlage

von gemeinsamen Interessen neue kreative Ansätze zu

entwickeln und Kunst zu schaffen. In Canakkale (Türkei)

und Paris (Frankreich) finden wöchentliche Workshops

in Tanz und Theater und der Arbeit mit Plastik als Kunstelement

statt, denen Installationen, Ausstellungen und Aufführungen

folgen. Das Besondere hieran ist der Austausch

zwischen geistig behinderten Menschen (zum Beispiel

Menschen mit Autismus, Down-Syndrom, Schizophrenie

oder anderen Krankheiten), unterrichtenden Künstlern

und den Mitarbeitern der Kulturorganisationen Personimages

(Frankreich) und CABININ (Türkei). Dabei geht es

nicht nur um die künstlerischen Produkte an sich, sondern

auch um die Entfaltung der kreativen Freiheit, um innovative

Ideen, um den Werteaustausch und das Miteinander

insgesamt. Gleichzeitig stehen die Gruppen aus Frankreich

und der Türkei im ständigen Kontakt miteinander durch

regelmäßige Treffen, Skype-Meetings und den gemeinsamen

Blog.

Für Menschen mit geistiger Behinderung wird durch »Unlimited

Areas« ein Raum geschaffen, in dem ihr »Anderssein«

als Stärke empfunden wird, in dem Mitmenschen von

und mit ihnen lernen wollen und sie künstlerisch tätig sind.

Der enge Kontakt und das Arbeiten mit behinderten Menschen

lässt auf der anderen Seite erfahrene Kunstpädagogen

gewohnte Praktiken hinterfragen, neue Ansätze finden und

soziales Engagement entwickeln, was bei zukünftigen Projekten

und Arbeiten Anwendung findet.

MitOst-Magazin Nr. 25 15


Projekte & Initiativen

15 Jahre MitOst: MitFeiern

Am 1. Dezember 1996 wurde der Verein MitOst in Stuttgart gegründet. Das 15jährige Jubiläum

wurde 2011 mit vielen Partys an unterschiedlichen Orten gefeiert.

.... in Berlin – Das Geburtstagsständchen gab es live –

MitSingen ausdrücklich erlaubt

In Berlin fand am 10. Dezember im Grünen Salon der Volksbühne

für alle MitOst-Mitglieder, Freunde, Partner und Unterstützer

ein besonderes Event statt. Mit einer Diashow aus

den letzten 15 Jahren MitOst-Geschichte wurden die Gäste

im gemütlichen Salon des Theaters begrüßt. Anschließend

moderierte Ulrike Kind eine Podiumsdiskussion mit Sabine

Krüger (Gründungsmitglied/Mitglied im ersten Vorstand),

Monika Nikzentaitis-Stobbe (ehemalig im Vorstand), Christoph

Schulz (aktueller 1. Vorsitzender) und Stephan Bull.

Bei dem Gespräch stand MitOst und seine Entwicklung vor

dem Hintergrund der Veränderungsprozesse in Europa im

Mittelpunkt. Waren 1996 die ökonomischen Unterschiede

zwischen Ost und West noch entscheidend, tragen heute

andere Herausforderungen und Entwicklungen zum Austausch

in Europa bei. Nach einem Geburtstagsständchen

wurde die Überraschung des Abends hineingetragen: zwei

Tische mit Pizza als Erinnerung an die legendäre »Gründungspizza«

vor 15 Jahren in Stuttgart. Für die richtige Partystimmung

sorgte das EASTBLOK MUSIC DJ TEAM.

... in Stuttgart – Nur mit Kostüm!

In Stuttgart wurde das MitOst-Jubiläum am 9. Dezember

2011 in einem kleinen Marionettentheater gefeiert. Fast 30

Mitglieder aus Stuttgart und Umgebung ließen sich auf das

Experiment ein, verkleideten sich als Prinzen, Musketiere

oder Burgfräulein und schauten gemeinsam das ungarische

Märchen vom sternäugigen Schäfer. Im Anschluss hatten

MitOst-Mitglieder Zeit bei Pilmeni und einem bunten Salatbuffet

über die Anfänge von MitOst, aktuelle Projekte,

Neuigkeiten aus aller Welt und unsere Pläne für 2012 zu

sprechen.

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MitOst-Magazin Nr. 25


– das Vereinsjahr

... in Pécs (Ungarn) – Im Cooltour Café wurde mit Schwung auf 15 Jahre MitOst angestoßen

... in Tbilisi (Georgien) – Auf der Feier in Tbilisi wurden Kerzen ausgeblasen

... in Kiew (Ukraine) – In Kiew mit einer kleinen Gruppe auf dem Maidan unter dem Tannenbaum und im Café

MitOst-Magazin Nr. 25 17


... in Rivne (Ukraine) – In Rivne zu Gast bei den Partnern von der Stiftung Regionale Initiativen

... in Köln – MitOstler feierten im Roten Platz

... in Darmstadt und Dresden – In Darmstadt und Dresden hielt man sich draußen mit warmen Getränken in Feierlaune

... in Omsk (Russland) – 15 Jahre MitOst feiert man im Berlin Kaffee

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MitOst-Magazin Nr. 25


... in Kudymkar (Russland) – MitOstler tanzen um die Wette (links), vor dem Tanzen gab es Rätsel zu lösen (rechts)

... in Kudymkar (Russland) –

Höhepunkt des Abends war: eine riesige MitOst-Torte

mit Wunderkerzen

Die MitOst-Party im russischen Kudymkar im Permer Kreis

am 3. Dezember war die erste Party weltweit zu Ehren des

15-jährigen Bestehens von MitOst. Hier trafen sich MitOst-

Vorstandsmitglieder, die Verantwortlichen des regionalen

Programms »Engagement täglich«, Theodor-Heuss-Alumni

sowie die Teilnehmer des deutsch-russischen Bilanzseminars

des Theodor-Heuss-Kollegs. Der Abend begann mit

einem Sektempfang und feierlichem Abendessen. Für die

Teilnehmer des Bilanzseminars war die anschließende

Verleihung ihrer Abschlusszertifikate ein aufregender Moment.

Danach lockerten lustige Spiele die Atmosphäre auf.

Animiert durch den Schauspielschüler Denis aus St. Petersburg,

traten die verschiedenen Theodor-Heuss-Kolleg-Jahrgänge

gegeneinander an. Sie tanzten um die Wette, trugen

Gedichte vor und sangen Lieder. Besonders Tino Rasche

sorgte für Stimmung, indem er die Partygäste zu einem fitnessähnlichen

Tanzprogramm animierte.

MitOst-Magazin Nr. 25 19


Salon Alt-Moabit

Der »Salon Alt-Moabit« in den Berliner Geschäftsräumen von MitOst ist zu einem festen

Veranstaltungsformat geworden. Zu verschiedenen Themen organisieren MitOst-Mitglieder

Filmabende, Lesungen und Vorträge. Im Vordergrund steht dabei stets das Gespräch.

Von Nils-Eyk Zimmermann

Ein Berliner Zimmer verbindet zwei Welten – die des Vorderhauses

mit der des Seitenflügels. Verbinden, das können

wir ja. Deshalb ist es natürlich, dass MitOst mit den neuen

Räumen der Geschäftsstelle ein wunderschönes Berliner

Zimmer zugefallen ist. Mitten in Berlin, nahe der Spree und

des Hauptbahnhofs in der Straße Alt-Moabit. Es stehen 52

Quadratmeter für lebendigen Austausch, Dialog, Vereinsarbeit,

Filme, Diskussionen, Versammlungen, Lesungen oder

Empfänge bereit. Die Räume können von Projektteams,

Gremien und für gemeinsame Veranstaltungen genutzt

werden. Im Juni 2012 stellten die Teilnehmenden des Projekts

»Rumänien durch die Kamera« Bilder und Texte aus.

Nach Absprache und an Wochenenden stehen auch eine

Küche und ein weiterer Besprechungsraum zur Verfügung,

genug Platz also für innovative Veranstaltungen.

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MitOst-Magazin Nr. 25


Beim Vorstand Nachgefragt

Dirk Bretschneider

Welches MitOst-Mitglied hast du zuletzt getroffen und

warum?

Meine Freundin ist Mitglied bei MitOst (ohne mein Zutun).

Abgesehen von ihr habe ich zuletzt Dresdner MitOst-

Mitglieder wie Maike Lindner und Kathrin Tittel getroffen,

einfach weil wir auch privat einiges gemeinsam unternehmen.

Außerdem soll es nach dem dritten BoschAlumni-

Forum nun bald schon einen Flohmarkt nach Stuttgarter

Vorbild in Dresden geben.

MitOst ist ein europäischer Verein. Wie drückt sich das

für dich aus?

Ist MitOst ein europäischer Verein? Wenn ja, dann kann

man das zum Beispiel an der Herkunft der Mitglieder und

an ihren Lebensläufen, an den Aktivitäten und Kooperationen

des Vereins oder an den Austragungsorten der MitOst-

Festivals erkennen.

Vereinsmitglieder werden älter und setzen andere Prioritäten.

Wie bringen sich die älteren Mitglieder in die

Vereinsarbeit ein?

Na, ich schätze, dass das Durchschnittsalter der Mitglieder,

die in Gremien des Vereins aktiv sind, höher ist als

das Durchschnittsalter aller MitOst-Mitglieder. Ansonsten

treten ältere Mitglieder sicher seltener in Erscheinung, aber

nicht weniger gewichtig: Dem Verein und seinen Gremien

tun sie gut mit manchem Impuls und manchem Rat. Ab

wann ist man eigentlich älteres Mitglied?

Ulrike Kind

Welches MitOst-Mitglied hast du zuletzt getroffen und

warum?

Im April den Vorstand in Berlin.

MitOst ist ein europäischer Verein. Wie drückt sich das

für dich aus?

MitOst stellt eine großartige Klammer dar, die ganz unterschiedliche

Hintergründe und Lebensgeschichten verbindet

und gleichzeitig für eine breite Schnittmenge sorgt.

Vereinsmitglieder werden älter und setzen andere Prioritäten.

Wie bringen sich die älteren Mitglieder in die

Vereinsarbeit ein?

Sie kennen oft die Wurzeln, Gründungsgeschichten und

frühen Ideale von MitOst und bereichern als Gedächtnis

aktuelle Debatten und Überlegungen. Sie sind häufig beruflich

»angekommen« und können jüngere MitOst-Mitglieder

beim Einstieg unterstützen.

Auf dem 10. MitOst-Festival werde ich …

… ein für mich ganz neues Land, Bulgarien, entdecken,

hoffentlich viele Gäste für den großartigen Schriftsteller aus

Ruse, Elias Canetti, gewinnen, gerne wieder in irgendeiner

Form mit vielen MitOst-Mitgliedern gemeinsam mit dem

Zug reisen und auf großartigen Ruse-Discos tanzen!

Auf dem 10. MitOst-Festival werde ich …

… angenehme Menschen wiedertreffen, die ich lange nicht

gesehen habe. Außerdem werde ich in diesem Jahr nicht

mehr als Schatzmeister kandidieren. Also: Interessenten

gesucht!

MitOst-Magazin Nr. 25 21


Tino Rasche

Welches MitOst-Mitglied hast du zuletzt getroffen und

warum?

Ich habe zuletzt Teresa Grünhage getroffen, weil ich eine

Finissage eines Kunstprojektes von ihr besucht habe, zu der

ich eingeladen war. Es ging um TagTool-Performances im

Lehmbruck-Museum Duisburg mit Jung und Alt.

MitOst ist ein europäischer Verein. Wie drückt sich das

für dich aus?

Für mich ist MitOst nicht nur ein europäischer Verein, sondern

fast ein weltweiter Verein. Für mich drückt sich das

vor allem darin aus, dass ich egal bei welcher Veranstaltung,

oder egal bei welcher »mitostigen« Gelegenheit ich egal wo

mit Menschen aus dem MitOst-Kosmos zusammenkomme,

es keine Rolle spielt und oft auch gar nicht mehr zu merken

oder gar wichtig ist, dass wir aus unterschiedlichen Kulturen

kommen. Denn die verbindendste Kultur ist vermutlich

sehr stark – die MitOst-Kultur!

Vereinsmitglieder werden älter und setzen andere Prioritäten.

Wie bringen sich die älteren Mitglieder in die

Vereinsarbeit ein?

Ältere Mitglieder bringen sich finanziell und ideell in das

Vereinsleben ein. Es gibt jung gebliebene Ausnahmen, die

hüpfen auch im hohen Alter noch auf Discos rum oder erfreuen

sich an dem bunten und kreativen »Durcheinander«

eines MitOst-Festivals. Denen geht dann ein Herz auf, wenn

sie wieder jung sein dürfen. Andere unterstützen das, was

jüngere machen, aus der Distanz, hier mit Rat und Tat und

Erfahrung aus der Vergangenheit, als Ansprechpartner. Der

Verein ist zum einen die Jugend, an die man gern zurückdenkt,

oder die Jugend, an der man sich im Alter erfreut,

weil man sie großgezogen hat.

Auf dem 10. MitOst-Festival werde ich …

…tanzen, und zwar hoffentlich mal so richtig!

Carolin Rölle

Welches MitOst-Mitglied hast du zuletzt getroffen und

warum?

Zuletzt saß ich mit Eszter Tóth in Berlin an der Spree in

einem schönen Cafe und wir haben uns über Regionalgruppen

bei MitOst und die verrücktesten Wohnorte unterhalten.

MitOst ist ein europäischer Verein. Wie drückt sich das

für dich aus?

Der Ausdruck europäisch ist geographisch gesehen bei

MitOst weit gefasst und wurde in den letzten Jahren sogar

noch ausgedehnt. Wir haben eine beeindruckende Ländervielfalt

– also Mitglieder aus den verschiedensten Ländern.

Dadurch kommen verschiedene Ideen, Ansichten und Herangehensweisen

zusammen. Tolle Projektideen werden

im Verein entwickelt. Wir leben meiner Meinung nach bei

MitOst Werte, die in und für Europa wichtig sind, wie Toleranz,

Freiheit und Gleichheit.

Vereinsmitglieder werden älter und setzen andere Prioritäten.

Wie bringen sich die älteren Mitglieder in die

Vereinsarbeit ein?

Unter älteren Mitgliedern verstehe ich berufstätige Mitglieder.

Meine Erfahrung – vor allem in Stuttgart – zeigt mir,

dass Engagement anders wird durch die Berufstätigkeit,

aber wir alle sind genauso motiviert bei MitOst wie früher,

einfach mit weniger Zeit. Wir organisieren Flohmärkte,

treffen uns regelmäßig zu Stammtischen, tauschen uns

aus, nutzen das Netzwerk und versuchen, einmal im Jahr

gemeinsam ein größeres Projekt durchzuführen.

Auf dem 10. MitOst-Festival werde ich …

… ganz viele Bekannte treffen, an spannenden Workshops

teilnehmen, mit hoffentlich vielen Mitgliedern die Mitgliederversammlung

besuchen, lustige Abende verbringen und

viel tanzen.

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MitOst-Magazin Nr. 25


Eszter Tóth

Welches MitOst-Mitglied hast du zuletzt getroffen und

warum?

Ich habe zuletzt Benny Spatz in Hamburg getroffen. Wegen

meines Studiums muss ich oft in die Hansestadt fahren und

dann fühle ich mich bei ihm und bei MitOst Hamburg immer

ganz herzlich willkommen.

MitOst ist ein europäischer Verein. Wie drückt sich das

für Dich aus?

Jetzt, wo ich diese Fragen beantworte, bin ich gerade im Zug

Richtung Wien, wo ich einige ehemalige Kulturmanagerinnen

treffen werde. Wir reisen aus Tschechien, der Schweiz,

Kroatien und Ungarn in die österreichische Hauptstadt, um

unser gemeinsames Alumniprojekt zu besprechen.

Vereinsmitglieder werden älter und setzen andere Prioritäten.

Wie bringen sich die älteren Mitglieder in die

Vereinsarbeit ein?

Bei MitOst kann sich jeder einbringen, z. B. in der Projektarbeit.

Formate gibt es unterschiedliche: groß und klein,

für Mitglieder mit viel oder wenig Projekterfahrung. Wenn

jemand keine Zeit für die Realisierung eigener Projekte findet,

aber trotzdem das Kribbeln der Vorbereitungszeit und

die Hochstimmung der erfolgreichen Durchführung miterleben

möchte, dann besteht die Möglichkeit als Mentor

ein Projekt zu begleiten und die eigenen Erfahrungen und

Kompetenzen anderen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.

Auf dem 10. MitOst-Festival werde ich …

... beim Planen bin ich nicht so gut – ich werde mich eher

spontan auf alles einlassen. Auf jeden Fall werde ich aber

sehr viel Spaß haben!

Christoph Schulz

Welches MitOst-Mitglied hast du zuletzt getroffen und

warum?

Gerade traf ich meine Vorstandskolleginnen von MitOst

Ulrike Kind, Carolin Rölle, Eszter Tóth und den Kollegen

Dirk Bretschneider zur zweiten Sitzung 2012 in unserer

Geschäftsstelle in Berlin. Einen ganzen Tag haben wir uns

vor allem mit dem Finanzbudget 2012/13 beschäftigt. Wir

tauschten uns aber auch über das bevorstehende 10. Festival

in Ruse, das darauffolgende Festival 2013, aber auch über

die nächste Ausgabe des MitOst-Magazins aus.

MitOst ist ein europäischer Verein. Wie drückt sich das

für dich aus?

Formal ist MitOst ein deutscher Verein mit Sitz in Berlin.

Die Idee und die Ziele von MitOst gehen jedoch weit darüber

hinaus: Engagement für eine lebendige Zivilgesellschaft

und kulturelle Vielfalt in Europa und seinen Nachbarregionen.

Mit diesem Selbstverständnis, das wir auf der Mitgliederversammlung

in Budweis 2011 beschlossen haben, versteht

sich MitOst als europäisches Netzwerk, mit Fokus auf

die Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Die Ziele von

MitOst sind allerdings zeit- und grenzenlos. Daher hat sich

der Radius unseres Engagements mittlerweile vergrößert.

Vereinsmitglieder werden älter und setzen andere Prioritäten.

Wie bringen sich die älteren Mitglieder in die

Vereinsarbeit ein?

MitOst ist ein recht junger und zugleich heterogener Verein.

Von den knapp 1300 Mitgliedern in 40 Ländern kommen

rund 800 aus Deutschland. Ca. 35 % unserer Mitglieder

sind über 35 Jahre alt, wobei die Mehrzahl der sogenannten

»älteren Mitglieder« in Deutschland lebt – verkürzt gesagt,

leben die jungen Mitglieder in Mittelosteuropa, Russland

und Georgien und die alten in Deutschland.

Auf dem 10. MitOst-Festival werde ich …

... dann endlich das erste Mal in Bulgarien sein und dabei

viele Mitglieder und Freunde nach langer Zeit wiedersehen

und mit ihnen ein tolles Festival erleben. Ich freue mich auf

eine große Beteiligung!

MitOst-Magazin Nr. 25 23


Alles neu macht der Mai

Alles neu macht der Mai, dachte sich der Projektbeirat 2011 auf der Sitzung in Leipzig und beschloss

dort eine umfassende Neustrukturierung des Projektbeirats, die nun seit dem Festival

in Budweis Gültigkeit hat. Hier werden die Arbeitsbereiche des Projektbeirats vorgestellt und

über die Leuchtturmprojekte des letzten Jahres informiert.

Gut beraten, ist halb gewonnen

Das Thema Mentorenpool ist seit langer Zeit im Gespräch

und war auf der 6. Planungskonferenz in Berlin Diskussionsgegenstand

der Arbeitsgruppe »Projekte bei MitOst«.

Ziel war es, eine Strategie zu entwickeln, wie der Projektbeirat

den Mentorenpool langfristig und effizient in seine Arbeit

einbeziehen kann. Es gilt nun, langfristig eine Struktur

zu schaffen, die allen Seiten gerecht wird, das heißt einen

Pool zu schaffen, der eine effiziente Beratung der Projektleiter

gewährleistet, dabei den Projektbeirat entlastet und

Anreize für ältere Mentoren schafft und neue fortbildet. Ein

erster Schritt wurde mit dem Expertenpool gegangen, der

alte Projektbeiratsmitglieder umfasst, die bei der Beratung

von Anträgen helfen. Eine erste erfolgreiche Testphase wurde

mit der letzten Sprach- und Kulturprojekte-Frist abgeschlossen.

Die Kommunikatorin ...

• beantwortet alle Erstanfragen an projektbeirat@mitost.

org und strukturiert die Diskussion innerhalb des Beirats.

• ist Ansprechpartnerin für die Geschäftsstelle in allen

organisatorischen Fragen.

• ist Betreuerin und Mentorin bei der Antrags- und Projektberatung.

• koordiniert den Mentorenpool und ist Ansprechpartnerin

für alle bisherigen und zukünftigen Mentoren.

• schreibt Beiträge für den Infobrief, damit alle Mitglieder

informiert bleiben, sowie über abgeschlossene Projekte

und zukünftige Fristen.

• definiert wichtige Themen für die Planungskonferenz

und das Festival.

• organisiert und leitet die Projektbeiratssitzungen.

... ist in diesem Jahr Elisa Satjukow.

Sie studiert Ost- und Südosteuropawissenschaften in Leipzig,

lebt derzeit in Belgrad und ist schon das dritte Jahr Mitglied

des Projektbeirats. Kommunikatorin wollte sie werden,

weil das Wort toll ist und weil sie flinke Finger hat und

damit am liebsten E-Mails schreibt.

Die Projektmanager ...

• sind immer zu zweit und beantworten inhaltliche Anfragen

von potentiellen Antragssteller.

• bestätigen den Eingang von Anträgen per E-Mail, prüfen

die Mitgliedschaft der Antragsteller und erstellen eine

Übersichtstabelle.

• betreuen Anträge und Projekte.

• verschicken die Zu- und Absagen bezüglich einer Projektförderung

sowie die Projektleiterpakete.

• überprüfen nach Abschluss eines Projekts die Abrechnung.

• bereiten das Projekthaus, die Festivaltombola sowie die

Präsentation der Projekte auf dem Festival vor.

... sind in diesem Jahr Anke Schilling und Martin Hofmann.

Martin promoviert als Soziologe an der Universität in

Darmstadt. Auch zum dritten Mal im Projektbeirat dabei,

macht es ihm immer mehr Freude zu sehen, wie engagiert

die MitOstler mit ihren Projekten die Welt gestalten.

Anke lebt in Leipzig und arbeitet als Wirtschaftsingenieurin

im familienbetriebenen Architekturbüro. Mit Freude

und Energie entwickelt sie neue Projektideen und setzt diese

um. Mitgliederprojekte sieht sie als Herzstück von Mit-

Ost und hat große Freude daran, Mitglieder bei der Umsetzung

und Organisation ihrer Projekte zu unterstützen.

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MitOst-Magazin Nr. 25


Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt...

... wusste schon der Philosoph Ludwig Wittgenstein. Da

der Verein immer mehr nicht-deutschsprachige Mitglieder

zählt und neue hinzugewinnt, nimmt der Projektbeirat nun

englischsprachige Anträge entgegen, coacht auf Englisch

und wird ab Sommer 2012 den Mitgliedern zweisprachige

Antragsformulare zur Verfügung stellen. Damit wird ein

Prozess angestoßen, der viel zu lange aufgeschoben wurde.

Šta ima?

»Was gibt‘s?« ist die Frage, die man in Serbien am häufigsten

zu hören bekommt. Die übliche Antwort lautet »Ništa«,

also »Nichts«, und das erfuhren die Besucher der MitOst-

Website, wenn sie sich in den letzten Jahren fragten, welche

Projekte aktuell laufen. Dem haben wir jetzt mit einem

Onlinekalender Abhilfe geschaffen. Wenn auch nur provisorisch

und lediglich für Mitgliederprojekte, so kann man

unter www.mitost.org/mitglieder/projekte/projektkalender

erfahren, was gerade wo ansteht. Eine kurze Inhaltsbeschreibung

sowie die Kontaktdaten der Projektleiter sollen

außerdem eine stärkere Partizipations- und Vernetzungsmöglichkeit

für die MitOst-Mitglieder bieten.

Die neue Beiratsstruktur

Seit Oktober 2011 hat der Projektbeirat zwei neue Gesichter

und eine andere Form. Statt der bisher sieben Mitglieder

sind es nun fünf. Um alle Aufgaben zu bewältigen, wurden

im letzten Jahr erstmals Verantwortungsbereiche definiert.

Und wenn ihr neugierig geworden seid und im Projektbeirat

mitarbeiten wollt, meldet euch per Email. Gewählt wird

auf der Mitgliederversammlung beim Festival!

Der MitOst 2.0 – Beauftragte ...

• aktualisiert die Projektseite auf der MitOst-Website.

• „facebookt« interessante Infos, wichtige Daten, nächste

Fristen etc.

• pflegt den Veranstaltungskalender auf der Website.

• koordiniert den KlickOst-Wettbewerb, sprich: bereitet

alle Anträge für die Website auf und betreut das Online-

Abstimmungsverfahren.

• betreut das Crowdfounding für Mitgliederprojekte bei

Betterplace.

• motiviert die Mitglieder zu Fundraisingaktionen (Flohmärkte,

Tombola etc.).

• ist Betreuer und Mentor bei der Antrags- und Projektberatung.

... ist in diesem Jahr Dirk Kollar.

Dirk macht seit Anfang dieses Jahres sein Referendariat in

Göttingen und wenn er nicht gerade Schülern etwas beibringt,

füttert er die digitale MitOst-Welt mit heißen News

aus dem Projektbeirat.

Die Vorstandsfrau ...

• repräsentiert den Vorstand innerhalb des Beirats und

den Projektbeirat innerhalb des Vorstands.

• ist Kommunikations- und Schnittstelle zwischen dem

Projektbeirat und Vorstand und Geschäftsstelle, das

heißt sie berichtet über Beschlüsse des Vorstands und

Neuerungen in der Geschäftsstelle und informiert den

Vorstand über die Anliegen des Beirats.

• verfasst Berichte und verhandelt und verwaltet das Projektbudget.

• ist Sprecherin für die Anliegen des Beirats auf der Planungskonferenz

und dem Festival.

• pflegt die Kooperation mit externen Stiftungen und

Geldgebern.

• organisiert externe Weiterbildungsprojekte für Mentoren

und den Beirat.

• ist Betreuerin und Mentorin bei der Antrags- und Projektberatung.

... ist in diesem Jahr Eszter Tóth.

Als echte Löwin kämpft sie seit zwei Jahren für das Projektarbeitsbudget

und hat dessen Verwaltung fest im Griff.

Dabei lebt sie zwischen Ungarn und Deutschland, schreibt

Bücher für Kinder und promoviert in Urbanistik an der

HCU in Hamburg.

MitOst-Magazin Nr. 25 25


Projekte 2011

Pimp my Banja Luka! NAMA JE STALO! – Da napravimo promjenu

Pimp my Banja Luka! hat die Stadt auf den Kopf gestellt. In einem 4-tägigen

Festival konnten die Jugendlichen ihre Stadt aus neuen Blickwinkeln erfassen,

mehr über gesellschaftliche Partizipation, Umweltbewusstsein, Toleranz und

Europa erfahren und sich dabei auch noch prächtig amüsieren.

Wo? Banja Luka, Bosnien und Herzegowina

Wann? 2. – 5. Dezember 2011

Projektleitung: Hannah Schrieverhoff

Kategorie: Kleinstprojekt

MitOst-Förderung: 337,26 €

Schreiben zwischen den Kulturen

Eine 23-köpfige deutsch-polnische Schreibwerkstatt schipperte und schrieb sich

auf dem Traditionssegler LOVIS durch die Wellen von Greifswald nach Szczecin

(Stettin) und zurück und erlebte dabei eine tolle abwechslungsreiche Woche.

Wo? Deutsch-polnischer Ostseeraum zwischen Greifswalder Bodden, Insel

Ruden, Usedom, Swinemünde, Stettiner Haff, Szczecin

Wann? 11. – 18. September 2011

Projektleitung: Hanna Gross, Katharina Molitor, Katarzyna Możuch

Kategorie: Kleinstprojekt

MitOst-Förderung: 350 €

Cultural tour around Caucasus

Was verbindet Georgien mit Armenien und Aserbaidschan? Wie könnte man

Kultur als Mittel für Kommunikation und Zusammenarbeit in der Region nutzen?

Eine Gruppe engagierter georgischer MitOst-Mitglieder jagte in Baku und

Yerevan diesen Fragen hinterher…

Wo? Kaukasus: Georgien, Armenien, Azerbaijan, Tbilisi/Baku/Yerevan

Wann? Juli – September 2011

Projektleitung: Teona Dalakishvili

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 1.852 €

Na pivko? Kneipengeschichten – ein Reiseführer durch die Slowakei

Wenn man ein Land aus der Sicht seiner Bewohner sehen will, geht man – in

die Kneipe! Auf dieser Weise entstand das spannende Portrait der Slowakei,

das jenseits üblicher Touristenführer Lust macht, ein Land zu entdecken, das

manchen bislang nur als andere Hälfte der Tschechoslowakei bekannt ist. Inspirationen

für eine eigene Reise und unterhaltsame Einblicke finden sich auf dem

Reiseblog: www.kneipengeschichten.wordpress.com

Wo? Slowakei

Wann? 1. August – 28. September 2011

Projektleitung: Lena Scheidig

Kategorie: Kleinstprojekt

MitOst-Förderung: 351,24 €

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Grenznah – an der Peripherie von Belarus

Wie gestalten die Menschen in der belarussischen EU-Grenzregion ihr Leben?

Dieser Frage folgend erkundeten junge Belarussen ihre Grenzregion von Grodno

nach Brest mit dem Fahrrad und dokumentierten ihre Eindrücke mit Fotos

und Reisetagebücher.

Wo? Belarus (von Grodno nach Brest)

Wann? 20. – 26. Juli 2011

Projektleitung: Dorit Happ

Kategorie: KlickOst Projekt

MitOst-Förderung: 420 €

Buchprojekt: Stimmen aus Bosnien-Herzegowina

Junge Menschen in einem Land mit schwieriger Geschichte. Was bewegt sie,

wie leben sie und was sind ihre Ziele und Hoffnungen? Einfühlsame Portraits

und Interviews stellen junge Menschen in Bosnien-Herzegowina in den

Mittelpunkt, die jenseits historisch-politischer Analysen Einblick in ihr Leben

gewähren. Blog und E-book dieses Projekts lassen sich unter www.bosniensstimmen.org

lesen.

Wo? verschiedene Städte in Bosnien-Herzegowina sowie Berlin

Wann? Juni – Dezember 2011

Projektleitung: Franziska Müller

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 1.474,40 €

Kickern Gegen Rassismus

Kickern – in Deutschland ein beliebter Zeitvertreib in der Kneipe, dem Jugendclub

oder dem Schülercafé. Doch nicht in allen Ländern ist die Kickerkultur

verbreitet. Ein hochengagiertes Team verbrachte mit Kickertisch im Gepäck

zwei Wochen in Serbien und Kosovo. Turniere und Workshops brachten so Jugendliche

verschiedener ehtnischer Hintergründe zum Teil erstmals zusammen

und ließ sie so erleben, dass ein respektvolles Miteinander möglich ist.

Wo? Novi Sad, Rahovec, Priština

Wann? 14. – 31. Juli 2011

Projektleitung: Dirk Kollar

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 1.803,74 €

Gestern-Heute-Morgen

Studenten gingen gemeinsam der Frage nach, wie die eigene Biographie und die

Geschichte der Heimatstadt miteinander in Zusammenhang stehen. Auf diese

Weise wurden sowohl das Thema der eigenen Identität als auch die Möglichkeiten

der aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft reflektiert.

Wo? Wolgograd, Wolzhshkij, Russland

Wann? 31. Mai – 5. Juni 2011

Projektleitung: Judith Wiedemann

Kategorie: Kleinstprojekt

MitOst-Förderung: 126 €

MitOst-Magazin Nr. 25 27


Projekte 2011

Internationale Woche der Videokunst

Eine Woche lang setzten sich junge Menschen mit ihrer Gesellschaft und

zeitgenössischer Kunst auseinander. Dabei bekamen sie die Grundlagen der

Medien- und Videokunst vermittelt. Dies resultierte schließlich in einer selbst

erarbeiteten Online-Stadtführung.

Wo? Ischewsk, Russland

Wann? 18. – 25. Februar 2011

Projektleitung: Natalia Bobulyubskaya, Susen Seidel

Kategorie: Kleinstprojekt

MitOst-Förderung: 177,97 €

Kultur in einem Mülleimer

Neue Wege der Umweltbildung wurden in Perm gegangen. Im Zentrum stand

nicht die klassische Seminarform, sondern das Drehen von Kurzfilmen. Somit

wurde der Blick für die städtische Abfallproblematik geschärft.

Wo? Perm, Russland

Wann? 10. Januar – 11. März 2011

Projektleitung: Inna Leventschuk

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 990 €

Tomsk – alltägliche Interkulturalität

Das Projekt ging auf Spurensuche nach Interkulturalität in einer russischen Studentenmetropole.

Alltägliche Kommunikationssituationen standen bei diesem

Fotowettbewerb mit anschließender Ausstellung im Mittelpunkt und öffneten

so neue Perspektiven auf Tomsk.

Wo? Tomsk, Russland

Wann? Februar – März 2011

Projektleitung: Ekaterina Mankova

Kategorie: Kleinstprojekt

MitOst-Förderung: 76,62 €

HEAD lines

15 Studierende aus den Balkanländern setzten sich praktisch und theoretisch

mit Medien auseinander. So wurden nicht nur Arbeitstechniken vermittelt,

auch die Rolle und Bedeutung kritischer Medienberichterstattung und der

Pressefreiheit wurde thematisiert. Nicht zuletzt kam es zu einer Vernetzung von

angehenden Journalisten der Region.

Wo? Ruse, Bulgarien

Wann? 15. – 19. März 2011

Projektleitung: Bernd Janning

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 680,67 €

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MitOst-Magazin Nr. 25


Trick zwischen West und Ost

Kinder und Jugendliche aus Berlin und Novosibirsk setzten sich in zwei Trickfilmwerkstätten

mit ihrer Stadt und den russischen Spuren in Berlin bzw. den

deutschen Spuren in Novosibirsk auseinander.

Wo? Berlin, Novosibirsk

Wann? 31. Januar – 3. April 2011

Projektleitung: Xenia Maksimova, Yulia Delamere

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 2.000 €

Identifikation. Zwischen Fakt und Fiktion

Identität stand im Mittelpunkt dieses mehrstufigen Projekts. MitOst-Mitglieder

sandten ihre Gedanken ein. Diese wurden von einer internationalen Gruppe

aufgenommen und in einem Schreibworkshop zu Theatertexten verarbeitet.

Schließlich wurden diese ins Belarussische übersetzt und in einer szenischen

Lesung aufgeführt.

Wo? Minsk, Belarus

Wann? 1. Februar – 15. April 2011

Projektleitung: Iryna Herasimovich

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 2.000 €

Ohren auf, Orenburg!

Die Erstellung eines Audio-Stadtführers war der Anlass, Orenburgs Vergangenheit

und seine multikulturellen Bezüge zu entdecken. Die Teilnehmenden übten

dabei gleichzeitig Recherche- und Arbeitstechniken, trainierten ihre Stimme

und bekamen Einblick in die Arbeit eines Tonstudios. Der auf CD erhältliche

Stadtführer gibt auch deutschsprachigen Besuchern die Möglichkeit, Orenburg

für sich zu entdecken.

Wo? Orenburg, Russland

Wann? 16. – 18. März 2012

Projektleitung: Marie-Louise Tralle

Kategorie: KlickOst Projekt

MitOst-Förderung: 94,72 €

Deutsch trotz Allem!

Das Projekt brachte Jugendliche mit und ohne Behinderung

zu einem Wochenende auf dem Land zusammen.

Gemeinsame Aktivitäten halfen Vorurteile abzubauen,

Selbstvertrauen zu stärken und Deutsch zu lernen.

Wo? Pavlovdar, Lugansk, Kasachstan

Wann? März 2012

Projektleitung: Ina Werner

Kategorie: Sprach- und Kulturprojekt

MitOst-Förderung: 653,81 €

Fünfmal Rund im Eckigen

Wie verändert Biathlon eine Region und ihre Menschen?

Eine relevante Frage in Letohrad, Tschechien, wo der Sport

den Einwohner zum Weltbürger macht. Jugendliche der

Stadt haben in einem dreitägigen Projektworkshop auf

diese Frage eine Antwort gesucht.

Wo? Letohrad, Tschechien

Wann? 30. März – 1. April 2012

Projektleitung: Lysann Poláčková-Schönherr

Kategorie: KlickOst Projekt

MitOst-Förderung: 580,04 €

MitOst-Magazin Nr. 25 29


kultur-im-dialog.moe

Der Wettbewerb kultur-im-dialog.moe wird einmal jährlich ausgeschrieben. Als Nachfolgeprogramm

von nachbarschaft.moe werden eines oder mehrere größere Kulturprojekte gefördert,

die sich mit individuellen Erfahrungen oder nationalen Transformationsprozessen in

Mittel-, Ost- und Südosteuropa auseinandersetzen.

Der Wettbewerb kultur-im-dialog.moe wird einmal jährlich

ausgeschrieben und ist ein Kooperationsprojekt zwischen

MitOst und der Schering Siftung, die ihren Sitz ebenfalls in

Berlin hat und Projekte im Bereich Wissenschaft und Kultur

fördert. Seit zwei Jahren betreut Projektbeiratsmitglied

Martin Hofmann diese Fördermöglichkeit, die sich im Verein

großer Beliebtheit erfreut. In dem Nachfolgeprogramm

von nachbarschaft.moe werden einmal jährlich eines oder

mehrere größere Kulturprojekte gefördert, die sich mit

individuellen Erfahrungen oder nationalen Transformationsprozessen

in Mittel-, Ost- und Südosteuropa auseinandersetzen.

Eingereicht werden können Bewerbungen aus

den Bereichen Darstellende Künste, Musik, Tanz, Bildende

Kunst und Film, wichtig dabei ist, dass ein geografischer

oder interdisziplinärer »Grenzübertritt« stattfindet.

Mit 18.000 € maximaler Fördersumme stellt kultur-imdialog.moe,

das größte Projektformat bei MitOst dar und

ermöglicht es den Mitgliedern, auch größere Projekte von

längerer Dauer durchzuführen. Die Möglichkeit zur Bewerbung

wird jedes Jahr zahlreich von den MitOst-Mitgliedern

genutzt.

Über die eingereichten Anträge befindet eine Jury, die sich

aus einem Vertreter der Schering Stiftung, des Projektbeirats

sowie einem ehemaligen Preisträger des Wettbewerbs

zusammensetzt. Zuvor erfolgte eine vierwöchige Beratungsphase

durch den Projektbeirat und den Mentorenpool,

die auch weniger projekterfahrenen Mitgliedern eine

Chance zur erfolgreichen Teilnahme ermöglichen soll. Im

Jahr 2011 wurden zwei Gewinner prämiert: Max Bilitza mit

dem Projekt »Borderland« und Akvilė Eglinskaitė mit dem

Projekt »Open Doors«.

Borderland, Max Bilitza, Mai – September 2011 in Perm, Pécs,

Prag, Brnó, Duisburg

Wo sich vor dem Hintergrund einer zunehmend digitalisierten

Welt die spezifischen Kunstbereiche langsam auflösen,

setzt das »Borderland« ein. Die Idee ist überraschend

einfach und dennoch originell: Im virtuellen Raum »treffen«

sich internationale Künstler, indem sie ihre eigenen

Skizzen, Ideen und Werkausschnitte online stellen, rezipieren

und weiter interpretieren. Die Nutzer dieses Arbeitsbereichs

können hier Projektideen entwerfen und diskutieren,

Ideen und Gedanken austauschen, Mitstreiter für Konzepte

gewinnen und kollaborativ an künstlerischen Werken arbeiten.

So entstehen Teamarbeiten, die von der Erfahrung

des Austauschs und der Zusammenführung unterschiedlicher

künstlerischer Positionen geprägt sind.

Damit werden Form und Inhalt gleichermaßen zu einer

Grenzüberschreitung und im Ergebnis zu einer Verflechtung

von unterschiedlichen Arbeitsweisen und Formgebungen.

Mit dieser neuartigen Methode wurde dank des

Sprach- und Performancekünstlers Max Bilitza aus Duisburg,

der im Sommer 2011 russische und europäische

Künstler, Kulturproduzenten und Webdesigner zu einer solchen

»Virtual Jam Session« einlud, ein einzigartiger Ideen-

30

MitOst-Magazin Nr. 25


transfer zwischen Akteuren, Genres und Stilen auf europäischer

Ebene initiiert. In einem zweiten Schritt folgte dem

virtuellen Prozess dann die reale Begegnung der Künstler

in Workshops in Duisburg, deren Arbeitsergebnisse dem

lokalen Publikum vom 28. August bis zum 9. September

2011 in Form multimedialer Konzerte und Performances

präsentiert wurden. Eine Kostprobe davon durften die

MitOst-Mitglieder auch auf dem Festival in Budweis erhalten.

Die Zusammenarbeit trägt weitere Früchte. So findet

2012/13 ein Borderland-Projekt im russischen Perm statt.

Weitere Informationen unter www.borderland-project.net

Open Doors, Akvilé Eglinskaité, April – Oktober 2011 in

Karlsuhe

Die Tür als Gegenstand unseres alltäglichen Lebens wurde

in dem Projekt »Open Doors« als symbolisches Objekt zum

Mittelpunkt des öffentlichen Raums gemacht. Anknüpfend

an die interaktiven Installationen »Talking Doors« des litauischen

Künstlers Julijonas Urbonas, sammelte die ebenfalls

litauische Kulturmanagerin und Theaterwissenschaftlerin

Akvilé Eglinskaité in einem »open call« Klanginstallationen

junger Sound-Künstler und Komponist. Diese wurden

kuratiert und schließlich in Karlsruhe in Klangtüren installiert.

Ihr Interesse war es auszuloten, welche Rolle die Tür,

als Symbol für Offenheit und Abgrenzung, im demokratischen

Staat von heute spielt. Um dieser Frage auch direkt in

der Diskussion mit dem Publikum nachzugehen, wurden

die »Open Doors« durch zahlreiche Veranstaltungen, Performances,

Installationen, Lesungen und Diskussionsrunden

ergänzt. Der Schritt durch die Tür wurde somit zu einer

realen Erfahrung.

Weitere Informationen unter www.opendoors-ka.de

Auch 2012 und 2013 bleiben wir im Dialog

Im Jahr 2012 werden drei Projekte im Wettbewerb kulturim-dialog.moe

durchgeführt: Sarah Günter thematisiert

mit ihrer »20-Forint-Operette« das virulente Thema Obdachlosigkeit

im Budapester Stadtraum, Dorothea Ahlemeyer

und Vanessa Puschmann reisen mit »Djangos fahrender

Flickwerkstatt« von Berlin nach Ruse und sammeln

auf ihrem Weg viel neuen Stoff, der anschließend in einem

Kunstbuch nachzulesen und nachzufühlen sein wird und

Varsenik Minasyan und ihr Team gehen »Vorwärts in die

Vergangenheit«. Mit ihrer filmischen Erkundung von Baudenkmälern

im georgisch-armenischen Grenzgebiet möchten

sie ein Stück gemeinsame Vergangenheit neu ins Bewusstsein

rufen.

Auch 2013 bleiben wir im Dialog und ermöglichen den Mitgliedern,

sich ein weiteres Jahr bei der Schering Stiftung um

Unterstützung in der Umsetzung ihrer ambitionierten Ideen

zu bemühen. Die nächste Bewerbungsfrist wird voraussichtlich

Ende Januar 2013 sein.

MitOst-Magazin Nr. 25 31


MitOst-Magazin #25 / Sommer 2012

Herausgeber:

MitOst e.V. – Verein für Sprach- und Kulturaustausch

in Mittel-, Ost- und Südosteuropa

Verantwortlich:

Christoph Schulz

Vorstandsvorsitzender MitOst e.V.

Alt-Moabit 90

D-10559 Berlin

Redaktion: Katharina Krimm, Antje Kohlrusch

Gestaltung: Maxim Neroda

Bildnachweis:

Cover, Seite 2, 3, 10, 11: Maria Shamaeva;

S. 4, 5, 7: Katharina Krimm; S. 9: Katharina Molitor;

S. 12, 13: privat; S. 14, 15: Patrick Burton;

S. 15: Ayda Su Nuroglu; S. 16 – 25: privat

Geschäftsstelle MitOst e.V.

Alt-Moabit 90

D-10559 Berlin

Tel.: +49 – (0)30 – 31 51 74 – 70

Fax: +49 – (0)30 – 31 51 74 – 71

geschaeftsstelle@mitost.org

www.mitost.org

ISSN 1610-6598

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