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NAGELFLUH Herbst/Winter 2013/14 - Das Naturpark-Magazin

Lesen Sie hier die kostenlose Online-Ausgabe von NAGELFLUH - der offiziellen Zeitschrift des Naturparks Nagelfluhkette e.V. Themen der Herbst/Winter Ausgabe sind unter anderem: Keine Angst vor dem Frost: Wie überleben Forelle, Alpendohle & Co die Kälte?, Der Rothirsch: Tierisches Portrait und Interview über den König des Waldes, Im Reich des Drachen: Sagenhafte Sturmannshöhle - Juwel des Naturparks stellt sich vor, 300 Jahre Nachhaltigkeit: Der mühsame Weg zur "nachhaltigen Forstwirtschaft", NEU: Die SPIEL & SPASS Seite für Kinder Weitere Informationen zum Magazin erhalten Sie bei Sven Abend von der EDITION ALLGÄU, Tel. +49 (0)8379 728616, E-Mail: sven.abend@heimat-allgaeu.info oder direkt unter www.nagelfluh-magazin.de

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Themen der Herbst/Winter Ausgabe sind unter anderem: Keine Angst vor dem Frost: Wie überleben Forelle, Alpendohle & Co die Kälte?, Der Rothirsch: Tierisches Portrait und Interview über den König des Waldes, Im Reich des Drachen: Sagenhafte Sturmannshöhle - Juwel des Naturparks stellt sich vor, 300 Jahre Nachhaltigkeit: Der mühsame Weg zur "nachhaltigen Forstwirtschaft", NEU: Die SPIEL & SPASS Seite für Kinder

Weitere Informationen zum Magazin erhalten Sie bei Sven Abend von der EDITION ALLGÄU, Tel. +49 (0)8379 728616, E-Mail: sven.abend@heimat-allgaeu.info oder direkt unter www.nagelfluh-magazin.de

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EDITORIAL<br />

Liebe Leserinnen, liebe Leser,<br />

<strong>Das</strong> Miteinander gewinnt. 300 Jahre Nachhaltigkeit<br />

hört sich klasse an. So lange<br />

wissen wir also schon, wie es eigentlich gehen<br />

müsste und welche Weichen wir als gestaltende<br />

Menschen zu stellen hätten. Ökonomie, Ökologie<br />

und Soziales sind kein Widerspruch, sondern<br />

gleichberechtigt, sie bedingen sich sogar<br />

vielfach gegenseitig. Ohne ein hohes Wohlstandsniveau<br />

ist Umweltschutz nur schwer<br />

durchsetzbar, wie uns Schwellenländer, zum<br />

Beispiel Indien oder China, tagtäglich demonstrieren.<br />

Eine florierende Wirtschaft, die gleichzeitig<br />

Lebensgrundlagen vor Ort zerstört,<br />

nimmt sich aber mittelfristig selbst die Grundlage<br />

auf der sie kontinuierlich und effizient<br />

arbeiten kann. Gleiches gilt für eine Gesellschaft,<br />

in der die soziale Ungerechtigkeit groß<br />

ist und bei der die Schere zwischen Reich und<br />

Arm immer weiter auseinandergeht.<br />

Allgäu und Bregenzerwald haben sich inzwischen<br />

überregional einen hervorragenden Ruf<br />

erworben, wenn es um Themen der nachhaltigen<br />

Regionalentwicklung geht. Wir sind beispielsweise<br />

Vorreiter in Sachen Energieeffizienz,<br />

der Produktion und Verwendung regionaler<br />

Produkte oder beim kooperativen Naturschutz.<br />

In all diesen Themenbereichen sind<br />

echte Fortschritte nur zu erreichen, wenn viele<br />

Akteure themenübergreifend an einem Strang<br />

ziehen und gemeinsam voran gehen. Daran<br />

sollten wir uns bei Bedarf immer wieder neu<br />

erinnern.<br />

Miteinander statt gegeneinander ist in<br />

beiden Regionen seit vielen Jahren ein wichtiger<br />

Arbeitsgrundsatz, weshalb es auch nicht<br />

ungewöhnlich ist, dass Touristiker und Landwirte<br />

unter gegenseitiger Wertschätzung eng<br />

miteinander arbeiten. Wir können deshalb<br />

auch »schwierige« Themen angehen, wie eine<br />

Lenkung der Besucherströme im <strong>Naturpark</strong><br />

Nagelfluhkette mit Hilfe der Initiative »Respektiere<br />

deine Grenzen«. Nach einer langen Vorbereitungszeit<br />

können wir nun endlich starten.<br />

<strong>Das</strong>s das Miteinander nicht überall so gut<br />

funktioniert, erlebe ich immer wieder, wenn<br />

ich mit Kollegen aus anderen <strong>Naturpark</strong>regionen<br />

rede. Hier verhindert manchmal die zu<br />

große Dominanz einzelner Akteure ein partnerschaftliches<br />

Vorgehen und die ernsthafte<br />

Suche nach einem Interessensausgleich.<br />

Sind wir also froh, dass der Geist des Miteinanders<br />

bei uns so stark verankert ist und<br />

pflegen wir ihn, es ist nicht selbstverständlich.<br />

Ihr<br />

Rolf Eberhardt<br />

Geschäftsführer <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette e.V.<br />

DER NATURPARK<br />

<strong>NAGELFLUH</strong>KETTE<br />

Mit einer Größe von<br />

405 km² ist die Nagelfluhkette<br />

im alpen weiten<br />

Vergleich ein Schutz -<br />

gebiet mittlerer Größe.<br />

Während im Bregenzerwald<br />

jeweils die gesamten<br />

Flächen der beteiligten<br />

acht Gemeinden im<br />

<strong>Naturpark</strong> liegen, gehören<br />

von den sieben Allgäuer<br />

Gemeinden in der<br />

Regel die dünn besiedelten<br />

Berggebiete dazu.<br />

Innerhalb der <strong>Naturpark</strong>grenzen<br />

leben etwa<br />

13.000 Menschen, was zu<br />

einer, im dicht besiedelten<br />

Europa, sehr geringen<br />

Siedlungsdichte von<br />

33 Einwohnern je km²<br />

führt. Ein besonderes<br />

Merkmal ist der sorgsame<br />

Umgang der Bewohner<br />

mit ihrer Heimat.<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 3


Themen<br />

dieser<br />

Ausgabe<br />

DAS GRÜNE KLASSENZIMMER<br />

Die Klasse 3 A entdeckt »ihren« Wald ganz neu 5<br />

DAS GOLDENE HANDWERK IM ALPSENNEREIMUSEUM HITTISAU<br />

Wie ein Tierarzt ein Stück Bregenzerwälder Geschichte rettete 8<br />

WAS BEDEUTET NACHHALTIGKEIT?<br />

Die Zauberformel aus der Forstwirtschaft 10<br />

DER LETZTE WILDE – NATURPARK TIROLER LECH<br />

Ein Ausflug zum Nachbar-Naturschutzgebiet <strong>14</strong><br />

DER GROSSE NATURPARK-FOTOWETTBEWERB – UNSERE GEWINNER<br />

Die zehn schönsten Motive aus dem <strong>Naturpark</strong> 16<br />

SEITE 32<br />

Fotos: bmd/pixelio.de, Kurt/pixelio.de, Volker Wille; Titelfoto: Volker Wille<br />

SEITE 10<br />

Impressum<br />

DER ROTHISRCH<br />

Tierisches Portrait und Interview über den König des Waldes 19<br />

WARTEN AUF DEN BUS...<br />

... kann so schön sein. Vor allem in Krumbach 22<br />

WAS MACHEN DIE TIERE IM WINTER?<br />

Von Hüftspeck und Wohngemeinschaften 32<br />

DIE ANWÄLTE DER NATUR FEIERN IM ALPSEEHAUS<br />

100 Jahre Bund Naturschutz in Bayern 34<br />

DAS REICH DER DRACHEN UND WILDEN FRÄULEIN<br />

Die neun <strong>Naturpark</strong>juwelen stellen sich vor – dritter Teil 36<br />

Kurzmeldungen 24<br />

Spieleseite 38<br />

Herausgeber:<br />

<strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette e.V.<br />

Seestraße 10, 87509 Immenstadt,<br />

Tel. +49 8323 9988750<br />

info@naturpark-nagelfluhkette.eu<br />

www.naturpark-nagelfluhkette.eu<br />

Verlag und Herstellung:<br />

Verlag HEPHAISTOS & EDITION ALLGÄU<br />

Lachener Weg 2,<br />

87509 Immenstadt-Werdenstein<br />

Tel. +49 8379 728616<br />

nagelfluh@heimat-allgaeu.info<br />

www.nagelfluh-magazin.de<br />

4 <strong>NAGELFLUH</strong><br />

Redaktion: Viola Elgaß (v.i.S.d.P.),<br />

Tel. +49 8379 728616,<br />

viola.elgass@heimat-allgaeu.info<br />

Gekennzeichnete Beiträge stellen die Meinung<br />

des Verfassers, nicht aber des Verlages dar.<br />

Layout: Bianca Elgaß,<br />

Ramona Klein,<br />

Dominik Ultes<br />

Anzeigen: Sven Abend,<br />

Tel. +49 8379 728616;<br />

gültige Anzeigenpreisliste: 1/2012<br />

Vertrieb: Bei Fragen oder Reklamationen<br />

bezüglich der Haushaltsverteilung wenden<br />

Sie sich bitte an den Verlag:<br />

Tel. +49 8379 728616<br />

Bankverbindung Verlag:<br />

Deutschland: Raiffeisenbank Oberallgäu<br />

Süd eG, Konto 7126999, BLZ 73369920<br />

Österreich: Raiffeisen-Landesbank Tirol AG<br />

Konto 643361, BLZ 36000<br />

Nächster Erscheinungstermin:<br />

voraussichtlich am 1. April 20<strong>14</strong>


<strong>Das</strong> grüne Klassenzimmer<br />

Ein Schultag im Wald<br />

Welche Tiere im Wald wohnen, dass Pilze mit Bäumen gerne<br />

Nährstoffe tauschen – so etwas weiß man als Schüler meist<br />

schon. Einen Alpensalamander auf der Hand gehabt, einen<br />

Baum umarmt oder ein Hirschgeweih befühlt zu haben, das<br />

kann nicht jeder von sich behaupten. Die 3 A schon. Bei einem<br />

Unterrichtstag mit dem Förster erlebten die dritten Klassen der<br />

Volksschule Blaichach »ihren« Wald einmal ganz anders<br />

Schaut mal, ein Molch!« »Nee, der ist ganz schwarz, der heißt Alpensalamander!«<br />

Aufgeregt schart sich die ganze Klasse um Joshua und<br />

seinen Fund, es ist tatsächlich ein Alpensalamander. Der zeigt sich recht<br />

unbeeindruckt von seinen Fans und führt seinen gemächlichen, schlängelnden<br />

Spaziergang einfach auf Joshuas Hand fort. »<strong>Das</strong> habt ihr gut<br />

erkannt. Wenn es lange geregnet hat, kommen Alpensalamander oft aus<br />

ihrem Unterschlupf«, erklärt Andreas Fisel seinen aufmerksamen Zuhörern.<br />

Der Förster betreut das Forstrevier Hörnergruppe. Dazu zählen die<br />

Wälder in den Gemeinden Balderschwang, Blaichach, Bolsterlang,<br />

Fischen, Obermaiselstein und Ofterschwang. Den Wald bei Blaichach<br />

kennt er wie seine Westentasche. Heute wird er den Schülern einen lehrreichen<br />

und dabei doch spannenden Schultag bescheren.<br />

»Stimmt es, dass der Alpensalamander gar keine Eier legt?«, fragt eine<br />

Stimme aus der hinteren Reihe. Fisel nickt. »<strong>Das</strong> ist richtig. Der Alpensalamander<br />

gebärt, und das als einzige heimische Amphibienart, leben-<br />

den Nachwuchs.<br />

Jetzt lassen wir den<br />

kleinen Lurch aber seiner<br />

Wege gehen – wir haben<br />

heute noch viel vor.« Damit verabschiedet die 3 A sich von dem schwarzen<br />

Wanderer, und am Waldrand entlang geht es bergauf. Dabei wird<br />

der Förster neugierig von allen Seiten mit Fragen gelöchert. Was er denn<br />

als Förster so mache, welche Tiere er schon gesehen habe – Fisel kommt<br />

kaum hinterher mit den Antworten. Klassenlehrerin Mareike Stein<br />

beobachtet das Ganze lächelnd. »Es ist toll, wie interessiert die Kinder<br />

sind. Für sie ist es natürlich richtig aufregend, einen echten ‚Fachmann‘<br />

ausquetschen zu können«, meint sie und lässt sich gleich darauf aufmerksam<br />

von Nico erzählen, wie er auf einer Wanderung mit seinem Vater<br />

genau hier einmal einem Fuchs begegnet ist. »Der ist aber geflohen, als<br />

wir ihm näher gekommen sind«, berichtet er.<br />

Wen verbindet ein gemeinsamer Nutzen, wer frisst wen?<br />

Die Schüler spannen ein ökologisches Netz des Waldes<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 5


»Im Wald ist alles verknüpft«<br />

Joshua hat einen Alpensalamander am Wegrand entdeckt – um den schwarzen<br />

»Bergkobold« schart sich augenblicklich eine Schar Bewunderer. <strong>Das</strong> Tier nimmt<br />

die Begeisterung gelassen hin<br />

Förster Andreas Fisel zeigt den Schülern ein »frisch gefegtes« Rothirschgeweih. Die<br />

Basthaut, die es während des Wachstums überzogen hat, ist abgestreift, das Geweih<br />

glatt – Anfassen erlaubt!<br />

Auf einer Wiese, umgeben von den ersten Bäumen, bleibt der Förster<br />

plötzlich stehen. »Bevor wir in den Wald gehen, spielen wir ein Spiel.«<br />

Die Klasse ist begeistert – spielen an einem Schultag, besser geht es wohl<br />

kaum. Spiele seien genau deshalb wichtig, betont Fisel: »Wir bieten Wanderungen<br />

an, bei denen nicht Wissen ‚eingetrichtert’ werden soll, sondern<br />

Erlebnis und Spaß im Vordergrund stehen. Es ist wichtig, dass die<br />

Kinder den Wald in guter Erinnerung behalten.« In erster Linie sollte<br />

jede Schulklasse einmal die Möglichkeit haben, mit dem Förster im Wald<br />

zu sein. Andreas Fisel betreut regelmäßig Schulklassen aus dem Oberallgäu.<br />

Jetzt verteilt er erst einmal Postkarten an die Schüler. Darauf ist<br />

je ein Tier, ein Baum oder eine Pflanze abgebildet, die im Wald vorkommen.<br />

Dann nimmt er ein rotes Wollknäuel in die Hand. »Alle Lebewesen<br />

und Pflanzen im Wald sind voneinander abhängig und miteinander vernetzt.<br />

Die einen helfen sich gegenseitig, die anderen haben sich wortwörtlich<br />

zum Fressen gern.« Dieses »Netzwerk« aus Symbiosen und<br />

Nahrungsgrundlagen sollen die Schüler nun nachstellen, indem sie einen<br />

Kreis bilden und demjenigen das Wollknäuel zuwerfen, von oder für den<br />

sie selbst einen Nutzen haben: Der Buntspecht nistet beispielsweise gerne<br />

in der Birke, der Baum spendet hin und wieder Schatten für eine kleine<br />

Schnecke, und die wiederum schmeckt dem Wildschwein recht gut…<br />

<strong>Das</strong> Wollknäuel fliegt von Hand zu Hand, das Netz nimmt immer mehr<br />

Form an. Schlussendlich ist die gesamte 3 A »ökologisch verknüpft«.<br />

Doch damit ist die Übung nicht zu Ende. Denn was würde jetzt beispielsweise<br />

passieren, wenn… »alle Bäume gefällt würden?« Die ersten<br />

lassen ihre Schnur fallen. »Wo baue ich jetzt mein Nest?«, fragt Florian<br />

alias Herr Kohlmeise berechtigterweise. Er muss sein Stück Netz ebenfalls<br />

fallen lassen. Am Ende liegt ein roter Wust aus Fäden am Boden –<br />

das Ökosystem Wald ist zusammengebrochen. Mareike Stein ist beeindruckt:<br />

»Die Kinder waren völlig gefesselt.« Sie erlaubt sich ein Zwinkern.<br />

»<strong>Das</strong> ist nicht immer so.«<br />

Mein Baum, dein Baum<br />

Fotos: Viola Elgaß<br />

Der rote Faden wird aufgerollt und nach einer kurzen Brotzeitpause<br />

geht es auf einem breiten Forstweg hinein in den Wald. Ein weiterer<br />

Alpensalamander findet sich am Wegesrand und räumt schleunigst das<br />

Feld, als ihm die Begeisterung der Kinder zuviel wird. Sein Entdecker<br />

Simon lässt ihn ziehen.<br />

Nach ein paar Minuten macht die Gruppe Halt. An dieser Stelle des<br />

Waldes steht Baum an Baum. »Wir sind da«, nickt der Förster zufrieden,<br />

»Ein guter Platz für das Maulwurfspiel.« Zuvor müssen sich die Kinder<br />

in Zweiergruppen zusammentun. Als Andreas Fisel mehrere Augenbinden<br />

aus seinem Rucksack zieht, wird klar, warum das Spiel »Maulwurfspiel«<br />

heißt. Die Aufgabe besteht darin, seinen »blinden« Partner sicher<br />

zu einem Baum zu führen, den die Maulwürfe sich eine gewisse Zeit<br />

»ohne Augen anschauen sollen«. Später müssen sie den Baum wiederfinden.<br />

Die 3 A macht sich eifrig ans Werk. »Dieses Spiel erfordert viel<br />

Vertrauen zum Partner«, verrät derweil Fisel. »Man ist auf den anderen<br />

angewiesen.«<br />

Die Schüler der Volksschule Blaichach machen ihre Sache gut. Sehr<br />

gewissenhaft wählen die Führer »ihren« Baum aus und steuern ihre<br />

Begleiter darauf zu. Sobald der Stamm erreicht ist, untersuchen die<br />

Maulwürfe ihn eingehend: Die Rinde wird abgetastet, nach Moos und<br />

Wurzeln gesucht. Chiara umarmt ihren Baum sogar. »Der ist ganz schön<br />

breit«, stellt sie fest. Nach einer Weile werden die »Blinden« zurück an<br />

den Ausgangspunkt geführt und die Augenbinden abgenommen. Bei der<br />

anschließenden Suche dauert es bei keinem lange, bis er seinen Stamm<br />

wiedergefunden hat. »Woran habt ihr die Bäume erkannt?«, will Fisel<br />

36<br />

<strong>NAGELFLUH</strong>


wissen. Manche hätten mehr Äste gehabt als andere, kommt die erste<br />

Antwort. Viele trugen harzige Verletzungen oder Verformungen in der<br />

Rinde, an manchem Stamm wuchs ein Pilz. »Mein Baum roch komisch«,<br />

behauptet Robert trocken.<br />

»Wir lernen jetzt draußen!«<br />

Noch mehr Spiele werden gespielt an diesem außergewöhnlichen<br />

Schultag. Etwa ein Baumrätsel, bei dem die Kinder ihre Schulkenntnisse<br />

unter Beweis stellen und allerlei Bäume benennen müssen. Besonders<br />

gut kommt der »Gruselweg« an: Auf einem markierten Weg müssen die<br />

Schüler einzeln und »luchsleise« durchs Unterholz schleichen und sich<br />

alles merken, was sie sehen. Für manchen erschrockenen Blick sorgt der<br />

Gamsschädel, den Fisel vorher auf einem Holzhaufen platziert hat. <strong>Das</strong><br />

Hirschgeweih dagegen, das gut getarnt zwischen den Ästen der jungen<br />

Bäume liegt, entdeckt kaum jemand. Zehn tierische Gegenstände sind<br />

es insgesamt. Im Anschluss wird jedes einzeln von den Schülern identifiziert<br />

und der Förster erzählt etwas zu dem Tier: Beispielsweise, wie der<br />

Rothirsch sein Geweih einmal jährlich einfach abwirft, oder wie man an<br />

den scharfen Zähnen des Fuchsgebisses erkennt, was er gerne frisst –<br />

nämlich am liebsten Fleisch.<br />

Am frühen Nachmittag, kurz vor dem Abschied von Förster Fisel, sind<br />

sich alle Schüler einig: <strong>Das</strong> war ein toller Schultag. Anna hat das<br />

Anfangsspiel am besten gefallen: »<strong>Das</strong> Wollknäuel hin und her zu werfen<br />

war lustig, aber man musste ziemlich darüber nachdenken.« Robert nickt<br />

bestätigend. »Und das Skelett-Suchspiel war gruselig, aber auch ziemlich<br />

cool!« Die Entdeckung der beiden Alpensalamander seien trotzdem »das<br />

Highlight gewesen.« Lukas sind viele Pflanzen am Wegesrand aufgefallen,<br />

die er nicht kannte. Der Förster habe aber alle benennen können,<br />

erzählt er ziemlich beeindruckt. »Es wäre schön, das jedes Jahr machen<br />

zu können«, meint Vanessa. »Oder gleich immer Unterricht im Freien!«,<br />

schlägt Robert vor. »Bei Sonnenschein zumindest!« Jeder Schultag im<br />

Grünen. Na, wenn das kein Denkanstoß ist.<br />

Viola Elgaß<br />

Ein Schultag im Wald – viel spannender, als die 3 A<br />

der Volksschule Blaichach es sich vorgestellt hat<br />

Waldaustellung im AlpSeeHaus<br />

Eine tolle Möglichkeit, bei jedem Wetter den »Wald zu erkunden«, bietet<br />

sich bis zum 1. Januar 20<strong>14</strong> im AlpSeeHaus. <strong>Das</strong> Amt für Ernährung,<br />

Landwirtschaft und Forsten Kempten präsentiert dann gemeinsam mit<br />

dem <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette die Sonderausstellung »Nachhaltige<br />

Forstwirtschaft im Allgäu – Einsatz, der sich lohnt«. Sie beschreibt den<br />

langen und mühsamen Weg zur »nachhaltigen Forstwirtschaft« (siehe<br />

auch S. 10).<br />

Ihren Höhepunkt erreicht die Schau am 20. Oktober von 12 bis 17 Uhr<br />

mit einem Wald-Aktionstag. Vom AlpSeeHaus aus starten dann spannende<br />

Waldexkursionen, zum Beispiel zum Bergrutsch am Immenstädter<br />

Horn um 13.30 Uhr, oder eine Pilzexkursion durch den Wald um 15.30<br />

Uhr. Um 13.30 und 15.30 Uhr kann man sogar eine echte Baumfällung<br />

miterleben. Alle Wanderungen dauern etwa eineinhalb Stunden und<br />

sind kostenlos. Im AlpSeeHaus selbst warten viele Mitmach-Stationen<br />

und ein spannendes Waldrätsel führt durch die Ausstellung.<br />

Beim Maulwurfspiel geht es darum,<br />

blind einen Baum zu betasten und<br />

ihn später wieder zu finden –<br />

Robert konnte seinen Baum im<br />

Nachhinein tatsächlich wieder<br />

»erschnüffeln«<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 47


<strong>Das</strong> goldene Handwerk<br />

im Alpsennereimuseum Hittisau<br />

Hittisau ist mit rund 120 Alpen beziehungsweise<br />

Almen die<br />

alpenreichste Gemeinde<br />

Österreichs. Sie birgt<br />

zudem eine historisch<br />

wertvolle »Schatzkiste«:<br />

Eine voll funktionsfähig<br />

eingerichtete Alpsennereiküche,<br />

die Gerätschaften der<br />

Milchverarbeitung und Käseherstellung aus den<br />

letzten 300 Jahre im Bregenzerwald zeigt<br />

Anja Rinderer, Leiterin des Tourismusbüro Hittisau, ist auch für das Museum zuständig.<br />

Daneben: Siebe und Kraxe für den Milchtransport<br />

Fotos: Thomas Niehörster, Volker Wille<br />

Dem früheren Tierarzt Anton Stöckler aus Hittisau, der 92-jährig im<br />

Jahr 2011 verstarb, ist es zu verdanken, dass im Ort eine original<br />

Alpsennerei zu besichtigen ist. Von seinen Besuchen bei krankem Vieh<br />

auf den Alpen – früher per Pferd, später mit dem Motorrad – brachte<br />

der rührige Heimatkundler Gerätschaften mit, die er zuerst in der<br />

Gemeindebücherei, später im Untergeschoss des Ritter von Bergmann-<br />

Saals unterbrachte, um sie als Alpsennerei mit angeschlossener Stube<br />

wieder aufzubauen. In dem Raum, original mit Holz vertäfelt wie auf<br />

Alpen üblich, sieht der Besucher alles, was früher zum Sennen verwendet<br />

wurde. Neben einzelnen Gerätschaften, wie einer Milchtrage oder einer<br />

handbetriebenen Zentrifuge, fällt besonders die einfache, aber wirkungsvolle<br />

Käsepresse ins Auge, die aus einem runden Holzrahmen und einem<br />

Druckstempel besteht. Der fertig »gedeckte« Tisch in der Stube, deren<br />

Einrichtung ebenfalls aus einer Alpe stammt, lädt zu »Käsknöpfle« ein.<br />

Die liebevollen Details – wie etwa die Löffel in den Tellern oder die rotweiß-karierten<br />

Kissen auf der Eckbank – erwecken einen lebendigen<br />

Eindruck. Man kann sich vorstellen, dass hier in zwei Minuten die Pfister<br />

und der Senn zum Essen hereinstürmen.<br />

Oben: Herrgottswinkel in der Alpensennerei, in der auch die gemeinsamen Mahlzeiten<br />

eingenommen wurden. Unten: Eine Holztafel stellt den Zusammenschluss<br />

der örtlichen Sennereien zur Sennerei Hittisau von 1977 anschaulich dar<br />

Ein Tierarzt wird Schatzhüter<br />

Mit der Einrichtung des Museums wollte Stöckler die Erinnerung, wie<br />

auf Alpen ohne technische Hilfsmittel gesennt wurde, bewahren. Denn<br />

nur auf ein paar wenigen der vielen Alpen rund um Hittisau wird heute<br />

noch gesennt. In den 80-er und 90-er Jahren wurden viele Alpen durch<br />

Wege und Seilbahnen erschlossen, sodass die Milch abtransportiert und<br />

anderswo verarbeitet werden konnte. Personalmangel und strengere<br />

Hygienebestimmungen durch die EU führten ebenfalls dazu, dass die<br />

Alpsennereien geschlossen wurden. Der Tierarzt erkannte diese Entwicklung<br />

früh und begann, die ersten Ausstellungsstücke für das Alpsennereimuseum<br />

zu sammeln. Träger des Hauses und des Museums ist<br />

die Gemeinde Hittisau. Die Ausstellung ist mittwochs ab 10 Uhr geöffnet,<br />

wobei auch ein Film gezeigt wird.<br />

8 <strong>NAGELFLUH</strong>


Die Sennerei Hittisau heute<br />

Mit der Milchzentrifuge schlug man<br />

Sahne, Butter und Magermilch<br />

Die Sennerei Hittisau wurde 1977<br />

als Genossenschaft gegründet, in<br />

die die ehemaligen Sennereibetriebe<br />

der Orte Rain, Reute, Ach, Schönbühl,<br />

Windern und Platz integriert<br />

wurden. Die Jahresmilchanlieferung<br />

beträgt vier Millionen Liter, die von<br />

75 Talbetrieben und 63 Alpen übernommen<br />

wird.<br />

Daraus produziert die Sennerei<br />

Hittisau über 73.000 Kilogramm<br />

Bergkäse, 40.500 Kilogramm Butter<br />

und 32.700 Kilogramm Emmentaler.<br />

Die Produkte werden neben dem<br />

Geschäft im Ortszentrum von Hittisau<br />

sowohl in Österreich als auch<br />

im Allgäu verkauft. Sämtliche verarbeitete<br />

Milch ist sowohl silo- als<br />

auch gentechnikfrei und unterliegt<br />

ganzjährig strengen Kontrollen, die<br />

bei einem Verstoß erhebliche finanzielle Kürzungen bei den Lieferanten<br />

nach sich ziehen. Die Alpen verteilen sich zum größten Teil auf Hittisau<br />

(49 Betriebe), Balderschwang (7), Riefensberg (3), Oberstaufen (2) und<br />

Sibratsgfäll (2). Hittisau hat die größte Alpdichte von ganz Österreich.<br />

Der Bergkäse und der Emmentaler aus der sogenannten »Heumilch«<br />

wurden vielfach mit Gold- und Silbermedaillen prämiert, unter anderem<br />

bei der »Käseolympiade« in Oberstdorf. Thomas Niehörster<br />

Die Sennerei in Hittisau heute<br />

<strong>Das</strong> Alpsennereimuseum Hittisau<br />

Platz 187, A-6952 Hittisau<br />

Führungen<br />

Jeden Mittwoch um 10 Uhr (mit Anmeldung), auf Anfrage können<br />

jederzeit andere Termine ausgemacht werden. Die Führungen dauern<br />

etwa eine Stunde.<br />

Eintrittspreis: Drei Euro pro Person inkl. Käseverkostung<br />

Information und Anmeldung<br />

Hittisau Tourismus<br />

Tel.: +43 5513 6209-50<br />

E-Mail: tourismus@hittisau.at<br />

Anzeige<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 9


Was bedeutet Nachhaltigkeit?<br />

Aus dem Tagebuch eines Waldretters<br />

Nachhaltig? Eh klar. Nur so viel nutzen, wie nachwächst? Versteht sich<br />

doch von selbst. So leben, dass unsere Nachkommen genauso gut leben<br />

können wie wir heute? Sowieso. »Nachhaltigkeit« erscheint uns heute<br />

ebenso simpel wie logisch, fast schon langweilig. Aber unsere Vorfahren<br />

mussten darauf erst mal kommen – und dann auch noch das Richtige tun<br />

Hans Carl von Carlowitz, ein kursächsischer<br />

Berghauptmann, hat<br />

das Prinzip der Nachhaltigkeit 1713 in<br />

Hans Carl von Carlowitz (1645 bis einem dicken Buch, das gerade wieder<br />

17<strong>14</strong>) gilt als Begründer des Prinzips neu aufgelegt wurde, erstmal deutlich<br />

der Nachhaltigkeit<br />

definiert. Dort steht:<br />

»… (Es) wird derhalben die größte Kunst, Wissenschaft, Fleiß und<br />

Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen, wie eine sothane Conservation<br />

und Anbau des Holtzes anzustellen (ist), daß es eine conthinuierliche<br />

beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weiln es eine<br />

unentbehrliche Sache ist, ohne welche das Land in seinem <strong>Das</strong>ein nicht<br />

bleiben mag…«<br />

Dieser Satz beschreibt eine einfache Erhaltungsregel – einen Generationenvertrag:<br />

Wir ernten Bäume, welche die Eltern oder Großeltern<br />

gepflanzt haben. Was wir anpflanzen, ernten die Kinder und Enkel. Im<br />

Guten wie im Schlechten.<br />

Warum Holz?<br />

Nun kann man sich natürlich fragen, warum der Begriff »Nachhaltigkeit«<br />

gerade im Zusammenhang mit der Nutzung der Wälder<br />

entstand, und warum ihn gerade ein Berghauptmann erfand? Die<br />

Erklärung ist einfach: Holz war damals der Rohstoff schlechthin, nicht<br />

nur zum Bauen, sondern vor allem als Energieträger. Man schöpfte aus<br />

10 <strong>NAGELFLUH</strong>


Nachhaltigkeit braucht Zeit<br />

Fotos: Volker Wille, <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette<br />

Die erste Erwähnung zur »nachhaltende Nutzung« findet sich auf Seite 105 der<br />

»Sylvicultura Oeconomica« von Hans Carl von Carlowitz<br />

einem scheinbar unendlichen Vorrat. Nur wurden die Transportwege<br />

immer länger. Weite Flächen des Landes waren schon entwaldet und verödet.<br />

Holz wurde zusehends knapp. Auch im Bergbau gab es zum Holz<br />

keine Alternative. Man brauchte unendlich viel Holzkohle zum Betrieb<br />

der Schmelzöfen. Die Menschen hatten sich in eine Existenz bedrohende<br />

Energiekrise hineinmanövriert. Deshalb musste sich Hans Carl von Carlowitz<br />

von Berufs wegen mit dieser ganzen Bredouille beschäftigen.<br />

<strong>Das</strong> Prinzip der Nachhaltigkeit ist also nicht aus schöngeistigen<br />

Motiven heraus entstanden, sondern aus purer Not. Und bei der Holzversorgung<br />

war der Engpass eben am größten. Deshalb ist Nachhaltigkeit<br />

untrennbar mit der Forstwirtschaft verbunden.<br />

Es ist einerseits die Endlichkeit der Ressource Holz, derer man sich<br />

bewusst wurde, und es ist auf der anderen Seite die Langfristigkeit im<br />

Wachstum der Bäume. Zwischen Pflanzung und Ernte liegen Jahrzehnte<br />

bis Jahrhunderte. Man kann also nicht schnell einmal nachsteuern, und<br />

alles ist wieder gut. Diesen Aspekt der Langfristigkeit muss man sich<br />

immer wieder klar vor Augen führen: Was wir jetzt in der Waldverjüngung<br />

tun oder nicht tun, wird für die nächsten 100 Jahre Bestand haben.<br />

Der Wald hat ein verdammt gutes Gedächtnis. Außerdem gibt es eine Besonderheit<br />

in der Forstwirtschaft, die das Problem der Übernutzung verschärft:<br />

Holz wächst nur an Holz! Der Baum ist gewissermaßen eine Produktionsanlage,<br />

die das Produkt in Form von Jahrringen an sich selber anlagert.<br />

Wer das Produkt erntet, nimmt also die Maschine immer gleich<br />

mit. Wer zu viel erntet, der zieht damit die Produktion rasant nach unten.<br />

300 Jahre neues Denken<br />

Die Wald-Holz-Branche feiert heuer mit einem berechtigten Anflug<br />

von Zufriedenheit das 300-jährige Jubiläum der forstlichen Nachhaltigkeit.<br />

Immerhin gibt es auf einem Drittel der Landesfläche wieder ertragreiche<br />

Wälder. <strong>Das</strong> war damals alles andere als eine sichere Prognose.<br />

Denn die Erkenntnis ist das eine. Aber sie in die Tat umzusetzen – das<br />

ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick vielleicht erscheinen<br />

mag. Eine derart revolutionäre Idee muss erst einmal in das Bewusstsein<br />

der Menschen vordringen. Und man braucht eine ganze Menge an<br />

Informationen: Man muss zum Beispiel zählen, wie viele Bäume überhaupt<br />

da sind, welche Baumarten und in welcher Dimension. Man muss<br />

herausfinden, wie viel Holz jedes Jahr zuwächst. Welche Faktoren beeinflussen<br />

das Wachstum? Welche Wechselbeziehungen wirken im Wald?<br />

Ein bedeutendes Tagebuch<br />

Herr von Carlowitz war viel auf Reisen. Er hat die Erfahrungen seiner<br />

Zeit zusammengetragen und mit seinem Buch den Grundstein dafür gelegt,<br />

dass im 19. Jahrhundert der Wald nach und nach auch wissenschaft-<br />

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<strong>NAGELFLUH</strong> 11


lich erforscht wurde. Man entwickelte Messverfahren, beschäftigte sich<br />

mit der Wuchsdynamik der Baumarten, berechnete Ertragstafeln, forschte<br />

an der Bodenchemie und versuchte das ganze Beziehungsgefüge im<br />

Lebensraum Wald zu ergründen. In dieser Zeit wurden auch die ersten<br />

Försterschulen gegründet.<br />

War es Herrn von Carlowitz noch darum gegangen, die Rohholzversorgung<br />

sicherzustellen, so erkannte man bald, dass der Wald eine ganze<br />

Reihe von weiteren Leistungen erbringt, die im Laufe der Zeit immer<br />

mehr an Bedeutung erlangten, wie die Schutz- und Erholungsfunktionen.<br />

Unsere Vorfahren hatten zweifellos auch etwas Glück. Gerade noch<br />

zur rechten Zeit wurden nämlich Dampfmaschine und Eisenbahn<br />

erfunden. Jetzt konnte man Kohle abbauen und über weite Strecken<br />

transportieren. <strong>Das</strong> Zeitalter der fossilen Energiequellen begann.<br />

Dadurch wurden die Wälder entlastet, sodass eine moderne, nachhaltige<br />

Forstwirtschaft sich erst richtig entfalten konnte.<br />

Nachhaltigkeit heute<br />

Heute kann man mit moderner Technik ziemlich gut verfolgen, wie<br />

sich der Wald in Deutschland entwickelt. Seit einigen Jahrzehnten wächst<br />

sogar mehr Holz zu, als geerntet wird. In den Wäldern stehen deshalb<br />

beträchtliche Holzvorräte, die man in vernünftigen Maßen auch ernten<br />

kann. Der Wald, den Generationen von Förstern und Waldbesitzern seit<br />

Hans Carl von Carlowitz wieder aufgebaut haben, kann sich sehen lassen.<br />

Bei aller berechtigten Freude gilt es jetzt aber auch zu überlegen, ob<br />

die geerbten Wälder in ihrem heutigen Zustand dem künftigen Klima<br />

gewachsen sind. Vor 50 Jahren war diese Entwicklung noch nicht absehbar.<br />

Mittlerweile ist aber klar, dass wir die Wälder fit machen müssen für<br />

die Wuchsbedingungen von morgen, und zwar nicht irgendwann, sondern<br />

jetzt. Auch das ist eine Frage der Nachhaltigkeit. Wir sind es den<br />

Kindern und Enkeln ganz einfach schuldig.<br />

Für den Wald der Zukunft gibt es ein Zauberwort. Es lautet: Mischwald!<br />

Im <strong>Naturpark</strong> besteht er von Natur aus im Wesentlichen aus drei<br />

Baumarten: Fichte, Buche und Tanne. Dieses Bergwaldteam hat sich über<br />

mehrere tausend Jahre bewährt.<br />

Die Zauberformel aus dem Forst<br />

Nachhaltigkeit ist eine ebenso einfache wie großartige Idee. Sie macht<br />

gerade eine zweite, ganz große Karriere als Zauberformel für das Überleben<br />

der Menschheit im 21. Jahrhundert.<br />

Weit entfernt vom ursprünglichen Gedanken hat sich die Nachhaltigkeit<br />

aber auch als ziemlich beliebiges Modewort etabliert. An dieser<br />

Beliebigkeit muss die Forstwirtschaft sich nicht beteiligen. Sie besitzt<br />

schließlich das Original, und zwar seit 300 Jahren. <strong>Das</strong> müssen andere<br />

Branchen erst einmal hinbekommen.<br />

Dr. Ulrich Sauter<br />

12 <strong>NAGELFLUH</strong>


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<strong>NAGELFLUH</strong> 13


NATURPARK-PANORAMA<br />

Die einzigartige Wildflusslandschaft am Tiroler Lech zählt gemeinsam mit den Seitenflüssen, die in den Lech fließen, zu den letzten naturnah erhaltenen Flusstälern Österreichs.<br />

Der 264 Kilometer lange Lech entspringt in Vorarlberg und fließt durch Tirol und Südbayern, wo er in die Donau mündet<br />

Der letzte Wilde<br />

<strong>Naturpark</strong> Tiroler Lech<br />

Wo Naturjuwele bewahrt und Kulturlandschaften gepflegt werden: 48 <strong>Naturpark</strong>e gibt es derzeit in<br />

Österreich, 104 in Deutschland. Doch Park ist nicht gleich Park. Mächtige Gletscherzungen beherrschen<br />

das Ötztal, mystische Sagen der tanzenden »Brockenhexen« umgeben das Harzer Mittelgebirge.<br />

In unserer neuen Serie besuchen wir ein paar dieser einzigartigen Regionen fern der Nagelfluhkette.<br />

Einen ersten Blick werfen wir nach Österreich – ins wildromantische Tal des Tiroler Lechs<br />

Was kann es schöneres geben, als mitten in einem <strong>Naturpark</strong> leben<br />

zu dürfen?« Anette Kestler, Geschäftsführerin des <strong>Naturpark</strong>s<br />

Tiroler Lech ist hellauf begeistert von ihrem Arbeitsplatz. <strong>Das</strong> sind inzwischen<br />

auch die Geschäftsleute und Vermieter, die einen deutlichen<br />

Anstieg des Umsatz und der Übernachtungen vermerken können, seitdem<br />

das Gebiet um den Tiroler Lech 2004 zum <strong>Naturpark</strong> erklärt wurde.<br />

Da die Natur keine politischen Grenzen kennt, bildet der <strong>Naturpark</strong> im<br />

Norden zusammen mit Füssen zusätzlich ein Waldschutzgebiet.<br />

Auf einer Länge von 62 Kilometern erstreckt sich von Steeg im Süden<br />

bis nach Vils im Norden der <strong>Naturpark</strong> mit einer Fläche von knapp 42<br />

Quadratkilometern. Mit dem Hauptort Reutte leben in der <strong>Naturpark</strong>region<br />

rund 20.000 Menschen in 24 Gemeinden. Die beiden Richtlinien<br />

»Flora-Fauna Habitat« und die »Vogelschutzrichtlinie« bilden die Grundlage<br />

für das ursprüngliche »Natura 2000-Gebiet«. Sie dienen der Sicherung<br />

der Artenvielfalt durch Erhaltung der natürlichen Lebensräume der<br />

wildlebenden Tiere und Pflanzen. Fünf Schwerpunkte ziehen sich stell-<br />

vertretend für die Habitate durch den <strong>Naturpark</strong>: der Vogelbeobachtungsturm<br />

in Pflach, ein Lehrpfad am Riedener See, das geplante <strong>Naturpark</strong>haus<br />

auf der Klimmbrücke, das Frauenschuhgebiet in Martinau und<br />

der botanische Lehrpfad an der Jöchelspitze bei Bach.<br />

Sehnsüchtig warten die <strong>Naturpark</strong>führerinnen und -führer auf den<br />

Baubeginn des <strong>Naturpark</strong>hauses in Elmen, das eine absolute Besonderheit<br />

darstellen wird, da es direkt auf der Klimmbrücke, die über den Lech<br />

führt, gebaut werden soll. 950.000 Euro stehen für die Umsetzung bereit.<br />

<strong>Das</strong> <strong>Naturpark</strong>haus wird Büros für die Mitarbeiter beherbergen sowie<br />

einen Seminarraum, ein Labor und Nassräume. Bereits in Bau ist ein Besucherzentrum<br />

für den Naturschutzpark im Burgenensemble Ehrenberg.<br />

Rund 100.000 Besucher werden pro Jahr im Burgenensemble gezählt. »Wir<br />

schaffen hier etwas, das ein Alleinstellungsmerkmal hat. Wir verbinden<br />

Kultur und Natur auf eine einzigartige Weise. Mit diesem Projekt wird die<br />

Zusammenarbeit zwischen <strong>Naturpark</strong> und Ehrenberg endgültig manifestiert«,<br />

ist Armin Walch, Architekt aus Reutte beider Projekte, überzeugt.<br />

<strong>14</strong><br />

<strong>NAGELFLUH</strong>


Sibirisches Juwel am Riedener See<br />

<strong>Das</strong> Maskottchen des <strong>Naturpark</strong>s Tiroler Lech ist eine äußerst seltene<br />

Libelle, die Azurjungfer. Im Jahr 1952 wurde sie von dem bayerischen<br />

Insektenkundler Alois Bilek entdeckt. <strong>Das</strong> Hauptverbreitungsgebiet der<br />

azurblau-schwarz gefärbten Libelle liegt in Ostsibirien. Daher trägt sie<br />

auch den Namen »Sibirische Azurjungfer«. Bei dem rund 8000 Kilometer<br />

weit entfernten Vorkommen in den Alpen handelt es sich um eine<br />

isolierte Verbreitung. Die Bilek-Azurjungfer besiedelt klare Bergseen,<br />

die einen kalten Zufluss, Quellaufbrüche und einen Abfluss haben. Sie<br />

bevorzugen die flachen, mit Seggen und Schachtelhalmen bewachsenen<br />

Uferbereiche.<br />

Der <strong>Naturpark</strong> ist außerdem mit rund 110 Brutvogelarten im Talbereich<br />

und vielen Zugvogelarten ein echtes Vogelparadies. Am Moosberg<br />

wurde durch ein Beweidungskonzept mit Schafen und Ziegen ein Paradies<br />

für bodenbrütende Vögel wie Neuntöter, Braunkehlchen und Feldlerche<br />

geschaffen. 1.116 Pflanzenarten, darunter 392 Arten mit höchstem<br />

Gefährdungsgrad, wurden bisher im Bereich des <strong>Naturpark</strong>s nachgewiesen,<br />

darunter seltene Orchideen und die Deutsche Tamariske. Bei Martinsau<br />

liegt Europas größtes zusammenhängendes Frauenschuhgebiet.<br />

Zwischen 2.000 und 3.000 Exemplare dieser seltenen Orchidee können<br />

während der Blütezeit Mitte Mai bis Mitte Juni bewundert werden.<br />

1997 wurden Kreuzkröten – das seltenste Amphib Österreichs – im<br />

Lechtal entdeckt. Sie kommen nur noch an zwei Standorten vor – einmal<br />

im Lechtal mit zwei Populationen und im Waldviertel bei Gmünd. Sie<br />

ist eine von neun Amphibienarten, die im <strong>Naturpark</strong> Tiroler Lech vorkommen.<br />

Zu Fuß oder per Rad durch den Park<br />

Der Fantasie beim Skulpturenbau mit glatt geschliffenen Flusssteinen des Lechs sind<br />

keine Grenzen gesetzt<br />

Die Lebensraumvielfalt mit dem Wildfluss Lech, Tümpeln, Röhrichtgürtel und<br />

Auwald-Dschungel bieten Brutplätze für seltene Vogelarten wie den Flussuferläufer<br />

Wanderer am Lech sind inzwischen ein gewohntes Bild. Der Lechweg<br />

bietet ein einzigartiges Naturerlebnis. Auf rund 125 Kilometern begleitet<br />

der Wanderer den Lech von seiner Quelle nahe des Formarinsees im<br />

österreichischen Bundesland Vorarlberg bis hin zum Lechfall in Füssen<br />

im Allgäu. Als Weitwanderweg führt er rund 300 Kilometer bis zur<br />

Donau. Der Lechradweg mit seinen 60 Kilometer ist auf zumeist asphaltierter<br />

Strecke ohne beschwerliche Steigungen leicht zu bewältigen.<br />

Neu bietet der <strong>Naturpark</strong> Tiroler Lech eine Lechweg-Begleitung an.<br />

Von Juli bis September begleiten ausgebildete Führer Besucher auf einer<br />

vier Kilometer langen Strecke von Stanzach bis Forchach und entdecken<br />

mit ihnen seltene Tiere und Pflanzen.<br />

Thomas Niehörster<br />

Info: <strong>Naturpark</strong> Tiroler Lech, Mühlbachweg 5, A-6671 Weissenbach am<br />

Lech, Tel. +43 676 885087941, E-Mail: info@naturpark-tiroler-lech.at,<br />

www.naturpark-tiroler-lech.at<br />

Sehr seltener Bewohner des <strong>Naturpark</strong>s ist die Gefleckte Schnarrschrecke. Beim<br />

Fliegen erzeugt sie ein schnarrendes Geräusch<br />

Fotos: Helmut Hein, T. Niehörster, Vorauer/<strong>Naturpark</strong> Tiroler Lech<br />

Der Frauenschuh, der Kalkschotterböden als Standort<br />

bevorzugt, kann bis zu 30 Jahre alt werden<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 15 2


Der große <strong>Naturpark</strong>-Fotowettbewerb<br />

Unsere Gewinner<br />

Nagelfluh<br />

von Stefan Drexelius<br />

Lustiges, Kurioses, Schönes: Über 500 Bilder sind seit<br />

unserem Aufruf zum großen Fotowettbewerb im <strong>Naturpark</strong><br />

Nagelfluhkette in der Redaktion eingegangen. Die<br />

Auswahl der Gewinner fiel uns<br />

sehr schwer. Nichtsdestotrotz,<br />

hier sind sie, unsere zehn Sieger.<br />

Jeder von ihnen gewinnt je<br />

ein Exemplar des Bildbandes<br />

»<strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette«<br />

aus der EDITION ALLGÄU.<br />

Herzlichen Glückwunsch!<br />

Wir danken für die Teilnahme.<br />

16 <strong>NAGELFLUH</strong><br />

Biene<br />

von Peter Hagspiel


Schnee am Gipfelkreuz<br />

von Alexander Campo<br />

Hörnerrennen in Gunzesried<br />

von Bernd Gradl<br />

Abendsonne am Alpsee<br />

von Roland Heinle<br />

Wannenkopf Aufstieg<br />

von Hans Besler<br />

Bergblick<br />

von Erika Zeidler<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 17


Der <strong>Naturpark</strong> als Kulisse fürs Hochzeitsfoto<br />

von Josef Schwärzler<br />

Schwarzbau von Specht Rudi<br />

von Reinhard Glassl<br />

18 <strong>NAGELFLUH</strong><br />

Lachender Löwenzahn<br />

von Michael Finger


TIERISCHES PORTRAIT<br />

Der Rothirsch<br />

Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist unser<br />

größtes freilebendes Wildtier im <strong>Naturpark</strong>.<br />

Viele Leute nennen ihn »den König<br />

des Waldes«. Besonders königlich lebt er<br />

allerdings derzeit nicht. Immer wieder<br />

gerät er zwischen die Fronten von Jägern,<br />

Landwirten und Förstern<br />

Aussehen:<br />

Große, kräftige Tiere auf hohen Läufen mit gestreckter Rückenlinie und<br />

eleganter Gangart. Männchen haben eine Schulterhöhe bis eineinhalb<br />

Metern und wiegen bis 200 Kilo. Weibchen werden nicht größer als 120<br />

Zentimeter. <strong>Das</strong> gelblich-weiß gefärbte Fell an der Hinterseite wird »Spiegel«<br />

genannt, der bei Flucht als Signal für die Herde dient. Die Kälber<br />

werden mit weißen Flecken geboren, die sie später verlieren.<br />

Lebensraum im <strong>Naturpark</strong>:<br />

Früher Weideland und Wiesen, mittlerweile durch den Mensch in den<br />

schützenden Wald verdrängt. <strong>Das</strong> große Geweih zeigt allerdings, dass<br />

der Hirsch ursprünglich kein Bewohner dichter Wälder war, denn es ist<br />

im Unterholz sehr hinderlich.<br />

<strong>Das</strong> Geweih:<br />

Kennzeichnend für den männlichen Rothirsch ist sein mächtiges Geweih,<br />

das er im Frühjahr abwirft. Kurz darauf wächst ihm ein neues. Während<br />

der Wachstumsphase ist es mit Basthaut überzogen, die, sobald sie ihre<br />

nährende Funktion verliert, an Baumstämmen abgerieben (»gefegt«)<br />

wird. Weshalb die Hirsche ihr Geweih abwerfen, zählt bis heute zu den<br />

Geheimnissen des Waldkönigs.<br />

Wo die Schwester frisst, muss das Gras besonders lecker sein, denkt sich dieser<br />

»Spießer«. So werden die männlichen Jungtiere genannt, deren Geweih in ihrem<br />

ersten Lebensjahr noch nicht mit mehreren Enden ausgebildet ist<br />

Fortpflanzung und Aufzucht:<br />

Rotwild ist sehr gesellig, lebt aber nach Geschlechtern getrennt. Die Hirsche<br />

bis zur Brunft im Hirschrudel, Weibchen und Kälber im »Kahlwild -<br />

rudel«. Zu Brunftbeginn im September/Oktober treibt der Hirsch<br />

einige weibliche Tiere zu einem Brunftrudel zusammen und verteidigt<br />

sie gegen Konkurrenten. Die Kälber werden gegen Ende Mai/Anfang<br />

Juni geboren.<br />

Gut bei Stimme:<br />

Sechs Wochen lang geht es auf den Brunftplätzen derb und vor allem<br />

laut zu: Um seine Ansprüche auf die Weibchen geltend zu machen,<br />

»röhrt« der Hirsch. Sein mächtiger Brustkorb wirkt dabei als Resonanzkörper.<br />

Der tiefe Ruf ist weithin zu hören.<br />

Irrtum:<br />

Noch heute glauben viele, der Hirsch sei das Männchen vom Reh. <strong>Das</strong><br />

würde aber nicht gut gehen. Rehe sind viel kleiner als Hirsche. 20 Kilo ist<br />

für diese Tiere schon ein gutes Gewicht. Seine eigentliche »Gattin« wird<br />

»Hirschkuh« genannt, die Jungtiere heißen »Hirschkälber«.<br />

Fotos: Volker Wille, Ich-und-Du/pixelio.de, Markus Götz/pixelio.de<br />

Bei den sogenannten »Komment-Kämpfen«, die nicht den Tod des Gegners,<br />

sondern lediglich dessen Flucht zum Ziel haben, verhaken die Hirsche<br />

ihre Geweihe ineinander und stemmen ihre Körper gegen den Rivalen<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 19


Der König<br />

des Waldes<br />

Wald, Wild, Mensch – wie gut funktioniert diese Gemeinschaft?<br />

Christoph Hieke ist wildbiologischer Fachberater im Jagd- und<br />

Fischereirecht beim Landratsamt Oberallgäu. Warum es heute im<br />

<strong>Naturpark</strong> weniger Rotwild gibt als früher und welche Rolle es im<br />

Ökosystem Wald einnimmt, hat er uns in einem Gespräch erklärt<br />

Gibt es Informationen darüber, wie viel<br />

Rotwild derzeit etwa in den Wäldern des<br />

<strong>Naturpark</strong>s Nagelfluhkette lebt? Wo liegen die<br />

Verbreitungsräume?<br />

Bei der <strong>Winter</strong>zählung in den Monaten<br />

Januar und Februar <strong>2013</strong> wurden im <strong>Naturpark</strong><br />

Nagelfluhkette rund 1100 Stück Rotwild<br />

gezählt. Rehwild und Gamswild nutzen diesen<br />

Naturraum ebenfalls als ihren Lebensraum,<br />

wobei sich diese Tierarten nicht oder schlecht<br />

zählen lassen. Die Verbreitungsräume aller drei<br />

Schalenwildarten beziehen sich auf die ganze<br />

naturräumliche Ausdehnung des <strong>Naturpark</strong>s,<br />

wobei das Gamswild vorzugsweise in den felsigeren<br />

Regionen heimisch ist.<br />

Oben: Mit den ersten Schneefällen<br />

wandert das Rotwild aus den<br />

Gebirgslagen in die Täler, um dort<br />

den <strong>Winter</strong> zu verbringen.<br />

Rechts: Der tiefe, röhrende Brunftruf<br />

des Rothirsches variiert von Tier zu<br />

Tier, so dass manch aufmerksamer<br />

Zuhörer einzelne Hirsche daran<br />

sogar unterscheiden könnte.<br />

Unten: Frisch geborene Hirschkälber<br />

verbringen die ersten Tage ihres<br />

Lebens versteckt im hohen Gras,<br />

während die Hirschkuh nur zum<br />

Säugen zu ihnen zurückkehrt<br />

Gibt es einen Trend in den Bestands -<br />

zahlen, nach oben oder unten?<br />

Vergleicht man die langjährigen Bestandszahlen<br />

miteinander, so ist eine Absenkung der<br />

Bestandsdichten erkennbar. Dies ist von allen<br />

Entscheidungsträgern so gewollt, um die Verjüngung<br />

naturnaher Wälder zu gewährleisten.<br />

Der Rothirsch wird auch »König des<br />

Waldes« genannt. Ist er gleichzeitig ein<br />

»Feind« der Bäume?<br />

Der Rothirsch ist der gewichtigste und<br />

größte männliche Vertreter der heimischen<br />

Schalenwildarten und wird deshalb gerne als<br />

König der Wälder bezeichnet. Der Löwe hat<br />

diese Auszeichnung in seinem Lebensraum<br />

auch inne. Der Rothirsch ist nicht der Feind<br />

der Bäume oder des Waldes, er ist Bestandteil<br />

Fotos: Gaby Stein/pixelio.de, Hagen Görlich/pixelio.de, Ibefisch/pixelio.de<br />

20 <strong>NAGELFLUH</strong>


Fotos: Ich-und-Du/pixelio.de, Miroslaw/pixelio.de, Siegfried Bruckmeier<br />

des Systems. Rot- und Rehwild halten sich aus<br />

verschiedenen Gründen gerne im Wald auf, lieben<br />

es aber auch, auf den vorhandenen Wiesen<br />

und Alpflächen zu äsen.<br />

Rotwild als vornehmlicher Grasfresser<br />

vergeht sich nicht an Bäumen. Diese dienen<br />

ihm während der Fegezeit zum Abschlagen des<br />

Bastes und gleichzeitigen Verfärben des Geweihes.<br />

Dies ist ein natürliches Phänomen, das<br />

man dieser klugen Tierart einräumen muss.<br />

Wie kann Wildverbiss im Allgemeinen<br />

vermieden oder vermindert werden? Welche<br />

Maßnahmen werden hierzu im <strong>Naturpark</strong><br />

Nagelfluhkette getroffen?<br />

Wildverbiss wird hauptsächlich dem Rehwild<br />

zugeschrieben, Rotwild ist nur in besonderen<br />

Fällen beteiligt, ebenso Gamswild, wenn<br />

es aus seinen Lebensräumen verdrängt wird.<br />

Zur Vermeidung von Wildschäden ist es<br />

notwendig einen artgerechten Wildbestand zu<br />

erzielen, dies kann in erster Linie nur durch die<br />

Jagd passieren. Eine zeitliche und räumliche<br />

Schwerpunktbejagung muss für die Erhaltung<br />

oder Schaffung klimatauglicher und naturnaher<br />

Wälder die Folge sein.<br />

Dagegen ist man aber auch den Schalenwildarten<br />

verpflichtet, ihnen artgerechte Ruhezonen<br />

und für sie geeignete Lebensräume zuzugestehen.<br />

»Wald vor Wild«, lautet unter anderem<br />

ein Leitgedanke der Bergwaldoffensive (wir<br />

berichteten in der vergangenen Ausgabe).<br />

Was sagen Sie zu diesem Motto?<br />

Wald vor Wild ist kein Motto, sondern gewollter<br />

gesetzlicher Auftrag zum Wohle der<br />

Allgemeinheit. Der Wald ist jedoch ein Netzwerk,<br />

ein Zusammenspiel vieler Pflanzen- und<br />

Tierarten. Jedes Rädchen in diesem Gefüge hat<br />

seine <strong>Das</strong>einsberechtigung und ist wichtig für<br />

die Funktionsfähigkeit des Ökosystems Wald.<br />

Anzustreben ist in erster Linie ein stetes<br />

Gleichgewicht aller beeinflussenden Faktoren.<br />

Oben links: Im Hochwinter gilt für das Rotwild soviel<br />

Energie zu sparen wie möglich, um die kalte Jahreszeit<br />

zu überstehen.<br />

Oben: Aus seinen hier gut erkennbaren Voraugendrüsen<br />

sondert das Rotwild ein bräunliches Sekret,<br />

sogenannte »Hirschtränen«, ab. Sie dienen unter<br />

anderem der Reviermarkierung<br />

Links unten: Zur Brunftzeit schart der Platzhirsch eine<br />

weibliche Herde um sich, die es bis zur Paarung<br />

gegen unliebsame Konkurrenten zu verteidigen gilt<br />

Welche Rolle spielt die Jagd bei dem<br />

Ganzen?<br />

Der Jagd kommt hierbei eine besondere<br />

Rolle zu, deren Tragweite und Bedeutung ihr<br />

sehr wohl bewusst ist und sich auch den<br />

Herausforderungen stellt. Der Mensch ist zum<br />

regulierenden Glied der Wildpopulationen<br />

geworden, da natürliche Feinde wie Bär, Wolf<br />

oder Luchs vor rund 150 Jahren vom Mensch<br />

ausgerottet wurden.<br />

Mithilfe des Forstlichen Gutachtens, das<br />

regelmäßig den Zustand der Waldvegetation<br />

beurteilt und einer konsequenten, artgerechten<br />

und schonenden Bejagung ist es möglich, ein<br />

Gleichgewicht von Wald und Wild zu erreichen.<br />

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf,<br />

um die Situation für das Rotwild in<br />

unseren Wäldern zu verbessern?<br />

Es ist der Schutz des Rotwildes, und dies<br />

muss kein Widerspruch sein. Im Gegenteil, an<br />

den Lebensraum angepasste Rotwildbestände<br />

mit artgerechtem sozialem Aufbau und natürlichem<br />

Sozialverhalten wird man letztendlich<br />

sowohl dem Wald als auch dem Wild gerecht.<br />

Einen weiteren begleitenden Handlungsbedarf<br />

sehe ich im Projekt »Respektiere deine Grenzen«,<br />

um in allen Bereichen der Nutzung des<br />

Naturraumes <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette über<br />

alle Tier- und Pflanzenarten hinweg Verständnis<br />

und Toleranz zu erreichen.<br />

Herr Hieke, vielen Dank für das Gespräch.<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 21


Smiljan Radic, BUS:STOP Krumbach <strong>2013</strong><br />

Warten auf den Bus<br />

– im »Designerhüsle«<br />

Was machen sieben Architekten<br />

aus sieben Ländern – Russland, Norwegen,<br />

Belgien, Spanien, Chile, Japan und China –<br />

an einer Bushaltestelle in Krumbach?<br />

Nein, sie machen keinen Urlaub. Noch nicht.<br />

Sie gestalten das »Buswartehüsle« neu<br />

Sou Fujimoto hatte bereits nach einer Stunde zugesagt. »Wunderbar«,<br />

schrieb der Japaner begeistert, »Da mache ich mit.« Innerhalb weniger<br />

Tage trudelten weitere Zusagen aus aller Welt ein. Damit war der<br />

Startschuss für das Projekt BUS:STOP gefallen. Selbst die Verantwortlichen<br />

waren von dieser spontanen Begeisterung doch etwas überrascht.<br />

Fällt das Honorar für die zum Teil weltweit bekannten Architekten sehr<br />

ungewöhnlich aus: Ein Urlaub im Bregenzer wald.<br />

<strong>Das</strong> Vorhaben, kleine Nutzbauten im öffentlichen Raum von Star-<br />

Architekten neu gestalten zu lassen, passt besser zu der Tausendseelengemeinde,<br />

als man im ersten Augenblick vielleicht vermutet. Vorarlberg<br />

und insbesondere der Bregenzerwald haben als Architekturregion durch<br />

die Umsetzung mutiger und ungewöhnlicher Bauprojekte bereits internationales<br />

Ansehen erlangt. Erst kürzlich wurde das von den lokalen<br />

Architekten Bernardo Bader, Hermann Kaufmann und René Bechter für<br />

Krumbach 2011 gestaltete Bus-Terminal im Dorfkern mit dem Vorarlberger<br />

Holzbaupreis <strong>2013</strong> ausgezeichnet.<br />

Überhaupt ins Leben gerufen wurde das Projekt von Krumbacher<br />

Bürgern, die daraufhin den Verein »kultur krumbach« gründeten. Nicht<br />

die einzige, aber die »verrückteste« Idee sei BUS:STOP gewesen, heißt<br />

22 <strong>NAGELFLUH</strong>


Fotos: BUS:STOP Krumbach, Adolf Bereuter <strong>2013</strong>; Entwürfe: BUS:STOP Krumbach<br />

Sou Fujimoto besichtigt die<br />

Bushaltestellen von Krumbach<br />

Rintala Eggertsson, BUS:STOP Krumbach <strong>2013</strong><br />

Die eingeladenen Architekturbüros:<br />

- Ensamble Studio Antón García-Abril und Débora Mesa, Spanien<br />

- Architecten de Vylder Vinck Taillieu, Belgien<br />

- Rintala Eggertsson Architects, Finnland/Norwegen<br />

- Alexander Brodsky, Russland<br />

- Wang Shu, China<br />

- Sou Fujimoto, Japan<br />

- Smiljan Radic, Chile<br />

Weitere Informationen zum Projekt auf www.kulturkrumbach.at<br />

Vier Architekten warten auf<br />

den Bus: Debora Mesa mit<br />

Alma, Smiljan Radic, Kiril Ass<br />

und Antón García-Abril<br />

es von den Mitgliedern. In Zukunft wollen sie den Austausch Krumbachs<br />

mit anderen Ländern in weiteren Projekten fördern.<br />

»Innovative Ideen entstehen im Austausch und der Auseinander -<br />

setzung mit anderen Kulturen. Für unsere Region suchen wir neue Sichtweisen<br />

und Inspiration«, erklärt Arnold Hirschbühl, Bürgermeister der<br />

Gemeinde und Schriftführer beim Verein »kultur krumbach«.<br />

<strong>Das</strong> Große im Kleinen<br />

Einige Rahmenbedingungen wurden vor Planungsbeginn von »kultur<br />

krumbach« festgelegt: Wetterfest sollten die Halte stellen sein, eine<br />

bestimmte Größe haben und für den Busfahrer einsehbar sein. Keine<br />

leichte Aufgabe, so Dietmar Steiner, selbst Architekt und Kurator von<br />

BUS:STOP: »In der kleinen Form liegt die größte Herausforderung für<br />

die Architektur. Nur die Besten schaffen das Große im Kleinen.«<br />

Bei Besuchen vor Ort konnten die Star-Architekten die bestehenden<br />

Buswartehäuschen anschauen und sich ein Bild von der Umgebung<br />

machen. Jedem von ihnen wurde ein Vorarlberger Architekturbüro<br />

partnerschaftlich zur Seite gestellt. Diese kümmern sich um die rechtli-<br />

chen Angelegenheiten und die technischen Abwicklungen, und fungieren<br />

gleichzeitig als Draht zu den heimischen Handwerkern.<br />

Wartehäuschen auf Reisen<br />

Natürlich können die neuen Haltestellen nicht jedem gleich gut gefallen,<br />

gibt Arnold Hirschbühl zu, »aber das ist ja das Reizvolle an der Kunst<br />

am Bau. Die muss nicht nur gefallen, sie soll vor allem zum Nachdenken<br />

anregen.« Nachdenken zum Beispiel über die Werte des öffentlichen<br />

Nahverkehrs im Bregenzerwald. »In solch einer zersiedelten Region fahren<br />

die Busse im Stundentakt – das zeugt von einer Qualität, die oft übersehen<br />

wird«, so der Bürgermeister.<br />

Sämtliche Beiträge werden mit den eingereichten Skizzen, Plänen und<br />

Modellen am 10. Oktober im Kunsthaus Bregenz erstmals vorgestellt. Im<br />

Zentrum der Präsentation wird ein ausgewähltes Buswartehäuschen im<br />

Maßstab 1:1 stehen. In den folgenden Monaten soll die Präsentation weiter<br />

ergänzt werden, um sie im Anschluss als Ausstellung auf Reisen zu<br />

schicken. Als Stationen sind das Vorarlberger Architektur Institut vai<br />

und das Architektur zentrum Wien AzW geplant.<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 23


NEUES AUS DEM NATURPARK<br />

WINTERWANDERPROGRAMM IM PARK<br />

<strong>Winter</strong> im <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette bedeutet keinesfalls, dass man sich zuhause<br />

verkriechen muss. Ob auf Schneeschuhen zum Hochhäderich bei Hittisau oder mit<br />

Laternen durch die Sturmannshöhle bei Obermaiselstein – die <strong>Naturpark</strong>führer sowie<br />

die Vorarlberger und Allgäuer Gemeinden bieten zahlreiche spannende Touren an<br />

Fotos: Dr. Michael Senske, Thomas Gretler<br />

Laternenwanderung<br />

in die Sturmannshöhle<br />

Mit dem <strong>Naturpark</strong>bus geht es zum Hirschsprung<br />

nach Obermaiselstein. Nach einer <strong>Winter</strong>wanderung<br />

durch den Sagenwald führt der<br />

Weg zur Sturmannshöhle. Dort wartet eine<br />

abenteuerliche Reise ins Innere des <strong>Naturpark</strong>s...<br />

Den Abschluss bildet eine gemütliche<br />

Einkehr mit Hackbrettmusik.<br />

Termine: 26.12., dann jeden Mittwoch<br />

bis 23. April 20<strong>14</strong><br />

Dauer: 18.30 bis 21.30 Uhr,<br />

ab 2. April 20<strong>14</strong> 19.30 bis 22.30 Uhr<br />

Treffpunkt: Gästeinformation Fischen,<br />

Am Anger 15, D-87538 Fischen,<br />

Tel. +49 8326 36460<br />

Kosten: 8 Euro pro Person<br />

Wichtig: Anmeldung erforderlich! Laternen<br />

werden gestellt. Warme <strong>Winter</strong>kleidung und<br />

festes Schuhwerk anziehen.<br />

Schneeschuhtour<br />

im <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette<br />

Mit modernen Schneeschuhen entdecken Sie<br />

die Schönheiten der Allgäuer Berglandschaft.<br />

Unser <strong>Naturpark</strong>-Wanderführer zeigt Ihnen<br />

nicht nur die schönsten Touren im Oberallgäu,<br />

sondern versucht auch, Ihnen möglichst<br />

viel Hintergrundwissen und ökologische<br />

Zusammenhänge der Bergwelt<br />

zu vermitteln. Ersatzwanderung bei<br />

frühlingshafter Witterung.<br />

Termine: 26.12.13 bis 24.4.<strong>14</strong><br />

Dauer: 9.30 bis 16 Uhr<br />

Treffpunkt:<br />

Gästeinformation Obermaiselstein,<br />

Am Scheid 18, D-87538 Obermaiselstein,<br />

Tel. +49 8326 277<br />

Kosten: 15 Euro inkl. Leihgebühr<br />

für Schneeschuhe und Stöcke<br />

Wichtig: Anmeldung erforderlich!<br />

<strong>Winter</strong>kleidung, feste Schuhe und<br />

eine kleine Brotzeit mitbringen.<br />

Schneeschuh-Schnuppertour<br />

am Hochhäderich bei Hittisau<br />

Termine: Jeden Dienstag,<br />

16.45 Uhr<br />

Dauer: 1,5 bis 2 Std.<br />

Kosten: 15 Euro pro Person<br />

inkl. Ausrüstung<br />

Anmeldung und Info:<br />

Tel. +43 664 9<strong>14</strong>1095<br />

oder +43 5513 8254<br />

Vollmond-<br />

Schneeschuhtour<br />

im Lecknertal<br />

Bei Vollmond mit Schneeschuhen<br />

unterwegs im Lecknertal<br />

– geeignet für alle Mondsüchtigen und<br />

Nachtschwärmer.<br />

Termine: 16.1/15.2/16.3. 20<strong>14</strong><br />

Dauer: 1,5 Std.<br />

Treffpunkt: Dorfbrunnen Hittisau<br />

Preis: 20 Euro pro Person inkl. Ausrüstung<br />

Anmeldung und Info:<br />

Hittisau Tourismus, Tel. +43 5513 6209-50<br />

oder Helga Rädler, Tel. +43 664 5793566,<br />

www.kulturinbewegung.at<br />

Mehrtagestouren<br />

durch den <strong>Naturpark</strong><br />

- Schneeschuhtour:<br />

4 Tage durch den <strong>Naturpark</strong><br />

Nagelfluhkette<br />

Bergschule OASE:<br />

Mehr unter www.oase-alpin.de<br />

- Hörnertour: Schneeschuhwochenende<br />

mit Hüttenübernachtung<br />

Bergschule OASE:<br />

Mehr unter www.oase-alpin.de<br />

24 <strong>NAGELFLUH</strong>


KURZMELDUNGEN<br />

Projekt »Zeitweg« in Balderschwang gestartet<br />

Neue Öffnungszeiten<br />

im AlpSeeHaus<br />

täglich von 10 – 17 Uhr<br />

November bis März: Sa, So und Feiertage<br />

geschlossen (außer 26. Dezember - 6. Januar),<br />

Sonderöffnungszeiten nach Absprache<br />

Eintritt: 3,50 Euro (3 Euro*), bis 16 Jahre frei<br />

*Ermäßigt für <strong>Naturpark</strong>anwohner, mit Bregenzerwald<br />

Gäste-Card, Allgäu-Walser Card<br />

Foto: Thomas Gretler<br />

An dieser Stelle soll der neue »Zeitweg« entlang führen, mit vielen Stationen für die ganze Familie<br />

Info: AlpSeeHaus, Seestraße 10, D-87509<br />

Immenstadt-Bühl, Tel. +49 8323 9988-750,<br />

E-Mail: info@naturpark-nagelfluhkette.eu,<br />

www.nagelfluhkette.info<br />

Nach langer Vorbereitungszeit ist es soweit,<br />

die Erstellung des »Zeitwegs«, ein Themenweg<br />

oberhalb Balderschwang, konnte begonnen<br />

werden. Entlang des Weges werden viele<br />

Besonderheiten Balderschwangs für die ganze<br />

Familie erlebbar werden.<br />

Vom Geißengehege über einen Abenteuerwald<br />

bis hin zum Kräutergarten. Im Frühjahr, nach<br />

der Schneeschmelze, werden Stück für Stück<br />

alle Stationen im Gelände aufgebaut. Neben<br />

spannenden Inhalten hat das Projekt eine wei-<br />

Der <strong>Naturpark</strong><br />

im Postkartenformat<br />

Den <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette kann man jetzt<br />

sprichwörtlich per Post verschicken. <strong>Das</strong> Netzwerk<br />

Alpiner Schutzgebiete, kurz ALPARC, ist<br />

ein Verbund in dem sich die Schutzgebiete der<br />

Alpen, also National- und <strong>Naturpark</strong>e sowie<br />

Biosphärengebiete zusammengeschlossen ha -<br />

ben. Die Nagelfluhkette ist auch dabei und hat<br />

dadurch die Möglichkeit bekommen, bei der<br />

sehr erfolgreichen Postkartenserie, in der sich<br />

jedes Schutzgebiet mit seinen Besonderheiten<br />

vorstellt, mitzumachen. Die <strong>Naturpark</strong> Nagel-<br />

tere Besonderheit. Für jede der Stationen gibt<br />

es einen Themenpaten, der für Erstellung und<br />

Betrieb verantwortlich ist und sich an den Kosten<br />

beteiligt. Dies sind Touristiker und Landwirte<br />

gleichermaßen.<br />

<strong>Das</strong> von der Gemeinde und dem <strong>Naturpark</strong> ins<br />

Leben gerufene Projekt lebt die immer wieder<br />

geforderte enge Partnerschaft von Tourismus<br />

und Landwirtschaft vor. Dies war auch einer<br />

der Gründe, weshalb es über das Programm<br />

LEADER gefördert wird.<br />

fluh-Postkarte ist die Nummer 69 in der Reihe<br />

und im AlpSeeHaus sowie allen Gästeinfos der<br />

<strong>Naturpark</strong>gemeinden kostenfrei erhältlich. Sie<br />

zeigt den Alpabtrieb, ein Bild von den Bergen<br />

der Nagelfluhkette sowie als typischen Vertreter<br />

der Pflanzenwelt die Arnika.<br />

Info: www.alparc.org/ressourcen/unsereveroeffentlichungen/postkartensammlung<br />

Sitzbänke erklären<br />

die Alpwirtschaft<br />

Mit Unterstützung des LEADER-Programms<br />

wurde das Projekt »Alpvielfalt im Gunzesrieder<br />

Tal« gestartet. Es ruft die besondere Bedeutung<br />

der Alpwirtschaft für das Landschaftsbild und<br />

das Leben im Gunzesrieder Tal in Erinnerung.<br />

Entlang eines Rundwegs vom Haldertobel über<br />

die Oberbergalpe zum Bärenköpfle und wieder<br />

hinab über die Dürrehornalpe nach Gunzesried<br />

werden an mehreren Stationen spannende<br />

Informationen rund um die Alpwirtschaft von<br />

früher und heute gegeben.<br />

Zur Ruhe kommen und dabei die stimmungsvolle<br />

Alplandschaft genießen steht dabei im<br />

Vordergrund, weshalb auch tatsächlich Sitzbänke<br />

als Informationsträger gewählt wurden.<br />

Start und Ziel wird jeweils die Sennerei Gunzesried<br />

sein. Wenn sich der <strong>Winter</strong> wieder aus<br />

dem Tal zurückgezogen hat, geht’s los. Dann<br />

werden alle Stationen installiert und die Arbeitsgruppe<br />

»Regionalentwicklung Gunzesrieder<br />

Tal« kann auf ihr erstes erfolgreich umgesetztes<br />

Produkt blicken. Weitere werden folgen.<br />

Anzeige<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 25


NEUES AUS DEM NATURPARK<br />

Weiteres vom Apollo folgt<br />

in der kommenden Sommerausgabe.<br />

Dann fliegt er wieder im <strong>Naturpark</strong><br />

Fotos: Stefan Pscherer<br />

Spannende Erkenntnisse über den Apollofalter<br />

Der Apollofalter (Parnassius apollo) war früher<br />

im <strong>Naturpark</strong> weit verbreitet. An vielen Stellen<br />

in der Nagelfluhkette war er anzutreffen und<br />

gehörte für Älper und Wanderer zum gewohnten<br />

Bild unserer Berge. Auch heute noch kann<br />

man ihn bei uns finden, aber er ist seltener<br />

geworden. Was sind die Gründe für den Rückgang?<br />

Welche Lebensräume benötigt die Art?<br />

Weshalb kommt er nach wie vor entlang der<br />

Nagelfluhkette vor, wohingegen er andernorts<br />

schon vielfach ausgestorben ist?<br />

Diesen Fragen ist Carolin Schwarz, Lehramtsstudentin<br />

an der Universität Ulm, in diesem<br />

Jahr nachgegangen und hat bei ihren Feldstudien<br />

im Gunzesrieder Tal Spannendes entdeckt.<br />

Es gibt ihn noch bei uns, den einzigen<br />

weltweit geschützten außertropischen Tagfalter.<br />

Auch wenn er bei weitem nicht mehr so<br />

häufig wie früher ist, haben wir noch gute Vorkommen,<br />

zum Beispiel bei der Hinteren Wieslealpe.<br />

Eine reich strukturierte Alpweide, auf<br />

der zur Flugzeit der Falter im Juli und August<br />

ein reichhaltiges Blumenangebot vorliegt, ist<br />

eine Voraussetzung. Besonders wichtig ist das<br />

Vorkommen zahlreicher Nagelfluhfelsblöcke in<br />

den Alpweiden. Wenn diese stark besonnt werden,<br />

wächst auf ihnen nämlich die Weiße Fett-<br />

26 <strong>NAGELFLUH</strong><br />

henne, eine kleine, weiß blühende Pflanze, die<br />

zu den Dickblattgewächsen gehört. Als Raupe<br />

frisst der Apollofalter bei uns fast ausschließlich<br />

diese eine Pflanze. Ohne Fetthenne also<br />

kein Apollo.<br />

»Die Alpwirtschaft übernimmt in Sachen<br />

Apollofalter bei uns eine Schlüsselrolle. Und da<br />

ist erst mal ein großes Kompliment fällig«, sagt<br />

Carolin Schwarz. Ergänzt wird sie von Stefan<br />

Pscherer, der als Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands<br />

Oberallgäu die Arbeit<br />

gemeinsam mit dem <strong>Naturpark</strong> betreut. »Viele<br />

Älpler bewirtschaften ihre Alpe mit unglaublich<br />

viel Sachverstand. Die Alpwiesen gedeihen<br />

dort am prächtigsten, wo diese traditionell<br />

bewirtschaftet werden. Es zeigt sich, dass diese<br />

Art der Bewirtschaftung die Artenvielfalt fördert.<br />

Auf großflächige Düngung, Planierung<br />

und Kalkung wird seit jeher bewusst verzichtet.<br />

Pflegliche Alpwirtschaft ist somit auch praktizierter<br />

Naturschutz.«<br />

Unter Druck kommt der Apollofalter dort, wo<br />

die Alpwirtschaft intensiver wird und eine<br />

maschinelle Bewirtschaftung beispielsweise<br />

dazu führt, dass die Nagelfluhfelsblöcke entfernt<br />

werden. Gleiches gilt für den Fall, dass<br />

sich die Alpwirtschaft aus der Bewirtschaftung<br />

zurückzieht und die Flächen verbuschen, beziehungsweise<br />

eine Wiederbewaldung einsetzt.<br />

Um letzteres zu verhindern sind übrigens auch<br />

die Junior Ranger im <strong>Naturpark</strong> im Einsatz. Sie<br />

haben bereits beim »Schwenden«, also dem<br />

Entfernen von aufkommenden Jungbäumen<br />

auf der Alpe, geholfen.<br />

Lehramtsstudentin Carolin Schwarz<br />

hat bei ihren Feldstudien viel über den<br />

Apollofalter im <strong>Naturpark</strong> erfahren


KURZMELDUNGEN<br />

Neuer Nagelfluh-Infopunkt im Gunzesrieder Tal<br />

Wer sich über den <strong>Naturpark</strong> Nagelfluhkette<br />

informieren will, dem bietet sich seit kurzem<br />

eine neue Gelegenheit in der Gunzesrieder<br />

Säge. Im Cafe und Pensionsbetrieb »Nagelfluhhaus<br />

Hirsch« wurde ein Infopunkt eingerichtet,<br />

bei dem sich Wanderer, Gäste und Interessierte<br />

von der Einmaligkeit der Nagelfluhkette inspirieren<br />

lassen können. Mit Filmen, Büchern,<br />

Kartenmaterial, Tourenplanern und vielem<br />

mehr erfährt man hier allerhand über den<br />

<strong>Naturpark</strong> und seine Sehenswürdigkeiten.<br />

Der Infopunkt ist in dem sympathischen<br />

Gästehaus bestens untergebracht. Vor einem<br />

Jahr übernahm Manfred Gresser in der Gunzesrieder<br />

Säge den »Hirschen« und betreibt ihn<br />

zusammen mit Doris Wesemann unter dem<br />

Namen »Naglfluhhaus Hirsch«. <strong>Das</strong> ehemalige<br />

Gasthaus und die Gästezimmer wurden renoviert,<br />

umgebaut, modernisiert und nach einigen<br />

Monaten mit neuem »Outfit« als Cafe und<br />

Pensionsbetrieb geöffnet. Die acht Gästezimmer<br />

wurden nach Pflanzen, die im <strong>Naturpark</strong><br />

wachsen, benannt und in deren jeweiligen Farben<br />

gestaltet, zum Beispiel Aurikel, Arnika,<br />

Knabenkraut, Kuhschelle oder Eisenhut.<br />

Fotos: Thomas Niehörster, Nagelfluhhaus Hirsch<br />

Als Diplomkunsttherapeut bietet Manfred<br />

Gresser zusammen mit der Wildkräuterführerin<br />

Christa Schneider im Sommer einen Wandern-<br />

Zeichnen-Workshop an.<br />

Der Infopunkt befindet sich im angeschlossenen<br />

Lädchen des »Nagelfluhhaus Hirsch«,<br />

dessen Angebot aus Produkten der Region<br />

und Kunsthandwerk langsam wächst<br />

Info: Nagelfluhhaus Hirsch, Gunzesried-Säge<br />

30, D-87544 Blaichach, Tel. +49 8321 2554, Fax<br />

+49 8321 71374, E-Mail: info@nagelfluhhaushirsch,<br />

www.nagelfluhhaus-hirsch.de<br />

Manfred Gresser und Doris Wesemann<br />

betreiben gemeinsam das Nagelfluhhaus Hirsch.<br />

Torten wie die »Himmlische« oder »Sommerfrische«<br />

werden hier selbst gebacken<br />

Anzeigen<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 27


KURZMELDUNGEN<br />

Ein unerwarteter Verkaufsschlager<br />

Allgäu: Die torffreie Blumen- und Pflanzerde<br />

der Allgäuer Moorallianz erfreut sich großer<br />

Beliebtheit – nicht nur bei den umweltbewussten<br />

<strong>Naturpark</strong>bewohnern. Mehr als 10.000<br />

Säcke à 45 Liter sind seit dem Verkaufsstart<br />

Mitte März <strong>2013</strong> in den Vertrieb gelangt. Landrat<br />

und Zweckverbandsvorsitzender Johann<br />

Fleschhut: »Wir hätten diese Resonanz nicht<br />

erwartet. <strong>Das</strong> entspricht der Menge, die die<br />

Allgäuer Moorallianz mit dem Produzenten,<br />

den Einheitserdewerken Patzer aus Buchenberg,<br />

eigentlich für die kommenden drei Jahre<br />

vorgesehen hatte.« Mit der Erde sowie der<br />

begleitenden Kampagne »torffrei gärtnern«<br />

macht die Allgäuer Moorallianz deutlich, wie<br />

leicht jeder Einzelne durch bewusstes Einkaufsverhalten<br />

den Moor- und Klimaschutz<br />

persönlich unterstützen kann.<br />

red<br />

Info: Die aktuelle Liste der (mittlerweile über<br />

90) Verkaufsstellen für die torffreie Blumenund<br />

Pflanzerde ist online unter<br />

www.moorallianz.de zu finden.<br />

Hobbygärtner wissen oft nicht,<br />

dass sie mit torfhaltiger Erde gärtnern<br />

Foto: Christine Kuchem/NABU<br />

Die drei Gründe<br />

fürs »torffreie Gärtnern«:<br />

1. Moorschutz ist Klimaschutz: Der Torf, der<br />

in jeder herkömmlichen Blumenerde enthalten<br />

ist, stammt aus dem Moor. Für den<br />

Abbau werden die Moore entwässert, und<br />

der zersetzte Torf geht als CO2 in die Luft.<br />

<strong>Das</strong> passiert in kürzester Zeit auch mit dem<br />

Torf, der als Gartenerde verwendet wird.<br />

2. Moorschutz bedeutet Schutz der Artenvielfalt:<br />

Moore sind unersetzliche Lebensräume<br />

für viele seltene Tier- und Pflanzenarten,<br />

die auf diese Umgebung angewiesen<br />

sind – etwa der Sonnentau, der Hochmoor-<br />

Gelbling oder seltene Libellen. In Mittel -<br />

europa wurden bereits 95 Prozent der<br />

Moore entwässert und damit die speziellen<br />

Lebensräume dieser Arten zerstört.<br />

3. Die Bestandteile der Allgäuer torffreien<br />

Blumen- und Pflanzerde, etwa der Kompost,<br />

kommen zu einem großen Teil aus<br />

dem Allgäu. <strong>Das</strong> reduziert lange Transportwege<br />

und unterstützt regionale Unternehmen.<br />

Eine sorgfältig ausgewählte Mischung<br />

hochwertiger Rohstoffe sichert die hohe<br />

Qualität, damit nicht nur die Moore, sondern<br />

auch die Gärten erblühen.<br />

Starke Damen<br />

im Frauenmuseum<br />

Hittisau: Noch bis 27. Oktober ist im Frauenmuseum<br />

Hittisau die Ausstellung »Europäerinnen«<br />

zu sehen. Drei Jahre lang reiste die Fotografin<br />

Bettina Flitner kreuz und quer durch<br />

Europa, um »große Europäerinnen, die unseren<br />

Kontinent geprägt haben« zu fotografieren:<br />

Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen<br />

und Menschenrechtlerinnen. Frauen,<br />

die in ihrem Land und darüber hinaus<br />

Herausragendes geleistet haben. »Sie geben den<br />

Ton an, wie die englische Dirigentin Sian Edwards.<br />

Sie setzen Männer schachmatt, wie die<br />

Ungarin Judit Polgar, die beste Schachspielerin<br />

der Welt. Sie greifen nicht nur nach den Sternen,<br />

sondern fliegen gleich selber hin, wie die<br />

französische Astronautin Claudie Haigneré«,<br />

so Flitner. Die Kurzbiographien schrieb Alice<br />

Schwarzer. Begleitend zur Schau sind verschiedene<br />

Filmdokumentationen zu sehen. red<br />

Info: Frauenmuseum Hittisau, Platz 501,<br />

A-6952 Hittisau, Tel. +43 664 4355456,<br />

E-Mail: kulturvermittlung@frauenmuseum.at,<br />

www.frauenmuseum.at<br />

<strong>Winter</strong>fest und Abendrodeln<br />

Oberstaufen: <strong>Das</strong>s Schnee richtig Spaß machen<br />

kann, zeigen die Skigebiete am Hündle und am<br />

Imberg mit zahlreichen Angeboten wie Funpark,<br />

Pistentaxi und neu gebautem Hündle-<br />

Skikinderland. Am Samstag, den 25. Januar<br />

20<strong>14</strong> findet ab <strong>14</strong> Uhr das <strong>Winter</strong>fest am Kirchhang<br />

in Steibis-Ortsmitte statt. <strong>Das</strong> beliebte<br />

Abendrodeln an der Imbergbahn Steibis findet<br />

ab dem 28. Dezember bei geeigneter Witterung<br />

jeden Samstag von 18 bis 21 Uhr, sowie am 30.<br />

Dezember, dem 2. Januar 20<strong>14</strong>, am Rosenmontag<br />

(3. März) und Aschermittwoch (5. März)<br />

statt.<br />

red<br />

INFO: Hündlebahn: Tel. +49 8386 2720, E-Mail:<br />

info@huendle.de, www.huendle.de<br />

Imbergbahn: Tel. +49 8386 8112, E-Mail:<br />

info@imbergbahn.de, www.imbergbahn.de<br />

Garantiert beschneite Pisten und<br />

gut ausgebaute <strong>Winter</strong>wanderwege<br />

warten auf die Skifahrer<br />

am Imberggebiet<br />

Foto: www.allgaeubilder.info<br />

28 <strong>NAGELFLUH</strong>


KURZMELDUNGEN<br />

Gratis Brennholz über die Brennholzbörse<br />

Anzeigen<br />

Vorderwald: Über die neue Brennholzbörse,<br />

einer Initiative des Landesforstdienstes Vorarlberg<br />

und der Energieregion Vorderwald, haben<br />

Waldeigentümer die Möglichkeit, überschüssiges<br />

Holz an Brennholzsuchende abzugeben.<br />

Davon profitieren sowohl Wald als auch<br />

Mensch. Es gibt im Vorderwald hervorragende<br />

Wälder mit hohem Wachstum, aber nicht<br />

immer wird das gesamte verwertbare Holz<br />

daraus entfernt, beispielsweise weil ein Waldbesitzer<br />

keine Möglichkeit hat, den Schlag zu<br />

räumen. Andererseits heizen viele Vorderwälder<br />

mit Holz, besitzen aber keinen Wald, um<br />

eigenes Brennmaterial zu schlagen. Über die<br />

Brennholzbörse können die Waldbesitzer<br />

Brennholzsuchende kontaktieren, die ihr Holz<br />

selbst aufarbeiten möchten. In der Regel dürfen<br />

diese den Schlag kostenlos verwerten. Im<br />

November findet eine Infoveranstaltung zum<br />

Thema statt. Der genaue Termin wird in Kürze<br />

auf der Homepage der Energieregion Vorderwald<br />

bekannt gegeben.<br />

red<br />

Info: Als Brennholzsuchender melden Sie sich<br />

im Internet unter www.energieregion-vorderwald.at<br />

an. Die Liste der Teilnehmer und weitere<br />

Informationen zur Vorderwälder Brennholzbörse<br />

sind dort zu finden<br />

Handwerk<br />

www.fenster-feuerstein.de<br />

Mühlenstr. 5, D-87534 Oberstaufen-Weißach<br />

T: +49 8386 1346, F: +49 8386 4341<br />

»Die Alpen sind komplett«<br />

Bayern: Die Reihe der Alpenvereinskarten<br />

»Bayerische Alpen« ist jetzt abgeschlossen. Mit<br />

der Veröffentlichung der Kartenblätter »BY 2,<br />

Kleinwalsertal, Hoher Ifen, Widderstein« und<br />

»BY 4, Allgäuer Hochalpen, Hochvogel, Krottenkopf«<br />

sind alle 22 Kartenblätter erhältlich.<br />

Sie decken den gesamten bayerischen Alpenraum<br />

ab und schließen eine vormals große<br />

Lücke in der Karten-Landschaft. Sehr praktisch<br />

ist die Verzeichnung der Wald-Wild-Schon -<br />

gebiete sowie empfohlene Auf- und Abstiegsrouten<br />

für <strong>Winter</strong>sportler. Die Reihe entstand<br />

in einer Kooperation zwischen dem Deutschen<br />

Alpenverein (DAV) und dem Bayerischen Lan-<br />

desamt für Vermessung und Geoinformation<br />

(LVG). Als ideeller Partner unterstützte das<br />

Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) das<br />

Projekt von Anfang an. Die Kartenblätter<br />

werden nun im Vier- bis Fünf-Jahres-Turnus<br />

aktualisiert<br />

red<br />

Info: Die Alpenvereinskarten Bayerische Alpen<br />

kosten je 5,95 Euro für DAV-Mitglieder und 9,80<br />

Euro für Nichtmitglieder (zzgl. Versandkosten)<br />

und können per Fax unter der Nummer +49 89<br />

<strong>14</strong>003-911, per E-Mail an dav-shop@alpenverein.de,<br />

über die Website www.dav-shop.de oder<br />

im Buchhandel bestellt werden.<br />

Foto:DAV_Johannes Fischer<br />

Die »Macher« des Kartenwerkes (v.l.n.r.): Professor Dr. Walter Welsch (DAV), Johann Zahn (LVG, kniend), Ludwig<br />

Wucherpfennig (DAV-Vizepräsident), Walter Henninger (ehemals LVG), Dr. Heinrich Gleixner (LVG), Finanzstaats -<br />

sekretär Franz Josef Pschierer (MdL), Hanspeter Mair (DAV), Dr. Klement Aringer (Präsident des LVG)<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 29


KURZMELDUNGEN<br />

Foto: Vorarlberg Tourismus<br />

Der neue Rundwanderweg führt von Bregenz<br />

über das Rheintal und den Bregenzerwald zum<br />

Tannberg und von der Silvretta über den Verwall<br />

(hier zu sehen) und den Rätikon wieder zurück<br />

ans Ufer des Bodensees<br />

Vorarlberg in Etappen entdecken<br />

Vorarlberg: Seit diesem Sommer führt ein<br />

neuer Rundwanderweg mitten durch Vorarlbergs<br />

Naturlandschaft: »Min Weag« ist Vorarlberger<br />

Dialekt und bedeutet »Mein Weg«. Entwickelt<br />

wurden die bisher 31 Etappen von Vorarlberg<br />

Tourismus in Zusammenarbeit mit heimischen<br />

Bergführern. Verschiedene Themen<br />

begleiten die Routen, zum Beispiel das Wirken<br />

der Bregenzerwälder Barockbaumeister oder<br />

der Aufstieg und Fall der Wälder Käsebarone.<br />

Der Rundweg steht online auf der Website von<br />

Vorarlberg Tourismus zur Verfügung. Jede Einzeltour<br />

kann online ausgewählt, betrachtet und<br />

ausgedruckt werden.<br />

red<br />

Info: Vorarlberg Tourismus GmbH,<br />

Poststraße 11, Postfach 99, A-6850 Dornbirn,<br />

Tel. +43 5572 377033-23, Fax +43 5572<br />

377033-5, E-Mail: andrea.masal@<br />

vorarlberg.travel, www.vorarlberg.travel<br />

Ein Original im Bregenzerwald<br />

Krumbach: Exakt nach 120 Jahre alten Vorbildern<br />

hat der Oberstaufener Fensterbauer Herbert<br />

Feuerstein sogenannte »Ruckerfenster« für<br />

ein Krumbacher Bauernhaus gefertigt. Als<br />

Ruckerfenster bezeichnete man im Bodenseeraum<br />

früher die kleinen Lüftungsflügel an den<br />

Fenstern der Bauernhäuser. Da diese in einer<br />

einfachen Holznut geführt waren, »ruckelten«<br />

sie beim Schieben zuweilen etwas, was ihnen<br />

ihren einprägsamen Namen verlieh. Die so entstandenen<br />

Fenster entsprechen sicher nicht<br />

den heutigen Standards in Sachen Wärmeschutz<br />

oder Bedienkomfort. Dem Bauherrn,<br />

so Feuerstein, war das durchaus bewusst.<br />

Er habe es jedoch zugunsten der Originaltreue<br />

in Kauf genommen.<br />

red<br />

Wieder ein Leuchtturmprojekt in der <strong>Naturpark</strong>gemeinde<br />

Krumbach: Bauernhaus mit Ruckerfenstern<br />

Foto: Fensterbau Feuerstein<br />

Heißer Tipp<br />

für kalte Tage<br />

Immenstadt: Rodler kommen in der Alpsee<br />

Bergwelt zwischen Immenstadt und Oberstaufen<br />

so richtig in Fahrt. Deutschlands längste<br />

Ganzjahres-Rodelbahn, der »Alpsee Coaster«,<br />

bietet sechs bis zehn Minuten Fahrspaß über<br />

knapp drei Kilometer Länge. Wer es klassischer<br />

mag, für den sind die Naturrodelbahnen mit<br />

3,5 und 4,5 Kilometern Länge vielleicht das<br />

Richtige. Beide Bahnen werden bei entsprechender<br />

Schneelage täglich maschinell präpariert,<br />

die passenden Schlitten können vor Ort<br />

ausgeliehen werden. Auch das beliebte Nachtrodeln<br />

bis 21 Uhr findet während der <strong>Winter</strong>saison<br />

in den Ferien wieder jeden Samstag und<br />

Mittwoch statt.<br />

red<br />

Durch Kurven, Brücken und Tobel geht es mit dem<br />

»Alpsee Coaster« von der Bergstation hinab ins Tal<br />

30 <strong>NAGELFLUH</strong><br />

Foto: Alpsee Bergwelt GmbH<br />

Biotop auf dem Firmengelände<br />

Deutschland: Unternehmen sollen auf ihrem<br />

Firmengelände Lebensräume für Tiere und<br />

Pflanzen bereitstellen und so die biologische<br />

Vielfalt schützen. <strong>Das</strong> ist das Ziel eines neuen<br />

Gemeinschaftsprojekts des Bundesumwelt -<br />

ministerium und dem Bundesamt für Naturschutz.<br />

Mindestens 20 Firmen sollen einen<br />

»Biodiversity Check« durchführen, der die kon -<br />

krete Bedeutung der biologischen Vielfalt für<br />

das Unternehmenshandeln herausarbeitet. Bis<br />

zu zehn Unternehmen mit entsprechend großen<br />

Firmengeländen werden dann ausgewählt<br />

Ein schweres Stück Geschichte<br />

Riefensberg: Beim Wanderweg von der Parzelle<br />

Auen in Richtung Hagspiel, einige Meter vor<br />

der Grenze zu Deutschland, können Spaziergänger<br />

in ein Stück Geschichte eintauchen. In<br />

Riefensberg gab es vom 17. bis ins 19. Jahrhundert<br />

einige Mühlen. Von einer dieser Mühlen,<br />

der so genannten Auen-Mühle (auch Lexa-<br />

Mühle genannt) wurde im Sommer 2010 der<br />

rund 300 Jahre alte Mühlstein von Wilhelm<br />

Willi sowie Altbürgermeister Leopold Willi<br />

gefunden und geborgen. Unter einer Schautafel,<br />

auf der die Funktion und die Geschichte des<br />

Steines erläutert wird, ist der massive Mühlstein<br />

ausgestellt.<br />

red<br />

Der 300 Jahre alte Mühlstein der Auen-Mühle<br />

und bei der Planung und Umsetzung einer<br />

naturnahen Gestaltung der Flächen unterstützt.<br />

»Viele Unternehmen besitzen ungenutzte<br />

Flächen auf ihrem Firmengelände, die sich<br />

mit wenig Aufwand in wertvolle Rückzugsräume<br />

für Tiere und Pflanzen verwandeln lassen«,<br />

heißt es im Bundesumweltministerium. »<strong>Das</strong><br />

ist gut für die biologische Vielfalt, aber es kann<br />

auch den Arbeitsplatz verschönern und die<br />

Unterhaltskosten des Betriebs geländes senken.«<br />

Die Ergebnisse des Projekts werden Mitte<br />

des Jahres 2016 vorgestellt.<br />

red<br />

Foto: Gemeinde Riefensberg


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<strong>NAGELFLUH</strong> 31


Was machen die<br />

Tiere im <strong>Winter</strong>?<br />

Wenn es kalt wird, kommt es einem oft so vor, als gäbe es viel weniger Tiere<br />

in unserer Region als im Sommer. <strong>Das</strong> liegt daran, dass sich viele in ihren<br />

Unterschlupf zurückziehen, um <strong>Winter</strong>schlaf zu halten. Doch was tun denn<br />

eigentlich die <strong>Naturpark</strong>bewohner, die den <strong>Winter</strong> nicht verschlafen?<br />

Fische<br />

Sie zehren im <strong>Winter</strong> von Fettreserven, die sie sich über den Sommer<br />

hinweg angefressen haben, sowie von verbliebenen Pflanzen<br />

und Insekten, die sie noch im Wasser finden können. Sie passen<br />

ihre Körpertemperatur der des Wassers an. Da Gewässer im <strong>Winter</strong><br />

meist am Grund am wärmsten sind, halten sich die Fische vorwiegend<br />

dort unten auf.<br />

Alpenschneehuhn<br />

Erdkröte<br />

In frostsicheren Verstecken in Wäldern gräbt sie sich in die Erde<br />

ein. Nach der Schneeschmelze suchen sie ihren Geburtsort auf und<br />

legen dafür oft weite Strecken zurück.<br />

Es hat komplett befiederte Füße, die wärmeres und einfacheres<br />

Laufen auf Schnee ermöglichen. Sein Gefieder wird im <strong>Winter</strong><br />

reinweiß und tarnt dadurch zum Beispiel vor Steinadler-Angriffen.<br />

Es fliegt möglichst wenig und nimmt öfters eine »Kugelform« ein.<br />

Die Nächte verbringt das Schneehuhn in Schneehöhlen, tagsüber<br />

hält es sich im Windschatten von Felsen und Schneekanten auf.<br />

Alpensalamander<br />

In frostfreien Felsspalten, Mäuselöchern, unter Steinen oder totem<br />

Holz liegt sein Rückzugsgebiet im <strong>Winter</strong>. Bei wärmer werdenden<br />

Temperaturen werden die Salamander wieder aktiv.<br />

Rothirsch<br />

Im <strong>Winter</strong> werden viele Rothirsche in »<strong>Winter</strong>gattern« gefüttert,<br />

damit sie keine Bäume anfressen. Sie können in kalten <strong>Winter</strong>n eine<br />

Art kurzen <strong>Winter</strong>schlafes einlegen, dabei nehmen Herzschlag und<br />

Körpertemperatur ab. Sie schrecken jedoch leicht aus diesem Schlaf<br />

hoch und ergreifen panisch die Flucht, wenn sie dabei von Menschen<br />

gestört werden, deshalb ist hier besondere Rücksicht von<br />

<strong>Winter</strong>wanderern und Skifahrern gefordert.<br />

Tannenmeise<br />

Sie muss täglich 30 Prozent ihres Körpergewichts an Nahrung zu sich<br />

nehmen, um zu überleben, was im <strong>Winter</strong> sehr schwierig ist. Bei langen<br />

Kälteperioden sterben daher viele von ihnen. Zur besseren<br />

Erkennung von Feinden und um Energie zu sparen bildet sie ihm<br />

<strong>Winter</strong> mit anderen Meisen und Goldhähnchen Gemeinschaften.<br />

Fotos: Angelika Wolter/pixelio.de, Johann Piber/pixelio.de, Dave Menke<br />

Hase<br />

Wie Reh, Hirsch und Fuchs hat er ein dichtes, gut<br />

isolierendes <strong>Winter</strong>fell. Zusammen mit einer zusätzlichen<br />

Speckschicht schützt diese vor der Kälte.<br />

Schmetterlinge<br />

Sie begegnen dem <strong>Winter</strong> auf ganz unterschiedliche Art: Die meisten<br />

sterben beim ersten Frost und lassen in kleinen Spalten ihre<br />

Eier oder kleine Raupen zurück. Andere überwintern im Puppenstadium<br />

an einen Ast geklebt, getarnt als Zweig oder trockenes<br />

Blatt. Manche Raupen überwintern im Ameisenbau und produzieren<br />

als »Miete« einen süßen Saft, der den Ameisen schmeckt.


Bienen<br />

Im Sommer werden Bienen nur sechs Wochen alt und würden den<br />

<strong>Winter</strong> nicht überleben. Doch es gibt spezielle <strong>Winter</strong>bienen im Bienenvolk,<br />

welche sechs Monate alt werden können. Sie bleiben den<br />

ganzen <strong>Winter</strong> über im Bienenstock und wärmen sich zwischen den<br />

Waben gegenseitig mit ihren Körpern. Im Frühling schlüpfen dann<br />

wieder neue kurzlebige Sommerbienen.<br />

Alpendohle<br />

Als intelligenter Rabenvogel hat sie gelernt, dass sie vom Menschen<br />

Futter beziehen kann (vor allem in Bergrestaurants, Alphütten oder<br />

Wanderwegen). Im <strong>Winter</strong> fliegt sie deshalb oft bis ins Tal. Bei<br />

Schneefall bleibt sie dann einfach dort.<br />

Mensch<br />

Ist im <strong>Winter</strong> ebenso aktiv wie im Sommer, geschützt durch Strickmützen,<br />

Handschuhe und Schneeketten. Ausnahmen bestätigen die<br />

Regel: Von einigen Exemplaren ist bekannt, dass sie sich zeitweise,<br />

ähnlich wie viele <strong>Winter</strong>schläfer, in ihren Unterschlupf zurückziehen<br />

und mehrere Tage dort mit Taschentüchern und vielen Tassen<br />

Hustentee verbarrikadieren.<br />

Ameise<br />

Die Temperaturen im Ameisenbau sinken im <strong>Winter</strong> unter null<br />

Grad Celsius. Die Ameisen verfallen dann in eine Art Kältestarre,<br />

verbrauchen so gut wie keine Energie und halten bis zu zwölf Grad<br />

minus aus.<br />

Steinadler<br />

Fotos: Ulrich Velten/pixelio, Kurt/pixelio, Volker Wille<br />

Eichhörnchen<br />

Im <strong>Herbst</strong> verstecken sie Nüsse in Baumhöhlen oder in der Erde.<br />

Dann legen sie sich <strong>Winter</strong>nester an, bequem ausgepolstert, warm<br />

und vor allem trocken. Dort kauern sie sich zusammen und wickeln<br />

den langen Schwanz wie eine Decke um sich.<br />

Einige für ihn wichtige Beutetiere halten <strong>Winter</strong>schlaf oder <strong>Winter</strong>ruhe.<br />

Er findet häufig junge oder kranke Tiere, etwa Gämsen und<br />

Birkhühner, kann aber auch zwei Wochen lang ohne Nahrung auskommen.<br />

Steinadler verbrauchen bei kalten Temperaturen weniger<br />

Energie und müssen pro Tag nur drei bis vier Prozent ihres Körpergewichts<br />

fressen, also rund 200 Gramm.<br />

Fotos: Thomas Niehörster<br />

Info: Noch mehr erfinderische Arten und Methoden, wie Wildtiere<br />

der Kälte trotzen, kann man in der Erlebnisausstellung im AlpSee-<br />

Haus entdecken. Im <strong>Winter</strong>-Suchspiel haben sich zahlreiche Wald-,<br />

Wiesen- und Alpenbewohner in ihren Unterschlupf zurückgezogen –<br />

sie alle zu finden, ist gar nicht so einfach.<br />

Rücksicht ist im <strong>Winter</strong> besonders wichtig<br />

Zur kalten Jahreszeit sind viele Tiere, wie das Schneehuhn oder Rotwild,<br />

besonders empfindlich (siehe auch S. 19 bis 21). Sie müssen Energie<br />

sparen, weil sie nicht so viel zu fressen finden. Störungen können<br />

jetzt fatale Folgen haben, wie Verbissschäden an jungen Bäumen oder<br />

sogar den Tod der panisch in die Kälte flüchtenden Tiere.<br />

Kampagnen wie »RespekTIERE deine Grenzen« und »Skibergsteigen<br />

umweltfreundlich« zeigen Ratschläge auf, wie man sich als Mensch zu<br />

dieser Zeit rücksichtsvoll gegenüber Schneehase und Co. verhält.<br />

Diese findet man im Internet oder auch in der <strong>Herbst</strong>ausgabe 2012<br />

des Nagelfluhmagazins.<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 33


Die Anwälte der Natur<br />

feiern im AlpSeeHaus<br />

Seit hundert Jahren stellt sich der Bund Naturschutz<br />

schützend vor Bayerns Landschaft und<br />

seine natürlichen Lebensgrundlagen. In Schwaben<br />

hat er sich mit aktuell zehn Kreisgruppen und<br />

knapp 25.000 Mitgliedern als »grünes Gewissen«<br />

der Region etabliert. Ihr Jubiläum feierten die<br />

schwäbischen Natur- und Umweltschützer am<br />

28. Juli rund um das Naturerlebniszentrum<br />

Allgäu im AlpSeeHaus bei Immenstadt<br />

Diese Feier nahm Umweltminister Huber zum Anlass, dem BN-<br />

Naturerlebniszentrum Allgäu die Urkunde zur staatlichen Anerkennung<br />

als Umweltstation zu überreichen. Um dieses Siegel zu bekommen,<br />

müssen hohe Qualitätsmerkmale der Umweltbildung eingehalten<br />

werden.<br />

Nach seiner Gründung 1913 war der Bund Naturschutz bereits in den<br />

1920er-Jahren mit Bezirksgruppen in ganz Schwaben aktiv. So wurden<br />

überall in der Region alte Bäume kartiert und auf Anregung der ersten<br />

Bezirksgruppen unter Schutz gestellt.<br />

Auch in der Umweltbildung war der Bund Naturschutz seit seiner<br />

Gründung aktiv. Zahlreiche Exkursionen in die ersten Schutzgebiete, wie<br />

das Ammergebirge, das erste Naturschutzgebiet Schwabens, oder andere<br />

wertvolle Naturlandschaften zeigen das. In vielen Kreisgruppen entwickelte<br />

sich ab den 1970er-Jahren ein umfangreiches Umweltbildungsprogramm<br />

für Alt und Jung. Die Krönung der Umweltbildungsaktivitäten<br />

des Bund Naturschutz in Schwaben ist die Anerkennung des Natur-<br />

erlebniszentrums Allgäu (NEZ) im Alpseehaus als Umweltstation durch<br />

das bayerische Umweltministerium. Bereits im ersten Jahr nach der Aufnahme<br />

der Arbeit im Frühjahr 2012 nahmen über 8000 Personen an<br />

über 350 Veranstaltungen des NEZ teil.<br />

In Zusammenarbeit mit vielen Partnern allgäuweit engagiert sich das<br />

NEZ dafür, das Umweltbewusstsein von Kindern, Jugendlichen und<br />

Erwachsenen durch Umweltbildungsmaßnahmen wie Familiennachmittage<br />

oder Ferienprogramme zu stärken und einen umweltverträglichen<br />

und nachhaltigen Tourismus zu fördern.<br />

Die Basisarbeit der Ortsgruppen besteht seit Jahrzehnten meist aus<br />

Natur- und Artenschutzprojekten vor Ort, wie dem Amphibienschutz<br />

im Frühjahr oder die Pflege von wertvollen Grundstücken. Seit den<br />

1970er-Jahren kauft der Bund Naturschutz Biotopgrundstücke in Schwaben<br />

an. Insgesamt haben die schwäbischen BN-Kreisgruppen in den vergangenen<br />

40 Jahren rund 500 Hektar Naturschutzflächen gekauft oder<br />

gepachtet, die regelmäßig gepflegt werden.<br />

Fotos: Dominik Ultes, Volker Wille, Bund Naturschutz Naturerlebniszentrum Allgäu<br />

34 <strong>NAGELFLUH</strong><br />

Es wächst und wuselt so allerhand auf einer gesunden Streuwiese – bei einer<br />

geführten Exkursion lässt sich viel davon entdecken<br />

Die Junior Ranger erkunden spielerisch ihren <strong>Naturpark</strong> – mit solchen Angeboten<br />

fördert das Naturerlebniszentrum Allgäu früh das Bewusstsein für Naturschutz


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Beim Mooraktionstag 2011 renaturierten Bund Naturschutz, Stadt Immenstadt,<br />

Forstbetrieb Sonthofen und die Kreisjugendfeuerwehr Oberallgäu aufwendig das<br />

Werdensteiner Moos bei Immenstadt<br />

In Bayern wurde der Biber nach vollständiger Ausrottung durch eine Wiederansiedlung<br />

in den 1960er-Jahren wieder heimisch. Zur Lösung von Konflikten mit<br />

Landnutzern hat der BN ein Bibermanagement erarbeitet<br />

<strong>NAGELFLUH</strong> 35


JUWELEN DES NATURPARKS<br />

<strong>Das</strong> Reich der Drachen<br />

und wilden Fräulein<br />

Sturmannshöhle Obermaiselstein<br />

Lange Zeit waren es nur Anekdoten und Schauermärchen,<br />

die von der Sturmannshöhle erzählten.<br />

Da trieben die Höhlenfräulein Maringga, Tschudre<br />

Mudre, Ringgede Bingge und Stuzze Muzz ihr<br />

Unwesen, und ein Höhlendrache und manch böser<br />

Geist benutzen die finsteren Löcher als Wohnstätte<br />

Ein 287 Meter langer Führungsweg führt durch<br />

verschiedene Abteilungen der Sturmannshöhle<br />

Im Jahre 1815 versuchte der Allgäuer Heimatforscher Dr. Geiger als<br />

erster die Sturmannshöhle zu erkunden, besonders weit kam er jedoch<br />

nicht. Ebenso erging es dem Revierförster Wacker aus Fischen, dem bei<br />

seiner Expedition beinahe die Luft ausgegangen wäre, »da seine Begleiter<br />

sich hatten einfallen lassen, am Höhleneingang ein Feuer zu entzünden.«<br />

Von 1854 bis 1886 folgten weitere Versuche von mehreren tapferen Forschern<br />

und Abenteuerlustigen, doch keiner schaffte es, die Sturmannshöhle<br />

vollends zu erobern.<br />

Erst dem Obermaiselsteiner Lehrer Franz Xaver Epplen gelang es im<br />

Jahr 1904 mithilfe einer damals sehr modernen Azetylenlampe weiter in<br />

die Höhle vorzudringen. Daraufhin meldeten sich neun Obermaiselsteiner<br />

freiwillig und gründeten einen Höhlenbauverein, um die Höhle für<br />

die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.<br />

Im Sommer 1906 hatten bereits fast 3000 Besucher mit Kerzen aus -<br />

gerüstet die Höhle erkundet. Mancher drehte bereits auf halber Strecke<br />

wieder um, denn der flackernde Kerzenschein, der kühle Luftzug und<br />

die alten Sagen über die Bewohner der Sturmannshöhle sorgten doch<br />

immer noch für manche Gänsehaut.<br />

Im Laufe der Jahre, mit der vollständigen elektrischen Ausleuchtung<br />

der Höhle und dem Anlegen von Treppenstufen, die rund 300 Meter ins<br />

Erdinnere führen, legte sich diese Beklemmung. Vom »Törle« aus geht<br />

es heute durchs »Drachentor« zum »Theater«, zum 30 Meter hohen<br />

schlotförmigen »Adlerschacht«, um anschließend über den »Höllen-<br />

rachen« den Endpunkt »Höhlenkessel« zu erreichen.<br />

Heute ist die 120 Millionen Jahre alte Sturmannshöhle mit rund<br />

50.000 Besuchern im Jahr eine der beliebtesten Natursehenswürdigkeiten<br />

der Region – und eines der spannenden Juwele in unserem <strong>Naturpark</strong><br />

Nagelfluhkette.<br />

ve<br />

Info: Obermaiselstein Tourismus, Am Scheid 18, D-87538 Obermaiselstein,<br />

Tel: +49 8326 277, E-Mail: obermaiselstein@hoernerdoerfer.de,<br />

www.obermaiselstein.de<br />

36 <strong>NAGELFLUH</strong>


Die Sturmannshöhle ist die einzige Spalthöhle im Allgäu, das heißt, sie zeigt im<br />

gesamten Verlauf einen spaltförmigen Querschnitt auf<br />

Ein empfehlenswerter Wanderweg zur Höhle erzählt in Schrift und fantasievollen<br />

Skulpturen von den Sagen, die sich vor langer Zeit um das Erdloch rankten<br />

Aufgrund der künstlichen Beleuchtung haben sich an den Felswänden vereinzelt<br />

Farne und Moose angesiedelt, die ohne Licht nicht bestehen könnten<br />

Führungen durch die Sturmannshöhle<br />

Dauer ca. 30 Minuten<br />

Sommer (Mai bis Anfang November):<br />

9.30, 10.30, 11.30, 12.30, 13.30, <strong>14</strong>.30, 15.30, 16.30 Uhr<br />

<strong>Winter</strong> (25.12. bis Sonntag nach Ostern):<br />

Jede volle Stunde von 11 bis 16 Uhr<br />

Im <strong>Winter</strong> Montag und Dienstag geschlossen, außer in den<br />

Weihnachts- und Osterferien<br />

Eintrittspreise<br />

Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder (6 bis <strong>14</strong> Jahre, darunter<br />

frei) 2,50 Euro<br />

Fotos: Manuel Geimer, Volker Wille, Obermaiselstein Tourismus<br />

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SPIEL & SPASS<br />

Lach mal wieder!<br />

Zwei Jäger verirren sich nachts im Wald.<br />

»Gib doch einen Schuss ab«, schlägt der eine vor. »Vielleicht<br />

findet man uns dann leichter.« Der zweite befolgt den Rat. Keine<br />

Reaktion. »Schieß noch mal!«, fordert ihn der erste auf. Wieder ein<br />

Schuss, wieder keine Reaktion. »Noch einen Schuss!«, drängt<br />

sein Freund. »Tut mir leid«, antwortet der Schütze,<br />

»das war mein letzter Pfeil.«<br />

Gehen zwei Zahnstocher am<br />

Waldrand spazieren. Nach ein paar<br />

Minuten stapft ein Igel an ihnen vorbei. Da<br />

sagt das eine Streichholz zum anderen:<br />

»Klasse, ich wusste ja gar nicht, dass<br />

hier auch Busse fahren!«<br />

Treffen sich zwei Mäuse und plaudern. Auf einmal fliegt<br />

eine Fledermaus vorbei. Da sagt die eine Maus zur anderen:<br />

»Wenn ich groß bin, werd ich auch Pilot!«<br />

»Hast du schon einmal gesehen,<br />

wie ein Kälbchen geboren wird?«, fragt der<br />

Bauer den kleinen Fritz. »Nein, wie denn?«<br />

»Zuerst kommen die Vorderbeine, dann der Kopf,<br />

dann die Schultern und der Körper und zum<br />

Schluss die Hinterbeine.« Fritz ist begeistert:<br />

»Toll, und wer bastelt das alles wieder<br />

zusammen?«<br />

Ein dicker und ein dünner<br />

Rothirsch treffen sich. Sagt der Dicke:<br />

»Wenn man dich anguckt, könnte man glatt<br />

meinen, eine Hungersnot ist ausgebrochen!«<br />

Darauf der Dünne: »Und wenn man dich<br />

anschaut, könnte man meinen, du<br />

bist schuld daran!«<br />

Wer bin ich?<br />

Über meinen Anblick<br />

freuen sich die Menschen<br />

im <strong>Naturpark</strong><br />

Nagelfluhkette ganz<br />

besonders – das ist kein<br />

Wunder, bin ich doch<br />

sehr, sehr selten geworden<br />

und stehe deshalb<br />

auch unter strengem<br />

Schutz. Auf sonnigen<br />

Alphängen fühle ich<br />

mich pudelwohl. Weil<br />

ich mit meiner roten<br />

Punktezeichnung so ein<br />

hübscher Anblick bin,<br />

wurde ich sogar nach<br />

einer griechischen Gottheit<br />

benannt. Ein Foto<br />

von mir findest du in<br />

diesem <strong>Magazin</strong>. Kennst<br />

du meinen Namen?<br />

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Antwort: Apollofalter<br />

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38 <strong>NAGELFLUH</strong>


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