Download – PDF – Deutsch - Krieghoff

krieghoff

Download – PDF – Deutsch - Krieghoff

Immer mehr Frauen gehen auf die Jagd.

Und auch bei der Herstellung von

Schusswaffen sind Frauen beteiligt.

Wie zum Beispiel die Auszubildende zur

Büchsenmacherin, Conny Paar, und die

Graveurin Annemarie Mack.

Frauen am Schuss –

Zwei Berufe »im Visier«

96 3/2011


Lauf

3/2011

Büchsenmacherin Conny Paar

Der Zeitpunkt des Interviews war etwas ungünstig

gewählt. Denn einen Tag zuvor legte

Cornelia Paar ihre Gesellenprüfung mit exzellentem

Ergebnis ab. Nur konnte sie das am

Abend nicht richtig feiern, da sie am nächsten

Tag einigermaßen fit aussehen wollte. Zu lange

wäre es aber so oder so nicht geworden, schließlich

muss sie auch an einem ganz normalen

Arbeitstag immer auf den Beinen sein. Und das im

wahrsten Sinne des Wortes. Denn als Büchsenmacherin

steht man o� den ganzen Tag, meistens vor

dem Schraubstock und feilt. Dabei geht es nicht

um Millimeter, sondern um hundertstel Millimeter,

die Cornelia Paar wegfeilen muss, damit

alle Teile wie ein Uhrwerk perfekt ineinandergreifen

und perfekt aufeinanderpassen. Die

dreijährige Ausbildung hat ihr dabei geholfen,

ein Gefühl für das Metall zu bekommen.

Das ist wichtig, denn »jedes Teil reagiert anders«. Mal muss es mit mehr, mal

mit weniger Kra� mit einer der etwa 20 unterschiedlichen Feilen bearbeitet

werden. So viele Feilen braucht sie auch, schließlich feilt sie etwa 80 Prozent

ihrer Arbeitszeit. Im ersten Lehrjahr feilen die Lehrlinge noch nicht an den

Waffen, sondern stellen zum Beispiel ihre eigenen Werkzeuge wie Sägen oder

Feilen her. Schließlich braucht jeder Lehrling spätestens im zweiten Lehrjahr

eigenes Werkzeug. Ein Praktikum ist für die BewerberInnen hier bei der Firma

Krieghoff, die es seit 1886 gibt und seit 1950 sessha� in Ulm ist, übrigens

Pflicht. In der Praktikumswoche fertigen sie zum Beispiel einen kleinen Würfel.

So kann der Büchsenmachermeister Manfred Eberle sehr gut einschätzen, ob

jemand das nötige »Fingerspitzengefühl« und Veranlagungen für diesen Beruf

besitzt, also handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und

genaues Arbeiten. Natürlich können sich auch die PraktikantenInnen dann

besser vorstellen, was auf sie zukommen wird.

Neben feinmotorischen Fähigkeiten spielt auch eine gewisse Begabung für

Mathematik und Physik eine Rolle. Denn in der Berufsschule in Ehingen

lernt man sehr viel »was auch ein Jäger wissen muss«. Welche Faktoren

beeinflussen die Flugrichtung des Geschosses? Was passiert, wenn ich vom

Berg ins Tal schieße, und wie wirkt sich der Lu�druck auf den Schuss aus?

Welche Munition und welches Geschoss wirkt wie auf welchen Wildkörper?

Waffen-Funktionen:

Vorderschaft Basküle

System

Schaft

97


Ab dem zweiten Lehrjahr dur�e Cornelia

Paar dann schon die vorgefertigten Teile

feilen, die auch den Weg in eine der 2000

fertigen Waffen finden, die sie und knapp

50 andere BüchsenmacherInnen im

Betrieb jedes Jahr fertigen. Damit stellen

die BüchsenmacherInnen die Häl�e der

MitarbeiterInnen im Betrieb dar.

Ein »Drei-Berufe-Beruf«

Es benötigt viele

Arbeitsschritte und

vor allem Fingerspitzengefühl,

bis der Schaft

fertig ist.

Der Beruf der Büchsenmacherin wurde

1985 aus drei Teilberufen zusammengesetzt.

Am Ende spezialisiert man sich zwar

auf einen, gelernt und auch geprü� werden

aber alle drei Bereiche. Das sind: Rohrmacher,

Systemmacher und Schä�er.

Als Rohrmacherin ist sie für den Teil der

Waffe verantwortlich, »durch den die

Kugel durchfliegt«. Der Schä�er stellt

aus einem Nussbaum-Holzklotz den

Scha�, also den Griff, des Gewehres her.

Die gezackte »Fischhaut« am Scha�

wird übrigens nicht eingeritzt, sondern

eingeschnitten. Mit einem selbstgefertigten

Messer, dem sogenannten

»Fischhauteisen«, fährt Cornelia Paar

dafür einfach ein paar Mal über das Holz.

Und schließlich müssen noch die Teile

passgenau zusammengefügt werden, vor

allem die Teile, die für das Spannen und

Abfeuern der Waffen zuständig sind.

Dafür ist der Systemmacher verantwortlich.

Trotz der maschinellen Vorfertigung

ist die Montage letztendlich reine Handarbeit.

Vor allem wenn es darum geht, die

individuellen Kundenwünsche wie beispielsweise

die Lauflänge des Gewehrs zu

erfüllen. Immerhin gibt es in der Firma nur

Au�ragsarbeiten. So dauert es etwa 3

Monate, aber auch schon mal 1,5 Jahre, bis

solch eine Waffe komplett fertig gestellt ist.

In ihrer Zeit als Lehrling hat Cornelia Paar

bei der Fertigung von etwa 60 Waffen

geholfen. Das ist überdurchschnittlich,

erzählt ihr Meister, denn durchschnittlich

würde ein Lehrling etwa 45 bis 50 Waffen

fertigen. Und er muss es wissen, denn in

der Firma wurden bisher weit über

100 BüchsenmacherInnen ausgebildet.

Verantwortungsvoller &

seltener Beruf

Cornelia Paar ist Sportschützin, seitdem

sie 10 Jahre alt ist. Ihr Papa und Opa sind

Jäger, kurz gesagt, sie hatte schon vor ihrer

Ausbildung Kontakt zu Schusswaffen.

Das ist ihrem Ausbildungsbetrieb wichtig.

Denn so ist sie den sicheren, aber vor allem

auch verantwortungsvollen Umgang mit

der Waffe gewohnt. Zwar werden die

Lehrlinge auch in der Berufsschule mit

den rechtlichen Grundlagen des Waffengesetzes

vertraut gemacht, aber was

Hänschen schon von klein auf weiß ...

Und auch in der Werkstatt gibt es extra

einen Schaukasten, der zeigt, was zum

Beispiel mit einem Lauf passiert, wenn

die falsche Munition verwendet wurde.

Cornelia Paar sagt selbst, dass »das

Interesse an der Waffe da sein muss«.

Was Cornelia Paar an ihrem Beruf so

gut gefällt, ist die Tatsache, dass jeder

Tag unterschiedlich ist und andere

Aufgaben mit sich bringt.

Und auch, das es keinen vergleichbaren

Beruf gibt. Zugegeben, mit ihrer Berufswahl

hat sich Cornelia Paar einen eher

seltenen Beruf ausgesucht. Denn in ganz

Deutschland fangen pro Jahr nur etwa

15 Menschen mit dieser Ausbildung an.

Das erklärt vielleicht auch, warum die

meisten Menschen, die zum ersten Mal

von ihrem Beruf hören, denken, sie

würde Konservendosen herstellen.

Infobox:

• Die Ausbildung: BüchsenmacherIn

• Mind. Hauptschulabschluss, besser

mittlere Reife (hohe Anforderungen

in Physik und Mathematik)

• 3 Jahre Ausbildung, Blockunterricht

in der Beruflichen Schule

Ehingen / Donau oder im Staatlich

Gewerblichen-Kaufmännischen

Bildungszentrum Suhl.

• Das Spektrum des Berufes reicht von

dem Bau bis zur Reparatur von

Sport- und Jagdwaffen. Ebenso kann

man sich auf ein Einsatzgebiet

spezialisieren.

• Vergütung: 1. Ausbildungsjahr:

€ 299 bis € 613; 2. Ausbildungsjahr:

€ 345 bis € 648; 3. Ausbildungsjahr:

€ 419 bis € 718

• Weiterbildungsmöglichkeiten:

BüchsenmachermeisterIn,

Maschinenbau-Studium,

TechnikerIn-Weiterbildung

• Ausbildungsbetriebe:

H. Krieghoff GmbH in Ulm

Blaser Jagdwaffen GmbH in Isny

(zudem darf jedeR MeisterIn ausbilden)

• Weitere Infos: www.buechsenmacher.org

98 3/2011


Kundenwünsche

3/2011

Graveurin

Annemarie Mack

Eine Waffe, sagt der Marketingleiter

Ralf Müller, kann ein

Luxusgut sein. Bis zu 125 000

Euro kann solch eine Waffe

kosten. Ein Faktor, der den Wert

einer Waffe und den Jahresumsatz

von 8 Millionen Euro im

Jahr maßgeblich beeinflusst, ist

die Gravur. Und für solch eine ist

u. a. die Graveurin Annemarie

Mack verantwortlich. Sie arbeitet

ebenso wie Cornelia Paar vor

allem im Stehen. In ihrem

Schraubstock, der natürlich

auch graviert ist, wird der zu

gravierende Kasten fixiert.

Und dann beginnt Annemarie Mack mit der Arbeit. »Gravuren sind wie Handschri�en«

erzählt sie. So hat jeder Graveur und jede Graveurin einen eigenen Stil.

Und meistens auch eine bevorzugte Technik. Die Technik bestimmt dabei auch die

Gravurentiefe. Diese kann wie bei der Bulino-Gravur gerade mal im Hundertstel-

Millimeter-Bereich liegen. Oder wie bei einem Relief auch schon mal bis zu

2,5 Millimeter tief sein, da hierbei die Szene schon fast in »3D« abgebildet wird.

Viele Kunden, vor allem noch Männer, so erzählt Annemarie Mack, wählen die

Standard-Gravuren aus dem Katalog. Es gibt aber auch Kunden, die das Foto ihres

Hundes oder eines Hirsches schicken, das dann auf die Waffe graviert werden soll.

Dabei können die Wünsche sehr explizit werden. Die Kunden geben an, in welche

Richtung das Tier sehen, ob das Maul offen oder geschlossen sein, welcher Baum im

Hintergrund stehen und welches Ornament die Szene umfassen soll.

Allein für die Vögel braucht die Graveurin zwei bis drei Tage.


Neben Motiven der heimischen Jagd, wie

Rotwild, Enten, Steinböcken oder Wildschweinen,

werden auch afrikanische Jagdszenen

gewünscht, also Elefanten, Löwen,

Springböcke oder Büffel. Es gibt aber auch

sehr ausgefallene Wünsche, denn grundsätzlich

kann jedes Motiv auf die Waffe

graviert werden. Mancher Mann soll auch

schon mal das Foto seiner Freundin

geschickt haben – so wie Gott sie schuf.

Doch das sei, so betont Annemarie Mack,

bei ihr noch nie vorgekommen.

Sie hat stattdessen schon mal Dinosaurier,

die Mondlandung, Indianer oder eine

Szene, auf der die amerikanische Unabhängigkeitserklärung

unterschrieben wird,

graviert. Denn viele der Kunden kommen

aus den USA. Ob das wohl Motive sind,

die sich auch in den »Schatzkisten« der

Graveurin befinden? Dort, in den kleinen

Bastkörbchen, alten metallenen Schokoladen-

und Teeverpackungen finden sich

auf Transparentpapier Vorlagen jedes

Tieres, das sie schon mal gezeichnet hat.

Heute liegt in dem Bastkörbchen ein

Krokodil ganz oben.

Der Umgang mit dem Material

Auch Materialwünsche können berücksichtigt

werden. Um eine Edelmetalleinlage

wie zum Beispiel Gold in die Gravur

einzuarbeiten, benötigt es eine spezielle

Vorgehensweise. Zuerst sticht Annemarie

Mack eine dünne Linie in das Metall.

Im Querschnitt sieht die Linie dabei wie

ein Dreieck aus. Nun nimmt die Graveurin

einen 0,5 bis 2 mm »dicken« Goldfaden

und schlägt ihn in die Linie. Dadurch, dass

die Linie unten etwas breiter als an

der Oberfläche ist, hält der Goldfaden.

Diesen Schritt wiederholt sie einige Male

und arbeitet weitere Goldfäden parallel

ein. Danach werden die dicht beieinanderliegenden

Goldfäden flachgeklop� und

geschmirgelt und bilden so eine Fläche.

Dann beginnen die Feinarbeiten. Federn,

Augen und Schatten müssen ganz vorsichtig

eingraviert und »ganz zart

gekratzt« werden. Der Gravur wird damit

»Leben eingehaucht« werden. Gold

ist dabei aber keineswegs die einzige

»Farbe«, die eingearbeitet werden kann.

Es ist auch möglich, eine Stockente mit

ihren natürlichen Farben abzubilden,

erzählt die Graveurin.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass eine

sehr aufwendige Gravur deshalb bis zu

4 Monate Zeit benötigen kann. Beim

Zusehen wird deutlich, wie empfindlich

das Material ist. Es braucht nur ganz

wenig Druck, und schon ist ein Kratzer

drin. Damit die Gravur dann nicht beim

Gebraucht verkratzt wird, wird die

Oberfläche der fertig gravierten Basküle

noch vernickelt, nitriert oder brüniert.

Das Bearbeiten des Metalls geht natürlich

nicht mit dem bloßen Auge, und so trägt

Annemarie Mack eine Brille, die das Bild

siebenfach vergrößert. Ein weiteres

wichtiges Hilfsmittel sind die »Bücher in

rauen Massen« auf ihrem Tisch, in denen

Fotos von Tieren abgebildet sind, die es

zu gravieren gilt.

100 3/2011


Infobox:

• Die Ausbildung: GraveurIn

• Mind. Hauptschulabschluss (Voraussetzungen: technisches Verständnis,

zeichnerisches Können)

• 3 Jahre Ausbildung, mehrwöchiger Blockunterricht in der Goldschmiedeschule mit

Uhrmacherschule Pforzheim, in der Staatlichen Berufsbildenden Schule Arnstadt

(�üringen), in Nürnberg oder in dem Technisches Berufskolleg Solingen

(Nordrhein-Westfalen). Das Spektrum des Berufes reicht von anspruchsvollen

Handgravuren auf z. B. Waffen (Flachgraviertechnik) bis zu der Herstellung von

Spritz-, Druck- oder Blasformen (Reliefgraviertechnik), bei der natürlich Computer

und CNC-Steuerung nicht mehr wegzudenken sind.

• Vergütung:

1. Ausbildungsjahr: € 550; 2. Ausbildungsjahr: € 580; 3. Ausbildungsjahr: € 630

• Weiterbildungsmöglichkeiten: GraveurmeisterIn, DesignerIn, GestaltungstechnikerIn

• Weitere Infos: www.biv.org, berufenet.arbeitsagentur.de

Doch keine Goldschmiedin

Was sie denn am liebsten graviert? Rotwild.

Warum? »Weil ich das selber gerne

jage.« Dabei ist Annemarie Mack im

Betrieb eine Ausnahme. Denn bevor sie als

Graveurin anfing, hatte sie mit der Jagd

rein gar nichts zu tun. Es sei aber unmöglich,

so erzählt die Graveurin, in solch

einem Bereich zu arbeiten, ohne dass einen

das »Jagdfieber« früher oder später selbst

erwischt. »Das bleibt nicht aus«, sagt

Annemarie Mack. Was man übrigens auch

an ihrer Arbeitsschürze (stilecht mit Wildmotiv)

oder dem Geweih an der Wand

erkennen kann. Dabei wollte sie ursprünglich

Goldschmiedin werden. Es war aber

keine Ausbildungsstelle frei. Auf dem

Arbeitsamt bekam sie dann den Tipp, dass

sie sich auch als Graveurin für Jagdwaffen

bewerben sollte, immerhin würden beide

Berufe mit Metall arbeiten. Also nahm sie

an dem Eignungstest teil, bei dem sie

Draht biegen und zeichnen musste. Denn

neben den feinmotorischen und handwerklichen

Fähigkeiten ist es natürlich

auch ganz wichtig, zeichnen zu können.

Die Ausbildung fand dann sogar in der

Goldschmiedeschule in Pforzheim statt.

Denn die theoretischen Inhalte waren

gleich. Ganz im Gegensatz zur Praxis.

Das waren dann doch »zwei paar Stiefel«.

Der Beruf, so sagt die Graveurin, sei auch

kein reiner Männerberuf und »sicherlich

nicht so anstrengend wie der der Büchsenmacherin«.

»Ich hab’s hier sicherlich

ruhiger« lacht Annemarie Mack. Aber

sicherlich nicht weniger anspruchsvoll.

Text: Monika Läufle / Fotos: Anita Herta Kößler;

H. Krieghoff GmbH H

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine